Zum Stand von ESPN America: 28.2.2013

Kai Pahl und Lukas Stemalszyk diskutieren in der heutigen Big Show [Teil 7] über ESPN America und die Zukunft der besten TV-Quelle für US-Sport, die wir in den letzten sechs, sieben Jahren hatten. Kai Pahl hat in seinem Blog mittlerweile die erhaltene Antwort aus der ESPN-Europazentrale in London veröffentlicht. Fazit: Das Grab ist geschaufelt, der Sarg bestellt, Hammer und Nägel liegen bereit. Es muss nur noch eingeschlagen werden. Am 1.8.2013 könnten tatsächlich die Lichter ausgehen, wenn sich nicht noch von „irgendwo her“ ein Käufer findet.

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Kansas City Chiefs in der Sezierstunde

Stat Line 2012

Record         2-14   --
Enge Spiele    2-4  
Pythagorean    2.5   (32)
Power Ranking   .300 (31)
Pass-Offense   5.3   (30)
Pass-Defense   7.2   (29)
Turnover       -24

Management

Salary Cap.
Free Agents.

2012 war ein Scheißjahr für die Chiefs, die mit einem eigentlich recht gut besetzten und vor allem im Kern jungen Kader derbe abschmierten und mit 2-14 die schlimmste Bilanz ihrer Geschichte einfuhren und zum ersten Mal den #1-Draftpick halten. Das schlechte Bild wurde durch ein Doppelmord des Linebackers Jovan Belcher und schwelende Geschichte um das Horroregime des GMs Scott Pioli „abgerundet“.

Es folgt der Reset-Button in Kansas City: Nach zuletzt drei eher laxen Coaches in Herm Edwards, Todd Haley und Romeo Crennell und der „Rasur“ (harhar) Piolis wurde mit dem eben in Philadelphia entlassenen Andy Reid einer der bekanntesten Coaches quer durch die Lande installiert, um eine der verdienstvollsten Franchises wieder auf Vordermann zu bringen.

Reid bringt einen komplett neuen Trainerstab ins Haus, u.a. im ehemaligen NFL-Quarterback Doug Pederson einen Ziehsohn als OffCoord, und DefCoord Bob Sutton, der zuletzt bei den Jets lernen durfte, wie Verteidigung geht.

Die Defense ist nicht das zentrale Problem der Chiefs, trotz der mit 7.2 NY/A drittmeisten aufgegebenen Passyards pro Spielzug. Es gibt in OLB Tamba Hali einen immer noch extrem potenten Passrusher, der Unterstützung von der „anderen“ Seite in OLB Justin Houston bekommt. Das Defensive Backfield ist mit der jungen Granate S Eric Berry und CB Brandon Flowers hoffnungsvoll besetzt, wobei durchaus ein zweiter akzeptabler Manndecker und etwas mehr Tiefe nicht schaden würde (CB Routt wurde schnell aufgegeben).

Die größte Baustelle ist weiterhin die Defensive Line, die aus drei Leuten mit großen Namen, weil allesamt extrem hohe Draftpicks, bestand. DE Glenn Dorsey, der Free Agent wird und nicht billig werden dürfte. Dorsey gilt seit Jahren eher als leichte Enttäuschung und konnte nie das halten, was man sich von ihm versprochen hatte. Auf eine Vertragsverlängerung würde ich nicht wetten.

Wie Dorsey war auch DE Tyson Jackson von LSU zu den Chiefs gekommen, aber im Gegensatz zu Dorsey hängt Jackson das bust-Schildchen schon sehr deutlich um, obwohl die Leistungskurve in den letzten beiden Jahren leicht nach oben gegangen sein soll. Jackson wiegt diese Saison 14.3 Mio. Dollar gegen die Salary Cap, und sollte der Vertrag nicht erneut umstrukturiert werden, kann man von einem Rauswurf Jacksons ausgehen.

Bliebe NT Dontari Poe, einer der workout warriors der Combine 2012. Poe wird ein durchwachsenes Rookiejahr nachgesagt: Bei Zeiten explosiv gegen den Lauf, aber insgesamt sehr unbeständig und im Passrush ein Nullfaktor.

Zusammenfassend: Kansas Citys Defense Line war nicht bodenlos schlecht, aber der Hauptgrund dafür, dass diese Defense seit Jahren nicht ihr volles Leistungspensum erreichen kann. Ein Weltklasse-DE würde dieser 3-4 Defense wie keiner anderen helfen – allein: Er ist in der heurigen Offseason wohl kaum zu bekommen.

Die Offense: Ein Quarterback!

Ein Problem, längst erkannt und trotzdem hatte ich bis zum Saisonstart 2012/13 Hoffnung, dass es sich wenigstens in Anflügen lösen würde: Quarterback. Mit zumindest durchschnittlichem Offensiv-Passspiel wären die Chiefs trotz ihrer zuletzt einbrechenden Abwehr ein wenigstens durchschnittliches Team gewesen. Aber es wollte nicht sein. Matt Cassell entpuppte sich endgültig als one year wonder von 2008 und war letzten Endes vielleicht der wichtigste Grund, weshalb aus dieser Chiefs-Mannschaft nie mehr als unterer Ligadurchschnitt wurde. Weil Cassell selbst nur unterer Ligadurchschnitt ist.

Cassell machte sich zum Hassobjekt im Arrowhead Stadium, weil er zu viele Interceptions (4.3% INT-Quote) und Fumbles produzierte; aber auch Backup Quinn entpuppte sich als keinen Deut besser. Das Rätselraten, wie Andy Reid die Quarterback-Position angehen will, dürfte seit gestern ein Ende haben: Die Chiefs scheinen für den 49ers-QB Alex Smith getradet zu haben (Gegenwert: Pick 2nd round/2013 und ein mir noch unbekannter Draftpick nächstes Jahr; Trade wird erst in zwei Wochen offiziell).

Smith… der Mann lebt von seiner blanken Angst, Turnovers zu begehen, und dürfte als vorsichtiger QB schon mal ein Gegenentwurf zu Cassell sein. Aber Smith, ehemals #1-Pick, entwickelte sich in San Francisco auch nie über die Rolle des Verwalters hinaus. Auch in der abgelaufenen Saison, seiner mit Abstand besten seiner Karriere (wo er ironischerweise auf die Bank gesetzt wurde), warf Smith nur 13.8% seiner Pässe downfield; über seine Karriere sind es nur 17.4% – ein niedriger Wert. Als gemeinhin anerkannt gilt: Man erlege Smith bloß nicht zu viel Verantwortung auf.

Positiv: Reid gilt durchaus als QB-affiner Coach, und das Gerüst in der Chiefs-Offense steht. Mit RB Jamaal Charles hat man einen dynamischen, explosiven Back zur Entlastung. Die Offensive Line gilt als nicht unterirdisch. Die Ballfänger-Crew könnte auf etwas sichereren Beinen stehen, aber immerhin:

  • WR Dwayne Bowe ist zwar Free Agent, aber man könnte sich den Luxus der Franchise Tag erlauben. Bowe ist ein sehr gutes deep threat.
  • TE Moeaki ist jung und verletzungsanfällig, aber sollte er annähernd die Form seiner Rookie-Saison von vor zwei Jahren erreichen und fit bleiben, passt die Position.
  • WR Jon Baldwin ist jung und mehr als unkonstant, aber gebaut wie sich NFL-Coaches einen Wide Receiver wünschen – und Baldwin hat auch bewiesen, dass er in der Lage zu unmöglichen Catches ist.

TE Boss und WR Breaston wurden gefeuert. Die Gruppe braucht Tiefe und es sollte dringend der eine oder andere Draftpick in die Receiver gesteckt werden. Es gibt Teams, die deutlich weniger zum Operieren haben, und die WR-Klasse 2013 gilt als breit aufgestellt.

Das kleinste Problem: Offense Line. Viele Pundits sehen OT Joeckel nach Kansas gehen, obwohl die Position eigentlich nicht schlecht besetzt wäre: RT Winston und LT Albert – geht noch besser, aber viele Teams wären froh über so ein Duo. Albert ist Free Agent und verletzungsgeplagt und wenn er deswegen ziehen gelassen wird, könnte das ein Indiz sein für eine Einberufung eines Offense Tackles mit dem Top-Draftpick.

All in all: Haste Scheiße… kriegste die Scheiße

So beschissen die Saison war, so unter Wert wurde Kansas City mit 2-14 letztendlich geschlagen. Viele Mannschaftsteile sind mit fantastischen Einzelspielern besetzt und etliche Schlüsselspieler sind noch relativ jung. Die QB-Position dürfte mit Smith adäquat, wenn auch nicht spektakulär oder gar wirklich langfristig besetzt worden sein.

Kacke ist allerdings, dass die Chiefs genau jetzt 2-14 gehen mussten. Die Draftklasse 2013 ist an den Needs der Chiefs komplett vorbeikonzipiert. Kein Highend-QB, kein Highend-WR, kein Highend-DE, dafür viel Breite. Die Chiefs werden den Top-Pick per Trade kaum los und haben in der Breite nach dem Smith-Trade auch kaum mehr Draftpicks (#34 iss weg).

Als GM würde ich die Defensive Line draften. Reid wird die 3-4 Defense behalten, aber vielleicht gibt es bei einem der vielen Tackles tatsächlich das Potenzial, ihn mittelfristig auf 3-4 End abzustellen – das ist die Position, die die kritischste verbliebene ist. Mit den beiden guten Nose-Tackle-Prospects von heuer im Hinterkopf kann man sich für den Poe-Pick vom letzten Jahr schon mal gepflegt in den Arsch beißen. Zweitgrößte Baustelle IMHO: Cornerback. Dee Milliner an #1? Eigentlich unerhört, aber in der Chiefs-Konstellation nicht Idiotie. Dann Wide Receiver. Entweder ein Topmann für den Slot, oder zwei mittelprächtige Dinger für mehr Breite.

Offense Line halte ich für Luxus. Anyhow: Kriegt Reid aus Smith ein Quäntchen mehr raus als Smith bisher von sich gezeigt hat, werden die Chiefs diesen Herbst zumindest 6-8 Siege einfahren.

Detroit Lions in der Sezierstunde

Stat Line 2012

Record         4-12   --
Enge Spiele    3-9  
Pythagorean    6.4   (23)
Power Ranking   .516 (17)
Pass-Offense   6.4   (14)
Pass-Defense   6.2   (18)
Turnover       -16

Management

Salary Cap.
Free Agents.

Die Saison 2012/13 wird als Saison der enttäuschten Hoffnungen in die Lions-Historie eingehen: Nach zwei Jahren Euphorie und Weg nach oben folgte der brutale Absturz auf bekanntes Terrain: Vierter Platz in der NFC North mit einer 4-12 Bilanz. Das schwache Gesamtbild der Detroit Lions wurde abgerundet durch nach außen getragene interne Schwierigkeiten und aufkommende Zweifel an der Qualität des Head Coaches Jim Schwartz.

