Philadelphia Eagles in der Sezierstunde

Zweifellos eine der spektakulärsten Mannschaften des Jahres waren die Philadelphia Eagles: Ihre erste Saison unter dem neuen Head Coach Chip Kelly endete in einem Divisionssieg und einer knappen Playoff-Niederlage – was deutlich mehr war als erwartet. Alle Befürchtungen von wegen „Chips Offense funktioniert in der NFL nicht“ wurden vorerst auf Eis gelegt. Im Gegenteil: Chips spektakuläre und manchmal unkonventionelle Spielweise begeisterte die Fans quer durch das Land, obwohl der Inbegriff des aufregenden Quarterbacks, Michael Vick, sogar nur eine Handvoll Spiele absolvieren konnte ehe er sich mal wieder auf die Verletztenliste verabschiedete.

Überblick 2013

Record        10-6    WC
Enge Spiele    4-2
Pythagorean    9.3    11
Power Ranking  0.693   5
Pass-Offense   7.3     3
Pass-Defense   6.6    22
Turnovers      +12

Management

Salary Cap 2014.

Das Positive an den Eagles: Sie waren in Pass-Offense (7.3 NY/A, #3 der Liga) und Lauf-Offense (49% Success-Rate, #1) unter den absolut effizientesten Mannschaftsteilen. Vorsicht ist aber in gewisser Hinsicht geboten: Die Turnover-Ratios sind sowohl für Interceptions als auch für Fumbles so abstrus gering, dass sie nicht zu halten sein werden, selbst für ein Team, dessen Headcoach seinem Team einbläut nur ja nie den Ball aus dem Fokus zu verlieren.

Auf der anderen Seite übertraf in Philadelphia auch die Defense die – allerdings niedrigen – Erwartungen. Aber „übertreffen“ liest sich immer noch mickrig: 6.6 NY/A gegen den Pass und 56% Erfolgsquote gegen den Lauf sind jeweils nur die 22t-beste Werte ligaweit. So ganz nachvollziehbar ist Chips Systemwechsel auf eine 3-4 Defensive-Front auch nach dem Jahr eins noch nicht.

Beginnen wir in der Offense.

Michael Vick war nie als Langzeitlösung gedacht, und entsprechend wurde er nach Saisonende auch ziehen gelassen. Entgegen kam den Eagles dabei der Fakt, dass Vicks Zögling, Nick Foles, trotz seines so fassungslos konträrem Spielstil einen so erfolgreichen Einstand als Mann am Ruder hatte: Foles brachte in der weiten Spread-Offense 226 von 350 Pässen an den Mann (64% Completion-Rate) für – Achtung! – durchschnittlich 7.6 NY/A (Sacks inklusive). Das sind monströse Werte.

Nun gibt es durchaus einige Warnsignale bezüglich Foles. Die erste ist die nicht zu haltende INT-Rate von 2 Fehlpässen in 350 Versuchen. Eine 0.6%-Rate über mehr als eine Saison zu halten wäre einmalig in der NFL-Historie. Foles‘ Workload in der abgelaufenen Saison war dann auch prinzipiell mit 350 Pässen nur etwas mehr als eine halbe Saison nach heutigem Standard… man sollte also Foles Fähigkeit, Interceptions zu vermeiden nicht überbewerten beim Blick auf die Zukunft.

Das andere Problem ist die zum Teil berechtigte Frage, ob Foles nicht ein Produkt des Systems in Philadelphia ist, der viel gescholtene System-QB. Natürlich muss ein Quarterback erst einmal alle ihm zugeteilten Aufgaben soweit erfüllen, dass dabei 7.6 NY/A herausspringen, aber es sind bei Foles durchaus noch lange nicht alle Fragen beantwortet. Mit einem nur durchschnittlichen Wurfarm darf man sich schon noch wundern, ob man mit ihm seine ganze Latte an Plays auspacken kann, oder ob man darauf beschränkt wird, den Pass als ergänzendes Element zum Lauf zu interpretieren.

Für 2014 hat sich Foles gewiss die Chance mehr als verdient. Als seine neue Nummer 2 wurde der in New York gefloppte Mark Sanchez geholt, ein Mann mit zumindest physisch sehr guten Voraussetzungen. Die Nummer 3 bleibt wohl erstmal Matt Barkley, dessen Kurzeinsätze als Debütant jedoch nicht viel Gutes erwarten ließen.

Foles wird im Draft 2014 mit hoher Wahrscheinlichkeit einen neuen Top-Wide Receiver zur Seite gestellt bekommen: Diese Position ist seit der Entlassung von DeSean Jackson letzte Woche vakant. Jackson war nie „der“ unumstrittene Schlüsselspieler vom Schlage eines Calvin Johnson, aber er war mit seiner Explosivität und seinem Näschen für die 70yds-Catches stets der Mann, der wie kein anderer die Eagles-Offense in die Länge zu ziehen vermochte. Jackson wurde wegen Verdachts auf Beziehungen zu den Straßengangs der atlantischen Megalopolis vom sehr auf Disziplin bedachten Kelly gefeuert; er scheint zumindest nicht wichtig genug gewesen zu sein um seine gelegentlichen Aussetzer sowie die potenziellen Störungen durch die Rapper-Community zu überstrahlen.

Vielleicht war Jackson auch mit seinen knapp 10 Mio/Jahr zu teuer. Die Eagles haben zwar noch Cap-Space, aber sie werden in absehbarer Zeit einige Eckpunkte auf anderen Positionen mit neuen Verträgen ausstatten müssen – und möglicherweise war die Rapper-Story ein willkommener Anlass um einen sehr guten, aber nicht sensationellen und nicht billigen Offensivspieler loszuwerden. Auf der WR-Position könnte Chip durchaus Selbstvertrauen genug haben, um dank „seinem“ System auch mit billigeren Alternativen durchzukommen.

Philadelphia gehen mit Jackson nicht bloß 25% der gesamten Anspiele der Mannschaft, 85 Catches für 1385yds, 9 TD und 41% tiefe Anspiele verloren, sondern auch ein exzellenter Returner. Es gilt, diese Eigenschaft zu ersetzen, ob in der ersten oder zweiten Runde des Drafts.

Auch der heiß geliebte Jason Avant wurde entbehrlich. Dafür bekam Riley Cooper eine Vertragsverlängerung um fünf Jahre (25 Mio. Dollar Gesamtwert). Es scheint sich zu bewahrheiten, was ich letztes Jahr unter Protesten der anderen in der Big-Show raushaute: Die Zeit heilt die Wunden. Cooper („I will fight every nigger out there“) schaffte mit hohem Arbeitsethos eine Resozialisierung und spaltete entgegen der Befürchtungen nicht den Kader. Cooper ist aber trotz seiner sehr guten Zahlen kein Mann um den du deine Offense gebaut haben möchtest; er ist ein guter Ergänzungsspieler als Nummer 2 oder 3.

Eine etwas andere Art von Ergänzungsspieler ist der frisch aus New Orleans eingekaufte Alleskönner Darren Sproles, mit mittlerweile 30 Lenzen nicht mehr der Allerjüngste, aber noch immer effizient. Ich habe das Gefühl, Kelly holte sich Sproles weniger als Ballträger (dort ist man hervorragend besetzt), sondern mehr als eine Art verkappter Slot-WR, ein beweglicherer Vereen für die kurzen Checkdowns aus dem Backfield heraus, um dem Quarterback so oft wie möglich eine Sicherheitsoption zu geben und die Defense automatisch gedanklich in der Nähe der Anspiellinie zu halten.

Die Schachfigur Sproles verlangt aber immer noch nach einem deep threat, das ja nun mit Jackson abhanden gekommen ist. Der Rest der Skill-Positionen kann mit Breit-Grinsen abgehakt werden: WR Maclin konnte „dank“ dessen Verletzung spottbillig für einen Einjahresvertrag gehalten werden; Tight Ends passt in Philadelphia; Running Back passt sogar sehr gut – der explosive RB McCoy passt mit seinem hasenfüßigen Spiel wie Arsch auf Eimer in diese so gern im offenen Spielfeld operierende Offense, und auch sein Backup RB Brown ist kein Schlechter.

Wo es nach aktuellem Erkenntnisstand weder in der Spitze noch in der Breite Nachholbedarf gibt: Offensive Line, die nach den Idealen des Chip Kelly zusammengestellt ist – groß, kräftig, bullig. „Aktueller Erkenntnisstand“ ist aber so eine Sache und gilt nur für die Annahme, dass der OG Evan Mathis es mit seinem Holdout nicht auf die Spitze treiben will und einen ernsthaften Vertragsstreit provozieren möchte.

Mathis ist ein Guard, der lange Zeit als verkannter Ergänzungsspieler durch die Liga tingelte, und erst mit 30 Frühlingen auf dem Buckel in Philadelphia eine Bleibe fand. Unter Andy Reid entwickelte er sich dort zu einem sehr verlässlichen Stammspieler; Pro Football Focus sieht in Mathis sogar seit Jahren den um Lichtjahre besten Spieler auf seiner Position. Mathis unterschrieb erst vor zwei Jahren einen langfristigen Vertrag – insofern kommt seine schnelle Forderung wie Aasgeier ins Land. Andererseits. Mathis kann mit 33 nicht hoffen, in weiteren zwei Jahren noch einmal einen Lebensvertrag abzuschließen. Zweiseitiges Schwert mit offenem Ausgang.

Diese Diskussionspunkte um die Offense sind Luxusprobleme verglichen mit der Defense von DefCoord Billy Davis, die guten Gewissens das Label „Baustelle“ verdient. Wie schon geschrieben, sie hielt sich etwas besser als befürchtet.

Der bessere Teil war die Arbeit gegen den Lauf: Philadelphias Front ist weniger aggressiv denn mitdenkend. Man schießt nicht sofort die Gaps mit acht Mann zu, sondern wartet erst einmal, wie sich der Spielzug entwickelt. Das funktionierte streckenweise gut genug. Dagegen schnappte die Pass-Defense als Unit nie so richtig.

Das erste Problem gingen die Eagles schon in der Free-Agency an: Safety. Es wurde zwar keiner der ganz großen Namen wie Ward oder Byrd geholt, dafür aber für durchschnittliche Moneten der Free-Safety der Saints, Malcolm Jenkins (3 Jahre, 16 Mio, 8.5M guaranteed). Jenkins ist ein Upgrade über alles an Safetys, was die Eagles seit Jahren hatten, und er ist als gelernter Cornerback einer mit Fokus auf die tiefen Zonen des Feldes. Jenkins gilt zwar nach wie vor als Enttäuschung gemessen an seinem Status als ehemaliger 1st-Rounder und er soll nicht immer sicher tackeln, aber er dürfte zumindest Stabilität in die schlimmste Zone der Eagles bringen.

Möglicherweise reicht ein Jenkins noch nicht. Möglicherweise braucht es via Draft noch einen zweiten, und relativ sicher ist, dass auch Cornerback zumindest keine Position ist, auf der man sich nicht noch nach potenziellen Upgrades umschauen sollte.

Die Front-Seven ist der eher stärkere Part der Eagles-Defense, auch wenn sie nicht kritikfrei ist. Eines der Probleme ist noch immer das 3-4 System, das eher deplatziert wirkt… oder das Spielermaterial ist deplatziert… auf alle Fälle wirkt das ganze noch nicht so kongruent.

Nose Tackle ist der untersetzte, aber quicke Bennie Logan, der als Rookie gar keine so schlechte Figur gemacht haben soll. Als seine Nebenleute agieren der famose Jungspund Fletcher Cox (spielte meistens die rechte Seite 3-4 End) und Thornton, nachdem der Hüne DE Gaethers ziehen gelassen wurde.

Die beiden Inside Linebacker hinter der Line sind DeMeco Ryans und Mychal Kendricks. Vor allem von Kendricks verspricht man sich noch mehr. Er soll tendenziell den Weakside Linebacker für einhundertsiebzig Tackles pro Saison geben, aber Kendricks (Draftklasse 2012) ist noch immer in der Einlernphase. Ryans genießt noch einen guten Ruf, weil er vor vielen Jahren mal Defensiv-Rookie des Jahres in Houston war, aber unterschwellig versuchte man ihn schon zu ersetzen – passiert ist das noch nicht, weil die Prioritäten erstmal noch andernorts lagen. Für’n Fall, dass Ersatz gefunden wird: Ryans könnte ohne dead money entlassen werden, und dann würden die Eagles gut 7 Mio. einsparen.

Sehr fraglicher Punkt sind die Edge-Rusher: Trent Cole sagte man eine sehr gute Saison nach, aber Cole ist jenseits der 30er-Marke und hatte zuvor nicht mehr immer geglänzt. Der andere OLB Barwin gilt nicht als Mann für sehr viel Passrush. Und dann ist da noch OLB Brandon Graham, erst vor wenigen Jahren ein 1st-Rounder der Eagles, der aber nie so recht eingeschlagen ist – und auf der anderen Seite immer wieder genügend Potenzial andeutet, dass man ihn nicht zum Teufel jagen möchte. Graham ist vom Spielstil her kein klassischer Outside Linebacker, und manch einer würde den Eagles doch raten, Graham an ein 4-3 Team zu verkaufen um noch den einen oder anderen Draftpick Gegenwert zu erhalten, bevor es nächstes Jahr zu spät ist.

Rein auf die kommende Saison gerichtet brauchen die Eagles noch relativ dringend:

  • Einen Cornerback mit Kaliber zum Stammspieler.
  • Zumindest noch einen sehr schnellen Wide Receiver für die längeren Routen.
  • Einen weiteren Safety.

Sollte es das Moment im Draft hergeben und das „richtige“ Talent griffbereit liegen, kann man in Philadelphia durchaus auch mit einem Auge auf die Positionen Outside-Passrusher und Inside Linebacker schauen um auch schon einen mittelfristigen Fokus in den Laden zu bringen. Chip Kelly wird das sowieso tun. Er liebt es, auf allen Positionen Konkurrenzkampf zu schüren, und könnte durchaus für die eine oder andere Überraschung zu haben sein.

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Kansas City Chiefs in der Sezierstunde

Die Saison 2013/14 ist für die Kansas City Chiefs in der Geschmacksrichtung best case scenario abgelaufen, es gibt kein Drumherum-Reden: Die Debütsaison des Head Coaches Andy Reid führte ein Jahr nach dem Absturz an den Bodensatz sofort in die Playoffs, wo man allerdings einen schon sicher geglaubten Sieg gegen die Colts noch aus der Hand gab. Die Chiefs hatten als dark horse gegolten, und sie wurden diesem Status mit 11-5 Siegen gerecht. Können sie das noch einmal so hinbiegen?

Kansas City ist ein Paradebeispiel für die Wichtigkeit, aber auch die Zufälligkeit von Turnovers: 2012 war man -24 nach Ballverlusten und holte nur zwei Saisonsiege. Man war Bodensatz nach Turnovers Ein Jahr später hatte man eine Turnover-Ratio von +18, eine der besten der Liga, und holte entsprechend 11 Siege. Die Defense kreierte 36 Stück, die risikoscheue Offense verlor den Ball nur marginale 18 Mal. Turnovers verhalten sich sehr zufällig, deswegen bin ich skeptisch, was einen erneuten Durchmarsch der Chiefs durch die Regular Season angeht.

Überblick 2013

Record        11-5    WC
Enge Spiele    3-3
Pythagorean   11.2     5
Power Ranking  0.484  19
Pass-Offense   5.8    21
Pass-Defense   6.4    18
Turnovers      +18

Management

Salary Cap 2014.

Es waren aber nicht bloß die Turnovers: Die Chiefs hatten zudem einen recht außergewöhnlichen Lauf in der ersten Saisonhälfte, in dem sie auf eine ganze Latte an Backup-QBs trafen, eindimensionale Offenses, gegen die sie nicht viel ausrichten mussten; der Schedule der Chiefs war auch nicht so besonders schwierig, und trotzdem beendete man das Jahr „nur“ mit 6.4 NY/A gegen den Pass in der Defense – ein leicht unterdurchschnittlicher Wert. Nichts nervös zu werden, aber auch wenn man Luck, Manning, Rivers und Romo sah: Gegen den 16-Spiele Schedule hätte man da eigentlich mehr erwartet, zumindest verglichen mit dem, wie die großen Medien die Chiefs-Defense 2013 wahr nahmen.

