Jacksonville Jaguars – Indianapolis Colts live

[18h51] Endstand Jacksonville Jaguars 30, Indianapolis Colts 27.

Erster Saisonsieg für Jacksonville, wo Head Coach Bradley gerade noch den Kopf aus der Schlinge zieht. Für wie lange, wird sich zeigen. Dafür dürfte auf der anderen Seite Chuck Pagano angezählt sein. Pagano ist eine Katze mit sieben Leben, aber das war eine derart absurde Vorstellung der Colts, dass ich nichts für unmöglich halte.

Colts mit 4.0 NY/A im Passspiel. QB Luck ist nicht zu beneiden in dieser komplett dysfunktionalen Offense. Luck wirkt auch gar nicht mehr wie der Spieler mit dem Selbstverständnis von vor 2-3 Jahren. Wir riskieren hier, dass sich einer der Stars der Liga in ein Loch spielt, aus dem er nicht mehr heraus kommt.

Jacksonville mit 5.4 NY/A Passspiel nur unwesentlich besser. Die Offense besteht in WR Robinson aus einem Alleinunterhalter und zehn Statisten. QB Bortles eine einzige Enttäuschung. Bortles‘ Scrambling war noch das beste abseits der Pässe für Robinson. Weiterlesen

Die furchtlose NFL-Vorschau 2016/17 | Das Niemandsland

Nach dem gestrigen Auftakt zur großen, furchtlosen NFL-Vorschau 2016/17, folgt heute Teil 2 mit den Mannschaften, die nicht Gefahr laufen sollten um den Top-Pick zu spielen, die aber auch keine logischen Playoffanwärter sein sollten. Willkommen im Mittelmaß. Weiterlesen

Sonntagsvorschauer 2015 | Woche 15

Football!

Drama schon um 19Uhr. Es wird weiter ausgesiebt; es werden gegen halb elf heute abend ein paar neue Mannschaften hinzukommen, die sich von den Playoffs verabschieden können.

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Date am Donnerstag 2015, Week 11: Jacksonville Jaguars – Tennessee Titans Preview

Jede Mannschaft sollte zumindest einmal pro Saison in der Primetime spielen – das ist NFL-Mantra. Und so kommt es, dass wie heute Nacht im Thursday Night Game das AFC-South Duell Jacksonville Jaguars (3-6) vs Tennessee Titans (2-7) serviert bekommen. Es ist das Spiel der Mannschaften, die im Draft an #2 und #3 gezogen haben. Weiterlesen

Die furchtlose NFL-Vorschau 2015/16 | Die Kellerkinder

Die NFL-Saison 2015/16 steht vor der Tür und somit bietet sich wieder die Chance für eine lieb gewordene Tradition auf diesem Blog: Die große vierteilige Vorschau auf die Saison, die wie immer unterteilt wird in die vier Kategorien: Bodensatz, Mittelklasse, Playoffkandidaten und Titelanwärter.

Berücksichtigt werden dabei verschiedene Faktoren, von der Entwicklung der Mannschaft über die Stärke der Divisionen und Spielpläne hin zu Regressionsfaktoren wie Turnover- oder Verletzungsglück. Also nichts was wir nicht schon in der Vergangenheit hatten. In der Leiste rechts finden sich ein Glossar und die Referenz-Links zu den entsprechenden Quellen.

In der Voranalyse fällt auf, dass die NFC in diesem Jahr in der Spitze recht dünn besetzt ist, während die AFC mittlerweile wieder einen ganz guten Standard erreicht hat und wegzukommen scheint vom Gespann Manning / Brady, der über den Endspielteilnehmer dieser Staffel entscheidet. Doch genug der Vorrede, beginnen wir mit den acht Mannschaften, die den Bodensatz der Liga bilden. Weiterlesen

Jacksonville Jaguars in der Sezierstunde

Neuerliche 3-13 Saison für die Jacksonville Jaguars, die damit in den letzten vier Spielzeiten auf ganze 15 Siege kommen. Trotzdem bekommt man langsam das Gefühl, dass sich die Mannschaft Schritt für Schritt von Head Coach Gus Bradley und GM David Caldwell in die richtige Richtung entwickelt. Weiterlesen

Date am Donnerstag, Week 16: Bonjour Tristesse, Adieu | Jacksonville Jaguars – Tennessee Titans

Ein Date mit zwei nur mäßig attraktiven Parteien: Jacksonville Jaguars (2-12) vs Tennessee Titans (2-12), ab 02h30 (SPORT1 US live), als ein Duell zweier Records, die es in ihrer Schlechtigkeit selten in der NFL gibt. Beide Teams spielen nur noch um die Ehre bzw. vielleicht auch nicht, sondern um einen möglichst hohen Draftpick 2015. Weiterlesen

NFL-Power Ranking 2014 | Woche 12

Das Power-Ranking 2014 wird stabiler: Erstmals gibt es kaum mehr die ganz großen Sprünge, die über 2-3 Positionen hinausgehen. Pünktlich zu Thanksgiving vermittelt es damit zum ersten Mal wirklich das Gefühl, dass wir zuversichtlich Stärken und Schwächen der 32 Mannschaften hinaus posaunen können.

Hinter den Patriots, Packers oder Broncos gibt es aber durchaus immer noch Hidden-Champs, die man nicht ganz außer Acht lassen sollte. Die Miami Dolphins zum Beispiel lieferten am Sonntag in Denver erneut einen großen Kampf und verloren nur knapp mit 36-39 gegen das insgesamt noch immer beste Team nach Effizienz in diesem Jahr. Wer das Power-Ranking schon länger verfolgt, wird nicht überrascht sein: Die Dolphins liegen seit vielen Wochen in den Top-Rängen auf Platz zwei. Sie fallen vielleicht nicht so auf, weil ihre Pass-Offense mit nur 5.8 NY/A bloß #28 der Liga ist, aber in allen Faktoren außer den Offense-Fumbles ist man in den Top-Rängen klassiert: Beste Lauf-Offens mit 52% Success-Rate, beste Pass-Defense mit 5.4 NY/A, achtbeste Lauf-Defense, und – nicht zu vergessen! – mit nur 0.26yds Penaltys die dritt-disziplinierteste Mannschaft der Liga.

