Silvester-Bowls im College Football 2011

Achtung: Dieses Jahr finden am morgigen Neujahrstag keine Bowls im College Football statt, da die NFL ihren letzten Spieltag des Grunddurchgangs abhält. Die traditionellen Neujahrsbowls diesmal am Montag, 2.1. Mit dem Appell, nicht verantwortungslos zu feiern, zu den heutigen Silvester-Bowls für die Partymuffel.


Meineke Car Care Bowl of Texas

Texas A&M Aggies – Northwestern Wildcats

Sa, 31.12. 18h LIVE im ESPN-Player
Tape: So, 1.1. 6h30 bei ESPNA

Da sind zwei Teams mit einer Saisonbilanz von 6-6, aber “6-6” fühlt sich bei beiden sehr unterschiedlich an. Texas A&M gehört bekanntlich zu den von mir immer noch hoch angesehenen Teams, ein Kaliber, das nur gegen Oklahoma höher verlor, ansonsten durch allerhand Freak-Einbrüche Führungen und an sich gute Vorstellungen wegwarf und sich seine letzte Saison in der Big 12 Conference zerschoss. HeadCoach Mike Sherman ist dann auch gefeuert worden, doch heute wird nicht der Nachfolger Kevin Sumlin (von Houston gekommen) coachen, sondern DefCoord Tim DeRuyter, der sich dann auch nach der Partie brav nach Fresno State verzieht, wo er der neue Mann am Steuer sein wird. Alles klar?

Die Aggies leben von einem sehr guten Angriff (496yds/Spiel) um QB Ryan Tannehill (3415yds, 28 TD, 14 INT) und den Top-WR Jeff Fuller, aber die beiden starken Running Backs Michael/Gray sind seit Wochen entweder außer Gefecht oder schwer angeschlagen unterwegs. Northwesterns Defense gilt jedoch immer noch nicht als stark genug, um aTm zu einzubremsen.

Texas A&Ms Defense gilt als ordentlich gegen den Lauf, aber anfällig gegen fliegende Bälle. Die Stärken der Northwestern Wildcats passen da dummerweise genau ins Profil: QB Dan Persa muss in Abwesenheit eines ernst zu nehmenden Laufspiels viel und oft werfen und gilt dann auch als sehr akkurater QB.

Excel spuckt die Aggies trotzdem als 15pts-Favorit aus, wobei noch Fragezeichen bezüglich der Motivation bei den Aggies bleiben. Inwiefern lässt sich der Kader nach dem enttäuschenden Saisonverlauf inklusive verheerender Derbyschlappe gegen Texas vom Interimscoach noch genügend motivieren, um sich ein letztes Mal aufzuraffen?


Hyundai Sun Bowl

Georgia Tech Yellow Jackets – Utah Utes

Sa, 31.12. 20h LIVE bei ESPN America

Billigalternative zum Silvester-Menü: Sun Bowl aus dem warmen New Mexico (Albuquerque). Utah war im ersten Jahr als BCS-Team eine dezente Enttäuschung mit 7-5 in der Pac-12, hatte in der Offense nach einigen Verletzungen nicht viel mehr als den RB John White (1404yds, 14 TD) zu bieten, was sich aber noch recht gut trifft, da Georgia Tech eine schwache Front Seven aufbietet.

Georgia Tech ist unter HeadCoach Paul Johnson mit seiner „flexbone-triple option“-Offense immer ein Hingucker, läuft 316,8yds/Spiel, was sich etwas weniger gut trifft, weil Utahs absolut größte Stärke die Lauf-Defense ist. Die Utes haben zwar heuer keine Option-Offense gesehen, jedoch in den vergangenen Jahren gegen Air Force verteidigt. Die Yellow Jackets gelten trotz aller Pitches und Options als eigenartig abhängig von den Wurfkünsten QB Tevin Washingtons, die in der zweiten Saisonhälfte eher ein nervöses Abzugshändchen waren.

IMHO eine der interessantesten Bowls, was Matchups und Aufeinandertreffen von Stärke und Schwäche angeht. Ich vertraue angesichts einer Unmasse an zu erwartenden Laufspielzügen dem Excel-Spread von 2pts zugunsten Utahs nicht wirklich und sage trotz völliger Unwissenheit über den Sieger kein Spiel voraus, das knapp enden wird.


AutoZone Liberty Bowl

Cincinnati Bearcats – Vanderbilt Commodores

Sa, 31.12. um 21h3o LIVE im ESPN-Player
Sa, 31.12. 23h30 LIVE bei ESPN America (Einstieg in die Endphase)

Wenn man über dieses Spiel ein paar Zeilen verliert, kommt man nicht drum herum, den Umschwung an der gebrandmarkten Verlierer-Universität Vanderbilt (aus Nashville/Tennessee) zu thematisieren:  Jahrelang in der SEC verlacht und verspottet, aber seit letztem Winter sitzt dort der glatzköpfige Offensivgeist James Franklin am Ruder, der dann auch gleich in seiner Debütsaison mehr Siege holte als die letzten beiden Jahre zusammen. QB ist mit Jordan Rodgers der Bruder des großen Aaron, und Jordan fügte sich dann nach anfänglichen Problemen auch ordentlich ein, machte mit seiner Beweglichkeit viele Plays. Cincinnati (9-3) wird nun doch mit seinem in Rekordzeit wieder genesenen QB Zach Collaros antreten können, was essenziell sein könnte, da Vanderbilts Pass Rush zwar als aggressiv gilt, aber die Deckung viele Yards aufgibt – der unerfahrene Backup Munchie Legaux wäre hier vermutlich leichter verbrannt worden (Excel-Spread übrigens: 0,0 Punkte).


Kraft Fight Hunger Bowl

Illinois Fighting Illini – UCLA Bruins

So, 1.1. Tape um 9h30 bei ESPN America

Ein Spiel mit Potenzial zur schlechtesten College-Bowl seit Äonen: Illinois nach sechs Niederlagen en suite von 6-0 auf 6-6 gefallen und HeadCoach Ron Zook gefeuert, UCLA nach wechselhaftem Saisonverlauf 6-7 mit haushohen Klatschen gegen USC (null zu fuffzich) und Oregon (31-48) zum Abschluss, Head Coach Rick Neuheisl gefeuert und nur dank einer speziellen Klausel trotz negativer Saison überhaupt qualifiziert. Dazu kommt das ungeliebte Baseball-Stadion AT&T von San Francisco als Austragungsort, wo die beiden Teams an derselben Seitenlinie an der 50yds-Linie voneinander getrennt sein. Zum wenig begeisternden Stuff tragen auch die vielen angeschlagenen Running Backs in Illinois’ Angriff und der Zorn der UCLA-Fans auf den frisch eingestellten HeadCoach für 2012, Jim Mora jr., der heute allerdings noch nicht coachen wird, bei. Bei Illinois wird allerdings bereits die neue Fixlösung, Tim Beckman (von Toledo gekommen), die Spielleitung übernehmen.


Chick fil-A Bowl

#25 Auburn Tigers – Virginia Cavaliers

Sa/So, 31.12./1.1. 01h30 LIVE bei ESPN America
Tape: 1.1. um 12h30 bei ESPN America

Beim Noch-Titelträger Auburn herrscht schlechte Stimmung, weil die Saison in den letzten Wochen noch gegen die Wand gefahren wurde, die Coordinators mittlerweile entlassen oder an anderen Orten Chefcoaches geworden sind (OffCoord Malzahn soll noch dieses letzte Spiel leiten) und die einzige nennenswerte Offensiv-Waffe RB Michael Dyer aus nicht genannten Gründen intern für das Spiel gesperrt wurde. Da hätten wir dann auch gleich unser erstes essenzielles Matchup: Auburns an #104 gerankte Offense ohne seinen besten Mann gegen eine der besten Lauf-Defenses in der FBS.

Virginia, das kleine Virginia, erlebt unter dem leidenschaftlichen Head Coach im zweiten Jahr, Mike London (ein Schwarzer), einen Aufschwung, der sich in einer überraschend starken 8-4 Bilanz widerspiegelt. Im letzten Spiel der Regular Season wurde man zwar von Virginia Tech 38-0 in Grund und Boden gemäht, aber das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass man hochzufrieden mit der Entwicklung ist. Stärke ist die Offensive Line, hinter der sich ein ordentliches Laufspiel und ein fehlerarmer QB Michael Rocco entfalten können und gegen die tackling-resistente Defense Auburns etliche Yards zurücklegen sollten.

Auburn geht als nur leichter Favorit in diese Bowl mit dem genialsten aller Sponsornamen – Chick fil-A – (3,1pts), aber ein Cavs-Sieg wäre alles andere als ein Upset.

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Bowl Season 2011/12: Wir nähern uns den großen Bowls

Heute Abend/Nacht finden gleich vier Bowl-Paarungen statt. Die von den Namen hochkarätigste – die Insight Bowl – wird bei ESPN America allerdings erst morgen als Aufzeichnung übertragen.

Bell Helicopters Armed Forces Bowl

BYU Cougars – Tulsa Golden Hurricane

Fr, 30.12. 18h LIVE bei ESPN America

Die Brigham Young University beendet ihre erste Saison als Independent, ein Herbst, der nicht reibungsfrei verlief (u.a. ein arges Debakel gegen Utah, 10-54), aber am Ende mit blauem Auge und 9-3 abgeschlossen wurde, was Head Coach Bronco Mendenhall nun erstmal ein reibungsfreies Arbeiten garantieren sollte.

Story der Saison bei den Coogs war die schnelle Auswechslung vom Quarterback Jake Heaps, der noch im Sommer als großer Hoffnungsträger gegolten hatte, gegen den beweglichen Backup Riley Nelson (61%completion, 16 TD, 5 INT, 376yds Scrambling). Nelson soll immer mehr Sicherheit gewinnen und sich im Team als „tough guy“ einen exzellenten Status erarbeitet haben, während Heaps sich bereits gen University of Kansas verabschiedet hat.

Der Blick auf BYUs Offense verrät eine sehr breit aufgestellte Offense, mit vielen Running Backs, die Carries bekommen und vielen, vielen Leuten, die Touchdowns fangen (10 oder 11). Die Defense verfügt über eine gute Front Seven und würde nicht den ersten Gegner unter seinem Saisondurchschnitt halten.

Tulsa, die Uni mit dieser furchtbar ausgewaschenen goldenen Trikotfarbe, gehört seit längerer Zeit zu den interessanten, wunderschön balanciert spielenden Offenses: 204,6yds Laufspiel und 249,8yds Passspiel im Schnitt (Vgl. 2010: 215yds Lauf, 284yds Pass). Schlüsselfigur im Angriff ist der wuselige QB G.J. („Gary Joe“) Kinne (2876yds Pass, 405yds Rushing, insgesamt 28 TD) und auch ansonsten könnte ich den Text von letztem Jahr hier reinkopieren: Viele Running Backs mit Carries, extrem viele verschiedene Wide Receivers, die die Bälle fangen.