Im Angriff ist man so banal wie erwartet. Ein QB Alex Smith wird nicht mehr der große Gunslinger vor dem Herrn, sondern bringt dir genau das Erwartete: 5.7 NY/A und zehn oder weniger Interceptions übers Jahr. Er schmeißt dir die Partie nicht aus dem Fenster, aber wenn es kritisch wird, bitte erwarte von Smith keine Wunderdinge und großen Comebacks. Eigentlich wären die Chiefs ja reif, schön langsam an Smiths Nachfolger zu denken um das „Ceiling“ der Mannschaft zu heben, aber es sprechen mehrere Dinge dagegen: Die Investition, die man erst letztes Jahr in Smith tätigte (2nd-Round Pick) und die himmelschreienden Lücken auf Wide Receiver und in der Offense Line.

Letztere Löcher könnten Kansas hinunter reißen: LT Albert wurde wie lange erwartet nach Miami ziehen gelassen, der OG Asamoah ging nach Atlanta, der G Geoff Schwartz nach New York. Übrig bleibt ein grünschnäbeliger Kern an ungeprüften Vorblockern.

Als neuer Left Tackle wird Eric Fisher eingestellt, letztes Jahr der Top-Pick im Draft. Fishers Rookie-Saison enttäuschte die Erwartungen. Angeblich war er weder im Laufspiel noch im Passspiel gebräuchlich, und das auf der rechten Seite, die im Vergleich zur linken Seite als die einfachere gilt. Es ist aber zu früh, Fisher abzuschreiben: Viele junge Offense Liner haben anfangs Probleme, sich auf das Tempo und die komplexeren Schemen in der NFL einzustellen, zumal wenn man wie Fisher von einem sehr kleinen College in die NFL kam. Und dann ist Andy Reid ja auch noch ein Zauberer wenn es darum geht, Offense Liner aufzubauen.

Lassen wir Fisher mal Fisher werden. Center ist mit dem jungen Rod Hudson (ehemals FSU) auch noch eine Position, die mit viel Gutdünken durchgewunken werden kann, aber dann wird es dünn. Ein jahrelanger Backup und OL-Springer wie Stephenson könnte temporär einen der Guard-Positionen übernehmen, aber dann braucht es immer noch wenigstens einen Tackle und einen Guard im Draft.

Reid liebt es, junge Offense Liner zu draften, bloß war seine Erfolgsbilanz dort in den letzten Jahren ziemlich unterirdisch. Nicht ausgeschlossen, dass Reid darauf vertraut, sich dieser Positionen erst in späteren Runden zu bedienen um da ein paar unbekannte Leute hoch zu ziehen.

Wo auch nachgebessert werden muss: Wide Receiver. Dort spielt Dwayne Bowe seit vielen Jahren den Alleinunterhalter, so auch 2013 mit 116 Anspielen (20% der Pässe der Mannschaf). Bowe fing davon nur etwas mehr als die Hälfte für 822yds und 6 TD, aber was willst du schon machen, wenn deine komplette Pass-Offense auf einen Mann zugeschnitten ist. OK, du hast noch deinen RB Jamaal Charles, der alles macht, von fangen, laufen und vorblocken, aber dann verheizt du Charles endgültig…

Fakt ist: Hinter Bowe muss dringend neues Spielermaterial her. Wenn man sich so durch die Chiefs-Foren klickt, fordern alle ohne Umschweife wenigstens einen „schnellen“ Wide Receiver, sprich einen Sprintertypen, der eine Defense auseinander ziehen kann. Wie das mit einem notorisch wurfschwachen Quarterback wie Smith gut gehen soll, ist mir schleiferhaft, aber wenn die Ausschreibung ein Sprinter ist, dann könnte durchaus ein Mann wie Oregon States Brandin Cooks gemeint sein, der überall eingesetzt werden kann: Innen, außen, im Slot. Cooks oder ähnlich als Ergänzung zu einem Bowe läse sich nicht übel.

Zumal die Chiefs kaum mehr auf den Durchbruch des als Bust abgeschriebenen A.J. Jenkins warten wollen; Jenkins, erst vor zwei Jahren ein Erstrundenpick in San Francisco, hatte erneut nur wieder 9 Catches und dürfte maximal als dritte oder vierte Option im Kader verbleiben.

In der Defense beschränken sich die größeren Lücken auf die Secondary: SS Eric Berry hat seinen Durchbruch mittlerweile geschafft, der Slot-CB Brandon Flowers gilt als verlässliche Fachkraft, aber alle anderen Besetzungen sind upgrade-würdig. Der junge CB Marcus Cooper, letztes Jahr wochenlang als Sensation gefeiert bis eben nach all den Backup-QBs die ersten ernsthaften NFL-QBs kamen, wurde von Peyton Manning und Co. Spielzug für Spielzug in seine Einzelteile zerlegt und wurde hernach heulend auf die Bank gesetzt; Coopers Selbstvertrauen gilt erstmal als angeknackst genug, dass die Chiefs ihn wohl nicht mehr so schnell die Stamm-Position überlassen.

In der Front-Seven tummeln sich dagegen die hochklassigen Talente: Der NT Dontari Poe, 2012 als Workout Warrior verspottet und mit einem schlechten Einstand als Rookie, hatte 2013 sein Coming-Out und wurde verdientermaßen in der Nähe des All-Pro Teams verortet; Poe ist ein Monster und neben einem Dareus und Wilfork so ziemlich der prototypische Nose Tackle der Gegenwart: Beschäftigt permanent zwei Gegenspieler, und kommt zwischendurch immer mal wieder durch zum Quarterback um ihm einen Schlag zu verpassen oder ihn gar zu sacken. Poes Bilanz liest sich wie J.J. Watt für Arme: 5 Sacks, 7 QB-Hits, 4 Pass-Deflections, 5 Run-Tackles für Raumverlust – und nicht vergessen: Ein Watt sieht häufiger Einzel-Deckung, während Poe fast immer gedoppelt wird.

Poes grundsolide Nebenleute in der Dreimann-DL der Chiefs haben ein vergleichsweise einfaches Leben. Die Passrusher an den Flanken, OLB Justin Houston und OLB Tamba Hali, nutzten das zu gemeinsam 25 Sacks (13 in 15 Einsätzen für Hali, 12 in 11 Einsätzen für Houston) und konstantem Dampf. Hali ist eher die eindimensionale Variante vom Outside Linebacker, aber der junge Houston ist mehr, ein kompletter Spieler, der den Chiefs noch große Freude bereiten wird, sofern er sich nicht wieder dem brennenden Gras zuwendet. Und Inside-Linebacker Derrick Johnson ist mittlerweile eh über jeden Zweifel erhaben.

Merkwürdiges Konstrukt, die Chiefs. Die Schwachstellen sind klar identifizierbar:

  1. Wide Receiver
  2. Offensive Tackle
  3. Offensive Guard
  4. Cornerback

Quarterback ist zwar keine “Schwachstelle” im Sinne, dass Smith das Team in die Scheiße reitet, aber er hindert die Chiefs in ihrer mittelfristigen Entwicklung. Allein, Reid machte immer deutlich, dass er an Smith glaubt und ihn nicht zu ersetzen gedenkt.

Trotz dieser klar ersichtlichen Schwachstellen und der deutlich erkennbaren Stärken muss man aufpassen, Kansas erneut wieder per Knopfdruck in die Playoffs zu wählen. Die AFC ist keine starke Conference, und so viele andere Alternativen drängen sich momentan nicht auf, aber aufgepasst: Vieles in unserer Wahrnehmung der Chiefs hängt an dem dramatischen Schwingen der Turnover-Werte, und dass die Defense nächstes Jahr statt 36 nur noch – sagen wir – 24 Ballverluste erzwingt, ist gut möglich. Dann hast du anstatt 11 Siegen schnell nur noch 8 übrig, wenn dein Passspiel weiterhin so leblos bleibt.

Ein Wechsel wird nicht passieren, aber prinzipiell führt uns jede Chiefs-Analyse immer wieder zur Spielmacher-Frage zurück…

Carolina Panthers in der Sezierstunde

Die Carolina Panthers haben eine der besten Spielzeiten ihrer noch immer jungen Franchise-Geschichte hinter sich: 12-4 in der Regular Season dank des sehr gefeierten Head Coaches Ron Rivera, der seine Unterhosen herunterließ und als erster Coach der jüngeren NFL-Geschichte die Traute hatte, konsequent unkonventionelle, aber analytisch richtige in-Game Entscheidungen zu treffen – und gewann. Rivera machte vieles richtig, was er in der Vergangenheit falsch gemacht hatte.

Dann kam die Offseason. Carolina befindet sich auf schnurgeradem Weg in die „Cap-Hölle“, seit der mittlerweile gefeuerte GM Marty Hurney im Sommer 2011 meinte, einen Mannschaftskern aus Runningbacks alten Linebackers mit dutzenden Millionen zuschütten zu müssen. Weil Carolina sich mit massiven Spielerverträgen seinerzeit selbst knebelte, konnten die Panthers in dieser Offseason nicht bloß keine Schwachstellen beseitigen; sie waren sogar gezwungen, neue Schwachstellen aufzumachen.

Für den Rücktritt des langjährigen LT Jordan Gross konnte man nichts. Aber dass hernach weder versucht wurde, die Offense Line zusammenzuhalten noch ernsthaft versucht wurde, den ikonischen WR Steve Smith mit der Gehaltsstruktur in Einklang zu bringen, dass die Secondary noch weiter geschwächt wurde: Dafür trägt die Sportliche Leitung zumindest ansatzweise die Verantwortung.

Überblick 2013

Record        12-4    DP
Enge Spiele    5-2
Pythagorean   11.7     3
Power Ranking  0.624   8
Pass-Offense   6.0    18
Pass-Defense   5.5     6
Turnovers      +11

Management

Salary Cap 2014.

Carolina ist in der Offense auf einzelnen Positionen gesattelt. Der Center Kalil passt; das Backfield mit dem Kugelblitz Tolbert sowie den – wenn auch teuren – RBs Williams/Stewart/Barner passt. TE Olsen ist ein Mann, mit dem du arbeiten kannst. Und die wichtigste Personalie: QB Cameron Newton, der zwar seine schwächste Profisaison hinter sich hat (nur 6.0 NY/A Passspiel), aber weiterhin, trotz seiner manchmal nervenden Aussetzer, der zentrale Punkt des Angriffs ist. Newton hatte letztes Jahr Probleme mit einem Offensiv-System, das nicht um seine Stärken herum konzipiert war, sondern versucht, mit I-Formationen eine Art Power-Offense zu spielen. Ein Newton stünde mit seiner Beweglichkeit eher für einen offeneren Spread-Angriff, der die Breite des Spielfelds und das offene Spielfeld zu nutzen versucht.

Aber die Power-Offense funktionierte zumindest ansatzweise, weil Newton sich auf seine Notwaffe Smith verlassen konnte: Dieser alte Haudegen sah trotz aller Abgesänge wieder einmal 115 Anspiele und machte viele 3rd-Downs. Smith wurde vom neuen GM Gettleman nahezu ohne Umstände ziehen gelassen. Smith ist 35 und kein einfacher Mensch, so viel ist klar, und oft würde man eine Trennung in solchen Fällen gutheißen, aber Carolina ist eine Mannschaft, die neben Smith nicht einen einzigen Wide Receiver von NFL-Format aufweisen kann, nachdem auch LaFell, Ginn und Dixon ziehen gelassen wurden.

Carolina ist gezwungen, sich im Draft nicht bloß nach einem Left-Tackle umzusehen, nicht bloß noch zumindest einen Offense-Guard zu suchen, sondern Carolina muss händeringend Wide Receiver draften, nicht in einfacher oder zweifacher Ausführung, sondern am besten in dreifacher. Aktuell besteht der Depth-Chart aus einem bestenfalls #3-WR in Cotchery (kam aus Pittsburgh; ist mit mittlerweile 32 auch nicht mehr der jüngste), Underwood, King, McNutt und wie sie alle heißen – die meisten sind ungedraftete Leute ohne Erfahrung.

In der Defense können die Panthers auf eine großartige Front-Seven bauen: DE Greg Hardy (zuletzt 16 Sacks) konnte gehalten werden und wird auch eine Vertragsverlängerung bekommen; Hardys künftiger Vertrag dürfte allerdings auch einer der Gründe gewesen sein, wieso Carolina auf anderen Positionen seine Spieler so schmerzlos ziehen ließ (lassen musste?). DE Charles Johnson ist im Vergleich zu Hardy der blassere Spieler, aber eine gute Ergänzung als #2.

Die jungen DT Lotulelei und Kawann Short hatten jeweils den erhofften Impact auf die Panthers-Defense und dürften auf Jahre hinaus unumstritten sein, sofern sie sich nicht ärger verletzen. Dahinter steht mit dem aktuellen NFL-Abwehrspieler des Jahres #59 Luke Kuechly sowie #58 Thomas Davis eine Mauer an Linebackers. Aber wehe, da fällt mal einer dieser Schlüssespieler über längere Zeit aus…

Die großen Fragen beschränken sich in Carolina trotzdem auf die Secondary, aber dort sind sie dafür umso lauter. Es war in Carolina ja immer schon die Denke, dass man ein schwach besetztes Defensive Backfield mit einer dominanten Front-Seven kaschieren kann; so oder ähnlich praktizieren es die 49ers auch nicht ohne Erfolg seit Jahren… allerdings ließen die Panthers heuer von jenem mittelmäßigen Backfield auch noch die wenigen Stützen wie CB Munnerlyn, CB Florence, S Mitchell oder S Mikell ziehen. Alles für sich keine allzu schmerzhaften Abgänge, aber in der Summe und gepaart mit den Alternativen im Kader ist das schon ein heftiger Abfluss von Spielern, der schwer zu kompensieren ist.

Zumal ja – wie wir gesehen haben – durchaus in Offense Line und auf Wide Receiver noch ärgere Lücken bestehen. Carolina dürfte also in Sachen Secondary noch versuchen, zumindest akzeptable Routiniers via Transfermarkt zu bekommen um zumindest die ganz große Katastrophe – den Kollaps der Pass-Defense – zu verhindern.

Die Lücken in Carolina sind also recht simpel zu identifizieren:

  1. Wide Receiver
  2. Offensive Tackle
  3. Defensive Backfield

Es steht außer Frage, dass Carolina heuer relativ nahe an das Draften nach „Need“ kommen muss, und dass man zumindest zwei oder drei Talente finden muss, mit denen man per sofort etwas anfangen kann. Der/die neue/n Wide Receiver sollte im Idealfall ein vergleichsweise NFL-bereiter Spieler sein, auch wenn gerade die Historie zeigt, dass Receiver keine Position ist, auf der die Talente dazu tendieren, den Wechsel vom College zu den Profis schnell zu schaffen. Defensive Backfield übrigens noch weniger… aber nicht vergessen: Need-Draften ist das, was man in der NFL nur im äußersten Notfall machen sollte. Carolina 2014 hat Notfälle.

Tja. Carolina hatte eine der größten Mannschaften in den letzten zwei Jahren, aber man war aus diversen uns bekannten Gründen in den großen Medien verkannt. Jetzt droht erstmals in der Ära Ron Rivera/Cam Newton ein ernsthafter Rückfall. Du kannst Schwachstellen in der heutigen NFL kompensieren, aber du kannst kaum kompensieren, wenn du in den drei erörterten Schlüsselpositionen das Äquivalent von „nicht tauglich“ bzw. „komplett unerfahren“ als Optionen hast.

Buffalo Bills in der Sezierstunde

Für die Buffalo Bills war 2013/14 die alte Leier: Mal wieder wurde ein neuer Trainerstab in die Stadt gebracht, mal wieder sprang eine generische 6-10 Saison heraus, die nicht allzu viel Angriffiges hatte. Beginnen soll die Sezierstunde zu den Bills aber mit einem aktuellen Ereignis, das den Endpunkt einer Ära für diese Franchise markiert: Den Tod des Franchise-Gründers und Owners, Ralph Wilson jr., der am Dienstagabend 95-jährig verstarb.

Ralph Wilson jr., ein Weltkriegsveteran und Geschäftsmann aus Detroit, wollte in den 50ern unbedingt eine NFL-Franchise besitzen. Man muss wissen, dass es eine Zeit war, in der es noch keine Superbowl gegeben hatte und in der der Profi-Football noch immer ein Schattendasein fristete. Er kaufte sich als Minderheiteneigentümer bei den Lions ein, aber er sah keine Chance, an der dort übermächtigen Ford-Familie – gerade in der Blütezeit des Automobil-Booms befindlich – vorbeizukommen. Also versuchte er sich gemeinsam mit anderen Kollegen an der Gründung einer neuen Franchise, erst in der NFL, dann, als er keine Chance sah, via Gründung einer neuen Liga, der späteren AFL. Er wollte im sonnigen Miami spielen, zog aber den Kürzeren. Also wandte er sich an Buffalo. Seine Worte im Gründerbrief an den AFL-Gründer sind legendär:

Count me in with Buffalo.

