Silvester in Miami, oder: Orange Bowl 2013. Ein Erlebnisbericht

Discover Orange Bowl

Discover Orange Bowl

Mit etwas Verspätung (ich bin nicht schuld!) gibt es von mir weniger einen Nachklapp zum sportlichen Teil des College Football, dafür einen kurzen Reisebericht. Ich war über Neujahr in Florida, genauer gesagt in Miami, da ich Ende der letzten Woche dort eine Präsentation im Rahmen eines Forschungsprojektes vorführen musste. Mit zwei ehemaligen Kommilitonen von der Florida State University hatte ich schon im Voraus abgemacht, im Falle von freien Tickets den Orange Bowl zu besuchen.

Das stellte sich einfacher heraus als wir dachten, und so war es ausgemachte Sache, Silvester und Neujahr diesmal in Südflorida zu verbringen und den Trip mit vier Tagen Urlaub zu verknüpfen. Untergebracht waren wir in Silverbluff in Coral Way, etwas südlich des Miami-Airports, in etwa auf halber Distanz zwischen Downtown Miami an der Küste und Coral Gables (Campus der University of Miami) etwas weiter südwestlich, und nicht weit von Little Havana entfernt. Silberbluff stellte sich als niedlicher Ort mit vielen kleineren, älteren Häuschen heraus, mit Leuten, die mir im Vergleich zu denen in Tallahassee viel aufgeschlossener vorkamen.

South Beach haben wir natürlich auch besucht, wenn auch nicht am Silvesterabend, und es ist schon eine Erfahrung wert. Noch auffälliger als in allen anderen Bezirken ist in South Beach, dass die Leute sehr exzellent angezogen sind und sehr viel Wert auf das Äußere legen, bis auf ein paar vereinzelte Footballfans in Seminoles- und Huskies-Trikots, die sich da wenig drum schissen. Weiterlesen

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Bowl Season 2012/13 – Nachklapp

Die finalen Rankings [AP] [Coaches] sind raus, und es fällt vor allem auf, dass Notre Dame (12-1) nach der Demontage „nur“ auf Rang 4 (bzw. Rang 3 im Coaches-Poll) zurückfiel, also ein Spot, mit dem sich in Hinblick auf das nächste Jahr arbeiten lässt. Für die Fighting Irish war es eine Saison, die in etwa im Rahmen des Erwarteten ablief: Man konnte das 2011er-Pech in engen Spielen abschütteln und im Gegensatz dazu sich selbst mit der Glücksgöttin verbündeln (5-0 und einige haarscharfe Dinger wie Stanford oder Pitt) und man konnte mehr Turnovers forcieren; verkickte Field Goals des Gegners und haarige Schiedsrichterentscheidungen (Stanford!) waren diesmal auf Notre Dames Seite, und so wird aus einem Team mit sagen wir 10-2 Kaliber schnell mal ein ungeschlagenes, das gegen die absolute Elite dann so aussieht wie am Montag gegen Alabama.

Beim Meister Alabama (13-1) und der SEC ist erstmal wieder Resignation angesagt: Diese eklatanten Geschwindigkeitsunterschiede, die schon 2006 und 2007 gegen die Big Ten Conference aufgefallen waren, kamen am Montag wieder zum Tragen: Das Team fuhr ganz einfach drüber und degradierte die Goldhelme zu Statisten.

Entsprechend ist die SEC im finalen AP-Poll auch mit gleich fünf Teams in den Top-10 vertreten: Alabama, #5 Georgia (12-2) und punktgleich Texas A&M (11-2), #8 South Carolina (11-2) und #9 Florida (11-2). Ich würde mich trotzdem weigern, von der absolute alles dominierenden Conference zu sprechen: Die SEC bleibt weiterhin in der Spitze (#14 LSU würde ich da noch mit reinzählen) sensationell, aber die Breite gibt nicht überaus viel her: #23 Vanderbilt, Ole Miss und Mississippi State – naja… dahinter sind Teams, die auch gegen Sunbelt-Mannschaften Probleme hatten.

Von Kopf bis Fuß für ausgeglichener besetzt halte ich die Big 12 Conference, deren Champion #12 Kansas State (11-2) allerdings von Oregon ziemlich degradiert wurde, und deren zweitbestes Team #15 Oklahoma auch nicht über alle Zweifel erhaben war und ein eher lasches Jahr spielte.

SRS und die Bowl Season 2012/13

In Sachen College-Football Bowls lasse ich mittlerweile mehrheitlich das Simple Ranking System die Tipps abgeben – ich bin skeptisch geworden, was meine Fähigkeit, die Stats zu schlagen, angeht. Ich habe im Verlauf der Bowl Season 2012/13 alle kalkulierten Spreads des SRS („Simple Ranking System“) veröffentlicht. Das Ergebnis, straight up und ATS/against the spread: Weiterlesen

BCS-Championship 2013 LIVE: #1 Notre Dame – #2 Alabama

Preview

BCS Finale 2013.

[05h41] Endstand Notre Dame 14, Alabama 42.

Dritter Titel in vier Jahren, ein dreiviertel Jahr nach dem Verlust der halben Defense an die NFL. Sogar Saban, dieser Weltverdruss von Mensch, kann sich ein Lächeln nicht verkneifen, nur um im nchsten Satz schon wieder von morgen zu reden („two days from now we have to look for next year“). Mal schauen, wie Alabama nächstes Jahr aussehen wird: QB McCarron wird bleiben, aber C Jones und der absolut dominante G #65 Warmack werden wohl in die NFL gehen, wie auch RB Lacy. Für Notre Dame dagegen wird die Chance auf einen National Title wohl so schnell nicht wiederkommen.

[05h27] Das gibt es auch nur bei Alabama: Du gewinnst gleich deinen dritten Titel in vier Jahren, und überall grimmige Gesichter: Saban an der Seitenlinie in konstanten Scharmützeln mit den Referees, und auf dem Feld eine Rangelei von QB McCarron mit seinem C Jones: delay of game, McCarron hüpft wie ein Rumpelstilzchen durch die Gegend und staucht Jones zusammen. Jones schubst McCarron weg und das Stadion reagiert mit dem lautesten Raunen der kompletten Nacht.

[05h22] Notre Dame 14, Alabama 42/Q4 7:51. QB Goldson für RB #6 Theo Riddick. Zuletzt ließ der Druck der Front-Seven der Crimsons etwas nach, schon kann Golson etwas besser scrambeln und improvisieren.

[05h16] Während Alabamas Defense weiterhin volle Kanne draufgeht und tackelt, diskutiert man bei ESPN bereits über das nächste Jahr: Jeder Punkt, den Alabama heute noch erzielt oder verhindert, wird Stimmen für ein entsprechend hohes Preseason-Ranking für 2013/14 bringen (Alabama wird wohl #1 eröffnen). Als zweiter Kandidat für die Top-5 wird gerade Texas A&M mit Johnny Manziel in Stellung gebracht.

[05h08] Notre Dame 7, Alabama 42/Q4 11:27. Sechster dieser langen TD-Drives für Alabama (fünf über 70yds, einer 61yds) – diesmal 14 Plays, 86yds. McCarron mit nur einer Incompletion in der zweiten Pause (ein tiefer Pass in die EndZone für #9 Cooper), schließt aber mit seinem vierten TD-Pass ab. Das Stadion ist auch schon halbleer.

Drittes Viertel

[05h00] Ende Q3. Notre Dame hat sein letztes Ziel erreicht (Shutout verhindert) und versucht nun nur noch, kein weiteren Big Plays zu kassieren. Alabama marschiert dagegen weiter mit viel Klein-Klein.

[04h49] Notre Dame 7, Alabama 35/Q3 4:08. In den Kommentaren wurde ein Link zu einem älteren Eintrag gepostet, in dem ich anscheinend ein 35-7 prognostiziert hatte… (Achtung, Hindsight Bias) naja, Notre Dame versucht sich nun mit tiefem Passspiel, und WR Jones mit zwei sehr schönen, artistischen Catches; Alabamas Defense versuchte noch, den Shutout zu retten, aber QB Golson fällt für 2yds in die EndZone und schafft das, was LSU letztes Jahr nicht gepackt hatte: Anschreiben auf der Tafel.

[04h42] Höchster Sieg in einem BCS-Finale war übrigens 2005 USC 55-19 über Oklahoma – ein Spiel, das die NCAA im Zuge der Bush-Ermittlungen aus den Geschichtsbüchern gestrichen hat. Und noch was: Es gab bisher nur ein Shutout (Alabama letztes Jahr gegen LSU). Alabama ist schon wieder Richtung Shutout unterwegs…

[04h37] Notre Dame 0, Alabama 35/Q3 7:34. 10 Plays, 79yds, TD-Pass McCarron rechts raus für WR #9 Cooper, der vereinsamt in die EndZone trabt.

[04h28] Ein Turnover hatte uns ja noch gefehlt: QB Golson geht rechts das Spielfeld runter, CB #29 Milliner fälscht ab und CB #6 Clinton-Dix staubt die INT an der BAMA 3yds Line ab. Bis dahin hatte es aber zumindest nach Zuckungen in der Offense von Notre Dame ausgesehen.

[04h23] Brian Kelly hält QB Golson – wohl auch mit Blick auf die Zukunft – die Stange.

Zweites Viertel

[04h10] Halbzeit-Stats:

Notre Dame   25 Plays, 124yds
Alabama      41 Plays, 309yds
McCarron 12/18 für 156yds, 2 TD
Golson    8/16 für 93yds
Lacy   12 Rushes, 96yds (TD) + 2 Catches, 17yds, TD
Yeldon 10 Rushes, 48yds (TD) + 1 Catch,    0yds

Nicht mal Turnovers. Notre Dame hatte schlicht keine Chance.

[04h00] Halbzeit in Miami. Brian Kelly wirkte im Interview schon sehr resigniert und konnte sich nur im allerletzten Nebensatz noch zu einem „let’s see if we can get this closer, or to win“ durchringen. Kurzzusammenfassung: Alabama fährt da drüber.

[03h55] Notre Dame 0, Alabama 28/Q2 0:31. Der letzte Sargnagel, und wir sind immer noch in der ersten Halbzeit. Das ist eine komplette Demontage, QB McCarron kriegt alle Zeit der Welt, findet seine Leute (z.B. WR Jones oder RB Lacy), und dann sind auch die Deckungen und Tacklings von Notre Dame alles andere als überzeugend. RB Lacy mutiert den Kurzpass zum TD.

