Vorschau Wild Card Playoffs 2015/16: Green Bay Packers @ Washington Redskins

Abschluß der Wild Card Runde: Green Bay Packers (10-6, #5 Seed) @ Washington Redskins (9-7, NFC East Champions, #4 Seed) um 22.40Uhr bei den üblichen Verdächtigen: FOX (Joe Buck & Toy Aikman); Sat.1/ran.de mit Buschi & Co.; hinter den Bergen bei PULS4 mit den Herren Reiterer und Eschlbröck (und Shuan Fatah im Studio, wenn ich das gestern richtig mitbekommen haben).

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NFL Power Ranking 2015, Week 16 | Ehre, wem Ehre gebührt

Heute mal wieder eine ausführliche Version des Power-Rankings mit dem Versuch, einige Playoff-Mannschaften etwas genauer zu durchleuchten. Weiterlesen

NFL-Franchises im Portrait, #31: Green Bay Packers

Das einzige NFL-Team im öffentlichen Besitz ist je nach Betrachtungsweise das zweit- oder drittälteste der NFL – und das erfolgreichste. Zu viele Legenden und Mythen, um sie in wenige Spalten zu pressen – und im Februar 2011 kehrte die größte Trophäe nach Hause zurück. Weiterlesen

Ein Jahrzehnt auf dem Buckel: Der NFL Draft 2005 in der Analyse

Die Draftklasse 2005 hat nun ein volles Jahrzehnt auf dem Buckel – das ist noch keine komplette Karriere, aber nachdem bereits die ersten höherklassigen Spieler ihre Rücktritte einreichen, können wir schon ein erstes Fazit unter die Laufbahnen dieses Jahrgangs ziehen.

Top Ten Picks

  1. Alex Smith (QB, 49ers)
  2. Ronnie Brown (RB, Dolphins)
  3. Braylon Edwards (WR, Browns)
  4. Cedric Benson (RB, Bears)
  5. Carnell Williams (RB, Buccaneers)
  6. Adam Jones (CB, Titans)
  7. Troy Williamson (WR, Vikings)
  8. Antrel Rolle (CB, Cardinals)
  9. Carlos Rogers (CB, Redskins)
  10. Mike Williams (WR, Lions)

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Green Bay Packers in der Sezierstunde

Die Green Bay Packers können nur hoffen, dass das Ende ihrer Titelträume 2014 heilende Wirkung hat – dass sie Head Coach Mike McCarthy von seinem Kickerfetisch befreit. Selten, nein: Nie, wurde eine Mannschaft derart im Alleingang von ihrem eigenen Chef aus dem Titelrennen gecoacht wie die Käsköpp im Conference-Finale in Seattle.

Mike McCarthy ist eine tragische Figur. Im Tagesgeschäft muss der Mann sehr gute Arbeit leisten, denn es ist auch als Cheftrainer einer von QB Aaron Rodgers angeführten Mannschaft nicht selbstverständlich, jedes Jahr in Titelnähe mitzuspielen. Und darum geht es in der von Salary-Cap und sozialistischer Umsatzverteilung geprägten NFL: Einen Kader zu bauen, ein Team zu coachen, das mit den besten mithält.

Über den Rest entscheiden bekanntlich Kleinigkeiten, über die Kontrolle zu gewinnen schwierig ist. Schwierig ist jedoch nicht unmöglich. Es gibt Stellschrauben, an denen man drehen kann. Es gibt Faktoren, die man für sich nutzen kann. Aus einem Zentimeter Entfernung den Weg in die Endzone zu suchen ist eine von ihnen.

Mike McCarthy ließ alle Gelegenheiten verstreichen bis es zu spät war. Hernach butterte er seinen Backup-Tightend in den Boden, weil dieser nicht nutzen konnte, worüber es eh keine Kontrolle gibt – kullernde Eier.

Aber McCarthy scheint lernfähig zu sein. Nach der Saison gab er seine Aufgabe als PlayCaller in der Offense ab. McCarthy will sich künftig verstärkt um die strategische Ausrichtung im Team kümmern – und um die Special-Teams. Dort kann McCarthy den ganzen Tag lang Fieldgoals trainieren lassen ohne größeren Schaden anzurichten. Weiterlesen

NFL Vorschau 2014 – Green Bay Packers & Seattle Seahawks

Football!

Die NFL ist zurück und wird wieder viele, viele besser nutzbare Abende in Beschlag nehmen und blabla Opportunitätskosten – NBC´s Sunday Night Football hat ihren Theme Song schon mit Bedacht gewählt.

Zum season opener bei NBC heute nacht reisen die Green Bay Packers zum Titelverteidiger Seattle Seahawks. Die Seahawks machten seit dem Amtsantritt von Pete Caroll den Eindruck einer Studenten-WG. Sie hatten unglaublich viel Spaß, waren best buddies und hatten zum Schluß die beste Zeit ihres Lebens. Wilde parties, beste Freundschaften und am Ende ein toller Abschluß sind Dinge, die ihnen niemand jemals wird nehmen können. Trotzdem müssen sie jetzt erwachsen werden.

Es ist vielleicht etwas langweilig, aber sie brauchen mehr Struktur und Ordnung. Aus ihrer wild zusammengeschustertem WG müssen sie in eine richtige eigene Wohnung umziehen. Ihre Talent, ihren Ehrgeiz, Willen und Zielstrebigkeit müssen sie aus dem Studium in ihren ersten richtigen Job mitnehmen. Die Packers der Ära Mike McCarthy/Aaron Rodgers sind schon dort, im mid-level management sozusagen, aber hängen da auch irgendwie fest. Weiterlesen

Green Bay Packers in der Sezierstunde

Ein Team mit einer über die Jahre sehr konstanten Management-Philosophie sind die Green Bay Packers: Angeführt vom querbeet geachteten GM Ted Thompson versuchen die Packers mit Nachdruck, ihre Mannschaften durch den NFL-Draft zu bauen, mit maximal punktuellen Einkäufen vom Transfermarkt. Das führte dazu, dass im Saison-Eröffnungskader im letzten September nur vier Spieler standen, die nicht von den Packers gedraftet wurden.

Überblick 2013

Record         8-7-1  WC
Enge Spiele    4-4-1
Pythagorean    7.7    16
Power Ranking  0.547  14
Pass-Offense   6.9     6
Pass-Defense   6.8    25
Turnovers      +3

Management

Salary Cap 2014.

 

Die Saison verlief dann nicht wirklich nach Wunsch: 8-7-1 Bilanz mit Ausscheiden in der ersten Playoffrunde ist nicht das, was man sich erhofft hatte; Rodgers-Verletzung hin oder her. Offen gelegt wurden einmal mehr die schnell abfallende Kadertiefe nach den Topspielern – ein Resultat der konsequenten Verweigerung von Einkäufen zumindest mittelmäßiger Free-Agents, die man notfalls 8-10 Snaps pro Spiel auflaufen lassen kann?

Es ist allerdings nicht alles schlecht.

Offensiv stellen die Packers mit dem vielseitigen und erstaunlich brachialen RB Eddie Lacy den amtierenden Rookie des Jahres, aber Lacy ist vergleichsweise eine Randerscheinung, wenn man seine Bedeutung mit jener des einen Mannes vergleicht – der Meister himself, QB Aaron Rodgers, der sechs nichts anderes als fantastische Jahre als Starting-QB in Green Bay hinter sich hat:

Jahr  Comp% TD  INT INT% Sack% NY/A
2008  63.6  28  13  2.4  6.0   6.7
2009  64.7  30  7   1.3  7.5   7.5
2010  65.7  28  11  2.3  7.5   7.4
2011  68.3  45  6   1.2  6.7   8.2
2012  67.2  39  8   1.4  6.8   6.6
2013  66.6  17  6   2.1  6.8   7.8

Man sieht anhand dieser Statistik, dass Rodgers trotz seiner vergleichsweise geringen Anzahl an Touchdowns und der für ihn hohen INT-Quote ein enorm effizientes Jahr hatte und mit 7.8 NY/A die Eier fast gleich effizient wie Peyton Manning bewegte – gegen einen heftigeren Schedule, hinter einer porösen Offensive Line, mit einem uncharmanteren Receiving-Corp. Und es war nicht einmal Rodgers‘ bestes Jahr als Profi…

Einzig die vergleichsweise hohe Sack-Quote fällt bei Rodgers durch die Bank auf, aber die Protection-Probleme der Packers sind auch ein mittlerweile abgelutschtes Thema. Seit Jahren hält sich das Gerücht, dass man zum bestmöglichen Schutz für seinen Superstar-QB im Packers-Land erwägt, möglichst viele Receiver und nicht möglichst gute Blocker auf das Feld zu stellen. Kein Quarterback bringt den Ball schneller aus der Pocket, wenn Not am Mann ist, und kaum einer ist so wendig um dem herannahenden Passrush notfalls elegant auszuweichen. Also versucht man, dem Mann mit dem Gürtel einen so vielseitigen Kern an Ballfängern zur Seite zu stellen wie nur möglich.

In den letzten Jahren litt dieser berühmte Receiver-Corp der Packers allerdings: Zuerst unter extrem vielen kleinen und mittelschweren Verletzungen, dann unter Abgängen. WR Greg Jennings verließ Wisconsin schon letztes Jahr, heuer folgte der sehr fangsichere James Jones, ein Mann, der als die #3 in der Aufstellung immer für 5 Catches für 50 Yards gut war, und der kaum einen Ball aus den Händen gleiten ließ.

Ein Gegenstück zu Jones war stets der TE-Hüne Jermichael Finley, dem man jedes Jahr den ganz großen Durchbruch vorhersagte, der aber sein Potenzial nie ganz ausschöpfen konnte; der „halbe WR“ Finley litt unter zu vielen Drops und zu schlampig gelaufenen Pass-Routen. 2013 plagte ihn eine schwere Nackenverletzung, die ihn an den Rand des Karriereendes brachte. Finley hatte auslaufenden Vertrag, und er wurde von den Packers noch nicht verlängert… sollten sie wirklich kein Vertrauen mehr haben, dass Finley es noch einmal schafft und ihn tatsächlich nicht mehr unter Vertrag nehmen, wird die Position des Tight Ends für Green Bay eine ganz heiße Nummer im Draft – möglicherweise ist man spätestens in der zweiten Runde gezwungen, einen zu ziehen, sollte nicht in Runde 1 wider Erwarten ein Mann wie Ebron auf ihren Slot an #21 herunter fallen.

Auch Jones dürfte so einfach nicht zu ersetzen sein. Green Bays Receiver leben von ihrer Tiefe, von ihrer Flexbilität. Du kannst 1000 Aufstellungen mit diesen Jungs füllen, aber so richtig in der Lage, im Alleingang eine Defense zu zerstören, soll eigentlich keiner sein. Am ehesten der weiße WR Jordy Nelson (2013 mit 1376yds), bei dem viele noch seine unsäglichen Superbowl-Drops 2011 in Erinnerung haben, der aber mittlerweile zu einem verlässlichen Mann gereift ist. Nelson gilt aufgrund seiner Hautfarbe als gerne unterschätzter Mann, taugt mit 135 Anspielen und 31% tiefen Anspielen auch als veritable Waffe für die Mitteldistanzen.

Vielleicht entwickelt sich auch der junge X-Man Randall Cobb (2013 verletzungsbedingt nur 7 Spiele) zu einem Mann, der die Manndeckungen schlagen kann. Cobb spielt, wenn fit, überwiegend den zweiten Mann im Slot neben dem Tight End, und er ist flink genug und schnell genug um dort großen Schaden anzurichten.