Eine Unit, die man schon vergessen hatte, die sich aber in den letzten Wochen nach oben gegroovt hat: San Franciscos Defense, die mittlerweile auf #1 der Liga liegt – und das ohne die beiden vermeintlichen Schlüsselspieler LB Willis und Bowman. Dafür hat sich eine rundum stabile Unit gebildet, in der junge Spieler wie der Grantland-Liebling #50 Chris Borland aufgeigen, oder bislang wenig beachtete Defensive Backs. San Francisco mit 5.6 NY/A die fünftbeste Pass-Defense gegen einen happigen Schedule. Man hängt allerdings recht stark von Interceptions ab: 4.2% INT-Quote, beste Quote der Liga.

Bei den Defenses ist nach bald 3/4 der Saison gewiss auch darauf hinzuweisen, dass die Jacksonville Jaguars still, heimlich und leise eine überdurchschnittliche Unit gebaut haben. Die Jags ranken auf Platz 14. Größte Schwäche der Jungs von Gus Bradley: Sie fangen nur 1.3% der Pässe ab – wenn hier noch Regression einsetzt, haben die Jaguars vielleicht den Punch, noch einen oder zwei Siege abzustauben. Am Sonntag ist man zum ersten Mal seit Menschengedenken als Favorit in ein Spiel, wie wir sehen werden… Weiterlesen

Die furchtlose NFL-Vorschau 2014/15 | Der Bodensatz

Referenzen

Ich gebe zu, dass mich die vergangene Footballsaison geschlaucht hat. Ich gebe zu, dass mich der Draftprozess irgendwann ermüdet hat. Ich gebe zu, dass ich eine Pause gebraucht habe. Vom Schreiben, von der NFL, vom Football. Frühjahr und Sommer waren für mich nicht einfach, da aus recht heiterem Himmel neue Projekte im Job reingeschneit sind, die mich ins kalte Wasser geworfen haben, ein Wasser, in dem ich erst das Schwimmen lernen musste. Ich hatte mir überlegt, ob ich die Seite weiterbetreiben werde. Ich beschloss, über den Sommer zu warten. Warten auf die Rückkehr des Kribbelns. Warten auf Normalisierung der Arbeitszeiten.

Die NFL-Preseason hat mich nicht interessiert, aber sie hat mich nie interessiert. Aber in den Tagen vor Beginn der College-Saison kam es. Es interessiert mich noch. Am kommenden Donnerstag beginnt schließlich die NFL-Saison 2014/15. Eine Vorschau darauf, wie aus dem letzten Jahr gewohnt als Vierteiler: Kein klassisches Power-Ranking, sondern ein Blick auf Stärken, Aussichten, mögliche Probleme und mögliche Chancen. Ich beginne mit dem Oktett, das ich dieses Jahr am Bodensatz der Liga erwarte, den Jungs, deren Trophy 2015 nicht Vince Lombardi, sondern Marcus Mariota sein könnte.

Beim Selektieren der Mannschaften fällt dieses Jahr aber auf, dass man sich schwer tut, sowohl acht echte Gurkentruppen ausfindig zu machen als auch acht echte Titelanwärter. Es gibt diesmal ein extrem breites Mittelfeld, wo es bei minimum 20-25 Mannschaften nicht schwierig ist, sich Szenarien mit Ausreißern nach oben oder unten auszudenken. Das ist zugegeben zu einem gewissen Grad jedes Jahr so in der NFL, aber diesmal doch auffällig ausgeprägt. Weiterlesen

Chicago Bears vs Jacksonville Jaguars | Preview, Preseason Week 2

In der Nacht auf den morgigen Himmelfahrtstag: 02h MESZ live bei SPORT1 US das Vorbereitungsspiel Chicago Bears vs Jacksonville Jaguars. Jacksonville gilt auch in dieser Saison als möglicherweise schwächstes Team der Saison. Es gibt einige Rohdiamanten, aber sowohl Spitze wie Breite sehen noch immer sehr suboptimal für ein NFL-Team aus.

Vielleicht wird der Rookie-QB Blake Bortles ein paar Serien spielen. Bortles ist der #3-Pick des vergangenen NFL-Drafts, und viele meinen, er sei zu hoch gegangen. Bortles ist zwar gebaut wie ein klassischer Pocket-Passer, aber er ist trotzdem unkonventionell: Seine Wurftechnik ist äußerst gewöhnungsbedürftig, aber dafür ist er mobil genug um auch mal 60-80yds in einem Spiel im Alleingang zu scrambeln. Er gilt allerdings als noch nicht bereit für die Regular Season.

Chicago ist das Team, das dringend seine Defense aufpolieren muss. Man hat in der Offseason personell einige Umstellungen vorgenommen, einige neue Recken gekauft, und im Draft mehr oder minder alle Ressourcen in die Abwehr gesteckt. Vielleicht gibt das Spiel einige Ideen der neuen Bears-Defense preis. Die Defense-Leistung wird essenziell: Laufen die Bears mit einer brauchbaren auf, sind die im erweiterten Titelkreis.

Frischzellenkur 2014: Jacksonville Jaguars

Die Jacksonville Jaguars haben im Draft 2014 ziemlich genau die Richtung eingeschlagen, die ich schon letzten Oktober im Zuge des Wembley-Spiels diskutiert hatte, allerdings damals mit einem anderen Quarterback im Zentrum.

