Notre Dame Fighting Irish 2012/13 Preview

Nach über 15 Jahren werden die Notre Dame Fighting Irish am 1. September 2012 wieder in Europa spielen: In Dublin im neuen Aviva Stadium, wo das alljährliche Spiel gegen die Navy ausgetragen wird. Um die Floskel zu bedienen: Die Fighting Irish sind in US-Sportkreisen eine Kultmannschaft. Die University of Notre Dame ist nicht irgendeine: Sie gehört zu den größten, renommiertesten Privatuniversitäten in den Vereinigten Staaten, sie gründet, wie der Name („Notre Dame“ = „unsere Frau“) vermuten lässt, auf katholischen Wurzeln und ist dank etlicher Charakterköpfe und vieler Titel und Heisman Trophys ein Mythos, ein absoluter Fixstern im College Football.

Die Aura, die die Notre Dame Fighting Irish mit ihren goldenen Helmen umgibt, sorgt auch für eine ganz spezielle Erwartungshaltung der riesigen, und quer über alle Bundesstaaten verstreuten, Anhängerschaft. Von Notre Dame wird erwartet, jedes Jahr oben mitzuspielen. Die Mannschaft antwortet seit Jahrzehnten darauf mit… Enttäuschungen. Notre Dame genießt einen BCS-Ausnahmestatus, konnte den aber nur dreimal nutzen. Über die ganz speziellen Rahmenbedingungen, unter denen Notre Dames Footballprogramm nur alle paar Jahrzehnte aufblüht, aber dann mit Hochblüte, hat der Journalist Michael Weinreb einen lesenswerten Artikel geschrieben.

Diese Erwartungshaltung, dass 10-2 Saisons nicht genügen, führte bis heute nicht dazu, dass die Notre Dame Fighting Irish sich ihrem schweren Schedule als Independent entziehen und in eine Conference eingliedern. Man hat einen millionenschweren TV-Vertrag mit NBC, man spielt alljährliche Rivalitäten mit bekannten Programmen wie USC, Michigan, Michigan State, Boston College, Purdue, Stanford oder der Navy. Kurzum: Die sportliche Leitung muss um die Schwierigkeit eines derart attraktiven, aber gutklassigen Schedules herumdoktern, will sie um den National Title mitspielen.

So auch der aktuelle Head Coach Brian Kelly, dessen Stuhl nach zwei 8-5 Saisons schon vorgewärmt ist. Kelly kam, wie so viele Coaches vor ihm, mit viel Boohay und einer Reputation als genialer Offensivkopf nach South Bend/IN, hat bisher aber seine atemberaubend schnelle Offense trotz zuletzt etwas mehr Esprit noch nicht implementieren können.

Hauptgrund ist das immer noch ungelöste Quarterback-Problem, an dem Kelly selbst auch nicht ganz unschuldig zu sein scheint. Das gegenseitige Ausspielen von Dayne Crist und Tommy Kelly Rees ging letztes Jahr katastrophal in die Hosen und blieb auch darüber hinaus nicht konsequenzlos. Crist wechselte entnervt die Universität (zu Kansas, wo Kellys Vorgänger Charlie Weis neuer Headcoach wurde), Kelly benahm sich in seiner Freizeit daneben, attackierte in der Offseason einen Polizisten tätlich und dürfte ebenso erstmal außen vor sein (ich habe die Information, dass Kelly für das erste Spiel gesperrt sein wird).

Es bleiben jedoch Optionen: QB Everett Golston, QB Andrew Hendrix, oder doch Kelly? Oder gibt es die ganz große Sensation und der Wendehals-Freshman QB Gunner Kiel? Die korrekte Beantwortung dieser Fragen wird wieder von entscheidender Bedeutung sein, denn obwohl Notre Dame zuletzt deutlich runder am Boden war, so will Kelly doch eine Pass-Offense installieren. Und dafür gibt es auch nach WR Malcolm Floyds Abgang in die NFL noch wichtige Bausteine, wie zum Beispiel TE Tyler Eifert, einer der allerbesten seines Fachs.