Es ist ein Spiel, in dem ich meine Jetons eher auf BYU setzen würde: Tulsas Defense genießt bei mir trotz vieler Sacks nicht den allerbesten Ruf (#118 gegen den Pass, wenn auch gegen einen passlastigen Schedule) und sah gegen Boise und OSU furchtbar aus. BYU wirkt insgesamt einen Furz reifer. (Rating-System favorisiert allerdings Tulsa mit 2pts)

New Era Pinstripe Bowl

Iowa State Cyclones – Rutgers Scarlet Knights

Fr 30.12. 21h30 LIVE bei ESPN America

Iowa State war in der Big 12 Conference „6-6“, aber sie hätten auch untergehen können und keinen hätte es gekratzt, da die Saison nach dem fantastischen Derbysieg über die Iowa Hawkeyes (dritte Overtime!) gerettet war und dann im November das i-Tüpfelchen mit dem kolossalen Upset über Oklahoma State folgte. Der gerühmte QB Steele Jantz war der Hero in ersterem Krimi, wurde dann aber nach schwachen Vorstellungen auf die Bank gesetzt und durch den laufstarken Backup Jared Barnett (70yds/Spiel) ersetzt. Man kann davon ausgehen, dass Rutgers Probleme mit den vielen Scrambles Barnetts bekommen wird.

Die Rutgers Scarlet Knights des umtriebigen HeadCoaches Greg Schiano bieten einen wetterwindischen Laufangriff (Spiele mit Minus-Yards, 200+yds-Spiele), enteierte Quarterbacks und einen fantastischen WR Mohammed Sanu (109 Catches, 1144yds, 7 TD) auf und müssen a) auf ihre eigenen starke Pass-Defense und b) die schwache Cyclones-Defense hoffen.

Beide kommen auf dem Zahnfleisch daher, das Rating-System spuckt einen Spread von 0.3 Punkten aus, also würde man auf die potenziell motiviertere Mannschaft – Rutgers – setzen, trotz des schwachen Kickers mit dem coolen Namen San San Te (10/28 Kicks danebengesetzt).

Franklin American Mortgage Music City Bowl

Wake Forest Demon Deacons – Mississippi State Bulldogs

Fr/Sa 30./31.12. 0h30 LIVE bei ESPN America
Tape: Sa, 31.12. um 11h bei ESPN America

Zwei Teams, die die Music City Bowl eher als Belastung, denn als Freude empfinden würden. Von Mississippi State hatte man sich nach dem guten Herbst 2010/11 mehr erhofft, doch die Bulldoggs bekamen nie den richtigen Groove in der Offense und der mobile QB Chris Relf wurde sogar mehrmals ausgewechselt. Star des Angriffs ist RB Vick Ballard (1009yds), ein Senior in seinem letzten College-Spiel, der selbigen dann auch meistens im Alleingang tragen musste – gegen Wake Forest ein bewährtes Rezept, denn die Demon Deacons verfügen über eine schwache Lauf-Defense, kassierten in den letzten Wochen regelmäßig klar über 200yds Laufspiel.

Wake Forest mit dem sympathischen HeadCoach Jim Grobe sähe die 6-6 Bilanz eigentlich als zufriedenstellend an, jedoch wurden die meisten Siege zum Saisonbeginn geholt (u.a. über FSU), während man in den letzten zwei Monaten hauptsächlich – und teilweise hohe – Schlappen kassierte. Mitverantwortlich dafür waren Verletzungsproblemen in allen Mannschaftsteilen, aber zwei Männer hielten die Fahne hoch: QB Tanner Price (2803yds, 20 TD, 6 INT) und WR Chris Givens (1276yds).

Wake Forest wurde vor wenigen Wochen von Vanderbilt, das – wer will – man auf Augenhöhe mit Mississippi State sehen kann, abgeschlachtet. Mississippi State hat eine gute Defense. Das Rating-System favorisiert Mississippi State mit acht Punkten. Ich würde mit Dan Mullens Bulldoggs gehen.

Insight Bowl

#14 Oklahoma Sooners – Iowa Hawkeyes

Sa, 31.12. 14h als Tape bei ESPN America
(Live ist die Partie in der Nacht von 30.12. auf 31.12 um 4h MEZ im ESPN-Player zu sehen)

Die Probleme der Oklahoma Sooners habe ich in dieser Saison des Öfteren dokumentiert: Verletzungen mehrerer Schlüsselfiguren und die fehlenden Anpassungen der Defense auf Aufstellungen mit 4-5 WRs. Summa summarum ergibt sich daraus eine blasse 9-3 Bilanz, die als krasse Enttäuschung gewertet wird. In der Offense fielen in der zweiten Saisonhälfte RB Whaley und WR Broyles aus und schwupps brach auch der Gunslinger-QB Landry Jones etwas ein (immer noch 4302yds, 28 TD, 14 INT). Das Gute für die Sooners: Ihre Offense ist immer noch um mächtiges Passspiel gebaut, und Iowa hat eine unterirdische Pass-Defense, die im Ballhagel zu kollabieren pflegt.

Die Hawkeyes spielen selbst einen gepflegten Ball im Angriff, mit dem überraschend starken Stanzi-Nachfolger QB James Valkenburg und vor allem dem Top-WR Marvin McNutt, dessen Zahlen sämtliche Schuldrekorde an der B1G-Uni Iowa sprengten: 78 Catches, 1269yds, 12 TD – ungesehen in der Einöde von Iowa City. Es gab in den letzten Tagen allerdings ordentlich Krach bei den Hawkeyes, nachdem RB Marcus Coker für die Insight Bowl suspendiert worden war und ein weiterer Running Back via Twitter seinen sofortigen Abschied von der Mannschaft erklärte.

Aus Draftsicht dürfte man in Iowas Angriff ein Auge auf den Junior-OT Riley Reiff werfen, dem eine exzellente NFL-Karriere prognostiziert wird. Reiff ist der Eckpunkt der Unit, die als ansonsten anfällig gegen Sacks gilt.

Das Rating-System favorisiert Oklahoma mit 16 Punkten. Wenn die Sooners-Defense nicht erneut so kollabiert wie gegen Baylor und Oklahoma State, wird Oklahoma das Spiel auch gewinnen und dann gespannt auf QB Landry Jones und seine noch immer als offen geltende Entscheidung hinsichtlich Anmeldung zum NFL-Draft blicken.

Champ Sports Bowl 2011 live: Florida State Seminoles – Notre Dame Fighting Irish

[03h04] Für diejenigen mit Koffeinüberschuss gibt es jetzt noch den Gewinner der Heisman Trophy, Robert Griffin III („RG3“). Ich werde noch ein paar Drives zuschauen, aber kein Liveblogging mehr machen.

[03h00] Endstand Florida State 18, Notre Dame 14.

Glanzloser Sieg der Seminoles in einem Spiel, das über weite Strecken enttäuschte. Florida State brauchte bis tief ins dritte Viertel hinein, um ein Rezept gegen Te’o und Konsorten zu finden. Als es gefunden war und QB Manuel den Moment zum Gucken bekam, war es um Notre Dame geschehen. Jo, es halfen tiefe Bomben mit. Aber Notre Dame war auch erstaunlich mittellos gegen einen ruhigeren Manuel hinter halbwegs solider Protection.

Freilich halfen auch die drei INTs kräftig mit, zwei davon in der EndZone (beide gegen Rees), einmal eine sinnlose INT direkt auf den LB Bradham (gegen Hendrix), die den Stimmungsumschwung in dieser Partie brachte.

Lobeshymnen für die Seminoles wären fehl am Platz. Es ist ein Sieg, aber nichts, auf dem aufbauend man eine Mannschaft für nächste Saison in die Top-10 hypen sollte.

As for Notre Dame: Wenn ich mir den Schedule anschaue, wird 2012/13 auch recht heftig für die Irish. Michigan State, Michigan, Oklahoma, Stanford, USC als Gegner. Möglicherweise wird die Saisonbilanz nächstes Jahr erneut nicht viel besser ausschauen, selbst wenn Kelly die QB-Frage lösen kann.

[02h48] Rees riskiert, gleich einen Kopf kürzer gemacht zu werden. Notre Dame startet an der FSU28, hat fünf Minuten, und Rees wirft einen langsamen Ball in Doppeldeckung in die EndZone. Völlig überraschend ist das Resultat die dritte INT, 2:48 vor Schluss. Kelly dreht sich an der Seitenlinie resigniert ab, überlegt noch einen Moment, ob er sich zum Wutausbruch noch abdrehen soll.

[02h39] Brian Kelly staucht QB Rees nicht zum ersten Mal zusammen, nachdem Rees beim langen 3rd down nicht den Killerschlag sucht. Notre Dame spielt weiterhin ohne WR Michael Floyd und sieht in diesem Kontext seinen gefährlichsten verbliebenen Mann, TE Tyler Eifert, von einem Cornerback (#1 Mike Harris) bewacht. Eifert macht Plays, aber ohne Floyd sind die Optionen für Rees doch recht beschränkt. Positiv für Kelly: Der Punt wurde an der 0,1yds Line der Seminoles niedergelegt.

[02h31] Florida State 18, Notre Dame 14/Q4 8:05. Das emotionale Hoch nicht zum TD verwandeln können, weil Manuel beim 3rd down mit zwei Defensive Ends im Gesicht einen Ball in die EndZone 2m überwirft. Gemessen an den letzten Minuten muss Notre Dame sich nun aus einem ganz tiefen mentalen Loch hochziehen.

[02h26] Notre Dames Defense kriegt nun keinen Zugriff mehr auf QB Manuel. Wie vermutet sieht Manuel mit dem Funzen mehr Zeit plötzlich Land und traut sich beim 3rd-and-6 einen ganz tiefen Ball zu. Wieder fängt WR #80 Rashard Greene, diesmal im Nachfassen am Boden liegend, 2cm vor der Auslinie. Aber Respekt, wie locker nun der lange so starke Druck der Fighting Irish im Keim erstickt wird.

[02h11] Florida State 15, Notre Dame 14/Q4 13:18. Nun wirft auch Hendrix eine eher hanebüchene Interception, weil Hendrix den in der Zonendeckung hängenden LB Bradham übersieht und Bradham den Ball direkt auf die Brust serviert. Bradham wälzt sich ein paar Yards beim Return durch, ehe im nächsten Spielzug QB Manuel den WR #80 Greene in einer nicht hautengen Dreifachdeckung zum Touchdown findet. Jimbo Fishers Entscheidung, vorhin auf 2pts Conversion zu gehen, schlägt nun zurück, FSU scheitert zum zweiten Mal und führt nur +1 anstelle der durchaus möglichen +3.

[02h03] Florida State 9, Notre Dame 14/Q4 14:54. Erster Spielzug ist ein Manuel-Ball, der genau zweieinhalb Minuten in der Luft hing, ehe ihn WR Bert Reed runterpflückte zum ersten „Sechser“ für die Seminoles. Plötzlich ist Leben in der Bude.

[01h57] Das dritte Viertel geht in diesen Sekunde zu Ende und die Seminoles zeigen zum ersten Mal etwas Leben in ihrer Offense: Manuel komplettierte dank fantastischem Catch von WR Rashard Greene einen ganz tiefen Ball, kann dann mit etwas Zeit Screen-Pässe komplettieren, scrambeln und sogar erfolgreich die Bälle an die Running Backs übergeben. Man ist an der RedZone, ein zäher Marsch vorwärts, aber die Körpersprache bei den Seminoles ist plötzlich eine ganz andere.