Sie zogen QB Blake Bortles mit dem dritten Pick overall. Eine große Überraschung, galten die Jaguars doch längst aus dem Rennen um einen Quarterback, weil sie im Vorfeld des Drafts keinen Mucks von sich hören ließen. GM David Caldwell galt mit seiner Truppe als sehr entschlossen, den Advanced-Metrics zu folgen, und da hättest du alles erwartet, nur nicht den riskantesten Quarterback an einer Stelle, an der du noch zwei der „Big-Four“ (WR Sammy Watkins und Edge-Rusher Khalil Mack) hättest bekommen können.

Ein Team wie Jacksonville braucht händeringend Waffen. Es braucht die bestmöglichen Talente. Aber es brauchte eben auch einen QB. Caldwell zog Bortles, und hörte man sich hernach die Begründungen an, so geht es dabei durchaus um Advanced-Metrics: Bortles sei nicht nur der physisch begabteste Quarterback der Draftklasse gewesen, nein, er hätte alle anderen regelrecht pulverisiert, wenn es um seine Effizienz in Downs mit Druck auf die Pocket gab (mit 7.8 NY/A sei er in solchen Fällen fast ein Yard besser gewesen als der nächstbeste).

Der Bortles-Pick wirkt retrospektiv auch angesichts des lauen QB-Rennens in der ersten Runde eher unstet: Manziels Fall durch die Boards beschwor Quotenrekorde, aber fütterte nur die Unkenrufe von wegen schwache QB-Klasse an, Bridgewater ging gerade noch so in der ersten Runde. Bortles ging an #3, und somit an einem Platz, an dem man von ihm Großes erwartet.

Kann er liefern? Man darf spektisch sein. Er ist der Mann, der mehr aussieht wie ein guter QB als er schon einer ist. Er hat eine horrende Wurftechnik, die erstmal zurecht gebogen werden muss. Er wird hinter einer eher suspekten Offensive Line arbeiten müssen. Er wird in eine Mannschaft kommen, die noch immer gröbere Defensiv-Probleme hat. In solchen Situationen sind schon bessere Prospects verbrannt worden.

Immerhin: Jacksonville setzte bedingungslos auf Offense in diesem Draft. Weil das WR-Talent Justin Blackmon immer auf dem Sprung zur nächsten NFL-Sperre ist, holte Jacksonville in der zweiten Runde haufenweise Receiver: Zuerst den soliden, aber unspektakulären Marquise Lee, danach den wuchtigen Allen Robinson.

Bei Lee argumentierte das Front-Office der Jaguars wie folgt: 2012 wäre er ein Super-Prospect gewesen, aber er hatte ein mäßiges Jahr 2013, weil er verletzt war. Dadurch fiel sein Draft-Stock, aber das ist eigentlich ungerecht, denn die Verletzung die er hatte, war zwar eine Knieverletzung, aber keine, die seine mittelfristige Zukunft beeinträchtigen wird. Man ist sich sicher, einen fixen 1st-Rounder an #39 bekommen zu haben, der aus diversen Gründen zum Glück durch das Board fiel. Lee ist kein Burner, er ist kein Riese, aber er ist präzise und gilt als kompletter Spieler.

Bei Robinson soll es vor allem seine Fähigkeit, Kurzpässe zu guten Raumgewinnen zu transformieren, gewesen sein. OffCoord Jedd Fisch lässt in Jacksonville zwar nicht wirklich eine echte Kurzpass-Offense spielen, sondern bevorzugt durchaus auch mal den eher längeren Ball, aber eine Sicherheits-Option ist nie eine schlechte Idee.

Insofern haben die Jaguars ein Jahr nach dem OT Luke Joeckel erneut massiv in die Offense investiert. Wenn diese Jungs einschlagen, hat man vielleicht tatsächlich mal sowas wie einen echten Offense-Kern beisammen.

Man sollte nicht vergessen, dass man mit OG Brandon Linder (3. Runde) und RB Storm Johnson (Bortles-Teamkollege am College) aus der 6. Runde noch weitere Optionen zog, und hernach mit RB Blankenship einen durchaus interessanten Mann vom UDFA-Markt aufkaufte. Das ist neues Frischblut für eine zuletzt extrem leblose Offensive.

Entsprechend euphorisch war die Stimmung in Jacksonville dann auch dieser Tage bei den ersten Sichtungstrainings mit den neuen Jungstars: 6000-8000 Leute sollen zugeschaut haben. Das sind irre Zahlen, die z.B. eine deutsche Nationalmannschaft in den nächsten Tagen im Südtiroler WM-Trainingslager allerhöchstwahrscheinlich nicht annähernd wird erreichen können.

Vom Draft der Jaguars bin ich nicht begeistert, da ich einen Bortles nicht angerührt hätte, aber immerhin stimmt die Richtung: Offense, Offense, Offense. So baust du heute Interesse an einer Mannschaft, die seit minimum sieben Jahren kein Interesse mehr wecken konnte. Dass du mit einigen Routiniers und deinem Defensiv-Spezialisten auf Head Coach (Gus Bradley) versuchst, zumindest anständige Defense hinzubekommen um deinen jungen Angriff nicht zu überstrapazieren, kann nur unterstützt werden.

Jacksonville Jaguars 2014-2016: Ich bin gespannt.

Jacksonville Jaguars in der Sezierstunde

Nach allen Metriken zur Leistungsbewertung waren die Jacksonville Jaguars 2013/14 nicht bloß das schwächste Team der Saison; sie waren eines der schwächsten Teams der letzten zehn Jahre. Sie waren so schlecht, dass man unterwegs fast Angst vor der dritten sieglosen Saison der Superbowl-Ära haben musste. Dann würgten sie sich doch noch zu Siegen bis zum Ringfinger – freilich auf Kosten des Top-Draftpicks 2014. Aber viel wichtiger: Die Mannschaft zeigte Leben. Das fällt positiv auf den noch unerfahrenen Trainerstab zurück. Und mal ehrlich: Niemand hatte was anderes erwartet als chancenlose Jacksonville Jaguars.