Leser dieses Blogs dürften mittlerweile mitbekommen haben, dass der Lions-Laden trotzdem noch kein Fall fürn Notarzt ist. Zu gut waren die Vorstellungen gegen einen überwiegend schwierigen Schedule, zu viele Niederlagen selbst gegen sehr gute Teams waren einfach knapp (3-9 in One-Score-Games). Und gleich mehrfach war nicht bloß ein etwas besserer Gegner schuldig, sondern Detroit mit Eigenfehlern: Schlechte Coaching-Entscheidungen, Fehlkicks, Turnovers zum dümmsten Zeitpunkt.

Die Mannschaft bewegte sich zwischen frustrierend und aufregend. Spiele wie gegen Phialdelphia, Seattle, Green Bay oder Houston waren sinnbildlich für diese Saison: Hautenge Partien mit Punch und Gegenpunch, Comebackversuch und am Ende 1-2 Plays, die die Entscheidung herbeiführten.

Freilich bedeutet all das nicht, dass die Lions per sofort als Spitzenteam anzusehen sind. Sie waren mittelmäßig. Man lernte in dieser Saison aber nicht viel Neues über das Team, was nicht eh schon klar ist.

Lions-Style

Im Angriff wird geworfen bis zum Schwanengesang, egal welcher Gegner, egal welcher Spielstand. QB Matt Stafford pulverisierte in der abgelaufenen Saison den Rekord für die meisten Wurfversuche ever, und mit einem Wide Receiver der Qualität Calvin Johnsons ist das nur bedingt eine schlechte Idee: Johnson hatte trotz weniger Touchdowns eine fassungslos gute Saison und wenig deutet darauf hin, dass der Mann mit der #81 und dem dunklen Visor auf dem Zenit seines Könnens einen Leistungseinbruch erleben wird.

Die Probleme sind vielmehr um Johnson herum zu suchen. Beginnen wir bei Stafford, dessen Wurfarm zu den drei besten der Liga gehören dürfte, der aber immer mehr den Stempel des schlampigen Genies aufgedrückt bekommt. Hauptkritikpunkte: Zu unpräzise, zu Johnson-fokussiert, zu schweren Beton an den Füßen. Die Immobilität Staffords wird immer dann zum Problem, wenn der Gegner Johnson früh im Spielzug aus dem Spiel nehmen kann und Stafford gegen guten Passrush zum Erkaufen von Zeit gezwungen ist. Was folgen, sind häufig ungenaue oder die berüchtigten „Sidearm“-Würfe (Pitcher-Style).

Da die Offensive Line trotz einiger mittlerweile alternder Männer zumindest im Pass-Blocking als weiterhin gut eingeschätzt wird, dürfte es in diesem Kontext zum Imperativ werden, alternative Anspielstationen neben Johnson zu finden. Der notorische Troublemaker Titus Young wurde bereits entsorgt, und so sind nur mehr der filigrane, aber mittlerweile Mittdreißiger Nate Burleson, der extrem verletzungsgeplagte Jungstar Ryan Broyles und TE Pettigrew als Receiver mit NFL-Kaliber im Kader.

Was der Lions-Offense ebenso nicht gut bekommt: Das mögliche Karriereende von RB Jahvid Best. Best ist ein enorm explosiver Back mit exzellenten Fangqualitäten, setzt nun aber schon eineinhalb Saisons wegen anhaltender Gehirnerschütterungssymptome aus. Ohne Best und ohne eine wirklich für Laufblocking gebaute Offensive Line kommt Detroits Bodenangriff über ein paar 3yds-Läufe nicht in die Gänge. RB #25 LeShoure gilt als zu ungeduldig, RB #30 Smith und RB Joique Bell als körperlich zu schwach. Es macht wenig Sinn für die Lions, ein Arbeitstier einzukaufen, dafür sollten flinke Leute mit guten Händen gesucht werden, kleine, neue Jadvid Bests.

Die Defense

Detroits Defense weist prinzipiell weitaus bessere Stats auf als ihr Ruf vermuten ließe, leidet bei mir aber unter der Reputation, im vierten Viertel häufig den entscheidenden Stop nicht machen zu können. Warum auch? Die Unit von DefCoord Gunther Cunningham ist nicht dafür gebaut, primär den Lauf zu stoppen – und dieses Jahr war häufig Laufspielverteidigung gegen Spielende angesagt.

Die wuchtige Defensive Line dürfte schon wieder im Fokus der Offseason stehen. Die Position des Defensive Tackles ist mit dem aufstrebenden Tandem #90 Ndamukong Suh/#98 Nick Fairley sowie dem Routinier Corey Williams auf Jahre hinaus exzellent aufgestellt, aber an den Flanken steht man nach der Entlassung von Vandenbosch und dem möglichen Abgang des teuren DE Cliff Avril vor einem Problem: Geht man wirklich nur mit DE Young und dem Grünschnabel Ronnell Lewis in den Herbst? Oder wird an der fünften Draftposition erneut ein Defensive-Liner einberufen? Ist es gar der Deutsche Björn Werner?

Die Linebacker sind im simplifizierten Cover-2 Schema von Cunningham zwar speziell im Fokus, aber solide genug besetzt. Fragezeichen gibt es im Defensive Backfield, wo mit Chris Houston der beste Cornerback vertragslos ist und die Ankerpunkte ansonsten rar gesät sind. FS Delmas gilt als jung und grundsolide, plagt sich aber mit Verletzungen herum und könnte den auslaufenden Vertrag nicht verlängert sehen. Die Secondary dürfte entgegen der Philosophie des Jim Schwartz in diesem Frühjahr erhöhtes Augenmerk bekommen, vielleicht – sollte es wider Erwarten gelingen, Platz unter der Salary Cap zu schaffen – sogar via Free Agency mit dem CB Grimes oder dem Lions-kompatiblen Charakterkopf CB Talib.

Ausblick

Ich sehe zwei ganz große Stellschrauben: Wide Receiver und Defensive End (und mit Abstrichen eine dritte, Defensive Backfield). Stafford mag kein epischer Quarterback für die Hall of Fame sein, der ein Team im Alleingang durch die Saison schleppt. Mit einigermaßen gut aufgestellter Armada würde ich allerdings wenige Quarterbacks einem Matt Stafford vorziehen. Die Defense lebt von einer tief besetzten Defensive Line. Jene der Lions war in der jüngeren Vergangenheit stets gut und breit besetzt, hatte aber für meinen Geschmack kein gutes Jahr 2012/13. Ein Kaliber auf Defensive End dürfte vor allem der halbwegs soliden Secondary extrem helfen. Weil wir beim Thema sind, dürfte es wenigstens ein nicht zu teurer, solider Manndecker dort sein.

Weil die Lions große Batzen der Salary Cap für die Eckpunkte Stafford, Johnson oder Suh besetzt halten müssen, dürfte der NFL-Draft der beste Weg sein, um sich die notwendigen Talente anzulachen. Ein exzellenter Passrusher sollte in diesem Draft früh verfügbar sein und möglicherweise auf Jahre unter Marktpreis spielen. Sehr gute Wide Receivers sind gerne auch mal in den späteren Draft-Runden oder relativ billig auf dem Transfermarkt bekömmlich.

Schließlich und endlich gibt es den kostenlosen Rettungsanker „Regression zur Mitte“: Es ist kaum anzunehmen, dass Detroit auch nächstes Jahr so viele Turnovers in Schlüsselmomenten produzieren und eine dermaßen unterirdische Bilanz in engen Spielen einfahren wird. Superbowl-Favorit wäre wohl zu hoch gegriffen, aber allein die genannten Faktoren plus ein einfacherer Schedule dürften reichen, um die Lions nächstes Jahr wieder in Playoffnähe zu erwarten.

Auf der anderen Seite ist Schwartz angezählt. Eine weitere Wackelsaison und wir sehen nächsten Winter einen neuen Lions-Cheftrainer.

Frühstückseier am Dienstag, 26.2.2013

Gestern schneite überraschend die Nachricht rein, dass ESPN America möglicherweise zum Verkauf steht – oder ganz eingestampft wird. Nähere Informationen und Interpretationen der mehrdeutigen Pressemitteilungen von ESPN und BT gibt es bei Allesaussersport. Fix ist noch nix, aber die Zeichen stehen eindeutig auf Abschied.

Sollte ESPN America wirklich schließen, wäre ich traurig. NASN/ESPNA war für mich der Sender. Ich werde nie vergessen, wie ich am in der Nacht nach Neujahr 2007 bei einem Kollegen in Deutschland das Spiel der Spiele, Fiesta Bowl Oklahoma – Boise State, auf NASN guckte und seither nicht mehr von diesem Spiel und diesem Sender loskam. Bye, bye, ESPN America.

Sollte es für das italienische Staatsgebiet ab Herbst keine Möglichkeit mehr geben, College Football zu schauen, werde ich zur Auswanderung gezwungen sein.

Combine am Montag

Der vermeintliche Top-DT Star Lotulelei konnte kurzfristig nicht an den Workouts teilnehmen. Was sich im ersten Moment dramatisch anhörte, entpuppte sich am Ende als relativ harmlose „Dehydration“. Lotulelei kann schon wieder trainieren und wird im Laufe des März die verpassten Trainingseinheiten in diversen Camps nachholen.

Bei den Ends gab es kleinere Enttäuschungen. Damontre Moore hatte einen Tag zum Vergessen, verletzte sich in seiner zweiten Sprinteinheit und schaffte bodenlos schwache 12 Reps mit den 102kg-Hanteln. Möglicherweise fällt da mit Moore nach Jarvis Jones der zweite als sicher vermeldete Top-Draftpick um einige Plätze nach hinten.

Auftritt Björn Werner? Nur halb. Werner soll ebenso keinen guten Tag gehabt haben und wurde als Chris Long für Arme verspottet. Gemessen an Moores Scheißtag dürfte Werner aber noch gut dastehen. Eine dezidierte Analyse zu Werners Leistungen in sämtlichen Drills hat Flo Zielbauer im Hardcount-Blog geschrieben.

Mike Mayock ist ja ein Bewunderer von Oregons DE/OLB Dion Jordan. Jordan mit sagenhaften 4.60sek im Sprint, ließ Mayock zur Aussage, Jordan sei ein „ungeschliffener Aldon Smith“ hinreißen. Vor allem Jordans Antritt ist sensationell. Fast so schnell: Ziggy Ansah, unser ghanaischer Freund, mit 4.63sek. Von Ansah hatten wir aber nix anderes als Super-Stats erwartet. Ansah sah aber in den Linebacker-Drills nicht gut aus.

Der Este Margus Hunt ist dagegen bedenklich nahe am Terminus Workout Warrior: 4.60sek Sprintzeit und gleich 38 (!) Reps für einen Defensive End sind traumhafte Werte. So traumhaft, dass sie Skepsis wecken. Hunt wurde mit 6’8 und 277 Pfund gewogen.

Bei den Tackles sollten für meinen Geschmack vor allem Richardson aus Mizzou und Floyd von Florida Pluspunkte gesammelt haben: Beide wuchtige, antrittsschnelle Athleten mit großartiger Körperbeherrschung. Ich kenne die Spielausschnitte nicht, aber die Grundvoraussetzungen bei beiden sind fantastisch.

