Cincinnati Bengals in der Frischzellenkur 2012

  • #17 (1) CB Dre Kirkpatrick (Alabama)
  • #27 (1) G Kevin Zeitler (Wisconsin)
  • #53 (2) DT Devon Still (Penn State)
  • #83 (3) WR Mohamed Sanu (Rutgers)
  • #93 (3) DT Brandon Thompson (Clemson)
  • #116 (4) TE Orson Charles (Georgia)
  • #156 (5) CB Shaun Prater (Iowa)
  • #166 (5) WR Marvin Jones (California)
  • #167 (5) S George Iloka (Boise State)
  • #191 (6) RB Dan Herron (Ohio State)

Die Tiger aus Ohio waren dieses Jahr als Räuberbande unterwegs, wenn man den Auguren Glauben schenken darf. Steal um Steal wurde eingetütet und mit den beiden 1st-rd picks (den zusätzlichen gabs durch den Carson-Palmer-Trade) hat man vielleicht sogar die beiden besten Spieler auf ihren jeweiligen Positionen geangelt.

Der erste, Alabamas Dre Kirkpatrick, galt lange Zeit als sicherer Top-10 pick und auf Augenhöhe mit dem schließlich an Position sechs genommenen Stephon Gilmore. Schließlich wurde er aber durchgereicht wie weiland Prince Amukamara. Den Bengals fiel somit der dringend benötigte Ersatz für Jonathan Joseph, nach der Spielzeit 2010 für einen großen Scheck gen Houston abgewandert, in den Schoß. Kirkpatrick war ein Cornerstone Crimson Tide-D, eine der besten, die jemals ein Footballfeld betreten haben. Man darf allerdings nicht vergessen, daß Cornerbacks mit die längste Zeit benötigen, um sich an die NFL zu gewöhnen und mithalten zu können. Selten hat schon ein Rookie eine großartige Saison gespielt. Glücklicherweise haben die Bengals mit Nate Clements einen erfahrenen und soliden CB in ihren Reihen, der den Jungspund unter seine Fittiche nehmen kann. Auch Pacman Jones ist noch im Kader, von dem sollte sich Kirkpatrick allerdings nicht all zuviel abschauen; mit diesen Dreien plus No.1 Corner Leon Hall sieht die Secondary zumindest auf dem Papier sehr anständig aus.

Für die mit den junge Superstars DE Carlos Dunlap und DT Geno Atkins bestückte Defensive Line gab es gleich in Runden zwo und drei neue junge Big Bodies, auf deren Stirn groß Steal steht. Devon Steal Still und Brandon Thompson sollen die abgewanderten Jonathan Fanene (Patriots) und Frostee Rocker (Browns) ersetzen. Die Bengals mit ihrem weit über Ohio hinaus geschätzten Defensive Coordinator Mike Zimmer setzen seit Jahren auf eine 7-Mann-Rotation in der Linie, da kann man nie genügend frisches Blut haben.

In Runde 5 gabs für die Verteidigung noch weitere Verstärkung. CB Shaun Prater wird Mühe haben, einen Roster Spot zu ergattern. Aber S George Iloka wird allenthalben als großes Talent vielleicht sogar mit Pro-Bowl-Potential gesehen. Andere sagen, er kann nicht gut genug decken, was bei Safeties heutzutage immer blöd ist, da ständig „neue“ Tight Ends und Slot Receiver des Weges kommen. Immerhin ist er sehr groß und kräftig für einen Safety (1,93m, 102kg) und damit auf jeden Fall brauchbar in der Nähe der D-Line.

Für die Offense wurde zum Ende der ersten Runde Guard Kevin Zeitler verpflichtet, der wohl vor allem dem Laufspiel auf die Sprünge helfen soll. Dafür hat man in der Free Agency schon RB BenJarvus Green-Ellis und OG Travelle Wharton für teuer Geld verpflichtet. Hinten raus, in Runde sechs, kamen auch noch Boom Herrons junge Beine. Der ehemalige Star der Buckeyes sah seine College-Karriere durch einige Regelverstöße und Suspendierungen den Bach runtergehen; könnte nun also auch richtig einschlagen. Zeitler, um auf ihn zurück zu kommen, gilt als Steal und vielleicht gar bester O-Liner der diesjährigen Draftklasse, weil er OFFENSIVE LINEMAN WISCONSIN!

Schließlich ist man auch für den jungen Franchise-QB Andy Dalton noch mal in die Spielzeugabteilung marschiert und hat in den Runden 3, 4 und 5 zwei WRs und einen TE eingesackt. 3rd-rounder Mohamed Sanu ist groß und stark und kann sowohl an der Seitenlinie als auch im Slot spielen. 5th-rounder Marvin Jones soll die besten Hände aller diesjährigen WRs haben. Natürlich gelten beide als Steal. TE Orson Charles soll auch so ein „neuer“ TE sein; sicherer Ballfänger, der auch weite Wege gehen kann.

Überblick

Wenn die vielen angeblichen Steals auch tatsächliche Steals sind, gewinnen die Bengals in zwei Jahren den Super Bowl. So wird es wahrscheinlich nicht kommen. Aber es ist tatsächlich ganz großer Sport, was da in Cincinnati für ein starker, junger Kader zusammengebastelt wird. Fünf Picks in den Top 100; potentiellen Star-CB bekommen; Blue Chipper für die O-Line bekommen; neues Beef für die D-Line Rotation bekommen; neue Waffen für Dalton bekommen. Ohne kopfüber aus dem Fenstersims zu hängen, kann man schon behaupten, daß die Bengals mittlerweile vom Talent her auf einer Stufe mit ihren großen Rivalen aus Pittsburgh und Baltimore sind.

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NFC North in der Frischzellenkur

Anbahnung von Generationswechsel und Stopfen der eklatantesten Löcher (“need”) sind die zwei dominierenden Themen in der NFC North.

Chicago Bears

Rd #   Pos Name
1  19  DE  Shea McClellin
2  45  WR  Alshon Jeffery
3  79  S   Brandon Hardin
4  111 TE  Evan Rodriguez
6  184 CB  Isiah Frey
7  220 CB  Greg McCoy

Durchaus konventionell, was Chicago da veranstaltete. Die Defense war 2011/12 zwar vor allem in der Front Seven großartig, kommt aber als Gesamtes langsam in die Jahre. Boise States Shea McClellin war einer der meistgehypten Spieler in den letzten Tagen vor dem Draft und ging dann auch recht schnell an #19 vom Tablett. Leicht merkwürdig ist die Tatsache, dass der als prototypisch für „3-4“ geltende McClellin in eine Mannschaft rückt, die immer noch eine seichte Version der „Tampa-2“ Defense mit Viererreihe ganz vorne praktiziert.

Der verletzungsanfällige S Brandon Hardin kommt in einer Region (#79), in der eine Franchise durchaus einen Starter in 1-2 Jahren erwartet. Bis es soweit ist, sind die verbleibenden Safetys der Bears eh alle in Rente. Zwei Cornerbacks aus den späten Runden dürften sich um einen Platz im Kader balgen und möglicherweise bei der ebenso in die Jahre kommenden CB-Position dabei sogar beide gute Chancen haben.

Der WR Alshon Jeffery war vor eineinhalb Jahren heißer als Frittenfett und überhaupt der Wide Receiver schlechthin am College, der alles und jeden aus der Luft graptschte, was ihm QB Garcia in South Carolina servierte. Jeffery gilt als physisch und zweikampfstark, aber launisch – sollten sich die Bears die gute Variante von Jeffery angelacht haben, wird er die dringend gebrauchte Verstärkung werden und gemeinsam mit Marshall ein grundsolides Duo an Anspielstationen bilden. Andernfalls: Pech gehabt, aber wenigstens keinen unmenschlichen Preis für bezahlt.

TE Rodriguez… nach dem Abgang von OffCoord Martz dürften Tight Ends in näherer Zukunft in Chicago wieder mit anderen Augen gesehen werden.

Detroit Lions

Rd #   Pos Name
1  23  OT  Riley Reiff
2  54  WR  Ryan Broyles
3  85  CB  Dwight Bentley
4  125 LB  Ronnell Lewis
5  138 LB  Tahir Whitehead
5  148 CB  Chris Greenwood
6  196 CB  Jonte Green
7  223 OLB Travis Lewis

Durchaus nicht mit Sicherheit hatte man einen Offensive Tackles als ersten Lions-Pick erwarten können. Riley Reiff kommt aus der physischen Big Ten Conference (Iowa) und könnte beim Gespann Backus/Cherilus schneller an vorderter Front auflaufen als erwartet (zumindest Schwartz ließ die Vermutungen in diese Richtung gehen). Reiff ist aber insbesondere eine Absicherung für die Zukunft, nachdem Backus in die Jahre kommt und Cherilus auslaufenden Vertrag hat. Goody: Der Mann war in seiner Jugend Raiders-Fan. Passen die neuen Bad Boys, die Lions, wie die Faust aufs Auge.

Pick #2 mit WR Ryan Broyles ist ein Risiko-Pick, nachdem der Mann nach einer schweren Knieverletzung noch ein paar Monate in der Reha sein dürfte und möglicherweise erst in der zweiten Saisonhälfte die ersten Eier zu sehen bekommt (andere Quellen sprechen von Einstieg ins Training Ende Juli). Technisch auf alle Fälle ein interessanter Move der Lions: Die WR-Corps mit einem quicken , nicht allzu großgewachsenen Mann vertieft, nachdem Calvin Johnson nicht jedes Spiel 15x angespielt werden kann und WR Titus Young wieder in schlimmste Boise-Zeiten zurückgefallen zu sein scheint (Schlägereien im Training/tagelang von der Bildfläche verschwunden). Übrigens hatten die Lions Mitte Mai auch einen deutschen Wide Receiver, Christian Bollmann von Braunschweig, zum Training eingeladen. Aufgrund zu wenig Speed (dt. „Geschwindigkeit“) wurde aus einem möglichen Vertrag leider nix.

Dahinter folgt nur noch Defensive, bevorzugt aus Oklahoma: Die beiden Lewisse, Ronnell und Travis, galten jeder für sich als ungewöhnlich flott bei Fuß und vor allem bei Travis Lewis sind mit exzellente Spiele in Erinnerung, nachdem in der sehr speziellen Sooner-Defense das Linebackerdasein ja nicht das einfachste unter der Sonne ist. Der pfeilschnelle Travis Lewis kommt allerdings wie Teamkollege Broyles von einer Verletzung zurück (verpasste meiner Erinnerung nach einen Großteil der Saison 2011/12) und könnte Probleme haben, es in den Kader zu schaffen.

Und dann ist da noch der ungedraftete QB Kellen Moore (Boise State), der in den Minuten nach Draft-Ende zum Team stieß, dem die Heerscharen an Pundits aber kaum Chancen auf einen Kader-Platz geben.

Green Bay Packers

Rd #   Pos Name
1  28  OLB Nick Perry
2  51  DT  Jerel Worthy
2  62  CB  Casey Hayward
4  132 DT  Mike Daniels
4  133 S   Jerron McMillian
5  163 LB  Terrell Manning
7  241 OT  Andrew Datko
7  243 QB  B.J. Coleman

Die ersten sechs Draftpicks 2012 betreffen die Defense – irgendjemand überrascht? Erstaunter darf man da schon ob der Tatsache der aggressiven Haltung GM Ted Thompsons sein, der ungewöhnlich oft nach oben tradete. Thompson = Belichick; eigentlich nix Neues, nur dass das Gefälle früher halt bei beiden ein anderes war.

Ein Outside Linebacker als Matthews-Gegenstück war durchaus nicht nur erwartet, sondern vor allem massiv gefordert worden. Mit Nick Perry gibt es nun ein Trojans-Duo im hohen US-Norden. Allerdings soll Perry von der Anlage nicht unbedingt so ganz 100% in Dom Capers’ Defense passen. Vielleicht wird Matthews‘ Rolle daher in Zukunft neu interpretiert, um Perrys Stärken (Pass Rush, Pass Rush, Pass Rush) zur Geltung zu bringen.

DT Jerel Worthy dürfte als Drohung in Richtung des lustlosen Raji verstanden werden. Eher in der Zone der Ergänzungsspieler wurde der zweite Defensive Tackle, der relativ schmächtig gebaute Mike Daniels (1,83m/132kg), einberufen. Als Zweitrundenpick und mit der windelweichen Secondary im Hinterkopf, dürfte CB Hayward aus der zweiten Runde eher früher denn später seine Spielzeiten sehen. Haywards Reputation gründet vor allem auf relativ sicheren Fangarmen – die Packers halten nun seit Jahren den Trend, viele Interceptions abzufangen. Das war 2011/12 aber auch das einzig Sehenswerte an dieser Defense.