[01h39] Florida State 3, Notre Dame 14/Q3 9:03. Ein langer Kickoff-Return vom flinken FS Joyner, eine gebremste Offense, eine Strafe gegen die Defense = 42yds Field Goal für K Hopkins. Joyner ist für einen Safety erstaunlich schnell, dabei muss man wissen: Joyner wurde als Sprinter für die Cornerbacks rekrutiert, aber aufgrund des schieren Überangebots an athletischen CBs auf Safety umgeschult, da man ihn als zu schade ansah, um draußen zu sitzen. Joyner, ein big hitter bei zirka 1,20m Körpergröße, als Instinktfootballer einer meiner Lieblingsspieler im College Football.

[01h30] Florida State 0, Notre Dame 14/Q3 11:24. Wilder, wilder TD-Spielzug, als QB Rees einen Ball in die EndZone lupft, wo WR Michael Floyd dem Gegenspieler CB Greg Reid überlegen ist, und im sechsten oder siebten Nachfassen einen spektakulären Touchdown fängt, während Reid böse mit dem Helm voraus auf dem Boden aufschlägt, sich aber wie durch ein Wunder nicht Hals und Genick bricht, sondern „nur“ gestützt rausgetragen werden muss. Scary, scary shit.

Notre Dame machte es nun interessant: Nutzte FSUs Undiszipliniertheit aus, wechselte zwischendurch als Tempowechsel den Scrambler QB Hendrix ein und schlug gleich nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Floyd-Bewacher #27 Xavier Rhoades eiskalt zu. Zweifellos gut gemacht von Brian Kelly – nun könnten die Seminoles ohne die beiden besten Deckungsspieler auskommen müssen (Rhoades/Reid).

[01h16] Habe ich das richtig mitgekriegt oder gibt es im College Basketball gerade ein Spiel mit Halbzeitstand „14-9“? In diesem Falle danken wir dem Herrn für diese sieben Punkte in Orlando.

[01h04] Halbzeit Florida State 0, Notre Dame 7.

Fürchterliches Spiel in der ersten Halbzeit. Keine der Offenses kriegt irgendwas auf die Reihe. Notre Dame sieht für meine Verhältnisse fast noch trauriger aus, die Quarterbacks kriegen trotz Zeit ganze 4.3yds/Passversuch zustande. Vierkommadrei, obwohl die Seminoles überhaupt nichts besonderes entgegenwerfen. Björn Werner hatte übrigens einen Sack und um ein Haar einen erzwungenen Fumble.

Florida State sieht nicht ungefährlich aus in den Momenten, in denen QB Manuel einen Moment zum Werfen kriegt. Weil Manuel hinter der taufrischen Offensive Line (angeblich vier Freshmen?) aber zumeist null Zeit zum Schnaufen bekommt und schon im Zurückstapfen unter Druck steht, werden fast alle Drives im Ansatz niedergemacht, Manuel niedergeschlagen. Florida State 0/7 bei 3rd downs, was alles sagt. Dazu ein Laufspiel mit 9yds in 14 Versuchen (vier davon waren allerdings Sacks).

[00h47] Während sich Notre Dame noch an den paar erzielten Punkten hochziehen kann, herrscht an der Seitenlinie der Seminoles blanke Frustration angesichts der schieren Unfähigkeit, den Pass Rush zu stoppen. Und es wäre nicht so, dass Notre Dames Front Seven da aus allen Rohren schießen würde…

[00h38] Während sich Co-Kommentator Gilmore wundert, warum QB Manuel kein Vertrauen in die Protection habe (warum bloß?), probieren die Seminoles einen Punt-Fake, der ein paar Zentimeter zu früh gestoppt wird. Angesichts der Aussichtslosigkeit, auf die traditionelle Weise was zustande zu bekommen, eine gute Entscheidung Fishers.

[00h28] Erstes 1st down der Seminoles durch eine Strafe (late hit gegen #55 Prince Shembo/“dirty“?), aber ansonsten dasselbe Lied: Florida States QB E.J. Manuel kriegt überhaupt keine Luft zum Atmen und wird andauernd niedergeschlagen und gesackt, konnte nur einmal per genialem Scramble dem massiven Druck entweichen. Überhaupt ein schwer anzusehendes, unrhythmisches Spiel mit einigen Strafen und vielen Auszeiten, um Strafen zu verhindern. Wenn ich da an Toledo-Air Force gestern denke…

[00h14] Kelly wechselt für einen Drive den jungen QB Andrew Hendrix ein, der gleich mal eine Auszeit verbrennt. Dann kommt Hendrix aber langsam ins Rollen, u.a. mit einigen NFL-reifen Pässen, deutet auch seine Beweglichkeit an, aber zum Ausklang des ersten Viertels setzt Notre Dames Kicker ein 48yds Field Goal rechts vorbei.

Florida State kommt wieder auf das Feld. Die Versuche, die Protection zu stabilisieren, sind interessant: Mal wird ein Spreading mit 5 WR versucht, dann kommt ein zusätzlicher Tight End, aber so richtig effizient war datt ganze bis dato nicht.

[23h54] Die Offensive Line der Seminoles gibt QB E.J. Manuel in dieser Anfangsphase zum Abschuss frei. Sind es die beiden unerfahrenen Guards? Manuel wird bei jedem Spielzug entweder gesackt oder niedergeschlagen, FSU kommt überhaupt nicht in Tritt und hat noch kein 1st down erzielt. Dagegen fällt bei Notre Dame auf, dass der Pass Rush gezielt durch wohl getimte Blitzes verstärkt wird, wobei sich vor allem #5 Te’o hervortut. Dass Te’o 2012 am College bleibt, sollte Notre Dame nächstes Jahr helfen.

[23h47] Florida State 0, Notre Dame 7/Q1 9:04. Der super-athletische LB #5 Te’o schlägt dem Backup/Backup-RB #8 Devonta Freeman den Ball nach einem Screen-Pass aus der Hand, der Ball wird straight zum Touchdown returniert. Zwei Spielzüge, zwei Turnovers. Geht ja mal gut los.

[23h42] QB Tommy Rees bestätigt gleich mal seinen Ruf, wirft bei 3rd down in die EndZone hinein eine INT: Ball von LB Jones Bradham direkt in die Arme von FS #20 LaMarcus Joyner abgefälscht und Joyner mit einem wilden 25yds-Return mit zig gebrochenen Tackles.

[23h31] Florida State vor dem Spiel: Die Verletzungsprobleme schlagen ziemlich arg durch, sodass in der Offensive Line heute beide Rookies ihren allerersten Einsatz in der Startformation haben werden. Was für das Laufspiel suboptimal ist, zumal dort der gefährlichste Running Back wegen zu schlechter Noten gesperrt ist.

[23h25] Im Vorfeld des Spiels wird der deutsche DE Björn Werner außerordentlich gelobt und als möglicher „high round draftpick“ (O-Ton) bezeichnet. Werner ist heuer Sophomore, wäre frühestens im April 2013 „draft-eligible“.

[22h43] In ca. einer Dreiviertelstunde wird das Reminiszenzenduell FSU – Notre Dame angepfiffen. Ich mache schonmal den Thread fürs Liveblogging auf.

Bowl Season 2011/12: Reminiszenz an eine ruhmreiche Vergangenheit

Kann bei ESPN America bitte jemand nochmal die erste Halbzeit von Toledo-Air Force von heute Nacht als Aufzeichnung senden? Dankeschön. Dies oder wer es sich gespeichert hat: Reinschalten zahlt sich aus. Zum heutigen Bowl-Programm, das nicht schlechter zu werden verspricht.


In den späten 80ern und den frühen 90ern waren Florida State und Notre Dame dominierende Mächte des College Football mit National Title-Ambitionen. Kulminationspunkt: November 1993, als sich die beiden Unis in einem „Game of the Century“ (datt kennen wir ja) trafen: #1 FSU vs #2 Notre Dame. Obwohl Notre Dame gewann, holte sich die Florida State University ein paar Wochen später den Landesmeistertitel, ehe sich nach wenigen weiteren Begegnungen die Wege der beiden etwas trennten: Während Notre Dame seitdem nur noch ein matter Abglanz alter Zeiten ist, blieben die Seminoles unter Trainerlegende Bobby Bowden noch fast ein Jahzehnt an der Spitze. Seit zwei Jahren haben beide Unis neue Head Coaches und neuen Aufschwung – 2011/12 war aber für beide eine Enttäuschung. Trotzdem: Die Mannschaftskerne bleiben in der Offseason intakt – wenn hier einer überzeugend gewinnt, wird er im neuen Jahr viel Presse und ein gutes Preseason-Ranking 2012 bekommen.

Champ Sports Bowl

Florida State Seminoles – Notre Dame Fighting Irish

Do, 29.12. 23h30 LIVE bei ESPN America
Tape: 30./31.12. um 04h morgens auf ESPNA

Florida State war als einer der Favoriten ins Rennen gegangen, wurde nach einer Heimniederlage gegen Oklahoma von Verletzungen auseinandergerissen und schenkte nach den Sooners noch Clemson und Wake Forest en suite ab. Es war kein Freak-Unfall: Mit wiederhergestellter Formation folgte im November eine enttäuschende Pleite gegen Virginia.

Der unerfahrene QB #3 E.J. Manuel gehört zu der Sorte „wechselhaft“, kann dem Angriff an guten Tagen jedoch eine zusätzliche Dimension mit seiner Beweglichkeit verleihen. Der komplette Angriff leidet unter einer nicht immer zuverlässigen Offensive Line, hinter der das Laufspiel nur an guten Tagen in die Gänge kommt, und einem fehlenden federführenden Wide Receiver als Sicherheitsoption. Killt der Gegner FSUs GamePlan, kommen Graupenspiele wie Virginia heraus.

Weil auch die Defense mit Verletzungen und Unbeständigkeit zu kämpfen hatte (CB Rhodes!) und mit DE Brandon Jenkins und FS LaMarcus Joyner nur zwei der vielen Talente eine wirklich gute Saison spielten, verortet man trotz solider Defense-Stats die größte Stärkte der Seminoles in der Special Teams mit einem guten Gespann aus Kicker und Punter und explosiven Leuten für die Returns.

Die Seminoles haben so was wie „Heimvorteil“ dank der in Orlando stattfindenden Partie, aber mit internen Problemen zu kämpfen: Mehrere Spieler, unter anderem der und bekannte Defensive Back Avis Commack, sind nach kleinkriminellen Handlungen in den letzten Wochen gesperrt (Commack z.B. wegen Diebstahls eines i-pods).

Notre Dame kämpft weniger mit dem Gesetz oder seiner Defense – letztere ist um den athletischen LB #5 Manti Te’o wirklich hervorragend, wenn auch nicht spektakulär – als vielmehr mit einem antiseptischen Angriff. Knackpunkt: Der als Offensivgenie bekannte Brian Kelly hat auch im zweiten Jahr noch keinen geeigneten Quarterback gefunden. Tommy Rees zerbröselt augenmaßgeschätzte acht von zehn Drives im Alleingang, während auch der mobile, junge Andrew Hendrix gegen Stanford auf verlorenem Posten war. Das alles, obwohl Notre Dame mit WR Michaely Floyd (95 Catches, 1102yds, 8TD) und TE Tyler Eifert zwei großartige Waffen besessen hätte, die nach der Champ Sports Bowl wohl beide den Weg in die NFL einschlagen werden.

Das Rating-System produziert bislang nicht unterirdische Ergebnisse: Diesmal wird Notre Dame mit +2.5 Punkten favorisiert. Eigenartig, da ich aufgrund der schwachen Offense der Fighting Irish eher auf die Seminoles tippen würde.