Etwas Slapstick gab es dank Iowa States Linebacker A.J. Klein, der in seinem Positionsdrills gleich zweimal auffm Popo landete [GIF]. Bei Manti Te’o war man unisono enttäuscht von seinen 4.82sek im Sprint. Te’os Sprint wirkte seltsam undynamisch, wenn man es mit einigen Spielen am College vergleicht. Ogletree war mit niedrigen 4.62sek besser.

Combine am Dienstag

Die Combine schließt heute mit den Defensive Backs. Glauben wir den Scouts, sind bei den Cornerbacks Dee Milliner/Alabama und Desmond Trufant/Washington die beiden einzigen „sicheren“ Erstrundenpicks, ebenso viele wie bei den Safetys mit Kenny Vaccaro/Texas und Matt Elam/Florida.

Es gibt allerdings einen jungen Safety von der Florida International University – Jonathan Cyprien – dem man zutraut, mit einer pfeilschnellen Sprintzeit (sagen wir: unter 4.45sek) in die Garde der ersten Runde zu schießen. Ohne den Spieler jemals (bewusst) gesehen zu haben, aber man vernimmt Wunderdinge über den Knaben.

Bei Milliner ist zu beachten, dass er eine Hüftoperation hinter sich hat und deswegen vermutlich nicht im Vollbesitz seiner Kräfte sein wird. Krieger Milliner wird trotzdem alle Einheiten außer dem Gewichtstemmen bestreiten. Kollege Xavier Rhodes von der FSU soll dem Vernehmen nach eine eher schlechte 40-Time erwarten lassen, was seinem Ruf als extrem aggressiver press corner an der Anspiellinie nicht schaden sollte; Jacksonvilles Gus Bradley wird da auf seinen neuen Sherman schauen.

Ein ganz großer Name, der heute dabei sein wird: Tyrann Mathieu/LSU, der Honey Badger, der vor eineinhalb Jahren die Welt des College Football mit sensationellen Interceptions und Returns verzauberte und sich nach seiner Drogenkur nun in die NFL wagt. Mathieu gilt als geläutert, was auch immer das bei einem 22jährigen heißen mag.

Ringen ist wohl bald nicht mehr olympisch…

aber die Popularität war nicht das entscheidende Kriterium. Vielleicht haben andere Verbände in der Tat die dickere Brieftasche.

Recap – Combine 2013 am Sonntag

Der Combine-Sonntag mit Quarterbacks, Running Backs und Wide Receivers ist immer ein langer. Weil gesundheitlich leicht in Mitleidenschaft gezogen, hatte ich gestern die Zeit, die Combine im NFL Network über weite Strecken zu verfolgen. Es war eine recht zähe Veranstaltung, was nicht zuletzt an den immer wiederkehrenden Tonproblemen des NFL-Senders lag, der gleichzeitig einen überraschend ruckeligen Stream fuhr. Zäh fand es wohl auch Patriots-Coach Belichick auf der Tribüne.

Wide Receivers

Sprintzeiten! So gute Sprintzeiten, da steht gleich Al Davis aus seinem Grab auf um dreizehn Wide Receiver in der ersten Runde zu draften! Wo man in anderen Jahren bei 4.43 Sekunden ins Sabbern kam, griffen gestern gleich mehrere Sprinter nach dem Skalp des Combine-Rekords von Chris Johnson aus dem Jahre 2008 (4.24 Sekunden über 40yds).

Die 4.25sek waren inoffiziell: Tavon Austin - Bild: NFL-Network.

Die 4.25sek waren inoffiziell: Tavon Austin – Bild: NFL-Network.

Der schnellste von allen war Marquise Goodwin von der University of Texas, ein Olympionike (Weitspringen), mit 4.27sek. Goodwin machte die guten Eindrücke allerdings mit dem einen oder anderen einfachen Drop in den WR-Workouts zunichte. Die andere Superzeit stellte das „gelbe Irrlicht“, Tavon Austin von West Virginia, auf: 4.34 Sekunden. Beim kleinen Slot-WR Austin war auch die Antrittszeit über 10yds stark, und weil Austin ein sehr viel sicherer Fänger ist, strengte Mike Mayock diesen Vergleich an:

Austin is a football player who runs like a track star. Goodwin is a track star who plays football.

Auch Ryan Swope (Texas A&M) fuhr fantastische Werte (4.34) ein, und Swope wird nach seinen 26 bench press reps gleichmal das Label des Workout Warriors übergestülpt bekommen. Den Wert der 40 Time sieht man am Beispiel von Justin Hunter (Tennessee): Hunter kam mit 6kg unter den Erwartungen zur Combine und der gedankliche Sprung zur Vermutung, dass Hunter extra für eine bessere Sprintzeit Gewicht abbaute, ist kein weiter. In wenigen Wochen wird Hunter wieder auf Kampfgewicht sein (Hunter lief 4.44sek). Die Catches von Hunter sollen übrigens nicht überzeugend gewesen sein.

Die drei für meinen Geschmack überzeugendsten Receiver in den Fang-Drills waren Stedman Bailey (WVU), DeAndre Hopkins (Clemson) und Connor Vernon. Mayock sieht in Bailey einen 3rd rounder. Negativ fielen mir Oregon States Markus Wheaton mit Butterfingern und Cobi Hamilton mit zu vielen Drops auf.

Zwei Lieblings Mike Mayocks: Cordarrelle Patterson (Tennessee) lief 4.42sek, was bei dessen Körpermaßen durchaus als sensationell stark angesehen werden kann. Patterson hat alle Voraussetzungen, Patterson hat spektakuläre Videos. Bleibt die Frage, ob der Mann nach nur einem Jahr in der SEC bereits reif genug für die NFL ist. Der andere Liebling ist Robert Woods, erst vor einem Jahr noch als sicherer 1st rounder gehypt, aber mittlerweile fast in der Versenkung verschwunden. Woods sieht optisch wie ein prototypischer NFL-WR aus, lief 4.51sek… kann man wenig an den Tapes und der Combine aussetzen.

Bei Da’Rick Rodgers, so einem Mann mit einer bedrückenden Geschichte abseits des Spielfelds (Stichwort: kann sein Temperament nicht im Zaum halten), kann man auf Basis der Combine wenig zu sagen; das ist einer, den irgend ein mutiges Team zwischen Ende erster und Ende dritter Runde draften wird.

Drei Leute habe ich mir noch notiert: Corey Fuller (Virginia Tech) mit 4.43 Sprintzeit, ein ehemaliger Leichtathlet der erst zwei Jahre Football spielt, bei dem Mayock meinte, sein Schritt sei für einen Wide Receiver fast zu groß. Chris Harper (Kansas State), mit seinen 229 Pfund brutal kompakt gebaut, sieht aus wie ein Runningback. Und Denard Robinson, der Scramble-QB von Michigan, der in der NFL bestensfalls als Receiver eingesetzt werden wird. Robinson lief mit geschnürten Schuhsenkeln eine 4.43sek (IMHO überraschend schnell), aber bei Robinsons zweitem Sprint merkte man ihm ungewohnte Nervosität an. Er sah unsicher aus, zweifelte. Zögerte. Hände und Routenlaufen sind suspekt, aber bei einem tiefen Ball zeigte er starkes Adjustment, lief die zwei seitlichen Schritte und fing den leicht deplatzierten Ball souverän.

Quarterbacks

Mayock sieht aktuell in keinem Quarterback dieses Jahres Material für die erste Runde. Mayock bemängelt nicht nur bei jedem QB das eine oder andere fehlende Attribut. Mayock sieht bei keinem QB, dass er die Defensive Backs mit seinen Augen „manipulieren“ kann, d.h. QBs, die zu schnell und zu lange in eine Richtung starren, werden in der Profiliga locker ausgeguckt. Mayock muss es wissen: Er war bei den Giants selbst ein paar Jahre Safety.

Der überzeugendste von allen soll noch Geno Smith (WVU) sein. Der Tenor war ganz klar: Smith hat alle Würfe drauf, wirft gepflegt tief, aber er ist ein frustrierender Mann, weil er immer wieder horrende Fehler einbaut, tief seine Leute übersieht, bei schnellem Passrush die Nerven wegschmeißt. Er lässt viele Yards auf dem Spielfeld liegen. Smiths Sprintzeit war mit 4.56 erstaunlich schnell für einen Spieler, dem man nicht nachsagt, ein Scrambler zu sein.

Smith war danach in der NFLN-Runde sehr demütig, gab sich selbst „Note C“ (so was wie eine 3 oder 3,5 nach deutschem System), deutete an, wie anstrengend das ewige Kommunizieren mit den Franchises sei. Smith war bei 11 Teams eingeladen, u.a. den Cardinals, Chiefs, Steelers, Raiders, Bengals (!) und Bills. Die Bills halten den achten Pick.

Barkley warf aufgrund seiner Schulterverletzung nicht, aber es kamen Gerüchte auf, dass sich die Arizona Cardinals an dem Mann einen Narren gefressen haben (ARI pick an #7).

Die big arm-Connection mit Tyler Bray (Tennessee) und Mike Glennon (NC State) hat andere Probleme: Bray soll nicht viel gegen seinen schlechten Ruf als arroganter Schnösel getan haben, und Glennon wirft zwar mächtige Bälle, aber eben häufig auch nicht 100%if aufs Kreuzchen auf der Brust. Wenn ich mir zu Glennon noch einen persönlichen Kommentar erlauben darf: Der Mann ist eine Gazelle, wirkt unglaublich gebrechlich mit seinen dünnen Armen und dem schmalen Oberkörper. Mit breiter Brust ins Spiel gehen? Impossbile.

Bei Tyler Wilson (Arkansas), meinem größten QB-Favoriten dieses Jahr, soll lt. Mayock vor allem untersucht werden, wieso er heuer so häufig „Sidearm“ geworfen hat – ein sicheres Zeichen, dass er verunsichert war.

Running Backs

Die größten Stars der Klasse 2013 fehlten. Bei Marcus Lattimore spielte NFLN ein Video über dessen Reha ein. Es gab noch einmal dieses fürchterlich verdrehte Knie zu sehen und ich musste mich kurz abdrehen. Lattimores Heilungsprozess soll besser als erwartet laufen, auch wenn man die riesigen Schnitte an den Knien noch sieht. Es gibt Hoffnung:

Lattimore isn’t a lock to sail through the rest of his rehab or return to full form. But the positive buzz has already started. And it will only take one team willing to take a chance for Lattimore to find his way into the second or third round.

Landläufigste Meinung: Lattimore geht nicht vor der dritten Runde. Auch Lacy von Alabama hatte wegen Fußverletzung keinen Combine-Auftritt. Die anderen Running Backs konnten nicht viel zeigen, weil die 40-Time für Backs ein eher schlechtes Bewertungsmaß stellen (Mayock: Most running backs are quicker than fast).