Aber dahinter wird es dünn. Bei den Tight Ends konnte sich schon letztes Jahr nach Finleys schwerer Verletzung keiner aufdrängen, bei den Wide Receivern blieben alle Mann hinter Nelson/Cobb/Jones blass… im Prinzip hast du jetzt nur noch zwei richtig verlässliche Leute – kein Drama mit einem Rodgers auf QB, aber das volle Potenzial einer Offense auszuschöpfen wird ohne Frischblut schwierig.

Zumal es ja – wie wir hörten – Ballempfänger in rauen Mengen braucht, um Rodgers hinter einer wenig Vertrauen erweckenden Offensive Line zu schützen! Jedes Jahr dieselbe Leier: Wenigstens eine der fünf Positionen ist eine Katastrophe, und spätestens nachdem sich im dritten Saisonspiel der Left-Tackle auf die Injuried Reserve verabschiedet hat, fängt das Gejammer wieder an.

Man kann den Packers nicht vorwerfen, zu wenig unternommen zu haben um ihre Line-Probleme in den Griff zu bekommen, aber es will irgendwie nicht. Der Erstrundenpick von vor ein paar Jahren, Derek Sherrod, zum Beispiel, wartet nach einer komplizierten Beinverletzung mehr oder weniger noch immer auf sein ernsthaftes Profidebüt. So ist momentan David Bakthiari, ein Mann aus der vierten Runde im letztjährigen NFL-Draft, als Starter auf der linken Seite Tackle angedacht – keine zwingende Sollbruchstelle, aber es gibt locker 25 bessere Left Tackles in der NFL… sagen die Packers-Fans. Immerhin kehrt auf der rechten Seite Bryan Bulaga von einer *pling* schweren Verletzung zurück.

2013/14 war schon vor Rodgers‘ Gehirnerschütterung Schlüsselbeinbruch der Versuch der Head Coaches Mike McCarthy erkennbar, die Offense etwas balancierter zu gestalten, etwas mehr Laufspiel zu implementieren um nicht jedes Spiel mit 77 Pässen zu sechs Läufen bestreiten zu müssen – ein Tribut an Lacys kampfstarke Leistung, und ein Tribut an die vielen Verletzungsausfälle auf der Receiver-Position. Es bleibt abzuwarten, wie passlastig Green Bay im kommenden Herbst sein wird.

Was bisher nicht geschehen ist und mich sehr wundert: Man hat sich noch keinen adäquaten Backup-QB geholt, als hätte man aus dem Beinahe-Desaster des letzten Herbstes noch nichts gelernt. Ein Backup-QB ist ein im Idealfall selten gebrauchter Mann, aber wenn dein Franchise-QB für mehrere Wochen ausfällt… nun, die Packers erlebten jenes Horrorszenario jüngst am eigenen Leib. Wenn wir den Kurzeinsatz gegen die Bears im ersten Spiel (als sich Rodgers nach gefühlt zwei Spielzügen verletzte) noch mit dazu zählt, fuhren die Packers in den acht Spielen ohne Rodgers eine 2-5-1 Bilanz ein. Mit Rodgers? Man war 6-2. Vielleicht ist es vermessen, den Swing allein an dem einen Mann festzumachen, aber man erzähle mir nicht, dass er nicht massiv mit reinspielte.

Der Notfagel Flynn wurde bisher nicht weiterverpflichtet; den Einkauf eines zumindest verlässlichen Backups halte ich aber für eine noch wichtige offene Baustelle in Green Bay.


In der Defense hat man schon so einen Routinier eingekauft – sogar einen mit klingendem Namen: DE Julius Peppers, den besten Defensive End des letzten Jahrzehnts, einen Mann, der aber mittlerweile auf dem Zahnfleisch daherkriecht. Einen Dreijahresvertrag für insgesamt 30 Mio. Dollar blätterten die auf dem Transfermarkt üblicherweise geizigen Packers für die Dienste von Peppers hin – auch wenn der Deal höchstwahrscheinlich nicht zu Ende gespielt wird eine erstaunliche Summe.

Rein von der Notwendigkeit trifft Peppers auf eine Front-Seven, die zuletzt extrem zahnlos wirkte. Green Bay hatte nicht bloß keinen Passrush – viel schlimmer: Es hatte mit zunehmendem Saisonverlauf immer schlimmere Run-Defense. Wenn deine Lauf-Abwehr kein Land siehst, bist du üblicherweise verloren in der NFL: Wenn dich der Gegner überlaufen kann und damit nicht mal einen Passspielzug riskieren muss, geht im Regelfall alles den Bach runter. Green Bay konnte sich irgendwie drüber retten, aber ein patentreifes Konzept sind 53% Success-Rate gegen das gegnerische Laufspiel normalerweise nicht.

Der viel kritisierte DT B.J. Raji durfte trotz einer Cap-Zahl von rund 3.5 Mio Dollar vorerst bleiben. Auch DE Neal wurde nach einer schwachen Saison gehalten, aber ansonsten wurde eine Handvoll Liner ziehen gelassen (Raji könnte noch folgen). Es bleiben aktuell Mike Daniels, der gute PFF-Kritiken bekommt, Datone Jones, letztes Jahr Erstrundenpick mit enttäuschendem Rookiejahr, Jerel Worthy (2nd-Rounder 2012), und Peppers als Spieler mit Stammspieler-Kaliber im Kader – zu wenig um über die Saison zu kommen. Zumal Peppers die letzten Jahre einen rapiden Leistungsabfall hinnehmen musste.

Man darf getrost darauf wetten, dass die Packers hier noch nachrüsten – ob im Draft oder doch noch via eines billigen Free-Agents. Angeblich soll sogar der bisher halb gefloppte OLB Nick Perry testweise eine Handvoll Snaps als Defense Liner bekommen um die Rotation zu stärken. Dann aber würde Perry im zweiten Schwachpunkt der Packers-Defense fehlen: Dem Passrush an den Ecken.

In OLB Clay Matthews jr. gibt es einen erfahrenen Recken, der auf der Höhe seines Schaffens zu den besten und komplettesten Abwehrspielern der NFL gehört, aber Matthews leidet mittlerweile seit Jahren an hartnäckigen Verletzungen. Ob er wirklich noch einmal beschwerdefrei spielen kann, wagt derzeit keiner zu prophezeien. Und selbst wenn: Ein Matthews allein reicht nicht um einen vollständigen Passrush zu initiieren.

In der Secondary hakt es nach der Entlassung des suspekten M.D. Jennings vielleicht auf einer Safety-Position, aber zumindest die Cornerbacks scheinen erstklassig: Außen Tramon Williams und Sam Shields, innen Casey Hayward – das liest sich nach einer der besseren CB-Gruppen in der NFL. Shields dürfte zwar seinen frappierenden 4yrs/40 Mio-Vertrag kaum sportlich wert sein, aber er komplettiert immerhin eine vorzeigbare Secondary. Hayward ist ein Geheimtipp im Slot: Der Mann hat noch keine zwei Jahre Erfahrung, ist aber eine Augenweide in seiner täglichen Arbeit gegen die Irrwische in der Spielfeldmitte. Bester Slot-CB der Liga? Ich traue mich das als Laie nicht zu sagen, aber Hayward ist sehr offensichtlich einer der besten seines Fachs.

Green Bay hat noch einige Hausaufgaben. Es fehlen aktuell…

  1. Ein Tight End
  2. Mindestens ein Defense Liner
  3. Möglicherweise ein Free Safety
  4. Wohl ein Center
  5. Wohl ein Wide Receiver
  6. Vielleicht ein Inside Linebacker

… zu einem wirklich kompletten Kader, aber OK: Alles kann man nicht auf einmal haben. DefCoord Dom Capers wird vermutlich wieder eine Unzahl an Formationen über das Spieldfeld jagen und wieder mit mehr oder weniger Erfolg, per Scheming den Schaden in Grenzen zu halten, damit Rodgers und seine Armada die Kohlen aus dem Feuer holen können. Das ist seit Jahren das Rezept der Packers.

Wenn die Mannschaft fit bleibt, ist sie damit ein Titelanwärter. Es ist ausreichend high end Talent im Kader um die mickrig besetzten Kader-Stifte von 30 bis 53 zu kaschieren. Aber gerade die Packers wissen wie es sich anfühlt, nicht fit zu bleiben. Mehrmals waren sie zuletzt unter den meistverletzten Mannschaften. Man holte zwar trotzdem vor einigen Jahren den Titel, aber es ist ein riskantes Konzept, das sie da fahren.

Tiefe, Tiefe, Tiefe… das ist daher das, was die Packers in der verbleibenden Offseason denken sollten.

NFC Wild Card Preview: San Francisco 49ers @ Green Bay Packers

Rematch, Rache, Rodgers.  Der Hintergrund dieser alten, jüngst aufs Spektakulärste neugeborenen Rivalität dürfte bekannt sein. Die einschlägigen Publikationen und Schreiberlinge haben diese Geschichten bereits nett verpackt und überall hingeschrieben (und bessere Alliterationen haben sie bestimmt auch!). Darum geht´s hier direkt zum den Dingen auf dem Spielfeld.

Packers Offense v 49ers Defense

Peyton Manning hat Rekorde gebrochen, Tom Brady erspielt ein Freilos mit no-names und Drew Brees hat mal wieder mehr als 5000 Yards erworfen, darum ist es vielleicht etwas untergegangen – aber es gibt kein Vertun: Aaron Rodgers ist der beste Quarterback der NFL.

Und Rodgers ist der beste QB ohne, daß er einen echten Superstar-WR hat, ohne einen furchteinflößenden Tight End, hinter einer mäßigen Offensive Line und ohne ein Genie wie Sean Payton als Offensive Coordinator. Er macht es einfach mit perfect execution. Rodgers hat alles: einen starken Arm, er trifft die richtigen Entscheidungen, er wirft ungemein genau und er verliert auch in zusammenbrechenden pockets nicht die Nerven. Wegen eines Schlüsselbeinbruchs hat er zwar einige Wochen gefehlt und letzte Woche gegen Chicago nur wie einer der besten und nicht wie der beste QB ausgesehen, aber man kann erwarten, daß er nach dem warm-up game und einer weiteren Woche Training wieder „der Alte“ ist.

Die 49ers stehen vor einer blöden Entscheidung. Verteidigen sie hauptsächlich mit ihrer base 3-4 defense oder tauschen sie einen Defensive Liner gegen einen zusätzlichen Defensive Back aus? Kein Team spielt häufiger in Base-D als die 49ers. Sie können das tun, weil sie mit NaVorro Bowman und Patrick Willis ein LB-Duo haben, die beide mindestens so gut gegen den Paß verteidigen können wie die meisten Safeties.

Green Bay spielt am liebsten mit 11-personnel, das heißt mit einem RB, einem TE und drei WRs. Mit fünf Defensive Backs und dem guten pass rush um OLB Aldon Smith bietet es sich für SF natürlich an, in Nickel-D zu spielen wie in Woche 1 dieser Saison. Aber: auch da hat GB trotz zweier Ballverluste 28 Punkte gemacht und mittlerweile haben die Packers ein richtiges Laufspiel entwickelt. Man mag es kaum glauben, aber die Cheeseheads können jetzt tatsächlich den Ball einigermaßen erfolgreich laufen!

Workhorse Eddie Lacey kann auch ganz gut ohne FB und nur mit einem TE laufen. Die Yards an sich wären dabei gar nicht so schlimm. Aber das letzte was San Francisco will, ist Aaron Rodgers in einem kurzen 2nd Down. Rodgers mit Jordy Nelson, Randall Cobb, James Jones und/oder Jarrett Boykin bei 2nd&2? Tödlich.