[03h46] Alabama schickt nun vereinzelte Blitzes aus der Secondary oder via OLB #42 Hubbard, und das reicht weiterhin um QB Golson schnell zum aufgescheuchten Huhn zu mutieren. Ich bin mir aber nicht sicher, inwiefern die Statue Tommy Rees hier Verbesserung bringen würde.

[03h38] Notre Dames Front-Seven ist nun auch besser im Spiel, ist aber immer noch abhängig von einfachen Drops (RB Lacy) oder leicht überworfenen tiefen Bällen (WR #9 Cooper in vollem Lauf 10m vor der EndZone). Zu allem Überfluss wird ND an der eigenen 2yds Line beim Punt gestoppt.

[03h32] Bei Notre Dame erwägt HC Brian Kelly offenbar, QB Rees einzuwechseln, um die Nerven des überrumpelten QB Golson zu beruhigen.

[03h26] Im vierten Drive kriegt Notre Dames Front-seven erstmals Zugriff und sogar mit zwei Mann Druck. Alabama muss punten, und eine vielversprechende Feldposition wird durch einen Punt-Muff zerstört. Notre Dame muss innerhalb der eigenen 10yds Line beginnen.

[03h22] In Ermangelung von „sicheren“ Optionen muss Notre Dame schnell tief gehen: Klappte einmal, aber im 4th down kein zweites Mal. Turnover on downs, und das einzige, was mich gerade überrascht, ist: Musberger/Herbstreit diskutierten eben den „Underdog“ in dem Spiel, und meinten damit Alabama.

[03h15] Notre Dame 0, Alabama 21/Q2 14:56. „MVP“ ist da bisher die Offensive Line der Crimsons, die nicht bloß ein paar 1st-round draftpicks produzieren will, sondern hier Alabamas Front-Seven komplett pulverisiert. Die Play-Action Pässe müssen nur halbherzig ausgeführt werden, um effektiv zu sein, und RB T.J. Yeldon kann an der GoalLine aus 1yds abstauben.

Erstes Viertel

[03h14] Zsf. Q1: Alabama 22 Plays/220yds, Notre Dame 8 Play/23yds.

[03h08] Vielleicht bleibt McCarron auch am College, weil es in Tuscaloosa reicht, Alabama-Quarterback zu sein, um die heißen Schnitten abzuschleppen.

[03h04] Musberger und Herbstreit haben den Schlüssel schon schön herausgearbeitet: Alabamas Defense versucht, QB #5 Golson in der Pocket zu halten. Golson versucht dagegen, aufgrund des Drucks über die Mitte, schnell aus der Pocket rauszurollen. Golsons Würfe aus dem Lauf kommen bisher aber auch nicht gut, und so muss Notre Dame nach nur einem 1st down schon wieder punten.

[02h54] Notre Dame 0, Alabama 14/Q1 6:14. QB McCarron hat es sich gemütlich gemacht in seiner Pocket, die ihm alle Zeit der Welt gibt. McCarron wichst seine lupenreinen Kurzpässe durch die Gegend, und zur Abwechslung können die Running Backs durch die riesigen Löcher… fräsen ist das falsche Ausdruck. Sie können traben. TD per Kurzpass für #89 Williams. LB Te’o bisher ein Nullfaktor.

[02h46] Notre Dame versucht zu Beginn, TE #80 Eifert, unseren NFL-Star in spe, ins Spiel zu bringen und scheut sich dabei nicht, gegen den besten CB Milliner zu gehen; Eifert macht knapp zwei Catches an der Seitenlinie nicht. Punt, und die Referees bringen das halbe Stadion gegen sich mit einem möglicherweise übertriebenen Call („Catch Interference“) auf.

[02h36] Notre Dame 0, Alabama 7/Q1 12:03. Das ging einfacher als gedacht: 82yds-Drive in keinen drei Minuten, und während Notre Dame noch alles in die Lauf-Defense steckt, verarschen McCarron und WR #83 Norwood die Defense mit einem tiefen Play-Action Pass an die 50yds-Line. Notre Dame, geschockt, lässt sich danach über RB Yeldon und RB Lacy überrennen, und Lacy kann über eine Autobahn über die Mitte scoren.

[02h25] Guten Morgen. Notre Dame gewann den Münzwurf und deferrte.

BCS National Championship 2013 Preview: #1 Notre Dame Fighting Irish – #2 Alabama Crimson Tide

Update 16.1. 23h45: Ich lese gerade bei Deadspin, dass unten angesproche Te’o-Geschichte mit der toten Freundin wohl ein Schwindel ist. /Update Ende


Audio-Preview

Dieter Hoch/Huddle

Nicht bloß ein paar Kilos, sondern Zentner wiegen die mit Tradition gefüllten Rucksäcke, wenn heute Nacht, 02h30 MEZ LIVE bei ESPN America, in Miami/FL das BCS-Championship Game 2013 angepfiffen wird. Und das aus Gründen, denn die Ansetzung #1 Notre Dame Fighting Irish (12-0) gegen #2 Alabama Crimson Tide (12-1) steht Synonym für gemeinsam 247 Jahre Footballgeschichte, zirka 2400 Spiele, fast 1700 Siege, roundabout 25 National-Championships und acht Heisman Trophy Sieger.

Es handelt sich um zwei Programme, deren Anhängerschaft zu den größten landesweit gehört, die aber auch spalten wie wenige andere. Bei Notre Dame ist der Lärm hausgemacht: Die Uni zelebriert sich als eine der größten, wichtigsten Katholikenuniversitäten und lieferte auf dem Footballfeld nicht nur weltweit bekannte Rituale („Touchdown Jesus“) ab, sondern auch viele Spiele für die Ewigkeit. Dieses Programm ist von einer Aura umgeben, das es im College Football kein zweites Mal gibt, vergleichbar vielleicht mit den All Blacks im Rugby oder dem FC Barcelona im Fußball.

Alabama gehört im Gegensatz dazu zu den Unis, die es mit der Qualität der Lehrstühle nicht so genau nimmt (und wegen der immer knapper werdenden staatlichen Zuschüsse auch nicht kann), „punktet“ aber mit seinem grimmigen Head Coach Nick Saban, der so viel Charme versprüht wie ein feuchtes Toastbrot, und seiner Zugehörigkeit zur Southeastern Conference (SEC), jener Conference, die seit sechs Jahren alle BCS-Titel abstaubt und deren Überlegenheit vielen Fans des College Football mittlerweile ein Dorn im Auge ist. Im eher ruralen Bible Belt sind die Crimson Tide aber sowas wie das heimliche Ersatz-Profiteam, das es dort nie geben wird.

Kurzum: In einer Zeit, in der das Ende der BCS (Bowl Championship Series) ausgemachte Sache ist und in Bälde (ab 2014/15) erstmals in der Geschichte der Div-I FBS ein kleines Meisterschaftsplayoff installiert wird, und in einer Zeit, in der zahlreiche historisch gewachsene Rivalitäten dem Conference-Realignment Wahn zum Opfer fallen, wirkt Notre Dame – Alabama wie ein Relikt aus einer längst überholten Vergangenheit, ein letztes Zucken des Zaubers der Vergangenheit.

Was bieten die Jungs spielerisch auf?

Das lässt sich auch an den Spielstilen der beiden Mannschaften ablesen: Bei beiden dominiert in der Offense Fehlerminimierung mittels Laufspiel und bloß nix den Instinkten der Spieler überlassen, den Rest soll eine furztrockene Defense erledigen. Was bei Saban seit Äonen gang und gebe ist, dürfte seinem Gegenüber, dem No-Huddle-Offense Guru Brian Kelly (nicht verwandt mit Chip), den Ekelherpes herauftreiben, aber Kelly scheint pragmatisch genug zu sein, um seine Ideale des Erfolgs willen aufzugeben.

Season-Preview

Alabama.
Notre Dame.

Und so ist Notre Dames Superstar nicht wie seit zirka 100 Jahren üblich ein Quarterback, sondern der ILB #5 Manti Te’o, ein Mann hawaiianischer Abstammung, der neben seiner einschüchternden Präsenz auf dem Feld als guter Führungsspieler und aufgrund seiner jüngsten Lebensgeschichte (Oma und Freundin diese Saison innerhalb von 24h gestorben) auch als Quelle der Inspiration gilt.

Te’o führt die Front-Seven an, obwohl er eine merkwürdige Rolle spielt: Notre Dame versucht prinzipiell, nur mit vier Passrushern zu arbeiten (plus manchmal OLB Tuitt) und vor allem mit dem NT Louis Nix, Te’o weitestgehend abzuschirmen; Te’o arbeitet fast mehr wie eine Art dritter Safety, fängt deshalb auch viel mehr INT (7) ab als er Sacks (1.5) produziert.

Gegen Alabama und deren aggressives Laufspiel wird Te’o aber weiter „vorne“ und weniger geschützt von der Line operieren müssen, denn das Matchup des Tages soll Alabamas NFL-reife Offensive Line gegen eben jene Front-Seven sein. Dazu ist RB #42 Lacy kein spektakulärer, aber ein zufriedenstellender Mann („graue Maus“ wäre übertrieben). Die Sprints und Big Plays legt der Freshman #4 T.J. Yeldon hin. QB #10 A.J. McCarron, zuletzt zweimal der Hero gegen die bärenstarke LSU-Defense, muss da nur noch die Bolzen vermeiden und die Dinger halbwegs unfallfrei an den Mann bringen (von WR #9 Amauri Cooper schwärmen aber mittlerweile auch schon die NFL-Scouts, obwohl der Junge Freshman ist).

Fraglich ist, was Notre Dames Offense aufstecken wird: Brian Kelly galt bei seiner Anheuerung als Mastermind einer blitzschnellen No-Huddle-Offense, weswegen einst sogar TV-Verträge mit dem Partner NBC angepasst werden mussten (!), Stichwort „Länge der Übertragungen und Werbepausen“. Nach drei Jahren Kelly in South Bend ist allerdings nix von No-Huddle zu spüren.

Es gibt aber Hoffnung: Alabamas gefürchtete Defense ist zwar schnell, zeigte sich bei näherem Hinsehen allerdings als verwundbarer als man es annehmen würde, und war vor allem gegen mobile Quarterbacks ein Wackelkandidat. Notre Dame hat einen Scramble-QB, den Grünschnabel #5 Everett Golson, der nicht immer überzeugend aussieht, sich aber bisher noch vergleichsweise gut durchlavierte.

Der RB Theo Riddick ist ein aus der Not geboren „konvertierter“ Wide Receiver, ein extrem agiler Mann, aber dessen „Muskeln“ wirken gegen die Schränke, die da in der Defensive Line der Crimsons stehen, wie ein paar verirrte Furunkel. Deswegen dürfte Notre Dames größte Waffe der NFL-Star in spe, TE Tyler Eifert sein, ein Mini-Gronkowski, gegen den es physisch keinen adäquaten Gegenspieler in Alabamas Abwehr gibt.