Überblick 2013

Record         4-12
Enge Spiele    4-2
Pythagorean    3.0    32
Power Ranking  0.195  32
Pass-Offense   5.4    31
Pass-Defense   6.8    26
Turnovers      -6

Management

Salary Cap 2014.

Es mag zynisch klingen, aber eine der wichtigsten Erkenntnisse der Saison war der Abgesang auf QB Blaine Gabbert, erst vor drei Jahren mit Pauken und Trompeten als neuer Retter der Franchise verkündet, der sich dann aber als kolossaler Bust entpuppte. Gabbert wurde von GM David Caldwell nach San Francisco getradet, und Caldwell konnte für Gabbert sogar noch einen 6th-Round Draftpick herausschlagen, womit er per Knopfdruck seinen Finalplatz im Voting um den NFL-Manager des Jahres sicher hat.

Caldwell verlängerte dafür mit Gabberts Backup Henne um zwei Jahre; niemand glaubt mehr ernsthaft, dass Henne die Zukunftslösung ist, aber zumindest als Absicherung sollte Henne ausreichen. Er nimmt vielleicht auch erstmal Druck von den Jags, im Draft einen Quarterback ziehen zu müssen.

Die Offseason bisher war klar gekennzeichnet vom Versuch, eine Art „Seattle des Südostens“ zu kreieren. Macht zum Teil Sinn: Head Coach Gus Bradley kam vor einem Jahr eben aus Seattle nach Jacksonville, und er ist bekannt dafür, eher unkonventionelle, flexible Spielertypen zu suchen. DT/DE Red Bryant und DE Chris Clemons wurden via Free-Agency geholt. Bryant und Clemons waren vielleicht beim Titel-Run 2013/14 nicht mehr die großen Leistungsträger in Seattle (Verletzungs- und Altersgründe), aber beide waren vor Jahren die Vorreiter der aktuellen Spielergeneration beim Superbowl-Champ: Anderswo gescheiterte oder billig bekömmliche Existenzen, die man mit klugem Game-Planning zu Stars machte. Beide werden in Jacksonville die Aufgabe bekommen, Power an die Anspiellinie zu bringen.

Und zwar die Power, die man Leuten wie dem NT Roy Miller oder dem mittlerweile wohl endgültig gescheiterten DT/DE Tyson Alualu nicht mehr zutraut. Als dritter Neuzugang wurde bislang DE Ziggy Hood vermeldet, auch so ein einstiger 1st-Rounder, der in Pittsburgh gescheitert ist. Die Versuche sind erstmal klar erkennbar: Finde billige Notlösungen um zumindest ein bissl „Punch“ in der Front-Seven zu haben, damit zu zumindest eine Chance hast, ein paar Spiele zu gewinnen.

Was sollten die Jaguars sonst auch machen? Der Kader hat nur sehr beschränktes Individual-Talent. Die Topspieler dürften aktuell eher „Top-Prospects“ sein: Der dynamische FS Jonathan Cyprien oder der LT Luke Joeckel aus dem letztjährigen Draft zum Beispiel oder der WR Justin Blackmon, Draft-Klasse 2012, wobei ausgerechnet Blackmon ein wandelndes Drogenproblem ist und ständig nahe einer Sperre wandelt.

Viel mehr ist nicht. Das ist – wie bei den Raiders – auf der anderen Seite aber auch spannend, denn es öffnet so viele Wege über die man im Draft neue Spieler holen kann. Persönlich würde ich in so einer Situation immer zuerst Offense draften und hoffen, mit einer Latte an bezahlbaren Routiniers wie eben Bryant oder Clemons zumindest akzeptable Defense zu haben. Dagegen spricht natürlich der Faktor Bradley (kommt von der Defense), aber auch das möglicherweise epische Talent DE Jadeveon Clowney, das die Jags vielleicht (mit großem V) an #3 draften können – und sollten. Clowney dürfte eine Idealbesetzung für die berühmte LEO-Position in der Bradley-Defense sein. Bleibt aus Jacksonville-Sicht nur zu hoffen, dass Clowney zu haben ist.

Wenn nicht, ist alles offen.

In der Offense Line sind alle Positionen außer Left-Tackle (Luke Joeckel wurde erst letztes Jahr an #2 gedraftet) und einer Guard-Position (Beadles wurde aus Denver eingekauft) noch in der Ausschreibung.

Bei den Wide Receivers kann man darauf hoffen, dass Blackmon einer weiteren Sperre entgeht. Man hat in Cecil Shorts einen grundsoliden #2-Mann, der es für den Moment wohl tut. Der kleinwüchsige Slot-WR Ace Sanders soll auch mit zunehmendem Saisonverlauf immer mehr Spielverständnis gezeigt haben und gilt wohl momentan als ernst zu nehmende Alternative. Der von mir sehr geschätzte Backup-WR Mike Brown bekam die RFA-Tag übergestülpt und wird in Jacksonville bleiben; Brown ist für mich rein optisch durchaus ein Kandidat für den Durchbruch.

Bei den Tight Ends ist zwar hinter dem teuren Mercedez Lewis nicht viel da, aber auch wenn Lewis eher A-Klasse denn S-Klasse ist, Lewis tut es erstmal für das nächste Jahr.

Bei den Running Backs wurde der Kampfzwerg Jones-Drew nach acht grundsoliden Jahren ziehen gelassen; mit Toby Gerhart kommt ein interessanter Mann aus Minnesota neu in den Mischer. Gerhart ist ein weißer Back, der bei Stanford am College schon eine massive Rolle spielte. In Minnesota agierte Gerhart als Backup für den Meister, Adrian Peterson, und sah nicht mehr viele Carries. Gerhart ist ein eher schwerer Back, der für sein Gewicht aber erstaunlich schnell und wendig aussieht. Er gilt als Power-Back, aber man hat ihn schon Leute aussteigen sehen.