S McMillian, Florida States OT Datko und LB Manning dürften erstmal eher Ergänzungsspieler sein oder Probleme haben, den Kader-Cut zu schaffen. Nicht uninteressant ist das QB-Talent B.J. Coleman, dem man durchaus NFL-taugliche Fähigkeiten nachsagt. Zuletzt schaffte es Green Bay, neben einem Bust (Brohm/2008) auch zwei heutige Multimillionäre auf Quarterback nachzuzüchten: Rodgers und Flynn. Coleman dürfte sich aber erstmal hinter Rodgers (eh klar) und dem famosen ehemaligen Texas-Tech-QB Graham Harrell (ex-Passrekordler im College Football im Kurzpassfeuer von Mike Leach) einordnen und warten und lernen. Green Bay baut sowieso allein auf und um Rodgers und ist sich voll bewusst, dass die Saison bei dessen Verletzung den Bach runtergehen wird.

Minnesota Vikings

Rd #   Pos Name
1  4   OT  Matt Kalil
1  29  S   Harrison Smith
3  66  CB  Josh Robinson
4  118 WR  Jarius Wright
4  128 FB  Rhett Ellison
4  134 WR  Greg Childs
5  139 S   Robert Blanton
6  175 K   Blair Walsh
7  210 LB  Audie Cole
7  219 DE  Trevor Guyton

Unisono großartig fand man in den US-Medien das Draft-Wochenende der Vikes: Mit LT Matt Kalil den gewollten Spieler bekommen, zusätzlich mit einem Fake (?) haufenweise Draft-Picks eingesammelt, mit denen später ausreichend Holz vorhanden war, um mit S Harrison Smith das große Loch in der Defense zu stopfen. Was will man mehr?

Nun, ein Draft besteht nicht bloß aus zwei Spielern, und neben Kalil und Smith wurden die quantitativ schwach besetzten Positionen im Kader gleich in Serie angegangen. Ein Cornerback, zwei Wide Receivers und ein Fullback (Kleinsasser ist in Rente!) in der Zone „Ergänzungsspieler in Jahr 1“ (Runden 3-4), Defensive Back, Linebacker, Defensive End gegen Draftende. Dazu ein Kicker nach Longwells Abschied.

Die Vikings standen vergangene Saison IMHO schlechter da, als man angesichts „3-13“ glauben möchte. Sicher ist: Das Pass-Spiel in der Offense ist deutlich verbesserungswürdig und sofern man dem jungen QB Christian Ponder noch etwas zutraut, ist es nie die schlechteste Idee, die Offensive Line zu verbessern und Wide Receivers jeder Art einzuberufen.

WR Childs ist mit 1,91m potenziell ein Mann für die Außen. WR Wright von Arkansas? 1,78m. Könnte eine Superzwergencombo mit Harvin anstehen… Für Ponders NFL-Zukunft dürfte bereits 2012/13 von erhöhter Wichtigkeit sein und sofern RB Peterson rechtzeitig fit wird, sind die Optionen in der Offense nun zumindest in der Breite zahlreicher vorhanden als vorher.

Leave No Doubt

Es war an mir vorbeigegangen, aber Seminole machte mich gestern in ihrem Kommentar darauf aufmerksam: Bill Stewart ist am vergangenen Montag, 21.5.2012 an einem Herzinfarkt gestorben. Bill Stewart war für relativ kurze Zeit Head Coach an der West Virginia University gewesen, präziser: Von Dezember 2007 bis Juni 2011. Bill Stewart, ein Lokalpatriot, der die goldblauen Farben der West Virginia Mountaineers schwitzte und blutete, war unter aufregenden Umständen und eher zufällig zu seinem Traumjob als Chefcoach dieser Uni gekommen (als sich der damalige Coach Rich Rodriguez gen Michigan verzupfte).

Bill Stewart war vor einem Jahr unter schlichtweg bizarren Umständen aus dem Amt entfernt worden. Er hatte einen Offensive Coordinator und Head Coach in spe, Dana Holgorsen, in den Trainerstab gesetzt bekommen und daraufhin befreundete Journalisten damit beauftragt, eine Schmutzkampagne gegen Holgorsen anzuzetteln, was u.a. dazu führte, dass im Frühjahr 2011 immer mehr Gerüchte aufkamen, die Holgorsen in die Nähe des Alkoholismus rückten.

Ungeachtet dessen wird die eine Kabinenansprache für immer übrig bleiben, wenn der Name von Bill Stewart aufkommen wird. Es ist die beste, die ich kenne (Transkript unter dem Video). West Virginia marschierte auf das Feld und zertrümmerte Oklahoma nach allen Regeln der Kunst.

Bill Stewart – Leave No Doubt Speech

We got a great opportunity, we got a dandy out there waiting for us.

Offense: Play fast. Swarm and free, man. Defense: Swarm. Swarm and tackle. Punch that ball any chance you get and keep bustin’ em. Special teams: Lay it on the line and attack your responsibility. Attack.

We can out-block them. We can out-tackle them. We can out-hit ‘em and hustle. It’s real simple: You out block them. You out-tackle them. You out-hit ‘em. You out-hustle ‘em. And you stay within the legal limits of the game. It’s Mountaineer Pride! Nothing cheap! From the heart! Strain them!

Damn, I’m proud to be a Mou… I picked you a good one didn’t I? Huh? We gotta do it.

We are going to out strain and out hit these guys. Let ‘em know. Leave no doubt tonight! Leave no doubt Tonight! No! doubt!

They shouldn’t have played the old Gold’n’Blue. Not this night! Not! This! Night! Don’t leave your wingman. Never, ever, ever bail out on your brother. You help. You strain, and you just fight.

Start fast! Stay on top of ‘em! It’s a game lads. Let’s go have fun and go get us a big victory!

Go Eers!

(2.1.2008/Fiesta Bowl: West Virginia vs. Oklahoma)

Pfingst-Trilogie: Die Bühne gehört erneut der Klasse von 2010, Part 3

Die erste Runde ist meistens – wie man erwarten würde – die Runde, in der das meiste Star-Potenzial schlummert (siehe hier und hier). Aber auch später gibt es den einen oder anderen Volltreffer. Ein Blick auf die späteren Runden des Drafts 2010 nach zwei Spielzeiten.

Die zweite Runde

Es ist eine Runde, die mit bekannten und interessanten Namen gespickt ist, aber nur zwei von ihnen schaffte Stand heute wirklich den Durchbruch: Der eine ist TE Rob Gronkowski (#42/NE), der sich anschickt, in New England sämtliche bestehenden Rekorde für Tight Ends zu pulverisieren, und noch viel bedeutender: Gronkowski hat fürs erste dafür gesorgt, dass Verteidigungen ihre Spielweise umstellen mussten – seinentwegen. Solche Spieler gibt es ganz selten.

Der andere ist DE Carlos Dunlap (#54), ein bloß situativ eingesetzter Pass Rusher, dessen Effizienz aber Mäuler mit ungläubigem Speichel füllen soll. Ein dritter potenzieller Star ist Philadelphias Safety Nate Allen (#37), dessen Verletzung die abgelaufene Saison verkürzte, der jedoch als Rookie hinreichend Potenzial angedeutet zu haben scheint. Ähnlich geht es LB Brandon Spikes (#62/NE), dessen gute Leistungen sich mit allzu vielen Verletzungen abwechseln.

Nach durchwachsenen Rookie-Saisons sollen Spieler wie RB Toby Gerhart (#51/MIN), DT Terrance Cody (#57/BAL) oder RB Ben Tate (#58/HOU) deutliche Aufwärtstrends gezeigt haben. Zu den überzeugenden Spielern gehören weiters der als sehr komplett geltende Cowboy LB Sean Lee (#55), Miamis DE Koa Misi (#40), DT Lamarr Houston (#44/OAK), der als Allzweckwaffe eingesetzte RB/WR/KR Dexter McCluster (#36/KC) oder der durchaus nicht hüftsteife LB Daryl Washington (#47/ARI).

LT Rodger Saffold (#33/STL) soll ein durchwachsenes und trotzdem überhyptes Rookie-Jahr mit einem furchterregend schlechten zweiten Jahr beantwortet haben. Der bekannteste Name ist aber QB Jimmy Claussen (#48/CAR), einem als Grund-Unsympathen verschrieenen ehemaligen Notre-Dame-Quarterback, dessen Situation als Rookie nicht schlechter hätte sein können: Ein Chefcoach ohne Liebe zu Quarterbacks, keine Receiver, kein Laufspiel. Claussens Pech ist nun freilich, dass QB Cameron Newton das Ruder mehr als 180° herumgerissen hat und damit erstmal auf weiteres unantastbar sein wird.

Die dritte Runde

Der Volltreffer der dritten Runde ist in San Francisco zu finden, wo ILB NaVorro Bowman (Pick #91) ein unglaubliches Jahr 2011/12 nachgesagt wurde: Wenn sich alle Experten einig sind, dass du Willis vergessen machen könntest, dann musst du was können. Bowman soll Potenzial zum All-Pro angedeutet haben.

Ein zweiter Superstar ist in New Orleans zu finden, wo TE Jimmy Graham zuletzt weit über 1300yds aus der Luft pflückte, und das als 95ter Pick. Graham ist analog zu Gronkowksi so einer dieser 2,50m großen Athleten mit fangsicheren Händen, und er hat das Glück, in einem ausgereiften Corp an Ballfängern und mit einem Quarterback wie Drew Brees zu spielen. Auch TE Tony Moeaki (#93/KC) gilt durchaus als ein Artist vor dem Herrn, fiel allerdings die komplette zweite Saison aus und schleppt schon vom College Historien an Operationen mit sich.

Weitere bekannte Namen: WR Emmanuel Sanders (#82/PIT), WR Jordan Shipley (#84/CIN) und WR Eric Decker (#87/DEN), alle drei wertvolle Ergänzungen für die WR-Corps in ihren Teams, aber alle drei nicht über alle Zweifel erhaben und im Falle Deckers mit einer schweren Verletzung, und LT Jared Veldheer (#69/OAK), dessen Tendenzen in der abgelaufenen Saison massiv nach oben gezeigt haben sollen.

QB Colt McCoy (#85/CLE) dürfte nach zwei durchwachsenen Jahren alle Höllen der NFL durchgemacht haben, von Sklaventreibern als Head Coaches über inkompetente medizinische Abteilungen hin zu nonexistenten Wide Receivers, und soll ab sofort durch den um einige Jahre älteren Rookie Brandon Weeden ersetzt werden. McCoy verfügt über einen zu schwachen Wurfarm, um in der NFL ernsthaft als Franchise-QB für 15 Jahre dienen zu können, aber man hätte ihm nur zu gerne noch eine Chance gegeben.

Die vierte Runde

Auch hier haben wie zwei absolute Superstars: Über TE Aaron Hernandez (#113/NE) brauchen wir keine Worte mehr zu verlieren, der Mann ist ein kompletter Spieler und vermutlich die noch gefährlichere Allzweckwaffe im Vergleich zu Teamkollege Gronkowski. Hernandez ist allenfalls nicht der über alle hinausragende Ballfänger. Der zweite Superstar ist DT Geno Atkins (#120/CIN), den einige Pundits für besser befinden als Ndamukong Suh aus demselben Draft.

Eine sehr gute Rookie-Saison soll WR Mike Williams (#101/TB) gehabt haben, dieser aber eine eher schwache zweite folgen lassen haben. Mittlerweile steht mit Vince Jackson ein ähnlicher Spielertyp im Kader – abwarten, was dies für Williams’ Karriere bedeutet.

Ein weiterer Gewinner dürfte CB Alterraun Verner (#104/TEN) sein, der sich wunderbar in die jüngste Reihe an starken Titan-Cornerbacks aus den späteren Draftrunden einreiht.

Die fünfte Runde

Ein Kaliber für die Pro Bowl auch hier: S Kam Chancellor (#133/SEA), im Vergleich zum spektakuläreren Teamkollegen Earl Thomas aus der ersten Runde der solidere, zuverlässigere Safety. Ein zweiter bekannter Name ist jener von New Englands Punter Zoltan Mesko (#150), wobei man Punter nicht nach zwei Jahren bewerten sollte, nachdem Punt-Leistungen zu stark zu schwanken drohen.