Wen sollte man favorisiert sehen?

Notre Dame ist 12-0, aber noch nicht über alle Zweifel erhaben: Die Jungs sind 5-0 in engen Spielen und nervengestählt, aber „5-0“ in Partien gegen Pitt oder Michigan kann man auch als Alarmsignal werten (letztes Jahr war ND noch 3-3 gewesen). Alabama dagegen spielte einen für SEC-Teams relativ einfachen Schedule, auch weil der Paradegegner Michigan eher enttäuschte, hatte aber mit den besseren Teams im Schedule (LSU, Georgia) teilweise arge Probleme.

SRS favorisiert Alabama mit 7 Punkten. Die Wettbüros sehen ähnliche Spreads. Ich würde Alabama eher höher favorisieren (14 Punkte aufwärts), aber es gibt zwei Dinge, die da dagegen sprechen:

  • Notre Dames Defense dürfte tatsächlich nicht allzu viele Yards und Punkte aufgeben.
  • Ich erwischte mich in den letzten zwei Jahren häufig dabei, Alabama zu überschätzen; yup, die Truppe ist super, aber sie ist nicht so superb, dass sie mal eben im Vorbeigehen allen anderen ein 30-3 einschenkt.

Also: Alabama mit 7 unterschreibe ich, auch wenn die Leute die SEC-Dominanz satt haben.


Spiel ist ab 02h30 LIVE bei ESPNA, die Tapes kommen wie folgt: Di, 8.1. um 12h und um 19h.

Fiesta Bowl 2013 Preview: Kansas State Wildcats – Oregon Ducks

Heute Nacht kommt vom College Football das heimliche Endspiel, #5 Kansas State Wildcats (11-1) vs. #4 Oregon Ducks (11-1) in der Fiesta Bowl 2013 (02h LIVE bei ESPN America) aus dem Stadion von Glendale/AZ. Es ist für mich das Spiel der Bowl Season, nicht bloß weil ich es mir so sehnlichst als „richtiges“ Title Game erhofft hatte, sondern auch, weil wir hier College Football in Reinkultur bekommen: Die ästhetisch wunderschöne Spread-Offense von Oregon mit ihrem Coach Chip Kelly in seinem wohl letzten College-Spiel gegen die scheinbar antiquierten, aber bodenständigen Wildcats vom zeitlosen Head Coach Bill Snyder. Beide waren Mitte November an #1 und #2 gerankt gewesen, beide waren am selben Wochenende gestolpert. Weiterlesen

Sugar Bowl 2013 Preview: #3 Florida Gators – #21 Louisville Cardinals

Nächste BCS-Bowl heute Nacht, 02h30 LIVE bei ESPN America: #3 Florida Gators (11-1) aus der SEC gegen die #21 Louisville Cardinals (10-2) aus der Big East Conference. Sieht aus wie das größte Mismatch in der diesjährigen BCS-Serie.

Für die feel-good Geschichte sorgt Louisvilles Coach Charlie Strong, einst der Chef-Recruiter hinter den Titelgewinnen des heutigen Gegners, Florida, 2006 und 2008. Strong ist nun seit drei Jahren bei den Cardinals, und sagte zuletzt den attraktiven Tennessee Volunteers ab, um in Louisville bleiben zu können. Strong hat da ein gutes, bei weitem kein großartiges, aber vor allem sehr junges, entwicklungsfähiges Team beisammen.

Draft 2013

Who to watch

Florida

DT Sharrif Floyd
S  Matt Elam
TE Jordan Reed
DE Dominique Easley
LB Jonathan Bostic
RB Mike Gillislee
LB Jelani Jenkins
   (inaktiv)
OT Xavier Nixon
LB Lerentee McCray
TE Josh Evans
K  Caleb Sturgis

Louisville

C Mario Benavides
CB Adrian Bushell

Gesicht der Mannschaft ist der ultraharte Knochen QB Terry Bridgewater, der zuletzt mit gebrochenen Knochen in der Wurfhand (!) gar nicht mal schlecht und vor allem furchtlos (v.a. gegen die Blitzes) spielte und nun wochenlang Zeit zum Ausheilen hatte. Ich bin gespannt, wie das gegen die unüberwindbare Secondary von Florida aussehen wird, wenn Louisville mit dem zugegeben gut anzuschauenden, aber relativ eindimensionalem Angriffsspiel (fast ausschließlich Passgewalt) aufmarschiert.

Die University of Florida dagegen bringt kaum adäquates Passspiel zustande, aber sie muss auch nicht: Die Defense ist unspektakulär, aber extrem effizient, und das eigene Laufspiel übernimmt die Hauptaufgabe, nur ja keine Turnovers zu produzieren: RB Mike Gillislee ist dazu ein elektrisierender Mann, dem man das Ei 20-30x in die Hand drücken kann, und auch QB Jeff Driskel ist angeleitet, im Notfall lieber 5yds zu scrambeln als den Ball in eine Doppeldeckung zu werfen.

Das sieht alles meist nicht schön aus, ist aber mit zunehmendem Spielverlauf immer effizienter – der alte Grundsatz wear ’em down by good old football scheint bei UF dieses Jahr noch Gültigkeit zu haben. Und es passt irgendwo zum Head Coach Will Muschamp, zwar ein feuriger Typ, aber einzig an seiner dominanten Defense interessiert.

Und selbst wenn Lousiville Passspiel Erfolg haben sollte, so wird Floridas Laufspiel zum Knackpunkt, denn die Cards haben eine anerkannt unterirdische Lauf-Defense. Man lasse Gillislee im 1st down jedes Mal 5-6yds laufen und habe ein sicheres Rezept für eine Pleite in der Region 27-3 pro Florida.

Excel ist „konservativer“ und sieht Florida „nur“ mit 17.5 Punkten im Vorteil, aber am klaren Favoritenstatus ändert das nix.

LIVE ab 2h30 bei ESPN America. Tape gibt es dort morgen um 19h.

Orange Bowl 2013 Preview: #12 Florida State Seminoles – #15 Northern Illinois Huskies

Nach der Rose Bowl folgt um 02h30 (auch LIVE bei ESPN America) noch die Orange Bowl aus Miami: #12 Florida State Seminoles (11-2) vs. #15 Northern Illinois Huskies (12-1), eine Partie nicht ohne hitzige Diskussionen im Vorfeld. Der Streit entzündete sich vor allem an der Einladung der Northern Illinois University, dem Champion der kleinen Mid-American Conference (MAC): NIU gewann dort mit seiner dominierenden Offense, aber die Huskies stehen den Beweis aus, gegen namhafte Konkurrenz aus großen Conferences gut ausgesehen zu haben, wie es in der Vergangenheit beispielsweise bei Boise oder TCU der Fall gewesen war. Weiterlesen

Rose Bowl 2013 Preview: #6 Stanford Cardinal – Wisconsin Badgers

Draft 2013

Who to watch

Wisconsin

RB  Montee Ball
OT  Rick Wagner
CB  Devin Smith

Stanford

TE  Zach Ertz
OLB Chase Thomas
RB  Stepfan Taylor
LB  Shayne Scov

Das größte Highlight einer jeden Bowl Season neben dem Championship-Game ist mit Sicherheit die Rose Bowl zu Pasadena, vor allem wegen des Ambientes: 14h Ortszeit, blumige Neujahrsparade, Feuerwerk bei gleißendem Sonnenschein, und mitten zwischen den Hügeln eingebettet die wunderschöne Schüssel von Pasadena, die „Rose Bowl“, Endspielstadion der FIFA-WM 1994 und über 90.000 Mann fassend, und Namensgeberin des Footballterminus „Bowl“ für so ziemlich jedes Post-Season-Spiel.

Die Rose Bowl sieht traditionell (sofern nicht einer im BCS-Finale steht) die Sieger der Pac-12 und Big Ten Conference gegeneinander, und so auch diesmal. Das Matchup lautet #6 Stanford Cardinal (11-2) gegen Wisconsin Badgers (8-5), und es könnte interessanter werden als es die Ansetzung herzugeben scheint.

Das beginnt bei Wisconsin, das heuer ein down year hatte, sich nach zahlreichen Abgängen (u.a. QB Russell Wilson, halbe Offense Line) lange Zeit schwer tat und überhaupt nur in der Position für seine dritte Rose Bowl en suite war, weil mit Ohio State und Penn State zwei bessere Mannschaften gesperrt sind. Und dann machte man Nebraska im Conference-Finale mit 70-31 (!) nieder. Freilich hielt das Hoch nicht lange an, und Head Coach Bret Bielema wechselte in die SEC zu Arkansas. Der Nachfolger ist mittlerweile bekannt: Gary Andersen von Utah State, aber heute wird ein anderer Mann coachen: Barry Alvarez.

Alvarez ist eine jener Gestalten, die zur Verkörperung eines Programms taugen, ein Multi, der lange Zeit als Chefcoach die Identität Wisconsins formte, dann seinen Nachfolger Bielema heranzog, und nun nach dessen überraschendem Abgang offiziell von der Mannschaft (!) gebeten wurde, dieses Spiel zu coachen.

Wisconsin ist nur 8-5, klar, und hatte kein richtig gutes Jahr. Auf der anderen Seite ist diese Mannschaft 2-5 in engen Spielen; lass zwei davon anders ausgehen, sie sind 10-3 und unsere Wahrnehmung von dem Team ist eine völlig andere.

Wisconsins Defense ist richtig gut, aber die Offense ist problematisch: Es gibt kein alternatives Passspiel, wenn das Laufspiel gestoppt wird; gegen viele Gegner reichen die vielen Yards des RB Montee Ball und Co., aber Stanford ist ein Kaliber, gegen das du nicht ohne Luftweg bestehen kannst: Die Defense ist mit ausgeglichener Offense und perfekter Spielzugausführung bezwingbar, aber man darf getrost skeptisch sein, wie das aussieht, wenn Gegners Quarterbacks null Gefahr ausstrahlen.

Stanfords Offense kommt auch in aller erster Linie über Physis und seinen RB Stepfan Taylor, aber der Schlüssel wird der schwer gehypte Freshman-QB Kevin Hogan sein, und wie Hogan nach seinem exzellenten Karrierebeginn (erst vier Starts) mit dem Druck eines Millionenpublikums zurecht kommen wird. Hogan… das ist ja einer der Treppenwitze, dass Stanford mit dem Super-QB Andrew Luck nun Jahr für Jahr am Pac-12 Titel gescheitert ist, und ausgerechnet im ersten Jahr „post Luck“ und im zweiten „post Harbaugh“ in der begehrten Rose Bowl steht.