Montee Ball aus Wisconsin nur mit inoffiziellen 4.62sek. Oregons Kenjon Barner mit 4.44sek trotz schwachem Start. Knile Davis aus Arkansas mit 4.30sek. Auburns Onterrio McCalebb kurz nachdem Mayock auf seine mögliche Topzeit hingewiesen hatte, mit handgestoppten 4.21sek! (was Combine-Rekord wäre)

Ein interessanter Mann könnte „nein, kein Mädel“ Christine Michael von Texas A&M sein: 4.41sek Sprintzeit, spektakuläre Plays aus dem College in Erinnerung, gilt aber als zu wenig durchhaltevermögend und beging am College die Todsünde: Kritisierte seinen Trainerstab via Twitter.

Combine heute

Wir formen uns so langsam ein – wenn auch noch unscharfes – Bild von den Anwärtern. Heute geht es in Indianapolis weiter mit der Defensive Front-Seven, die ich namentlich bereits letzte Woche vorgestellt hatte. Folgende Defensive Ends wurden von der NFL heute eingeladen, auch an den Linebacker-Drills teilzunehmen:

  • Ziggy Ansah (BYU)
  • Keke Mingo (LSU)
  • Dion Jordan (Oregon)
  • Alex Okafor (Texas)
  • Björn Werner (FSU)
  • Damontre Moore (Texas A&M)

Nicht teilnehmen wird heute Jarvis Jones von Georgia. Jones ist der Mann mit der Spiralen Stenose (Wirbelsäulenverengung), und ein Mann mit einer mittlerweile potenziell tragischen Geschichte: Obwohl die Doktoren ihm grünes Licht gegeben haben, dringen schon erste Stimmen durch, die ihm das „Bowers-Schicksal“ androhen, ein Durchfallen lateral durch die Draftboards, weil man im Fehlwuchs ein ernsthaftes Problem sieht. Jones soll in Gesprächen schon sehr resigniert gewirkt haben, was seinen Draft-Status angeht.

Mit dabei, und doch schon abgeschrieben: Sam Montgomery, Defensive End von LSU. Die Gerüchte, dass sein Trainerstab ihn bei LSU längst aufgrund Untrainierbarkeit aufgegeben habe, scheinen in Indianapolis mittlerweile bestätigt worden zu sein. Es soll Teamkollegen und Coaches geben, die offen ihre Abneigung gegen das, was Montgomery so an Einsatz im Training gezeigt hat, zu Protokoll gegeben haben. Da helfen dann auch kein Top-Sprintzeiten mehr.

Recap – Combine 2013 am Samstag

Die freiwillige Pressekonferenz des Manti Te’o brachte prinzipiell drei nennenswerte Erkenntnisse:

  • 20 Teams haben sich zu einem 15minütigen Interview mit Te’ angemeldet.
  • Te’o wird keine rechtlichen Schritte gegen den Kreator der Lennay-Kekua-Gestalt, Ronaiah Tuiasasopo, anstrengen.
  • Te’o war gut vorbereitet, wirkte halbwegs locker und schien erleichtert zu sein, die PK vor einer gewaltigen Medienmeute hinter sich gebracht zu haben.

Auch wenn die Kekua-Sache so schnell nicht von der Bildfläche verschwinden wird, kann man doch davon ausgehen, dass Te’o – sofern nicht noch weitere unangenehme Details ans Tageslicht kommen – irgendwann in der zweiten Hälfte der ersten Runde gedraftet werden wird. Und bis Herbst wird größtenteils Gras über die Sache gewachsen sein.

Die Hosen voll

Was ich noch nicht wusste: Für Offensive Linemen gibt es wenig bessere Dinge als einen fetten Arsch. Zumindest erwähnte Mike Mayock in der von mir beiläufig verfolgten Combine-Übertragung gestern minimum fünfmal die Wichtigkeit von knackigen Hintern („he needs sand in his pants“ usw.), und als der mögliche Top-Guard Jon Cooper einen Drill zur Beinarbeit abwickelte und die Kamera voll von hinten draufhielt, bekam sich Mayock gar nicht mehr ein: Do you see this big butt? He’s able to drop that big butt down. That’s pretty good, man. That’s really good. Look at that: That’s sooo smooth. Zirka dreißig Prozent des Bildausschnitts wurden von Coopers Dreiviertelhose ausgefüllt.

Erklärung: Ein gut gefüllter Wackelarsch wird assoziiert mit einem niedrigen Körperschwerpunkt und ergo besserer Wirkung der Kräfte beim Schieben und Ziehen in den Schützengräben um die Anspiellinie.

Offensive Line

Viel wurde über die geforderte Vielseitigkeit in der heutigen NFL gesprochen: Offense Liner müssen nicht mehr bloß die alte I-Formation blocken können, sondern zig Lauf-Formationen. Da reicht es nicht, wenn ein Spieler nur in einer „Power“- oder „Zoneblock“-Offense spielen kann.

Viel wurde über das Alabama-Trio gefaselt: C Barrett Jones punktete vor allem mit Redegewandtheit vor den Journalisten und hat das Label „Team-Leader“ aufgesetzt bekommen. OT D.J. Fluker fiel durch 6kg Gewichtsverlust seit dem Jänner auf und wirkte bei den Drills für meine (ungeschulten) Augen sehr schwach. Guard Chance Warmack hatte eine schlechte Sprintzeit (handgestoppte 5.53sek), die aber nicht ins Gewicht fallen sollte, weil die Tapes für Warmack sprechen.

OG „big butt“ Jon Cooper soll ein Supertalent für eine “Zone”-Blockoffense á la Houston oder Washington sein, gilt spätestens seit gestern als Top-15 Pick und möglicher Favorit sogar gegenüber Warmack. Cooper zudem mit viel Kraft: 35x die 115kg gestemmt.

Bei den Tackles war OT Luke Joeckel, von vielen zum Top-Pick gehypt, nicht schlecht, aber er soll nicht beweglich genug sein, um pfeilschnelle Passrusher durch die Innenseite zu verhindern. Mayock gab zu bedenken, dass am College der mobile QB Johnny Manziel diese Schwächen Joeckels kaschiert habe. Als unisono stark wurde der Auftritt von OT Eric Fisher eingeordnet, der schon als dark horse für den Top-Pick gilt.

Ansonsten fielen die Tackles vor allem durch unglaubliche Beweglichkeit auf, die man so in der Häufigkeit noch selten gesehen hat. Oklahomas Lane Johnson sprintete 4.72sek und sah in seinen Bewegungen nun wirklich nicht wie ein klassischer O-Liner alter Tradition aus. Unglaubliche Leichtfüßigkeit. Mayock: Johnsons Tape wurde über die Saison immer besser, überzeugender. Sicherer 1st round pick.

Noch krasser war der mir bis heute völlig unbekannte OT Terron Armstead aus der FCS (Arkansas-Pine Bluff) mit sensationellen 4.71sek über 40yds. Armstead soll schon bei den Allstarspielen im Jänner glänzende Eindrücke hinterlassen haben. Ein vor allem von Mayock extrem intensiv diskutierter Mann war der bärtige Glatzkopf Kyle Long von Oregon. Soll auch irgendwo in Erstrundennähe rumschwirren.

Zwischenfazit lt. Mayock: Mindestens 8 Offense Liner sind sichere Erstrundenpicks. Warmack/Cooper werden beide in den Top-15 gehen, also ungewöhnlich hoch für Guards. Warmack hat Außenseiterchancen auf den Top-Pick. Bei den Tackles könnten Joeckel oder Fisher an #1 gehen.

Tight Ends

Tyler Eifert/Notre Dame mit einer quicken Sprintzeit. Zach Ertz etwas langsamer als erwartet, aber ansonsten as advertised. Man lernte nix Neues über die Tight Ends, höchstens, dass der Außenseiter Gavin Escobar alles mit der Mütze fängt, was bei drei nicht auffm Baum ist.

Zwischenfazit Mayock: Eifert = 1st round. Ertz, Escobar jeweils 1st/2nd round, wobei Ertz auf alle Fälle besser ist als Escobar.

Te’o spricht

[21h13] Daniel Jeremiah (NFL.com-Scout/ex-NFL-Scout): Te’o ist ein grundsolider Spieler; kein Riesentalent oder Superstar wie Willis oder Mayo, sondern grundsolides Material für Ende erste Runde, Anfang zweite Runde.

[21h00] Es war übrigens keine Pflicht-Pressekonferenz für Te’o. Ich tippe, mit dem gar nicht üblen Auftritt hat sich Te’o in der Öffentlichkeit einen eher guten Dienst getan.

[20h51] Größtenteils war es ein „geskriptetes“ Frage-Antwort-Spielchen. Wenig wirklich neues, aber ich nehme ein bissl das Gefühl mit, das auch Mayock angesprochen hat: Ein Team wird Te’o draften, es rinnt ein Haufen Wasser die Etsch runter und beim ersten 3rd-down-Stopp im September ist diese Geschichte für die Fans fast nur mehr eine Randnotiz.

— Hinweis: Im Folgenden Auszüge aus Te’os Statements. Sind keine Transkripte, sondern nur schnell sinngemäß mitgeschriebene Zitate —

[20h43] Zeit nach dem Deadspin-Artikel – es war tough, am schlimmsten als ich von meiner Schwester einen Anruf bekam, dass da auf dem Parkplatz Leute rumhingen. Warum tut man das? Die Leute sollen verstehen, dass wir auch Menschen sind. Jeder macht Fehler. Ich habe gelernt, die Leute zu schätzen, die einem wirklich nahe sind [yadda yadda]… vielleicht waren bei ND zuletzt zu viele Leute in unserer Nähe, weil wir so erfolgreich waren [Anm. hoffe, das habe ich richtig verstande – korsakoff]. Ich hatte Scheiße gebaut, konnte meiner Family nicht mehr helfen – das tat mir am meisten weh.

[20h40] Te’o auf der PK:

Te'o - Bild: NFL-Network.

Te’o – Bild: NFL-Network.

[20h38] Ray Lewis/Ravens – Baltimore wäre sicher ein genialer Ort, die Karriere zu beginnen. Als Nachfolger von Ray Lewis, dem Vorbild für alle Linebacker! Ich glaube, ich kann auch solche Energie, Passion für das Spiel mitbringen; ich hasse zu verlieren fast noch mehr als ich liebe zu gewinnen. Ich gebe immer alles, damit wir gewinnen. Es wäre eine Ehre, in die großen Fußstapfen von Ray Lewis zu treten.

[20h35] Ausblick Draft – ich habe schon mit den Texans und Packers gesprochen. Auf meinem Plan stehen dieses Wochenende noch weitere 18 Teams, ich weiß noch nicht genau, welche. Ich nehme die Interviews als Chance wahr, den wahren Manti zu zeigen. Ich verstehe, dass die Teams Spieler wollen, denen sie vertrauen können. Alle mit denen ich gesprochen habe, haben mich zu dem Hoax-Vorfall befragt. Sie wollen die Wahrheit. Ich habe aber noch keine Rückmeldung aus der NFL bekommen, wie das meinen Status vor dem Draft beeinflussen wird.