„Schwanken“ ist auch ein Stichwort, wenn es um Interceptions bei Quarterbacks geht. Arizonas QB John Skelton hat aber im zweiten Jahr eine absurde Rate vorzuweisen: 5.1% der Würfe in des Gegners Arme. Hülft nix: Weil der Mann notgedrungen über zwei Jahre elfmal starten musste und dabei siebenmal gewann, glauben einige an Skeltons „Winner-Gen“.

Die sechste Runde

Keine Runde ohne Pro-Bowler. Der Kandidat aus der sechsten Runde ist Pittsburghs WR Antonio Brown (#195/PIT), eine Allzweckwaffe mit mehr als 1000yds via Luft und Returns in seiner zweiten Saison. Ein famoser Spieler soll auch DE Greg Hardy (#175/CAR) sein, dem manche zutrauen, der Einser-Passrusher der jungen Panther-Mannschaft werden zu können. Weitere bekannte Spieler: RB James Starks (#193/Superbowl-Sieger mit Green Bay mit einer ordentlichen Playoffleistung) und QB Joe Webb (#199/MIN), Backup von Favre und Ponder, dessen athletische Spielweise durchaus ansprechend für die Optik ist.

Eine besondere Story war im Draft-Vorfeld jene des Safetys Myron Rolle (#207/TEN) von der Florida State University gewesen. Myron Rolle hatte als Superhirn gegolten und aufgrund fabelhafter Noten und entsprechendem Auftretens eines von den wenigen Rhodes-Stipendien erhalten. Weil Rolle dafür ein Jahr nach England gegangen war und vom Football ausgesetzt hatte, hatten sich die Teams im Vorfeld des Drafts einen Wettstreit um die dümmsten Fragen geliefert („Wie fühlst du dich nun, nachdem du deine Teamkameraden im Stich gelassen hast?“). Rolle war mitnichten ein unbeschriebenes Blatt. Man sagte ihm Potenzial für einen Erstrundenpick nach. Rolle, der sich angenehm vom Klischee des IQ80-Footballer abgehoben hatte, ging in Runde sechs, ist heute von der NFL-Bildfläche verschwunden, gilt dafür in Bildungskreisen bereits als Celebrity.

Die siebte Runde

Der Pro Bowler ist KR Marc Mariani (#222/TEN), der DE Willie Young (#213/DET) gehört als bereits spezialisierter Pass-Rusher erstmal ebenso zu den Gewinnern der siebten Runde. Der Bekannteste Siebtrundenpick ist aber P Matt Dodge (#221/NYG) aus bereits legendären zweiten Meadowlands-Miracle. Der „Mr. Irrelevant“, WR Tim Toone (#255/DET), ist schon längere Zeit auf der Straße.

Die Ungedrafteten

Es gab da einen Glücklichen, der im Nordosten der Vereinigen Staaten durch die Lande tourte und verzweifelt hoffte, dass sein Footballtraum wenigstens noch bis zum Sommer 2010 dauern würde, bis er nach den Trainingslagern gecuttet werden würde. Frisch von der kleinen University of Massachusetts (FCS) gekommen und mit 1,83m kein Gardemaß, biss sich er sich durch und spielte dann gar eine respektable PreSeason. Er schaffte gar den Cut und begann, an sich zu glauben. Dann knatschen die Leisten und der Traum vom Profifootballer war ausgeträumt – fast. Eineinhalb Jahre sprechen wir über den Vereinsrekordler in Sachen Wide Receivers in einer der ältesten Franchises in der NFL. Wir sprechen über einen Superbowl-Champ. Wir sprechen über WR Victor Cruz.

Die Giants hatten noch einen ungedrafteten, soliden Mann gefunden: TE Jake Ballard, bis zu seiner Bänderverletzung im Superbowl ein ordentlicher Leistungsträger. Der Saints-RB Chris Ivory hält sich trotz vielfältiger Konkurrenz auch weiterhin im Kader und gehört als change-of-pace Running Back zum Inventar einer fulminanten Offense. WR Brandon Banks ist in Washington ein sehr guter Kickreturner geworden. LB Frank Zombo zwar kein allzu überragender Mann, aber aufgrund des fehlenden Pass Rushes so was wie ein Synonym für die plötzliche Abwehrschwäche der Green Bay Packers – das Leben kann unfair sein. Und dann ist da noch RB LeGarrette Blount, der Schläger von Boise, der in Tampa Bay aktuell wegen seiner Erkrankung an Fumblitis therapiert werden soll, der mit seinem brachialen Laufstil – lieber zwei Abwehrspielern einen blauen Flecken mitgeben, als ein Gratis-Yard zu nehmen – bereits jetzt nur noch drei Jahren von ausgebrannt entfernt ist.

Zwischenfazit

Wie ich schon am Freitag schrieb: Diese Draftklasse schaut nach zwei Jahren sehr hoffnungsvoll aus. Kaum wirkliche Busts, dafür in jeder Runde, auch in den späteren, eine Handvoll bereits erwiesenermaßen sehr guter Spieler, und mit Leuten wie Suh, Pierre-Paul, Gronkowski, Hernandez, Atkins oder Cruz mit Spielern, die potenziell die Art des gespielten Football – Taktiken, Matchup-Strategien – zu ändern imstande sind. Die Klasse sieht viel besser als es der vor zwei Jahren eher lauwarme „Hype“ hätte erwarten lassen.

Pfingst-Trilogie: Die Bühne gehört erneut der Klasse von 2010, Part 2

Gestern hatten wir das erste Dutzend an Draftpicks des NFL-Drafts von 2012 in der Mangel. Heute folgt der Rest der ersten Runde.

Die nicht mehr Gesichtslosen

Vor einem Jahr hatte ich die #11-19 zu den „Gesichtslosen“ erklärt. Und heute? G Mike Iupati (#17/SF) ist das Niner-Gegenstück zu OT Davis, gilt als potenzieller All-Star, wenn ihm auch ein leichter Rückschritt gegenüber der Rookie-Saison nachgesagt wurde.

Den anderen Weg nahm DE Jason Pierre-Paul (#15/NYG), genannt The Haitian Freak aufgrund seiner Krakenarme und seiner karibischen Wurzeln. Pierre-Paul soll noch nicht der Beständigste und trotz Fortschritten auch noch nicht der Kompletteste sein, aber man nennt so was Kritisieren auf hohem Niveau: Pierre-Paul gehörte zu den Verteidigern mit den meisten effizienten Spielzügen (Situation für die Defense verbessert) NFL-weit. Inwiefern sich dies halten lässt, bleibt offen, aber gemessen an den Eindrücken aus der Superbowl darf man optimistisch sein.

Ein Favorit aus spielästhetischer Sicht ist Seattles #14-Pick S Earl Thomas, der für einen Defensive Back außerordentlich oft im Blickfeld der Kamera auftaucht. Ohne wirklich Substanzielles an Eigenleistung beisteuern zu können, darf ich auch LB Sean Weatherspoon (#19/ATL) als Erfolgsstory des zweiten Jahres in der NFL verkünden. Stats, fortgeschrittene Stats und Scouts stimmen alle überein.

Massiv von den Kreuzbandverletzungen aus ihren Debütjahren waren DE Brandon Graham (#13/PHI) und DE Derrick Morgan (#16/TEN) betroffen, sodass bei beiden kombiniert nur 15 Einsätze im Einsatzbuch stehen, die dann auch noch großteils sporadischen Charakter hatten. Beide sind vorerst entschuldigt, dürften aber 2012/13 starke Aufwärtstrends zur Rettung ihrer Karriere benötigen.

C Maurkice Pouncey (#18/PIT) war als Rookie unglaublich (überbewertet). Die Offensive Line der Steelers wirkt immer noch wackelig genug und die Lobhudelei um Pouncey ließ mit dem zweiten Jahr dann auch recht schnell nach.

Pre-Tebow

Schnell abgearbeitet: CB Kareem Jackson (#20/HOU) war ein unterirdisches Rookie-Jahr in allerdings unglücklichen Umständen nachgesagt worden. Jackson soll in einer insgesamt stark verbesserten Texan-Abwehr auch Fortschritte gemacht haben, der Sprung soll aber im Verhältnis zu den meisten Teamkollegen kleiner gewesen sein. TE Jermaine Gresham (#21/CIN) gehört in Cincinnatis Angriff zu den Fixsternen und war bereits in der Pro Bowl.

WR Demariyus Thomas (#22/DEN) hatte bereits seine Verletzungsgeschichten, gehört aber von der physischen Statur zur absoluten Elite. Soll noch nicht alle Basics drauf haben, aber allein mit Körperbau vieles wettmachen können, und dann war da noch dieser Spielzug. Der vielleicht noch eine Spur überzeugendere Wide Receiver ist Dez Bryant (#24/DAL) von den Cowboys, der, wenn auf der Höhe, zur absoluten Ligaspitze gezählt werden darf. Bryant gilt allerdings immer noch als Problemkind, muss mit Samthandschuhen angegriffen werden und läuft selbst dann als tickende Zeitbombe durch die Straßen von Dallas.

OT Bryan Bulaga (#23/GB) wird ein sehr gutes Jahr 2011/12 nachgesagt, ein Jahr nach einer schwachen Rookie-Saison.

Tebow

Vor einem Jahr wunderte ich mich immer noch, wie die Denver Broncos unter McDaniels einen atypischen Spielertyp wie Tim Tebow (Pick #25) in Runde 1 hatten nehmen können. In Sachen sportlicher Analyse fühle ich mich Stand heute bestätigt, den Playoff-„Unfall“ der Broncos zum Trotz: Die sportliche Leitung gab Tebow nicht nur trotz Playoffsieg auf, sie verscherbelte den Mann der 46% Completions Rate für lächerliche Spätrundendraftpicks nach New York und zog damit frei nach Andy Benoit den offiziellen  Schlussstrich unter das unglückliche Experiment „Tebow“.

Davon ab muss man sich fragen, ob Tebow seinen Preis nicht trotzdem wert gewesen ist. Die Story der tausendundeins Comebacks gehörte zum faszinierendsten NFL-Stoff der letzten Jahre. Das Heimspiel der Broncos gegen Chicago gehört zu den fassungslosesten Footballspielen der letzten Jahre. Insofern: Tebow in der Unterhaltungsbrille war ein Volltreffer. Sportlich freilich sieht es etwas anders aus.

Post-Tebow

Der Nose Tackle der Arizona Cardinals, Dan Williams (#26), wird zu den hoffnungsvollsten Talenten der Branche gezählt, soll aber nicht mit dem größten Biss gesegnet sein und gerne ein paar Fettwaben zu viel mich sich schleppen.

CB Devin McCourty (#27/NE) war der erste Draftpick einer fantastischen Patriots-Klasse von 2010 und galt als Rookie in einer schwachen Pass-Defense als großer positiver Ausreißer. 2011/12 korrigierte den McCourty-Hype, nach so vielen aufgegebenen Yards, dass McCourty erstmal auf Safety abgestellt wurde.

Eher „langweilige“ und bis heute sich nicht vollends ausgezahlte Picks waren DT Jared Odrick (#28/MIA), CB Kyle Wilson (#29/NYJ) und CB Patrick Robinson (#32/NO). Keiner jedoch gilt als Flop der Güteklasse DE Jerry Hughes (#31/IND), dem neben Raffgier zum Karrierestart danach fehlende Klasse für die „Tampa-2“ Defense in Indianapolis nachgesagt wird. Hoffnung könnte für Hughes der Systemwechsel unter Chuck Pagano bringen.

The Best

Einer der spektakulärsten NFL-Spieler ist RB Jahvid Best (#30/DET), ein prototypischer Running Back für die nächsten Jahre NFL: Kein klassisches Arbeitstier, dafür ein vielseitig einsetzbarer Mann (NFL-Jargon „Matchup-Problem“) für Formationen aller Art, gut als Ballfänger und jederzeit für einen 75yds-Touchdown zu haben. Kurzum: Obwohl selten geduldig genug, um die traditionelle Ballträger-Arbeit zu übernehmen und auf das sich öffnende Loch zu warten (das sich in Detroit selten genug öffnet), ist Best in der Form der wenigen Spiele von 2011/12 eine Waffe, weil sich Verteidiger allein aufgrund der Aufstellungen nicht auf die Situation nach dem Snap einstellen können.

Freilich hängt die Karriere des Jahvid Best am seidenen Faden, nachdem der Mann ein Patent auf ernsthafte Gehirnerschütterungen angemeldet hat und vermutlich nur mehr einen oder zwei Hits am falschen Ort vom schnellen Karriereende entfernt ist.