Gerhart wurde für einen relativ teuren 3yrs/10 Mio.-Vertrag geholt, und es sieht danach aus, dass die Jags ihm die Starter-Rolle zukommen lassen wollen. Als Backup dürfte der kleine Jordan Todman fungieren. Als X-Faktor könnte „Shoelace“ Denard Robinson agieren; Robinson ist noch ein sehr ungeschliffener Mann, den man langsam in die Offense integrieren möchte. 2013 war man in Jacksonville nicht sehr kreativ im Einsetzen von Robinson, der natürlich durchaus Bust-Potenzial hat.

Tja, und dann ist da die Quarterback-Position. Ein Franchise-QB kann viele der Fragezeichen übertünchen. Meine favorisierte Version für Jacksonville im Draft-2014 ist – sollte Clowney nicht zu haben sein – das Suchen und Finden einer QB-Hoffnung für die Zukunft. Ich würde nach wie vor Teddy Bridgewater als Favoriten sehen, auch wenn die Stimmungslage in den Medien mittlerweile weit weg von Bridgewater zu gehen scheint.

Vielleicht kann man so priorisieren?

  • Quarterback: hoher Nachbesserungsbedarf
  • Running Back: kein Nachbesserungsbedarf
  • Wide Receiver: geringer kurzfristiger Nachbesserungsbedarf
  • Tight End: Backup fehlt
  • Offensive Tackle: Right Tackle fehlt
  • Offensive Guard: nur eine Position ist belegt
  • Center: hoher Nachbesserungsbedarf
  • Defensive Line: mittlerer Nachbesserungsbedarf
  • Edge-Rush: hoher Nachbesserungsbedarf
  • Linebacker: mittlerer Nachbesserungsbedarf
  • Secondary: mittlerer Nachbesserungsbedarf

Jacksonville hat im Draft elf Picks. Die meisten sind zwar erst in den Runden 4, 5 und 6, aber du kannst damit ja auch den einen oder anderen Trade nach oben wagen. Du hast auf alle Fälle Flexibilität. Wie der Draft ausgehen wird und welche Spieler / Positionen nach Jacksonville gehen werden, ist derzeit noch nicht abzusehen.

Wunschvorstellung wäre Clowney oder Bridgewater. Aber es kann alles ganz anders kommen, und es wäre vielleicht auch nicht schlimm. Wichtig ist, dass Jacksonville wenigstens drei, vier Spieler finden muss, die mittelfristig Leistungsträger werden. Bausteine, die das Fundament verbreitern und solidieren, damit diese Mannschaft spätestens in zwei Jahren wieder angreifen kann.

Sektion „Ciao im November“ im Rückspiegel

Lass uns mal zurückschauen auf meine Saison-Prognosen Anfang September, beginnend mit der Fraktion der von mir damals zu den acht größten Außenseitern deklarierten Teams. Der Fraktion, zu der ich schrieb, es sei die Gruppe, die sich in erster Linie um die Preise Clowney und Bridgewater balgen wird und die Lombardi Trophy nur vom Hörensagen kennt. Der Ciao im November Fraktion.

Oakland Raiders

Division   AFC West
Tipp 2013  Vierter
Ergebnis   Vierter (4-12)

Ich schrieb (Auszug):

Die Oakland Raiders sind der einfachste Ausschlusskandidat zur Frage „Wer wird dieses Jahr die Superbowl gewinnen?“ Die Gründe sind einfach zu sehen: GM Reggie McKenzie rückte in der Offseason mit Schubkarre und Mistgabel an, schmiss alles, was nicht niet- und nagelfest an die Franchise gebunden war, raus und vollzog damit die seit vielen Jahren überfällige Generalsanierung. So kommt es, dass in diesem talentarmen Kader der teuerste Spieler nur als Geist in Form von Al Davis des berüchtigten dead moneys existiert, das weit mehr als ein Drittel des Gehaltsbudgets der Raiders für sich beansprucht. So notwendig die Generalüberholung war, so sehr kastriert sie Oakland für diese Saison.

[…]

Es ist nicht alles hoffnungslos. Allen wird aus seinen Fehlern im ersten Jahr als Cheftrainer lernen und kann – allem Anschein nach – zumindest noch dieses Jahr relativ ungestört arbeiten. Der Schedule ist eher einfach, die Division AFC West auch. In einer Liga, in der jedes Team tendenziell gen .500 strebt, sind auch fünf, sechs Saisonsiege für Oakland nicht ausgeschlossen. Das wäre dann aber vielleicht nicht so erstrebenswert, denn das bedeutete wohl ein Verpassen des #1-Draftpicks, und damit wohl auch kein Clowney oder Bridgewater.

Die Raiders waren einen Tick besser als befürchtet. Die Defense sah in der ersten Saisonphase sogar recht akzeptabel aus, und es gab Momente, in denen hatte man sogar das leise Gefühl, der unkonventionelle QB Terrelle Pryor tauge möglicherweise zum Franchise-QB. Am Ende bleibt festzuhalten: Die Raiders sind noch meilenweit entfernt vom Liga-Mittelmaß. Der Kader war schlicht zu schwach, er hatte keine Tiefe und die paar erfahrenen Recken in der Defense konnten es nicht alleine herausreißen.

Was aus der Vorschau traf ein? RB McFadden verletzte sich. D.J. Hayden spielte relativ wenig. QB Pryor scrambelte zwar für mehr als (O-Ton) „zwei“ Spiele, aber viel länger nicht. Missed-Tackle bei den Linebackers. Schwache Secondary bei schwachem Passrush.

Was traf nicht ein? Rookie-QB Tyler Wilson, von dem ich relativ viel gehalten hatte, wurde schon vor dem ersten Spiel gecuttet.