Und ich halte die Cardinal für favorisiert, aber ebenso Wisconsin für lange nicht so chancenlos, wie man es von einem Team erwarten würde, das noch nichtmal in den Top-25 gerankt ist. Das Simple Ranking System (SRS) sieht Stanford auch „nur“ mit fünf Punkten vorne.

Also: Rose Bowl heute ab 23h bei ESPN America.

Neujahrsbowls 2013 Preview

An alle, die den Rutsch unbeschadet überstanden haben: Guten Morgen im neuen Jahr. College Football ist gnadenlos und gesteht uns keine Pause zu; im Gegenteil: Heute folgen die Bowls an dem Tag (Neujahr), an dem vor Urzeiten die Idee geboren wurden, überhaupt Bowls zu veranstalten. Die wichtigste ist heute die Rose Bowl zu Pasadena, die in einem gesonderten Eintrag behandelt wird, wie auch die Orange Bowl. Sie merken: Die BCS (Bowl Championship Series) startet. Zuerst aber das „Aufwärmprogramm“. Weiterlesen

Silvester-Bowls 2013 Preview

Nach der besinnlichen Feier letzte Woche folgt heute die besinnungslose Party. Wer uninteressiert dran ist, sich beim Böllern die Griffel wegzusprengen und lieber College Football Bowl Season guckt, dem sei diese Silvester-Preview gewidmet.

Music City Bowl

Vanderbilt Commodores – NC State Wolfpack

18h LIVE bei ESPN America

Draft 2013

Who to watch

Vanderbilt

WR #87 Jordan Matthews
CB #8  Trey Wilson
RB #2  Zac Stacy
QB #11 Jordan Rodgers

N.C. State

QB #8  Mike Glennon
CB #1  David Amerson
S  #27 Earl Wolff

Die Vanderbilt University (8-4) gehört als Eliteschule nicht unbedingt zu den traditionellen Mächten im College Football; vielmehr stellt sie eine Mannschaft, die jahrzehntelang als Bodensatz in der SEC gegolten hatte, aber seit Head Coach James Franklin in Nashville/TN am Werkeln ist, geht es aufwärts: Der glatzköpfige Franklin hat seinen Offizierstrupp zum zweiten Mal en suite in der Bowl Season – bislang ungesehen bei Vanderbilt. Dass die Uni als Football-Marke aber noch einen weiten Weg zu gehen hat, zeigt die Einladung in der „Heim-Bowl“, der „Music City“ Nashville – es gibt attraktivere Orte, an Silvester zu spielen.

Quarterback in einer ausbalancierten Offense ist der kleine Bruder Aarons, Jordan Rodgers, und der Mann hat einen Super-WR an seiner Seite: Jordan Matthews, eine der Überraschungen der Saison. Matthews wird für Rodgers die Chance auf Yards und Punkte bedeuten, für NC States CB David Amerson ist er die Chance, sich vor dem NFL-Draft noch mal zu beweisen: Amerson hatte im Sommer als potenzieller Top-Pick gegolten, spielte dann aber einen bitterbösen Herbst und mittlerweile ist nicht mal mehr sicher, ob Amerson sich überhaupt traut, schon dieses Jahr in den Draft zu wechseln. Ein Kaltstellen eines der heißesten Receiver im College Football wäre aber wenigstens eine versöhnliche Note für die entsetzten Scouts.

Neben Amerson ist noch ein zweiter „Wolf“ im Fokus: QB Mike Glennon, ein eigentlich unauffälliger Mann, der aber so grundsolide auftritt, dass man ihn schon als potenziellen Erstrundendraftpick sieht.

Vandy ist mit 8 Punkten im SRS klar favorisiert, und das SRS weiß noch nichtmal um den vielleicht gewichtigsten Faktor im Vorfeld dieser Partie: NC State spielt mit Interimscoach (wir kennen das mittlerweile…): Tom O’Brien wurde gefeuert, weil man ihm nicht zutraut, das Team aus dem Mittelmaß herauszuführen, und als Nachfolger wurde Dave Doeren vom BCS-Spoiler Northern Illinois eingekauft. Heute wird aber noch OffCoord Dana Bible coachen, und niemand getraut sich zu prognostizieren, wie lustig oder lustlos NC State aufmarschieren wird.

Liberty Bowl

Tulsa Golden Hurricane – Iowa State Cyclones

21h30 LIVE bei ESPN America

Draft 2013

Who to watch

Tulsa

FB #34 Willie Carter

Iowa State

LB #47 .J. Klein

Zwei nicht alltägliche Teams zur Hauptspeise im Silvestermenü, aber zwei Altbekannte für Freunde der Bowl Season: Der Champion der Conference USA, Tulsa (10-3), ist zum fünften Mal en suite dabei, Iowa State (6-6) aus der Big 12 Conference zum dritten Mal in vier Jahren unter dem äußerst beliebten Head Coach Paul Rhoads. Die Diskrepanz in der Saisonbilanz ist eklatant, aber trotzdem sind die Cyclones laut SRS mit 4 Punkten leichter Favorit – warum?

Es liegt nicht nur am 38-23 Sieg von Iowa State im Season Opener über selbigen Gegner Tulsa (yup, das ist ein Rematch heute), sondern vor allem an der generellen suspekten Qualität der C-USA dies’ Jahr. Da war Tulsa nur das beste von vielen unterdurchschnittlichen Mannschaften.

Tulsa stellt immerhin immer eine schöne Offense, die aus der Spread-Formation extrem viel läuft: Man bringt eine Vielzahl verschiedener Running Backs fast 250 Rush-Yards pro Spiel zusammen und schaut, dass der QB Cody Green ja nicht zu viele Fehler macht. Das könnte heute zum kleinen Problem werden, denn die größte Stärke der Cyclones ist die Lauf-Defense (du spielst in der Big 12 und baust dein Team vor allem um die Lauf-Defense?).

Iowa States Offense ist im Gegenzug, wie soll ich sagen… uninspirierend? Der langjährige Quarterback Steele Jantz wurde abgesägt und durch den Freshman Sam Richardson ersetzt, der mobiler ist und wenigstens die ganz großen Bolzen vermeidet.

Ich befürchte ja, dass die beiden Mannschaften ihren Teamnamen nicht alle Ehren machen werden und es kein stürmisches Spiel wird, aber ich gäbe Tulsa hier einen Vorteil. Denn man muss wissen, dass Iowa State eine schwache zweite Saisonhälfte spielte und dass deren beste Spieler in der Secondary ausfallen.

Chick fil-A Bowl (“Tiger-Duell”)

Clemson Tigers – Louisiana State Tigers

1h30 LIVE bei ESPN America

Draft 2013

Who to watch

Clemson

WR #6  DeAndrew Hopkins
RB #23 Andre Ellington
S  #31 Rashard Hall
DE #97 Malliciah Goodman
QB #10 Tajh Boyd

Louisiana State

DE #49 Keke Mingo
DE #99 Sam Montgomery
S  #1  Eric Reid
LB #46 Kevin Minter
DE #89 Lavar Edwards
CB     Tyrann Mathieu
       ("Honey Badger",
         inaktiv)
WR #10 Russell Shepard
DT #77 Josh Downs
K  #30 Drew Alleman
DT #18 Bennie Logan

Das traditionelle ACC-SEC-Duell in der Silvesternacht aus dem Georgia Dome sieht diesmal ein perfektes Matchup Super-Offense gegen Super-Defense. Die Super-Offense stellen die #14 Clemson Tigers (10-2, ACC), die vor sensationellen Athleten von NFL-Kaliber nur so strotzen: QB Tajh Boyd ist zwar nicht der konventionellste Werfer, aber der Arm ist nicht wurfschwach, WR DeAndre Hopkins dürfte im NFL-Draft einige Beachtung finden und RB Andre Ellington gehört zu den Backs, denen ich nun rein optisch sofort wenigstens eine Chance in der zweiten Runde zutrauen würde. Über den potenziell besten Mann haben wir da noch nicht gesprochen: WR #2 Sammy Watkins, den Superstar der letzten Saison 2011/12 (damals als Freshman), der dieses Jahr aber mit Sperren und Krankheiten zu kämpfen hatte, sich nun aber endlich fit fühlen soll. Wenn Watkins tatsächlich in Hochform auflaufen kann, sehen wir da einen Rastaman, der von spektakulären Catches über EndArounds über unmögliche Punt-Returntouchdowns alles drauf hat.

Freilich werden sich die #9 LSU Tigers (10-2, SEC) nicht lumpen lassen, denn diese bieten immer noch eine Top-Defense auf, die fast alles kann: Dampf machen vorne mit dem DE-Duo Mingo/Montgomery, wo beide in der ersten Draftrunde gepickt werden sollten, dazu ein Ankermann DT Bennie Logan, der vielleicht in den Draft gehen wird, disziplinierte Linebackers und ein Backfield, das schwer zu knacken ist; FS #1 Eric Reid ist ein kleiner ballhawk, aber von den Yards her am ehesten ein Spielertyp, der mal ein Big Play aufgibt.

LSUs Offense wird extrem wichtig: Diese lag wochenlang unter der Erde, aber ausgerechnet gegen Alabama gab es das erste Lebenszeichen, und seither läuft QB Zach Mettenberger als anderer Mensch über den Campus: Vom verunsicherten Mauerblümchen ist plötzlich ein Mann mit breitem Grinsen geworden, der sich ganz relaxt auch die tiefen Bomben zutraut. Im Kern ist LSU immer noch eine schwer lauforientierte Mannschaft, aber dank Mettenberger ist man nicht mehr gänzlich drauf angewiesen.

SRS favorisiert LSU mit 3.5 Punkten, sieht das Spiel also relativ eng. Ich halte LSU hier, sofern Les Miles’ Jungs nach dem Verpassen der BCS überhaupt noch bei der Sache sind, für klarer favorisiert.