Zwischenfazit: Die erste Runde von 2010 sieht nach zwei Spielzeiten richtig vielversprechend aus. Der Glamour-Faktor, auch: die Würze, geht aufgrund des Fehlens eines wirklich starken Quarterbacks (noch?) ab, abseits davon sind die wenigen negativen Ausreißer hauptsächlich schweren Verletzungen geschuldet. Aber noch sind nicht alle Messen gelesen.

Pfingst-Trilogie: Die Bühne gehört erneut der Klasse von 2010, Part 1

Vor einem Jahr hatte ich aus purem Eigeninteresse Teile der ersten Runde des NFL-Drafts von 2010 unter die Lupe genommen. Ein Jahr später ein weiterer Blick auf diesen Jahrgang nach dessen zweitem Jahr – also acht Monate vor der vorläufigen Klausur zur „mittleren NFL-Reife“. Heute das erste Dutzend an Erstrundendraftpicks, die sich in ihrer Gesamtheit besser geschlagen zu haben scheint, als man es ihnen in der doch recht ruhigen Vorberichterstattung vor zwei Jahren zugetraut hatte.

Die Rookies des Jahres 2010/11

Der Top-Pick QB Sam Bradford steht in St Louis vor seinem dritten Jahr bereits gehörig unter Druck. Aufgrund der 50M-Investition waren die Rams noch nicht bereit, die Reißleine zu ziehen und zogen es vor, den Kader mit fast einem halben Dutzend Erstrundenpicks bis 2014 aufzupolieren. Nach einem soliden, nicht großartigen, Debütjahr kamen für Bradford in der vergangenen Saison alle Umstände zusammen – auch wenn der stets pointierte Walter Reiterer da eine Spur kompromissloser reingehen würde. Punkt ist: Die Rams-Offense war leblos, und das, obwohl mit Josh McDaniels der Mann die Spielzüge orchestrierte, der noch jeden Quarterback überdurchschnittliche Zahlen produzieren ließ.

Der #2-Pick DT Ndamukong Suh schlug mit seiner wuchtigen Spielweise mehr als einmal etwas über die Strenge, ließ sich gegen die Packers zum „markentechnisch“ ungünstigsten Zeitpunkt zu einer Tätlichkeit gegen einen Guard Green Bays hinreißen und riskiert, sich bereits zu einem frühen Karrierezeitpunkt seinen Ruf zu verbrennen. Leistungsmäßig war 2011/12 für Suh wohl ein Fortschritt: Ich würde nicht allzu viel in den Rückgang an Sacks (von 10 auf 3) reinlesen wollen. Suh spielt – wohl vom Trainerstab gewollt – extrem spekulativ und vernachlässigt ganz gerne die schiere Möglichkeit, dass da auch ein Running Back das Ei bekommen könnte. Kompletter Spieler? Vielleicht nicht, aber ich bekomme immer mehr den Eindruck, dass es Schwartz/Cunningham nicht darauf anlegen.

Die Verletzungsgeplagten

Der #3-Pick DT Gerald McCoy von den Buccs gilt als Volltreffer, sofern er denn mal spielt. Keine zu unterschätzende Einschränkung, nach 16 verpassten Spielen in zwei Jahren. Ähnliches gilt auf der „anderen“ Seite der Line of Scrimmage für die OT Trent Williams (#4/WAS) und Russell Okung (#6/SEA), denen beide durchaus akzeptable Leistungen nachgesagt wurden, die beide jedoch mit Wehwehchen aller Art zu kämpfen haben sollen.

Der fünfte Pick, Safety „fifth dimension“ Eric Berry von den Chiefs, war nach einem recht fehlerhaften Rookie-Jahr dank einiger Big Plays wohl etwas verfrüht in den Himmel geschrieben, fiel 2011/12 die komplette Saison aus.

Die Defensivspezialisten

Völlig in der Anonyme bleibt dagegen bis dato Clevelands CB Joe Haden, dem man zwei fantastische Jahre nachsagt und um dessen „Shutdown“-Fähigkeiten die Browns-Defense gebaut werden könnte. Haden machte die größten Schlagzeilen vor ein paar Tagen, als er quasi ins Blaue hinein eine Glückliche im Lamborghini auf eine Schulabschlussfeier begleitete – und nicht, wie durchaus angemessen, mit seinem sportlichen Auftritt.

MLB Rolando McClain (#8/OAK) gilt nach seinem zweiten Jahr als zu hüftsteif für die NFL und allenfalls gegen die 120kg-Bolzen auf Fullback gebräuchlich, dürfte seine Rolle in der kommenden Saison unter dem abwehrorientierten neuen Head Coach Dennis Allen beschränkt sehen. DT Tyson Alualu (#10/JAX) erfährt in Jacksonville trotz einiger Wehwehchen eine etwas höhere Wertschätzung, wenn auch das Label des „reaches“ noch nicht abgekratzt werden konnte. Alualus große Schwäche ist das Abtauchen gegen Doppeldeckungen („double teams“).

Die Explosiven

RB C.J. Spiller (#9/BUF) rehabilitierte sich im zweiten Jahr für seine wenig inspirative Rookie-Saison. Vor einem Jahr hatte ich auf Buffalo und Spiller noch eingeprügelt, muss das Urteil erstmal eine Spur revidieren: Spiller scheint ein wenig Geduld erlernt zu haben und war zumindest in Ansätzen die erhoffte explosive Waffe (aber nur 104 Carries).

Der „andere“ hoch einberufene RB Ryan Mathews (#12/SD), vor einem Jahr noch als verletzungsanfällig gebrandmarkt, soll eine starke Saison gespielt haben und mit 50 Catches auch ein schneller, kräftiger Ballfänger in der prächtigen Charger-Offense sein – Mission erfüllt für Norv Turner, der genau solche Spielertypen, wie es Mathews zu sein scheint, sucht.

Der Flop

Als größten – und bisher einzigen wirklichen – „Bust“ hat man bereits OT Anthony Davis (#11/SF) in San Francisco ausgemacht. Davis soll kein Bein in den Boden bekommen und nur aufgrund mangelnder Alternative überhaupt noch spielen dürfen. Ohne Davis wirklich ein Zeugnis ausstellen zu wollen, bleibt zu betonen, wie erstaunt man doch war, dass San Francisco es quasi ohne Quarterback und mit noch viel weniger Offensive Line in das Championship-Finale durchwursteln konnte. Aber es gibt Positives, wie wir morgen sehen werden, denn der nächste Niner-Pick von 2010 war ein Volltreffer…

NFC West in der Frischzellenkur

Die Bodensatz-Division seit Jahren – aber eine für einmal sehr konsequent wirkende Draftklasse für die NFC West.

Arizona Cardinals

Rd #   Pos Name
1  13  WR  Michael Floyd
3  80  CB  Jamell Fleming
4  112 OT  Bobby Massie
5  151 G   Senio Kelemete
6  177 S   Justin Bethel
6  185 QB  Ryan Lindley
7  221 OT  Nate Potter

Nach dem Kolb/Cromartie-Trade aus dem vergangenen Sommer liest sich der Draft 2012 der Cardinals recht unspektakulär. Der herausstechende Pick ist einer, über den schon tagelang zuvor gemunkelt worden war: WR Michael Floyd von Notre Dame, der aus derselben Region wie Fitzgerald (Bundesstaat Minnesota) kommt und als großgewachsene, physische Präsenz neben Fitzgerald fungieren soll. Klar war einzig: Arizona braucht jedwede Verstärkung für das Passspiel (5.9yds/Pass). Diese Mannschaft ist der Divisionsfavorit mit wenigstens annehmbarem Passspiel in der Offense. Kolb gehen mit jeder Neuverpflichtung die Entschuldigungen aus.

Aus den mittleren Runden eine Entwicklungs-Option für die Secondary (CB Jamell Fleming) und zweimal Offensive Line. Ein interessanter Mann ist QB Ryan Lindley von San Diego State: Aus dem College als relativ unpräziser Werfer bekannt, aber abseits davon mit allen physischen Tools zum eventuellen Herausforderer Kolbs, sollte sich jener nicht weiterentwickeln. (Natürlich ist ein unpräziser Werfer in der NFL aber immer ein Fragezeichen) Aus den späten Runden noch Boise States Nate Potter.

Arizona gefällt mir. Die Defense ist jung und schnell, macht vorne recht schön Rabatz und besitzt ein relativ gutes Backfield. In der Offense waren die zu starke Fokussierung auf Fitzgerald (wurde versucht, zu verbessern) und die vielen Interceptions (das Phänomen Regression zur Mitte dürfte helfen) das Problem – beides Felder, die man bereitet hat. Fraglich ist freilich nur noch die Ernte.

San Francisco 49ers

Rd #   Pos Name
1  30  WR  A.J. Jenkins
2  61  RB  LaMichael James
4  117 G   Joe Looney
5  165 LB  Darius Fleming
6  180 S   Trenton Robinson
6  199 OT  Jason Slowey
7  237 DE  Cam Johnson

Zwei Skill Player zu Beginn für die 49ers. WR A.J. Jenkins kann getrost als große Überraschung gewertet werden, nachdem doch deutlich bekanntere und mehr diskutierte Leute an #30 auf dem Tablett gegeben waren. Jenkins soll ein deep threat sein, dem allerdings im direkten Duell die letzten paar Kilo Physis abgehen. Nichtsdestotrotz liest sich der Stall an Ballfängern insgesamt besser als noch im Jänner: Jenkins, Manningham, Randy Moss, Crabtree, Davis, Walker, dazu die „Joker“ Ginn und Williams.

RB LaMichael James ist einer meiner persönlichen Favoriten (sportlich zumindest), dürfte mit seinem Speed eine wertvolle Ergänzung zum enttäuschenden RB-Pärchen Gore/Hunter sein, aber so richtig möchte man sich das noch nicht ausmalen: Der 20kg-Back James hinter einer wackeligen Offensive Line – ob da die erhofften Big Plays nicht bereits frühzeitig abgewürgt werden?

Dahinter folgen Ergänzungsspieler für eben jene Line (G Looney/T Slowey), sowie ein durchaus variabel einsatzfähiger DB Robinson und in der siebten Runde ein Defensive End Cam Johnson, den man wenigstens 2-3 Runden früher hatte vom Tablett gehen sehen.

Insgesamt liest sich die Draftklasse der 49ers recht rund: Tiefe in einigen kritischen Mannschaftsteilen geschaffen und mit den Skill Players dem mäßigen QB Alex Smith paar dringend notwendige Anspielstationen verschafft. Sollte Smith den Durchbruch auch 2012/13 nicht schaffen, kann man es dann ja mal mit dem „Pistol“-Interpreten Colin Kaepernick probieren.

Seattle Seahawks

Rd #   Pos Name
1  15  DE  Bruce Irvin
2  47  LB  Bobby Wagner
3  75  QB  Russell Wilson
4  106 RB  Robert Turbin
4  114 DT  Jaye Howard
5  154 LB  Korey Toomer
6  172 CB  Jeremy Lane
6  181 S   Winston Guy
7  225 DE  J.R. Sweezy
7  232 DE  Greg Scruggs

Querbeet geprügelt wurde Seattle für diese sich uns bietende Klasse. Die Kritik fokussierte sich vor allem auf den einen Namen: DE Bruce Irvin, ein pfeilschneller Pass Rusher von West Virginia mit einer turbulenten Lebensgeschichte. Irvin gilt als „reach“, d.h. wurde dem common sense nach viel zu früh gedraftet (oder anders: Seattle hätte mit einem Trade nach unten Gegenwert und Irvin bekommen können). Nun weiß man nie, wie sich andere Teams wie bsp. die Jets verhalten hätten; Seattle und sein HC Carroll wollten Irvin um jeden Preis und dürften ergo gut damit leben. Dass ein schneller Pass Rusher eine große Hilfe sein würde, davon war man ausgegangen (gegen Draftende folgten zwei weitere Ends).

Die interessantesten weiteren Picks in einer ansonsten extrem defensivlastigen Draft (8/10 sind Abwehrspieler) sind die beiden Angreifer. QB Russell Wilson, der in der dritten Runde – einer Zone, die dem Strategiepapier nach Perspektivspielern für 2014 vorbehalten ist – kam, ist ein Kleinwüchsiger (1,80m) für einen Quarterback, aber flott bei Fuß. Nun kommt Wilson haarklein zu einem Zeitpunkt, an dem man sich in Seattle mit QB Flynn eine relative Unbekannte für drei Jahre und teures Geld angelacht hat – Wilsons Einberufung riecht nach Absicherung für ein eventuelles Scheitern Flynns. Und mobil sind beide Männer zur Genüge… Dazu RB Robert Turbin, ein „grinder“ von den Utah State Aggies, der dem oftmals recht fußlahmen Laufspiel der Seahawks einen Rhythmuswechsel beibringen dürfte.