Jacksonville Jaguars

Division   AFC South
Tipp 2013  Vierter
Ergebnis   Dritter (4-12)

Ich schrieb:

Die lebloseste NFL-Franchise zuckt seit eineinhalb Jahren wieder ansatzweise. Seit der Halb-Pakistani Shadid Khan und seine Gefolgschaft die Jaguars für wenig Kohle übernommen haben, regt sich einiges, von Wembley über Advanced-Stats hin zu neuen Coaches. Der neueste davon ist der glatzköpfige Head Coach Gus Bradley, ein Energiebündel, das aus Seattle zu den Jaguars stieß und mit dem x-ten Neuaufbau beauftragt wurde. „Neuaufbau“ ist dann auch das Stichwort, das Jacksonville am besten schnell beschreibt.

Der erste Hoffnungsschimmer für 2013: Bradley ist nicht von Anfang an lame duck wie es das Versuchskaninchen Mike Mularkey letztes Jahr war. Bradley bringt eine Reputation mit, und er begann, diese gemeinsam mit dem exzellenten jungen GM David Caldwell schnell umzusetzen. Im Draft holte man in Ermangelung eines potenziellen Nachfolgers für den QB-Bust Blaine Gabbert einen Offense Tackle in Luke Joeckel, und sollte somit auf Jahre die Grundlage für gute Protection gesichert haben.

[…]

Es sind einfach zu viele Fragezeichen, und die Befürchtungen, dass QB Gabbert es nicht packen wird, sind berechtigt. Jacksonville muss die Saison als Aufbaujahr sehen. Es wird garantiert nicht wieder ein 2-14. Die natürlichen Verbesserungen („schlimmer kanns nimmer werden“, Pythagorean von 3.3 Siegen), die einfache Division und die Regression in Sachen Verletzungen (2012 war man #31 in Sachen Adjusted Games Lost mit 99 verpassten Starts, acc. Football Outsiders) kann man als positive Elemente am Firmament ausmachen.

Klarer Fall: Schwächstes Team der Liga. Man schaffte in der einfachsten Division der NFL nur mit viel Glück vier knappe Siege, nachdem man mehr als eine Saisonhälfte lang Angst haben musste, das zweite 0-16 Team der NFL-Geschichte zu werden. Man darf nicht an erster Stelle draften, aber man war das schlechteste Team der Saison.

Was aus der Vorschau traf ein? Gabbert entpuppte sich endgültig als Bust. Jacksonville holte mehr als zwei Saisonsiege.

Was traf nicht ein? DT Alualu schaffte den Breakout nicht. Leistungsmäßig sind die vier Saisonsiege unverdient; man war schwächer als prognostiziert trotz mehr Siegen.

Buffalo Bills

Division   AFC East
Tipp 2013  Vierter
Ergebnis   Vierter (6-10)

Ich schrieb:

Seit vielen Jahren werden die Bills gelobt für ihr kluges und geduldiges „Team-Building“, aber viel zu lange wurde darüber hinweg gesehen, dass solide Grundlagenarbeit ohne die Addition von echten Playmakern ein Muster ohne Wert bleiben. Buffalo hat seit Jahren ordentliche Statistiken, mit zwei negativen Ausreißern: Lauf-Defense und Quarterback. Beide sorgen dafür, dass die generische 7-9 Bilanz nun auch offiziell „Buffalo Bills Season“ getauft wurde: Gut, aber für den Durchbruch zu wenig.

[…]

Tut mir leid um Buffalo. Ich mag diese sympathische kleine Franchise. Ich mag auch den Head Coach. Ich mag Underdogs generell. Ich bin auch ein stiller Anhänger E.J. Manuels, wenn er denn mal das Spielfeld betritt. Aber dieses Jahr ist Buffalo näher an Clowney oder Bridgewater als an leisen Playoff-Ambitionen. Und das behaupte ich, obwohl ich weiß, dass Buffalo letztes Jahr eher ein underachiever war, der wohl besser als seine Bilanz war.

Die Bills krebsten sich durch die Saison ohne wirklich zu begeistern und schlossen mal wieder eine klassische 6-10 Saison. Man hatte eine wirklich fabulöse Defense (u.a. mit 5.3 NY/A die drittbeste Pass-Defense), aber in der Offense mit so vielen verletzten QBs wie andere in zehn Jahren nicht haben hatte man große Probleme. Aber: Die Basis passt. Die QB-Position bleibt das einzige Fragezeichen.

Was aus der Vorschau traf ein? Buffalo hatte niemals realistische Playoff-Chance. QB Manuel bleibt ein Fragezeichen. RB Spillers Effizienz-Stats gingen mit höherer Workload zurück. Offense Line bleibt ein großes Fragezeichen.

Was traf nicht ein? Lauf-Defense (am Ende #14 nach Success-Rate) war besser als befürchtet.

Tennessee Titans

Division   AFC South
Tipp 2013  Dritter
Ergebnis   Zweiter (7-9)

Ich schrieb:

Wenn man die Aussichten einer Franchise an ihrem Glamour-Faktor festmachen möchte, sind auch die Titans ein hoffnungsloser Fall. Gibt es eine Franchise, die momentan weniger Sex-Appeal versprüht? Ein greiser Owner Bud Adams, ein nahezu völlig unbekannter Head Coach Mike Munchak, dessen Football-Philosophie so schwammig ist wie die Wurftalente des jungen QBs Jake Locker. Immerhin verspricht der unausweichliche Clash der beiden „DefCoords“ Jerry Gray und Gregg Williams unterhaltsam zu werden.

[…]

Es ist zu befürchten, dass es nicht reichen wird. Ohne eine extreme Steigerung Lockers – die eher unwahrscheinlich ist – geht da nicht viel, und sämtliche Advanced-Metrics lassen nicht drauf schließen, dass wir es hier mit schlafenden Riesen zu tun haben. Selbst in der schlimmen AFC South wird das nix.