[20h34] Aufmerksamkeit und Zeit nach dem Hoax – ich war schon überrascht, wie krass die Geschichte landesweit aufgenommen und rezipiert wurde. Man sieht es auch hier im Saal: So viele Menschen, so viele Kameras. Crazy! Aber es war definitiv enttäuschend, beschämend. Vor allem für meine Familie, deren Name in den Dreck gezogen wurde, das tat weh. Wenn du durch die Einkaufsstraßen läufst und die Leute drehen sich um und starren sich an: Keine angenehme Sache.

[20h30] Leadership – ich habe gelernt, die Dinge, die ich kontrollieren kann, von denen zu unterscheiden, die ich nicht kontrollieren kann. Wohin ich auch immer gedraftet werde, ich werde alles geben um zu gewinnen. Alles andere habe ich nicht unter Kontrolle.

[20h27] Te’o wirkt nicht komplett gelöst, seine Bewegungen sind etwas nervös, aber die Journaille lässt ihn auch kaum aussprechen, ehe die nächste Zwischenfrage kommt. Te’o versucht, zwischendurch immer mal wieder zu lächeln.

[20h25] Hoax und BCS-Finale – es hat mein spiel nicht beeinflusst. Wir haben gegen ein super Team von Alabama gespielt, und wir waren schlecht, ich war schlecht. Wir spielten mit vollem Einsatz, aber es hat nicht gereicht. Hoax war keine Ablenkung für mich.

[20h23] Thema Hoax und Combine – natürlich ist es ein Thema, ich wusste das, aber ich versuche mich hier auf die sportlichen Dinge zu konzentrieren [yadda yadda]… klar hatte ich mir ein anderes Ende der Geschichte erhofft, aber die Dinge sind so verlaufen wie sie gelaufen sind. Ich war 21, 22 Jahre alt, es war eine chaotische Zeit. Ich habe es hinter mir gelassen. Hätte ich es nicht, wäre ich nicht zur Combine erschienen.

[20h20] So viel war selbst bei Tebow vor drei Jahren nicht los im Saal.

[20h15] Die Auslastung im Saal lässt keine Wünsche offen:

Vor der Pressekonferenz - Bild: NFL-Network

Vor der Pressekonferenz – Bild: NFL-Network

[20h12] Mayock: Die PK hat nur für Fans richtigen Wert. Für die Teams wird es wichtiger sein, Te’o in die Augen zu schauen, ihn anzufassen, ein Feeling zu entwickeln von seinem Charakter und dem Umfeld, in dem er sich bewegt.

[20h06] Laut Gil Brandt wird Manti Te’o gegen 20h15 zur Pressekonferenz erscheinen. Das NFL Network will live drauf gehen.

Armenhaus des US-Sports

Der für gewöhnlich exzellent aus Insiderkreisen informierte Adam Schefter von ESPN.com berichtet, dass die National Football League auf der verzweifelten Suche nach Umsatzsteigerung gedenkt, seine Offseason etwas auszuweiten. Der Plan liest sich lt. Schefter so: Die Combine in den März verlegen, den Start der Free Agency in die ersten Apriltage, den NFL-Draft zurück nach Anfang Mai. Die NFL-Combine soll gleichzeitig als offizieller Startschuss für eine Serie von regionalen Combines dienen. Der Startschuss für die neue Saison soll nach dem lt. Schefter „sehr konkreten“ Plan ein einheitlich terminierter Start der Trainingslager im Sommer sein: Alle am selben Tag.

Die NFL möchte mit dem Move die Offseason etwas strecken und somit länger Interesse erwecken. In jedem Monat ein Highlight: Jänner mit Playoffs, Februar mit Superbowl, März mit Combine, April mit Free Agency, Mai mit Draft, Juni… okay, bis auf die inoffiziellen DUI-Nachrichten aus Spielerkreisen nicht so viel bis der nächste Lockout kommt, aber dann: Juli mit Trainingslager-Eröffnung, August mit dem „Highlight“ Preseason, und danach ist sowieso wieder die Zeit der gelben Blätter und langen Nächte.

Die NFL entdeckt langsam, wie es geht.

Die Front Seven vor der NFL-Combine 2013

Sideline

(Auswahl)

Inside Linebacker

Name             Rd
Alec Ogletree    1
Manti Te’o       1-2
Kevin Minter     1-2
Jonathan Bostic  2-4
Kevin Riddick    4
A.J. Klein       5

Outside Linebacker

Name             Rd
Jarvis Jones     1
Arthur Brown     1-2
Khaseem Greene   2
Kiko Alonso      3
Sean Porter      3-4
Chase Thomas     4-5
Michael Mauti    5

Heute ist der Tag, an dem die Defensive Front-Seven in die Combine 2013 einsteigt. Es ist die Gruppe, die neben den Quarterbacks das meiste Boohay entflammt, und das liegt vornehmlich an dem einen Mann: Manti Te’o, Linebacker von Notre Dame und sorgender Lebensabschnittsgefährte. Te’o war schon seit Jahren so was wie der Ray Lewis des College Football gewesen (minus Mordanschuldigungen): Ein Captain, dessen Euphorie und Führungsqualitäten die Mitspieler hellauf in Begeisterung versetzen können. Diese Saison war Te’o Heisman-Trophy Kandidat. Zum einen, weil Notre Dame von knappem Sieg zu knappem Sieg eilte und ungeschlagen durch die Saison kam. Zum anderen wegen der persönlichen Note bei Te’o, dessen Oma und Freundin im September innerhalb von 24h (oder wahlweise auch innerhalb bis zu einer Woche) verstorben waren – sensationell für die Produktivität von Tränendrüsen.

Krux: Die Freundin war erfunden. Ich verweise diesbezüglich noch einmal auf den wirklich fantastischen Recherche-Artikel vom Klatschblog Deadspin: Manti Te’o’s Dead Girlfriend, The Most Heartbreaking And Inspirational Story Of The College Football Season, Is A Hoax. Die Umstände sind immer noch nicht ganz geklärt. Te’o gab mittlerweile zu Protokoll, anfangs wirklich der Geleimte gewesen zu sein, musste aber gestehen, nach dem Auffliegen die Story noch wochenlang mitgespielt zu haben, weil… weil… äh, ja, Publicity? Als „Hauptschuldigen“ hat man mittlerweile einen von Te’os Freunden aus der Schulzeit ausgemacht, der wohl etwas mehr als platonische Gefühle für Te’o fühlte und diese mit diesem Schwindel verarbeiten wollte. Auf alle Fälle dürften die Interviews, die Manti Te’o an diesem Wochenende mit den NFL-Abordnungen führen muss (oder darf?) mit das Spannendste an dieser Combine. Weil Te’o auch sportlich nicht über den allerletzten Zweifel erhaben ist und die Inside-Linebacker-Position nicht mehr die gefragteste der NFL ist, wird diese Combine für Te’os Kandidatur für einen Erstrundenpick ein ganz wichtiger Meilenstein.

In der Sideline führe ich heute nur eine Auswahl an Geladenen, weil es sonst den Rahmen sprengen würde. Neben Te’o sind die beiden aussichtsreichsten Middle Linebackers die beiden SEC-Kaliber Alec Ogletree (Georgia) und Kev Minter (LSU), beide Juniors. Am College war Ogletree, wenn er denn mal nicht gesperrt war, der deutlich auffälligere: Groß gewachsen, extrem explosiv, aber technisch noch ungeschliffen. Ogletree geht als gelernter Safety gerne mit der Schulter voraus zum Mann (hitten statt tackeln) und könnte deswegen tiefer fallen als gedacht. Einen Bärendienst erwies sich Ogletree just letzte Woche, als er besoffen am Steuer erwischt wurde. Minter galt in der LSU-Defense als Leader und für einen Linebacker extrem agil, gilt aber als etwas klein gewachsen.

Bei den in der Combine als Linebackers gelisteten Kandidaten für die Outside Linebackers gilt Georgias Jarvis Jones als unbestritten potenteste Waffe. Wer Jones auf der Höhe seiner Schaffenskraft sehen will, sollte die Bulldogs-Spiele gegen Florida und gegen Alabama (ja, das SEC-Finale) aus der abgelaufenen Saison anschauen. Der Knackpunkt bei Jones wird die Gesundheit sein: Ihm wurde vor Jahren eine leichte Wirbelsäulenverengung (für die Mediziner unter den Lesern: „Spinale Stenose“) diagnostiziert.

Defensive Line

Sideline

Defensive Tackle

Name                Rd
Star Lotulelei      1
Sh. Richardson      1
John Jenkins        1
John Hankins        1
Jesse Williams      1-2
Sylvester Williams  1-2
Shariff Floyd       1-2
Kawann Short        2
Bennie Logan        2-3
Akeem Spence        2-3
Everett Dawkins     3-4

Defensive Ends

Name                Rd
Björn Werner        1
Damontre Moore      1
Barkevious Mingo    1
Sam Montgomery      1
Ezekiel Ansah       1-2
Dion Jordan         1-2
Alex Okafor         1-2
Cornelius Carradine 2
Datone Jones        2
Margus Hunt         2-3
Malliciah Goodman   3
William Gholston    3-5
Brandon Jenkins     4-7

Allgemeiner Tenor: Die vielleicht am besten besetzte Position in dieser Draftklasse. Zwischen sieben und neun potenzielle 1st Rounder, und jede Menge Tiefe dahinter. Als „Star“ gilt Star Lotulelei (kein Scherz) von der University of Utah, ein Mann, über den ich im Sommer schrieb:

Der wahren Grund für das Stimmungshoch ist aber die Defense, die sensationell druckvoll in der Front-7 spielt und auf einen der ganz großen Stars des NFL-Drafts 2013 bauen kann: DT Starlite „Star“ Lotulelei, dem kein OffCoord weniger als zwei Guards aufhalst und der nur wegen zu schlechter Noten andernorts überhaupt bei Utah untergekommen ist.

Hinter dem runden Paket Lotulelei gibt es einen Mr. X: Eigentlich noch talentiert, kräftiger, monströser. Aber mehr mit der Freak-Aura, nur eine einzige wirklich gute Saison an der Uni gespielt zu haben. Die Rede ist von Mizzous Sheldon Richardson, der im Sommer Flacco-like („I’m elite!“) von sich reden machte, dann aber auf die Spötter – wie Flacco – mit ordentlichen Leistungen antwortete.

Bekannt ist mir auch der australische Nose Tackle Jesse Williams, ein Tier von Mann: Untersetzt gebaut, aber ein Kandidat für die 45 bench presses und für Seymours Nachfolge: Williams fungierte häufig als „Lead-Vorblocker“ im Laufspiel. Bisschen bedenklich dürfte sein, dass sogar die SEC-Marktschreier Lundqvist/Danielson bei CBS hin und wieder Williams’ mangelndes Feintuning beim Tackeln kritisierten.

Vielleicht noch mehr Hype kriegt NT John Jenkins von Georgia, der eh schon renommiert noch ein fantastisches Bewerbungsschreiben im SEC-Finale gegen Georgia ablieferte: Fettsack mit 350 Pfund und zumindest körperlich das, was Coaches für die 3-4 Defense suchen.