Randall Cobb war auch lange verletzt, hat aber in seinem ersten Einsatz nach der Rückkehr von IR zwei TDs gemacht im NFC North Championship Game. Jones ist der gute Allrounder (59-817-3), Boykin der unbekannte junge Typ (49-681-3) und Jordy Nelson (85-1314-8) der Mann mit den Magnethänden. Der fängt alles. Einfach alles. Und weil er sich zudem auch noch blind mit Rodgers versteht, sind die beiden mittlerweile das am schönsten anzusehene QB-WR-Duo der Liga.

So richtig ein entscheidendes matchup sehe ich hier gar nicht. Vielleicht Aldon Smith gegen Rookie-LT Bakthiari. Aber am Ende sollte San Fran versuchen, die Packers bei unter 30 Punkten zu halten und hoffen, daß der eigene Angriff mehr macht.

49ers Offense v Packers Defense

San Francisco lebt vom Laufspiel. Sie laufen und laufen und laufen und sie machen das so kreativ wie niemand sonst. Aus verschiedensten Formationen heraus, under center oder shotgun, mit read-option oder ohne und manchmal auch direkt mit dem Quarterback. Und die Spieler passen auf das System wie Arsch auf Eimer. Die linke Seite der Offensive Line mit Joe Staley und Mike Iupati sticht dabei besonders heraus. RB Frank Gore ist trotz Überschreitens der gefürchteten 30-Jahre-Schallmauer immer noch ein kompletter RB und hat mit Kendall Hunter einen zuverlässigen sidekick. Das paßt alles so gut zusammen, daß niemand in der ganzen weiten NFL weniger Pässe wirft als die 49ers – Peyton Manning hatte mehr vollständige Pässe als die Niners Paßversuche!

Und nun haben die Packers gerade einem funktionieren Laufspiel so gut wie gar nichts entgegenzusetzen, zumal auch noch Clay Matthews verletzt ausfällt. Ihre Spieler sind einfach schlechter als die gegnerischen Spieler. Was kann man da machen als Defensive Coordinator? Hmm. Den Lauf blitzen bis die Hölle einfriert? Immer mit acht Mann an der Anspiellinie rumstehen? Sie einfach laufen lassen und sich nur darauf konzentrieren, big plays zu verhindern? Hier kann DC Dom Capers mit einem guten Plan zeigen, daß er noch so gut ist wie sein Ruf.

So wird wahrscheinlich nicht allzu viel Druck auf QB Colin Karpernick lasten. Kaepernick ist ein sehr limitierter Quarterback. Es gibt einige Dinge, die er kann: genaue harte Würfen und für 1st Downs scramblen zum Beispiel. Es gibt aber auch viele Dinge, die er nicht kann: das „ganze Spielfeld sehen“; in einer unruhigen pocket nicht selbst unruhig werden und seine WRs nach und nach durchgehen; und sich nicht von Deckungsformationen verwirren lassen, die nach dem Snap anders aussehen als vorher. Zu einem gewissen Grade ist das auch ganz normal, schließlich ist das am Sonntag erst sein 27. Start in der NFL.

Und es ist auch gar nicht schlimm, denn mit HC Jim Harbaugh und OC Greg Roman hat er die zwei besten Coaches, die er sich nur wünschen kann. Sie geben ihm per play design viele einfache entweder-oder Entscheidungen. So gibt es viele rollouts und moving pockets, bei denen Kaep nur eine Spielfeldseite im Auge behalten muß, dort muß er dann meistens nur die Entscheidung treffen, ob er den tiefen Mann (WR oder TE Davis) nimmt oder den nahen (RB oder TE in flat), das heißt, er hat beide potentiellen Paßempfänger auf einer Sichtachse und muß nicht stehen bleiben, Kopf drehen und rumgucken. Oder durch bestimmte Paßroutenkombinationen wird sichergestellt, daß ein gewünschter WR (Boldin, Crabtree) oder TE Davis mit Sicherheit in eine 1-gegen-1 Situation kommen in der Hoffung, daß sie diese gewinnen. Oder es gibt klassische shot plays: sieben Mann in pass protection und nur drei Mann laufen Paßrouten, so bekommt Kaepernick viel Zeit. Wie gesagt, das Werfen an sich ist nicht das Problem bei ihm, sondern das schnelle treffen von richtigen Entscheidungen. Roman und Harbaugh nehmen ihm die schwierigen Entscheidungen ab. Der Nachteil dabei ist, daß es weniger Optionen gibt. Ein Rodgers, Brees oder Manning hat immer vier und meistens gar fünf Optionen im Paßspiel, SF oft nur zwei oder drei.

[Nebenbei: so sollte man idealerweise auch einen QB an die NFL heranführen. Kaepernick hat einen bequemen Brutkasten, in dem er sich langsam entwickeln kann; QBs wie Brandon Weeden oder Blaine Gabbert wurden schutzlos in ein Haifischbecken geworfen, während sie vom Beckenrand hören mußten: „du bist doch 1st-rd pick, Du machst das schon!“]

Trotz Laufspiel und play design wird Kaepernick aber am Ende doch gefordert sein. In der red zone rückt alles dichter zusammen und die Secondary hat viel weniger Platz zu verteidigen als außerhalb der redzone. San Fran wird das Spiel über seine Yards machen und den Ball bewegen, die Frage wird sein, ob sie daraus am Ende Touchdowns oder Field Goals machen. In der redzone wird Packers DC Dom Capers die zone blitzes nur so um San Frans Ohren werfen.

Dann wäre da noch das Wetter. Es soll so kalt werden, daß „frozen tundra“ zum Eupehmismus werden könnte, -20°C und kälter. Bei diesen Temperaturen wird das Werfen schwieriger, aber es ist nicht so schlimm wie Regen. Wie sich derart absurde Temperaturen auf das Spiel auswirken werden, kann man nur schwer abschätzen. Wir werden es sehen am Sonntag abend.

Vor dem Wild Card Weekend 2013/14 am Sonntag: Green Bay Packers – San Francisco 49ers Preview

Den Abschluss des Wildcard-Weekends machen ab 22h30 die Green Bay Packers (8-7-1, Sieger NFC North) und die San Francisco 49ers (12-4, Zweiter NFC West). Zu sehen ist das Spiel live bei SPORT1 US und im Gamepass, und in Österreich auch bei PULS4.

Großer Wirbel wird vor dieser Partie naturgemäß um den Umstand gemacht, dass die 49ers die letzten drei direkten Aufeinandertreffen zwischen diesen beiden Mannschaften gewonnen haben… nein, dominiert haben. Und die 49ers haben es auf verschiedene Weisen hingekriegt: 2012 im Season-Opener wurde mit roher physischer Gewalt und QB Alex Smith 30-22 in Green Bay gewonnen, und man erinnert sich zurück, dass das Endergebnis die Kräfteverhältnisse nicht annähernd widerspiegelte. Dann der berühmte 323yds-Laufspieltag für Colin Kaepernick (machte allein 181yds) und seine 49ers letztes Jahr in den Playoffs. Schließlich zum Season-Opener 2013 ein 34-28 Sieg mit weit über 400 Passing-Yards für Kaepernick.

Green Bay und sein DefCoord Dom Capers antworteten stets auf Fragen, die Jim Harbaugh im jeweils letzten Treffen gestellt hatte. Harbaugh hatte aber jedes Mal zum nächsten Aufeinandertreffen die Fragen geändert. Wie wird es diesmal sein?

Wenn die 49ers den Ball haben

Erste Hoffnung für die Packers: Der 412yds-Tag Kaepernicks im ersten Spiel war Kaepernicks einziger nennenswert hervorragender Tag der Saison. Ansonsten quälte sich die 49ers-Offense durch die Saison; sie sind nicht extrem ineffizient, aber ihr wurden die Limits aufgezeigt:

  • WR #15 Anquan Boldin als Alleinunterhalter, sah 129 Anspiele (31% der Anspiele), dabei 85 Catches für 1179yds, 7 TD.
  • TE #85 Vernon Davis als RedZone-Waffe, 84 Anspiele (20%), dabei 52 Catches für 850yds und 13 TD.
  • Dahinter: Nicht mehr viel. WR #15 Crabtree machte nur fünf Spiele, fing dabei 19 Pässe, und alle sagen ihm nach, der Heilsbringer zu sein. Aber er half nur, die Offense ein wenig auf Trab zu bekommen.

Wie viel an Kaepernick liegt, ist schwierig zu sagen. Der Offense gingen über weite Strecken ernsthafte Skill-Player ab. Kaepernick hatte unter einer wechselhaften Offense Line zu leiden, kassierte trotz seiner Mobilität 39 Sacks, warf aber nur 8 INT. Trotz risikoreichem Spiel mit vielen tiefen Bomben in gute Deckung wenige Turnovers. Aber nur 58% Completion-Rate für Kaepernick bei recht durchschnittlichen 6.5 NY/A.

Green Bay hat keine wirklich gute Defense. Der wichtigste OLB #52 Clay Matthews fehlt verletzt, und er ist nicht der einzige Stammspieler im Krankenstand. Slot-CB #37 Hayward fehlt schon das ganze Jahr, und dann ist auch DL Worthy draußen. Der hoch gelobte Rookie-DL Datone Jones hatte einen eher schwachen Einstand, konnte nur als situativer Passrusher überzeugen, gilt als absoluter Schwachpunkt gegen den Lauf.

Mit einer zahnlosen Front-Seven wird das für Green Bays Secondary ein langer Tag selbst gegen den nicht immer überzeugenden Pass-Angriff der 49ers. San Francisco versucht aber ohnehin weiterhin, viel und geduldig zu laufen. Dabei fährt man nur durchschnittliche Zahlen ein (41% Success-Rate, 4.4yds/Carry), aber OffCoord Greg Roman gibt es nicht auf. Green Bays Lauf-Defense? Schwach. Mit nur 52% Success-Rate gehört sie zu den fünf schlechtesten im Lande, und man gibt 4.7yds/Carry ab.

Wenn die Packers den Ball halten

Der Mann, der alles zusammenhält, ist klar: QB #12 Aaron Rodgers. Rodgers hatte sein Comeback gegen Chicago, und auch wenn nicht alles reibungslos klappte, so machte er doch den Unterschied. Rodgers muss wie Kaepernick mit vielen Verletzungen in der Offense auskommen (u.a. TE Finley und LT Bulaga auf der IR). Die Offense Line ist ein Sieb. Auf alles scheißend bringt Rodgers in seinem phänomenalen Kurzpassspiel wieder exakt zwei Drittel der Pässe an den Mann, für 7.8 NY/A.

Die WRs Nelson, Jones und Cobb dürften für das suspekte Defensive Backfield der 49ers mit den Herrschaften Hitner, CB Brown und CB Rogers (questionable) ein ganz schwieriges Matchup sein. Da macht Green Bay vermutlich trotz der üblen Nachteile um die Anspiellinie herum seine Punkte.

Helfen könnte auch der Lombardi Sweep, ein berühmter Laufspielzug, den die Packers wieder ausgegraben haben. Chris B. Brown schreibt bei Grantland darüber, und er schreibt auch, dass RB #27 Eddie Lacy und nun erstmals seit Jahren wieder ein glaubwürdiges Packers-Laufspiel auf die Beine gestellt haben, das denjenigen bestraft, der es ignoriert:

The Packers aren’t suddenly a run-first team, and this isn’t Lacy’s offense. But thanks to the rookie’s presence in the backfield and the renaissance of the Packers Sweep, Green Bay has forced its opponents to at least respect the run.

Lacy ist zwar noch leicht angeschlagen, aber er wird spielen. Es braucht alle Hilfe, damit Green Bay im Spiel bleibt.


