Superbowl XLVII im Liveblog: San Francisco 49ers – Baltimore Ravens

[05h18] Ich bin fast 24h auf den Beinen, aber kaum Anzeichen von Müdigkeit. Insofern wage ich mich an eine kurze Analyse des Spiels, dieses geschichtsträchtigen Spiels. Superbowl 47 wird aus mehreren Gründen in die Annalen eingehen. Die Brudergeschichte. Ray Lewis. Der Stromausfall. Das Comeback. Der umstrittene Call zum Ende.

Es war in allererster Linie ein starkes Footballspiel. Man konnte diese Superbowl trotz zeitweiliger 22pts-Differenz nie abschreiben. Nicht, wenn die wichtigen Effizienz-Stats wie NY/A im Passspiel so ausgeglichen sind. Weshalb führten die Ravens so klar? Es fiel ihnen eine Interception in den Schoß, ein Fumble in den Schoß, und sie hatten einen rekordverdächtig langen Kickoff-Returntouchdown. Schon liegt du so deutlich vorn.

Nach dem bizarren Stromausfall schwang das Pendel im Stadion um – wir spürten es bis in die Stube. Er brachte mehr ins Spiel als eine kleine Nuancierung in die Partie. Aber es wäre auch nicht so, dass San Francisco den Sarg aus eigener Kraft nicht mehr aufgebracht hätte. Denn sie waren gut. Kaepernick war gut. Nicht so elektrisierend wie in den letzten Wochen, aber es reichte, um die Büchse noch einmal aufzumachen.

Momente wie der Rice-Fumble sind jenseits von gut und böse. Sie verändern komplette Spiele, obwohl niemand so richtig was dafür kann. Er hätte um ein Haar die Superbowl 47 entschieden. San Francisco brachte die Drives plötzlich zu Ende. WR Crabtree kam plötzlich ins Spiel und bot neben TE Davis eine zweite veritable Anspielstation.

Dann killte eine simple Out-Route zu Anquan Boldin die emotionale Welle. Dieser eine Spielzug beruhigte die Gemüter. Es blieb bis zum Ende ein hautenges Spiel. Am Ende brachten die 49ers aus 5yds in drei Versuchen den Ball nicht in die EndZone. Im vierten Versuch schlitterte man haarscharf am Holding. Ein eher richtiger Call der Refs, auch wenn Jim Zeter und Mordio schrie. So knapp war’s. Am Ende setzte John Harbaugh mit der Belichick-Gedächtnisentscheidung („Safety“) den das Sahnehäubchen drauf – eine richtig durchdachte Coaching-Entscheidung zum Superbowlsieg.

Woran es für den Favoriten San Francisco letztendlich scheiterte? Schwierig. Die 49ers mit einer unterirdischen Verwertungsrate bei dritten Downs (2 von 9). Mit einem Turnover mehr. Zweimal nur ein Field Goal in der RedZone. Kassierten einen Special-Teams-TD. Nach Yards pro Spielzug gewann man deutlich (7.8 vs 5.2 bei den Ravens). Sie spielten gut genug, um zu gewinnen. Sie spielten gut genug, um einen Favoritenstatus zu rechtfertigen. Sie scheiterten an Winzigkeiten.

Ich bleibe nicht ungern dabei: Boldin oder Jacoby Jones wären noch verdientere MVPs als Flacco gewesen. Flacco ist eine leicht simplifizierte Wahl. Aber keine unverdiente.

Die Medien werden versuchen, das Spiel zum besten Superbowl ever hochzujazzen. Ich sollte mich weiterhin nicht in diese Wertung einmischen, aber: Es gehört in die Diskussion. Eng. Comeback. Intensität. Rangeleien. Schlägereien. Knisternde Atmosphäre. Im Stadion und auf dem Spielfeld.

So muss Sport sein. Lebenswichtig.

[05h10] Übrigens höchste Positionierung ever für Sideline Reporter in den WordPress Blogs-des-Tages:

Die #2.

Die #2.

[05h04] Eher kalte Reaktion von John Harbaugh auf Nachfrage zum Handshake mit Brüderchen Jim.

[05h01] Flacco scheint ein netter Zeitgenosse zu sein, verzichtet auf clownige MVP-Ansprachen. Sogar Ray Lewis mit einer weniger schmalzigen Ansage als befürchtet. Und im Hintergrund fightet die Seven Nations Army.

[04h54] Kurzer TV-Review: Ich habe ESPNA und den CBS-Feed fast komplett ignoriert. SAT.1 mit einer für mich rundum gelungenen Performance, erklärten viel, weit weg von Anfängerkommentierung; sophisticated war’s nicht, aber das erwartet auch keiner. Die Italiener mit sehr viel Detailanalysen, wie gewohnt eine superbe Vorstellung.