Valero Alamo Bowl

#12 Baylor Bears – Washington Huskies

Do/Fr 29./30.12. 03h LIVE bei ESPN America
Tape am Fr, 30.12. um 12h30 bei ESPN America

Hype! Hype! Wir sehen den taufrischen Gewinner der Heisman Trophy, Baylors fabulösen QB Robert Griffin III, Codename “RG3”, der Mann, der die kleine Baptistenuni Baylor auf die Landkarte der Relevanz gebracht hat. Ich bin wirklich nicht so schnell zu begeistern, aber: Ein schwarzer Scrambler vor dem Herrn mit einem Wurfarm vor dem Herrn, ein Sympathieträger und olympiawürdiger Hürdensprinter – Griffin gehört zu der Kategorie Sportler, denen man den Erfolg ja gerne vergönnt: Einst von sämtlichen großen texanischen Universitäten rekrutiert für alle möglichen athletisch herausfordernden Positionen – Defensive Back, Running Back, Wide Receiver – aber nur einer wollte Griffin als Quarterback: Houston Coach Art Briles. Griffin sagte zu. Als Briles kurzfristig im Dezember zu Baylor wechselte, ging im Schlepptau auch Griffin mit nach Waco, um seinen Traum vom College-Quarterback zu erfüllen – ein Traum, der möglicherweise aus Vorbehalten gegenüber dem „schwarzen Quarterback“ an renommierteren Universitäten unmöglich gewesen wäre.

2010 war schon stark, aber 2011/12 war s-p-e-k-t-a-k-u-l-ä-r. Griffin gewann das beste College-Football-Spiel des Jahres zum Saisonauftakt gegen TCU 50-48, u.a. dank eines Griffin-Catches im finalen Drive, und zertrümmerte gegen Saisonschluss mit großartigen Leistungen die Granden Oklahoma und Texas fast im Alleingang. Schlüsselmoment vielleicht dieser Wunder-Spielzug auf WR Kendall Wright gegen die Sooners:

Allein, dass ein Mann von seiner so kleinen Uni wie Baylor die Heisman Trophy gewinnt, sollte die Bedeutung des Mannes unterstreichen – allein: Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass Spieler wie RG3, die im Dezember einen Marathon an Ehrungen durchmachen, in der Bowl Season dazu tendieren, ausgelaugt zu sein und die immensen Erwartungen eher etwas zu enttäuschen.

Deshalb sollte man die aufstrebenden Washington Huskies nicht unterschätzen: Auch sie haben einen möglicherweise bald NFL-reifen Quarterback in Keith Price, der den großen Leader Jake Locker (nun Tennessee Titans) nahtlos ersetzte und gemeinsam mit dem brachialen RB Chris Polk und dem heuer etwas enttäuschenden WR Jermaine Kearse ein starkes Offensiv-Trio bildet. Generell wird die Arbeit vom Head Coach Steve Sarkisian sehr gelobt – man muss wissen, dass das Programm der Huskies vor wenigen Jahren noch komplett am Boden lag und eine sieglose Saison durchstehen musste.

Also: Zwei Offensivfeuerwerkskörper gegen jeweils sperrangelweit offene Scheunentore namens „Defense“. Können wir von einem Over/Under von 80 ausgehen?

Bowl Season 2011/12: Nicht Mack Browns letztes Halali

Nach der Poinsettia Bowl fürn Weihnachtstourismus vergangene Woche nun die Holiday Bowl fürn Silvestertourismus von San Diego – und als Aufwärmprogramm eine der interessantesten Mannschaften dieser Footballsaison.

Military Bowl presented by Northrop Grumman

Toledo Rockets – Air Force Falcons

Mi, 28.12. 22h30 LIVE bei ESPN America

Die Toledo Rockets sind ein kleiner Mid-Major aus der MAC mit einer 8-4 Bilanz, der die MAC-East als Zweiter abschloss. Was wenig aufregend klingt, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als durchaus nicht verachtenswert: Toledo hatte Ohio State im September am Rande einer Niederlage (scheiterte erst an der RedZone beim Comeback-Drive) und hätte gegen einen weiteren BCS-Gegner, Syracuse, ohne diesen Phantom-Call der Refs gewonnen:

Im November scheiterten die Rockets dann am späteren MAC-Champ Northern Illinois in einem fassungslosen Shootout (60-63) und verpassten dadurch das MAC-Finale – trotzdem ist die Mannschaft mit ihrer einzigen klaren Niederlage gegen Boise State ein Liebling sämtlicher mathematischer Rankings (bei mir #31). Die Vorstellungen waren dann am Ende auch imposant genug, dass der Stratege dahinter, Head Coach Tim Beckman, gleich von der University of Illinois aus der Big Ten Conference abgeworben wurde. Beckman wird heute nicht mehr coachen.

Toledo zeichnet eine überraschend starke, schön durchbalancierte Offense aus, wo zwei unterschiedliche Spielertypen bei den Quarterbacks durchrotiert werden (der bewegliche Austin Dantin und der fußlahme Terrance Owens), RB Adonis Thomas zuletzt mit über 150yds/Spiel explodierte und WR Eric Page eine grandiose Saison spielt (112 Catches, 1123yds, 10 TD).

Toledos Defense gilt als ebenso grundsolide, aber es gibt das eine Problem: Air Force spielt eine Option-Offense, und das haben die Rockets noch nicht gesehen. Die Falcons treiben das Spielchen mit den Ballübergaben und Pitches nicht so weit wie eine Army oder Navy und wirft etwas regelmäßiger (QB Tim Jefferson durfte heuer 161x werfen!), ist aber mit 320,3yds die #2 der Lauf-Statistiken in dieser Saison.

Die Air Force hat sich bei mir als starke „Bowl-Mannschaft“ eingebrannt, dürfte aber heute Nacht mit ihrer heuer wackeligen Defense Probleme bekommen. Ich halte ein Upset der Rockets also für nicht ausgeschlossen, trotz Interimscoach und möglicher ausgehender Puste. In fact, mein Ranking favorisiert gar Toledo mit sieben Punkten – ist jedoch rein mathematisch erstellt.

Bridgepoint Education Holiday Bowl

#24 Texas Longhorns – California Golden Bears

Mi/Do 28./29.12. 02h LIVE bei ESPN America
Tape: Do, 29.12. um 16h30 bei ESPNA

Die Texas Longhorns waren in den Tagen vor der Holiday Bowl mal wieder fleißig dabei, die Rücktrittsgerüchte um den alternden, vermeintlich etwas amtsmüden Head Coach Mack Brown zu dementieren – der exzellente Recruiter Brown bekam deshalb sogar eine Vertragsverlängerung, damit die Rufe endlich verstummen. Einen Abgang des grauhaarigen Head Coaches (seit 1998 bei UT) würde man nun als Überraschung werten.

Texas’ Probleme im Angriff kann man an den Quarterbacks festmachen: Der ungeliebte QB Gilbert wurde schnell aus der Stadt gejagt, die blutjungen Case McCoy (Colts Bruder) und David Ash übernahmen und spielten wechselhaft, trotz guter Offensive Line und annehmbaren Wide Receivers. So ist der Mann, der die Offense über weite Strecken trug, ein Freshman: RB Malcolm Brown (707yds), der allerdings nicht ganz fit ist. Angesichts der personellen Probleme gilt es immer noch als passables Gesellenstück des jungen OffCoord Bryan Harsin (ex-Boise State), was er da noch herausgeholt hat.

Auch Cal bietet einen passablen Angriff auf, mit dem RB Isi Sofele (1270yds, 9 TD) und dem Passspiel über QB Zach Maynard (2802yds, 17 TD, 11 INT) und den gefährlichen WR Keenan Allen (1261yds, 6 TD), muss aber primär auf einen Kollaps der texanischen Defense hoffen: Die Longhorns gehören potenziell zu den besten Defenses des College Football, klappten aber zwischendurch immer wieder übel gegen mächtigere Angriffsformationen (Oklahoma, Oklahoma State, Baylor) zusammen.

Viele gehen von einem recht spannenden Spiel aus, das möglicherweise erst in den letzten Minuten entschieden werden wird – Texas hätte da als X-Faktor einen K Justin Tucker aufzubieten, der vor wenigen Wochen nach dem Derbysieg über Texas A&M auf Schultern aus dem Stadion getragen wurde. Coin-Flip: Texas sollte leicht favorisiert sein.

NFL-Woche 17: Spielplan steht (Update: TV-Übertragungen auch)

Nachdem Flex Scheduling gegriffen hat, hier der fixe Spielplan für den letzten NFL-Spieltag der Regular Season 2011/12 am Neujahrstag (MEZ):

New Orleans - Carolina         19h
New England - Buffalo          19h
Minnesota - Chicago            19h
Miami - N.Y. Jets              19h
St Louis - San Francisco       19h
Green Bay - Detroit            19h
Philadelphia - Washington      19h
Jacksonville - Indianapolis    19h
Houston - Tennessee            19h
Arizona - Seattle              22h15
Denver - Kansas City           22h15
Atlanta - Tampa Bay            22h15
Cincinnati - Baltimore         22h15
Cleveland - Pittsburgh         22h15
Oakland - San Diego            22h15
N.Y. Giants - Dallas           02h20

Die Sendepläne der hiesigen TV-Anstalten werden unten angefügt, sobald sie bekannt sind. Fix ist nur, dass ESPN America das Sunday Night Game Giants-Cowboys übertragen wird (SPORT1+ aktuell ohne SNF-Übertragung).


Zum Programm im TV: Einheitsbrei.

ESPN America und SPORT1+ übertragen überraschungsfrei die gleichen Partien:

19h00 Miami - NY Jets
22h15 Denver - Kansas City
02h20 NY Giants - Dallas

SPORT1+ hat nun doch noch das SNF-Spiel mit reingenommen. PULS4 noch ohne Angabe eines Spiels.

ESPN America zeigt noch folgende Tapes am Montag:

09h30 Cleveland - Pittsburgh
11h30 Cincinnati - Baltimore
13h30 NY Giants -Dallas

Man beachte die Uhrzeiten. Am Nachmittag des 2.1. startet dann der große Bowl-Tag, der in Rose Bowl und Fiesta Bowl kulminieren wird.

Bowl Season 2011/12: Zweimal Offense und zweimal Defense, bitte

Die Meineke Car Care Bowl hatte ihren Platz im Bank of America Stadium der Carolina Panthers. Jetzt ist Meineke Car Care nach Texas umgezogen und wird erst am Freitag ausgespielt. Carolina suchte sich einen neuen Sponsor und so findet heute Nacht die „Belk Bowl“ statt. Alles klar?

Little Caesars Pizza Bowl

Purdue Boilermakers – Western Michigan Broncos

Di, 27.12. 22h30 LIVE bei ESPN America

Ein Duell aus dem US-Norden, mit einem klassischen Team aus der Big Ten Conference (Purdue) und einem aus der kleinen Schwester MAC (Western Michigan). Und ein Spiel der kulturellen Unterschiede. Die kleinen Broncos werfen sich mit ihren mächtigen QB Alex Carder einen Wolf, während Purdue eher schön durchrotiert zwischen Läufen und Pässen.