Sharrif Floyd von der University of Florida war mir ehrlich kein geläufiger Name, aber Mayock sieht in Floyd aktuell den #1-DT. Floyd scheint exzellente Berater zu haben, gilt als aufsteigender Stern allerorts, ohne dass wirklich jemand Substanzielles zu diesem Prospect beitragen könnte… fast. Roman John von Der andere Footballblog hat sich Floyd angeschaut:

Zu Beginn gab es einige Plays, in denen er gute Penetration zeigte. Ich dachte schon, dass ich jetzt sehen würde, warum er so hoch gehandelt wird. Und dann wird er bei einem Rollout von Manziel von einem Tight End (!) komplett aus dem Spiel geblockt! Er wird von einem Tight End überpowert! Als Defensive Tackle! Kann nicht, sollte nicht, darf nicht passieren.

Viel „Star-Power“ auch bei den Defensive Ends. Der Mann mit den besten Kritiken ist bisher tatsächlich der deutsche Defensive End von Florida State, Björn Werner, dem man zutraut, spätestens an der fünften Stelle schon vom Tablett zu sein. Zu Werner haben wir dank Flo Zielbauer schon unseren eigenen Scouting-Report:

Manche sehen in Damontre Moore von den Texas A&M Aggies eine „Gefahr“ für Werners Status als Erstgedrafteten auf seiner Position, aber die Meinungen bisher gehen bei Moore deutlich weiter auseinander als bei Werner. Matt Waldman hat beide (auch anhand von vielen verlinkten Tapes) miteinander verglichen und kommt zum Schluss: Werner ist 1st rounder, Moore eher 2nd/3rd Rounder.

Eine völlige Unbekannte ist Ezekiel Ansah von der Brigham Young University. Über Ansah schrieb ich in der BYU-Saisonvorschau im August:

Man hofft, dass das durch einen völlig überraschenden Neuzugang geändert werden kann: Der Ghanaer Ziggy Ansah kann noch nichtmal gscheid Englisch sprechen, wechselte im April aber von der Tartanbahn hinüber auf das Footballfeld und spielte ohne bis dahin jemals Football-Erfahrung gesammelt zu haben gleich mal alles in Grund und Boden – keep an eye on. Pass-Rush ist, damit wir uns richtig verstehen, lebenswichtig für die Cougars, da ohne im Defensive Backfield das blanke Chaos ausbricht.

Ansah deutete wohl hinreichend Potenzial an, dass die Vergleiche mit Pierre-Paul von den Giants nur so aus dem Boden sprießen. Pierre-Paul war auch als solches one trick pony vom College gekommen und war innerhalb von zwei Jahren der wichtigste Passrusher eines Superbowl-Champs. So unsauber wie Ansah spielt, wundern mich die Vergleiche. Immerhin: Alles andere als rekordnahe Combine-Werte bei Ansah wären eine Überraschung.

Passrush im Doppelpack bieten die LSU Tigers in Sam Montgomery und Barkevious „Keke“ Mingo auf. Zwei Teamkollegen Björn Werners von der FSU sind auch im Mix: Cornellius Carradine und Brandon Jenkins, wobei letzterer bis zu seiner schweren Verletzung als noch größeres Talent als Werner gegolten hatte.

Werner ist übrigens nicht der einzige europäische Defensive End: Margus Hunt von Southern Methodist gilt als Kraftpaket mit Chancen auf die 2te oder 3te Runde. Ich habe Hunt in der Hawaii Bowl gesehen, und es war ein gigantisches Statement: Der Mann spielte „seinen“ Offensive Tackle in Grund und Boden und ist Hauptgrund für das kolossales Upset dort gewesen; dieser Tackle war allerdings auch ein unerfahrener Freshman. Potenzial scheint bei Hunt trotzdem zuhauf da zu sein.

Allein: Mayock hält die Defensive Ends für durch die Bank überschätzt und präferiert die Defensive Tackles, die wirklich großartig besetzt seien.

Die Quarterbacks vor der NFL-Combine 2013

Heute steigen die Quarterbacks (und RBs, WRs) in die Combine ein (Workouts sind dann am Sonntag, 24.2.). Vorausgeschickt sei der Verweis auf die meiner Meinung nach beste Scouting-Seite, was sämtliche Offensiv-Skillpositionen (QB, RB, WR, TE) angeht: Rookie Scouting Portfolio von Matt Waldman. Waldman schreibt nebenher für das Fifth Down Blog der New York Times und die Football Outsiders. Wer sich wirklich en detail über die einzelnen Jungs im Draft informieren will, sollte diesen Link besuchen: The Rookie Scouting Portfolio – 2013 Draft Analysis.


Die Experten sind sich einig, dass die QB-Klasse von 2013 sehr blass gegen jene aus dem letzten Jahr aussieht. Als größtes Talent gilt West Virginias Geno Smith, bei dem ich meine Bedenken ja schon in der Preview für die Pinstripe Bowl kund tat:

Dieser Quarterback ist im WVU-Falle Geno Smith, ein großgewachsener und beweglicher schwarzer Schlaks, der rein zufällig auch als Top-Draftpick 2013 gehandelt wird. Dabei besteht die WVU-Offense im Kern aus extrem quicken Kurzpässen […] Geno Smith, bei dem ich noch einmal die tiefen Bälle sehen möchte, bevor ich mich überzeugen lasse, dass ich den Mann in der ersten Runde vom Tablett gehen lasse.

In jener Pinstripe Bowl unterbot Smith im Schneegestöber der Bronx meine eh schon niedrigen Erwartungen allerdings noch. Smith ist beweglich, aber kein Scrambler. Als Werfer okay, aber nicht superb. Die Mountaineers-Offense der letzten zwei Jahre war eigentlich hauptsächlich viele 2yds-Dumpoffs und die Runningbacks und Slot-Receiver arbeiten lassen. Meine Skepsis Smith gegenüber kann man getrost mit „immens“ beschreiben.

Sideline

Name              Rd 
Geno Smith        1
Matt Barkley      1
Ryan Nassib       1-2
Tyler Wilson      2
Tyler Bray        2
Mike Glennon      2-3
E.J. Manuel       3-4
Landry Jones      3-4
Zac Dysert        4
Sean Renfree      5-6
Matt Scott        5-7
Brad Soerensen    6-7
Collin Klein      7-UFA
Colby Cameron     UFA
MarQueis Gray     UFA
James Vandenberg  UFA

Nebenan in der Sideline habe ich die Combine-QBs gelistet mit einer generellen Einschätzung, wo „man“ (also ein undefinierter Common-Sense) +/- Stand heute die QBs verortet.

Syracuses Ryan Nassib mausert sich zu einem dark horse. Nicht bloß, dass Nassibs College-Coach mittlerweile bei den Buffalo Bills angeheuert hat und die Bills an der achten Position einberufen. Es gerüchtelt, dass Teams wie Kansas City oder Philadelphia gerne Nassib haben möchten, aber ihre hohen Picks nicht opfern wollen und stattdessen hoffen, Nassib per Trade gegen Ende der ersten Runde zu bekommen. Fazit: Nassib kann seine Aktien mit einer guten Combine deutlich verbessern.

Überhaupt ist das Feld bei den Quarterbacks eine ziemliche Suppe. Der Strahlemann Matt Barkley von USC wäre vor einem Jahr ganz hoch gedraftet worden, entschied sich dann aber fürs College und spielte einen schwachen Herbst. Rein optisch wirkte Barkley auf mich nie wie ein prototypischer NFL-Werfer. Vom Gegenteil werden wir unns dieser Tage nicht überzeugen können, denn Barkley wird nach noch nicht ausgeheilter Schulterverletzung kaum die Wurf-Drills mitmachen. Nicht werfen wird auch Zac Dysert (Miami/OH) wegen einer wieder aufgebrochenen Leistenverletzung.

Viel Gutes hört man über den ehemaligen Arkansas-QB Tyler Wilson, der allerdings im Jahr eins nach Arschloch Petrino keinen guten Herbst absolvierte. Petrinos College-Quarterbacks haben zudem keinen guten Ruf als NFL-Spielmacher, aber als Gesamtpaket – Werfer, Standing, Auftreten – ist Wilson für mich die sicherste Tüte in diesem Draft. Der Knackpunkt sollen die viel zu kleinen Hände sein, weswegen bei Wilson der Ball etwas merkwürdig aus der Hand flutscht. Am College soll das schöne Wetter in Arkansas diese Probleme kaschiert haben, ergo dürfen wir uns auf stundenlanges Faseln über drei Millimeter Fingernagellänge einstellen.

Der einzige Junior-QB in der Combine ist Tyler Bray von den Tennessee Vols, der keine Lust hatte, sein Senior-Jahr unter neuem Coaching-Staff zu bestreiten und daher schon heuer Profi wird. Bray wird nachgesagt, über ein Ego zu verfügen, das in keinen 50-Zoller reinpasst und ein ist als Spieler für mich Typ Gabbert: Waffenscheinpflichtiger Arm, aber pro Spiel mit drei hirntoten Pässen die guten Eindrücke kaputt machend. Wir wissen, wie das mit Gabbert gelaufen ist.

Landry Jones aus Oklahoma hat die Zahlen auf seiner Seite, prägte sich aber als extrem blasser Quarterback ein und dürfte IMHO keine Chance haben, vor der zweiten Runde vom Tablett zu gehen. Jones arbeitet allerdings mit einem Trainerguru zusammen, der die letzten beiden Jahre Cam Newton und Luck fit für den Draft machte.

Und als hätten wir nicht schon ausreichend unsichere Situationen, kommt mit Florida States E.J. Manuel der größte X-Faktor noch dazu. Manuel war für mich über Jahre stets mehr Lärm ums Potenzial als erbrachte Leistung, aber selbst als Skeptiker ist es nicht zu übersehen, dass Manuels Beweglichkeit und Körperbau für ein risikofreudiges Front-Office eine ernsthafte Alternative sein wird. Und die gute Performance in der Senior Bowl dürfte Manuel nur entgegen gekommen sein.

Drei weitere Leute mit etwas Thrill: Mike Glennon von NC State ist der Mann, für den sein Trainerstab einst Russell Wilson vom Campus verjagt hat (und in Mayocks top-5 aktuell die #3 unter den QBs). Und Matt Scott soll der Mann sein, an dem sich die Jacksonville Jaguars bzw. deren QB-Coach Scelfo einen Narren gefressen haben. Scott kommt von der University of Arizona und soll eine sensationelle Entwicklung dieses Jahr genommen haben, obwohl er zwischendurch mit klaren Gehirnerschütterungssymptomen (Stichwort: Kotzen im Huddle) spielen musste. Dukes Sean Renfree wird großes Entwicklungspotenzial nachgesagt.

Mit dabei sind auch K-States Collin Klein und Minnesotas MarQueis Gray, beides unkonventionelle Werfer. Klein war ein fantastischer College-QB, aber man sagt ihm bestenfalls das Schicksal eines Kellen Moore nach: Ewiger Backup. Oder Umschulung auf was anderes, z.B. H-Back. Gray ist Joe Webb 2.0.