Wilson galt stets als Mann, der die Ligainteressen über die eigenen stellte. Er finanzierte die Raiders und Patriots in schweren Zeiten um deren Fortbestand und damit auch den Fortbestand der jungen AFL zu ermöglichen. Er war stets auch Vertreter der kleinen Märkte, und er galt als sehr verbunden mit der Region um Buffalo, einem der unattraktivsten Märkte der NFL.

Seit vielen Jahren kursierten die Gerüchte, dass Wilson die Bills nach seinem Tod nicht an seine wenig footballbegeisterte Familie überschreiben würde (u.a. wegen der exorbitanten Erbschaftssteuern), aber es war immer klar, dass Wilson die Franchise zu Lebzeiten nicht aus Buffalo abziehen würde, trotz Annäherungen zum Beispiel mit dem Markt Toronto, wo man seit Jahren ein (allerdings wenig ertragreiches) Heimspiel der Regular Season austrägt. (Toronto dürfte sich mittlerweile selbst disqualifiziert haben)

Wilson verlängerte 2012 den Vertrag mit der Stadt Buffalo um zwölf Jahre bis 2023, mit allerdings einer relativ billigen Ausstiegsklausel (28 Mio. Dollar) im Frühjahr 2020. Mit seinem Tod geht die Besitzerschaft der Franchise fürs Erste an eine von ihm gegründete Stiftung. An der Leitung und dem Sportlichen Management wird sich erst einmal nichts ändern. Wie der Verkauf der Franchise von dannen geht, ist noch nicht ganz geklärt. In den letzten Jahren formierte sich rund um den ehemaligen Hall of Fame-QB der Bills, Jim Kelly, ein Konsortium, das die Bills in Buffalo zu halten versuchte; allein: Kelly hat momenten schwer krebskrank andere Sorgen.

Atmosphärisch stimmungsvoll ist der Tribut der Bills an den verstorbenen Owner (H/T Allesaussersport):

Überblick 2013

Record         6-10
Enge Spiele    4-4
Pythagorean    6.7    22
Power Ranking  0.511  17
Pass-Offense   5.4    29
Pass-Defense   5.3     3
Turnovers      +3

Management

Salary Cap 2014.

Sportlich gesehen haben die Bills eine Saison mit sehr starker Defense (u.a. drittbeste Pass-Defense mit 5.3 NY/A) hinter sich, aber die murmeltierähnlichen Offense-Probleme lassen die Mannschaft weiterhin nicht los. Der neue Head Coach Doug Marrone musste um viele Verletzungen und extrem unerfahrene Jungspunde auf Quarterback herum basteln, und es ist angesichts der Umstände ein kleines Wunder, dass diese Offense zeitweise sogar halbwegs rhythmisch aussah. Wenn du ein Saisonviertel auf einen ungedrafteten Rookie wie QB Jeff Tuel (59% Completion-Rate, 5.7 NY/A) bauen musst, darfst du auch keinen Ansturm auf die Divisionsspitze erwarten.

Der mit Pauken und Trompeten in der ersten Runde des Drafts geholte QB E.J. Manuel hatte – bei ihm nichts Ungewöhnliches – mit vielen kleineren und mittelschweren Zipperlein zu kämpfen. Manuel fand in seinem Einstandsjahr in der Liga nie den entsprechenden Groove, ja wirkte zeitweise sogar richtig deplatziert. Manuel ist ein unkonventioneller Spielertyp, beweglich, aber manchmal etwas ungestüm in seiner Wurfbewegung, was an schlechten Tagen so ungewöhnlich aussieht, dass man sich fragt, wieso so ein Mann NFL-QB werden konnte. An guten Tagen lief die vielschichtige und sehr geschwindige Offense der Bills aber rund genug, dass man Marrone und Manuel durchaus noch 1-2 Jahre Chance geben möchte (Manuel hatte nur 5.2 NY/A).

Abseits vom Quarterback ist die Bills-Offense auf den Skill-Players sehr flott besetzt. Das RB-Pärchen Spiller/Jackson gehört zum besten one-two punch der Liga. Spiller konnte wie erwartet nicht an seine furiose 2012er-Saison anschließen, aber mit 4.6 Y/A war er doch wieder effizient genug, während Jackson die Touchdowns in der RedZone abstaubte (9 für Jackson, nur 2 für Spiller).

Bei den Wide Receivern fiel auf, dass Stevie Johnson und der Rookie Robert Woods über 100x angespielt wurden, aber beide relativ niedrige Catch-Rate hatten. Das dürfte in erster Linie von der instabilen QB-Situation gekommen sein und sich bessern. Johnson war dabei der Slot-Mann für die kurzen Pässe, Woods mit 34% tiefen Anspielen eher der Mann für die Mitteldistanzen. Als echtes deep threat wurde – wenig überraschend für den, der den Draftprozess 2013 näher verfolgte – der halbe Leichtathlet Marquise Goodwin (hätte in der US-Olympiastaffel mitlaufen können) implementiert: Goodwin machte zwar nur 9 Saisonspiele, aber mit 53% tiefen Anspielen ganz klar der Mann, dem man die tiefen Bälle zukommen lassen will.

Der Offense fehlt allenfalls eine adäquate Ergänzung von der Tight End-Position, was auch der Grund ist, weswegen so viele für die Bills an der Draftposition #9 in der ersten Runde einen Tight End wie Eric Ebron sehen. Die Logik und die Zahlen würden es hergeben; bleibt halt die Frage, ob Marrone und sein GM Doug Whaley das ähnlich sehen.

Zumal die Bills-Offense den Auguren nach in der Offensive Line durchaus Verstärkung auf der rechten Flanke gebrauchen könnte. In einer Draftklasse, die mehrere exzellente OT-Prospects hat, könnte auch der Griff zu einem Tackle eine gute Wahl sein.

Die Defense der Bills war zuletzt vor allem gegen den Pass erwähnt fantastische Einheit. Trotzdem gibt es etliche Fragezeichen vor dem Start der neuen Saison. Das allergrößte kommt vom Coordinator-Wechsel: Mike Pettine, der Architekt hinter der sehr starken Defense, wurde relativ spät von den Cleveland Browns abgeworben. Als Nachfolger wurde der von den Detroit Lions geschasste Jim Schwartz eingestellt.

Nicht, dass Schwartz ein schlechter Defensive Coordinator wäre: Schwartz hat jahrelange Erfahrung aus seiner Zeit in Tennessee und gilt als echter Guru im Verbessern von Defensive Lines, aber auf der anderen Seite geht seine Vita bis dato fast ausschließlich durch Konzepte von 4-3 Defenses. Die Bills waren im letzten Jahr eher mit 3-4 Konzepten Pettines aufgestellt. Schwartz ließ schon verlauten, adaptiv sein zu wollen. Das eingekaufte Spielermaterial jedenfalls lässt noch keine Rückschlüsse zu, was Buffalo denn nun wirklich spielen wird.

Das zweite große Fragezeichen kommt mit dem Abgang vom FS Jairus Byrd, der nach Jahren des Vertragsstreits zu den Saints ziehen gelassen wurde. Man hätte Byrd – anerkannt einer der besten Free-Safetys – gehaltsmäßig locker halten können, was die Entscheidung suspekt macht. Byrds Abgang reißt jedenfalls eine große Lücke in eine Secondary, zu der man endlich einmal hatte Vertrauen gewinnen können. Mit Williams und Searcy stehen zwei sehr junge Alternativen zur Verfügung, aber beide gelten nicht als Idealbesetzung. Man kann durchaus erwarten, dass die Bills im Draft in der zweiten oder dritten Runde nach einem Nachfolger für Byrd greifen werden.

Auf Cornerback dürfte man gesattelt sein: Stephon Gilmore, der leider eine Saisonhälfte von 2013 verpasste, gehört zu den aufstrebenden Talenten und ist schon ein halber Shutdown Cornerback. Sehr unterschätzter Mann. Seine Positionskollegen wie McKelvin oder der eingekaufte Corey Graham aus Baltimore machen diese Position auch in der Tiefe zu einer, mit der sich arbeiten lässt.

Doch noch einmal zurück zur Front-Seven: Egal, was Schwartz denn nun philosophisch spielen lässt, für die Innen- und Außenseite sind großartige Spieler vorhanden: Innen kannst du auf Leute bauen wie den angehenden Superstar Marcel Dareus, den jahrelang so verkannten Kyle Williams oder den Jungstar Alan Branch. Das sind alles hochklassige Talente, die du allenfalls mit dem einen oder anderen Mann für die Rotation unterstützen möchtest. An den Flanken kannst du einen Mario Williams oder Manny Lawson mit Ergänzungsspieler Jerry Hughes einbauen – auch keine Schlechten ihres Fachs. Gerade Mario Williams steht mit seinem Monstervertrag in diesen Tagen noch einem Stellvertreter für den verzweifelten Versuch des Ralph Wilson, auf dessen alten Tage noch einmal das Schicksal der Franchise zu wenden.

Bei den Linebackers wurden dem sensationellen Rookie-LB Kiko Alonso (105 Successes; Success = entweder Turnover, Tackle für positive EPA) brauchbare Free-Agents wie LB Brandon Spikes (Run-Defender) oder LB Keith Rivers (kam von den Giants, gilt aber als etwas hüftsteif) zur Seite gestellt.

Alles in allem ist die Defense vom Spielermaterial einen Free-Safety davon entfernt, wieder vorne mitzuspielen, sofern die Philosophie-Frage zur Zufriedenheit geklärt wird. Vielleicht wird man keine 4.1% INT-Quote mehr fangen, vielleicht wird man auch keine 5.3 NY/A im Passspiel mehr schaffen, aber die Defense sollte erneut zu den besseren gehören.

Im Prinzip muss Buffalo folgende Stellen im Kader angehen:

  1. Free Safety
  2. Right Tackle
  3. Tight End

Das sind die „Needs“. Wer will aber schon ausschließen, dass die Bills, sagen wir, einen OLB Khalil Mack draften, wenn er zu ihnen runter auf die #9 im Draft fällt? Tight End hin oder her, in solchen Fällen nimmst du das Supertalent auf einer anderen Position und hoffst, mit deinem TE Chandler durchzukommen. Aber das sind Spielchen, die sich im Laufe des Drafts ergeben.

Quarterback dürfte wie schon erörtert erstmal noch mit mittelfristigem Fokus unangetastet bleiben; vielleicht holt sich Buffalo noch einen erfahrenen und routinierten Backup, um im Zweifelsfall nicht mehr auf Tuel angewiesen zu sein. Insgesamt ist die Mannschaft also gut aufgestellt. Vom Head Coach habe ich auch ein eher positives Bild. Zum Durchbruch muss halt der QM Manuel seinen Teil beitragen – und das ist vielleicht der schwierigste Teil.

Baltimore Ravens in der Sezierstunde

Die Baltimore Ravens haben eine Seuche von Saison hinter sich. Die 8-8 Bilanz erzählt dabei noch nicht einmal die ganze Geschichte: Mit 5.4 NY/A war man eine der drei ineffizientesten Pass-Offenses und laut Power-Ranking beendete man die Saison auf dem 29ten Platz. Als Titelverteidiger. Das nenne ich mal einen Absturz.

Das Vertrags-Dilemma um QB Joe Flacco wurde auf diesem Blog bereits häufig und intensiv thematisiert. Wir brauchen es nicht mehr: Flacco bekam seinen Monster-Vertrag, weil er im rechten Moment seine drei spektakulärsten Spiele absoliverte und die Superbowl gewann; das allein schaffen so wenige, dass allein „der Moment“ eine folgende Leidensgeschichte von 5-8 Jahren wert ist – oder nicht? Auf alle Fälle wird der Flacco-Vertrag die Ravens noch einige Zeit lang knebeln, bzw. sie dazu zwingen, im Draft die richtigen Spieler zu verpflichten.

Überblick 2013

Record         8-8
Enge Spiele    6-5
Pythagorean    7.1    21
Power Ranking  0.315  29
Pass-Offense   5.4    30
Pass-Defense   6.2    14
Turnovers      -5

Management

Salary Cap 2014.

Flacco hat keine gute Saison hinter sich: Nur 59% Completion Rate bei 5.4 NY/A, eine unrhythmische Offense, aber man muss ihm zugestehen, dass vieles nicht zusammenpasste: Die Offense Line war ein Torso, hinter dem Flacco (48 Sacks) und sämtliche Runningbacks verbrannt wurden, der wichtigste Tight End Pitta fehlte das ganze Jahr verletzt, Wide Receiver waren so schwach wie erwartet. Baltimore hat einige Baustellen.

In der Offensive Line war man schon recht umtriebig: LT Eugene Monroe, mitten in der letzten Saison via Trade aus Jacksonville geholt und von PFF.com sehr gut benotet, wurde für runde 7 Mio/Saison gehalten – ein logischer Move, aber wer sich in den Ravens-Foren umsieht, wird schnell merken, dass Monroe durchaus nicht das Standing genießt, das man erwarten würde. Er ist eher das „kleinste Übel“, oder so. Immerhin, sagen die Ravens-Fans, wurde Michael Oher nach Tennessee gehen gelassen, das sei Addition durch Subtraktion per se. Oher – einst eine exzellente Story („The Blind Side“), aber sportlich seit Jahren schwer unter Beschuss.

Mit Monroe, RG Yanda und dem Springer Kelechi Osemele hat man drei der fünf Stammpositionen besetzt; es fehlen noch deren zwei: Center Gradkowski wurde nicht nur in der eigenen Stadt in Grund und Boden geschrieben („schlechtester Starting-Center der Liga etc.“). Lösungen konnte man auf dem Transfermarkt bisher keine finden, weswegen es nicht auszuschließen ist, dass Baltimore im Draft aktiv wird. Auch eine Tackle- oder Guard-Position, je nachdem was Osemele nicht spielen wird, dürfte noch auf dem Einkaufszettel stehen.

Zu beachten wird dabei sein, welche Art von Line-Männern der neue OffCoord Gary Kubiak, ein Mann, der berühmt geworden ist für sein „Zone-Blocking“ System, holen wird: Kubiaks Offense gilt als relativ horizontal, was heißt, dass hier erst einmal in die Breite geblockt wird – ein System, das in Baltimore bis dato eher unbekannt ist.

Es bedeutet auch, dass Baltimore sich möglicherweise nach einem zweiten Tight End neben Pitta umsehen wird. Und dann bleibt die ultrawichtige Position der Wide Receiver, die letztes Jahr nach dem Abgang von Boldin einer mittleren Katastrophe glich: 137 Anspiele für Torrey Smith (44% davon tief, 65 gefangen für 1128yds und 4 TD), 82 Anspiele für den Rookie Malcolm Brown und 67 Anspiele für Jacoby Jones (wird Free-Agent) – und dann lange nichts. Es fällt auch, dass fast alle Wide Receiver in über drei von zehn Fällen tief angespielt wurden, was dafür spricht, dass Baltimores Offense eklatant die Mitteldistanzwaffen abgingen. Einen Teil wird Pitta abdecken, der von einer schweren Verletzung zurückkehrt.

Als kurzfristige „externe“ Lösung wurde der 35jährige Kampfzwerg WR Steve Smith aus Carolina geholt (Dreijahresvertrag). Smith wird nicht bloß angestellt, mit Trainingsschlägereien neuen Schwung in die Konkurrenzkämpfe zu bringen, sondern er soll auch die Mitteldistanzen in Baltimore bedienen: In den letzten Jahren wurde Smith in Carolina immer häufiger auf kürzeren Routen angespielt. Er gilt als sicherer Fangkünstler, wenn auch nicht mehr so spritzig wie in seiner Blütezeit. Smith ist eine lebende, in seiner tatsächlichen Größe stets verkannte Legende, und er dürfte zumindest noch dieses Jahr ein klein wenig helfen.

GM Ozzie Newsome hat seit einigen Wochen noch ein weiteres Problem an der Backe: RB Ray Rice hat offenbar seine Verlobte krankenhausreif bzw. bewusstlos geprügelt und könnte für einige Zeit im Knast landen. Rice hat einen sehr teuren Vertrag, den er im abgelaufenen Jahr nicht wert war (31% Success-Rate, 3.1 Y/A). Wieviel davon war die Offense Line (auch Backup Pierce hatte kaum bessere Stats)? Wie viel war Rice?