San Francisco fühlt sich wie ein leichter Favorit an (Las Vegas sagt 2.5 Punkte), aber es gibt durchaus genügend Punkte in der Schwebe, die dieses Spiel umgeben und eine präzise Vorschau unmöglich machen:

  • Welche Offense wird Harbaugh diesmal spielen? Wird Capers auf die richtigen Fragen antworten?
  • Was passiert, wenn Green Bay schnell in Führung geht? Dann ist San Francisco bald zu eindimensionalerem Passspiel gezwungen – das bekommt den Niners nicht.
  • Ein Punkt, den die 49ers gegen Green Bay nie überwinden mussten: Mehrere Turnovers. Turnovers können dir immer passieren.
  • Das Wetter: Es wird angeblich bockkalt. Bis zu -16°C sind für den Kickoff vorhergesagt („+6 Fahrenheit“). Das ist kalt genug, dass Green Bay bis zuletzt Probleme hatte, sein Stadion vollzubekommen. Green Bay. Ein Heim-Playoffspiel. Da ist es also wirklich kalt. Aber die vor wenigen Tagen vorhergesagten arktischen Temperaturen, die in die Nähe des NFL-Rekordes gekommen wäre, scheinen den Spielern „erspart“ zu bleiben. Trotzdem: Wie reagieren die Offenses auf die Kälte? Wenn sich der Ball nicht so einfach festhalten lässt und dir die Griffel abfrieren.

Für die 49ers spricht ein enormer Vorteil in Sachen Coaching. Harbaugh nehme ich 10/10 Fällen gegen Mike McCarthy. Das Wetter könnte auch eher für die lauforientierte Offense der 49ers sprechen und vor allem: Gegen allzu viel Luftwaffe bei Green Bay. Um die Anspiellinie hat San Francisco in Offense und Defense Vorteile.

Ein Packers-Upset würde mich nicht schocken, aber alle Faktoren zusammengerechnet schauen mir die San Francisco 49ers hier wie die Favoriten aus.


Ankündigung: Am Nachmittag wird Herrmann in einem eigenen Blogeintrag noch eine dezidiertere Analyse dieses Matchups schreiben.

Thanksgiving-Preview 2013

Thanksgiving ist nicht nur das größte Familienfest in den Vereinigten Staaten, sondern auch der Auftakt zu einem der besten Footballwochenenden des Sportjahres. Das amerikanische Erntedankfest wird TV-technisch in den Staaten traditionell truthahnverspeisend von NFL-Football aus Detroit und Dallas begleitet, mit dem neumodischen Zusatz einer rotierenden Primetime-Partie. Wer sich nach drei NFL-Spielen noch nicht sattgesehen hat am Football, der kann in den nächsten Tagen Rivalry-Games en masse aus dem College-Football bestaunen, plus zwölf NFL-Spiele am Sonntag und Monday Night Game als Abrundung. Für eierige Unterhaltung ist also gesorgt.

Thanksgiving 2013 ist auch das erste NFL-Dankfest seit Jahren, das ich passiv erlebe. Ich habe heute Abend pünktlich zum zweiten Viertel die letzte Orchesterprobe vor dem Konzert am Samstag, was mir Live-Konsum der Partie unmöglich macht. Das ist schade, denn die Thanksgiving-Partie am späten Donnerstagnachmittag (nach MEZ) gehört für mich ganz unabhängig von persönlichen Präferenzen zu den Highlights der NFL-Saison.

Detroit Lions – Green Bay Packers

Kickoff 18h30 | live bei SPORT1 US, US-Broadcaster FOX

Thanksgiving ist auch alljährlich die Gelegenheit, den Status quo der Detroit Lions zu eruieren, dieser verfluchten Franchise, die sich in den letzten Jahren ganz gut gemacht hat wie ich finde. Es mischen sich aber ambivalente Gefühle in das Gesamtbild der Lions: Wären wir in 2009, ich wäre begeistert über die Art und Weise, wie diese Mannschaft spielt. Aber wir schreiben 2013, und wir könnten im Prinzip die selben Dinge schreiben wie in den letzten beiden Jahren, da sich wenig bis nix geändert hat: Diese Jungs spielen einen Ball, der den Hardcore-Fan in eine beständige Welt zwischen himmelhochjauchzend und zu-Tode-betrübt versetzt.

Das Spiel gegen Tampa Bay am Sonntag war eins. Jenes gegen Pittsburgh ein anderes. Und dann hätten wir da noch eine Partie gegen Dallas vor ein paar Wochen. Oder gegen Chicago. Alle Spiele nach demselben Schema. Aber nur zwei davon gewonnen. Das Tampa-Spiel war exakt das Dallas-Spiel, bloß ohne den Goal-Line Sneak des Quarterbacks Matthew Stafford. Ansonsten? Dominant in jeder Kategorie: Fast doppelt so viele Offense-Yards, fast ein ganzes Yard mehr im Schnitt pro Spielzug, doppelt so gute 3rd-Down%, doppelt so viele Sacks usw. Aber verloren. Der Grund: Turnovers, Big Plays bei den Buccs. Detroit schafft es immer wieder, sich selbst hinunter auf den Level des Gegners zu spielen, oder, wahlweise gegen die Top-Gegner, sich hinauf zu ziehen zum Gegner. Credo: Das Spiel muss, egal gegen wen, auf ein bizarres Finish hinauslaufen. Ist es ein QB-Sneak, gut. Ist es ein Drop zur INT des besten Spielers (Johnson), auch gut. Hauptsache knapp.

Das macht es einfach, mit dieser Mannschaft mitzuleiden, aber auch einfach, sie zu verdammen. Vor zwei Jahren war Detroit 10-6 und in den Playoffs. Letztes Jahr 4-12 und mit Top-5 Pick. Diesmal war man 6-3 und in scheinbar komfortabler Position. Jetzt ist man 6-5. In Wahrheit hat sich am Spiel genau geändert: Nix. Alle Spiele laufen nach demselben Schema F: Völlig dominante Phasen, völlig bizarre Fehler. Der Löwe wie die Raubkatze, die mit ihrem Mäuschen spielt. Allein: Das Mäuschen hat in realiter keine Chance. In Detroit ist das anders.

Diese Murmeltierschleife, in der die Franchise steckt, wird allerdings auch zum Problem für Head Coach Jim Schwartz, der längst nicht mehr sicher im Sattel sitzt. „Coachen“ ist auch „in der Entwicklung begleiten“ bzw. „die Entwicklung fördern und steuern“, aber diese Entwicklung stagniert seit ziemlich genau zwei Jahren. Die Schwierigkeiten sind seit ziemlich genau zwei Jahren dieselben, und sie sind mehr oder weniger ungelöst.

Thanksgiving läutet den Saison-Endspurt ein, und auch hier sorgten die Lions in den letzten 3-4 Jahren stets für angemessene Unterhaltung, sei es durch unbeherrschtes Nachtreten (Ndamukong Suh) oder unbeherrschten Flaggenwurf (Schwartz). Es ist immer was los. Es ist vor allem dann was los, wenn der Gegner Green Bay heißt und es ein Divisionsduell in einer knappen Staffel NFC North ist.

Green Bay musste den November ohne QB Aaron Rodgers bestreiten und verlor prompt zweieinhalb von drei Spielen. Weil die Hauskonkurrenz in Lions (6-5) und Chicago Bears (6-5) aber den Gefallen machte zu warten, bleibt es eine Division auf Messers Schneide.

Die Ansetzung Lions-Packers gab es bereits 2011 zu Thanksgiving, als sich Suh mit einem Tritt gegen einen Packers-Guard zum US-weiten Feindbild und Symbolbild des „dreckigen Spielers“ machte. Nun wird in der NFL mit harten Bandagen gekämpft, und du könntest in jedem Spiel eine Handvoll grenzwertiger Aktionen isolieren, aber Ndamukong Suh ist bis heute ein zweifelhafter Ruf geblieben. Ein bemerkenswertes Portrait über einen der umstrittensten NFL-Spieler hat Jordan Conn bei Grantland.com verfasst:

Sportlich der Unterschied zu 2011: Suh ist mittlerweile ein kompletter Spieler geworden, der gemeinsam mit DT-Kollege #98 Fairley das Herz der im Kern simplen Lions-Verteidigung bildet. Keine andere NFL-Defense ist so abhängig davon, dass vorne die beiden Tackles das Heft in die Hand nehmen; jeder Spielzug ohne schnelles Durchbrechen der Defense Line wird für Detroit aufgrund einer mäßigen Secondary zum Harakiri-Ritt.

Die Lions-Defense von DefCoord Gunther Cunningham ist nicht „schlecht“. Sie ist bloß banal, und vertraut auf die individuelle Klasse dieser zwei Spieler in der Line. Die wirklich guten Quarterbacks wissen das zu nützen, vor allem, wenn sie Zeit bekommen.

Nun ist nicht ganz klar, ob Aaron Rodgers heute Abend wirklich auflaufen wird; Rodgers soll schmerzfrei werfen können, aber riskierst du eine erneute Verletzung und das endgültige Saisonaus wegen eines – und sei es noch so wichtiges – Spiels? So makaber es klingt, aber der Gegner weiß um Rodgers‘ wunde, noch nicht vollends auskurierte Stelle, und er wird sie attackieren. 15yds-Strafen für intentionale Hits und ein angeknackstes Schlüsselbein? Die NFL ist kalt genug, um das ohne mit der Wimper zu zucken durchzuziehen, und es wird noch nichtmal Kritik an solchen Taktiken geben.

So wird vermutlich der Notnagel QB Matt Flynn auflaufen, der – auch hier haben wir eine Geschichte parat – in der NFL vor allem deswegen bekannt wurde, weil er mit zwei exzellenten Einsätzen in der Regular Season Millionen scheffelte, aber in Seattle und Oakland jeweils von QB-Grünschnäbeln verdrängt wurde. Eine dieser beiden fantastischen Flynn-Spielen in der Regular Season? 2011/12 gegen Detroit, als er ca. 500 Pass-Yards und sechs Touchdowns fabrizierte. Am Sonntag feierte Flynn sein Comeback als Packers-QB und rettete ohne zu glänzen ein Remis gegen die Minnesota Vikings.

Flynn ist ein klassischer Backup-QB: Nicht in der Lage, aus dem Nichts eine dauerhaft tragbare Offense zu leiten, aber auch nicht unterirdisch genug, dass du mit ihm das Spiel schon vor dem Kickoff abhakst. Er wird einige gute Plays machen, und wenn es der Tag erlaubt reicht das für einen herausgewürgten Sieg. Angesichts der Umstände lönnte man durchaus nachvollziehen, wenn Packers-Headcoach Mike McCarthy heute Flynn statt Rodgers aufstellt.

Ob mir oder ohne Rodgers: Ich halte Detroit heute für grundsätzlich favorisiert. Green Bay gewann zwar die meisten der letzten direkten Duelle, aber es war fast immer knapp (hehe…), und minimum drei dieser Partien hätte Detroit mit einer Prise mehr Konsequenz gewinnen können. Im Oktober war es noch am klarsten, aber da waren die Vorzeichen im Vergleich zu heute grundverschieden: Lions damals ohne WR #81 Calvin Johnson, Packers mit einem fitten Rodgers und einem fitten OLB #52 Matthews.