Kostprobe? Carder war im November ein Freak von einem QB, u.a. mit einem 548yds-Spiel gegen Toledo, macht im Schnitt über die Saison 329yds Passspiel, wobei der #1-WR Jordan White sagenhafte 127 Catches für 1646yds und 16 TDs in nur 12 Spielen produzierte. Purdue verfügt im Gegensatz über eine solide Lauf-Offense, um Carders explosiven Angriff draußen zu halten, allerdings fehlt der beste Running Back Ralph Bolden nach Kreuzbandriss vor drei Wochen.

Ein Faktor, der mehrmals angesprochen werden wird: Western Michigan verfällt in Apathie, wenn es gegen die Big Ten Conference geht. Obwohl mein Rating-System die Broncos mit 2pts favorisieren würde, sähe ich die Boilermakers leicht im Vorteil.

Belk Bowl

North Carolina State Wolfpack – Louisville Cardinals

Di/Mi 27./28.12. um 02h LIVE im ESPN-Player
Tape am 28.12. um 14h30 bei ESPN America

Louisville und NC State kommen beide im Hoch daher, nachdem beiden der Schlussspurt glückte. Louisville ist nach 1-2 Jahren Depritour wieder im Kommen und man scheint hoch zufrieden mit dem vor zwei Jahren geholten Head Coach Charlie Strong zu sein. Strongs wichtigste Kredenzien waren Recruiting und Motivation – und man sagt den Cardinals ein Spiel mit Herz und Leidenschaft nach. Im Angriff wird bevorzugt klassisch der Ball an einen der vielen Running Backs übergeben, um den jungen QB Terry Bridgewater zu entlasten. Die Defense steht statistisch hervorragend da, gilt aber aufgrund qualitativ eher lauwarmer Gegner immer noch als eher unausgetestet. Trotzdem reichte Strongs Fokus auf die Basics am Ende um ein Haar für den Gewinn der Big East Conference und Orange Bowl-Qualifikation geführt hätte.

Im „Trostpreis“ Belk Bowl wird man gut beraten sein, möglichst wenig zu werfen: Das Wolfpack ist INT-hungrig (unglaubliche 24 INTs in 12 Spielen!) und verfügt wie Louisville eine knackige Defense, wo die Schotten dicht gemacht werden.

So könnte der Knackpunkt die Offense des Wolfpacks sein, respektive QB Mike Glennon, der sich immer noch die gleiche Leier anhören muss, dass er nicht Russell Wilson sei. Wilson, mittlerweile Wisconsins Quarterback, und vor Saisonbeginn von Head Coach Tom O’Brien vom Campus gejagen. Selbiger O’Brien wäre folgerichtig bei einer durchwachsenen Saison gefeuert worden, rettete sich aber mit Hurra-Siegen über nicht schlechte Gegner (u.a. Clemson) den Kopf.

Das Spiel dürfte knusprig sein, weil beide Teams gute Defense und grundsolide Offense spielen und nach einem starken November motiviert genug sein dürften, auch das letzte Spiel mit einer Portion Feuer zu bestreiten.

Football am Stephanstag: Marinos Uraltrekord wackelt – eine Woche vor Toreschluss

Pünktlich zum Ende der Weihnachtstage steigen heute Nacht die nächsten BCS-Conferences in die Bowl Season ein. Im Anschluss daran folgt das letzte Monday Night Game der NFL-Saison. „Letztes Mal MNF“ wie „letztes Mal Gruden-Gelaber“ – zumindest für neun Monate. Oder wird this guy doch noch kurzfristig auf Coach zurücksatteln?

Advocare Independence Bowl

Mizzou Tigers – North Carolina Tar Heels

Mo, 26.12. 23h LIVE bei ESPN America
Tape: Di, 27.12. um 12h bei ESPN America

Für Mizzou ist es nicht nur der Abschluss einer Achterbahn-Saison (u.a. Alkofahrt von Head Coach Gary Pinkel), sondern vor allem das letzte Spiel als Mitglied der Big 12 Conference: Bekanntlich folgt zur neuen Saison der Wechsel in die SEC. Zum Abschied stehen die Chancen auf einen Bowl-Sieg nicht schlecht: Die Tigers verfügen über einen sehr guten Angriff, wo double threat QB James Franklin seinen Vorgänger Blaine Gabbert statistisch in den Boden läuft und wirft. Überhaupt ist der mobile Franklin eine repräsentative Figur in Mizzous Angriff, der so daherkommt: 472,4yds Offense pro Spiel, davon exakt 236,2yds Passspiel und 236,2yds Laufspiel. Was ist die englische Vokabel für „perfekte Balance“? UNCs Expertise ist zwar die Lauf-Defense, jedoch zeigte man sich als sehr anfällig gegen laufstarke Gunslinger-Quarterbacks. Franklin kann man dummerweise genau in diese Kategorie zählen. Mein Rating-System würde Mizzou mit acht Punkten favorisieren.

Bei North Carolina spielt ohnehin das Ergebnis weniger eine Rolle als die drohenden Sanktionen seitens der NCAA. Nachdem den Tar Heels im Sommer ein massiver Recruiting-Skandal um die Ohren geflogen und Chefcoach Butch Davis geschmissen worden war, geht man von wenigstens einer zweijährigen Bowl-Sperre für UNC in naher Zukunft aus. Was im Übrigen den künftigen Head Coach Larry Fedora nicht davon abhielt, trotz einiger weiterer interessanter Angebote nach Chapel Hill zu wechseln.

Monday Night Game/NFL

New Orleans Saints – Atlanta Falcons

Mo/Di, 26./27.12. 02h30 LIVE bei ESPN America und SPORT1+
Tape: Di, 27.12. um 17h30 bei ESPN America

Das NFL-Topspiel der Woche kommt aus der NFC South. Die heimstarken Saints gegen die aufstrebenden Falcons, ein Spiel mit viel Zungenschnalz. Je nach Ausgang des SNF-Spiels aus der vergangenen Nacht (kein Spoiler bitte an dieser Stelle!) sind die Falcons bereits für die Playoffs qualifiziert oder nicht, könnten aber auf alle Fälle noch mit einem Sieg im Big Easy noch den Divisionssieg anpeilen. Auf der anderen Seite brauchen die Saints dringend die Big Points im Kampf um die strategisch wichtige Bye Week (#2-Seed wird aktuell von San Francisco gehalten). Bisschen Thrill bringt auch das mögliche Re-Match in der Wildcard-Runde in zwei Wochen rein, das unabhängig vom Spielausgang heute Nacht passieren könnte: Zeigt man dem Gegner bereits alles?

Die Atlanta Falcons sind mit 9-5 so ein Team, das mächtig Aufwind bekommen hat: Die Mannschaft hatte lange Zeit Probleme mit kleineren Wehwehchen, aber wirklich auf die IR hat sich noch kein essenzieller Spieler verabschiedet. QB Matt Ryan spielt solide und effizient, soll in den vergangenen Monaten immer mehr Verantwortung in der schnellen Falcons-Offense übernommen haben und verfügt neben dem immer noch nicht verbrannten RB Michael Turner mit dem goldenen Trio TE Gonzalez/WR White/WR Jones hinreichend Waffen, um die Saints verladen zu können. Man muss wissen, dass New Orleans’ Defense dazu neigt, gegen kräftige Running Backs arge Probleme zu bekommen und gegen mehrere Wide Receivers in der Aufstellung zu den unterdurchschnittlichen Defenses gehört.

Warum ich trotzdem an einen Heimsieg der Saints glaube? Der Heimvorteil, Baby. Es gibt keine Mannschaft, der ich bedenkenloser gegen einen beliebigen Gegner zuhause vertraue. QB Drew Brees dürfte bei halbwegs normalem Spielverlauf bereits heute Nacht den ewigen Passrekord Dan Marinos (5084yds irgendwann in den 80ern) brechen und zum zweiten Mal (!) in seiner Karriere die 5000yds-Grenze knacken. 220yds fehlen zum Fünftausender, 304yds zum Rekord. 220 oder 304 – respektive „indiskutabel“ oder „unterdurchschnittlich“ für Brees’ Verhältnisse.

NFL am Christtag: Vor Green Bay – Chicago

Heute Nacht, 02h20 LIVE bei ESPN America, SPORT1+ und PULS4 das Sunday Night Game von NFL-Woche 16. Klanglich eine gute Ansetzung, aber bei genauerer Betrachtung ein Ladenhüter. Die Ausgangslage ist simpel: Chicago hat nur noch kleinste theoretische Playoffchancen, während Green Bay nach der verpassten Perfect Season mit einem Sieg immer noch den #1-Seed fixieren kann. Nebenschauplatz: Mit einem Packers-Sieg würden die Atlanta Falcons schon vor dem morgigen Monday Night Game in New Orleans in die Playoffs schlüpfen.

Die Bears waren dieses Jahr Opfer von „Karma“. 2010/11 brachten erstaunlich viele glückliche Fügungen fast die Super Bowl in die Windy City, 2011/12 zerstörten Verletzungen für die beiden wichtigsten Stützen der Offense, QB Jay Cutler und RB Matt Forté, eine durchaus respektable Saison. Nach Wochen unter einem krankenden Angriff mit Backup Caleb Hanie wird in Lambeau nun wohl der Wandervogel Josh McCown übernehmen.

McCowns wichtigstes Ziel wird sein, Turnovers zu vermeiden. Die Chiefs machten vergangene Woche gegen Green Bay nicht Außergewöhnliches in der Offense, bis auf das eine: Sie schenkten den Ball nicht her.

Bei Green Bay stellt sich die Frage, ob die Packers nicht dezent bereits Backups einsetzen werden, nachdem vor allem in der Offensive Line das gesunde Spielermaterial immer dünner wird. Und Blocker, die ohne Training als Offensive Tackles aufgestellt werden (T.J. Lang), bedeuten fast automatisch auch erhöhtes Risiko für den MVP-würdigen QB Aaron Rodgers.

Alles in allem eine Partie, die nur sehr bedingt vom Hocker zu reißen weiß.

Wiederholung: Montag, 26.12./18h30 bei ESPN America.

Football am Heiligabend: Aloha!

Weil die Amerikaner ihren Hauptfeiertag am Fünfundzwanzigsten haben, werden die NFL-Sonntagssspiele von Woche 15 bis auf das Sunday Night Game heute abgehalten. Für die Seelen, die einschalten werden:

New York Jets – New York Giants

Heiligabend, 19h LIVE bei ESPN America
Tape: Mo, 26.12. um 10h ESPNA

Wichtiges Spiel mit Playoff-Auswirkungen auf beiden Seiten und in beiden Conferences. Über die Stadtrivalität Jets/Giants habe ich bereits gestern geschrieben. Sportlich geht es vielleicht für die Giants bereits um Kopf und Kragen: Falls Dallas später gegen Philadelphia gewinnen sollte, wäre eine Niederlage das Saisonaus. Die Jets können sich eine Niederlage eher leisten, behalten aber nur mit einem Sieg ihr Schicksal mehr oder weniger in den eigenen Händen (Tie-Breaker gegen Cincinnati könnte auf den Strength of Victory hinauslaufen).

Bei beiden herrscht nach jüngsten verheerenden Schlappen schlechte Stimmung: Die Giants begaben sich nach der Pleite gegen Washington in leise Selbstzerfleischung, mit kleineren öffentlichen Scharmützeln (S Rolle), während bei den Jets nach dem Debakel in Philadelphia erstmal kleinlaut auf dieses bevorstehende Stadtderby hingewiesen wurde.