Wo die Ravens nach anfänglichen Problemen recht gut ausgesehen haben: Defense. Es war nicht mehr die klassische, alte testosterongeschwängerte Ravens-Abwehr, sondern vielmehr eine über weite Strecken smart spielende Unit, die mit zunehmendem Spielverlauf immer weniger Fehler beging. Der Passrush mit Dumervil und Suggs kann unter „okay“ klassifiziert werden: Zwei sehr gute Spieler, beide nimmer die jüngsten, aber beide taugen noch zum Pro-Bowler.

In der Defense Line musste man den stillen Anker Jones nach Indianapolis ziehen lassen, aber mit Leuten wie dem Berg Ngata oder dem Routinier Canty sollte man weiterhin ordentlich besetzt sein. Bei den Linebackers sagen alle Beobachter, war es essenziell, den ollen Daryl Smith für wenig Kohle zu halten, denn ein Smith ist der optimale Nebenmann für den unerfahrenen Arthur Brown, letztes Jahr mit Pauken und Trompeten von der Kansas State University geholt um den Nachfolger von Mr Ravens himself, Ray Lewis, zu geben. Brown gilt als hochklassiges Talent, blieb aber als Rookie in wenig Einsatzzeit blass.

 Ein Fragezeichen in Baltimore ist auf jeden Fall das Defensive Backfield, das letztes Jahr trotz dünner Spielerdecke erstaunlich gut hielt. Der junge Safety Elam und der Slot-CB Lardarius Webb gelten als die Leute, an denen man sich festhalten möchte. Eines der Fragezeichen rankt sich um den Outside-CB Jimmy Smith, erst vor wenigen Jahren gedraftet, aber noch nie den ganz großen Sprung gemacht, trotz guter Ansätze. Viele hassen Smith, weil sie ihm verschwendetes Talent nachsagen. Der Trainerstab scheint noch Vertrauen zu ihm zu haben.

Die Ravens werden mit neuem Secondary-Coach und den wenigen wirklichen Klassespielern sicherlich noch den einen oder anderen Cent in einen dritten Cornerback und einen Free-Safety (Ihedigbo wurde gefeuert) investieren.

Die Ravens haben durchaus noch einige Baustellen offen. Eine der Schwierigkeiten, um die GM Newsome herumdoktern muss, ist die Salary-Cap: Flaccos Monstervertrag wird erst ab 2015 richtig in Sachen „Cap-Hit“ einschlagen, weswegen Newsome beim Einkaufen auch recht genau drauf schauen muss, wie er die Verträge strukturiert um keine Cap-Hölle 2015 zu erleben.

Sportlich würde ich nach Wichtigkeit in etwa so gehen:

  1. Offensive Tackle / Offensive Guard
  2. Center
  3. Free-Safety
  4. Wide Receiver
  5. Tight End
  6. Defensive Line

Der Übergang von der großen Ravens-Ära 2008-2012 auf die Zukunft gestaltet sich erwartet happig, aber für 2014/15 ist man für meine Begriffe schon jetzt besser aufgestellt. Das heißt vielleicht nicht automatisch wieder 8 oder sogar 10 Siege – erinnere dich, die 8 Siege waren großteils freakig – aber das heißt auf alle Fälle wieder positivere Grundstimmung, und irgendwo Wildcard-Nähe ist den Jungs schon zuzutrauen, wenn Flacco nicht erneut komplett abstinkt.

Der Trainerstab um Head Coach John Harbaugh ist meisterhaft darin, den Laden mit ruhiger Hand zusammenzuhalten und gute GamePlans zu entwickeln. Der neue OffCoord Kubiak sollte der Offense schon wieder ein Gesicht geben können – Kubiak kann durchaus Laufspiel mit tiefen Bomben verbandeln. Die Defense sollte mit reiferen Jungstars auch wieder zu den besseren im Lande gehören.

Sofern der Draft halbwegs glückt – und bei Ozzie Newsome stehen die Aktien da besser als beim durchschnittlichen GM – kann ich mir eine optimistische Zukunft in Baltimore ausmalen.

Oakland Raiders in der Sezierstunde

Die Oakland Raiders sind ein relatives Mysterium. Man kommt frisch aus der erwarteten, ja fast erhofften Gurkensaison mit 4-12 Siegen und hält den fünften Draftpick 2014. Der Kader ist voll von unbekannten third stringern, die anderswo keine Chance bekamen. Echte Franchise-Spieler gibt es kaum. Die Philosophie des Trainerstabs ist auch noch im Dunkeln, obwohl die Herren um Head Coach Dennis Allen seit mittlerweile zwei Jahren dort coachen. Wie viel Rückhalt der GM Reggie McKenzie, der den fast hoffnungslosen Fall „Raiders“ tatsächlich zu sanieren wagte, noch in der Organisation hat, ist nicht ganz klar – McKenzie stand gerüchteweise schon nahe der Entlassung, und der Auftakt zur Free-Agency 2014 war unglücklich, um es euphemistisch zu umschreiben. Und dann bleibt das ewige Stadionthema: So unwahrscheinlich ist ein erneuter Umzug, oder „Rückzug“ nach Los Angeles nun nicht mehr.

Überblick 2013

Record         4-12
Enge Spiele    2-4
Pythagorean    4.7    29
Power Ranking  0.268  31
Pass-Offense   5.9    19
Pass-Defense   7.0    28
Turnovers      -9

Management

Salary Cap 2014.

Das Gute an der Geschicht‘: GM McKenzie hat den Laden soweit saniert, dass die Raiders über 60-70 Millionen Dollar an Platz unter der Gehaltsobergrenze verfügen – so viel wie kein anderes Team. Das ist das Resultat aus der „Cap-Hölle“, die Oakland in den letzten beiden Jahren mit teilweise 50 Millionen an dead money durchstehen musste – Geld, das als Abschreibung für bereits entlassene Spieler gegen die Salary-Cap der NFL zählte, für die man also keine Spieler unter Vertrag nehmen konnte. Selten, dass Teams so böse in die Cap-Hölle rutschen – aber ebenso selten, dass sie so radikal saniert werden. Denn „Sanierung“ = „Schmerzen“ = „schwacher Kader und viele Niederlagen“. Es ist respektabel und durchaus nicht so konventionell, dass McKenzie sich an diese Aufgabe, so überfällig sie auch war, heranwagte, und dass der Owner Mark Davis ihn walten ließ.

Trotzdem gab es schon zum Saisonende Gerüchte, dass McKenzie möglicherweise zum Abschuss frei gegeben war. Wie viel dran war, ist nicht sicher. Fakt ist nur: McKenzie durfte letztlich bleiben, und hatte dann nach 24 Monaten des Baustellenbetriebs erstmals freie Hand in der Gestaltung der Zukunft.

Eine echte Prioritätenliste gab es nicht – wie auch bei einem derart talentfreien Kader? Was man allerdings schon erwartet hatte: Etwas mehr Dringlichkeit im Versuch, die wenigen „besten“ der eigenen Spieler zu halten, wie etwa den OT Jared Veldheer (unterschrieb für mittelmäßige Kohle in Arizona) oder DE Lamarr Houston (für 5yrs/35 Mio nach Chicago). Dann wurde der Glasknochen auf Runningback, Darren McFadden (zuletzt zweimal hintereinander nur noch 3.3yds/Carry in ganz wenigen Einsätzen), für 4 Mio. und Einjahresvertrag gehalten, während sein Backup, der beständigere Jennings, ohne Umstände fortgeschickt wurde.

Zu allem Überfluss wurde auch noch der komplett überteuerte Vertrag für den Free-Agent Saffold aus St Louis aus „medizinischen Gründen“ für nichtig erklärt – ein Move, der förmlich danach schreit, dass hier im Hintergrund der Owner den General Manager ausgebremst hat.

McKenzie schaffte es nach dem desaströsen Auftakt auf dem Transfermarkt letztlich doch noch, einige brauchbare Spieler für die Line of Scrimmage auf beiden Seiten zu holen: DE Tuck (2 Jahre, 11 Mio), DE/OLB Woodley (2 Jahre, 12 Mio), DT Smith, OT Howard, OT Penn plus den Defensive Back Tarell Brown. Alles Spieler, die man kennt. Erstere drei waren sogar mal richtig gute Kaliber, auch wenn das schon über drei Jahre zurück liegt. Sie sollten aber immer noch imstande sein, Power in die Schützengräben zu bringen und damit zumindest kurzfristig Abhilfe zu schaffen.

Trotzdem bleibt die bange Frage: Wie viel Macht hat McKenzie noch? Wie viel Vertrauen genießt er noch? Ist es wirklich so ausgeschlossen, dass die Raiders noch in dieser Offseason die Reißleine ziehen und nach dem Draft ein Hausreinemachen im Front-Office anstrengen? Owner Davis scheint auf alle Fälle langsam der Geduldsfaden zu reißen. Keine Erfolge auf dem Platz – okay. Wir wussten, dass wir das durchstehen müssen. Aber Böcke schießen auf dem Transfermarkt?


Die Situation für McKenzie war natürlich auch beknackt: Wer weiß besser als er, der ehemalige hochrangige Funktionär bei den Green Bay Packers, dass man eine NFL-Mannschaft in erster Linie via Draft baut und nicht in der Free-Agency, wo du dich am besten bloß punktuell verstärkst, weil du stets dazu tendierst, deine Einkäufe überzubezahlen – und Überbezahlung rächt sich in der NFL mit ihrer hard cap nach meist nicht allzu langer Zeit.

Und während du das weißt, weißt du auch: Der Transfermarkt ist vor dem Draft. Du weißt nicht, welche Spieler für dich im Draft noch verfügbar sein werden. Gleichzeitig musst du zumindest ein Minimum an Geld ausgeben, weil das CBA es so vorsieht. Du musst eine ungeduldige Fanschar zufriedenstellen, und einen unzufriedener werdenden Owner. Das sollte man bei allem jämmerlichen Bild, das diese Franchise in den letzten Wochen – mal wieder – abgab, im Hinterkopf behalten.

Das Schöne für die Zukunft: Du hast Optionen. In den ersten Runden wird Oakland interessante Talente finden. Oakland kann auch Trades anstrengen um mehr Draftpicks zu sammeln. Man kann fast bedingungslos „best player available“ draften, weil du keine Rücksicht auf Stärken und Schwächen im Kader nehmen musst. Alles ist offen.

Die einzige „Stärke“ der Raiders ist im Moment die Defensive-Front Seven: Selbst wenn wir den Herren Tuck, Woodley oder Smith erste Altersschwäche und/oder Verletzungsanfälligkeit unterstellen wollen, so dürften sie immer noch Dampf zustande bringen. Ein Clowney würde nie schaden, aber ein Clowney muss auch erstmal auf den Draftplatz #5 fallen, auf dem die Raiders zum ersten Mal ziehen. Dann gälte es immer noch zu urteilen, wie gut ein 4-3 DE wie Clowney in eine Abwehr-Front passt, die nun zumindest nominell mit einem Smith und Woodley verstärkt wurde, die beide fast ausschließlich 3-4 Defense in ihrem Leben gesehen haben.

In der Secondary gibt es den jungen CB D.J. Hayden, letztes Jahr eine der überraschenden Geschichten des Drafts – Hayden ist der Mann, der wenige Tage vor dem Draft grünes Licht für eine weitere Footballkarriere bekam, nach einem lebensbedrohlichen Venenriss. Oakland draftete ihn in der ersten Runde, aber als Rookie sah Hayden keine 400 Snaps. Hayden gilt weiterhin als großes Talent, und dank dem Neueinkauf Tarell Brown, der zumindest als annähernd NFL-Mittelklasse gehandelt wird, dürfte zumindest das Stamm-Tandem in der Secondary erstmal stehen. Die Backups sind jedoch allesamt Grünschnäbel oder bisher gescheiterte Football-Existenzen. Tiefe ist händeringend benötigt.

Annähernd schlecht sieht es im Angriff aus: Die dringendste Lücke ist natürlich Quarterback. Es ist davon auszugehen, dass sich die Raiders auf alle Fälle einen routinierten Mann wie Freeman, Vick oder Schaub (so der denn frei wird) vom Transfermarkt holen. Die Zeit von McGloin und Pryor sieht sehr abgelaufen aus – vielleicht soweit, dass Pryor noch via Trade verscherbelt wird. Für einen McGloin, so gut seine Geschichte (ehemaliger Penn State QB) ist, wird es sowieso keine Abnehmer geben. Ob im Draft ein QB-Talent nachgeschoben wird, bleibt offen – vielleicht bis zwei Minuten vor der Verkündung des Picks.

Auf Running Back hat man für die ersten drei Wochen in McFadden einen potenziell explosiven Mann, aber wer soll ihn nach seiner ersten (und letzten) Verletzung ersetzen? Ob und wie die Position gefüllt wird, ist nicht klar. Sie sollte für meine Begriffe nicht die höchste Priorität bekommen.

Wide Receiver und Tight End ist immer von Bedeutung und in einem Draftpool, der angeblich so gut mit adäquatem WR/TE-Talent gefüllt ist, ist ein Griff in den mittleren Runden nicht auszuschließen. Ein high end-Talent hingegen würde eher überraschen: In einer breit gestreuten Positions-Klasse würde man eher erwarten, dass ein Team wie die Raiders zu den späteren Optionen greift.

In der Offense Line dürften die Tackle-Stammplätze nach dem Veldheer-Abgang und dem Saffold-Fiasko wohl fürs erste Howard und Penn gehören. C Wisniewski gilt als guter Mann, aber die Guard-Positionen sind in der Schwebe. Ich halte es gar nicht für so unwahrscheinlich, dass der Linemann-Fetischist McKenzie sich mit seinen ersten Draftpicks diesmal Offense Liner holt: Einen Grundstock bauen, um zumindest physisch bald wieder oben mithalten zu können. Qualitativ soll es ja durchaus sehr viele gute Offensiv-Linemänner geben.

Gespannt, gespannt, gespannt. Gespannt darauf, was die Raiders noch so alles fabrizieren werden nach der bislang doch bizarren Offseason. Eigentlich waren alle Moves des General Managers bis vor zehn Tagen nachvollziehbar und fällig gewesen. Aber dann kam eine eher verunfallte Free-Agency – auch und vor allem deswegen, weil es so offensichtlich für die Organisation nicht nach Wunsch lief. Sollte McKenzie angekratzt sein oder sein Abgang schon beschlossene Sache sein, könnte allerdings durchaus wieder ein klassischer Raiders-Draft Marke „Saftladen“ auf uns zukommen – denn Menschen machen schließlich unter Druck oft verrückte Sachen – wie auch Owner, die über Köpfe von GMs hinweg entscheiden.

Halte ein Auge drauf.

March Madness – Das Bracket 2014

In wenigen Minuten starten die Übertragungen für die March Madness 2014 – heuer bei SPORT1 US und im ESPN-Player. Die genauen Sendepläne übernehme man bitte täglich bei Allesaussersport. Ich habe noch kurz mein Bracket ausgefüllt und mich ein klein wenig eingegroovt nach einer Saison, in der ich sehr, sehr wenig College-Hoops gesehen habe. Ich bin zuversichtlich, dass es für das Perfect-Bracket reicht. Ab nächstem Monat kann ich dann ausgesorgt dem Leben als Vollzeitblogger nachgehen.

NCAA March Madness Bracket 2014 (korsakoff Edition)

NCAA March Madness Bracket 2014 (korsakoff Edition)

Region South – Es gibt hier einen turmhohen Favoriten in den Florida Gators, die mit 32-2 Siegen durch die Regular Season marschiert sind. Die Gators sind nach SRS das viertbeste Team des Jahres im Lande, und sie profitieren von einem vergleichsweise „einfachen“ Bracket, wo der größte Konkurrent Kansas auf seinen wichtigsten Spieler (Joel Embiid) verzichten muss – Embiid gilt als sehr gutes NBA-Prospect.