Dallas Cowboys – Oakland Raiders

Kickoff 21h | live bei SPORT1 US, US-Broadcaster CBS

Dallas gegen Oakland ist ein Thanksgiving-Duell, das immer seine Zuschauer anziehen wird, selbst bei sportlicher Misere beider dieser zu den bekanntesten und beliebtesten Franchises der NFL gehörenden Organisationen. „Sportliche Misere“ wäre bei den Cowboys 2013 zu negativ formuliert, denn Dallas führt immerhin mit 6-5 Bilanz die NFC East Division an und hat immer wieder brillante Ansätze. Im Kern treffen viele der obigen Beschreibungen der Lions-Franchise auch auf die Cowboys zu, mit kleinen Unterschieden: Dallas hat den deutlich schlechteren in-Game Coach (obwohl auch Schwartz kein Genie ist), und Dallas hat die dünnere Defense.

Heute sollte das nicht zu schwer ins Gewicht fallen.

Denn die Oakland Raiders sind so oder so klarer Außenseiter. Ehre und Respekt an Head Coach Dennis Allen, mit diesem für NFL-Verhältnisse furchtbaren Kader stattliche vier Saisonsiege herausgewürgt zu haben – das ist schon jetzt mehr als erwartet. Besonders gut sind die Raiders trotzdem nicht (Power-Ranking #31), aber mit ihrer zeckigen Defense können sie die mittelmäßigen Gegner im Schedule jederzeit zu sich herunter ziehen. Die Cowboys-Offense ist allerdings nicht „mittelmäßig“, sondern durchaus zu den besseren im Lande zu zählen.

So oder so glaube ich kaum, dass Oakland die fire power in der Offense hat, um mit Romo und seiner Pass-Armada mitzugehen: QB Terrelle Pryor habe ich vor einigen Wochen mal zaghaft gelobt, aber seitdem sind Pryors Zahlen ähnlich weit den Bach runtergespült worden wie es das GameTape optisch hergibt: Mittlerweile bin ich wieder auf Stand 2011, überzeugt, dass man mit Pryor keinen Franchise-QB in spe im Kader hat. Der Backup ist Matt McGloin, ein ehrenwerter Recke, der nach dem Desaster bei Penn State am College durch nichts mehr zu erschrecken ist, aber McGloin ist mit seinem limitierten Arm nicht mehr als ein Notnagel. Kurzum: Schon allein wegen der zu ineffizienten Offense gebe ich den Raiders in Dallas keine ernsthafte Chance.

Baltimore Ravens – Pittsburgh Steelers

Kickoff 2h | live bei SPORT1 US, US-Broadcaster NBC

Der einstige „Grudge Bowl“ als Krisengipfel in der Thanksgiving-Nacht? Nehm ich. Baltimore (5-6) gegen Pittsburgh (5-6) ist ein nie zu verachtendes Duell, eines der wenigen Rivalry-Games der NFL, das zwischen zwei wirklich philosophisch klar trennbaren Franchises ausgetragen wird: Beide sind stolz auf ihre Reputation als Defense-Schmieden, aber die konzeptionelle Herangehensweise ist grundverschieden. Während die Steelers sich einen Namen als „Blitzburgh“ mit massivem Zug zum Quarterback gemacht haben, agieren die Ravens vor allem über körperliche Härte und blaue Flecken. Allein: Beide Defenses sind nicht mehr so furchteinflößend wie in der Vergangenheit. Die großen Stars der letzten Jahre (Ray Lewis, Ed Reed, James Harrison, Troy Polamalu) sind entweder zurückgetreten, gewechselt oder spielerisch nicht mehr auf dem Niveau der Vergangenheit.

Baltimore hat immerhin eine verjüngte Defense beisammen, die im Laufe der Saison immer besser geworden ist, aber dafür tun sich Waale in der Offense auf: QB Joe Flacco sieht ohne adäquate Unterstützung von den Receivern schlimmer aus denn je und spielt wie erwartet meilenweit unter dem Niveau, das sein rekordverdächtiger Vertrag verlangt. Aber es kommt auch vom Laufspiel wenig bis nichts: Die SR% ist mit 30% katastrophal, der Y/A-Schnitt mit 2.9 Y/A auch nicht viel besser, und das trotz so explosiver, vielseitiger Backs wie Ray Rice oder Bernard Pierce. Man ist in der Lage, aus exzellenten Starting-Feldpositionen drei bzw. hin und wieder sogar sieben Punkte mitzunehmen, aber nach Drive-Länge ist Baltimores Offense auch im untersten NFL-Viertel zu verorten.

Pittsburgh offenbart eine gefährlichere Offense, in der RB #26 LeVeon Bell mittlerweile ein NFL-Standardlaufspiel aufziehen kann. G DeCastro spielt ein so gutes Jahr, dass man ihm zutraut, einen der Ravens-DTs im Alleingang zu übernehmen. QB Roethlisberger dahinter sieht ein wenig eingerostet aus und damit die Offense streckenweise hausbacken, aber Big Ben hatte auch Spiele mit längeren lichten Phasen, und wenn er nicht gerade Sacks für -17 Yards kassiert, ist Ben in Kombination mit dem sensationellen WR #84 Antonio Brown immer in der Lage, auch lange Drives zum TD auszuspielen. Das sieht zwar holprig aus, aber die Effizienz ist zurück. Man sollte auch dem oft in den Senkel gestellten OffCoord Haley nicht zu sehr verdammen; der ehemalige Steelers-Ballbub Haley hatte heuer wenigstens zwei oder dreimal auffallend gute GamePlans mit designten Routenkombinationen, in denen sich sogar zweitklassige Steelers-Receiver frei gelaufen bekamen.

Für mich ist Pittsburgh summa summarum in dieser Partie Favorit. Außer natürlich, Flacco zeigt, dass der Playoff-Lauf kein Zufall war und er nur mit uns allen spielt, uns in die Ecke treibt und dann aus dem Nichts einen neuerlichen Sechs-Siege Lauf in die Playoffs führt (Spoiler: wird nicht passieren).

NFL-Power Ranking 2013, Woche 9: Der beste Spieler der Liga fällt aus

Da waren wieder einige hauchdünne Spiele in Woche 9 dabei. Das faszinierendste war für mich das Donnerstagnachtspiel MiamiCincinnati: Die Dolphins waren nicht die bessere Mannschaft, aber sie waren zeckig und nutzten die fehlerhaften Würfe bei QB Andy Dalton (wir diskutierten schon unter der Woche drüber). Auf der anderen Seite war es eine eindrucksvolle Bengals-Vorstellung, die allerdings ihren DT Atkins mit Kreuzbandriss verloren. Großartige Spielzüge wie Bernards TD-Lauf und ein wuchtiger Sack zum Safety in der Overtime rundeten das Bild einer sehr gut exekutierten, spannenden Partie mit vielen Führungswechseln ab.

Weniger spannend: Die Panthers beim 34-10 gegen Atlanta. QB Newton mit einer für einmal schlechten Vorstellung, brachte keinen Ball downfield an den Mann. Das war aber nicht entscheidend, denn Atlanta schlug sich selbst: Vier Turnovers, kann passieren. Aber zusätzlich fünf geschenkte 1st-Downs für die Panthers durch Falcons-Strafen. My ass. So kannst du deinen Gegner aufbauen. Ganz schwach von Atlanta, das in der Offense so eindimensional geworden ist, dass man die Saison getrost abschreiben kann.

Wer sich letzte Woche aufregte über meine Matt-Stafford-Huldigungen: Bitte. San Diego Chargers. 21-24 Spielstand, 4th-Down und 1yd an der Washington-Goalline mit nur noch ein paar Sekündchen auf der Uhr. Der Chargers-Staff scheißt sich einen in die Hose und lässt kicken. Redskins gewinnen prompt in der Overtime.

New England mit der besten Saisonleistung in einem offensivorientierten Spiel gegen die Pittsburgh Steelers. OK. Wer’s kommen sah. New England mit der mit Abstand besten Offensiv-Vorstellung. In der zweiten Halbzeit funktionierte erstmals seit längerer Zeit auch wieder die pfeilschnelle No-Huddle Offense. TE Gronkowski ist auch Gold wert und wenn WR Dobson nicht drei Drops pro Catch begeht… es mag sein, dass Pittsburghs Defense unter ihrem Alter ächzt, aber nichtdestotrotz: Saubere Vorstellung, Pats.

Ein Gedanke, der mir schon vor ein paar Wochen kam, und im Pats-Spiel wieder: 15yds-Strafe gegen die Defense nach Touchdown. Du darfst von der Mittellinie den Kickoff ausführen. Zahlt es sich aus, einen Onside-Kick zu probieren? Also, keinen offensichtlichen, sondern einen überraschenden? Studien zeigen, dass „surprise onside kicks“ in 60% der Fälle erfolgreich sind; und ein missglückter in diesem Fall wäre kein Weltuntergang. Wie lange dauert es, bis das der erste Coach probiert? Rivera, it’s your turn.

Die Onside-Kicks probiert haben andere Teams. Großartig, was die Tampa Bay Buccaneers in Seattle veranstalteten, mit Onside-Kick, einem kuriosen Trickspielzug zum TD und generell einer mutigen ersten Halbzeit. Die Buccs verloren am Ende trotz 21pts-Führung in Seattle, weil sie mit zunehmendem Spielverlauf mutloser wurden und nur noch hofften, irgendwie mit Turnovers und unendlich Laufspiel die Führung nach Hause zu bringen, aber: Kudos an Greg Schiano. Das hatte ich nicht mehr erwartet, dafür umso mehr begeistert. Und von der Körpersprache sah das auch nicht mehr nach Selbstaufgabe aus. Überlebt Schiano also möglicherweise tatsächlich noch die komplette Saison?

Auch Green Bay im Monday Night Game mit einem interessanten Spiel: QB Rodgers musste früh mit gebrochenem Schlüsselbein raus, und so teuer ein selten eingesetzter Backup-QB ist, so wertvoll wird er in solchen Momenten. Nach Rodgers’ Ausfall ging nicht mehr viel im Passspiel; die RBs um Lacy sorgten zwar für wirklich erstaunlich effizientes Packers-Laufspiel, aber trotzdem brauchte es Zusatzunterstützung, und großartig, dass sich Mike McCarthy an den überraschenden Onside-Kick wagte. McCarthy machte freilich hernach wieder alle guten Eindrücke kaputt, und verschiss zum wiederholten Male mit katastrophalem Auszeiten-Management die Partie.

Auch das Sunday Night Game war wie erwartet ein enges Spiel, in dem sich die Houston Texans am Ende ärgern mussten, 24-27 verloren zu haben. Das Spiel war überwiegend irr genug um damit mehrere Absätze zu füllen: Drei verschossene Field Goals für Houston, ein geblocktes Field Goal gegen Vinatieri, tiefe Bomben, erfolgreiches Comeback der Colts undundund. Es war unterhaltsam, und das auf sehr gutem Niveau. J.J. Watt war mal wieder eine Augenweide, und mittlerweile könnte ich die DefCoord-Wertung auf Watt und Poe herabstreichen, aber so genial Watt ist, so gut fand ich diesmal auch QB Luck in einer kollabierenden Pocket; ein paar Sacks waren nicht zu vermeiden, aber Luck lavierte sich immer wieder gut heraus.

Der heimliche Star des Spiels war aber einer, bei dem ich schon kurz davor bin, den Fanshop der Texans zu räubern: QB Case Keenum. Gemessen an seinem Draft-Status (undrafted) eine erstklassige Vorstellung – die zweite sehr gute Keenum-Vorstellung hintereinander. Alle Welt fusselt sich bestimmt gleich s’Maul voll, wie die NFL Keenums Talent so missachten konnte? Dazu nur drei Stichpunkte: Keenum warf am College nur halb so gute Pässe wie sie die letzten zwei Wochen kamen. Und Keenum musste schwere Verletzungen durchstehen, nach denen man an seinem körperlichen Zustand zweifeln durfte. Und Keenum ist schon 25.