Die beiden QB-Giganten Eli Manning/Mark Sanchez müssen mit sterilem Laufspiel und argen Protection-Problemen leben und erweisen sich immer wieder als unzuverlässig, wenn sie das Heft des Handelns in die Hand gedrückt bekommen – wobei man Manning nach einer grundsoliden ersten Saisonhälfte und aufgrund wetterwindischer Wide Receivers (Manningham!) teilweise freisprechen dürfte. Sanchez dagegen erweist sich mehr und mehr als lernresistenter junger QB, der ohne ein dominantes Laufspiel und Play-Action in lähmende Starre verfällt, wenn die erste Anspielstation abgedeckt ist.

Zum Lotterie-Charakter dieser Partie tragen auch die beiden Defenses bei, die faszinierenderweise in einem Spiel Dominanz pur ausstrahlen, um eine woche später zu kollabieren. Die Giants bringen nicht jede Woche den nötigen Pass Rush auf, um die Schwächen in der „Back Seven“ zu kaschieren, während die Jets am Sonntag von den Philadelphia Eagles mit 45 eingeschenkten Punkten noch gütlich behandelt worden sein sollen.

Dallas Cowboys – Philadelphia Eagles

Heiligabend, 22h15 LIVE bei ESPN America und SPORT1+
Tape: Mo, 26.12. um 12h ESPNA

Je nach Ausgang des Giants-Stadtderbys wird dieser Partie eine andere Bedeutung zukommen:

  1. Wenn die Giants verlieren, kann Philadelphia mit einem Sieg gegen Dallas die Option „3x 8-8 an der Divisionsspitze“ am Leben erhalten. Dallas dagegen wäre mit einem Sieg dann bereits in den Playoffs.
  2. Wenn die Giants gewinnen, sind die Eagles schon vor Kickoff eliminiert. Für die Cowboys dagegen wäre es das Szenario, in dem Sieg oder Niederlage zur Marginalie verkämen, da sie in diesem Fall ohnehin das letzte Saisonspiel in New York gegen die Giants gewinnen müssten, wenn sie sich nicht auf die unwahrscheinliche Option „Remis“ verlassen wollen.

Sportlich würde ich die Eagles in dieser Partie als haushoch favorisiert sehen. Die Cowboys gehören für mich mittlerweile zu den Enttäuschungen der Saison, sind der Inbegriff für eine mittelmäßige Mannschaft ohne viel „Upside“ geworden, während die Eagles zwar eine horrende Saison erleben, aber seit der Rückkehr des simpel gestrickten QB Michael Vick mächtigst aufgeigen und mittlerweile bei den potenziellen Wildcards-Teams Atlanta/Detroit Ganslrupfn verursachen dürften. Die Mannschaft wirkt an einem guten Tag scarily gefährlich.

Aufzeichnungen bei ESPN America

Morgen zum Christfest um 15h30 das eher sinnfreie Tape von New England – Miami. Die Patriots haben es in der Hand, mit zwei Heimsiegen über Miami und Buffalo mal wieder den #1-Seed zu fixieren.

Um 17h30 das schon um einiges relevantere Duell Detroit – San Diego. Detroit ist nach dem erneuten Comebacksieg in Oakland ganz nahe am Tor zu den Playoffs, während sich die Chargers nach dem Kantersieg über Baltimore keinen Ausrutscher erlauben dürfen und gleichzeitig auf eine Niederlage Tebows zum Weihnachtsfest hoffen müssen. Wenn man sich die Saison der Lions bisher anschaut, merkt man, dass es für die absolute NFL-Elite noch nicht ganz reicht. Gegen Green Bay, San Francisco, New Orleans, Atlanta und Chicago (mit Cutler/Forté) wurde jeweils verloren. Allesamt playoff- und mit oder ohne Abstriche titelwürdige Mannschaften. San Diego würde ich immer noch in letztere Kategorie zählen. Ach, und dann ist da noch das Gunslinger-Duell zwischen Stafford und Rivers mit potenziell 800yds Passspiel.

Hm. Möglicherweise verpassen da mit Philadelphia und San Diego zwei Superbowl-Kaliber die Playoffs, während vergleichsweise mittelmäßige Mannschaften wie Denver, beide New Yorker oder Dallas sich durchlavieren können. Noch ist jedoch nicht aller Tage Abend.


Sheraton Hawai’i Bowl

Nevada Wolf Pack – #21 Southern Miss Golden Eagles

Sa/So, 24./25.12. 02h LIVE bei ESPN America
Tape: So, 25.12. um 12h30 bei ESPN America

Southern Miss gehört durchaus zu den positiveren Erscheinungen dieser Saison, kann sich fett hinter die Ohren schreiben, die gehypten Houston Cougars im Conference-Finale windelweich geprügelt zu haben und war wohl am Ende eine überflüssige Niederlage gegen UAB von einer BCS-Bowl entfernt. Head Coach Larry Fedora wird sein letztes Spiel coachen, bevor er zu UNC in die ACC wechselt. Fedoras wichtigster Mann diese Saison: QB Austin Davis, ein ehemaliger Walk-on (nicht mit Stipendium rekurtiert) und heute Nacht sein letztes Spiel absolvierend.

Nevada bietet eine Trainerlegende auf: Chris Ault, den Erfinder der „Pistol-Offense“. In der Ära nach Kaepernick hat Ault seinen neuen QB noch nicht gefunden (Lantrip/Fajardo wechseln sich driveweise ab), dafür ist der Angriff um den WR Rishard Matthews (1364yds, 8TD in 91 Catches) gebaut, der jedoch gegen die quicke, interceptionfreudige Defense der Golden Eagles Probleme bekommen könnte. Als Champs der Conference-USA gilt Southern Miss als hoher Favorit, doch aufgepasst: Southern Miss hat sich einen Ruf als Wundertüte in der Bowl Season erarbeitet.


Frohes Fest und einen netten Abend wünsch ich Euch allen. Wir hören uns dann morgen. Macht’s gut.

Made in New York

Alle vier Jahre kommt es in der Regular Season zum Duell New York Jets vs. New York Giants, eine der eigenartigsten stadtinternen Rivalitätem im US-Sport. Zwei Franchises, die sich zwar jede Preseason aufs Neue auf dem Spielfeld treffen, in den letzten 42 Jahren aber ganze 11x in der Regular Season gegeneinander gespielt haben und dabei nicht ein einziges erinnerungswürdiges Spiel lieferten. Zwei Franchises, die nicht mal ihre Heimspiele nicht mal in ihrem eigenen Bundestaat austragen. Und zwei Franchises, die bei aller Dipolarität die beiden zentralen Werte des Sports kombinieren: Träume und Errungenschaften. Grün gegen Blau, eine spannende Frage nach der Vorherrschaft in der US-Stadt schlechthin.

Da wären auf der einen Seite die New York Giants, die deutlich ältere und traditionsreichere Franchise, deren Gründung im fernen 1925 im medienträchtigen Big Apple der NFL einen massiven Boost verschafft hatte. Big Blue ist siebenfacher NFL-Champ. Die große Zeit der Giants war in den 80ern mit dem großen Head Coach Bill Parcells, dem berühmt-berüchtigten Linebacker Lawrence Taylor und zwei Superbowlsiegen, während man vergangenen Jahrzehnt zu einer launischen Diva verkam, mit zwei weiteren Superbowls und einem Titelgewinn für die Ewigkeit (Stichwort: Tyree), aber auch etlichen durchwachsenen Jahren bis runter zur schlechtesten Ligabilanz 2003/04.

Die Jets sind die jüngere Franchise, gegründet 1960 als AFL-Gegenstück zu den Giants, und dank „Broadway“ Joe Namath und seiner legendären, gehaltenen Siegprophezeihung vor Super Bowl III die Franchise, die mit am meisten zum rasanten Aufstieg der NFL und ihrer Vorzeigemarke „Super Bowl“ beigetragen hat. Jedoch laufen die Jets bis heute einem zweiten NFL-Championat nach, trotz viel Boohay und noch mehr Star-Power, und gelten immer noch als die kleinen Brüder der Giants. In den letzten Jahren hat die Verpflichtung des sehr lauten Head Coaches Rex Ryan gleich geholfen wie das endlich gemeinsam betriebene MetLife Stadium (das Spiel wird u.a. als „MetLife Bowl“ bezeichnet), nach fast 30 Jahren Fristen als Gast in der Arena mit dem demütigenden Namen „Giants Stadium“.

Giants-Heimspiele gelten als ruhige Angelegenheiten. Wenn die Jets spielen, brodelt das weite Rund hingegen wie NouCamp am Championsleaguedienstagabend. Der typische New Yorker ist kein Fanatiker. Dennoch gibt es Unterschiede in den Charakteristika der Fans. Das Publikum der Giants ist etwas älter und setzt schon langsam graue Haare an, kommt tendenziell aus der oberen Schicht und ist noch mit dem jüngst verstorbenen, über 90jährigen Besitzer Wellington Mara aufgewachsen. Konträr dazu kommt der Jets-Fan Mitte 30 daher, ungehobelt, rotzend am Frühstückstisch und Anbeter der f*cking Ansprachen Rex Ryans. Trotz aller Unterschiede ist es aber doch angebrachter, von „Sympathisanten“ denn „Fans“ zu sprechen, da der New Yorker prinzipiell zuerst seine Stadt anfeuert und erst danach seine Mannschaft.

Was beide Franchises eint, ist das permanente Enttäuschen der exorbitanten Erwartungen im medialen Hexenstadel Manhattans. Zwei Franchises, die so steinreich sind, dass sie sich fast jedes Jahr hinreichend Spielermaterial für Träumereien einkaufen können, nur um im letzten Saisondrittel zu kollabieren oder eine völlig unnötige Playoffniederlage verdauen zu müssen. Giants-Fans sind kontrollierte Optimisten, hoffnungsfroh, aber nicht dem blinden Glauben an den Erfolg nachgebend. Jets-Fans quatschen seit vier Jahrzehnten vom nächsten Superbowlgewinn und genießen den alljährlichen Schmerz des nächsten Tiefschlags wie der Stadtrivale den alle zwanzig Jahre wiederkehrenden Trubel der geholten Lombardi Trophy.

New York ist immer noch „G-Town“. Die Jets sind der Underdog. Trotzdem wird die Gang Green immer ihre Nische besitzen. Sport im Allgemeinen und Football im Speziellen können sich den Mechanismen der Unterhaltungsindustrie, die sie selbst kreiert haben, nicht entziehen, und Siegen oder Verlieren ist nicht immer das Entscheidende. Denn unerlässlich ist ebenso, wahrgenommen zu werden. Die Massen zu bewegen. Auch und insbesondere im Großen Apfel. Und darin sind die Jets den Giants aktuell mindestens ebenbürtig.


Die bei mir hoch angesehene New York Times ist der Frage nach der Rivalität zwischen Jets und Giants bereits im Oktober nachgegangen. Der Artikel sei hier verlinkt und zur vertiefenden Lektüre von Herzen empfohlen.

Football am Donnerstag: Der Abschied der Boise State Broncos

Es ist das letzte Spiel der großen Mannschaft der Boise State Broncos vor dem Abgang einer massierten Senior-Klasse, die in vier Jahren nur drei Spiele verlor (-1, 3-(OT), -1), ein heißes Dauergesprächsthema war und trotz aller Dominanz letzten Endes nur ein einziges Mal in einer BCS-Bowl spielen durfte. Über den ruhmlosen Abschied in der Anonymität von Las Vegas haben ich letzte Woche bei Spox.com geschrieben: Die Broncos sagen tschüss.