Das South-Bracket halte ich nach Studium des Simple Ranking Systems für relativ klar strukturiert: Viele Überraschungen sollte es eigentlich nicht geben; die Top-6 nach Setzliste sind auch die Top-6 nach Simple-Ranking System:

SRS TEAM        WERT
#3  Kansas      21.2
#4  Florida     20.8
#12 UCLA        18.9
#15 Ohio State  18.5
#21 Syracuse    16.2
#30 VCU         15.0

Einer meiner ästhetischen Favoriten ist in diesem Bracket zuhause: Die VCU Rams mit ihrer fantastisch quicken Defense. Allein: VCU muss relativ schnell gegen Florida ran…

Die Ohio State Buckeyes kommen diesmal mit einem eher ungewöhnlichen Mann im Kader daher, Aaron Craft, den π-Mann:


Region East – Der Top-Seed dieser Gruppe ist mit den Virginia Cavaliers ein Überraschungsteam, das irgendwie niemand so richtig ernst nimmt. Das liegt natürlich unter anderem daran, dass die Cavs fast nie was im Basketball reißen. Gerade aber der Coach der Cavs ist in Tony Bennett ein Mann, dem ich durchaus die Daumen drücken würde.

Virginia wird aber große Konkurrenz haben: Das nach SRS beste Team der Gruppe ist Villanova (20.1 über Durchschnitt), das zweitbeste die Michigan State Spartans (20.0 über Durchschnitt) mit ihrem legendären Coach Tom Izzo, jenem ulkigen Mann, dessen Mannschaften den Ruf genießen, immer in der Post Season voll da zu sein.

Der Big-Ten Champ Michigan State ist überraschenderweise nur an #4 gereiht, hätte mindestens einen oder zwei Seed höher verdient gehabt. Für die Spartans zählt auch, dass der Kader so fit wie nie dieses Jahr in das Meisterschaftsturnier geht.


Region West – Die Arizona Wildcats gelten als klassischer underachiever, aber in den letzten Jahren rührte sich etwas: Seit der Einstellung von Coach Sean Miller ist da ein Landesmeister in spe unterwegs. Miller ist ein sehr gewinnender Typ, der notfalls auch bis fünf Uhr morgens durchmacht um auch noch die letzten Vorteile im Gameplanning zu finden. Er ist in seinem fünften Jahr an der Uni und hat mehr als drei Viertel der Spiele gewonnen – zuletzt war man in der Pac-12 das beste Team des Grunddurchgangs, verpasste aber den Conference-Titel. Es gibt einige sehr attraktive NBA-Prospects wie Aaron Gordon, also wer schonmal für die Profis scouten will…

Arizona ist nach SRS das zweitbeste Team im Lande (24.1 Punkte über Durchschnitt) und hat einen relativ soften Durchmarsch vor sich: Weber State und OSU dürften keine Probleme bereiten. In der dritten Runde könnte San Diego State warten – ein Team aus dem quasi-Nichts. Die Aztecs gelten als große sentimentale Geschichte mit ihrem leidenden Coach Steve Fisher, der San Diego State innerhalb kurzer Zeit nach oben brachte, der aber ausgerechnet jetzt miterleben muss wie sich sein Sohn mit einer Nervenerkrankung quält.

Schließlich noch eines meiner absoluten Lieblingsteams: Creighton, der kleine Riese aus der Big East Conference (mit 19.8 Punkten über Durchschnitt vielleicht der größte Konkurrent für Arizona in dieser Staffel). Die Bluejays überstrapazieren ihre Vater-Sohn Geschichte mit Coach Greg McDermott und Sohnemann Doug, aber dann kommt der Doug doch immer wieder im Interview wie ein Clown rüber, der sich selbst auf den Arm zu nehmen imstande ist – und alles ist wieder gut.

Arizona ist mein Favorit, aber Creighton ist nie zu verachten.


Region Midwest – Die #1 Wichita State ist eine kleine Uni aus der Missouri Valley Conference. Die Shockers kamen ungeschlagen durch die Saison, aber sie sind irgendwo der kleine Mid-Major, den keiner so recht ernst nimmt. Das hohe Seeding löste alte Beißreflexe aus, und viele wollen Wichita State fallen sehen – eben weil sie Streber sind, und auch wegen des eigenartig-schrulligen Coaches Gregg Marshall.

Wichita State ist nach SRS keine Top-10 Mannschaft landesweit, und nicht bloß deswegen sehe ich sie nicht durchmarschieren. Es gibt komplettere Teams. Duke, diese von vielen so gehasste versnobte Privatuni aus der ACC, zum Beispiel ist immer für die Final-Four gut (heuer: 20.3 Punkte über Durchschnitt, landesweit #5 nach SRS).

Die beste Geschichte für mich sind immer die Saint Louis Billikens, diese No-Name Truppe  aus der Atlantic-10 Conference. Diese Mannschaft musste vor nunmehr zwei Jahren mitten in der Saison Abschied nehmen von ihrem kultigen Head Coach Rick Majerus, einem ehemaligen TV-Pundit, der diese kleine Uni als Coach auf seine alten Tage groß gemacht hatte. Jener Majerus verstarb im Dezember 2012 nach wochenlangen Gerüchten um seine Gesundheit an Krebs, aber dieses Team ist noch immer nach seinem Ebenbild gebaut: Zeckige Defense, die jedem Gegner irgendwann den Nerv zu rauben imstande sind.

Für mich sind aber die Louisville Cardinals der Favorit im Midwest-Bracket. Ja, langweiliger Tipp. Louisville ist der Titelverteidiger, und gewann auch heuer die American Athletic Conference. Diese AAC gilt aber im Football wie im Basketball als mittlerweile zu schwach um richtig ernst genommen zu werden, sprich: Viele werfen Louisville vor, seine 29-5 Bilanz nur dank einfacher Gegner hinzubekommen haben. Auf der anderen Seite sehen alle Advanced-Metrics die Cards unter den drei besten Teams des Landes – das SRS sieht sie als allerbestes (25.3 Punkte über Schnitt).

Nur wenige würden es dem unbeliebten (weil so erfolgreichen und geradlinigen) Coach Rick Pitino vergönnen, aber hier könnte tatsächlich zum ersten Mal seit Jahren ein Team die Titelverteidigung schaffen.

St Louis Rams in der Sezierstunde

Bei den St Louis Rams rührt sich seit der Installation des Head Coaches Jeff Fisher vor zwei Jahren so einiges, aber eine Kombination aus Altlasten und schwieriger Division NFC West drückt den Output noch immer ein wenig nach unten. Obwohl: Bei 7-8-1 und 7-9 Bilanzen kann man angesichts des Spielermaterials nicht wirklich enttäuscht sein. Nun hat man zwar nicht die allerbeste Salary-Cap Position, dafür aber zum zweiten Mal en suite zwei Erstrundendraftpicks und somit ordentlich Holz um weiter an den Grundlagen zu bauen.

Wer die NFL erst seit ein, zwei Jahren verfolgt, kann sich gar nicht vorstellen, in was für einem abgrundtiefen Loch die Rams noch vor fünf Jahren steckten. Die Jaguars von heute kommen in etwa dem gleich, was Mannschaften wie St Louis oder Detroit damals waren. Die Folgen jener Katastrophenjahre zwischen 2007 und 2009 spürt man unterm Bogen bei den Rams noch immer.

Überblick 2013

Record         7-9
Enge Spiele    1-3
Pythagorean    7.6    17
Power Ranking  0.361  26
Pass-Offense   5.8    23
Pass-Defense   6.7    24
Turnovers      +8

Management

Salary Cap 2014.

Der QB Sam Bradford passt dabei wie die Faust rein: Er ist ein ehemaliger #1-Pick, der sich aber noch nicht so entwickelte wie erwünscht. Er ist dafür aber der letzte der rekordverdächtig bezahlten Rookies aus dem alten CBA („Collective Bargaining Agreement“) und läuft diese Saison für eine Cap-Zahl von rund 17 Mio. Dollars auf. Seine Zahlen auf dem Feld in den letzten Jahren sind ernüchternd: Über seine vierjährige Karriere brachte er 5.5 NY/A an den Mann und versuchte sich hierbei nur in 16.7% der Wurfversuche an Pässen, die weiter gingen als 15yds. Entsprechend gilt Bradford als gut im Vermeiden von Turnovers, aber ein Turnover ist irgendwo ein „Trade-Off“, den du eingehen musst, wenn du mit dir und deiner Mannschaft weiterkommen willst. Wenn du dein ganzes Leben lang in deinem Haus verkrochen bleibst, wirst du dir nie den Hax abreißen, aber du wirst im Leben auch nicht voran kommen. Bradford scheint – zumindest geben das die Zahlen so wieder – in seinen ersten Jahren ein QB der Güteklasse Alex Smith gewesen zu sein: Lieber sicher werfen, ja keine INT riskieren.

Genau das macht Bradford im Grunde in Kombination mit seinem Vertrag entbehrlich. Wir hatten das Thema schon vor einigen Tagen in der Kommentarspalte, aber noch einmal: Es gibt prinzipiell vier Möglichkeiten, wie die Rams mit Bradford verfahren können:

  1. Gar nix machen. Dann kassiert Bradford sein ganzes Gehalt, aber die Rams werden ihre vertrackte Salary-Cap Situation (aktuell 7 Mio. Space) anderswo lösen müssen. Nicht vergessen: Die Rookie-Klasse 2014 wird die Rams mit ihren beiden 1st-Roundern runde 9.5 Mio. kosten. Und ein paar Free-Agents willst du dir auch einkaufen.
  2. So könnte man mit Bradford eine blanke Gehaltskürzung vereinbaren, aber ob Bradford das Spiel mitspielt, ist ungewiss.
  3. Möglich ist auch die Umschichtung von Bradfords Fixgehalt 2014 in ein Handgeld. Davon hätte Bradford keinen Nachteil: Er würde sein Geld sehen, und die Rams könnten dieses Geld auf mehrere Jahre abschreiben. Allerdings verschieben die Rams dann das etwaige Bradford-Problem nur in die Zukunft, und Bradfords Entlassung kostet eben 2015 ein paar Milliönchen mehr.
  4. Bradfords direkte Entlassung. Damit würden die Rams 17 Mio. Gehalt bei Bradford einsparen, müsste aber 7 Mio. dead money anschreiben. Netto würde man in etwa 10 Mio. an Cap-Space gewinnen, aber man wäre mit einem Mal gezwungen, mit einem seiner hohen Draftpicks einen Quarterback zu ziehen, von dem man möglicherweise nicht 100%ig überzeugt ist.

Es läuft wohl auf Option 2 oder 3 hinaus. Bradford dürfte ein weiteres Jahr kriegen um seinen Wert doch noch unter Beweis zu stellen. Er wird es machen müssen nach einer schweren Knieverletzung, der zweiten in seiner Karriere.

Er wird aber auch eine rundum verbesserte Offense vorfinden, denn es gilt als geritzt, dass St Louis mit einem seiner hohen Picks einen Offensive Tackle für die „Gegenseite“ des LT Jake Long holen wird. OT/OG Saffold wurde nach einigem Geeiere doch noch für relativ moderate Kohle gehalten, aber es gilt als unwahrscheinlich, dass er den anderen Tackle-Platz neben Long behalten darf.

Bei den Running Backs scheint man mit dem jungen Zac Stacy (nur 39% Success-Rate und 3.9 Y/A, aber ein relativ brauchbarer Ballfänger) sowie den seinigen Backups recht zufrieden zu sein. Ob der Mann ohne Spielgefühl, Isaiah Peed, noch eine Chance erhält, bleibt abzuwarten. Bei den Tight Ends kann ich mir vorstellen, dass man an der Combo Cook/Kendricks erst einmal nicht viel ändert.

Wide Receiver ist vielleicht eine Position, die noch einmal Augenmerk erfährt: Givens, Bailey und Quick sind alles noch recht junge, geschwindige Leute, die in über 1/3 der Fälle tief angespielt werden, aber sie alle besitzen nicht die allersichersten Fanghände und lassen schonmal einen Ball durch die Finger flutschen. Besonders ein Givens ist da anfällig: Letzte Saison 83 Anspiele, und nur 34 davon gefangen. Das ist nicht mehr allein mit üblem „Ball-Placement“ der (mittelmäßigen) Quarterbacks zu erklären.

Und dann haste noch die X-Waffe Tavon Austin, letztes Jahr mit viel Tamtam im Draft geholt, aber Austin hatte dann nur 34 Catches für 388yds und 4 TD, und er wurde fast ausschließlich kurz angespielt. Der OffCoord bleibt Brian Schottenheimer, und der bewies schon letztes Jahr nicht grad die neuesten Gedankengänge beim Versuch, Austin einzusetzen. Ist Tavon den hohen Pick wert? Ist er bloß eine Return-Waffe? Oder fehlt den Rams vor allem noch der eine, große #1-Wide Receiver, der das Spielfeld im Alleingang entzerren kann?

Über die Defense Line braucht man nicht viele kritische Worte verlieren: Sie ist die größte Stärke der Rams. DE Quinn holte zuletzt 19 Sacks und erwies sich als fantastischer Speed-Rusher, der allein gegen die All-Pro Gegenspieler zu knabbern hatte. Der Mann auf der Gegenseite ist der teure Chris Long, der kompletter als Quinn ist, aber nicht so explosiv. In der Mitte wird der junge DT Michael Brockers in hohen Tönen als eine Art neuer Suh gelobt. Es drängt sich allenfalls die Frage auf, ob sich die Rams mit ihrem Draftpick #2 overall den Luxus leisten sollten, ein weiteres potenziell episches Talent wie Clowney zu ziehen. Du kannst in der Defensive Line fast nie zu tief besetzt sein, aber wenn du so viele andere dringendere Löcher hast: Kannst du dir einen Clowney leisten?

Die Secondary ist eine offene Scheune: St Louis kassierte zuletzt trotz des fantastischen Passrushes 6.7 NY/A. Einzig der junge CB Janoris Jenkins gilt als NFL-tauglich. Bei den Safetys ist es eher die Unerfahrenheit. Bei den Linebackers die steifen Hüfte sowie die Eindimensionalität des OLBs Ogletree… wobei ein Ogletree ziemlich unumstritten sein dürfte, weil er das, was er kann, schon sehr gut kann: Decken und Passwege zustellen.

Es gibt also viel zu tun in St Louis. Man bewegt sich zwischen Luxusproblemen und echten Problemen. Alle Baustellen werden die Rams dieses Jahr nicht schließen können, und vielleicht wird 2014/15 wieder so eine frustrierende Saison im grauen Mittelmaß, aber „Team-Building“ braucht seine Zeit. Eine Priorisierung fällt schwer, aber gemessen an den Cap-Zahlen sehe ich folgende Fragen als die wichtigsten an:

  • Wie lösen wir die Bradford-Frage? Kriegen wir eine ökonomische Vertragslösung hin oder müssen wir ihn rauswerfen? Dann müssen wir aber QB draften.
  • Können wir uns den Luxus Clowney leisten? Könnten wir dafür im Gegenzug nächstes Jahr Quinn gehen lassen?
  • Was ist uns wichtiger? Eine solidierte Offense Line oder ein großer Wide Receiver?
  • Einer der hohen Picks gehört der Defense. Entweder Clowney oder eine Defensive Back.
  • Mehrere Bemühungen müssen in das Defensive Backfield gesteckt werden: Entweder via Draft oder Free-Agency. Am besten über beide Wege.

Aus vielen Gründen sind die Rams trotz ihres geringen Sex-Appeals ein Team to Watch. Hier werkelt eine sportliche Leitung, die ihr Handwerk versteht. Hier holt ein Head Coach das Maximum aus seinem Spielermaterial heraus. Hier steht alsbald die Frage, wie viel Kohle ein zweitklassiger Starting-QB wert sein darf. Die Rams bleiben ein Team, auf dessen Aktionen ich gespannt bin.

Ein Tool für Chip

Einer der interessantesten Moves der ersten Woche Free-Agency 2014 war der Trade von Saints-RB Darren Sproles zu den Philadelphia Eagles (Gegenwert: 5th-Rounder). Der Move machte für beide Seiten Sinn: Die Saints schaufeln sich dringend benötigten Platz unter der Salary-Cap frei, die Eagles gewinnen einen logischen Baustein für die weit offene Spread-Offense von Chip Kelly.

Man darf gespannt sein, ob Sproles in Philadelphia eher als Runningback oder als Wide Receiver gesehen wird. Sproles‘ größte Stärke ist das offene Spielfeld, wenn er wie ein Irrwisch die Linebacker aussteigen lassen kann, weniger das Brechen durch die Offense Line hindurch. Die Eagles spielen eine sehr straighte, vertikal orientierte Offense, die nicht lange fackelt und sofort versucht, den Spielzug Richtung downfield zu entwickeln.