[04h47] QB Joe Flacco (22/33 für 287yds, 3 TD, null Turnovers) ist MVP. Kann man machen.

Ich hätte noch zwei andere Kandidaten zu bieten gehabt:

  • Jacoby Jones. Ja, nur zwei richtige Plays. Aber einer ein der lange TD. Der andere grub das Grab des Gegners mit Beginn dritter Halbzeit.
  • Anquan Boldin. Fantastische Catches von Boldin in richtigen „Clutch“-Situationen.

Ed Reeds Interception negierte sich mit dem großen 49ers-Comeback. Terrell Suggs war auch nur in Halbzeit eins richtig dominant. RB Rice hatte diesen bösen Fumble. Insofern: Flacco geht in Ordnung. Flacco wird den MVP in wenigen Wochen mit ein paar Extramillionen versüßen.

Viertes Viertel

[04h45] Endstand San Francisco 31, Baltimore 34. Teddy Ginn legt noch einmal alles in den Fair-Kick-Return, wird aber an der Mittellinie gestoppt. Die Ravens gewinnen die Lombardi Trophy 2012/13.

Ja. Große Sensation. Ich habe es nicht kommen sehen (VM schon). Dreimal mit mehr als 10 Punkten gegen Baltimore gesetzt. Dreimal baden gegangen. Damit haben Sie’s zu tun.

[04h41] San Francisco 31, Baltimore 34/Q4 0:04. Der Punter nimmt den Safety. Und damit ist die Partie vorbei.

[04h41] 12sek. Baltimore wird gleich punten. 2-5sek dürften bleiben. Hail Mary.

[04h40] Mike Pereira zum Call beim 4th down:

[04h37] Selbst wenn San Francisco den Ball nochmal bekommt: Mehr als 8-15sek werden sie nicht mehr bekommen. Und schlechte Feldposition. Auf der Bank draußen wird entsprechend auch schon geheult.

[04h35] 2nd down: incomplete.

3rd down: Pass raus für WR Crabtree. incomplete, wäre aber nicht für mehr als 1yd gegangen.

4th down: massive Blitzes, Kaepernick feuert hoch ins Eck der EndZone. CB #22 Rodgers hält gegen WR #15 Crabtree, aber nicht genug für eine Flagge. (Holla?) incomplete.

1:46 bleiben. 1 Timeout für San Francisco.

[04h30] Großartiger Pass für WR Crabtree über die Mitte (gegen einen DB mit #24 und LB Lewis). Direkt im Anschluss zündet Frank Gore den Brenner und umläuft links die Defense – an die SF 8. Ein Play später sind sie an der 5.

2min Warning. Zeit bei diesem Spielstand absolut ein Faktor. (BAL hat noch drei Timeouts und sollte diese bald zücken)

[04h25] San Francisco beginnt an der eigenen 20. 4:19 zur Unsterblichkeit.

[04h21] San Francisco 29, Baltimore 34/Q4 4:23. Dicke Klöten von John Harbaugh, im dritten und 0.5yds einen gelupften Ball downfield zu werfen – aber Boldin klaubt das Ei sehenswert gegen CB Culliver runter. Danach wird humorlos gelaufen, bis der Drive – lebenswichtig für die 49ers – an der Grenze zur RedZone gebremst wird. „Nur“ ein Field Goal. San Francisco braucht nun einen TD. Aber hätten die Ravens den TD gemacht, das Spiel wäre 99% over gewesen.

Boldin mausert sich derweil zum veritablen MVP-Kandidaten im Falle eines Ravens-Siegs.

[04h04] San Francisco 29, Baltimore 31/Q4 9:57… und da dringen erhöhte Dezibelwerte durch den Sportitalia-Äther. Langer Pass für WR Randy Moss. Kreative Laufspielzüge über RB Gore. Nahe der GoalLine schicken die Ravens einen massiven Blitz, den Kaepernick per blitzschnellem Scramble zum Touchdown verbrennt. Die 2pts-Conversion scheitert – weil die Ravens erneut einen All-Out Blitz schickten.

Drama, Baby.

[03h57] San Francisco 23, Baltimore 31/Q4 12:54. Viel Laufspiel über RB Rice über die Mitte, und nach einem Goal-Line Stand plus einer erzwungenen Incompletion für Flacco steht John Harbaugh 4th-und-1.5yds vor der GoalLine vor einer der Entscheidungen der Superbowl-Geschichte…

und enttäuscht. John lässt kicken. Wenn du hier nicht ausspielst, wann dann?