Nun ja. Es ist der zweite Seahawks-Draft in Serie, der relativ stark kritisiert wurde. In den letzten beiden Jahren der Versuch, die Offensive Line zu zementieren (selten eine schlechte Idee), heuer den Pass Rush aufzupeppen und mit der Hoffnung auf den QB-Retter. Gefällt.

St Louis Rams

Rd #   Pos Name
1  14  DT  Michael Brockers
2  33  WR  Brian Quick
2  39  CB  Janoris Jenkins
2  50  RB  Isaiah Peed
3  65  CB  Trumaine Johnson
4  96  WR  Chris Givens
5  150 G   Rokevious Watkins
6  171 K   Greg Zuerlein
7  209 LB  Aaron Brown
7  252 RB  Daryl Richardson

In Tennessee bekam Jeff Fisher immer mal wieder Draftklassen der Güteklasse: Athleten aus kleinen Universitäten und schwierige Charaktere. Die Rams-Klasse von 2012:

[X] kleine Universitäten
[X] schwierige Charaktere

Dreimal „Small-School“ in den ersten fünf Picks für St Louis: Quick, Jenkins und Johnson kommen aus der FCS (ehem. Division 1-AA), und wenigstens letztere beide (plus WR Givens) gelten als nicht unbedingt leicht zu handhabende Jungspunde.

DT Michael Brockers ist die „Entschädigung“ dafür, dass sich St Louis gleich zweimal nach unten tradete (von 2 auf 6 auf 14): Ein Tackle der Marke boom or bust – gesegnet mit Fähigkeiten der Güteklasse Ndamukong Suh, aber roh wie die Eier aus dem Stall. Trotzdem sammelt sich in der Front-7 der Rams still, heimlich und leise eine Serie an hohen Draftpicks zusammen.

Die Skill-Players für den stagnierenden QB Bradford sind die beiden WR Quick und Givens und RB Peed. Ersterer gilt als besonders entwicklungsfähig, hat aber auch mangels Konkurrenz und adäquater Spielsysteme am College noch nicht wirklich viel NFL-Komplatibles gesehen. RB Peed soll mittelfristig den jahrelang versauerten RB Steven Jackson ersetzen und dürfte in den ersten Jahren vor allem als dessen „change of pace“-Back fungieren.

Für das viel kritisierte und von Verletzungen gerüttelte Defensive Backfield kommen zwei vieldiskutierte Leute aus der FCS, wobei Janoris Jenkins bereits jahrelange Erfahrung bei den Florida Gators hatte sammeln dürfen, aber nach dem xten Kind der xten Frau und diverser Drogendelikte geschmissen worden war. Nicht nur ein Experte sieht in Jenkins das größte Cornerback-Talent in diesem Draft, wenn wir nur den Charakter ausschalten könnten. Ähnliches galt laut Mayock für Trumaine Johnson: FCS, enormes Potenzial, aber nach Rangeleien auf College-Partys nicht über den besten Ruf verfügend.

Aus der Zone „Entwicklungsspieler“ kommen noch ein Kicker (Zuerlein) sowie ein Guard mit einem genialen Vornamen: Rokevious Watkins. Die Rams werden in den nächsten beiden Jahren nach dem Griffin-Trade jeweils mit zwei Erstrundenpicks beginnen können und dürften zusätzlich mit den Draftklassen von 2012 und 2011 solide Grundlagen für die Zukunft geschaffen haben.

Cleveland Browns in der Frischzellenkur

  • #3 (1) RB Trent Richardson (Alabama)
  • #22 (1) QB Brandon Weeden (Oklahoma State)
  • #37 (2) OT Mitchell Schwartz (California)
  • #87 (3) DT John Hughes (Cincinnati)
  • #100 (4) WR Travis Benjamin (Miami, Fl.)
  • #120 (4) LB James-Michael Johnson (Nevada)
  • #160 (5) G Ryan Miller (Colorado)
  • #204 (6) LB Emmanuel Acho (Texas)
  • #206 (6) DT Billy Winn (Boise State)
  • #245 (7) CB Trevon Wade (Arizona)
  • #247 (7) TE Brad Smelley (Alabama)

[Statt einer Draft-Review von koraskoff oder mir freuen wir uns heute, die Gedanken des passionierten Browns-Fans alexander präsentieren zu können. Im Folgenden gibts alexanders Einschätzung zur Browns-Draft und zum Management allgemein und zum Ende kurz meine 2 cents.]


Als Hinweis vorneweg:  ich habe natürlich keine Ahnung wieweit meine Meinung repräsentativ ist, auch in den Brownsforen in Ohio sind sehr unterschiedliche Meinungen zu lesen und es gibt diverse Gruppierungen.

Nochmal einige Punkte zur Draft mit einigen Tagen Abstand. Eigentlich eine sehr interessante Draft bei der man aus vielen Gründen die Augenbrauen heben kann.

Dabei geht es mir weniger darum jeden Spieler genau zu analysieren sondern um die Gesamtsituation der Franchise.

Das Management geht ein hohes Risiko ein (schon Verzweiflung?), so wie sie im Gesamtbild agieren.

Die Fans und eventuell auch Owner Lerner werden ungeduldig. Jetzt kommt das dritte Jahr von Holmgren und es wird wohl Zeit, dass Schritte in die richtige Richtung zu erkennen sind. Holmgren, bisher keinesfalls souverän (meist aus der Ferne der Westküste SEA oder ARZ) agierend in seinen ersten beiden Jahren mit sehr viel diskussionswürdigen Entscheidungen ( Mangini 1 Jahr behalten um ihn dann doch zu feuern, den Rookie HC Shurmur zu holen mit dem Verdacht der Seilschaften, da alle den gleichen Berater haben, das QB Geeiere mit dem Delhomme Fiasko, das hin und her in Sachen McCoy). Oder der mittlerweile korrigierte Monsterfehler, dass man Shurmur noch in Personalunion den OFF Coord machen liess.

Problem ist, letztes Jahr hatten wir einen sehr leichten Schedule, der eine gute Bilanz hätte hergeben können. Es wurden allerdings einige Spiele knapp verloren die auch auf die Kappe des Coaches gingen der sehr überfordert agierte (allerdings wäre eine mögliche bessere Saisonbilanz nur Kosmetik gewesen und hätte über das wahre Potential vielleicht hinweggetäuscht). Jetzt kommt dieses Jahr ein deutlich härterer Schedule und die Browns werden wohl mit einem Rookie QB als Starter in die Saison gehen, der mit 29 Jahren noch kein einziges NFL Spiel bestritten hat.

Die Browns werden mit einem WR Corps in die Saison gehen, das letztes Jahr ganz oben war bei den Drops und denen es an ganz großen Spielern fehlt

Die Browns werden zum wiederholten Male in die Saison gehen, ohne dass der Baustelle QB ein Top WR per Draft oder Free Agency als Hilfe gegeben wurde (letztes Jahr kein Julio Jones, dieses Jahr auch kein Top Mann geholt mit entsprechendem Background).

Das Frontoffice hat durch Veteranenhandling neue Lücken in der Offseason geschaffen (OL Steinbach, RB Hillis) die nun in der Draft wieder neu besetzt werden mussten, statt dass andere Positionen (WR) angegangen wurden.

Angesprochen auf das WR Dilemma: Mit breiter Brust erklärt das Management, dass dieses Jahr die kaum veränderte WR Combo plötzlich viel besser aussehen werde, da ja auch andere Positionen upgegrdated wurden (RB; QB) und dies nun den WR auch helfen würde. Überzeugen tut mich dieser Zweckoptimismus nicht, zumindest nicht für kommende schwere Saison.

Es sind viele einzelne Entscheidungen getroffen worden, welche zwar im einzelnen, isoliert betrachtet, jeweils begründbar sein mögen (z.B: Steinbach, Hillis), im Gesamtkontext aber ein anderes, zweifelhaftes Bild ergeben.

Ich habe auch nicht unbedingt das Gefühl, dass das Mangement in allen Bereichen auf gleicher Wellenlänge agiert. Auch Holmgren deutete an, dass er Heckert mal einvernehmlich „überzeugt“ hatte, anders zu handeln.

Wo ich auch im Grübeln bin ist die QB Situation und Entscheidungsfindung. Nachdem RG3 nicht geklappt hat, haben Holmgren und Co sehr deutlich gemacht, dass man keine Zweifel hätte mit McCoy als Starter in die Saison zu gehen. Man werde jetzt in der Draft viele weapons holen um ihn zu helfen.

Klar war vor der Draft, dass Tannenhill nicht in Frage kam für die Browns. TRich war auch irgendwie klar. Zu Trent Richardson: er wird nicht nur als laufender RB gesehen, sondern auch als sehr guter Passempfänger und Blocker. Aus diesem Blickwinkel muss seine Draft gesehen werden. Kann ich eigentlich mit leben.

Holmgren hat auch WR Wright sehr gemocht. Wäre Wright nicht an 20 bereits weggegangen, hätte ihn wohl Cleveland an #22 statt Weeden genommen. Die Frage ist dann, ob man für Weeden dann von 37 aus hoch getradet hätte. Oder ob Weeden überhaupt dann noch den Browns in den Schoss gefallen wäre . Wenn nicht, wäre wohl doch McCoy der alleinige Prinz?

McCoy wurde vorgeworfen, dass er den notwendigen Arm nicht hat. Weeden hat ihn. Allerdings wollte man eh eine OFF unter Holmgren / Shurmur etablieren, die mehr auf accuracy basiert. Jetzt liest man überall begeistert, welchen big arm nun Weeden hat.

Dann noch die Frage, inwiefern ein QB auch auf Wunsch des Owners geholt werden musste.

Persönlich sehe ich das sehr offen. Wenn Weeden „the man“ in Cleveland wird, dann freue ich mich. Allerdings trat McCoy unter ungünstigsten Umständen in Cleveland an. Zuerst wurde er von Daboll gemobbt, machte dann aber in seiner ersten Saison seine Sache nicht schlecht bei einem offense-gameplan der ihm entgegenkam (hohe Dosis Hillis, Cribbs, Trickspielzüge).

Dann neue Saison, neuer Trainer (überforderter Rookie Headcoach), neues OFF System, keine Offseason wegen Streik. auch kein OFF Coord der sich mit ihn beschäftigen konnte, eine nicht harmonische OL, das Hillisdrama und auch eine wenig überzeugende WR Unit. In diesem Umfeld hätten viele junge QBs Probleme gehabt. Das Schicksal hat es nicht gut gemeint mit Colt McCoy.

Holmgren ist sehr viel Risiko gegangen. Floppt Weeden, dann hat Holmgren nach 3 von 5 Jahren insgesamt bei 3 QBs teuer daneben gelangt (Delhomme, McCoy und Weeden). Zudem habe ich null Vertrauen in das Können von Shurmur und ich weiss nicht wie beruhigt ein Holmgren nach den vielen Fehlern von Shurmur im letzten Jahr ist. Mit Childress hat man zumindest einen OFF Coach, der schnell auch das Ruder in die Hand nehmen kann oder Holmi macht es am Schluss selbst.

Stichwort „passlastige“ Liga und Erfolg deshalb bin ich auch ein Fan davon, dass man zumindest stets untersucht ob es sinnvoll ist, sich ANTIZYKLISCH zu verhalten. Damit meine ich harte gute DEF und viel harten RUN. Den Erfolgen der Bradys, Brees, Mannings, Rogers kann man auch SB Teilnahmen oder Siege von Ravens, Bucs, Steelers (der erste SB unter Big Ben auf jeden Fall) und Giants dagegen halten (oder die Teilnahme im SB der Bears). [Edit Herrmann: dieser Gedanke hat mich zu dem Think-Twice-Beitrag über die Rolle der Quarterbacks animiert.]

Eine Draft mit Risiko, wegen Weeden und der einseitigen Fixierung auf den Pass und damit immer in Abhängigkeit vom Können der QBs bzw deren Verletzungsanfälligkeit in der von DEF dominierten AFC North und einem sehr windigen Brownsstadion am Lake Erie mit harten Wintern und alles andere als ideale Wurfbedingungen in 8 Heimspielen.