Das zweite große Problem des Angriffs waren letztes Jahr katastrophale Turnovers. Bei den Niederlagen gegen Michigan, gegen USC, gegen die Florida State University in der Bowl Season waren jeweils Orgien an Ballverlusten hauptverantwortlich für die Pleiten. Ditto gegen USF zum Saisonauftakt, als sich INTs und Fumbles mit Zeitmanagement zum Fremdschämen verbündeten zu einer blamablen Heimniederlage. Das ist alles schlecht, aber das gute daran: Turnovers lassen sich relativ leicht abstellen, und man muss dank „Regression zur Mitte“ nicht mal allzu viele Kräfte dafür aufwenden. Und weiter: Diese vier Niederlage waren allesamt sauknapp. Notre Dame war gar nicht weit von einem, sagen wir, 11-2 oder 12-1 entfernt.

Dafür hätte die Defense Bürge geleistet, die absolute Stärke (und das in einem Kelly-Team!). Knackige 3-4 Defense, unter DefCoord Bob Diaco von Jahr zu Jahr stärker geworden, nicht überaggressiv, nicht allzu viel blitzen müssend, und daher auch kaum Big Plays aufgebend. Aber eine Unit, die die Gegner einzubremsen vermag. Herz, Leib, Seele, Kopf und Lunge ist dabei der spektakuläre ILB Manti Te’o, der Mann mit der #5, der noch ein Jahr an der Universität dranhängt, bevor er 2013 in den NFL-Draft wechseln wird (und relativ sicher 1st round pick wird). Ein schmerzhafter Abgang dürfte der von Top-Recruit 2012, S Aaron Lynch, sein. Lynch kommt aus dem sonnigen Florida und kam nach intensiven Recruiting-Kämpfen mit Florida State; nun hat der Mann schon nach einer Saison Heimweh und kehrt zurück (geht zu USF).

Knackpunkt für die Defense: Sie schlug in den letzten beiden Jahren auffällig wenige Fumbles frei (jeweils ganze acht pro Saison, und das sind nur die forced fumbles). 8-5, dabei vier Niederlagen durchaus nur einen oder zwei Plays vom Sieg entfernt, viele Turnovers der eigenen Offense, kaum erzwungene Turnovers der eigenen Defense – klingelt’s? Das sind alles Gründe, weswegen ich Notre Dame an #24 im USA-Today-Poll für unterschätzt halte.

Gegen eine Mitsprache Notre Dames im BCS-Meisterschaftsrennen von 2012/13 spricht dagegen vor allem ein Fakt: Der Schedule. Zusätzlich zu den oben genannten traditionellen Rivalitäten kommt steht mit den #4 Oklahoma Sooners noch eine weitere ganz, ganz große Mannschaft im Spielplan. Massiv. Da mit 10-2 durchzukommen wäre schon aller Ehren wert.

12 Kommentare zu “Notre Dame Fighting Irish 2012/13 Preview

  1. Und noch einer ist mir aufgefallen: Malcolm Floyd spielt in San Diego und war nie bei ND, den richtige ist Michael Floyd. #besserwisser

  2. Kurze frage, gehört nicht hier drunter, aber denke hier lesen es jetzt eben mehr.
    Sind bei dem Hall of Fame game die normalen Spieler dabei, bzw. wird full contact gespielt? So weit ich weiß, landen die Saints morgen eigentlich schon in Boston für gemeinsames Training mit den Patriots!?

    Lohnt es sich das Spiel zu gucken?

  3. Ist ein normales Preseason-Spiel. Ob sich das „lohnt“, ist im Ermessen von jedem Einzelnen. (BTW der Kommentar kam eine Minute zu früh für den automatisch geschalteten Online-Gang meines Kurzeintrags zu diesem Spiel)

  4. Pingback: Blick in die Kristallkugel: Die Independents vor der Saison im College Football 2012/13 | Sideline Reporter

  5. Pingback: College Football 2012, Week 1, Tag 3: Das Eierwerfen geht richtig los | Sideline Reporter

  6. Pingback: BCS National Championship 2013 Preview: #1 Notre Dame Fighting Irish – #2 Alabama Crimson Tide | Sideline Reporter

  7. Pingback: Bowl Season 2012/13 – Nachklapp | Sideline Reporter

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.