Ist Houston damit 2-6? Ja. Aber im AFC-Wildcardrennen würde ich die Texans noch nicht ganz abschreiben.

Den Moment des Tages lieferte Wade Phillips, der den kollabierten Gary Kubiak (musste zur Pause ins Krankenhaus) vertrat, und in der zweiten Halbzeit während einer Challenge siegessicher einen netten Plausch mit dem Side-Judge hielt. Phillips grinste sich entspannt einen ab, während der Head-Ref das Ergebnis des Video-Reviews verkündete – zu Phillips’ Erstaunen zu ungunsten seiner Texans. Schlagartig versteinerte sich Phillips’ Miene und er würdigte seinem Gesprächspartner keines Blickes mehr.

Das Power-Ranking nach Woche 9.

NFL-Power Ranking 2013, Week 9

NFL-Power Ranking 2013, Week 9

WP entspricht der Siegchance der jeweiligen Franchise gegen eine standardisierte, durchschnittliche NFL-Franchise, (LW) ist das Ranking von letzter Woche, E16 ist WP hochgerechnet auf 16 Spiele (WP*16 = E16), SOS ist der bisherige Strenght of Schedule, den dieses Modell für die jeweilige Franchise errechnet, Rs die Platzierung des Schedules, W-L die tatsächliche Sieg-Niederlagen-Bilanz jeder Franchise zum Ende der Woche 9.

Statistiken

Wichtigste Statistik-Inputs

Wichtigste Statistik-Inputs

Kommentarsektion

In der NFL-Spitze sprechen wir momentan über ein Sextett, aus dem kein klares „bestes Team“ auszumachen ist: Seattle behält trotz der erneuten Wackelvorstellung gegen die Gurken-Buccs die Position des Spitzenreiters, aber es ist hauchdünn: Zwei Tausendstelpunkte trennen die Hawks von den Denver Broncos. Knapp dahinter reiht sich das Quartett bestehend aus Saints, 49ers, Bengals und Packers ein. Vor allem die 49ers haben sich mit einem bärenstarken zweiten Saisonviertel wieder zurück ins Rennen gegroovt, und sehen aktuell im Vergleich mit den Seahawks wie die bessere Mannschaft aus.

Ein Wort vielleicht zu Seattle: Ja, momentan ist das wirklich etwas mau, was von dieser Mannschaft als Gesamtes kommt, und die Offense Line ist richtig schwach. Aber: Kann diese leichte Enttäuschung über die Hawks auch damit zu begründen sein, dass wir so hohe Erwartungen an diese Jungs hatten? Ich meine: Letztes Jahr war Seattle zu diesem Zeitpunkt keine .710 wert, aber knapp drunter, und ich hypte die damals noch völlig unbekannte Truppe (Seattle stand damals bei 4-4 und war für viele zu hoch an #6 im Power-Ranking) in die Höhe.

Seattle ist auf alle Fälle das kompletteste Team in den Big-Six, mit dem Trumpf des #1-Passdefense (5.0 NY/A). Denver hat zwar die beste Pass-Offense, aber eine schwache Pass-Defense. Green Bay ist nur Durchschnitt in der Defense, hat aber die ligaweit beste Offense (OK, Modell weiß nix von Rodgers’ Ausfall). Erstaunlich bei den Packers: Sie haben dieses Jahr nur 1.1% INT-Quote – die Packers, die die letzten Jahre stets Zillionen an Pässen abgefangen haben!

Wir können durchaus mal das Gedankenexperiment durchführen: Rodgers. Mit gebrochenem Schlüsselbein „auf unbestimmte Zeit“ draußen. Setzen wir für Rodgers’ Effizienz-Stats eine Liga-Durchschnittswert von 6.3 NY/A im Passspiel ein, fällt Green Bay sofort durch auf #15 (.521). Gehen wir davon aus, dass Wallace (oder Matt Flynn? – in Buffalo entlassen!) schlechter als Durchschnitt sind, z.B. runter auf 5.0 NY/A, sind die Packers per sofort nur noch als 26t-bestes Team der Liga anzusehen (.313). Allein an solchen Zahlenspielereien kann man den Wert des Aaron Rodgers für die Green Bay Packers erahnen: Er ist unbezahlbar.

San Francisco ist mit Colin Kaepernick übrigens auch schon wieder auf 7.1 NY/A im Passspiel, der ligaweit siebtbeste Wert.

Dahinter hat sich ein breites Mittelfeld etabliert. Philadelphia ist ein bissl ein Ausreißer, kletterte mit dem Kantersieg in Oakland (7 TD für Foles!) wieder ein paar Plätze. Detroit und Carolina sind im Ranking fast identisch, und auch im gefühlten Ranking: Beide würde ich in keinem Spiel gegen keinen Gegner als Außenseiter sehen, aber bei beiden weißt du: Sie bauen genügend Böcke, dass sie sich nicht als echte Superbowl-Mitfavoriten anfühlen… und möglicherweise schafft einer von beiden nicht mal die Playoff-Qualifikation.

New England ist der größte Gewinner des Wochenendes: Die Pass-Offense kletterte nach der Monster-Vorstellung gegen Pittsburgh von 5.1 NY/A (vorletzter Platz der Liga) auf immerhin 5.7 NY/A (#23 der Liga), und man nimmt wirklich an, dass es weiter aufwärts gehen wird, wenn diese Herrschaften so weitermachen. Ist New England damit auf einmal wieder ein AFC-Favorit? Vielleicht, denn die Pats sind 7-2, und werden ihre Offense weiter verbessern.

Kansas City rutscht trotz 9-0 Bilanz weiter ab, ist nur noch #16. Gefühlt 3-5 Plätze zu niedrig, aber: Das Glück ist aufgebraucht. Ab sofort werden die Gegner nimmer third stringer sein, sondern Manning, Luck und Rivers.

Update zu den kaum zu bändigenden Jets: Sie sind nach dem Überraschungssieg über New Orleans plötzlich mit 5-4 Siegen wieder ein Player im AFC-Wildcardrennen. Aber: Die Jets haben ein Punkteverhältnis von -62, sind 5-1 in engen Spielen und sind die #27 nach Pythagoreischer Erwartung. Yup, sie haben die Defense, um zwischendurch ein paar Upsets zu landen, aber ansonsten fühlt sich diese Mannschaft meilenweit von den Playoffs entfernt an.

Unten drin zementierte Baltimore mit Flaccos erneut pathetischer Leistung seine Stellung als eher unterdurchschnittliches Team, und für manche Beobachter wird der Absturz der Oakland Raiders auf #31 durchaus überraschend kommen, nachdem man die Raiders bis zum Eagles-Spiel als eher positive Erscheinung wahrgenommen hatte. Oakland ist in allen Belangen weit unterdurchschnittlich: Pass-Offense #24, Pass-Defense #26, Lauf-Offense #26, Lauf-Defense #21, vierthöchste INT-Quote in der Offense usw. „Optisch“ spielt das Team über den Erwartungen, aber vielleicht waren diese Erwartungen ja auch so niedrig, dass dies immer noch nur zu #31 reicht?

Die Buccs sind zwar mit 0-8 Bilanz auch eine Katastrophe, aber bei allem, was schief lief: Es ist eine 0-5 Bilanz in engen Spielen mit Freak-Pleiten gegen Jets und Saints zum Saisonstart sowie einer sehr ordentlichen Vorstellung in Seattle. Und der Schedule ist der bisher schwerste der Liga gewesen.

Im Divisionsvergleich bleibt die NFC West vorne:

  1. NFC West 0.544
  2. NFC North 0.535
  3. NFC East 0.532
  4. AFC West 0.505
  5. NFC South 0.502
  6. AFC North 0.473
  7. AFC East 0.466
  8. AFC South 0.442

Bei den Conferences baute die NFC ihre Führung diese Woche aus:

  • NFC 0.528
  • AFC 0.472

Award-Watch

  • MVP-Watch: Peyton Manning, Drew Brees, Romo, Andrew Luck, Dontari Poe, Calvin Johnson
  • Offense-MVP Watch: P. Manning, Jimmy Graham, Calvin Johnson
  • Defensive-MVP Watch: Poe, J.J. Watt, Ndamukong Suh, Richard Sherman, Justin Houston
  • Rookie of the Year-Watch: Star Lotulelei, Kiko Alonso, DeAndre Hopkins, Sheldon Richardson, Andre Ellington
  • Coach of the Year Watch: Chuck Pagano, Andy Reid, Sean Payton, Ron Rivera

Ich löse mein Versprechen ein: Auch wenn Rivera am Sonntag ein machbares 4th-and-2 nicht mehr ausspielte, so hatte er doch schon deutlich vorher im Spielverlauf, bei viel engerem Spielstand erneut die Eier, ein 4th-und-1 auszuspielen: Statt Field Goal scorte Carolina dabei einen vorentscheidenden Touchdown. Damit steht Rivera auf der Liste. Der nächste klopft schon an: Doug Marrone, der für meinen Geschmack in Buffalo einen mittlerweile guten Job erledigt.

Sieg-Wahrscheinlichkeiten für Woche 10

Letzte Woche eine 9-4 Bilanz für das Ranking, das nun den Ausfall des besten Spielers der Liga verkraften muss: Aaron Rodgers. Die Zahlen in Green Bay wurden und werden natürlich nicht für das offizielle Ranking adjustiert. Insgesamt steht das Ranking somit bei momentan 47-22 richtigen Tipps (68.1% richtige Tipps).

HOME                 %   AWAY                  %
Minnesota           43   Washington           57
Atlanta             30   Seattle              70
Chicago             48   Detroit              52
Green Bay           62   Philadelphia         38
Tennessee           85   Jacksonville         15
Indianapolis        82   St Louis             18
NY Giants           80   Oakland              20
Pittsburgh          53   Buffalo              47
Baltimore           23   Cincinnati           77
San Francisco       65   Carolina             35
Arizona             49   Houston              51
San Diego           38   Denver               62
New Orleans         72   Dallas               38
Tampa Bay           35   Miami                65

Der Spread bei ColtsRams ist mir gefühlt zu hoch; die Rams sind keine unterirdische Truppe, und mit QB Clements höher einzustufen als vorher mit Bradford. Ich würde nicht soweit gehen wollen und ein Upset proklamieren, aber Indy in 8 von 10 Fällen zuhause gegen St Louis? Kommt mir zu hoch gegriffen vor.

Ansonsten: Drei Spiele, die quasi auf Münzwurf-Niveau bestritten werden (unter 55%), aber auch mehrere recht klare Angelegenheiten. Ich bin gespannt auf die Wettbüros: Wie wird Packers-Eagles dort bewertet?

NFL Notizblock, Week 3: Green Bay Packers @ Cincinnati Bengals

Zwei sichere Playoffkandidaten trafen gestern um ein Uhr in Ohio aufeinander. Da beide Mannschaften mit einer 1-1-Bilanz antraten, ging es für beide auch darum, das Fallen in die erste kleine Grube der Saison zu verhindern. Ein Spitzenspiel war es dann tatsächlich auch, mit vielen Spielern, die herausstachen – positiv wie negativ. Die Einzelheiten nach dem Klick.

Cincinnatis Cornerback Leon Hall hat gestern gegen eine der besten QB-WR-Combos gezeigt, daß er einer der besten Defensive Backs der Liga ist. Er hat Randall Cobb überallhin verfolgt, war also die meiste Zeit im slot, und hielt ihn bei fünf catches für 50 Yards. Gekrönt hat er seine Leistung mit einer starken Interception beim Stand von 21-30 in der eigenen redzone. Diese hat wahrscheinlich das Spiel gerettet.