Sun Bowl

USC Trojans – Georgia Tech Yellow Jackets

Kickoff 31.12. um 20h
Tape am 1.1. um 9h30 bei ESPN America

Draft 2013

Who to watch

USC

QB #7  Matt Barkley 
       (inaktiv)
WR #2  Robert Woods
CB #7  Nick Robey
DE #91 Morgan Breslin
S  #7  T.J. McDonald
C  #78 Khaled Holmes
RB #22 Curtis McNeal

Schließlich morgen früh als Tape die Sun Bowl (Spiel wird in den Staaten von CBS übertragen, also keine Ahnung, ob der ESPN-Player das live zeigen darf) in einem Matchup, in dem keiner der beiden wirklich Lust drauf zu haben scheint, in der Wüste in El Paso/TX nahe New Mexico aufzulaufen. [Update: ist nicht im ESPN-Player; danke an Matthias/Update Ende]

Bei USC (7-5) ist das verständlich: Die Jungs vom windigen Head Coach Lane Kiffin sahen ihre Saison in den Süden wandern, von der #1 in der Preseason zu einer blamablen Bilanz, die unter Umständen noch zu einer Entlassung Kiffins führen könnte.

Als Sinnbild kann „Poster-Boy“ QB Matt Barkely herhalten: Der Mann sprengte alle USC-Passrekorde und blieb für sein Senior-Jahr an der Uni, um nach den Sperren (Stichwort: Causa Reggie Bush) endlich seine erste BCS-Bowl spielen zu können und dann als strahlender Held an #1 nach Kansas City gedraftet zu werden. Life is Hell, und wie es manchmal so läuft, spielte Barkley nicht nur ein schwaches Jahr und offenbarte nicht bloß technische Schwächen in der Wurfbewegung und äußerst verbesserungswürdiges Lesen von Defenses, qualifizierte sich USC nicht mal für die BCS, sondern verletzte sich zu allem Überfluss auch noch und wird heute nicht spielen können.

Starting-QB für USC ist heute der Freshman Max Vittek, der immerhin zwei Granaten auf Wide Receiver stehen hat: Robert Woods, der als hoher Draftpick gilt, und Marquise Lee, der eigentlich hätte die #2 sein sollen, der aber den Top-Athleten Woods in Grund und Boden spielte und mit 1680yds und 14 TD sogar in der Heisman-Verlosung war. Von den Running Backs um McNeal und Silas Redd war heuer nicht viel zu hören, umso mehr von eklatanten Protection-Problemen der Offense Line.

Auch die Defense vom aus der NFL (Tampa Bay) bekannten Monte Kiffin zeigte Schwächen, und nun kommt mit der Flexbone-Triple Option Offense von Georgia Tech (6-7, losing record!) aus der ACC ein untypisches Angriffssystem daher. Die letzten Jahre Bowl Season zeigten allerdings, dass Georgia Tech immer dann Probleme hat, wenn sich ein Gegner drei, vier Wochen auf sein System einstellen kann, und Monte Kiffin wird an seinem allerletzten Arbeitstag seiner Karriere ungern von einer steinzeitlichen Offense verarscht werden.

El Paso

Nicht mein Fall.

So sehr ich den Coach der Yellow Jackets, Paul Johnson, für diese ausgeklügelte Offense schätze, so sehr ist sie davon abhängig, zumindest ein bissl so was wie Passspiel aufziehen zu können, vor allem tiefes Passspiel, um die Front-Seven etwas auf Trab zu halten. Jetzt hat USC zwar brutal viele Lücken, aber in der Secondary ist man mit den potenziellen NFL-Picks S McDonald und CB Robey so gut besetzt, dass niemand auch nur von einem Minimum an Passerfolgen für Georgia Tech und seinen wuseligen QB Washington ausgeht.

So oder so: Der Sieger wird nur gequält in die Kamera grinsen. USC ist im SRS mit 12.5 Punkten favorisiert, und das würde ich auch, trotz allem, unterschreiben.

Bowl-Großkampftag III, 29.12. Preview

Disclaimer: Ja, diese Preview ist laaaaaang. Passend zu einem Spieltag mit gleich fünf Spielen (eines davon morgen als Tape). Aber mal ganz ehrlich: Solche Tage wie heute sind vielleicht der Hauptgrund, weswegen ich dieses Blog einst überhaupt aufmachte: Ich kann mich selbst durch den Zahlenwald graben und mich mental in nicht alltägliche Matchups reingrooven – auch wenn nicht immer alles 100%ig zutreffen wird..

Auch neu heute: Ich habe zu jedem Spiel eine kleine Übersicht über die gängisten Draft-Kandidaten gebastelt (Team, Position, Rückennummer, Name). Anmerkungen oder Änderungs- oder Verbesserungsvorschläge sind gern erwünscht; der Arbeitsaufwand scheint allerdings groß genug zu sein, dass ich mir mittelfristig auf alle Fälle werde ein Makro dafür programmieren müssen.

Zu den Spielen: Die beiden Kracher, die ich unbedingt empfehlen würde, sind schlafraubend, aber auch das Aufwärm- und Frühstücksbegleitprogramm ist durchaus nett und kann man sich schon mal geben.

Armed Forces Bowl

Rice Owls – Air Force Falcons

17h30 LIVE bei ESPN America

Draft 2013

Who to watch

Rice

TE #88 Vance McDonald

Zwei 6-6 Teams im Stadion von TCU: Für die Air Force aus der MWC ist es die sechste Bowl-Qualifikation in Serie unter Head Coach Troy Calhoun, und das kommt nach dem extremen personellen Aderlass nach 2011/12 schon einer kleinen Überraschung gleich. Air Force übertüncht dieses Problem schematisch: Als möchte man vor allem sich selbst und seinen Namen verspotten, wird hier gelaufen, gelaufen, gelaufen, und das in der klassischen triple-option Version (wenn auch meiner Erinnerung von letzten Jahr nicht aus der Flexbone-Formation. Auf alle Fälle aber ein absoluter Hingucker, und etwas unterschiedlich von dem, was zum Beispiel Navy und Georgia Tech spielen.

Bei den Rice Owls von der Elite-Raumfahrtuni aus Houston bin ich selbst gespannt: Das Team war zuletzt 2008/09 in Hochform und damals mit 10-3 unter Coach David Bailiff; deren Bowlspiel war damals nicht bei NASN, ergo sehe ich Rice heute tatsächlich zum allerersten Mal.

Die Mannschaft soll bevorzugt eine Pistol-Offense spielen und, auch wenn mehr geworfen wird als bei der Air Force, primär lauforientiert sein. Die Athleten in der Offense lesen sich ziemlich monströs (WR mit fast 2,00m Körpergröße, Tight Ends mit 2,05m und 120kg), was bei jedem, der die Air-Force-Defense schon mal gesehen hat, sofort das Alarmglöckchen schrillen lässt, denn deren Defense gilt als bestenfalls undersized, und anderen würden von einem Leichtathletik-Club sprechen, wo ein paar Sprinter mal eben für ein Footballspiel ausgeliehen wurden. Man sieht mich gespannt wie ein Regenschirm.

Excel/SRS sieht Rice mit einem Punkt vorne (Rice ist in diesem Simple Rating System aber auch nur an #87 gerankt). Gefühlt würde ich die Vorteile eher bei der Air Force sehen (Vertrautheit, ich weiß), aber man weiß auch, wie es den Falcons gehen kann, wenn die gegnerische Defense im 1st down Erfolge einfahren kann: 2nd-und-lang, und eine fast reine Option-Offense ist häufig schnell zum Punten verdammt.

Pinstripe Bowl

West Virginia Mountaineers – Syracuse Orangemen

21h LIVE bei ESPN America

Draft 2013

Who to watch

West Virginia

QB #10 Geno Smith 
WR #1  Tavon Austin 
WR #3  Stedman Bailey (jr.)

Syracuse

QB #12 Ryan Nassib
S  #21 Shamarko Thomas

Die Pinstripe Bowl im neuen Yankee-Stadium ist nicht bloß ein Spiel mit ungewöhnlicher Kulisse (Yankee Stadium ist ein Baseballstadion), sondern auch ein Spiel mit Potenzial auf 1500 Offense-Yards und 100 Punkte, was daran liegt, dass a) beide einen gepflegten Ball in der Offense spielen und b) beide mit tackleresistenten Defenses aufwarten. Und es ist ein Spiel alter Bekannter, nachdem WVU und Syracuse vor WVUs Wechsel in die Big 12 jahrelange Konkurrenten aus der Big East Conference gewesen waren (2011 z.B. ein 49-23 Kantersieg von Syracuse über WVU).

Die West Virginia Mountaineers (7-5) von 2012 sind eine Freakshow: Die Offense scort 41.6 Punkte pro Spiel, die Defense kassiert 38.1 Punkte. Damit rangiert man in beiden Kategorien ca. 12 Punkte/Spiel über Syracuse (7-5), auch keine Angriffsmaschinen von Traurigkeit.

Die Offense der Mountaineers ist wie Offenses von Head Coach Dana Holgorsen eben so sind: Zirka fuffzich verschiedene Anspielstationen und ein Quarterback, der den Ball nur per Kurzpass zu verteilen braucht. Dieser Quarterback ist im WVU-Falle Geno Smith, ein großgewachsener und beweglicher schwarzer Schlaks, der rein zufällig auch als Top-Draftpick 2013 gehandelt wird. Dabei besteht die WVU-Offense im Kern aus extrem quicken Kurzpässen, die die gelben Blitze wie die WRs Stedman Bailey (Draft-Kandidat) oder JD Woods zu großen Raumgewinnen mutieren.

Der Superstar im Angriff ist aber der kleine WR/HB Tavon Austin, der wie ein verirrtes Licht durch die Abwehrreihen zischt und eine Art Percy Harvin 2.0 (minus Migräne) gibt – Austin ist der Mann, der diesen Angriff definiert, Beispiel:

Austin ist noch mehr Schlüsselfigur als Geno Smith, bei dem ich noch einmal die tiefen Bälle sehen möchte, bevor ich mich überzeugen lasse, dass ich den Mann in der ersten Runde vom Tablett gehen lasse.

Fraglich ist allerdings, ob West Virginia überhaupt tief gehen muss, denn die Qualität der Syracuse-Defense lässt befürchten, dass die Bälle hier nur per Screenpass verteilt werden müssen, und schon haben wir dank 10 YAC ein neues 1st down. Neben den vielen Shootouts dieses Jahres taugt auch die fassungslose Demontage von Clemson letztes Jahr in der Orange Bowl als Beweisstück.

Syracuse hat seinerseits eine gute Offense, die man Head Coach Doug Marrone (ehemaliger QB-Coach von Drew Brees in New Orleans) nicht zugetraut hätte. Schlüsselspieler ist QB Ryan Nassib, ein sehr guter Mann, das wusste man, aber Nassib hat sich dieses Jahr in die Reihe der möglichen hohen QB-Draftpicks geschossen (gilt als minimum Zweitrundenpick). Der Mann ist vielleicht nicht der NFL-kompatibelste Werfer unter der Sonne, aber er kann eines: Den Blitz verbraten. Das ist das Mittel, das gegen West Virginia todsicher für 300yds reicht, denn die Mountaineers bringen kaum Druck ohne Blitz-Verstärkung zustande (20 Sacks über die Saison), obwohl man fast ausschließlich Passspiel gegen sich ausgespielt sah.