Die Titans waren eine zeitlang ein wirklich unangenehm zu bespielendes Team. Sie versprühten zwar keinen Sexappeal, aber sie zogen mehrere Gegner, u.a. den späteren Superbowl-Champ Seattle, zu sich herunter und würgten knappe, unverdient anmutende Siege heraus. Dann verletzte sich QB Jake Locker und die Saison ging nach und nach den Bach runter. Am Ende stehen zwar sieben Siege, aber es sind sieben Siege in einer Gurken-Division.

Was aus der Vorschau traf ein? Sehr gute Skill-Positions.

Was traf nicht ein? Es gab keinen Clash der OffCoords, weil Gregg Williams von Anfang an das Sagen hatte. QB Locker war besser als befürchtet, zeigte in den Wochen, in denen er fit war, teilweise richtig ansprechende Leistungen, und könnte 2014 erneut eine Chance bekommen. WR Kenny Britt war kein Faktor.

New York Jets

Division   AFC East
Tipp 2013  Dritter
Ergebnis   Zweiter (8-8)

Ich schrieb:

Wir kommen zum ersten Team, das zumindest Unterhaltung verspricht. Die Jets um ihren kultigen Head Coach Rex Ryan werden – so sehr sie Beispiel für alle klassischen Managementfehler in der NFL sind – immer Schlagzeilen produzieren, egal wie gut oder schlecht sie spielen werden. Die Zeichen stehen übrigens eher auf „schlecht“.

[…]

Die Advanced-Metrics lassen nicht auf einen Sleeper schließen. Der Trainerstab ist angesägt und der eher unbekannte GM John Idzik getraut sich nicht, klare Statements abzugeben. Die drohende QB-Controversy verspricht nicht nur Spannung, sondern auch negativen Einfluss auf die Mannschaftsleistung, und im schlimmsten Fall nicht nur die Verbrennung von QB Sanchez, sondern auch jene von QB Smith.

Es wurde eine 8-8 Saison, mit der jeder Jets-Fan im Sommer zufrieden gewesen wäre. Es wurde aber auch eine 8-8 Saison, die irreführend sein kann. Die Effizienz-Stats der Jets sind eine Katastrophe: Man wurde oft abgeschossen, man ist nach Pythagorean eher ein Team, das normalerweise 5 Siege holt (5-1 in engen Spielen). Rex Ryan durfte bleiben, weil er eine einmal mehr famose Defense auf das Feld schickte, aber stehen die Zeichen damit wirklich so positiv?

Was aus der Vorschau traf ein? Eigentlich fast alles. Die Jets waren relativ einfach vorhersehbar.

Was traf nicht ein? Die Defense hab ich ein wenig unterschätzt.

Arizona Cardinals

Division   NFC West
Tipp 2013  Vierter
Ergebnis   Dritter (10-6)

Ich schrieb:

Die Cards sind insgesamt gewiss etwas verbessert, weil sie vor allem die brutalsten Schwachpunkte in der Offense eliminierten. Es ist halt die Frage, ob es reicht. Der Schedule ist knüppelhart in der NFC West und NFC South sowie Eagles und Lions als Positionsspiele. Vor allem der Spielplan zur Saisoneröffnung ist so heftig, dass selbst ein 0-8 zur Bye Week nicht völlig überraschen würde. Das Loch, in das sich Arizona die letzten Jahre gegraben hat, war tief. Ich bin trotz einiger gelungener Einkäufe in der Offense nicht überzeugt, dass die Cards weit nach oben fliegen werden.

Der erste klare Fehlschlag in dieser Auflistung. Die Cardinals stellten vor allem dank ihrer erstklassigen Defense zum Saisonende eine Mannschaft, gegen die niemand gerne in den Playoffs gespielt hätte. Sie schlugen auswärts Seattle trotz vier Interceptions der eigenen Offense. Ihre größte Problemzone bleibt die Offense Line, ein Ort, an dem man für die kommende Saison nicht bloß einen möglichen Erstrundenpick 2014, sondern auch den Erstrundenpick 2013 (G Jonathan Cooper) quasi als Neuzugang vermelden kann.

Was aus der Vorschau traf ein? Die neu geholten Skill-Player in der Offense waren zwei bis drei Klassen besser als ihre Vorgänger. Das Problem der Offense war, dass QB Palmer zu wenig Zeit für die vertikale Offense bekam.

Was traf nicht ein? Die Erfolge von Bruce Arians deuten darauf hin, dass ich zu negativ war. Tyrann Mathieu war besser als erwartet. Der befürchtete Saisonstart von 0-8 Siegen mutierte in einen Saisonstart mit 4-4 Siegen, weil man schneller als erwartet aus den Startlöchern kam.

San Diego Chargers

Division   AFC West
Tipp 2013  Dritter
Ergebnis   Dritter (9-7)

Ich schrieb:

Die Chargers sind ein merkwürdiges Team: 2012 waren sie konkurrenzfähiger als man vielleicht denken möchte, mit 7-9 Saison und mehreren Halbzeitführungen gegen gute Teams; sie ersetzten den allgemein als schlechten „in game“-Manager angesehenen Norv Turner durch McCoy. Auf der anderen Seite wirkt das Team reif für einen richtigen Umbruch. Es wäre eigentlich sogar ein Sleeper für den Top-Draftpick 2014, wenn da nicht der Faktor Rivers ist. Rivers ist vermutlich zu gut – und die AFC West zu schwach – dass San Diego nicht trotzdem wenigstens sechs, sieben Spiele irgendwie gewinnt und den ganz hohen Draftpicks aus dem Weg geht. Eigentlich ist das fast schade. Aber andererseits: Sollte Rivers noch mal heißlaufen, geht es in dieser AFC auch ganz schnell nach oben…

Die Chargers waren definitiv ein Team, das über meinen Erwartungen spielte. Die Mannschaft überzeugte vor allem mit einer revitalisierten Offense um den fantastischen QB Rivers (7.5 NY/A) und zog verdientermaßen in die Playoffs ein. Mike McCoy machte angesichts des unterirdischen Spielermaterials in der Defense viel mehr aus dem Kader als man ihm zugetraut hatte. Von wegen Sleeper für den Top-Pick.