Stats / Gamebook

Gamebook Packers@Bengals

Fast ebenso auffällig waren Cincys Defensive Ends Michael Johnson und Carlos Dunlap. Ständig haben sie die Offensive Line der Packers wie heillos überforderte Amateure aussehen lassen. Diese Drei, Hall, Johnson und Dunlap, waren auch die Hauptverantwortlichen dafür, daß diese Spiel nicht schon in der ersten Halbzeit für die Bengals zu einem blowout wurde.

Die Bengals marschieren im ersten Drive über das gesamte Feld, Rookie RB Gio Bernard schließt spektakulär zum 7-0 ab. Den folgenden Kickoff fumblet Green Bays Kick Returner Jeremy Ross. Einen Spielzug später steht Ben-Jarvus Green-Ellis in der Endzone: 14-0 Bengals nach sechs Minuten.

Und dann fällt alles auseinander. Es folgen vier Turnovers in den folgenden vier Drives – alle in der eigenen Hälfte. TE Jermaine Gresham fumblet, RB BJGE fumblet, QB Andy Dalton verliert einen Ball und wirft auch noch eine Interception. Ein Fumble wird direkt zum Touchdown returniert. Die anderen drei aussichtsreichen Möglichkeiten kann die Packers-Offense aber nur in zwei Field Goals ummünzen. Nach dieser Leistung muß sich Cincinnatis Verteidigung vor niemandem mehr fürchten. Aaron Rodgers macht aus 43 Paßversuchen nur 244 Yards und hatte sein erstes Spiel mit zwei Interceptions seit drei Jahren. Rodgers konnte aber auch fast nur kurze, schnelle Pässe werfen, weil er sonst im Krankenwagen hätte nach Hause fahren müssen. Seine OLine spielt mindestens zwei Klassen unter der DLine der Bengals.

Stark waren bei den Cheeseheads vor allem Rookie RB Jonathan Franklin bei seinen 13 Läufen (103 Yards)  und der unnachahmliche Jordy Nelson, der alles, aber auch wirklich alles fängt, was irgendwie in seine Richtung gesegelt kommt.

Auf der anderen Seite war Cornerback Sam Shields das Gegenstück zu Hall. Shields fing die angesprochene Interception von Dalton und hatte auch A.J. Green erstklassig im Griff. Wie auch Hall spielte er nicht eine feste Position, sondern verfolgte Green auf Schritt und Tritt. In der ersten Hälfte fing Green nicht einen Paß; insgesamt waren es bei acht targets vier catches für weniger als 50 Yards.

In Hälfte eins sah das Laufspiel ganz ordentlich aus. Vor allem Rookie Bernard macht jede Menge Spaß. Sehr gut im Griff hatten die Packers die beiden Tight Ends Gresham und Rookie Tyler Eifert.

In der ersten Hälfte hat die Defense die Bengals im Spiel gehalten; in der zweiten Hälfte hat sie das Spiel gewonnen. Nach dem TD zum 30-14 enden die folgenden drei  Packers-Drives mit Interception (Terrence Newman), Interception (Hall) und Fumble (Johnson schlägt Franklin den Ball aus der Hand). QB Andy Dalton sah sehr solide aus und führte im vierten Viertel einen lebenswichtigen Drive über 95 Yards zum Touchdown.

Wildes Spiel, einige sehr gute individuelle Leistungen, acht Turnovers. Viel besser kann ein Ein-Uhr-Spiel für die Zuschauer gar nicht sein. Und beide Mannschaften sind immer noch klare Playoff-Kandidaten.

GFWTC, Week 1 im Rückspiegel: Die Denke vom „Value“ und warum ich selbst beim Besten mit mir kämpfen musste

Völlig unüberraschend habe ich schnell Gefallen gefunden an der German Football Writers Team Challange (GFWTC), dem von Hard Count iniziierten Draft-Spiel. Die erste Woche ist um, die ersten Picks sind gemacht. Ich werde mein Big Board erst im späteren Verlauf der GFWTC veröffentlichen, aber erstmal so viel: Ich konnte mich nicht 100%ig daran halten, und ich hatte schon einen WTF-Moment.

Das begann mit der Auslosung. Es mag komisch klingen, aber ich hatte schwer gehofft, nicht unter den ersten zwei picken zu müssen. Erklärung gleich. Wie es natürlich kam: Ich wurde an #2 gelost.

Pick #2: QB Aaron Rodgers

Aaron Rodgers ist der attraktivste Spieler im Pool der GFWTC: Quarterback, keine 29 Lenze alt, bester Spieler der Liga. Aaron Rodgers ist der beste Quarterback, den ich in meinem Leben bisher gesehen habe, besser als Peyton Manning, Drew Brees oder Tom Brady in ihrer Blütezeit. Wenn Rodgers noch 2-3 Jahre die Pace der letzten 3-4 Jahre halten kann, ist er eine Allzeitgröße wie Manning, Brady und Brees, mittendrin in der Diskussion um die besten zehn Quarterbacks ever.

Rodgers geht diesen Herbst in sein mittlerweile neuntes (!) NFL-Jahr, was man nicht denken möchte, aber Rodgers hat drei Jahre praktisch einen auf „Redshirt“ hinter Brett Favre gemacht (oder machen müssen). Seit 2008 ist er der Starter in Green Bay, und seit 2009, spätestens seit Mitte Saison 2010 der beste Quarterback in der Liga. Und Rodgers ist trotz der Erfahrung noch ein relativ junger Spieler, mit knapp 29 erst am Tor zur Blütezeit. Er hat noch sechs, sieben Jahre auf höchstem Niveau im Tank, sofern nicht zu viele Bänder reißen sollten oder seine Gehirnerschütterungsprobleme wieder einsetzen. Es gibt keine bessere Kombination aus gegenwärtiger Stärke und Zukunftsfähigkeit.

Rodgers war aus diesen Gründen der #1-Spieler auf meinem Big Board. Insofern hätte ich eigentlich in die Luft springen müssen, als Andy Goldschmidt mit dem Top-Pick Colin Kaepernick zog (mein #5-Quarterback, aber nicht in den Top-20 overall) und ich freie Bahn auf Rodgers hatte.

Es gibt da nur ein kleines Problem, und das hat mit der Anzahl der GFWTC-Teilnehmer zu tun: Es sind „nur“ zehn. Hätten wir, sagen wir 20 oder gar 32, die Diskussion wäre per sofort im Keim erstickt: Ziehe Rodgers, wenn du die Chance bekommst. Aber bei bloß zehn Teilnehmern werden alle Mannschaften saustark, und der Qualitätsunterschied zwischen dem besten und zehntbesten Quarterback ist geringer als die Qualitätsunterschiede auf anderen wichtigen Positionen.

Das entwertet die Quarterback-Position für dieses Spiel. Mein #2-Spieler auf dem Big Board war Andrew Luck, auch ein Quarterback und die zweitbeste Kombination aus Jugend und Talent: Aufgrund seiner Unerfahrenheit noch so etwas wie eine Unbekannte, aber Luck ist für sein junges Alter schon so reif, dass man ihn schlicht ziehen muss, wenn man die Chance bekommt. Ich weiß aber nicht, ob ich Luck gezogen hätte, wäre Rodgers vom Board gewesen, da ich hatte einen Sinneswandel hatte.

Denn mein #3-Spieler war DE J.J. Watt, der eigentlich in einem Zehner-Teilnehmerfeld der attraktivste Spieler hätte sein müssen, und zwar aus einem Grund: Er ist auf der zweitwichtigsten Position im Footballsport der aktuell meilenweit beste Spieler (wie sagen Amerikaner da? Best by a landslide). Und Watt ist mit bloß zwei Jahren Profierfahrung blutjung. Watt war meine heimliche Nummer 1, und daher hatte ich insgeheim darauf gehofft, nicht vor die Wahl „Rodgers oder Watt“ gestellt zu werden.

Ich hatte Watt schon eingetippt, gegen mein Big-Board, aber ich zog dann doch den Quarterback, im Wissen, dass ich mit Rodgers per Autopilot schonmal eine konkurrenzfähige Offense stellen würde. Ich wusste, dass Watt an #19 (meinem Zweitrundenpick) nicht mehr verfügbar sein würde, da ich keine Zweifel hatte: Watt wird nicht an #4 (Herrmann) vorbeirutschen.

Pick #19: DE Jason Pierre-Paul

Ich habe nun erklärt, warum die Quarterback-Position in einem Zehner-Feld an Wert verliert und warum ich trotzdem Rodgers zog, mit einem zwiespältigen Gefühl zwar, aber du weißt, dass das Spiel nicht einfach ist, wenn du den besten Spieler der Liga auf der wertvollsten Position bekommst und du dir trotzdem nicht 100%ig sicher bist, dass es die richtige Entscheidung war.

Mit meinem zweiten Pick wollte ich einen Star-Abwehrspieler holen. Mein Big-Board gab mir vor: #3 Watt, #4 Von Miller, #5 Revis, #6 Geno Atkins. Watt und Miller hatten wie zu erwarten war nie eine Chance, ans Ende der zweiten Runde zu fallen. Revis und Atkins hätte ich fast bekommen, aber Herrmann (erneut!) machte den bestmöglichen Draftpick mit seiner #17 und zog mir meinen letzten no brainer vor der Nase weg.

Was macht man also mit #19?

Ich zog DE Jason Pierre-Paul von den New York Giants. Die Logik hinter diesem Pick war: So früh im Draft kommt nur eine extrem wichtige Position infrage, also Quarterback (erübrigte sich), Pass Rusher oder Cornerback. Pierre-Paul war nicht mein höchster verbliebener Spieler am Big-Board (ich hatte ihn an #9 im Big-Board), aber er war derjenige, der qualitativ weiter über seinen Positionskollegen stand als die anderen verbliebenen Spieler. Und er ist ein extrem junger Spieler (drei Jahre NFL). JPP war ein value pick.

Pierre-Paul ist zweifelsohne ein kompletter Spieler, und dieses Paket aus Supertalent, jungem Alter und trotzdem Erfahrung macht ihn auch mal ungeachtet der GFWTC zu einem „logischen“ Top-20 Draftpick in einem Pool mit allen NFL-Spielern (man könnte auch sagen: sein Trade-Wert gehört zu den 20 höchsten in der Liga).

Insofern bin ich fast glücklicher mit dem JPP-Pick als mit dem Rodgers-Pick. Weil er spannender ist, und einfacher zu erklären.

Pick #21: DT Gerald McCoy

Gerald McCoy war mein #8-Spieler auf dem Big Board. Ich hatte ihn höher eingestuft gehabt als Pierre-Paul, aber die Umstände und die Tatsache, dass ich wusste „ich bin zwei Picks später erneut dran“, ließen mich Pierre-Paul vorziehen. Zumal ich wusste, wer die beiden Picks dazwischen hatte: Andy Goldschmidt, Giants-Fan. Ich war mir 100%ig sicher, Pierre-Paul an #21 nicht mehr zu kriegen.

Man muss ja flexibel sein, aber das war nicht der einzige Grund, warum ich mein Big-Board diesmal missachtete (übrigens war auch meine #7 zu dem Zeitpunkt noch aufm Tableau): Bei McCoy ist der Unterschied zum nächstbesten Spieler auf der Position (in meinem Big-Board: Ndamukong Suh) einfach geringer als bei Pierre-Paul. Hätte ich McCoy nicht mehr bekommen, hätte ich bedenkenlos Suh genommen, mit nur wenig Qualitätsunterschied. Das ist das, was ich bei JPP mit value pick meinte.