Ich „fürchte“ hier ein weiteres Shootout, in dem ein, zwei Big Plays der Defenses die richtigen Swings hergeben; ist nicht ganz mein Fall, aber wer drei der spannenderen NFL-Draftkandidaten 2013 (Geno Smith, Nassib, Austin) sehen will, kann sich hier mal einen Eindruck verschaffen, was die Jungs gegen no-contact Defense zu liefern imstande sind.

Excel/SRS favorisieren die West Virginia Mountaineers mit 4.5 Punkten.

Alamo Bowl

Texas Longhorns – Oregon State Beavers

0h30 LIVE bei ESPN America

Draft 2013

Who to watch

Texas

DE #80 Alex Okafor
S  #4  Kenny Vaccaro
DE #44 Jackson Jeffcoact
       (heute inactive)
WR #84 Marquise Goodwin

Oregon St

CB #14 Jordan Poyer
WR #2  Markus Wheaton

Das Spiel des Abends findet in San Antonio/TX statt, wenn die #23 Texas Longhorns (8-4) in einem Klassenkampf auf die #13 Oregon State Beavers (9-3) gematcht werden. Beide Teams sind interessant.

Oregon State gehört zu den positiveren Erscheinungen dieses Jahr, eine kleine Uni aus Corvallis/OR mit ihrem hoch geschätzten Head Coach Mike Riley, die aus limitierten Budgets erstaunlich viel rauspresst. Ich habe das Team heuer nie gesehen, deswegen muss ich die Preview mit etwas Angelesenem anreichern, aber generell kann man sagen: Rileys Teams sind als ehrlich zu sich selbst bekannt, d.h. sie wissen, was sie können, und was sie nicht können, lassen sie.

Im Falle der Beavers heißt das: Kurzpass-Feuerwerk in der Offense, die um ihre beiden Wide-Receiver-Zwerge Brandin Cooks und Markus Wheaton (ok, der Mann ist 1,85m) gebaut ist, die fröhlich yards after catch produzieren, egal ob denn nun QB Sean Mannion oder QB Cody Vaz die Eierschlacht führen. Heute wird übrigens Vaz starten, nachdem Mannion nach einer Verletzungspause gegen Saisonende seine zwischendurch immer typischen schwachen Vorstellungen mit vier INTs eingestreut hatte.

Bei den vielen Körnern wird der texanische Pass Rush in den Fokus geraten, der nach der Verletzung vom potenziellen NFL-Star Jeffcoat nun vom ebenso potenziellen NFL-Star DE Alex Okafor angeführt wird (es ist Okafors letztes College-Spiel) und zünden muss, um den Linebackers um den exzellenten LB Steve Edmond in den Zweikämpfen mit Wide Receivers und RB Storm Woods zu helfen.

Die Longhorns-Defense vom mir als Pragmatiker in Erinnerung geblieben DefCoord Manny Diaz gefiel in den letzten Wochen besser, wenigstens besser im Vergleich zur absolut horrenden Vorstellung gegen Oklahoma (63 Gegenpunkte plus Gnadenschuss), und vor allem das Tackling ist besser geworden – wichtig gegen solch flinke Wide Receivers.

Größter Vorteil für Texas in dem Spiel liegt in der Lauf-Offense, wo es exzellente Running Backs um den Freshman Johnathan Gray und den Sophomore Malcolm Brown gibt, die auf eine schwache Front-Seven treffen. Schlüssel im Duell Texas-Offense gegen Beavers-Defense sind aber die Quarterbacks, wo man sich nicht entscheiden kann zwischen QB David Ash und QB Case „hallo ich bin Colts kleiner Bruder“ McCoy: Beides Jungs mit Hang zum self destruction button, und beiden können die Flauseln seit Jahren nicht ausgetrieben werden. Riecht also nach lauflastiger Offense für Texas, v.a. auch, weil OffCoord Bryan Harsin (ex-Boise) mittlerweile bei Arkansas State angeheuert hat und nix mehr zum Spiel beisteuern wird.

Fragezeichen steht hinter dem Einmann-Passrush von Oregon State, DE Scott Crichton: Ist der Mann erstmal ausgeschaltet, gibt es keinen, der für ihn einspringen kann.

Prinzipiell sind die Longhorns immer in der Lage, jeden Gegner zu schlagen, wenn dem Quarterback, sei es wer es auch immer sei, ein Weltklassespiel ausrutscht; die Frage ist halt, ob das passiert. Wenn nicht, droht die Truppe, in den Improvisationsmodus zu verfallen, und das ist gegen disziplinierte Mannschaften wie Oregon State häufig kein probates Mittel.

Und: Oregon State ist laut Simple Ranking System mit 3 Punkten favorisiert, obwohl man angesichts der Nähe von Austin (Heimat der University of Texas) zu San Antonio von einem halben Heimspiel für die Longhorns ausgehen kann.

Buffalo Wild Wings Bowl

TCU Horned Frogs – Michigan State Spartans

4h LIVE bei ESPN America; Tape morgen 12h bei ESPNA.

Draft 2013

Who to watch

Michigan St

DE #2  William Gholston
RB #24 Le’Veon Bell
CB #5  Johnny Adams

Wer auf knackige Defenses steht, ist hier genau richtig: Die Texas Christian University (TCU) (7-5) wird seit der Amtsübernahme von Head Coach Gary Patterson vor über zehn Jahren mit seiner extrem schnellen, dynamischen 4-2-5 Abwehr assoziiert, und die der Michigan State Spartans (6-6) gilt dieses Jahr ebenso trotz der schwachen Saisonbilanz als superbe Unit, kaum am Boden zu bezwingen und mit einer exzellenten Secondary ausgestattet.

Ich habe Michigan State nur einmal spielen sehen (Opener gegen Boise State), und ich kann mir aufgrund dieser Partie vorstellen, warum man 6-6 ging, obwohl man laut Simple Ranking System und anderen fortgeschrittenen Rankings zu den besseren Mannschaften hätte gehören müssen: Man dominierte damals eine nicht schwache Boise-Elf komplett, fuhr mit RB Le’Veon Bell über die Broncos drüber, nur um am Ende trotzdem bloß knapp 17-13 zu gewinnen. Michigan State in den 12 Saisonspielen: 8x innerhalb eines Scores (3-5 Bilanz), und das, obwohl die Defense bloß 16.3 Punkte pro Spiel zuließ und etliche Turnovers produzierte.

Man merze die Schwachstellen in der RedZone aus und lasse den jungen QB Maxwell reifen, und wir sprechen hier über einen Big-Ten-Favoriten. Freilich haben die TCU Horned Frogs ähnliche Probleme, die aber hausgemachter sind: QB Casey Pachall, ein eigentlich exzellenter Mann, wurde nach mehreren positiven Drogentests in die Reha geschickt und der junge Freshman Trevon Boykin übernahm und machte mir im letzten Saisonviertel einen guten Eindruck. Allein: Man ist in Scoring-Range aus welchen Gründen auch immer verdammt dazu, mit Field Goals Vorlieb zu nehmen.

Prinzipiell halte ich beide Teams mit ihren Saison-Records für unterbewertet. SRS favorisiert TCU mit 2 Punkten, aber das kann auch an den eklatanten Problemen der Spartans zu tun haben, den Sack zuzumachen. Ich traue mir keine Prognose zu, auch weil ein Spiel mit wenigen Punkten auf ein, zwei gut exekutierte Big Plays hinauslaufen kann, und freue mich einfach, TCUs fantastische Hochgeschwindigkeitsdefense ein letztes Mal für die nächsten paar Monate zu sehen.

Kraft Fight Hunger Bowl

Navy Midshipmen – Arizona State Sun Devils

Tape morgen 9h30 bei ESPN America
(dürfte LIVE heute, 22h im ESPN-Player aufschlagen)

Draft 2013

Who to watch

Arizona St

OLB #8 Brandon Magee

Schließlich noch die „richtige“ Flexbone-Triple Option Offense, die die Navy (8-4) seit den Zeiten unter Paul johnson (jetzt Georgia Tech) spielt, und die auch unter Johnsons Nachfolger, dem Hawaiianer Ken Niumatalolo noch in mehr als Spurenelementen vorhanden ist. Es ist aber nicht mehr so extrem wie früher, und das war schon zum Saisonauftakt gegen Notre Dame in Irland erkennbar; seit der Einwechslung vom Freshman-QB Keenan Reynolds (für den altgedienten Recken Trey Miller) sieht die Pass-Offense sogar recht akzeptabel aus und ist mit 8 TD und 1 INT sogar effizient. Neben Reynolds sind die Schlüsselspieler natürlich der Slotback mit dem unvergesslichen Namen Gee Gee Greene und noch mehr FB Noah Copeland, der verzweifelt versucht, das texanische Monster Alexander Teich (Karriereende 2011) vergessen zu machen.

Arizona State (7-5) spielte eine durchwachsene Debütsaison unter seinem neuen, unter etwas bizarren Umständen gekommenen Head Coach Todd Graham: Die Spread-Offense unter dem spaßigen QB-Gunslinger Taylor Kelly funktioniert so gut, dass man gegen mittelmäßige Teams um die 40 Punkte auf das Tablett legen kann, aber Kelly hat in Shootouts häufig Probleme, das Tempo mit dem Gegner mitzugehen und baut dann Würfe ein, für die jeder QB in der siebten bayrischen Liga auf die Bank gesetzt würde. Im Laufspiel entlastet eine Horde an in etwa gleichwertigen Running Backs, aus denen der brutal bewegliche RB DJ Foster IMHO herausragt.

Arizona State ist im SRS mit 13.5 Punkten favorisiert, und ich würde den Spread voll unterschreiben. Die Navy hat nicht die Qualität in der Defense, um mehr als 25, 30 Punkte zu verhindern, und umgekehrt dürfte die Navy-Offense nur dann Land sehen, wenn das Passspiel früh im Spiel ein paar große Raumgewinne schafft. Auf der anderen Seite: Arizona States Chef-DT Will Sutton scheint mir ein Typ Suh zu sein, der nicht gerne seine Assignments einhält und gerne aggressiver als notwendig zu Werke geht – tödlich gegen eine Flexbone-Triple Option Offense

Weiterer Grund einzuschalten: Wir haben es wieder mit einem Baseball-Stadion (AT&T Park der SF Giants) zu tun; im Gegensatz zum Yankee-Stadium gibt das AT&T Stadion aber eine schöne Kulisse mit dem Meer der San Francisco-Bay im Hintergrund ab.