Es ist eine Offense, die auf einer massiven Offense Line und viel Speed gebaut ist. LeSean McCoy ist dafür der bestmögliche Back. McCoy ist gleichzeitig ein fangstarker Back. McCoys Backup Bryce Brown ist eher der kräftige Typ für die harten Carries. Mit Sproles kommt nun aber noch einmal ein krasses Element „Doppel-Waffe“ dazu: Sproles ist minimum genauso viel Receiver wie Ballträger.

Stell dir eine Aufstellung mit McCoy und Sproles im selben Lineup vor: Worauf musst du dich als Gegner einstellen? Beide können laufen, beide können fangen. Beide wissen am besten das, was Chip am liebsten kreiert: Bewegung im offenen Raum, dort, wo ihnen keine sieben Linebacker auf einmal auf die Eier steigen.

Sproles ist 30 und damit nicht mehr allzu weit vom Karriereende entfernt. Er sollte aber – zumindest in der Theorie – fitter sein als ein gewöhnlicher 30jähriger Starting-RB, den Sproles agiert seit vielen Jahren vor allem als eine Art change of pace-Back mit Fang- und Returnaufgaben. Er kennt keine 300-Carry Saison. 2-3 Jahre dürfte Sproles noch im Tank haben, und dafür ist ein 5th-Round Pick doch allemal ein Preis, den man für einen solchen Spielertyp zu bezahlen bereit ist.

Josh McCown und die Tampa Bay Buccaneers

Josh McCown war eine der positivsten Erscheinungen der Saison 2013/14: Nach einer Cutler-Verletzung von den Chicago Bears aus dem Ruhestand reaktiviert und quasi direkt von seinem Platz als Highschool-Lehrer an den Trainingsplatz gefahren, lieferte McCown eine exzellente Saisonschlussphase und führte eine Bears-Mannschaft ohne Defense fast noch in die Playoffs. Nun unterschrieb McCown in Tampa einen Zweijahresvertrag über 10 Mio. Dollar, mit runden 4.5 Mio. Handgeld und der Option auf fünf weitere Millionen durch Leistungsklauseln. Was bedeutet der Deal für die Buccaneers?

Ich lese bei Sports Illustrated so etwas:

Any desire for an open quarterback competition, though, fell by the wayside Wednesday when Tampa Bay landed the veteran quarterback it was after: ex-Chicago backup-turned-replacement starter Josh McCown. During the press conference to announce McCown’s signing, [Lovie] Smith was asked if the 34-year-old journeyman would be his starter heading toward the 2014 season.

Smith’s reply: “Yes, he is.”

Die erste Message ist eine versteckte Ansage an den jungen Mike Glennon. Die zweite Message in dieser Aussage impliziert, dass Tampa möglicherweise nicht in das Rennen um einen Quarterback im Draft 2014 einsteigen wird. Wie viel dran ist, ist nicht ganz klar – Smoke Screens! – aber zumindest besteht die Möglichkeit, dass die Buccaneers tatsächlich den alten McCown als Stamm-QB für die kommende Saison ansehen (das heißt noch nicht, dass er es werden wird). Auch der Vertragsumfang spricht zumindest nicht vehement dagegen.

Wie klug ist das?

Ich hörte von Greg Cosell in der Filmstunde von PhiladelphiaEagles.com sinngemäß folgende Worte über McCown in Chicago: Du musst bei McCown gut aufpassen. Das System, das Trestman in Chicago spielt, ist extrem strukturiert und extrem auf Präzision ausgelegt. Es ist ein Traum für einen Quarterback, weil es ihm für jede Situation eine Antwort gibt – und McCown hat das auch zugegeben. Du hast eigentlich mehr Antworten als Fragen, das kriegst du anderswo nicht.

Prinzipiell sagt man eine solche Offense auch dem Buccs-OffCoord Jeff Tedford nach, der auch alles danach auszurichten versucht, dem Quarterback eine möglichst schnelle Antwort zu geben – sodass dieser gar nicht erst großartig Plays auswendig lernen muss, sondern schnell überreißt was im Spielzug passiert. Das würde also zumindest philosophisch passen. Die Skill-Player in Tampa sind allerdings nach WR Vincent Jackson, RB Doug Martin und mit Abstrichen WR Mike Williams längst nicht die Kaliber, die McCown in Chicago hatte.

Und dann ist da die eine Frage, die sich durch die Advanced-Stats aufmacht: Sind McCowns Stats in Chicago auch unabhängig vom speziellen Spielsystem verlässlich?

McCown warf 2013/14 in insgesamt nur fünf Starts 224 Pässe, davon 149 complete (66.5% Completions) für 13 Touchdowns und sehr starke 7.63 NY/A. Seine Sack-Quote liegt mit 4.7% in etwa im Mittelfeld.

Aber: McCown warf nur eine einzige lächerliche Interception in 224 Versuchen. Das ist eine Quote von 0.44% oder anders gesagt: Sie ist nicht zu halten. Sie schreit geradezu nach Regression zur Mitte, und mal ernsthaft: Wie würden wir über McCown denken, hätte er nicht eine, sondern vielleicht zu erwartende sechs oder sieben Interceptions geworfen? Sechs Interceptions aus 224 Versuchen wären in etwa Liga-Durchschnitt und durchaus nicht so unrealistisch.

McCown hätte mich abgeschreckt. Er war zehn Jahre lang ein Wandervogel in der Liga, mit einigen Highlights (der sensationelle Last-Minute Pass 2003/04, der die Vikings in der allerletzten Sekunde der Saison aus den Playoffs schmiss, Bears 2013), aber es reichte letztlich nie zu mehr als einer Backup-Rolle. Sind fünf Spiele mit den Bears und ihrem großartigen Spielerpersonal genug um zehn Jahre McCown zu vergessen? Glaubt in Tampa wirklich jemand, McCown könne seine INT-Quote annähernd halten? Oder seine NY/A-Quote?

Die Chiefs hatten vor einigen Jahren ein ähnliches Problem: Es muss um 2006 herum gewesen sein, und ihr unbekannter Backup (es war entweder Brody Croyle oder Damon Huard) spielte sich in der Regular-Season in einen Rausch und machte etwas der Güteklasse 13 TD zu 1 INT in der Regular Season. Im Playoffspiel wurde der alte Starter Trent Green rangelassen, aber er floppte. In der Offseason entschieden die Chiefs, dem Backup mit der überragenden TD/INT-Quote in seinen 5-6 Einsätzen die Zukunft zu geben, was wenig überraschend in einem Fiasko und einer Saison mit Top-Draftpick Nähe führte.

Ich habe Angst vor McCown. Er klingt nach kurzfristiger Übergangslösung oder Absicherung für einen jungen QB wie ganz passabel, aber eine ernsthafte Lösung auch nur für zwei oder drei Jahre? Es wäre jedenfalls eine große Überraschung, sollte McCown heute in zwölf Monaten noch als ernsthafte Zukunftsoption in Tampa gelten. Ich hätte a) einen anderen Free-Agent QB vom Markt geholt und b) würde mich immer noch gezielt nach einer QB-Option im Draft 2014 umschauen.

Belichick und die Insel

CB Darrelle Revis unterschrieb in New England einen nicht alltäglichen Zweijahresvertrag über insgesamt theoretische 32 Mio. Dollar – aber praktisch ist es eher ein 12-Mio. Deal über ein Jahr. Dazu gleich mehr. Der Deal gestattet Revis zumindest bis auf weiteres, sich als bestbezahlter Cornerback auf Basis des durchschnittlichen Jahresgehalts (APY/average per year) zu bezeichnen – ein Titel, der Revis offensichtlich wichtig ist. Der Move ist ein extrem potenter.

Diese Offseason ist gekennzeichnet vom Versuch des Wettrüstens der Teams mit den „Großen Alten“ auf Quarterback – Denver mit Manning, New Orleans mit Brees und mit Abstrichen New England mit Brady – um a) zum einen die letzten produktiven Jahre ihrer Star-QBs zu nutzen und b) mit den Monsterteams in Seattle und San Francisco Schritt zu halten.

Die Patriots verweigern sich dabei, die großen und teuren – und deshalb riskanten – Langzeitverträge auszupacken. Der Move ist ein klassischer Belichick: Einem Superstar Superbedingungen bieten. Ihm gerade noch Marktwert bezahlen, ohne aber die großen Gelder und potenzielle mittelfristige Schäden in der Gehaltsstruktur seiner Mannschaft zu wagen.

Der Revis-Vertrag in New England ist so strukturiert wie es nur die Patriots sich trauen: Dauer zwei Jahre, 32 Mio. insgesamt mit 10 Mio. Handgeld. Praktisch sieht das so aus:

Der Revis-Deal in New England - Klick zum Original

Der Revis-Deal in New England – Klick zum Original

Revis erhält ein Handgeld von 10 Mio. Dollar (linear abgeschrieben auf zwei Jahre), ein Grundgehalt von 1,5 Mio. und einen Roster-Bonus von 33.333,33 US-Dollar für jeden seiner ersten 15 Einsätze im ersten Jahr – macht eine Cap-Zahl von maximal 7 Mio. fürs erste Jahr.

Das zweite Jahr – da musste kein Prophet sein – wird Revis nicht unter diesem Vertrag spielen: Sollte er zum Aprilscherzen aufgelegt sein und am 1.4.2015 noch im Kader stehen, erhält er nach derzeitiger Klausel einen Roster-Bonus von 12,5 Mio. Dollar; dazu gesellen sich 7,5 Mio. Dollar Grundgehalt plus die zweite Rate der Handgeld-Abschreibung für eine unreale Cap-Zahl von 25 Mio. Dollar.

Es ist also wahrscheinlich, dass Revis entweder in einem Jahr gecuttet wird oder der Vertrag überarbeitet wird.

Für die Patriots ist der Deal faktisch ein Einjahresvertrag über 12 Mio. Dollar, von dem im ersten Jahr 7 Mio angeschrieben werden, im zweiten 5 Mio., d.h. sie verteilen die Kosten auf zwei Jahre.

Für Revis ist erstmal finanziell ein Erfolg, weiterhin die höchste Summe unter seinen Positionskollegen einzustreichen, und mehr: Er verhindert auf alle Fälle, nächstes Jahr eine Franchise-Tag übergestülpt zu bekommen – und er bleibt mit theoretischen 16 Mio/Jahr einer der teuersten Abwehrspieler in der NFL. Revis wird in 12 Monaten auf alle Fälle in den Verhandlungen mit den Patriots (so es soweit kommt) am längeren Hebel sitzen – und im Falle einer Nicht-Einigung wird er 29jährig noch einmal als heiße Ware auf den Transfermarkt kommen.

Zum Sportlichen.

Belichick kriegt mit Revis eine lebende Cornerback-Legende. Einen Spieler, dem du, so erzählen es die Auguren, den gegnerischen Top-Receiver im Alleingang anvertrauen kannst, ohne zusätzlichen Safety oder besondere Coverage-Tricks. Bilder wie diese waren bei Jets-Spielen mit Revis Regel, nicht die Ausnahme (der Gegenspieler im Beispiel ist der anerkannt bockstarke Vincent Jackson) – ein Revis, der locker eine Hälfte der Spiefeldseite im Alleingang kontrolliert. Der Safety kann sich auf die Unterstützung der anderen Seite freuen. Das ist der Traum eines jeden Defensive Coordinators.

Revis vs Jackson: Wo steht der Safety?

Revis vs Jackson: Wo steht der Safety?

Revis vs Jackson (2): Der Safety! Jetzt steht er noch östlicher

Revis vs Jackson (2): Der Safety! Jetzt steht er noch östlicher

So wurde Revis Island geboren. Auch wenn Revis nicht mehr die Form der großen Jahre 2009-2010 haben sollte, als er teilweise selbst die Fitzgeralds und Johnsons ohne Umstände kalt stellte, so wird Belichick doch einen Weg finden, den gemeinhin als besten Manndecker anerkannten Revis bestmöglichst zu nutzen.

Belichick kriegt ihn für ein Geld, das mit der Salary-Cap in New England gerade noch vereinbar ist. Revis bleibt zumindest bis Sherman in Seattle und Peterson in Arizona ihre Verträge verlängern (beide sind bedeutend jünger!) der teuerste Cornerback der Liga, aber nicht mehr um 160%, sondern faktisch nur noch um 120%. Abschreiben kann es New England über zwei Jahre und hat somit noch genügend Freiraum um weitere Moves in dieser Free-Agency zu machen.

Erstmal steht noch ein internes Problem an: Die Vertragsgespräche mit DT Vince Wilfork laufen nicht gut. Es soll sogar soweit sein, dass Wilfork auf dem Free-Agent Markt landen könnte. Streitpunkt ist Wilforks Gehalt 2014/15, das 7.5 Mio betragen soll und 11.6 Mio gegen die Salary-Cap zählt. Wilfork ist 31 Lenze, kommt aus einer Saison mit Verletzung und war nun ein Jahrzehnt lang der große Ankermann in der Defensive Line der Patriots.


Der APY-Schnitt der 50 aktuell teuersten Cornerbacks zeigt übrigens auch schön die Mehrklassengesellschaft: Über allen thront noch immer Revis. Der Graph unten vergleicht den theoretischen Revis-Wert (und gleichzeitig den Vertragswert, den Revis in Tampa hatte) mit dem effektiven (gestreiftes Muster).

Dahinter kommt die 10 Mio/Jahr Klasse, die noch einmal gnadenlos aufzeigt, welch krasse Verträge die Herrschaften Shields und Davis da geschenkt bekamen.

Dann kommt die 8 Mio/Jahr Region mit einer Serie an bekannten, guten Namen. Recht deutlich darunter liegen überraschenderweise Jungs wie Alterraun Verner, dessen billiger Vertrag in Tampa schon erstaunlich ist, gemessen an dem Hype, der um Verner gemacht wurde:

Revis vs Rest der Liga (Klick zum Vergrößern)

Revis vs Rest der Liga (Klick zum Vergrößern)

Jairus Byrd: Kaufe jetzt, zahle später

Heute am Morgen diskutierte ich kurz an, wie die New Orleans Saints mit ihrer komplizierten Salary-Cap Situation Jairus Byrd unter Vertrag bekamen. Mittlerweile haben wir die entsprechenden Zahlen. Das in Sachen Transfermarkt unbezahlbare Blog Over The Cap listet die Zahlen für Byrd auf:

Der Byrd-Vertrag im Detail - klick mich zur Originalseite

Der Byrd-Vertrag im Detail – klick mich zur Originalseite

Die rohen Zahlen des Vertrags sind irreführend: 6 Jahre, 54 Mio. Dollar, ca. 28 Mio. guaranteed. Man fragte sich, wie dies mit der Cap der Saints vereinbar war.

Es ist wie heute am Morgen erwartet: Der guaranteed-Anteil am Gehalt kommt nicht allein vom Handgeld. Das Handgeld macht nur 11 Mio. Dollar aus, was zur Folge hat, dass nur die 11 Mio. linear auf die fünf Jahre abgeschrieben werden. Das heißt: Nur 2.2 Mio/Jahr an jährlichen Abschreibungen. Gepaart mit einem bewusst niedrigen Grundgehalt von 1.3 Mio. im ersten Jahr 2014 schreibt Byrd damit ganze 3.5 Mio. gegen die Salary-Cap 2014 an.

Die Retourkutsche kriegen die Saints in den nächsten Jahren – aber dann ist es ihnen womöglich wurscht. Ihre Cap-Situation 2015 und darüber hinaus ist etwas entspannter, und man kann sich die hohen Cap-Zahlen dann eher „leisten“. Und alles, was nach dem Karriereende von QB Drew Brees (voraussichtlich in 3-4 Jahren) passiert, kratzt eh niemanden. Cap-Hölle? Null problemo.

Das Handgeld ist also „nur“ 11 Mio. Aber im Vertrag sind anderen Klauseln „guaranteed“. Zum Beispiel das gesamte Grundgehalt von 2014. Dann der Roster-Bonus von 2015 – den wird Byrd kassieren, ob von den Saints (also praktisch ja) oder einem anderen Team, das seinen Vertrag übernimmt (praktisch wg. Dead money auszuschließen). Auch das Grundgehalt 2015 wird bei Byrd guaranteed, sofern er nicht vorher gecutted wird – was angesichts des dead moneys (siehe vorletzte Spalte) auszuschließen ist.

Selbiges gilt für 2016: Wird Byrd dann nicht vor den ersten Tagen des Liga-Jahres (also um Mitte März 2016) gecuttet, wird auch das Grundgehalt von 2016 guaranteed.