Nicht in der Combine dabei, aber ein Name zum Vormerken für die nächsten Monate: Ryan Griffin von der kleinen Tulane University, dem Matt Waldman einen durchaus lesenswerten Artikel hinsichtlich „losing/winning-QB“ gewidmet hat:

Tulane’s Ryan Griffin is the example of a talented quarterback lacking the surrounding talent to elevate his draft status. Unlike Jay Cutler, Griffin lacks the mobility to make big plays with his legs or the extraordinary arm talent to make pinpoint throws from corners that defenses paint him into. Griffin is a classic pocket passer.

Some say that the pocket passer is dying in the NFL. I think that’s a melodramatic statement. A truer reality is that the NFL is becoming more open minded to schemes that allow mobile quarterbacks to continue using their skills within a complementary offensive  framework. Pocket passing isn’t dying as much as its monopoly is breaking up.

Griffin may never get the opportunity as a late-round pick to thrive like the marquee names of his 2013 draft class, but I think Griffin – even with his flaws – has shown enough that if he were at USC, Maryland, or Arkansas, “earning a draft pick” wouldn’t be a part of the conversation this late in the process. What Griffin’s game displays that’s as good or better than the likes of Barkley or Glennon is his in-game acumen, pocket presence, maneuverability, and accuracy down field.

Michigans Denard Robinson ist in der Combine mit dabei, allerdings nicht als Quarterback eingeladen, sondern als Wide Receiver.

Vor der NFL-Combine 2013: Die W-Fragen

Talking Points

  • Combine allgemein.
  • Wonderlic Test.
  • Combine-Streams.
  • Combine-Teilnehmer.
  • Combine am ersten Tag.
  • Beste Draft-Seiten.

Die NFL ist wieder im Hochbetrieb: Von heute, 20.2. bis Dienstag, 26.2. ist wie alle Jahre NFL-Combine in Indianapolis. Die NFL-Combine ist, kurz gesagt, ein Sichtungs-Trainingslager für eingeladene Anwärter im NFL-Draft 2013. Es ist eine Veranstaltung, die extrem von Stereotypen lebt. Mike Tanier von Sports on Earth hat dazu eine höchst lesenswerte Einstimmung geschrieben:

Es ist nicht alles in den Senkel zu stellen. Der Vorteil der Combine ist, dass die Talente mehr oder weniger unter gleichen Voraussetzungen in verschiedenen Trainingseinheiten vor Scouts ihre Stärken demonstrieren können, dass sie sich mit NFL-Coaches treffen können und medizinisch durchgecheckt werden können.

Etwas detaillierter habe ich das Prozedere letztes Jahr und die verschiedenen Einheiten vor zwei Jahren erklärt. Bei NFL.com erklärt der Draftguru Mike Mayock die verschiedenen athletischen Tests und ihre Bedeutung für den Scouting-Prozess anschaulich: Combine Workouts.

Athletisch könnte ich höchstens noch auf der Skipiste mithalten, aber weil die meisten Footballer Flachlandtiroler sind und Indianapolis an Hügeln nicht viel hergibt, kann ich mich erneut nur in Sachen Wonderlic-Test (Ankreuztest für die Prospects) messen. Mit Schrecken las ich gestern, dass die NFL diesen Test mittelfristig ersetzen möchte und deswegen dieses Jahr einen eigenen Bogen auf die Spieler loslässt – aber nur parallel. Das heißt, es gibt auch diesmal wieder Wonderlic. Der Selbstversuch wie jedes Jahr – diesmal sogar wieder mit adäquatem Ergebnis:

Wonderlic-Test: Der Selbstversuch. Klick mich.

Wonderlic-Test: Der Selbstversuch. Klick mich.

Ob ich mich auch gut als neuer Starting-QB der Jets machen würde? Tipp an alle: Man sollte sich vor Beginn des Tests über Verhältnis Fuß/Yard informieren…

Wo und wie kann ich die Combine schauen?

Der Schedule der Combine 2013 ist auf der offiziellen Seite gelistet. Er ist wieder grob für die verschiedenen Gruppen (Quarterbacks, Running Backs, usw.) wie folgt eingeteilt:

  • Tag 1: Anreise, Vorbereitung zum Medizincheck, Kennenlernen
  • Tag 2: Abnahme der Körpermaße, Medizincheck, Medien-Session, Wonderlic-Test, Vorstellungsgespräche
  • Tag 3: Treffen mit der NFLPA, Wonderlic, Vorstellungsgespräche
  • Tag 4: Workouts, Abreise

Es beginnen heute die Special Teamer, Tight Ends und Offensive Line mit ihrem „Tag 1“. Ab morgen sind dann die Offensiv-Skillplayer dran (QB, RB, WR). Ab Freitag die Defensive-Front Seven. Ab Samstag dann die Defensive Backs. Ab Samstag geht es dann mit den TE, Special Teams und Offense Line mit den Drills los. In den vergangenen Jahren war es beim NFL-Network Usus, die Combine gratis live zu streamen, auch für uns Europäer: NFL Network – Combine live.

Für Besitzer des Gamepasses dürfte es 24/7 Coverage im Livestream des NFL-Networks geben, mit sehr viel Mike Mayock.

Wer ist da überhaupt dabei?

333 Athleten, die offiziell von der NFL dazu eingeladen wurden. Die Liste der Geladenen dieses Jahr kann man hier einsehen: Combine Participants. Wie im letzten Jahr spricht man auch diesmal ein bisschen Deutsch, denn mit dem uns schon bekannten Defensive End Björn Werner ist einer der Superstars dieses Drafts ein Junge aus Berlin. Werner wird am Freitag anreisen und seine Workouts am Montag absolvieren.

Normalerweise lädt die Combine die aussichtsreichsten und besten Athleten zur Combine ein. In diesem Jahr allerdings gibt es einen prominenten Abwesenden auf der Liste: Der Mann, den viele zum Top-Draftpick hochjazzen – Florida States Cornerback Leon Sandcastle:

Los geht es heute mit den Offensive Linern und den Tight Ends; diese werden ihre Workouts dann am Samstag absolvieren. Bei den Offense Tackles ist mit Luke Joeckel von Texas A&M auch schon der erste mögliche Konkurrent für Sandcastle auf dem Weg nach Kansas City (hält den #1-Pick) dabei. Joeckel gilt als „sicherer Pick“, aber viele schauen gern dran vorbei, dass Joeckels Quarterback Manziel hieß und beim ersten Anflug von Druck sofort losscrambelte und die Offense Line damit besser aussehen ließ als sie womöglich war.

Drei weitere Spieler kriegen einigermaßen guten Buzz: OG Chase Warmack von Alabama, den manche als dominantesten Spieler im kompletten Draft sehen, OT Eric Fisher von der kleinen Central Michigan University, der einst kaum Stipendien angeboten bekam und nun ein möglicher Top-10 Pick ist, und TE Gavin Escobar von San Diego State. Escobar, von den meisten als drittbester Tight End der 2013er-Klasse gesehen, gilt als unsauberer Blocker, aber seine Fanqualitäten sollen die Erwartungen übersteigen.

Zuckerle: Die besten Draft-Seiten

Die Draftmaterie ist faszinierend und übt auf mich seit vielen Jahren einen ganz besonderen Reiz aus. Das Internet ist voll von Scouting-Seiten, aber ich würde schätzen, dass 90% des Stuffs zum Draft im Netz aggregiert und abgeschrieben von den Big Cows im Draftnik-Lager ist. Ich habe fünf Favoriten, die mich fast vollständig abdecken:

  1. Mike Mayock [Videos][Artikel]. Halbgott.
  2. Matt Waldman Rookie Scouting Portfolio. Hat nur Skillplayers, aber die Analysen sind richtig stark.
  3. Videoarchiv von Draft Breakdown. Ich kenne deren Analysen nicht, aber die Zusammenstellung der vielen hundert Scouting-Videos ist beachtlich und sehr nützlich, um sich selbst ein paar Eindrücke von einzelnen Prospects zu verschaffen.
  4. Draft Insider von Tony Pauline. Pauline ist exzellent verlinkt in der Szene und hat viele News zu verschiedenen Anwärtern.
  5. Google Docs – ein mir unbekannter Freak hat dort eine riesige Tabelle zu allen wichtigen Zahlen rund um die Draftees gebastelt, und in der Kopfzeile gibt es unter News & Notes noch Links bis zum Abwinken (wie gesagt, man muss bei den meisten entweder vorsichtig sein, oder sie haben eh nur von Mayock und Co. abgeschrieben). Das Geilste ist aber das Textfeld unter der Tabelle, wo zu über 800 Draftees Informationen (allerdings sind die Scouting-Reports teilweise von zweifelhafter Qualität) stehen, die über tausend Word-Seiten füllen. Vui Spaß.

Letztes Jahr stieg Greg Cosell von NFL Films mit sagenhaft guten Scouting-Reports in den Himmel der Draft-Freaks auf, aber Cosell (auch bei ESPN) produziert seit einem dreiviertel Jahr nur noch diverse Podcasts und schrieb schon lange nix mehr – leider. Wenn Cosell wieder schreibt, bitte sofort melden.

Das Scouting Department der National Football Post hat mittlerweile mit dem ehemaligen NFL-Scout Russ Lande einen neuen Leiter, nachdem der starke Wes Bunting abgewandert ist. Lande fällt bisher durch extrem unkonventionelle Rankings auf und auch die Ausführlichkeit der Scouting-Reports ließ dort leider nach. Bei Lande muss man noch abwarten, ob er ein „Anti“ ist oder die Rankings bloß noch nicht aktualisiert sind. Die ewigen Jungs von Ourlads haben auch meist ganz gute Scouting-Reports; da sind ehemalige Scouts am Werk, zu deren Einschätzung man Vertrauen haben kann, dass da wenig Aggregiertes dabei ist. Ourlads ist schon seit den Achtzigern im Business, und ein klein bissl sieht man das an deren Aufmachung.

Schließlich noch ein deutsches Blog: Roman John von Der andere Footballblog übt sich ebenso im Scouten und leistet seit Wochen bewundernswerte Arbeit mit mehreren Absätzen zu allen Top-Prospects auf allen (?) Positionen. Roman John ist als realmaschemist unterwegs, und war auch auf Sideline Reporter bereits als Gastautor aktiv.

Gabbert ist der beste QB des Drafts 2013

Eine der Studien, die ich für diese Offseason geplant hatte, ist in diesen Minuten obsolet geworden, denn jemand Besseres hat bereits darüber geschrieben: Rookie-Quarterbacks und die Frage nach dem Alter. Alex Smith ist jünger als Brandon Weeden. Gabbert ist jünger als Tyler Wilson Mike Tanier von Sports on Earth veröffentlichte dazu einen lesenswerten lesepflichtigen Artikel: Coming of Age. Blaine Gabbert ist der beste Rookie-Quarterback der NFL-Klasse von 2013.