Bowl-Großkampftag II, 28.12. Preview

Weiter geht es am heutigen Freitagabend mit drei Bowls, und es steigen vermehrt die großen Conferences ein, so z.B. heute die traditionsreiche Big Ten Conference, die nach einer erkennbar schwachen Regular Season etwas für ihren Ruf tun muss. Ansonsten werden die Helme der Virginia Tech Hokies von Interesse sein, die mit einer Schleife in Gedenken an die Opfer des Amoklaufs in Connecticut antreten werden; die Virginia Tech University ist bekanntlich in Sachen Schießereien auf dem Campus ein gebranntes Kind.

Independence Bowl

Ohio Bobcats – Louisiana-Monroe Warhawks

20h LIVE bei ESPN America

Hauptgrund, hier einzuschalten, sind die Quarterbacks: Die Ohio Bobcats (8-4) aus der MAC bieten den weißen Wusler Tyler Tettleton auf, während die Louisiana-Monroe Warhawks (8-4) aus der kleinen Sunbelt Conference mit Kolton Browning den etwas spritzigeren Scrambler haben.

Zuerst zu den Neulingen: Louisiana-Monroe spielt seine erste Bowl ever. Trotz aberwitzig schlechter finanzieller Voraussetzungen und Facilities. Die Warhawks sind auch eine der Mannschaften, bei denen ich im Sommer völlig in den Gully griff, als ich ihnen wörtlich „nichts“ zutrauen wollte. Bullshit. Man war gut genug, um auswärts gegen Arkansas zu gewinnen, auswärts Auburn in die Overtime zu prügeln und war gegen Baylor nur Verlierer mit fünf Punkten. Klar, diese Truppen hatten alle schlechte Jahre, aber wir sprechen immerhin über Louisiana-Monroe.

Und der aufopferungsvolle Browning war der wichtigste Mann, Passing- und Rushing-Leader; gegen Ohio erwartet man, dass vor allem der Bodenweg gesucht wird, denn Ohio besitzt eine schwache Lauf-Defense (164yds/Spiel).

Die Bobcats selbst werden sich voll dem harten Knochen Tettleton verschreiben, der das Team schon zu einem Auswärtssieg bei Penn State führte. Tettleton hatte so viele Wehwehchen, dass man ihn zuletzt erstaunlich oft werfen ließ, und das könnte gegen die schwache Secondary von ULM zum Vorteil gereichen, denn ULMs Abwehrstärke ist eindeutig die Lauf-Defense.

Auf der anderen Seite zeigte die Formkurve von Ohio mit dem zusätzlichen Einsatz von Tettletons Arm deutlich nach unten, und man marschierte nach 7-0 Start und Aufscheinen in den nationalen Rankings runter auf 8-4 und raus aus dem MAC-Finale. Bonuswaffe wäre RB Beau Blankenship, der mir vor allem in Penn State gut gefiel.

Die Wettbüros sehen ULM mit 6 Punkten vorne, das Simple Rating System gar mit 9.5 Punkten. Man addiere da den „Heimvorteil“ (Bowlspiel wird in Shreveport/LA ausgetragen) und Louisana-Monroe darf da tatsächlich als Favorit gelten, obwohl der Abgewichstheitsfaktor eher Ohio vorne gesehen hätte.

Russell Athletic Bowl

Virginia Tech Hokies – Rutgers Scarlet Knights

Die kleinen Freuden

Outside Zone Play.

23h30 LIVE bei ESPN America

„Russell Athletic Bowl“? Was erstmal völlig neu klingt, ist beim zweiten Hingucken nix anderes als die Nachfolgerin der Champ Sports Bowl der letzten Jahre. Heimatstadion: Die Citrus Bowl in Orlando, bekannt den Fußballfans noch als Spielstätte bei der 94er WM.

Wenn wir in den letzten Tagen Offensivfeuerwerke angekündigt haben: Diese Bowl könnte eher defensivorientiert sein, und „defensivorientiert“ heißt „wenige Punkte“ und das lässt ein spannendes Spiel bis ins Schlussviertel erwarten. Nach SRS ist Rutgers dann auch „nur“ mit 2.5 Punkten favorisiert.

Das mag Fans überraschen, aber in der Tat hatte Virginia Tech (6-6) heuer ein Scheißjahr, schlechter noch als man angenommen hatte: Man brauchte zwei Siege in den letzten beiden Spielen, um überhaupt eine ausgeglichene Bilanz einzufahren. Head Coach Frank Beamer hat meistens drei Credos: Defense, Defense, Defense. Die funktionierte dieses Jahr auch halbwegs ordentlich, vor allem, wenn sie Turnovers forcierte (über 1 INT/Spiel) und der Offense damit kurzes Feld gab.

Kriegt die Offense dieses nicht, ist Ende der Fahnenstange: QB Logan Thomas, der angebliche „Cam Newton 2.0“, floppte schwer und produzierte 23 Turnovers. Der Mann ist trotzdem einer meiner Favoriten, nicht nur weil Namenskollege, sondern auch, weil das double threat Thomas neben hirntoten Momenten auch immer für einen spektakulären Spielzug aus dem Nix gut ist.

„Spektakulär“ im selben Atemzug mit „Rutgers“ (9-3) zu verwenden, wäre dagegen unangebracht: Die Offense läuft auch im Jahr eins nach Greg Schiano (jetzt Tampa Bay Buccs) fast ausschließlich am Boden und muss sich immer wieder auf die Defense verlassen. Dort laufen künftige NFL-Spieler wie der LB Khaseem Greene oder DT Scott Vallone in der Front-Seven auf, und das Backfield ist bekannt dafür, extrem aggressiv gegen den Mann zu gehen und dabei überproportional viele Turnovers zu provozieren.

Logan Thomas gegen diese Secondary? Das riecht nach minimum zwei INTs. Logan Thomas gegen diese Front-Seven? Riecht nach locker zwei Fumbles.

Das ist eine Partie, die durchaus auf einen oder zwei Big Plays hinauslaufen könnte, und ich gebe diesbezüglich eher den Hokies den Vorteil, widerspreche also Excel/SRS.

Meineke Car Care Bowl of Texas

Texas Tech Red Raiders – Minnesota Golden Gophers

03h LIVE bei ESPN America; Tape morgen 11h30.

Hier steigt die Big Ten Conference in die Bowl Season 2012/13 ein, und der erste, der die Ehre der stolzen Mutter aller Conference verteidigen muss, ist der Underdog von der University of Minnesota gegen Texas Tech.

Minnesota gegen Texas Tech? Da war doch mal was? Tief in mich hineingehorcht, und ja, im fernen 2006 zu meiner Anfangszeit im College Football gab es eine Bowl Season mit irren Footballspielen (Sun Bowl, Fiesta Bowl usw.), und eines davon war das damals leider bei uns nicht live übertragene Insight Bowl, Texas Tech – Minnesota:

Heute also die “Neuauflage”, und beide Unis sind spannend. Die Texas Tech Red Raiders (7-5), deren Record schwächer ist als die Leistungen, und auch wenn die Offensivpower von Zeiten eines Mike Leach nicht ganz erreicht wurden, so gibt es dennoch im Schnitt 38 Punkte pro Partie. Hauptgrund ist nach wie vor das Passspiel um QB Seth Doege.

Allerdings war die Vorbereitung auf das Spiel nicht ohne Nebengeräusche: Der Head Coach Tommy Tuberville, im College Football schon eine Hausnummer, wechselte Anfang Dezember völlig überraschend nach Cincinnati, und der Nachfolger lässt die Fanscharen in Lubbock/TX geiler als geil werden: Der 33jährige Kliff Kingsbury, aus der NFL als Brady-Backup in New England bekannt, und zuvor am College der erste von vielen Star-Quarterbacks bei Texas Tech. Kingsbury gilt bei den Red Raiders als Legende, und er sammelte zuletzt als Assistent von Kevin Sumlin in Houston und bei Texas A&M Erfahrung; nicht wenige glauben, dass der Cheftrainer-Job zu früh kommt, aber das soll die Euphorie nicht bremsen. Heute wird Kingsbury allerdings noch nicht coachen, sondern der OL-Coach Chris Thomsen, und diese Ablenkungen könnten die Chance für Minnesota sein…

…die auch so ihre Trainergeschichten liefern: Jerry Kill ist nun zwei Jahre dort und man hört prinzipiell nur Gutes über seine Arbeit, aber Kill hatte schon mehrere epileptische Anfälle an der Seitenlinie (letztes Jahr habe ich das live am TV miterlebt, das mucksmäuschenstille Stadion war gespenstisch) und Kill ist ob der nervlichen Belastung nicht über jeden Zweifel erhaben.

Auf dem Spielfeld ist die 6-6 Bilanz für die notorischen Loser Minnesotas schon ein Erfolg – Euphorie will aber nicht so recht aufkommen. Verletzungsprobleme und Suspendierungen haben dafür gesorgt, dass der QB/WR MarQueis Gray mittlerweile zum reinrassigen Wide Receiver zurückgeschult wurde und die Spielmacheraufgabe an Freshman Philip Nelson übertragen wurde, der so blass spielte, dass die Gophers fast ausschließlich laufen müssen. Und wenn Texas Tech in der Defense so was wie eine Stärke hat, ist es die Position der Defensive Tackles um das NFL-Kaliber Kerry Hyder (ein Junior).

Das sind alles Gründe, weswegen sich der 12pts-Spread pro Texas Tech für mich nicht zu hoch anfühlt, trotz der unruhigen Vorbereitung auch auf deren Seite.

Bowl-Großkampftag I, 27.12. Preview

Die nächsten Tage sind Großkampftage im College Football. Heute geht es los mit einem „Triple-Header“ an Bowls: Military Bowl aus Washington, Belk Bowl aus Dallas und Holiday Bowl aus San Diego. ESPNA ist überall live dabei.

Military Bowl

San José State Spartans – Bowling Green Falcons

21h LIVE bei ESPN America

Die #24 San José State Spartans (10-2) gehören zu den positiven Überraschungen der Saison: Innerhalb von drei Saisons machte Head Coach Mike McIntyre die Jungs von 1-12 zu 10-2, aber wegen des Dominoeffekts auf der Trainerposition ist McIntyre heute gar nicht mehr an der Seitenlinie (wurde von Colorado angeheuert). Auch auf der Gegenseite steht ein Rebuilding-Genie: Dave Clawson, der Bowling Green innerhalb von drei Saisons von 1-12 in die Bowl Season coachte.