Für mich setzt das Management sehr viel Risiko auf wenig Karten (Weeden, dass die WR Unit sich um Galaxien verbessert, dass Shurmur es gebacken bekommt) mit sehr wenig in der Hinterhand.

Der „Only in Cleveland“ Faktor (ich weiss nicht ob du schon 2002 NFL verfolgt hast, google mal dwayne rudd helmet). Irgendwelche Freakdinge, die immer in Cleveland passieren und die Franchise zurückwerfen. Es ist zumindest bei den Fans schon in der Psyche.

Gerade hat es wieder zugeschlagen, da unser first round pick aus dem letzten Jahr DT Phil Taylor wohl die komplette Saison ausfallen wird. Kennt man ja schon von Winslow, der sich damals mit dem Motorrad das Knie ausradierte und dadurch seine dem eigentlichen Talent entsprechende HOF Karriere wegwarf. Oder der damals für irre Summen geholte freeagent und OL Hoffnungsträger LeCharles Bentley, der sich im allerersten NON CONTACT Training, das Knie ausradierte, was letztendlich sein Karriereende war. Oder oder oder. Only in Cleveland.

Im Vergleich zum „only in Cleveland “ Faktor, ist Murphy´s law ein unbedeutender kleiner Fliegenschiss auf der Weltkugel.

Double Take Herrmann:

Dieses Only-in-Cleveland-Gefühl kann ich vollkommen nachvollziehen. Irgendetwas passiert den Browns immer. Abenteuerliche Verletzungen. Pech auf dem Spielfeld. Pech in Managementdingen. Wenn man dann mal kein Pech hat, macht irgendwer irgendetwas falsch. Und wenn man dann doch mal einiges oder gar viele richtig macht, sind immer noch Ravens, Steelers und die mehr als soliden Bengals in der gleichen Division. Es ist dann auch gar nicht überraschend, daß eines morgens nicht die Chargers- oder Seahawks- oder sonst irgenwelche  Fans aufwachten und die eigene Mannschaft weg war, sondern ausgerechnet die Browns-Anhänger.

Die diesjährige Draft sieht auch durchaus vernünftig aus. Drei Picks in den Top-40, mit denen man einen Franchise Running Back auf (angeblich) Adrian-Peterson-Niveau draftet; einen soliden QB, dessen Potential wie bei den meisten 1st-rd picks zwischen mittelmäßig und recht gut rangiert; und für diese beiden ersten einen Tackle als Hilfe.  Wie man das eben so macht, möchte man fast sagen: ein Franchise-Guy für eine Skill-Position; einen QB; Verstärkung für die O-Line.

Die Verteidigung ist ohnehin schon besser, als man meinen möchte, wenn man als gewöhnlicher NFL-Fan nur zwei Spiele pro Jahr sieht, in denen die Browns von Ravens und Steelers vermöbelt werden (und sogar dabei manchmal schon ganz patent aussehen).  Man hat eine sehr junge und starke Secondary um CB Joe Haden und einen der besten Linebackers der Liga in D´Qwell Jackson. Sehr gut aufgestellt also in der „It´s a passing league„-NFL. In der letzten Spielzeit ließen die Browns nur 6,3 Yards/Paßversuch zu und waren nach Punkten die fünftbeste Defense der Liga.

In einer schwächeren Division könnten sich die Browns vielleicht in Ruhe entwicklen. In der AFC North geht das nicht. Auch wenn die Ergebnisse in der kommenden Saison wahrscheinlich nicht besonders rosig aussehen werden, bastelt man sich am Lake Erie einen ganz anständigen Kader zusammen. Fraglich ist dabei nur, wieviel Geduld man „ganz oben“ noch hat.

Zur Meinung von korsakoff und Grantlands/Smart Footballs Chris Brown gehts hier.

11 Spieler v 1000 Fans: Touchdown statt Spielabbruch

[Aus den Tiefen des Archivs ein kleines Football-Schmankerl anläßlich des Fußball-Relegationsspiels Fortuna v Hertha BSC letzte Woche Dienstag.]

Am 20. November 1982 kommt es im Memorial Stadium zu Berkely zur 85ten Auflage des Big Game: Stanford – Cal. Es ist eine der ältesten Rivalries im traditionsbewußten College Football. Das erste Mal treffen Golden Bears und Cardinal 1892 aufeinander.

90 Jahre später benötigt Stanford, zu diesem Zeitpunkt mit einer 5-5-Bilanz, unbedingt einen Sieg im Hause des Erzrivalen um eine Bowl-Einladung zu bekommen. Angeführt von John Elway, mutmaßlich der beste College Quarterback aller Zeiten, treffen sie auf die 6-4 Golden Bears. Cal führt Mitte des vierten Viertels mit 19-14 als Elway seine Cardinal in FG-Position bringt und Kicker Mark Harmon den Anschluß zum 19-17 macht.

Die Defense Stanfords läßt keine Punkte mehr zu und mit 1:27 Minuten auf der Uhr bekommt Elway mit seiner Offense den Ball an der eigenen 20-Yard-Linie mit der Chance, seinem Ruf als Comeback King ein weiteres Kapitel hinzuzufügen. 30 Sekunden später ist es 4th&17 – Elway mit Laserball zum 1st Down. Nach zwei weiteren First Downs nimmt Elway auf Geheiß von Head Coach Paul Wiggin mit acht verbleibenden Sekunden eine Auszeit. Wiggin will die Uhr nicht noch weiter runterlaufen lassen, um im Falle eines vertrottelten Snaps oder einer Strafe noch einen zweiten Field-Goal-Versuch machen zu können. Mit vier Sekunden auf der Uhr verwandelt Harmon zur 20-19-Führung; Stanfords Mannschaft, Fans und Marching Band flippen völlig aus; der Hall of Fame Bowl wartet. Das Ende eigentlich nur noch Formsache. Der anschließende Kickoff ist ein Squib Kick, ein Golden Bear nimmt ihn auf, ein Lateral, jemand stürzt, es sieht aus wie down by contact. Ein ziemliches Durcheinander auf dem Spielfeld und daneben; Stanfords Marching Band macht sich auf den Weg runter von der Tribüne, raus aufs Spielfeld zum feiern. Aber so richtig zu Ende war das Spiel gar nicht.

Mit dem Henkelpott im Blick: Vor dem Endspiel der Champions League 2011/12

In den Stunden vor dem Finale der UEFA Champions League fällt es schwer, den kompletten Wust an Gedanken straight in ein paar knackige Sätze zu formulieren. Daher sei der erzählerische Faden um die Evolution des FC Bayern gespannt.

Ich bin Bayern-Fan, seit Kuffour nach dem Schlusspfiff 1999 weinend in den Boden von Barcelona hämmerte. Ich mochte die charakterstarken Bayern um die Jahrtausendwende. Aber ich liebe den FC Bayern umso mehr seit dem Umdenken um Klinsmann/van Gaal, ein Umdenken weg von der eher zerstörerisch angelegten, hin zu einer spielerischen, proaktiven Spielweise mit der Denke „Offensive zuerst“ – insbesondere seit van Gaal gehört der FC Bayern zu den optisch attraktiveren Spitzenmannschaften.

Dass das Experiment auf halbem Weg abgebrochen wurde, ist noch heute ärgerlich. Im Kern ist die Arbeit van Gaals noch immer erkennbar, wenn auch deutlich „verwalterischer“ angehaucht und aufgrund der fehlenden Automatismen im Spielaufbau gegen überfallartig konternde Mannschaft immer noch anfällig. Das lässt in regelmäßigen Abständen – dann nämlich, wenn der FC Bayern mal wieder von reiferen, abgewichsteren Mannschaften wie Dortmund ausgespielt wird – erahnen, dass wir es hier mit einer noch immer nicht fertigen Mannschaft zu tun haben. Allein: Unter Heynckes kommen gefühlt keine neuen Impulse mehr. Die Mannschaft ist irgendwo in der Verwaltungsabteilung angekommen. Vielleicht nur ein Gefühl. Vielleicht ein trügerisches. Auf alle Fälle ein Gefühl, das sich nicht recht in Worte fassen lassen will, aber doch irgendwo… schmerzt.

Der FC Bayern kann heute Abend im eigenen Stadion die Champions League gewinnen, und trotzdem bleibt das Feeling, dass da sogar im eigenen Lande eine Mannschaft noch besser (oder wenigstens absolut auf Augenhöhe) ist, eine Mannschaft, die im Kern eher zerstörerisch ausgerichtet ist, aber mit ihren fantastischen Einzelspielern prächtig harmonisch im Umschalten auf Angriff daherkommt. Wo ein BVB Kilometer an Schleichwegen zurücklegt, um seine Offensive in der blitzartigen Vorwärtsbewegung ins Rollen zu bringen, ist der FC Bayern häufiger auf „richtige“ Einzelaktionen angewiesen – bei Ribéry oder Robben kein unprobates Mittel, aber eben auch nicht die größte Beruhigung.

Freilich kriegen auch die Bayern gute Mannschaftsleistungen zustande. Die beiden Halbfinals gegen Madrid sind dafür Beweis genug. Insbesondere das Rückspiel begeisterte und gehört schon jetzt zu meinen absoluten TV-Highlights ever. Auch wenn es am Ende einen Elfmeter (Ramos) benötigte, der erst gestern wieder ins Gravitationsfeld unseres Planeten eingedrungen ist und der heute, 20h45 in Fröttmaning einschlagen soll. Auch wenn Madrid nicht seinen besten Tag hatte und das starke Offensivpressing wohl zu früh aufgab: Bayern steht gemessen an diesen beiden Spielen zu Recht im Endspiel.

Dort trifft man heute Abend freilich auf ein Team, das noch sehr viel unerwarteter dort steht. Der FC Chelsea weiß vermutlich selbst noch nicht, wie man sich gegen Napoli, Lissabon und Barcelona trotz dreimaliger, klarer Unterlegenheit durchwursteln konnte. Die Mannschaft wirkt selbst an guten Tagen nur noch wie ein matter Abglanz jener fabulösen Konterkönige von einst, spielerische Retardierung und wackelig bis dorthinaus und muss sich auf seine Physis und den einen oder anderen Gedankenblitz der kurz vor der Pensionierung stehenden Stürmer verlassen. Trotzdem laufen in den letzten Tagen auf unseren Straßen wieder vermehrt nun jahrelang untergetauchten Kids in Blues-Shirts auf der Straße rum. Die Bandwagoners sind wieder da und kotzen dir auf die Schlapfen.

Ich bin für heute vorsichtig optimistisch. Der FC Bayern wird diesmal, anders als vergangenen Samstag, gedanklich voll da sein. Zudem ist der Gegner heute eine Stufe unter dem BVB einzuordnen und darf als größte Stärke mit Identitätslosigkeit aufwarten… okay, wenn Drogba zum Kopfball hochsteigt, wird einem dann doch auch angst und bange. Anyhow. Für Bayern wünsche ich mir jedoch so oder anders, dass man sich nicht zu stark vom Finaldurchmarsch 2012 blenden lässt und in Zukunft unabhängig vom Ausgang des heutigen Endspiels den vor einiger Zeit ab- oder unterbrochenen Prozess gen Offensiv-Orchester wieder aufnehmen wird.

Ein Tipp noch für einen großen Anlass: Bayern 3, Chelsea 1.

NFL-Franchises im Kurzporträt, #12: Chicago Bears

Eine der ältesten Franchises der NFL hat einige der charismatischsten Persönlichkeiten der Footballwelt hervorgebracht. Der einzige Superbowl-Gewinn ist zwar schon lange her, aber immer noch präsent – als Höhepunkt einer der besten Mannschaften ever.

Papa Bear

Gegründet wurden die Bears 1919, als Farmteam der Staley-Company, die in Decatur in der Nähe Chicagos ansässig war. Entsprechend der innovative Name: Decatur Staleys. Das Unternehmen setzte sofort George Halas in die Führungsetage und Halas sorgte mit seiner weitsichtigen Politik dafür, dass die Staleys a) in den großen Markt Chicagos wanderten, dass b) die NFL mit den Staleys gegründet wurde und c) die Staleys von ihrem Image als Farmteam wegkamen und fortan „Bears“ genannt wurden. Letzteres gelang, weil Halas dem Unternehmen das Team abkaufte. Die Staley-Company ist aber noch heute offiziell repräsentiert: Das Maskottchen der Franchise hört dann hin, wenn man Staley, da Bear ruft.

In den 20ern knüppelte man sich mit den Chicago Cardinals mehrfach um den Titel, aber geholt hat man ihn nur 1921. Die Bears blieben stets in Titelnähe, auch in den späten 30ern, als QB Sid Luckman eingekauft wurde.