Wir haben also unter guaranteed: 11 Mio. Handgeld + 1.3 Mio. Grundgehalt 2014 + 6 Mio. Roster-Bonus 2015 + 2 Mio. Grundgehalt 2015 + 7.4 Mio. Grundgehalt 2016 = runde 27.7 Mio. Dollar (das korrespondiert mit den kolpotierten 28 Mio., die genannt wurden).

Wegen des Dead-Money kann Byrd wohl erst frühestens 2017 gecuttet werden, weil er zu jedem vorherigen Zeitpunkt über 6 Mio. an dead money anschreiben würde.

Das ist ein „all-in“ Vertrag: Den Spieler um jeden Preis für 2014 ins Team pressen, aber für morgen und übermorgen Probleme schaffen. Bloß: Übermorgen kommen mit dem Brees-Rücktritt eh die Schmerzen, weshalb also nicht den Schnitt vorbereiten und bis dahin die letzten 2-3 Jahre für einen letzten Titelansturm nutzen? Buy now, pay later.

Free-Agency 2014, Tag 2: Das Fenster bleibt offen

Tag 2 im Milliardengeschäft des NFL-Transfermarkts, und noch immer wartet eine Position darauf, den ersten Megavertrag zu bekommen: Running Back, die gute alte Nische der schnauzbärtigen NFL-Pundits, die uns weismachen wollen, dass der moderne Kram mit der passing league bloß eine Erfindug der Zahlenschieber ist. Fakt ist: Während für mittelmäßige Cornerbacks 10 Mio/Jahr ausgegeben werden um den Pass stoppen zu können, sah bisher genau ein einziger Running Back überhaupt 10 Millionen in der Free-Agency 2014: Toby Gerhart, der das allerdings über drei Jahre kassiert…

Dafür liefen die Verträge für Passrusher, Defensive Backs und Offensive Tackles heiß. Es wurden zwar keine rekordverdächtigen Summen ausgepackt, aber die schiere Masse an Verträgen um die 7-10 Mio/Jahr ist schon auffällig und hängt zwangsläufig mit der massiv angehobenen Salary-Cap 2014 zusammen.

Zum Markt bei den Defensive Backs kann ich noch nicht viel Gehaltvolles analysieren: Der auffälligste Deal war Jairus Byrd nach New Orleans, aber ich kenne dort noch keine wirklichen Vertragsdetails. Fakt ist: Die Saints befanden sich in einer schlechten Cap-Position, aber Byrd kassierte nach diversen Berichten zwar 28 Mio guaranteed, wovon aber erstmal nur 11 Mio. via Handgeld überwiesen wurden. Es könnte also durchaus sein, dass Byrd einen Vertrag bekam, der ihm relativ niedrige Kohle für 2014 gibt, und dann ab 2015 richtig ansteigt.

Der Cornerback-Markt ist durchaus interessant, nachdem CB Alterraun Verner für vergleichsweise moderate Kohle in Tampa unterschrieb. Wenig überraschend wurde kurz nach Verners Unterschrift dort eine Insel geflutet. Die Insel gibt es nun meistbietend zu ersteigern. Die Preiserwartung in der Erstausschreibung: Teuerste Insel ever. Mehr, wenn es soweit ist.


Auf dem Markt der Wide Receiver wartet derzeit noch alles gebannt darauf, in welchen Dimensionen sich der neue Vertrag von Eric Decker bewegen wird; in Deckers Schatten konnte ein Superbowl-Sieger schon seinen Multimillionenvertrag unterzeichnen: Golden Tate, für fünf Jahre nach Detroit. Vertragswert 31 Mio., bei 13 Mio. Handgeld.

Golden Tate ist ein kleiner, untersetzter Mann, dessen berühmtester Touchdown auch sein umstrittenster ist. Er kommt ursprünglich aus der Region um die Großen Seen und spielte bei Notre Dame College-Football. Eine Hometown-Hero. Als Superbowl-Sieger bringt er eine Portion Siegermentalität in den Locker-Room der Lions. Blabla.

Konzentrieren wir uns auf die Fakten: Die Lions brauchten dringend eine Ergänzung zu Calvin Johnson. Tate ist zumindest von der Idee eine solche. Kein Mann, der dir im Alleingang die Manndeckung bricht, keiner, der der Secondary mit einem Weltklassesprint auf und davon läuft, aber dass musst du neben Johnson nicht sein. Du musst „nur“ präzise den dir zugewiesenen Job erledigen und die Bälle, die du fangen musst, festhalten.

Tate machte in der Vergangenheit beides. Ich weiß nicht mehr wo ich es gelesen habe, aber angeblich hatte Tate in seinen bisherigen vier Profijahren ganze sechs Drops, und er gilt mit seiner Agilität als sehr flutschiger Spieler, nicht leicht zu greifen (17.6% seiner Yards machte er 2013 nach dem ersten Kontakt – ligaweit die #1). Ich weiß nicht, ob man für so einen Spieler 6 Mio/Jahr ausgeben muss, aber nachdem sich Detroit den Vertrag grade so leisten kann und es keine dringendere Schwachstelle gab – okay. Lasse ich gelten.

Ein weiteres Puzzleteil für die Offense. Ob es nun immer noch einen Wide Receiver im Draft gibt, bleibt abzuwarten, aber es wird unwahrscheinlicher.


Über die Denver Broncos und ihre Einkaufstour wurde schon auf den einschlägigen Online-Portalen geschrieben, dass die Finger bluteten. Tatsächlich machen die Moves der Broncos allergrößten Sinn: Du hast eine QB-Legende auf dem letzten oder vorletzten Halali, du hast eine machbare Conference, du hast eine, naja, okaye Mannschaft, und mit punktuellen Verstärkungen kannst du deine Titelhoffnungen am Leben erhalten. Und du hast Cap-Space. Die Broncos hatten über 30 Mio vor Start des Transfermarkts. Sie holten:

  • CB Aqib Talib für sechs Jahre, 57 Mio. Gesamtsumme und 26 Mio. Handgeld. Ein Vertrag, bei dem du eigentlich schlucken müsstest. Talib ist 28 oder 29 und ein wandelndes Verletzungsrisiko. Voll fit und motiviert galt er stets als sehr guter Spieler, aber er war meistens in seiner Vita eher einer, der für Kopfzerbrechen sorgte. Bekannt ist bei Talib seine jahrelange Marihuana-Abhängigkeit. Jetzt unterschreibt er in einem Staat, der Gras erst kürzlich legalisiert hat.
  • DE Demarcus Ware für drei Jahre, 30 Mio. bei 20 Mio. Handgeld. Ware war viele Jahre lang ein gefürchteter Passrusher in Denver. Ich war immer ein Fan von Ware, der sich von einem kleinen College hoch in die höchsten Sphären der NFL arbeitete. Ich werde nie vergessen, wie ich Dallas vor ein paar Jahren mal in einer Saison genau dreimal gesehen habe, und alle drei Mal zertrümmerte er alles, was sich ihm in den Weg stellte. Und er war ein kompletter Spieler.
    Er hatte ausgerechnet letztes Jahr sein bisher schwächstes Jahr, humpelte halb verletzt in einem nicht funktionierenden System in Dallas durch die Gegend. Das ist ein potenziell großartiger Move der Broncos: Sie kriegen einen noch immer guten zweiten Star-Passrusher neben dem „neuen Ware“, Von Miller, einen Spieler, der auch nicht in vier Jahren dreitausend Millionen an dead money anschreiben wird.
  • SS T.J. Ward für eine mir nicht genau bekannte Vertragssumme nach Denver. Ich hörte was von 7-8 Mio/Jahr für Ward, einen dieser aggressiven big hitter, die im Gegensatz zu einem Hitner auch Deckung spielen können. Ward gilt in erster Linie als Lauf-Safety, der sich am liebsten nahe der Anspiellinie aufhält – das kann Denver sehr gut gebrauchen.

Denver spart durch die Abgänge von Leuten wie dem alternden Champ Bailey oder DRC und Shaun Phillips auch Gehalt. Denver holt mit Talib, Ware und Ward drei potenzielle All-Pros in den Kader – und dieses Trio kostet in Summe nur grob geschätzte 8-10 Mio/Jahr mehr als die Vorgänger. Ich halte die Broncos-Moves für ein klares Upgrade. In einer eh schon schwachen Conference mit einem der besten Quarterbacks und noch immer Platz unter der Salary-Cap baut Denver seine Vorherrschaft auf dem Papier erstmal aus.

Jetzt noch Vince Young als Backup-QB und wir haben das Dream-Team II.

Free-Agency 2014, Stunde null

In 365 Tagen werden einige dieser Moves ganz schön mies aussehen. Trotzdem lohnt sich immer der Blick in die Hirnkästen der Funktionäre am ersten Tag der Free-Agency (Disclaimer: Stand des Artikels ist gestern Abend, 23h15 MEZ). Einer der auffälligsten Moves am ersten Tag des Transfermarkts 2014 war der Wechsel vom Left Tackle der Oakland Raiders, Jared Veldheer, zu den Arizona Cardinals. Der Move erstaunt aus mehreren Perspektiven:

  • Die Raiders: Ein Team mit unendlich viel Platz unter der Salary-Cap, aber GM McKenzie unternahm offenbar keinen ernsthaften Versuch, Veldheer zu halten.
  • Veldheer war einer der wenigen Spieler im Raiders-Kader, die eine akzeptable Kombination aus Alter (26 Lenze), Leistung (vor seiner Verletzung nur in 2% seiner Snaps mit einem QB-Pressure) und Reputation (Pro Bowler) boten.
  • Der Vertrag: Veldheer kostete die Cardinals „nur“ 35 Mio. Dollar für fünf Jahre (Handgeld ist mir nicht bekannt). Das ist bloß der 15t-teuerste Vertrag für Left-Tackles in der NFL nach der Metrik „Durchschnitt pro Jahr“ (APY) – kein perfektes Messmittel, aber nur um mal eine Hausnummer zu geben, kann man die schonmal verwenden.
  • Rodger Saffold: Kurz nach Veldheers Abgang gaben die Raiders bekannt, dass sie Rodger Saffold aus St Louis holen – einen Mann, der dort als Offense Tackle als gescheitert galt. Saffold wurde explizit als „Guard“ geholt, ist also nicht direkt als Veldheers Ersatz anzusehen, aber die Vertragskennzahlen sind doch erstaunlich: Saffold kriegt für fünf Jahre 42.5 Mio. Dollar, bei 21 Mio. Handgeld. Das ist der Vertragswert eines sehr guten Offense Tackles für einen unterdurchschnittlichen Offense Guard.

Crazy. Da lässt du einen offensichtlich sehr guten Mann ziehen und holst dir Minuten später einen offensichtlich riskanten Mann für sehr viel teureres Geld. Der Veldheer-Move ist aus Oakland-Sicht nicht so ganz nachvollziehbar.

Für den Spieler selbst dürfte es ein Upgrade sein: Er ist mit einem Mal in einer Mannschaft, die durchaus in Playoffnähe mitspielen dürfte – allerdings in einer hammerharten Division. Veldheer schließt aber in Arizona eine der eklatantesten Lücken über die letzten Jahre: Left-Tackle. Die Position, die die Cards so oft verbrannt hat. QB Carson Palmer, schon in Oakland Veldheers Teamkamerad, dürfte sich freuen wie ein Weinhamster.

Man denke da mal dran: Der letztes Jahr als Rookie gedraftete Jonathan Cooper und Veldheer dürften die Offense Line der Cardinals ab Sommer verstärken.

Eine andere Mannschaft bekam ihren Wunsch-Tackle für viel teureres Geld: Miami musste für die Dienste von LT Brandon Albert (kommt aus Kansas City) und seine fünf Jahre währende Unterschrift 46 Mio. Dollar und 25 Mio. Dollar Handgeld hinblättern. Albert dürfte sportlich in etwa in einer Kategorie mit Veldheer liegen – vielleicht einen Tick drunter – aber immerhin kriegt er jetzt den Arbeitsplatz, den ihm schon alle letztes Jahr prognostiziert hatten.

Und im Left-Tackle Zielschießen auch dabei: Eugene Monroe von Baltimore. Verlängert auch um fünf Jahre. Gesamtsumme: 37.5 Mio. Dollar.


Noch einmal Arizona Cardinals – Die Cards haben jedoch auch einen bekannten Abgang zu verkraften: LB Karlos Dansby ging nach Cleveland (4 Jahre, 24 Mio. Dollar/14 Mio. Handgeld). Dansby ist der Mann, der nicht mehr als jüngster Spieler unter der Sonne gilt, aber letztes Jahr eine echte Revitalisierung in Arizona erlebte. Dansby dürfte der direkte Nachfolger von D’Qwell Jackson in der Browns-Defense werden.

Jackson unterschrieb in Indianapolis für einen Vierjahresvertrag für 22 Millionen Dollar und 10.13 Mio. Handgeld. Das sind fast identische Zahlen für zwei Spieler, die nach allen erdenklichen Metriken leistungsmäßig eine Klasse auseinander liegen. Jacksons einziger Vorteil im „direkten Duell“ mit Dansby: Er ist zwei Jahre jünger.

Moral von der Geschicht: Die Colts haben ein Jahr „post Walden“ und nach dem mittleren Fiasko Trent Richardson noch nicht viel gelernt.


Darrelle Revis… als ich gestern schlafen ging, war Revis noch in Tampa unter Vertrag, aber er könnte durchaus mittlerweile schon gefeuert sein. Ich verstehe die Hintergründe und die Gedanken der Buccaneers: Revis passt als bester Manndecker unter der Sonne nicht wirklich in ein Abwehrschema, das zwar nicht ausschließlich, aber doch zu sehr großen Teilen, Zonendeckung spielt. Lovie Smith kommt aus diesem System, und er wird die meisten Ideen von dort einbauen. Was sich mir aber nur schwer erschließt: Ist ein System wirklich so unflexibel, dass man einen der drei, vier besten Abwehrspieler der Liga nicht integrieren kann?

Der andere Punkt: Revis kostet 16 Mio. gegen die Salary-Cap. Das ist fast Quarterback-Region für eine Position, auf der die nächst-teuersten Spieler – Leute wie CB Hall aus Cincinnati, CB Carr aus Dallas (!), CB Shields aus Green Bay (!!) oder CB Davis aus Indianapolis (!!!) – um die 9 bis 10 Mio./Jahr wert sind.

Revis ist damit 60% teurer als der nächstteuerste Cornerback. Das ist auch Wahnsinn, egal wie weit sich Revis vom Rest der Liga abhebt.

Auf der anderen Seite: Sind 16 Mio. für Revis so viel wahnsinniger als 10 Mio. für Davis oder Shields, die beide als relative Durchschnittsleute gelten? Oder ist es einfach diese Cornerback-mäßige „Ereigniskette“: Wenn ein Element bricht, ist die ganze Kette kaputt?

Cornerback ist im Gegensatz zu einem Passrusher ja viel mehr „Defense“, weil du nur relativ wenig „attackierst“, dafür umso mehr einfach nur abwehrst. Da ist es für Mannschaften u.U. ratsamer, vier durchschnittliche Spieler zu haben als einen Superstar, zwei okaye und eine Katastrophe. Ist das die Denke hinter 10 Mio. für Shields und Davis?


Ein möglicher Kandidat für die Dienste von Revis soll Cleveland sein. Ein Cornerback-Tandem mit Revis und dem aufstrebenden Joe Haden hätte Potenzial, der Legion-of-Boom in Seattle Konkurrenz zu machen. Die Historie zeigt allerdings: Trifft eine exzellente Offense auf eine Defense mit zwei exzellenten Cornerbacks, ist die Offense im Schnitt immer noch eher in der Lage, einen der beiden Cornerbacks auseinanderzunehmen.

Zumal die Browns sich auf der Safety-Position eklatant geschwächt haben: Von Ward (nach Denver) auf Donte Hitner – für mein Empfinden ein Downgrade wie von einem Reus auf einen Podolski, Weltklasse gegen eindimensionalen Durchschnitt mit Hau-Drauf-Mentalität.


Letzte Auffälligkeit: Atlanta Falcons. Die Moves der Falcons lassen darauf schließen, dass DefCoord Mike Nolan sich dort in Richtung 3-4 Defense bewegen möchte. Atlanta holte sich den massiv gebauten 150kg-Bolzen DE Tyson Jackson (5-technique) aus Kansas City. Jackson galt dort zwar als Bust, soll aber immerhin an Physis und Lauf-Defense zugelegt haben. Für eine derartig softe Abwehr-Front wie die von Atlanta dürfte Jacksons Physis ein Gewinn sein. Allerdings sind mir seine Vertragszahlen nicht bekannt.