Gerald McCoy ist ein fantastischer Spieler: Ich hatte in der Offseason wenig Zeit mich mit Football-Details zu beschäftigen, aber unter den wenigen Studien, die ich machte, war McCoy. Der ist seit drei Jahren in der Liga, und in den ersten beiden war er häufig verletzt. 2012/13 war der erste Herbst, wo der Mann halbwegs heil durchkam. Zusammenfassendes Statement: Gigantisches Talent.

Es gab Spiele (v.a. Week-1 gegen die Panthers), da gab es kein Down, an dem McCoy nicht zum Moment des Snaps schon im Backfield des Gegners wütete. Ein Teil davon war scheme-bedingt (ich werde das im Juli in einem gesonderten Blogeintrag erklären), aber auch im 1-vs-1 musst du deine direkten Gegenspieler erstmal so pulverisieren wie McCoy.

Der Junge ist – yup – „jung“, und er ist ein idealer Nebenmann für DE Pierre-Paul. Wenn du mit deiner Front-Four genügend Druck machen kannst, bist du in der Defense immer flexibel: Du kannst bedenkenlos ein paar Drives die Cover-2 Defense spielen und bist nicht per Design auf reine Manndeckung angewiesen.

Fazit: Der Kampf gegen den inneren Schweinehund wurde schon in den ersten drei Runden beansprucht, aber ich konnte die Kernelemente meiner Philosophie bereits umsetzen:

  • Ein Quarterback in jungem oder bestem Alter, der die Offense auch mit weniger als 100%-Talent zusammenhalten kann und Punkte vorlegt, damit ich in meiner Defense nicht ständig hopp-oder-topp spielen muss.
  • Eine Front-7 mit kompletten Spielern: Die Lauf-Defense ist jetzt schon garantiert keine Gurkentruppe (es sei denn, ich muss Juan Castillo zum DefCoord bestellen), und dank des zu erwartenden Passrushes muss ich in der Deckung nicht in jedem Spielzug Harakiri spielen.
  • Analytisch hast du die beste Siegchance, wenn du mit deiner Pass-Offense Punkte vorlegen kannst, damit du dich in der Defense auf deine Pass-Defense konzentrieren kannst, weil der Gegner versuchen muss, mit ebenso schnellem Passspiel nachzuziehen.

Team korsakoff blickt zuversichtlich in die vierte Runde des Drafts.

Green Bay Packers in der Sezierstunde

Stat Line 2012

Record        11-5    DP
Enge Spiele    4-4
Pythagorean   10.5    (7)
Power Ranking   .593  (5)
Pass-Offense   6.6   (12)
Pass-Defense   5.7    (7)
Turnover        +7

Management

Salary Cap.
Free Agents.

Merkwürdig unscheinbare Saison für die Green Bay Packers 2012/13: Man war trotz Verletzungsplage und Eindimensionalität mal wieder 11-5 und galt bei vielen Experten als leichter Favorit im Playoff-Viertelfinale in San Francisco, aber nach dem sang- und klanglosen Ausscheiden dort weiß niemand so recht, was man mit der abgelaufenen Packers-Saison anstellen soll.

Etwas ironisch mag sein, dass der so erfolgreiche Head Coach Mike McCarthy ausgerechnet in der abgelaufenen Saison erstmals wirklich am Radar war – und nicht immer im positiven Sinne. Stark für den Trainerstab spricht, dass das Team zusammengehalten wurde, selbst nach der fragwürdigen Klatsche in Seattle, als die Saison schon früh am seidenen Faden hing. Aber McCarthy zeigte im Saisonverlauf in regelmäßigen Abständen völlig bizarres PlayCalling, sprang bei einer geschwartzten Challenge von der Schippe, und wirkte generell weniger souverän als in anderen Jahren. Ist das ein Problem? Vielleicht nein, aber es waren genügend überdenkenswerte Entscheidungen McCarthys dabei, dass ich McCarthy ab sofort stärker aufm Radar habe.

GM Ted Thompson bleibt dagegen der Alte: In der Offseason wird wenig Wirbel am Transfermarkt gemacht (höchstens durch Abgänge), und man scheint mal wieder alle Ressourcen in den Draft zu stecken. Und man wird QB Aaron Rodgers den teuersten Vertrag der NFL-Geschichte geben müssen, ein Kontrakt, der ca. 16-20% vom Salary Cap frisst.

Die Offense

Persönlich fand ich Rodgers erneut fantastisch: Hielt eine erodierende Offense zusammen, und auch wenn die Effizienz-Stats (6.6 NY/A) im Vergleich zu anderen Rodgers-Saisonen ein krasser Ausreißer nach unten waren, haste beim Zuschauen stets 100%iges Vertrauen, dass Rodgers das Richtige macht, wenns drauf ankommt. So weit der persönliche Eindruck, aber ich vernahm in einem Podcast von Greg Cosell durchaus auch Kritik an Rodgers: Laut Cosell ließ er brutal viele Plays auf dem Feld, verpasste offene Receiver und war ganz einfach nicht der alte Rodgers. Für ein ausgedehnteres All-22 Studium fehlte mir bislang die Zeit, aber nach den wenigen gesammelten All-22 Eindrücken kann ich Cosells Meinung nicht bestätigen. Aber immerhin: Wenn Cosell sowas sagt, ist es wahrscheinlich, dass was dran ist.

Nun kann man immer sagen „logisch, dass Rodgers viele Plays am Feld lässt. Die Packers spielen ja auch eine gefühlte 90:10 Pass/Lauf-Ratio. Bei so vielen Pässen fallen qua Natur viele zu Boden“. Damit ist auch eines der Charakteristika von Green Bays Angriff schnell beschrieben: Er läuft über die Luft, und zwar ausschließlich. Laufspiel wird häufig noch nicht mal als Ablenkungsmanöver eingestreut.

Viele Pässe, viele benötigte Wide Receivers: Nach dem Rücktritt von Driver und dem Abgang des zu teuren Jennings verbleiben drei primäre WRs: Jordy Nelson, James Jones und die Allzweckwaffe Randall Cobb. Gepaart mit dem unkonstanten, aber wenn motiviert brillanten TE Jermichael Finley ist das ein wunderbares Quartett, aber es ist nicht mehr vollkommen: Der Packers-Angriff braucht als Minimum diese Leute, besser wären noch 1-2 Wideouts mehr. Jennings‘ anerkannt präzises Routenlaufen dürfte vermisst werden. Sofern man den jungen WRs Boykin und Ross nicht über den Weg traut, gehe ich davon aus, dass Thompson irgendein Karnickel in der zweiten oder dritten Draftrunde aus dem Hut zaubert. Was mit dem zweiten Tight End nach dem Abgang des vollkörpertätowierten Monsters Crabtree wird, bleibt auch abzuwarten.

Möglichst viele Receiver sind für Rodgers auch stets ein Schutzmittel und eine Verstärkung der Pass-Protection (weil extremstes Timing = schnellerer Wurf = weniger Zeit für den Passrush). Das muss in Green Bay auch sein, denn die Offense Line gilt als anerkannt wackelig. Gesetzt ist die rechte Seite mit RG Sitton und RT Bulaga, aber auf Center (Saturday tart zurück) und der linken Seite (LG Lang gilt als Wackelkandidat, LT Newsome möchte man lieber heute als morgen ersetzen) besteht Nachbesserungsbedarf. Der vor zwei Jahren gedraftete LT Sherrod war bisher mehr verletzt und es mehren sich die Stimmen, dass Newsome es in der NFL nicht mehr packen könnte.

Schließlich das Laufspiel: Green Bay kommt ganz gern mit Jungs vom Straßeneck aus, weil ein teurer Back eh nur verschwendte Kohle in diesem System ist. Das ist gut und recht, und Leute wie DuJuan Harris oder Alex Green zeigten schon den einen oder anderen faszinierenden Lauf oder wenigstens Kampfgeist in engsten Lücken. Aber wirklich verlässliche Leute sind das nicht. Niemand erwartet allerdings, dass Thompson vor der vierten Runde auf RB-Suche geht – wenn überhaupt.

Defense

Die Packers-Defense war letztes Jahr besser als 2011/12, aber sie ist immer noch stark abhängig von erzwungenen Turnovers, und es gibt noch Luft nach oben. Dazu kommt, dass nach dem Abgang der Lieblings-Schachfigur von DefCoord Dom Capers, Charles Woodson, wohl eine kleine Systemumstellung weg von dieser eigenartigen 2-4-5/3-4 Defense folgen wird.

Beginnen wir in der Defensive Line, die einige Wünsche ob der Kadertiefe offen lässt: B.J. Raji und der alternde Ryan Pickett (wird 34) sagte man zuletzt wieder ein besseres Jahr nach, aber hinter den beiden gibt es Waale: DT/NT Jerel Worthy erlitt eine schwere Verletzung und wird nicht sicher fit. Mike Williams gilt maximal als role player und wenn man bedenkt, dass Green Bay in spätestens einem Jahr entweder Raji oder Pickett (beide haben nach 2013 auslaufende Vertäge, Pickett wie geschrieben ist alt) oder beide ziehen lassen muss, wäre ich über die Einberufung eines massiven Defensive Liners wie John Jenkins oder Jesse Williams nicht überrascht.

Bei den Linebackers gibt es Gegensätze zwischen außen und innen: „Außen“ bei den OLBs gibt es mit Clay Matthews und Nick Perry zwei großartige Passruher (Perry hatte als Rookie aber mit vielen Verletzungen zu kämpfen, die wenigen Eindrücke wurden aber unisono hochgejubelt), aber null Tiefe. „Innen“ gibt es viele Jungs mit Potenzial, aber keinen Superstar. Die beiden bekanntesten Leute sind A.J. Hawk und Desmond Bishop. Ersterer ist vor allem mit der Kohle, die QB Rodgers kassieren wird, spätestens nächstes Jahr ein wandelndes Salary-Cap-Problem. Letzterer hat häufig mit Verletzungen zu kämpfen. Ich erwarte 1-2 Picks für die OLB-Tiefe, aber Inaktivität bei den ILBs.

Die Cornerbacks dürften rundum zufrieden stellen: Williams/Shields wurde ein gutes Jahr nachgesagt, CB Casey Hayward galt lange Zeit als Kandidat für den Defensiv-Rookie des Jahres und definiert sich sowohl als guter Deckungsspieler als auch als Gefahr für Interceptions, und machte auch schon erste Erfahrungen mit richtigen #1-WRs, dahinter Leute wie House oder Bush als vierte und fünfte Optionen (und Versicherung gegen Verletzungen) – datt stellt zufrieden.

Bei den Safetys dürfte nur Burnett gesetzt sein. S Sean Richardson soll im Trainerstab hohes Ansehen genießen. S M.D. Jennings schaffte es in Seattle nicht mal, die entscheidende Interception gegen Golden Tate zu fangen… okay, der war böse. Burnetts Vertrag läuft 2014 aus und dürfte nicht billig werden – einen Rookie-Safety sehe ich schon nach Green Bay gehen.

Ausblick

Gemessen an dem, was McCarthy und Co. spielen wollen, ist der Kader richtig stark besetzt. Die größten Baustellen für den Draft sind IMHO:

  • Defensive/Nose Tackle
  • Ergänzungsspieler auf Wide Receiver
  • Linke Seite Offense Line
  • Safety
  • Center

Es wäre gegen alles bisher von Thompson gezeigte, wenn die Packers plötzlich mit einem hohen Pick einen Runningback holen würden. So oder so wird die Mannschaft mit einem gesunden Rodgers in der Shotgun-Formation selbst in der knackigen NFC ein Superbowl-Anwärter bleiben.