Was aus der Vorschau traf ein? Rivers war unter gegebenen Umständen ein produktiver QB. Die Checkdown-Option Woodhead war eine wichtige Komponente der Offense. Die Defense war eine Katastrophe, zumindest bis hinein in den Dezember – danach erfing man sich wenigstens halbwegs.

Was traf nicht ein? McCoy und Whisenhunt sind zwar nicht Offensivgeister mit den identischsten Weltanschauungen, aber das Produkt, das man aufs Feld schickte, spricht für sich: Es war fantastisch. Rivers war besser als erwartet. Keenan Allen war besser als erwartet. Die Offense Line war besser als erwartet. RB Mathews fiel keine fünf Spiele aus.

Cleveland Browns

Division   AFC North
Tipp 2013  Vierter
Ergebnis   Vierter (4-12)

Ich schrieb:

Genau betrachtet sind die Cleveland Browns schon seit geraumer Zeit eine Franchise vor dem Durchbruch. Dass davon niemand Notiz nahm, ist hausgemacht, weil sich alles auf die Streitereien im Front-Office konzentrierte. Dass man den Durchbruch nie schaffte, ist in erster Linie die bisher gescheiterte Suche nach einem echten Franchise-QB: Cleveland ist allein diesen von der Relevanz entfernt (2012 mit 5.7 NY/A nur das 25t-beste Passspiel).

[…]

Weedens Standing in Cleveland leidet zudem darunter, dass mittlerweile im bei mir völlig verhassten GM Michael Lombardi ein Manager am Wursteln ist, der Weeden letztes Jahr als TV-Pundit komplett in den Senkel stellte. Lombardi gilt als Machtmensch, und das tut den aufgewühlten Strukturen in Cleveland eher nicht gut. Da haben wir zum einen einen neuen Besitzer, der sich zwar anfangs wie ein junger Vater um sein neues Kind kümmerte, aber mittlerweile keine Zeit mehr dafür hat, weil er mitten im Schulden- und Korruptionssumpf steckt und womöglich sein Kind zur Adoption freigeben muss. Zum anderen haben wir den von Lombardi installierten Head Coach Rob Chudzinski, aus Carolina gekommen, ein ehemaliger Schüler Norv Turners. Dieser Turner ist mittlerweile auch in Cleveland, als Assistent Chudzinskis. Und es gibt in Ray Horton einen neuen DefCoord, der zuletzt in Arizona aus dem Trainerstab geekelt wurde.

[…]

Die großen Fragezeichen sind im Angriff zu finden: Weeden hat null Rückhalt, muss aber mangels Alternativen (Campbell anyone?) schnell liefern. RB Trent Richardson ist zwar ein Supertalent, das einen eher schwierigen Einstand hatte, aber er ist eben nur ein Running Back und hat erneut Verletzungssorgen. WR Josh Gordon ist erstmal zwei Spiele gesperrt. Und so viele Ballfänger von Format gibt es in Clevelands Kader nicht.

Die Division ist auch schwer genug. Ich glaube schon lange an einen Aufwärtstrend, weil wie gesagt nur die Passoffense noch eine echte (wenn auch ernst zu nehmende) Schwachstelle war (5.7 NY/A, #25), und auch weil die Browns dieses Jahr nicht wieder solches Verletzungspech wie im letzten Jahr haben sollten (lt. Football-Outsiders #27 der Adjusted Games Lost-Liste). Trotzdem: Die Kombination aus viel Neuem, schwerer Division und QB-Fragezeichen lässt mich die Browns schweren Herzens für ein hoffentlich letztes Mal in diese unterste Kategorie setzen.

Totalschaden. Nicht, dass die 4-12 Bilanz so katastrophal war – man hatte sie zumindest befürchtungsweise noch einmal kommen sehen können. Aber was nach Saisonende folgte, spottete jeder Beschreibung. Die Entlassung des Headcoaches Chudzinski nach nur einem Jahr zerstörte jedes Vertrauen in ein Front-Office, das nur wenige Wochen später rasiert wurde, weil es keinen Head Coach finden konnte (auch wenn man gerüchteweise an Jim Harbaugh (!) dran war). Jetzt also ein Neustart. Mal wieder.

Was aus der Vorschau traf ein? Weedens Zeit ist abgelaufen. Michael Lombardi tat den Strukturen in Cleveland nicht gut (das war die einfachste Prognose der Saison). Menschliche Seifenoper: Check. Die Defense war stark (u.a. mit 5.5 NY/A die #4 im Passspiel).

Was traf nicht ein? Rookie-OLB Mingo war Lichtjahre vom DROY-Award entfernt, auch wenn er lichte Momente hatte. Insgesamt ist die Browns-Preview trotz der niedrigen Einstufung eine Spur zu optimistisch geraten. Ach ja, und: RB Richardson und „Supertalent“ in einem Satz erwähnen, wird künftig mit Gefängnisstrafe nicht unter zwei Jahren geahndet.

Date mit Krampus: NFL #14, Jacksonville Jaguars – Houston Texans

Das letzte Saisonviertel der NFL 2013/14 wird heute Nacht (02h30, live SPORT1 US und Gamepass) eingeläutet, und es ist zufällig ein Spiel, das man in den Staaten schon mit „Bridgewater Bowl“ umschreibt, da sich mit den Jacksonville Jaguars (3-9) und Houston Texans (2-10) zwei Teams mit den schlechtesten Records der Liga gegenüber stehen. Das bedeutet, dass der Verlierer des Duells gute Chancen hat, im NFL-Draft im Mai den aktuell begehrtesten College-QB Teddy Bridgewater (University of Louisville) zu draften. Es iss‘ ja noch lange hin, aber der Draft-Hype kann ja nie früh genug beginnen… Weiterlesen