In den 40ern wurden die Bears The Monsters of the Midways genannt. Ein berühmter Spitzname, und die Bears waren auch wirklich schier unschlagbar und holten drei Titel, unter durch einen Rekordsieg über die Washington Redskins: 73 zu 0. „Papa Bear“ Halas, Luckman und Konsorten waren recht massenkompatible Persönlichkeiten und die Bears mutierten in dieser Zeit, auch aufgrund der funkelnden Rivalität mit den Packers, zu Massenlieblingen.

Halas coachte die Bears noch bis in die moderne Ära hinein – bis 1967, als er bereits Hall of Famer war. Halas sollte danach noch ein Weilchen im Management tätig bleiben. ABER: Den größten Erfolg der Clubgeschichte sollte er nicht mehr miterleben, auch wenn er die Weichen dafür nicht höchstpersönlich stellte.

Halas starb 1983.

The 46

Die Saison 1985 ist die, die die Chicago Bears der Neuzeit definiert: Sie holten sich den neunten und bisher letzten Titel in Super Bowl XX gegen die hoffnungslos überrollten Patriots. Die Saison gilt unter Pundits und weiten Teilen der Footballwelt weithin als beste jemals von einer Mannschaft gespielte und nur eine Niederlage gegen die Miami Dolphins (hallo, Perfect Season!) in der Woche 13 (kann ja kein Zufall sein, nein, das wäre absolut unmöglich) verhinderte eine ungeschlagene Saison.

1985 war das Jahr des Titels, aber die Mannschaft rundherum war einige Jahre lang furchterregend, allen voran die Defense um DE William Perry, genannt der Kühlschrank. Die Mannschaft wurde gecoacht vom cholerischen Head Coach Mike Ditka, den Halas natürlich noch eigens installiert hatte.

Dann der DefCoord Buddy Ryan, der mit der revolutionären 46-Defense sämtliche Offensivbemühungen der Gegner zubetonieren ließ. Die Defense der Superbowl-Nachfolgesaison 1986/87 ist statistisch eine der dominantesten, die es zu kriegen gibt. Ryan floppte zwar später überall als Head Coach, aber diese Defense ist sein Erbe.

Superstar war aber trotz aller Maurermeister ein Angriffsspieler: RB Walter Payton, genannt „Sweetness“ aufgrund seiner bescheidenen Person. Payton pflügte sich in 13 Jahren NFL zum damals ewigen Rekord an rushing yards. Payton ist 1999 an einem seltenen Leberkrebs gestorben, aber sein Lebenswerk lebt in Form des Walter Payton Man of the Year Awards für große Leistungen großer Persönlichkeiten weiter.

In den 90ern dann wurde aber ersichtlich, wie es einem Unternehmen – und nichts anderes ist eine NFL-Franchise – ergeht, wenn man Leute im obersten Führungsstockwerk hat, die sich nur dahin „geerbt“ haben, ohne die Qualifikationen zu besitzen: Sohnemann und Halas-Enkel Michael managte die Bears mehrfach an die Wand, bis er vor einigen Jahren schließlich (und endlich) gefeuert wurde. Der neue CEO: Ted Phillips.

Lovly Era

Der führte dazu, dass seit 2004 Lovie Smith die Zügel in Chicago in der Hand hält. Smiths Credo: Laufspiel und quicke Defense führt zum Erfolg – ganz nach der Idee seines Freundes und Mentors Tony Dungy aus alten Buccs-Zeiten. Unter Smith blühten die Bears innerhalb kürzester Zeit förmlich auf und überwanden sogar die Probleme ihrer schwach spielenden jungen Quarterbacks Orton/Grossman.

2006/07 mauserte man sich trotz Grossman, aber dank LB Brian Urlacher und seiner Defense in die Superbowl, wo Return-Genie Devin Hester zwar den opening kickoff zum Touchdown zurücktrug, danach aber sukzessive immer mehr Kontrolle abgegeben wurde und schließlich chancenlos 17-29 verloren wurde. Seitdem setzte ein schleichender Niedergang ein, unterbrochen vom glücklich erreichten, aber verlorenen NFC-Endspiel 2010/11.

Highlights der aktuellen Mannschaft sind die gelegentlich eingestreuten Sensations-Returns des Devin Hester sowie die Offensiv-Combo Cutler/Forté, die sich hinter nonexistenter Protection an 50yds-Bomben versuchen.

Der Soldatenfriedhof

Soldier Field – ©flickr

Soldier Field ist eigentlich eines der ältesten Stadien der NFL, aber im Prinzip ist die Arena 2002 komplett neu gebaut worden und hat einen Teil ihrer Reize verloren. Das Stadion liegt direkt am Michigansee und ist berüchtigt für seine wechselnden Winde und sein katastrophales Spielfeld. Mit 63.000 Plätzen eines der kleinsten Stadien der NFL. In der alten „Version“ des Stadions spielte die deutsche Nationalmannschaft 1994 übrigens das WM-Eröffnungsspiel gegen Etcheverrys Bolivianer.

Rivalitäten

Mit ihrer langen Historie haben die Bears auch eine Reihe an Rivalitäten aufgebaut. Die, nein die größte, ist jene mit den Green Bay Packers, sozusagen der Freundesfeind der ersten Stunde. Über diese Rivalität habe ich vor eineinhalb Jahren im Zuge des NFC-Championships geschrieben.

Chicago Bears gegen Green Bay Packers ist die älteste Rivalität der NFL-Geschichte, beginnend mit dem ersten Aufeinandertreffen 1921, als die Bears noch „Staleys“ hießen und Papa Bear George Halas die Packers für ein paar Tage aus der NFL ausschließen ließ, um einen Spieler zu verpflichten, an dem auch Green Bay interessiert war. Seitdem sind die beiden Mannschaften sagenhafte 181 Mal aufeinandergetroffen. Unglaublicherweise nur ein einziges Mal in den Playoffs. Die Jüngeren unter uns werden das nicht mehr in Erinnerung haben: Es war 1941, ein paar Tage nach Pearl Harbour…

Dies und über die „Bountygate“-Version der 80er in eben verlinktem Artikel mehr.

Wie es sich für eine NFC North gehört, fetzen sich die Bears auch mit den Vikings und Detroit Lions Jahr für Jahr. Mit den Lions gibt es gemeinsame Geschichte in dem Sinne, dass man in den 30ern das erste „indoor“-Spiel der NFL bestritt.

Kleinere Rivalitäten bestehen mit den Arizona Cardinals (einst als Chicago Cardinals der Lokalrivale, plus gleich folgende Dennis-Green-Anekdote), Indianapolis Colts („I65-Spiel“ wegen der kurzen Autobahnverbindung, plus Superbowl 2006/07), San Francisco 49ers (80er Jahre) sowie New York Giants.

Gesichter der Franchise

  • George Halas – Head Coach/Owner. Papa Bear. Mythische Gestalt in der langen Geschichte der Bears.
  • Walter Payton – RB. Genannt “Sweetness” und als einer der erfolgreichsten Running Backs ever noch heute die #2 der ewigen Bestenliste nach Rushing Yards. Einziger Makel: In Super Bowl XX verpasste Payton einen Touchdown. Verstarb 1999 an Krebs.
  • Buddy Ryan – DefCoord. Stratege hinter der meist gehypten Defense der Neuzeit und Vater von Rex und Rob.
  • Mike Ditka – Head Coach, Choleriker und später TV-Reporter . War in den 60ern Bears-Spieler (Tight End) gewesen. Schaffte das seltene Kunststück, die Superbowl als Spieler, Co-Trainer und Chefcoach zu gewinnen.

korsakoffs Highlight

Super Bowl XLI (Colts 29, Bears 17) – Das größte Bears-Spiel der letzten 25 Jahre ist auch das für mich prägendste bis heute geblieben. Es war, kurz nach dem WM-Finalsieg der deutschen Handballer, kein gutes Endspiel im strömenden Regen von Miami, auch dank zahlreicher Fumbles und fallen gelassener Snaps. Die Bears hatten den Indianapolis Colts abseits von jenem fantastischen ersten Kickoff-Return Devin Hesters (Touchdown im Opening Kickoff) gleich zu Beginn wenig entgegenzusetzen und die zweite Halbzeit verlief eigentlich unglaublich: Indianapolis, das Team aus der Halle mit dem Quarterback, der nicht gewinnen konnte (Peyton Manning), überlief das Schlechtwetterteam Chicago nach allen Regeln der Kunst und musste dennoch bis relativ spät ins Schlussviertel hinein um den sich stundenlang angekündigten Sieg zittern. Erst als der Cornerback und Bears-Fan von Kindheit an, Kelvin Hayden, einen eher idiotischen Pass Rex Grossmans zum siegbringenden Touchdown returniert hatte, war das Ding gegessen und das Schicksal der offensivschwachen Bears besiegelt.

Eckdaten

Gegründet: 1919 als Decatur Staleys
Besitzer: Halas-Familie (zu 80%)
Division: NFC North
Erfolge: Superbowl-Champ 1985, Superbowl-Verlierer 2006, dazu zusätzlich NFL-Champ 1921, 1932, 1933, 1940, 1943, 1946, 1963, 26x Playoffs (17-18) – Stand 2012

Think Twice: Nur mit Elite-QB kann eine Mannschaft erfolgreich sein

In der Berichterstattung zur Draft war es wieder überall zu lesen: ohne einen absoluten Top-Quarterback hat heutzutage keine Mannschaft mehr eine Chance, irgendetwas in den Playoffs zu reißen. Eine Mannschaft wird um den Quarterback herum aufgebaut. It´s a passing league. Nie war der QB wichtiger als heute. Man braucht doch gar kein Laufspiel mehr. „Defense wins Championships“ hat als Cliché ausgedient. Undsoweiterundsofort.

Als Begründung dient dann immer die Aufzählung der Quarterbacks, die in den letzten Jahren einen Ring gewonnen haben. Brady, Roethlisberger, die Mannings, Brees und Rodgers. Das sind ganz sicher große Namen und hervorragende QBs – heute. Brad Johnson, QB der Bucs bei ihrem Triumph in Super Bowl XXXVII, gilt immer als das einzige aus der Rolle gefallene Gegenbeispiel. Genauer betrachtet, war er aber gar nicht der einzige caretaker, dessen Job nur darin bestand, nichts kaputt zu machen, was Defense und/oder Laufspiel aufgebaut haben.

Als Tom Brady in der Saison 2001 mit den Patriots seinen ersten Ring gewinnt, war er in seiner zweiten NFL-Saison – und hatte nicht viel mit dem Spieler zu tun, der er heute ist. In 15 Spielen wirft er nicht mal für 3000 Yards, 18 TDs bei 12 INTs und ein Rating von 86,5.

Ben Roethlisberger, nicht der von heute, sondern der Rookie 2005, liefert im Super Bowl gegen die Seattle Seahawks eine der schlechtesten Leistungen aller Zeiten ab: 9 von 21, 123 Yards, kein Touchdown, zwei Interceptions – und gewinnt.

„Mr. Überfordert in Big Apple I“, Eli Manning, gewinnt in der Saison 2007 den Super Bowl, weil Big Blues D die beste Offense aller Zeiten bei 14 Punkten hält. Manning war zu dem Zeitpunkt in Augen der pundits eine größere Gurke als Mark Sanchez heute. In der Regular Season wirft er 20 Interceptions, macht pro Paßspielzug nur 6,3 Yards und hat ein mickriges QB-Rating von 73,9.

Ebenjener „Mr. Überfordert in Big Apple II“, Sanchez, „führt“ seine Jets 2009 und 2010 ins AFC Championship Game. Auch hier ist es die Defense, die die Mannschaft trägt – und nicht der Quarterback. Erlebt diese Verteidigung in der ersten Halbzeit des Championship Games 2009 gegen die Steelers nicht einen der seltsamsten Zusammenbrüche der jüngeren Geschichte, hätte der Sunny Boy sogar im Super Bowl gestanden.

Joe Flacco, auch kein besonders guter Quarterback, schafft es in seinen ersten vier Jahren vier Mal in die Playoffs, zwei Mal sogar ins Championship Game. Immer getragen von einer der besten Verteidigungsreihen der Liga und Rumbling Running Back Ray Rice. In der letzten Saison ist der Mann mit einer Completion Percentage von 57,6, 6,7Yards/Attempt und einem Rating von 80,9 sogar haarscharf an einer Super-Bow-Teilnahme vorbeigeschrammt.