Maaco Las Vegas Bowl

#7 Boise State Broncos – Arizona State Sun Devils

Do/Fr 22./23.12. um 02h LIVE im ESPN Player
Fr., 23.12. 19h30 als Tape bei ESPN America

Boise State dürfte vor dem großen Umbruch noch einmal hoher Favorit sein, aber aufgepasst: Bei aller Unkonstanz waren die Arizona State Sun Devils heuer auch für Ausbrüche nach oben gut und brachten sogar QB Matt Barkley und seine USC Trojans durcheinander. Die Ausreißer waren aber auch auf der anderen Seite, wie etwa der schandhaften Heimpleite gegen UCLA. So kommt es, dass Chefcoach Dennis Erickson heute Nacht sein letztes Spiel coachen wird.

Die Sun Devils gehören zu den überdurchschnittlichen Offenses, allerdings ist der Riese QB Brock Osweiler keiner, dem man bedingungslos fünf ordentliche Spiele in Serie zutrauen möchte. Viel ärger jedoch sind die Abwehrprobleme, wo Verletzungen eine Rolle spielen, aber auch das Abschmieren einiger wichtiger Spieler wie bsp. LB Vontaze Burfict. Burfict wurde letztes Jahr in den Himmel gelobt, fiel heuer jedoch mit seiner Anfälligkeit gegen Penaltys ziemlich schnell unten durch und soll seinen „Draft-Stock“ massiv zerschlagen haben.

Boise State gilt somit als hoher Favorit in dieser für die Broncos enttäuschenden Bowl-Ansetzung. QB Kellen Moore kann den halben Hunderter an Siegen in seinem letzten Spiel im College Football voll machen. Moore wird sich aber wohl selbst mit einer phantastischen Vorstellungen kaum mehr in den Fokus der Draft-Gurus spielen können: Der Wurfarm sorgt nicht für feuchte Träume und die Bälle fliegen nicht wie Staffords Raketen durch die Lüfte. Es gilt als wahrscheinlicher, dass OT Nate Potter und RB Doug Martin den einen oder anderen NFL-Scout interessieren könnten.

„Star“ der Broncos 2011/12 war über weite Strecken die knackige Defense, die nur in jener Niederlage gegen TCU unter Verletzungssorgen kollabierte, jedoch insbesondere unter Druck gegen Georgia eine phantastische Vorstellung bot und die „hit-resistenten“ Arizona State Sun Devils über weite Strecken kontrollieren dürfte.

Es ist der letzte Auftritt der großen, stets interessant anzuschauenden Broncos-Mannschaft, die als so was wie die „Unvollendeten“ in die Annalen eingehen dürfte, aber vier Jahre beste Unterhaltung bot und ihren Beitrag zum Bröckeln der BCS-Fassade beigetragen haben dürfte. Nach dem Spiel beginnt ein massiver Umbauprozess, da in Offense und Defense eine Vielzahl an Startern die Mannschaft verlassen werden (je nach Sichtweise bis zu 20/22).

Vorsicht: Das Spiel gibt es bei ESPN America aufgrund der parallel stattfindenden Donnerstagspartie der NFL nur als Aufzeichnung! ESPN-Player (kostenpflichtig) ist live ab 02h MEZ dabei.

Thursday Night Game/NFL

Indianapolis Colts – Houston Texans

Do/Fr, 22./23.12. 02h LIVE bei ESPN America
Tape: Fr, 23.12. 17h30 bei ESPN America

Die Colts haben all ihre Saisonziele erreicht: Die peinliche 0-16 Bilanz verhindert und immer noch in der Pole Position auf den strategisch so wichtigen #1-Pick, der alle Optionen hinsichtlich „Re-Building“ eröffnet, von Mega-Offerten bis hin zum meistgehypten Quarterback der letzten Jahre, Andrew Luck. Peyton Manning soll übrigens wieder trainieren, aber nicht einsatzfähig sein.

Houston legte am Sonntag gegen Carolina ein Päuschen ein, ein mentaler Aussetzer nach den Feierlichkeiten zur ersten Playoff-Qualifikation nach neun Anläufen (dafür sprächen auch die vielen Turnovers). QB T.J. Yates soll eklatante Schwächen gegen eine der schwächsten Defenses gezeigt haben – sich heute Nacht wieder einspielen auf die Playoffs. Houston ist noch im Kampf um Freilos in der ersten Playoffrunde und hat noch eine klitzekleine Chance auf den #1-Seed.

Bowl Season 2011/12: Im Zeichen des Weihnachtssterns

Die Poinsettia Bowl ist das Paradebeispiel für den Versuch, den Tourismus anzukurbeln. San Diego hielt und hält traditionell die Holiday Bowl vor Silvester ab, seit einigen Jahren wurde für das Gastgewerbe in der letzten Adventswoche noch eine zusätzliche Bowl im Zeichen des Weihnachtssterns („Poinsettia“) eingeführt. Eine nicht unknackige Bowl, da die Ansetzung vertraglich zwei Topteams aus WAC und MWC garantiert. Das geräumige Qualcomm Stadium ist trotzdem meistens halbleer (Bowl-Schnitt in etwa 32.000 Zuschauer).

San Diego County Credit Union Poinsettia Bowl

#18 TCU Horned Frogs – Louisiana Tech Bulldogs

Mi/Do 21./22.12. 02h00 LIVE bei ESPN America
Tape: Do, 22.12. um 15h30 ESPN America

Die TCU Horned Frogs dürften nach einem großartigen Saisonfinish die Eier geschwollen haben, nachdem sie von der BCS mit der bizarren Formel 15 (Harris Poll) + 15 (Coaches Poll) + 17 (Computer) macht 18 (!) aus den BCS-Bowls gekickt wurden. Im letzten Spiel vor dem Wechsel der Horned Frogs in die Big 12 Conference soll nun noch einmal ein Feuerwerk zum Verabschiedung des „Mid-Majortums“ gezündet werden.

Und aufgepasst: „TCU“, das Synonym für „Defense“ über die letzten Jahre, war in diesem Jahr eine Offensivmacht, was ein Novum unter der Ägide von Coach Gary Patterson sein dürfte. Auf Dalton folgte QB Casey Pachall, ein mutiger, wenn auch grüner, Werfer, und Pachall begeisterte mit zahlreichen tiefen Bomben und gibt den Horned Frogs bereits jetzt genügend Buzz, um 2012 in der BCS-Conference zu bestehen.

Die größte Stärke im Angriff der Horned Frogs soll die Offensive Line sein, hinter der zahlreiche Running Backs tolle yds/Carry produzieren und den Raum frei machen für Pachall und seine Wide Receivers. TCU erläuft 210,2yds/Spiel und legt da nochmal 233,8yds Passspiel drauf! Da Louisiana Techs Defense als „soft“ gilt, sollte TCU massig Yards sammeln können, aber aufgrund der opportunistischen Spielweise der Bulldogs (20 INTs über die Saison, 11 in den letzten fünf Spielen) auf Turnovers Acht geben.

TCU hat seinerseits heuer eine Defense, die leicht unter den Erwartungen blieb und sich von Boise, Baylor und SMU 30-50 Punkte einschenken ließ. Wo jedoch ein Patterson coacht, war bislang stets Garantie für qualitativ gute Defenses: TCU hat immer noch den großen Leadertypen LB Tank Carder im Lineup.

Louisiana Tech, der Sieger der WAC, hat mit Verletzungen zu kämpfen und wird nur einen eindimensionalen Angriff entgegenstellen. Die Saison gilt ohnehin als Meisterwerk von Head Coach Sonny Dykes, der aktuell so ziemlich bei jedem frei gewordenen BCS-Trainerposten in die Gerüchteküche geschmissen wird. Es gilt allerdings als ausgeschlossen, dass die Bulldogs in dieser Partie eine Upset-Chance kriegen werden.

Mein Ranking favorisiert TCU mit zehn Punkten – ein Spread, der sich zu klein anfühlt.

NFL Notizblock Woche 15, Ravens/Chargers, Steelers/49ers

Baltimore Ravens (10-3) @ San Diego Chargers (6-7)

– in der Kategorie „lustigste Spielervorstellung“ beim SNF hat Terrell Suggs jetzt „Ike Taylor, Swaggin´“ abgelöst mit seiner Selbstvorstellung als „Sizzle, Balls so Hard University“

– Ravens verschießen FG im ersten Drive; Chargers marschieren im Gegenzug locker mit ihrem Paßspiel übers Feld; Q1/4:47 TD

– LT Jared Gaither ist der beste „waiver wire pickup“ dieser Saison; ich weiß nicht, was dieser Typ als Mensch so für Probleme macht, nach seinen Leistungen 2008 und 2009 bei Baltimore konnte ich mir jedenfalls nicht erklären, warum man ihn hochkant rauswirft, mit seiner Leistung kann es nichts zu tun haben; mit seinen Verletzungen vielleicht, aber wahrscheinlich waren es charakterliche Probleme; die Chargers, die ihn von der Straße geholt haben, nachdem Mr. Haley ihn nach einem Snap (!) bei den Chiefs gefeuert hat, freuen sich jedenfalls über einen starken Left Tackle, den sie dringend gebrauchen können; 7-0 SD; vor allem Suggs haben die Chargers schön aus dem Spiel genommen, mit einigen Chips von TE/WR, aber auch mit starker Leistung von Gaither

– Q2/13:27: großartiger Catch von TE Ed Dickson zum TD on 3rd Down zum 7-7; Ravens overpowern San Diego mit ihrem Laufspiel

– selten jemanden gesehen, der so locker gegen die Ravens das Feld hoch- unter runterläuft: 3 Drives in der ersten Hälfte, 3 scores: 17 Punkte; Halbzeitstand 17-7 SD; Drives über 74, 53 und 80 Yards

– Suggs wird tatsächlich völlig ausm Spiel gewonnen von TE Randy McMichael und Gaither

– Q3/10:38: wieder über 80 Yards, wieder ein perfekter Paß von Rivers und wieder gegen Rookie Jimmy Smith; 24-7; ich glaub ich hab noch nie eine Mannschaft gesehen die in vier aufeinanderfolgenden Serien gegen Baltimore punktet

– Q3/6:23: ganz schlechter Paß von Flacco, den Takeo Spikes locker abfängt; 1st Down SD on BAL40

– Q3/4:05: fünfter Drives, vierter TD; der Gameplan von San Diego ist ziemplich simpel: TE McMichael hilft den OT gegen Suggs; Rivers attackiert dann immer Rookie Jimmy Smith

– Q3/2:50: Flacco auch im nächsten Drive mit ganz schlechtem Paß, der intercepted wird; 1st down SD on BAL 27; nur dieses Mal können die Chargers daraus kein Kapital schlagen; Novak mit Kick an den Pfosten

– die Chargers verteidigen das sehr gut, aber die Ravens kriegen einfach kein Paßspiel auf die Kette und mit dem großen Rückstand spielt auch das Laufspiel keine Rolle mehr; Baltimore nur mit Dumpoffs zu den RBs; ich kann aus den Fernsehbildern nicht erkennen, ob tief wirklich niemand frei ist, oder ob Flacco einfach zu zögerlich oder risikoavers oder einfach nur zu schlecht ist

– San Diego ist ein ganz seltsames Team: im Dezember und Januar haben Rivers/Turner erst zwei Spiele verloren – seit 2006; trotzdem haben sie jedes Jahr riesige Probleme in die Playoffs zu kommen, und schaffen manchmal nichtmal das

– Mitte des vierten Viertels vergeigt sogar Ray Lewis einen einfachen Tackle – game over; Baltimore hat heute in der Defense einfach keinen Playmaker; daß man Suggs aus dem Spiel nimmt – okay, mit zwei Mann gegen ihn kann das passieren; aber weder Reed noch Lewis noch Ngata haben irgendwelche Plays gemacht

– die 7 Drives der Chargers: TD, FG, TD, TD, TD, FG (miss), FG; das ist die Mannschaft, die vor der Saison alle erwartet haben, aber wo war sie so lange? Wenn die so weiter spielen, macht San Diego noch das Broncos-Märchen kaputt und könnten auch in den Playoffs noch was reißen. Baltimore war fürchterlich enttäuschend. Sollte es wirklich so einfach sein: man nimmt Terrell Suggs aus dem Spiel und die Defense fällt auseinander? Kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. Dazu kommt, daß so ein Spiel in der Regel dazu führt, daß Ray Lewis der ganzen Mannschaft eine vorher unbekannte Energie einflößt. Oder einprügelt.