Diesmal sind die Spartans auf dem Papier klarer Favorit: Die Offense ist aufregend mit dem QB David Bales, der als sehr sicherer, fehlerarmer Werfer gilt, und vor allem dem kleinen Wusler WR Noel Grigsby, der aus Kurzpässen gerne mal einen 80yds-Touchdown fabriziert.

Bowling Green (8-4) hat keine gute Offense, aber eine sehr gute Defense mit einem potenziellen Draft-Kandidaten: DT Chris Jones, der genügend Druck macht, um die Secondary im Alleingang zu entlasten. SRS favorisiert San José State mit 13 Punkten, aber aufgrund des Interimscoaches Kent Baer bin ich skeptisch, ob die Spartans das wirklich so klar dominieren werden.

Was ich ebenso nicht erwarte: Gut besetzte Ränge im RKF Stadium von Washington. Keine Militärs, dafür ein Westküstenteam… riecht nach maximal 15.000 Zuschauern.

Belk Bowl

Cincinnati Bearcats – Duke Blue Devils

0h30 LIVE bei ESPN America; Tape morgen 13h30.

Viel Trara wird gemacht um die Qualifikation von Duke (6-6) für die Bowl Season. Man muss sich vor Augen führen, dass Duke eine „Basketball-Universität“ ist, d.h. der Football genießt bei allem großen Namen der Blue Devils nur einen untergeordneten Stellenwert. So war 1994/95 s’letzte Mal, dass Duke sich für eine Bowl qualifizieren konnte. Rühmlich war das ganze nicht (man ist 6-6 und 0-5 gegen Teams, die ebenso „bowl-eligible“ sind), aber immerhin war man nicht mehr das Schlachtopfer auf der Bank. Head Coach David Cutcliffe, der schon Eli Manning groß gemacht hatte, lässt recht lässig werfen, und so gilt die Combo QB Sean Renfree/WR Conner Vernon dann auch als durchaus profikompatibel.

Auf der anderen Seite kommt Cincinnati (9-3) ohne Head Coach daher, nachdem Butch Jones gen Tennessee abgewandert ist und Tommy Tuberville erst im Januar zum Team stoßen wird. Cincy ist mir als explosive Offense in Erinnerung, aber es scheint Knatsch gegeben zu haben, denn der Quarterback mit dem göttlichen Namen, Munchie Legaux, wurde zur Saisonmitte durch Brendan Key ersetzt. Von der Offense weiß man nie, was man erwarten kann: Mal gibt es eine 30/70 Pass/Lauf-Ratio, mal eine 60/40-Ratio. Gegen Duke und sein Sieb in der Defensive Line könnte eine heftige Prise von RB Winn reichen, um drüberzufahren.

Cincinnati ist im SRS mit 10 Punkten favorisiert. Vor drei oder vier Jahren waren die Bearcats in der Sugar Bowl mit Interimscoach angetreten (weil Brian Kelly damals zu Notre Dame gegangen war) und hatten sich abschlachten lassen. Diesmal wieder ohne den richtigen Head Coach. Ich bin gespannt, kann mir einen Sieger Duke mit seiner Defense aber beim besten Willen nicht vorstellen.

Holiday Bowl

Baylor Bears – UCLA Bruins

4h LIVE bei ESPN America; Tape morgen 16h.

Den Freunden gepflegter Defensivarbeit kann ich schon jetzt vom Einschalten abraten, denn wenn Baylor und #17 UCLA im Bärenduell in San Diego aufeinander treffen, wird es vor allem über viele Yards und Punkte gehen.

Die Baylor Bears (7-5) hatten im Jahr eins nach Robert Griffin III zwar diverse kleinere Problemchen, vor allem in der Defense, aber nach einner Niederlagenserie im Oktober (u.a. knapp 63-70 (!) gegen WVU und 50-56 gegen Texas verloren) berappelte man sich und schloss im November mit Siegen über große oder beachtliche Truppen wie K-State, Texas Tech oder Oklahoma State ab. Zu Baylor soviel: Man scort 44.1 Punkte pro Spiel. Man kassiert 38.2 Punkte pro Spiel. ’Nuff said.

Zum neuen Superstar im Angriff ist der RB Lache Seastrunk mutiert, der aus Oregon gekommen war und in den letzten Wochen zur Hochform aufgelaufen ist; aber es gibt auch einen guten QB in Nick Florence und einen WR Terrance Williams, der im NFL-Draft schon als Erstrundenpick gehandelt wird.

Die UCLA Bruins (9-4) auf der anderen Seite gehen bei mir mit ihrer Bilanz durchaus als Sensationsteam durch und dürften die insgesamt komplettere Mannschaft besitzen. Jim Mora jr., dieser Name als Head Coach ist bei mir ja längst verbrannt, aber Mora scheint in Los Angeles gute Arbeit geleistet zu haben, denn von allein gewinnst du eine Division mit Arizona State und USC dann auch nicht.

Star ist RB Jonathan Franklin, der den Angriff quasi im Alleingang trägt und sowohl eine große Anzahl an Carries bekommt, als auch viele Bälle fängt und im Pac-12 Title Game in Stanford fantastische Zahlen ablieferte: 216 Yards in 22 Carries.

Baylor ist im SRS mit 0.5 Punkten favorisiert, und das zeigt uns schon: Hier könnte es knapp zugehen. Lassen wir einfach die Turnovers entscheiden (beide Mannschaften mit über 2 Turnovers/Spiel durch die Defense) und hoffen auf ein Spiel mit viel Hin und Her (und wenigstens etwas Defense…).


Nachtrag: Preview mit dem einen oder anderen Schwerpunkt mehr gibt es bei Allesaussersport.

Little Caesar’s Pizza Bowl 2012 Preview

Pizza Bowl aus dem Ford Field zwischen zwei durchwegs unterdurchschnittlichen Mannschaften: Jede Wette, dass am zweiten Weihnachtsfeiertag eher maue Quoten eingefahren werden, wenn sich die Western Kentucky Hilltoppers (7-5) aus der Sunbelt Conference und die Central Michigan Chippewas (6-6) aus der MAC im nasskalten Detroit gegenüberstehen.

Western Kentucky ist eigentlich eine feel good-Story: Erst seit 2008 spielt man in der FBS mit, und unter dem Head Coach Willie Taggert, einem Lokalhero und ehemaligen Studenten an dieser Uni, ging es schrittweise bergauf: Nach drei Lehrjahren war man schon letztes Jahr „bowl-eligible“, war aber nicht berücksichtigt worden. Dieses Jahr schon, und dann wechselte ausgerechnet Taggert vor Start der Bowl Season zu South Florida, und wird die Früchte seiner Arbeit nicht ernten können. Nächstes Jahr kommt dann eine der verhasstesten Gestalten auf Head Coach: Der windige Bobby Petrino (ex-Louisville, ex-Atlanta, ex-Arkansas), der noch überall verbrannte Erde hinterließ und ein halbes Jahr nach der Kellnerinnen-Geschichte wieder eine Anstellung auf Zeit gefunden hat.

Central Michigan, vor drei Jahren noch eine heiße Geschichte unter Butch Jones (jetzt Tennessee Volunteers) und dann zwei Jahre im Nichts, ist nach allen fortgeschrittenen Rankings eine der schwächsten FBS-Mannschaften (irgendwo zwischen #100 und #120 verortet) und primär wegen knapper Siege über inferiore Konkurrenz überhaupt qualifiziert, während Western Kentucky seit Oktober einen einzigen Sieg eingefahren hat. Bleibt einzig für NFL-Fans was zum Schauen: Der „Eric Fisher-Watch“. Fisher ist Offensive Tackle bei Central Michigan und gilt als Geheimtipp für einen ganz hohen Draftpick 2013.

Western Kentucky ist im SRS schon als unterdurchschnittliche Mannschaft klassifiziert, gegen CMU aber immer noch mit 9 Punkten favorisiert.

Spiel gibt es ab 1h30 LIVE bei ESPN America; ein Tape folgt dann morgen, 27.12. ab 18h.

Frohe Weihnachten aus Hawai‘i

Die Sonne geht unter in Hawai'i - Bild: korsakoff.

Die Sonne geht unter in Hawai’i – Bild: korsakoff.

Für die Hartgesottenen gibt es jedes Jahr in der Christnacht ein Footballspiel, nämlich dann, wenn in Honululu im Aloha Stadium der/die/das Sheraton Hawaii Bowl ausgespielt wird (02h LIVE bei ESPN America, Tape morgen 18h). Statt der normalerweise gesetzten Hawai‘i Warriors (diesmal nicht qualifiziert) treten heute die Fresno State Bulldogs (9-3) aus der MWC gegen die Southern Methodist University Mustangs (6-6 aus der C-USA) an.

Wenn schon die Hausherren nicht dabei sind, so hat doch einer ein Heimspiel: SMU-Coach June Jones, einst der Mann, der aus bloß ein paar Steinhütten in Honululu einen BCS-Buster (Hawaii spielte 2007/08 in der Sugar Bowl) gebaut hatte und noch heute, fünf Jahre nach seinem freiwilligen Abgang, im Aloha Stadium ein gefeierter Mann sein dürfte. Jones war damals, frustriert von den limitierten Budgets der Warriors, nach Dallas/TX gegangen, an die private Southern Methodist University (SMU), wo er ähnliche Umkremeplungsarbeit leistete.

SMU ist kein gewöhnliches Footballprogramm: SMU war in den 80ern, zur Boomzeit von Dallas, eine Macht in der damaligen Southwest Conference und gehörte mit (gekauften) Superstars wir RB Eric Dickerson alljährlich zu den National-Title Anwärtern… bis nach wiederholten schweren Recruitingverstößen und mehreren ausdrücklichen Warnungen seitens der NCAA die berüchtigte death penalty, der Ausschluss vom Spielbetrieb, ausgesprochen wurde (siehe auch ESPN-Doku Pony Excess). SMU war damit nicht nur der erste Dominostein zum Fall der Southwest Conference, sondern erholte sich selbst als Programm über 20 Jahre nicht von dem Ausschluss. Bis June Jones Anfang 2008 aus – eben – Hawaii kam, den Schalter umlegte und SMU nun zum vierten Mal in der Bowl Season hat. Favorit ist heute allerdings Fresno State mit seinem starken Passspiel um Quarterback Derek „ich bin Davids kleiner Bruder“ Carr: 13 Punkte laut Excel.

Und damit allen ein frohes Weihnachtsfest. Lasst euch reichlich beschenken und trinkts nicht zu viel Tee. Man liest sich dann morgen.