Dort hätte er dann beinahe Alex Smith und seinen 49ers gegenübergestanden. Diese 49ers, ein ground-and-pound Team wie die angesprochenen Jets, wurde von einer bärenstarken Defense ins Finale getacklet. Seltsamerweise hat dieses Ergebnis vielerorts nicht dazu geführt, Smith einen ausgesprochen glücklichen Mann zu nennen, der auf dem Rücken einer derart starken Defense mitschwimmt, sondern zu der Behauptung, er sei jetzt, ganz plötzlich, ein guter Quarterback – schließlich hat er ja sein Team ins Championship Game geführt. Ähnlich war es auch bei Flacco und Sanchez. Die Argumentation sah so aus: QB steht im Championship Game, also ist er ein guter QB. Nimmt man die Behauptung vom Ausgangspunkt – nur mit einem guten QB kann eine Mannschaft erfolgreich sein (hier der Einfachheit halber gemessen am Erreichen von Championship Games/Super Bowls) – dazu, erhält man ein völlig sinnloses Argumentationsgebäude, für das man hochkant aus jedem Logik-Grundkurs fliegen würde:

  • 1) Man braucht einen Top-QB um ins Championship Game zu kommen
  • 2) Ein QB, der es ins Championship Game schafft, ist ein Top-QB

Ich will gar nicht behaupten, daß man mit einem Curtis Painter einen Super Bowl gewinnen könnte. Nur gibt mehrere Wege, eine starke Mannschaft aufzubauen. Und ganz sicher ist der einfachste Weg, einfach Drew Brees oder Aaron Rodgers oder Tom Brady hinter den Center zu stellen. Aber eben nicht der einzige.

Hallo, mein Name ist Thomas und bin neuerdings ein Washington Redskin

Der Weg in die NFL ist steinig. Da quälst du dich durch dreißig herbstliche Nächte und versuchst dich eineinhalb Jahre als Geschichtenerzähler über fliegende Eier, glückliche Sieger und unglückliche Verlierer und fragst dich: Ist es das wert? Muss ich mir das wirklich geben? Alles vergessen. Vergangene Woche haben mich die Washington Redskins kontaktiert. Als Praktikant für deren „Football-Research“-Team. Eine Videokonferenz via Skype später waren wir uns handelseinig. Heute Nacht habe ich den Vertrag unterschrieben. Am 3. Juni werde ich beginnen.

Wie ich das geschafft habe? Weiterlesen

Baltimore Ravens in der Frischzellenkur 2012

  • #35 (2) OLB Courtney Upshaw (Alabama)
  • #60 (2) G Kelechi Osemele (Iowa State)
  • #84 (3) RB Bernard Pierce (Temple)
  • #98 (4) G/C Gino Gradkowski (Delaware)
  • #130 (4) S Christian Thompson (South Carolina State)
  • #169 (5) CB Asa Jackson (Cal Poly)
  • #198 (6) WR Tommy Streeter (Miami, Fl.)
  • #236 (7) DE Deangelo Tyson (Georgia)
…und dann kam auch noch ein wenig Glück dazu: Weil die meisten nicht so Recht wußten, wie Alabamas Courtney Upshaw in der NFL am besten einzusetzen wäre, ist er bis in die zweite Runde abgerutscht. Obwohl er ganz klar ein 1st-round Talent ist. Upshaw ist ein ungemein aggressiver Edge Rusher wie auch Edge Setter – die letztere Position wurde vom abgewanderten Jarrett Johnson ausgefüllt, die erstere vom nun verletzten Terrell Suggs (Achillessehnenriß, mehrere Monate Pause). Bei der Crimson Tide hat Upshaw rechts wie links, DE wie OLB und im 2-point stance wie auch mit Händen im Dreck gespielt. Mit seinem sehr kräftigen Körperbau – 123kg auf 1,88m -, seiner Aggressivität, seiner Sicherheit als Tackler und nicht zuletzt seiner Ausbildung bei der Defensiv-Schmiede schlechthin machen ihn in Runde Zwei zum Steal und perfect fit für die Ravens.

Aus den drei folgenden Picks läßt sich ziemlich deutlich herauslesen, was für eine Offensive die Raben haben wollen. Offensichtlich ist es keine, die auf Joe Flaccos Schultern lastet. Mit den Guards Kelechi Osemele und Gino Gradkowski hat sich Baltimore mächtig Beef für die Mitte der O-Line geangelt. Die wichtigste Aufgabe der inside guys (Guards und Center) ist das Reißen von großen Löchern für die Running Backs. Bei Delawares Gradkowski müssen die Herren um Ozzie Newsome sehr viel Talent gesehen haben. In den meisten pre-draft Berichten ist mir sein Name nicht einmal über den Weg gelaufen und von den meisten Auguren wurde er auch nur Free Agent eingestuft. Er kann sowohl Guard als auch Center spielen und wird damit wohl als Nachfolger für den alten Matt Birk aufgebaut.

Als Komplementärstück zu Ray Rice kommt in der dritten Runde Temples Bernard Pierce neu in den Angriff. Auch diesen wollten die Ravens unbedingt haben. So sehr, daß sie ihren 3rd-rd pick (#91) und einen 5th-rd rounder (#164) nach Atlanta geschickt haben, um sieben Plätze nach vorne zu rücken. Der Angriff wird um die Running Backs und das Laufspiel herum aufgebaut. QB Flacco soll nicht zu viel Last tragen müssen, sondern vor allem nichts kaputt machen und ab und zu mal ein Big Play raushauen.

In den Runden vier und fünf verstärkt Baltimore die Tiefe Im Defensive Backfield. Auffällig ist hier, daß nach Gradkowski auch S Christian Thompson und CB Asa Jackson von FCS- (Div-II) Schools kommen. Traditionell bekommen die mid- und late-round picks bei den Ravens immer viel Zeit sich zu entwickeln und müssen nicht als Rookies schon Aufgaben übernehmen, die noch eine Nummer zu groß für sie sind.

Überblick

So richtig große Löcher hatten die Baltimore Ravens mal wieder nicht. Den Verlust von OLB Johnson (geplant) und DE Suggs (nicht geplant) konnte mit Upshaw zumindest teilweise wettgemacht werden. RB Pierce und die beiden O-Liner Osemele und Gradkowski machen deutlich, daß das Power Game der Fokus ist und nicht der endgültig als mittelmäßig entlarvte Quarterback Flacco. Obwohl das Receiving-Corps sehr dünn ist, hat er erst zum Ende der sechsten Runde ein neues Spielzeug bekommen. Weil Tommy Streeter aber 1,93m groß ist und eine 4.4 läuft, ist es zumindest ein interessantes Spielzeug. Dazu noch Kadertiefe für Secondary und Special Teams sowie ein vielseitiger D-Liner in Runde sieben und fertig ist eine typische solide Draft von Ozzie Newsome.

Pittsburgh Steelers in der Frischzellenkur 2012

  • #24 (1) G David DeCastro Stanford
  • #56 (2) OT Mike Adams Ohio State
  • #86 (3) LB Sean Spence Miami (Fl.)
  • #109 (4) DT Alameda Ta´amu Washington
  • #159 (5) RB Chris Rainey Florida
  • #231 (7) WR Tony Clemons Colorado
  • #240 (7) TE David Paulson Oregon
  • #246 (7) CB Terrence Frederick Texas A&M
  • #248 (7) G Kelvin Beachum SMU

Zwei Charakteristika stechen heraus, wenn man sich die Drafts der Pittsburgh Steelers in den letzten Jahren ansieht. 1) In den letzten fünf Drafts hatten die Steelers neun Picks in den ersten zwei Runden, sechs davon haben sie für Linemen genutzt (ein siebenter war LB Lawrence Timmons). 2) Die Steelers gehen den ganz alten Weg und draften Talente mit dem Ziel, ihnen erst im zweiten oder dritten Profijahr tragende Rollen zu geben. Darum sollte man sich für 2012 eigentlich eher auf die letztjährige Draft konzentrieren. Da hat die Mannschaft aus Steeltown beispielsweise zwei Cornerbacks in den Runden drei und vier gedraftet und daher war es auch keine Überraschung, daß man heuer No. 2 Corner William Gay gen Arizona ziehen ließ. Ebenfalls letztes Jahr draftete man in der zweiten Runde einen Offensive Tackle mit Floridas Marcus Gilbert; ein Jahr davor war der erste Pick mit Maurkice Pouncey ein anderer Gator.

Nimmt man die beiden diesjährigen Picks David DeCastro und Mike Adams aus den Runden eins und zwei dazu, könnte die in letzter Zeit schlechte Offensive Line mit vier jungen Talenten aus den obersten Runden auflaufen. Zumindest auf dem Papier Teambuilding wie aus dem Lehrbuch. Stanfords Guard David DeCastro soll den pundits zufolge der beste O-Liner der diesjährigen Draftklasse und sofort NFL-ready sein. Ein 1,97m großer und 150kg schwerer Brocken, der nicht nur ein Fels in Sachen pass protection, sondern auch im Räume reißen für Running Backs bestes Material sein soll.

Tackle Mike Adams wäre wohl auch in der ersten Runde mit einem NFL-Trikot beglückt worden, wenn nicht gewisse character issues in seinem Zeugnis stehen würden. Die Steelers pfeifen – richtigerweise – auf Lappalien wie nicht korrekt bezahlte Tattoos und hoffen mit ihm einen Steal gelandet zu haben.

Der mit 1,80m etwas zu klein geratene LB Sean Spence wird vor allem viel, viel Training und Erfahrung bei einem der besten Linebacking-Corps der Liga bekommen. Eine wichtige Rolle wird er in der kommenden Saison nicht ausfüllen müssen. Aber zumindest mittelfristig wird er entweder als Nachfolger für der mittlerweile schon 37-jährigen ILB James Farrior aufgebaut werden oder mit seiner Athletik und seiner range vielleicht sogar ein moderner Safety/Linebebacker-Hybrid gegen die paßlastigen Offenses werden. (Der Gedanke dahinter: immer mehr Spread-Formationen zwingen zu immer mehr Nickel-/Dime-Defenses, was wiederum zu mehr Platz für Running Plays aus diesen Formationen führt. Ein „moderner“ S/LB-Hybrid sollte ebenso einen Aaron Hernandez beim Paßrouten laufen decken können als auch space players beim Laufen sicher stoppen können.)

Ebenso so ein space player ist auch der winzige Chris Rainey. Der 5th-rd pick aus Florida ist mit seinen 1,75m einer der schnellsten und wendigsten Spieler der diesjährigen Draft. Eine erfolgreiche Karriere als Sprinter in der Leichtathletik stehen ebenso in seinem Lebenslauf wie ein MVP-Award der Gators 2011. Der neue Offensive Coordinator Todd Haley hat mit Dexter McCluster in seiner Zeit bei den Kansas City Chiefs fast einen Klon von Rainey gehabt und sollte ihn bei den Steelers als wichtiges Puzzleteil für explosive Plays in die neue Offense einbauen.

Um NT Alameda Ta´amu in der vierten Runde zu bekommen, haben die Steelers nach oben getradet. Der 160kg schwere Koloß gilt gemeinhin als Steal als 109. Pick, soll aber in eine große Rolle hineinwachsen: NT Casey Hampton, einer der unterschätztesten Spieler der Liga, benötigt ob seiner fast 35 Lenzen dringendst einen Nachfolger.

Von den vier 7th-rd picks ist WR Tony Clemons der interessanteste. Wenn die Steelers einen speedster für die Seitennlinien draften, klingelt nicht nur ein Alarmglöckchen: Wallace, Brown, Sanders, anyone?

Überblick

Wenn man nach dem Erfolgsrezept für den nachhaltigen Erfolg der Steelers sucht, landet man früher oder später immer beim draften. GM Kevin Colbert muß sich hier vor niemandem verstecken. Dieses Jahr mit den zwei Top-Picks die schwache Offensive Line mit Riesentalenten verstärkt. Mit RB/WR/Returner Rainey Offense und Special Teams eine neue Waffe verschafft. Mit Clemons vielleicht den nächsten Emmanuel Sanders oder Antonio Bown gefunden.

In der Defense wurde endlich ein Nachfolger für Hampton gefunden und mit LB Spence vielleicht  sogar ein ganz neuer Spielertyp. Seit 2001 hatten die Steelers nur eine Saison mit negativer Bilanz und nur drei Spielzeiten ohne Playoff-Teilnahme. Der Grund sind Drafts wie diese. Pittsburgh beweist immer wieder, daß man einen guten Kader am Draft-Weekend und nicht in der Free Agency baut.