St Louis Rams in der Sezierstunde

Stat Line 2012

Record         7-8-1  --
Enge Spiele    4-3  
Pythagorean    6.6   (22)
Power Ranking   .522 (14)
Pass-Offense   6.0   (20)
Pass-Defense   6.0   (10)
Turnover        -1

Management

Salary Cap.
Free Agents.

Angesichts der Kaderqualität der St Louis Rams entlockt mir die 7-8-1 Bilanz, die Franchise im ersten Jahr unter Head Coach Jeff Fisher einfahren konnte, nichts anderes als einen gaaaaaaaanz hohen Pfeifton. Gegen einen bärenstarken Schedule (#2 in meinem Modell) und mit nur einer einzigen Niederlage in einer überraschend starken Division glänzt dieses 7-8-1 nach Jahren des Siechtums im Gegensatz zu jener windigen 7-9 Saison vor zwei Jahren richtig hell.

Der Aufschwung der Rams passt zum insgesamt nach oben zeigenden Pfeil der gesamten Franchise. Owner Stan Kroenke drückte mit der London-Geschichte der Stadt St Louis seinen Willen auf und scheint im Kampf um bessere Stadionkonditionen mittlerweile am längeren Hebel zu sein. Und die Fans quittierten das zeitgleiche gute Spiel der Rams mit besser gefüllten Rängen. Es scheint Leben in eine jahrelang emotional am Boden liegende Mannschaft zu kommen.

Trotzdem bleiben Fragezeichen.

Keines ist dabei größer als jenes in der Offensive Line, wo zwar viele hohe Draftpicks investiert wurden, der Return on Investment aber enttäuschend mau blieb. Der hoch gedraftete LT Saffold soll wenigstens gute Ansätze gezeigt haben, aber abseits davon sagt man den Rams Handlungsbedarf allernorts nach. RT Richardson würde man lieber heute als morgen in die Wüste schicken, und C Scott Wells könnte aufgrund anhaltender Knieprobleme zum Rücktritt gezwungen sein.

Hinter dieser Offensive Line – und mit dem Schreckgespenst des OffCoord Brian Schottenheimer im Hinterkopf – entwickelte sich der junge QB Sam Bradford zuletzt besser als es die ersten beiden Jahre Bradfords in der NFL hatten befürchten lassen. Weit mehr als das Prädikat „blass“ wird man Bradford wohl so schnell nicht nachsagen können, aber immerhin schaute die Offense dieses Jahr zumindest streckenweise gefährlich aus.

Bradford wird aber – ebenso ein seit Jahren rekurrierendes Thema in St Louis – weitere Waffen brauchen. WR Amendola ist Free Agent und nicht mehr der jüngste, und man soll in den Vertragsverhandlungen weit auseinander liegen. Hinter Amendola wird es im Kader sehr schnell sehr jung. WR Chris „big play“ Givens geht ebenso wie der stagnierende WR Brian Quick in sein erst zweites Jahr, der notorische Troublemaker Titus Young wurde aus Detroit geholt und schon eine Woche später wieder geschasst, der junge WR Pettis soll zum Tight End umgeschult werden… von bekannten ehemaligen Rams wie Bruce oder Holt sind wir Lichtjahre entfernt.

Bleiben die Running Backs. RB Steven Jackson ist ein Krieger, dem man nichts sehnlicher wünschen würde als endlich eine Winning-Season (also über .500), aber das Fenster für den bald 30jährigen Jackson schließt sich schön langsam und Jackson ist mit seinen 7 Mio. Cap-Space nicht billig. RB Isaiah Peed zeigte gemessen an seiner Zeit am College erstaunlich wenig Gefühl für die gelegentlichen Lücken, die sich sogar in einer Line wie jener der Rams aufmachen können. Nicht ausgeschlossen, dass Handlungsbedarf besteht.

Die Defense

Die Abwehr war das Prunkstück der Rams, und sie lebt von einer geschwindigen D-Line, die selbst nach der Suspendierung des DefCoords Gregg Williams („Bountygate“) massiv aufgeigte und der mit Abstand beste Mannschaftsteil war. Es ist eine Line, die um disziplinierte Defensive Ends wie den extrem teuren Chris Long und Robert Quinn und einen superathletischen DT Michael Brockers gebaut ist, alles noch junge, ehemalige hohe Draftpicks. Das einzige Fragezeichen ist, ob und zu welchen Konditionen man den auslaufenden Vertrag des role players Willie Hayes, einer von Fishers Lieblingsspielern, verlängern sollte.

Der zweite Mannschaftsteil, der als „gesattelt“ gilt, ist Cornerback, wo man sich mit Cortland Finnegan und Janoris Jenkins zwei charakterliche Problemfälle angelacht hatte, die aber beide sportlich gut einschlugen.

Alles weitere gilt als verbesserungswürdig. Safety liegt nach den zu erwartenden Abgängen von Craig Dahl und Oldie Quintin Mikell (wg. teurem Vertrag) blank, und die Linebackers bieten wenig mehr als die Spielintelligenz des jungen James Laurinaitis. Wenn du nochmal so in eine Saison gehst, garantiere ich dir, dass du im Slot und von Tight Ends böse verbrannt werden wirst. Weil die Salary Cap nicht gut aussieht, dürfte man es via Draft probieren.

Ausblick

Gibt trotz der guten abgelaufenen Saison viel zu tun in St Louis, denn der Kader hat noch brutal viele Schwachstellen. Was aber helfen sollte: Dank des RG3-Trades aus dem letzten Frühjahr werden die Rams dieses und nächstes Jahr jeweils zwei Erstrundendraftpicks zum Operieren haben. Das ist nicht zu unterschätzen, auch wenn der von den Redskins entsendete Pick diesmal „nur“ die #21 ist. Denn so viele Picks verschaffen nicht nur die Möglichkeit, den einen oder anderen Bust zu verkraften, sondern auch viel Schaffensraum auf dem Transfermarkt.

Zündstoff liegt bei dem Rams vor allem in der Philosophie der sportlichen Leitung, bei der Evaluierung von Spielern auf deren charakterliche Flauseln zu pfeifen. Den Bengals flog diese Herangehensweise vor wenigen Jahren um die Ohren und das kurze Intermezzo des Titus Young lässt auch für St Louis wenig Gutes befürchten.

Die Unbekannte: Marcus Lattimore, Running Back

Eine kleine Storyline des NFL-Drafts 2013 wird die Runde sein, in der der Running Back der South Carolina Gamecocks Marcus Lattimore gedraftet werden wird. Lattimore ist der bei weitem größte Name in der heurigen Klasse der Ballträger, gilt nach seiner katatrophalen Verletzung von Ende Oktober aber maximal als Dritt- oder Viertrundenpick (Mayock sah in ihm zuletzt eine 3rd Rounder).

Lattimore bei bester Gesundheit: Megastar. Genialster Running Back neben Adrian Peterson, Jamaal Charles und vielleicht noch Lamichael James, den ich in meinem Leben bisher live gesehen habe. Kräftig, physisch, schleift jeden Tackler drei Yards mit sich, fällt immer nach vorn. Führungsspieler der feinsten Sorte sein.

Leider ist Lattimore nach zuletzt zwei Kreuzbandrissen en suite nicht „bei bester Gesundheit“. Lattimore war bereits zu Beginn der abgelaufenen Saison im College Football nur mehr ein Schatten der Sensation der Jahre 2010 und 2011. Dann kam der 27. Oktober. Beim Gedanken an die Szenen nach seiner letzten schweren Verletzung muss ich immer noch schlucken:

Viel, viel, viel bitterer war die erneute Verletzung von RB Marcus Lattimore. Ich poste aus Pietätsgründen kein Video, aber bei Lattimore dürfte den Eindrücken nach nicht bloß ein Kreuzband gerissen sein. Da ging gestern ein potenzieller Top-Draftpick den Bach runter, entsprechend emotional war Lattimores Familie, waren Lattimores Teamkollegen, und entsprechend könnte die Diskussion, dass für Running Backs das College nur drei verlorene Jahre und zusätzliches Verletzungsrisiko bedeuten, wieder an Drive gewinnen.

Der Moment, als Lattimore unter einem Handtuch vergraben aus dem Stadion gefahren wurde, hatte aber etwas Ergreifendes. Das komplette Gamecock-Team plus drei Viertel vom Gegner verabschiedeten Lattimore persönlich, ein Stadion mit Standing Ovations und Einblender von einem weinenden Lattimore-Clan: Eine solche Wertschätzung und Mutzusprechung sieht man lange nicht alle Tage.

Es war nicht bloß ein Kreuzband gerissen, sondern gleich deren drei. Es werden Analogien zu McGahee anno 2003 hergestellt werden: McGahee konnte sich unter Aufsicht von NFL-Ärzten gut erholen, aber alle seine Versprechen nie gänzlich einlösen.

Lattimores Aktien sollen aber nicht aussichtslos stehen: Dr. James Andrews – der „RG3-Andrews“ – kündigte angesichts des ausgezeichnet verlaufenden Heilungsprozesses an, Lattimore werde „die Welt schocken“:

After his devastating dislocated knee and torn knee ligaments in October, Lattimore, considered a certain first-rounder before the injury, is still in recovery mode. His surgeon, James Andrews, told Lattimore recently that he’s going to shock the world. „I hear he’s working out great,“ said Mayock. Lattimore believes he’ll be healthy enough to start the 2013 NFL season. Is he’s a fourth-round minefield pick? Or might some team desperate for a back go for him a round earlier — or even late in the second round?

In der am Mittwoch beginnenden NFL-Combine 2013 wird Lattimore nur als Interviewpartner für die Teams auftreten.

Google Street View zeigt das Lucas Oil Stadium von innen

Google versucht nun schon seit fast anderthalb Jahren, sein Street View um Innenansichten von Gebäuden zu erweitern. In der letzten Woche ist mit der Heimstätte der Indianapolis Colts, dem Lucas Oil Stadium, das erste NFL-Stadion integriert worden. Es ist in Maps/Street View nun möglich, einen virtuellen Rundgang zu machen. Das Ergebnis kann hier betrachtet werden.

Im Detail gibt es die einzelnen Trakte des Stadions auf der offiziellen Street View-Homepage zu sehen. Es sind nicht nur die öffentlichen Bereiche wie die Eingangshalle oder die Gänge und Sitzreihen gecovert, sondern man kann auch die VIP-Lounge und andere Suiten und die Spielerkabinen anschauen, und auch durch den Tunnel zum Spielfeld hinlaufen.

Das Lucas Oil Stadium ist mit seinem verschiebbaren Dach und seinen Glasfassaden eines der modernsten Sportarenen in den USA. Es wurde 2008 eröffnet und steht entgegen dem Trend der letzten Jahrzehnte nicht in den Suburbs, sondern Downtown Indianapolis, um die doch recht langweilige Stadt zu verschönern und zu beleben. Von außen sieht es in seinem Retro-Style so aus:

LucasOil Indianapolis Colts Stadium

Indy mag Retro-Look – ©Wikipedia

Und innen wissen wir nun auch.