Pittsburgh Steelers (10-3) @ San Francisco 49ers (10-3)

– schon vor dem ersten Snap humpelt Roethlisberger (verletzter linker Knöchel); C Pouncey; WR Edwards und LB Willis fehlen verletzt, LB Harrison suspendiert

– Q1/10:37: INT Carlos Rogers in der Endzone, schlechter Paß von Big Ben, zurückgetragen zur SF 27

– Steelers werfen viele Blitzes gegen Alex Smith und seine O-Line, SF kontert das mit vielen kurzen, schnellen Pässen

– Q1/0:15: Roethlisberger in der zweiten Serie mit der zweiten INT; kein furchtbarer Paß, aber etwas zu hoch und durch die Hände von Heath Miller segelt der Ball in die Arme von S Dashan Goldsen; aber auch daraus können die Niners nicht mehr als ein FG machen; 6-0 SF (Q2/12:13)

– Pittsburgh hat einen für ihre Verhältnisse ungewöhnlichen Gameplan: viel mehr Läue als sonst; was sie aber nicht daran hindert bei jedem 3rd Down zu passen, auch wenn nur 10cm zum 1st Down fehlen; überraschenderweise funktioniert das Laufspiel gegen die beste Run-D der Liga nicht besonders gut

– aber schon im zweiten Viertel hört Pittsburgh auf zu laufen und lädt das Spiel auf Roethlisbergers Schultern, der mit seinem kaputten Knöchel gefühlte 10 Minuten braucht, um von der Bank aufs Feld zu kommen

– mit den vielen, schnellen Pässen, von denen einige erfolgreich sind, sieht Alex Smith aus wie ein richtiger QB, der sogar gegen die Steelers den Ball bewegen kann; das sieht in großen Teilen aus wie die Stanford-Offense der letzten drei Jahre – und wenn Smith da schon gut aussieht wird früher oder später die Debatte beginnen, ob Andrew Luck wirklich der No.1 pick werden sollte – aber das gehört hier nicht her

– in der ersten Hälfte war das ein ganz schönes Gewürge, zwei gute Verteidgungsreihen gegen mittelmäßige Offenses; SF mit zwei FGs nach Interceptions, dazu ein Punt; Pittsburgh mit zwei Interceptions, einem Punt und vertrotteltem 2-min-drive, der die Halbzeit beendet hat

– der Gamewinner scheinen mal wieder die Special Teams für San Francisco zu sein, die Steelers beginnen beinahe jeden Drive innerhalb der eigenen 20-Yard-Linie

– Q3/6:08: Pittsburgh nach fast 40 Minuten mit den ersten Punkten nach 51-Yard-FG; 6-3 SF

– Q3/3:44: San Francisco macht drei gute Plays (TE Davis, RB Hunter), steht plötzlich an der 1-Yd-Linie und macht den ersten TD des Spiels; 13-3

– Aldon und Justin Smith machen Pittsburghs Offense um den fußlahmen Big Ben fast alleine kalt; sehr gut gefällt auch der Backup von Patrick Willis, ein gewisser Larry Grant; und weil Pitts Special Teams viel schlechter sind als SFs verschießt Suisham auch den 48-Yard-Versuch zum Anschluß

– Q4/11:31: Justin Smith sackt Roethlisberger, schlägt den Ball frei und SF hat einen ersten Versuch an PIT18; Pittsburgh hat keine Chance gegen diese Defense mit dieser OLine und diesem angeschossenen Big Ben noch Punkte zu machen; nach ganz fragwürdiger Strafe gegen LB Timmons beim FG-Versuch bekommt SF auch noch einen ersten Versuch an PIT6; w/9:06 TD Gore, 20-3 – game over

– die Niners waren insgesamt nich viel besser, aber Pittsburgh war blöder: 2 Interceptions und 1 Fumble haben zu 13 Punkten geführt, dazu hat man noch ein FG verschossen

NFL-Schau 2011/12, Woche 15

Die Bilder werden klarer.

W = Siege, L = Niederlagen, PF = erzielte Punkte, PA = kassierte Punkte, % = relative Siegerwartung, E16 = Siegerwartung nach 16 Spielen, E14 = Siegerwartung nach Woche 15, +/- = Soll/Ist Vergleich nach Woche 15

W = Siege, L = Niederlagen, PF = erzielte Punkte, PA = kassierte Punkte, % = relative Siegerwartung, E16 = Siegerwartung nach 16 Spielen, E14 = Siegerwartung nach Woche 15, +/- = Soll/Ist Vergleich nach Woche 15

Kansas City groovt sich zu einem absoluten dark horse, ist nach dem Sensationssieg über Green Bay potenziell zu einem Faktor im Playoffrennen geworden – aktiv (noch mit Chancen) oder passiv (kann Oakland und Denver noch runterschießen, s.u.): Die 6-8 Bilanz ist unglaubliche 2,73 Siege über der Erwartung, ein so großer Spread wie Indianapolis 2009 nicht mehr. Ansonsten gilt weiterhin: Die AFC West hat anarchische Tendenzen, bis auf die Chargers liegen alle weit über ihrer Erwartung.

Ein Team, das langsam zum Canossa-Gang bittet: Seattle. Die so verpönten Seahawks liegen mittlerweile über .500 und haben eine durchaus realistische Chance, das letzte Playoffticket der NFC zu ergattern. Sind die ’Hawks nur mehr einen ernsthaften Quarterback von der Relevanz entfernt?

Bei den Chicago Bears kann man über eine Huldigung für den ungeliebten Franchise-QB Jay Cutler nachdenken. Seit Cutler weg ist, sind die Bears zahnlos und in sämtlichen Rankings durchgereicht worden. Cutler, nicht Forté oder Hester, ist der MVP-Kandidat aus Windy City.


Damit zu den Playoff-Bildern, die heuer wirklich interessant sind, und ich gelobe, diesmal kein Detail zu übersehen.

AFC

Fix durch sind die Houston Texans (10-4), die aufgrund ihrer Schlappe gegen Carolina sich jedoch schwer tun werden, noch das Freilos für die erste Playoffrunde zu ergattern. New England (11-3) hat zwei Matchbälle für eben jenes Ticket und hat es mittlerweile sogar in der eigenen Hand, erneut den #1-Seed zu holen. Baltimore ist mit 10-4 aussichtsreichster Anwärter auf den #2-Seed, während die Steelers (10-4) aktuell nur den #5-Seed halten, bei entsprechenden Ergebnissen aber noch nach vorne an die #1 rutschen können.

Der #4-Seed wird mit hoher Wahrscheinlichkeit an die AFC West gehen – und das Rennen hat nach dem vergangenen Wochenende wieder mächtig an Thrill gewonnen. Denvers Geerdete (8-6) führen die Division noch an, aber sowohl Oakland als auch San Diego (beide 7-7) sitzen im Nacken und auch die Chiefs (6-8) sind plötzlich wieder in der Lostrommel. Weil noch drei divisionsinterne Duell anstehen (KC-OAK/DEN-KC/OAK-SD) und der Spielplan entsprechend gestaltet ist, ist sogar das Szenario mit vier 8-8 Teams noch möglich. Beste Karten haben die Broncos, die als einzige ihr Schicksal in eigenen Händen halten und zwei „machbare“ Gegner bekommen (@BUF, KC).

Hammer-Szenario wäre natürlich am letzten Spieltag Denver vs. Kansas City aus Mile High, wenn es vielleicht im direkten Duell um bizarrste Konstellationen für den Gruppensieg geht. Tebow gegen Orton. Orton gegen die Fans.

Das Wildcard-Rennen um den Seed #6 wird noch eng. Die New York Jets (8-6) halten derzeit eine enge Führung über die Bengals (8-6).  Beide haben noch einen hinterhältigen verbleibenden Schedule mit NYG/@MIA (Jets) und ARI/BAL (Bengals). Aufgrund des einfacheren AFC-Gegners für die Jets dürfte Gang Green einen leichten Vorteil genießen.

Noch dazwischenfunken könnten die Tennessee Titans (7-7), selbst nach dem Knieschuss gegen Indianapolis. Es gibt auch noch gewagtere Szenarien, in denen ein Team aus der AFC West den sechsten Seed einfahren könnte. Nur über den – unwahrscheinlichen – Divisonssieg wird Kansas City durchrutschen.

NFC

Die Perfect Season der Packers ist zerschossen, doch mit 13-1 sind die Packers nur einen Erfolg vom #1-Seed entfernt, den ansonsten nur mehr San Francisco (11-3) holen kann. New Orleans (11-3) ist ebenso durch, hat noch Chancen auf das Freilos, kann aber auch noch den Divisionssieg verlieren.

Auch hier ist Seed #4 noch in der Luft respektive in der NFC East, und wir werden ein deutlich klareres Bild nach diesem Wochenende haben: Die Ergebnisse vom Woche 15 waren haargenau maßgeschneidert, dass die Eagles noch zucken. In der eigenen Hand hat es Philadelphia nicht mehr, aber wenn sie Dallas am Samstag schlagen und die Giants das Big Apple-Derby verlieren, herrscht Anarchie (in dem Fall würde ein eigener Sieg über WAS und ein NYG-Heimsieg über DAL zum Weiterkommen reichen). Das ist eines von vielen, vielen Szenarien. Bitte am Wochenende mit dem Sieb anrücken.

Die Wildcards sind gehen im Moment an Atlanta (9-5, noch @NO/TB) und Detroit (9-5, SD/@GB), wobei man davon ausgehen kann, dass die Falcons sich den einen notwendigen Sieg holen werden. Detroit hat sehr gute Karten, selbst mit zwei Niederlagen durchzurutschen: Man gewänne Tie-Breaker gegen Dallas und wohl Chicago und NY Giants. Den direkten Tie-Breaker gegen Arizona würde man wohl gewinnen, jenen gegen Seattle allerdings verlieren (NFC-Bilanz). Chicago zuckt nur noch, wenn es das Sunday Night Game in Green Bay gewinnen sollte. „Dreiköpfige“ Szenarien liefen auf kompliziertere Tie-Breaker hinaus.