Der andere DL-Move der Falcons ist Paul Soliai (5yrs, 33 Mio) aus Miami. Soliai wie Jackson gelten seit Jahren zumindest vom Körperbau als Prototypen für die 3-4 Abwehr. Was heißt das für die Gerüchte „Clowney nach Atlanta“?

Für die Schützengräben in der Offense tat Atlanta auch was: G Asamoah kommt aus Kansas City.


Und der Rausschmeißer: Jacksonvilles GM David Caldwell schaffte es, für Blaine Gabbert im Trade mit den 49ers einen 6th-Round Draftpick herauszuschlagen. Damit ist klar, wer eine Außenseiterchance zum NFL-Funktionär des Jahres hat.

Startschuss zur NFL-Free Agency 2014

Am heutigen 11. März öffnet die NFL ihre Transferperiode (“Free Agency”) 2014. Die Free-Agency wurde Mitte der 90er Jahre gemeinsam mit der Salary-Cap eingeführt um für die Teams die Kosten unter Kontrolle zu halten und, vor allem, um relative Chancengleichheit zwischen den NFL-Franchises zu wahren. Von Spielerseite her ist sie zu vergleichen mit einem Bosman-Urteil im europäischen Fußball: Die Profis durften plötzlich nach Vertragsende dorthin wechseln wo ihnen das meiste Geld geboten wurde, nachdem sie in der Zeit vor der Free-Agency auch mit Vertragsende an ihren Club gebunden waren.

Die Parität der NFL gilt als Erfolgsmodell und verhalf der Liga in den letzten 20 Jahren zu einem fassungslosen Popularitätsgewinn. Seit mindestens 10-15 Jahren zweifelt niemand mehr daran, welche US-Sportliga die aktuell dominierende ist (die NFL natürlich). Es ist relativer Liga-Alltag , wenn jahrelange Mauerblümchen plötzlich um den Titel mitspielen.

Die Free-Agency ist aber nicht ohne Kniffe. Es hat sich immer wieder gezeigt, dass die erfolgreichsten Teams überwiegend via Draft gebaut werden, und die Free-Agency maximal als ergänzendes Beiwerk verwendet werden sollten. Nicht alle halten sich daran, und es gibt natürlich Ausnahmen, aber der Transfermarkt ist voll von alternden Routiniers, während via Draft junges, billigeres Frischblut nachgezogen werden kann. Der Transfermarkt ist fast eine Auktion. Darüber habe ich vor zwei Jahren in „Fluch des Gewinners“ geschrieben.

Es gibt darüber hinaus viele Terminologien abzuklären, und zum Glück haben wir in den letzten Jahren vieles davon schon hinter uns gebracht:

  • Wie sehen NFL-Verträge aus? Herrmann hat in diesem Artikel erklärt, wie ein Vertrag in der NFL aufgebaut ist und versucht, den komplizierten Wust zwischen Grundgehalt, Handgeld und Boni auseinanderzunehmen.
  • Wie errechnet sich die Salary Cap? Letztes Jahr habe ich detailliert beschrieben, wie die berühmte „Salary-Cap“ (Gehaltsobergrenze) der NFL zustande kommt, wie viel welche Gehälter gegen sie zählen und wie die Handgelder abgeschrieben werden.
  • Was ist der Salary-Cap Rollover? Teams können sich Gehalt “aufsparen” auf ein späteres Jahr. Mehr dazu habe ich letztes Jahr geschrieben.

Zu beachten ist, dass die Teams auch einen „Floor“ in ihrer Gehaltsstruktur berücksichtigen müssen: Um skandalöse Sparkurse wie in der MLB (man denke an die Miami Marlins) zu verhindern, schreibt das CBA der NFL vor, dass mindestens 89% der Salary-Cap ausgenutzt werden müssen, d.h. die Teams müssen zumindest ein Minimum an Gehältern auszahlen.

Die Salary-Cap für 2014 beträgt 133 Millionen Dollar – das ist viel höher als im letzten Jahr (123 Mio.) und der krasseste Anstieg innerhalb eines Jahres seit fast einem Jahrzehnt. Es war ein Produkt des „Lockouts“ vor zwei Jahren, dass die Salary-Cap nicht mehr in dem Maße stieg wie in den Jahren zuvor. Sie wird errechnet nach einer bestimmten, nicht gänzlich transparenten Formel, die an den Jahresumsatz der NFL gebunden ist.

Die „alte“ Formel von 2006 ermöglichte fast ungehindertes jährliches Wachstum der Salary-Cap, während nach der Neu-Definition im Zuge des Lockouts 2011 ein sehr viel Owner-freundlicherer Kompromiss gefunden wurde – ein Kompromiss, der bis heuer dreimal en suite stagnierende Salary-Cap bedeutet hatte. Es ist vielleicht zu krass zu behaupten, die Spielergewerkschaft NFLPA hat sich 2011 über den Tisch ziehen lassen, aber es ging zumindest in diese Richtung.

Anyhow. Es ist 2014. Es sind 133 Millionen pro Team zu vergeben, mehr als gedacht, und gut vor allem für einige Teams wie Pittsburgh, Dallas oder New Orleans, die deutlich weniger Spieler rauswerfen müssen um kompatibel mit der vorgeschriebenen Gehaltsstruktur zu sein.

Die Mechanismen werden wie immer die gleichen sein:

  • In der ersten Woche wird der Großteil der bekanntesten Namen im Visier der Franchises sein. Es werden die teuren Verträge ausgeschüttet, und vor allem die Mannschaften mit mittelmäßig bis viel Salary-Cap werden aktiv sein. Für die „zweite Reihe“ der Free-Agents sind diese ersten Verträge gute Richtwerte.
    Ebenso gängig sind letzte Entlassungen und Trade-Gerüchte: Manche Mannschaften müssen jeden Cent sparen und daher noch Spieler entlassen. Die Fans und Medien sind dann immer ganz entsetzt, warum New Orleans jetzt seinen Darren Sproles auf die Straße setzt, wo aber schon der erste Blick auf die Gehaltsstruktur sofort verrät: Es war ein dringender Cap-Move.
  • In der zweiten Woche kommt die zweite Garde der Free-Agents dran: Die zweitbesten Receiver, die zweitbesten Running Backs und Cornerbacks, und die besseren Spieler auf den weniger wichtigen Positionen. Dann steigen so Teams ein, die nur wenige Millionen ausgeben können, weil sie sonst die Salary-Cap überschreiten und/oder ihre Draft-Klassen nicht mehr unter die Cap bringen. Es ist die Zeit der Schnäppchenjäger.
  • In den späteren Wochen werden dann nicht selten noch bekanntere Spieler gefeuert bzw. die überraschenden Ladenhüter doch noch von Mannschaften für Einjahresverträge (bzw. kurze, eher billige Verträge) geholt. Es sind die Verträge, bei denen die Medien immer schreiben, „Spieler X wettet auf sich selbst“ – der bekannte Spieler, der enttäuschenderweise keinen Mega-Vertrag bekam, versucht, mit einem billigen Vertrag in einer Mannschaft unterzukommen um mit einem überragenden Jahr in zwölf Monaten wieder auf den Markt zu kommen und dann hoffentlich groß abzukassieren.
  • Ab spätestens Anfang bis Mitte April wird der Transfermarkt dann völlig von der Schlussphase des Draft-Scoutings in den Schatten gestellt.

Was passiert 2014?

Die Mechanismen sind die beschriebenen, und sie werden mit hoher Wahrscheinlichkeit auch diesmal so greifen. Alles weitere ist eine Lotterie. Es gibt zwar tausend Artikel im Netz, die die besten Free-Agents reihen und die logischsten Kombinationen „Spieler x für Team y“ herausarbeiten, aber es sind nichts weiter als Gedankenspiele. Nur selten stellen sich die besten Moves von heute als beste Moves im Rückspiegel in einem Jahr heraus. Nur relativ wenige der „logischen“ Moves werden in einer Woche zustande gekommen sein.

Die geschätzten Cap-Rooms für 2014 hat das Blog Over the Cap, eine Pflichtlektüre in diesen Tagen, aufgelistet: Estimated Cap-Space 2014. Der Grund, weswegen die Summe aus Cap, Dead-Money und Cap-Space längst nicht bei allen Teams = 133 Millionen ist, ist die oben beschriebene Cap-Rollover, das „Gesparte“ an Gehaltsplatz aus dem letzten Jahr.

Der Transfermarkt 2014 hat nur wenige ganz große Namen: Der vielleicht größte wurde gestern kurzfristig noch vom Markt genommen, DE Michael Bennett, der bei den Seahawks verlängert (Vierjahresvertrag). Bennett spielte letztes Jahr nur 57% der Snaps seiner Mannschaft, aber fabrizierte dabei wertvolle 8 Sacks, und er gilt als lehrbuchmäßiger Lauf-Verteidiger an den Flanken der Defense Line.

Wenn die Gerüchte stimmen, dann wird heute mit Darrelle Revis ein zweiter Mega-Name hinzustoßen. Gestern noch fröhlich über die schiere Möglichkeit spekuliert, tauchten heute Nacht die ersten Gerüchte auf, dass es die Buccs möglicherweise ernst meinen. Revis soll von den Buccs auf dem Tauschmarkt angeboten worden sein, aber er für jeden Trade sein Veto abgeben und seinen Wert auf dem offenen Transfermarkt testen (die Buccs wollen ihn entlassen, wenn ein Trade scheitert). Das Ding muss schnell über die Bühne gehen: Innerhalb der ersten zwei oder drei Tage könnten die Buccs einen höheren Draftpick rückwirkend an die Jets zahlen müssen, sollte Revis dann noch im Kader stehen.

Weitere bekannte Namen, die verbleiben (Auswahl; kein Anspruch auf 100%ige Aktualität):

  • CB Alterraun Verner (Titans): Ein relativ junger Spieler mit seinen 26 Jahren, ein ehemaliger 4th-Round Draftpick, der sich in den letzten zwei Jahren mit einer unheimlichen Serie an Big-Plays, aber auch mit durch die Bank guten Noten, einen Namen gemacht hat. Andere bekanntere Spieler sind:
  • DE Michael Johnson (bisher Cincinnati)
  • FS Jairus Byrd (Bills): Die Bills haben eigentlich viel Verhandlungsspielraum, aber es scheint überraschenderweise so, dass sie ihren besten Safety Byrd ziehen lassen.
  • S T.J. Ward (Browns): Ähnlich gelagerter Fall wie bei Byrd.
  • OT Branden Albert (Chiefs): Albert sollte eigentlich schon letztes Jahr die Chiefs verlassen; als seinen Nachfolger hat man letztes Jahr dort Eric Fisher mit dem #1-Pick gedraftet.
  • OT Jared Veldheer (Raiders)
  • CB Aqib Talib (Patriots): Talib gilt spielerisch als recht unbestrittenes Kaliber, aber er ist verletzungsanfällig und seine dramatischen Eskapaden aus seiner Zeit bei den Buccs geistern vielen noch durch den Hinterkopf.
  • CB Dominique Rodgers-Cromartie (Broncos): bei dem Platz, den die Broncos haben, wäre ich überrascht, wenn sie nicht versuchen würde, DRC zu halten.
  • WR Hakeem Nicks (Giants)
  • WR Eric Decker (Broncos): Einer dieser gefährlichen Free-Agents. Decker spielte in Denver als #2-WR in der Offense des Peyton Manning und lieferte starke Zahlen. Aber ist er mehr als ein #2-WR? Kann er auch mit einem gewöhnlichen Quarterback Monster-Stats liefern? Oder ist er Greg Jennings light?
  • WR Emmanuel Sanders (Steelers): Sanders ist vielleicht das Gegenstück zu einem Decker. Spielerisch nicht viel schlechter (oder sogar besser), aber viel weniger bekannt. Sanders wird fast sicher billiger als Decker und damit mit hoher Wahrscheinlichkeit besseres Preis/Leistungsverhältnis. In der richtigen Offense kann er aber ein echtes Schnäppchen werden.
  • LB Karlos Dansby (Cardinals): Letztes Jahr für einen Spottpreis von den Cardinals zurückgeholt, und nach einem starken Jahr plötzlich wieder heiße Ware. Dansby ist ein kompletter Spieler, sehr erfahren, aber kann er wirklich noch einmal in einem auswärtigen System Leistung bringen, oder ist er am besten „zuhause“ in Phoenix?
  • DT Henry Melton (Bears): Letztes Jahr wäre er heiße Ware gewesen, aber nach einer Verletzung verschwand er von den Bildfläche. Damit ist Melton der klassische Mann, der für ein schlaues Team für einen moderaten Preis (Begründung: „Sie sehen doch selbst, dass sie ein Glasknochen sind“) zu haben ist.
  • DT Jason Hatcher (Cowboys)
  • RB Ben Tate (Texans): Galt vor wenigen Jahren als Riesentalent, kam in Houston aber nicht an Arian Foster vorbei. Tates Vorteil: Er ist noch relativ unverbraucht und hat wenige Carries auf dem Buckel. Nachteil: Als Runningback hast du es in der NFL 2014 nicht einfach.
  • DE Willie Young (Lions): Wertvoller Rollenspieler für die Tiefe in einer Defensive Line. Möglicherweise wird er aber nur überteuert zu haben sein: Ein Team könnte ihn als Stammspieler sehen und einen hohen Preis dafür bezahlen.
  • CB Peanut Tillman (Bears): Die Bears-Fans sehen ihn als Packers-Freelance Safety in ihren Alpträumen bereits Jay-Cutler-Interceptions zu Touchdowns zurücktragen.
  • DL Justin Tuck (Giants): Vor zwei Jahren noch Weltklasse. Ist er tatsächlich schon komplett verbraucht?
  • QB Michael Vick (Eagles)
  • RB Maurice Jones-Drew (Jaguars): Versuchte jahrelang den Streik um einen besseren Vertrag, den er nie bekam. Dann verletzte er sich mit der Aussicht auf einen gescheiten Vertrag. Jones-Drew wird als bald 30jähriger keinen Monstervertrag mehr bekommen.
  • WR Julian Edelman (Patriots): Rollenspieler für eine 3WR-Offense.
  • DT B.J. Raji (Packers): Ein unbeständiger Spieler, der darüber hinaus als schwieriger Typ gilt.
  • TE Jermichael Finley (Packers): Viele Jahre lang als verschwendetes Talent bei den Packers gehandelt.
  • DE Jared Allen (Vikings): Der Sack-Master. Mittlerweile 32, und er gilt als sehr beherrschender Typ in der Umkleidekabine.
  • QB Josh Freeman (Vikings): Immer noch mein Lieblingsspieler, aber vermutlich nur noch mit Aussichten auf einen Backup-Posten.
  • OT Michael Oher (Ravens)
  • TE Brandon Pettigrew (Lions)
  • WR Santonio Holmes (Jets)

Und etliche mehr. Ein Julius Peppers dürfte in Chicago beispielweise noch entlassen werden (würde den Bears 10 Mio. Cap-Space sparen), vielleicht auch ein Demarcus Ware in Dallas. Teilweise gute und sehr gute Spieler, aber nur wenige Superstars. Aber den Wert eines Free-Agent Einkauf misst du nicht nur am Namen. Du misst ihn am Verhältnis von Spieler und Preis. Dieses muss stimmen. Daher sind die besten Free-Agents oft die Spieler, die gerade von einer kleinen Verletzung kamen oder ein enttäuschendes Jahr hinter sich haben, deshalb recht billig verhökert werden und dann im Herbst wundern sich wieder alle, was sie da für einen Diamanten im Kader haben.

Raiders und Jaguars haben den meisten Cap-Space. Aber es handelt sich bei diesen beiden Teams auch um diejenigen, die trotz allem die schlechtesten sportlichen Aussichten haben (bei den Raiders kommt ein Schrotthaufen von Stadion mit hinzu). Welcher ambitionierte Spieler in seiner Blütezeit möchte mit 26 nach Oakland gehen nur um zu wissen, dass es sowieso noch drei Jahre bis zur Relevanz braucht? Wie viel werden Raiders und Jaguars überbezahlen müssen, dass bekanntere Namen dorthin wechseln? Ist es überhaupt ratsam für die Mannschaften, Starspieler via Free-Agency zu holen?