Drittes Viertel

[03h52] Längstes drittes Viertel der Superbowlgeschichte. Ein Catch plus langer Lauf des WR Anquan Boldin im dritten Versuch beruhigt die Gemüter im Stadion etwas und bringt Baltimore zurück ins Spiel. Danach folgen knackige Läufe – und ein riskanter Call: 3rd-und-inches, und der RB Pierce wird über außen geschickt. Glückt. Baltimore fast in Punkte-Range.

[03h48] Jetzt bräuchte Baltimore einen Stromausfall.

[03h43] San Francisco 23, Baltimore 28/Q3 3:14. Meine Fresse. Ich wiederhole mich: Meine Fresse.

K Akers versemmelt einen 39yder, aber aufgrund eines „running into the kicker“ gibt es einen zweiten Versuch – und der sitzt aus 34yds. Aber: 4th-und-2, da ist es aus der Feldposition doch überlegendwert, auszuspielen?

[03h40] Wahnsinn. Flacco steht die Angst in die Augen geschrieben. Schneller Screen raus zu Ray Rice, CB #25 Terrell Brown rauscht heran, schlägt Rice das Ei aus der Hand. Fumble. SF beginnt an der BAL 24.

[03h37] Aus dem Bloginnenraum: Die ersten drei Stunden haben auf diesem Blog alle bisherigen Besucherrekorde gesprengt. Seit dem Stromausfall ist die Bewegung drastisch zurückgegangen.

[03h32] San Francisco 20, Baltimore 28/Q3 4:59. Pass für TE Davis, dann an der 6yds-Line Ballübergabe an RB #21 Gore gegen die Laufrichtigung der Defense, FB #46 Delanie Walker räumt Ed Reed aus dem Weg wie eine luftige Mücke und Gore trabt in die EndZone. Und DT #92 Ngata wird aus dem Spiel geknockt, humpelt aus der EndZone raus.

Football. Du kannst jedes Matchup in die Pupette analysieren. Nada. Zwei Plays stellen die Welt auf den Kopf.

(keine 2pts-Conversion für San Francisco? Jimmy?)

[03h31] Mental sind die 49ers nun obenauf: Incomplete Pass, Lauf für nix, im dritten Down ein Blitz von LB #55 Brooks, der Flacco von hinten umreißt. Punt, #19 Teddy Ginn jr. returniert in die RedZone! Bitte, weckt eure Liebsten wieder auf! Wir haben ein Spiel!

[03h27] Jetzt ist es übrigens gut, dass San Francisco mit Kaepernick einen „wilden“ Spieler hat. Kaepernick traut man ein Comeback zu. Alex Smith nicht.

[03h25] San Francisco 13, Baltimore 28/Q3 7:20. Nach dem Auszeit-Fehler zwei schöne Dinger von Kaepernick: Schöner „gelobbter“ Pass für TE Davis, Rakete nach halblinks für den bis dato über weite Strecken ausgeschalteten WR Michael Crabtree, der von zwei Verteidigern (#29 Williams/#31 Pollard) abprallt und zum TD durchläuft.  (7 Plays, 80 Yards und fast alles per Pass oder Scrambles)

[03h21] SiehabennichtgenugvonderAuszeit. Jetzt passiert das, was dieses Jahr für Kaepernick typisch war und einer meiner Hauptkritikpunkte an Kaepernick: Er muss eine Auszeit verbrennen, weil sie den Spielzug nicht durchbringen. a) idiotisch, wegen 5yds ein Timeout zu nehmen. b) diese Zeit wird im letzten Viertel u.U. noch richtig wehtun.

[03h16] Die Ravens mit einer halbherzigen Angriffsserie. Passend, dass sie im 4th-und-inches nicht die Traute haben auszuspielen, und punten. SF beginnt gleich an der eigenen 20 und sollte langsam anfangen, produktiv zu werden.

[03h12] Spiel geht nach 35 Minuten Pause weiter. 49ers müssen schnell punten.

[03h06] Steve Tasker von CBS: „Draußen ist ein Generator geflogen, es mussten viele Checks durchgemacht werden, daher dauerte es so lang… Teams haben nun so lange Zeit zum Aufwärmen, wie sie glauben zu brauchen… definitiv ein Vorteil für die 49ers“

Studioexperten sehen auch unisono Vorteile für San Francisco in diesem Moment. Es komme sehr auf die Coaches an, wie sie den Fokus bei ihren Spielern hielten.

[03h02] Auch die deutsche Wikipedia hat auch schon reagiert.

[02h59]

[02h55] Ich habe gerade im Gamepass zurückgespult. CBS-Kommentar war kurzzeitig weg, was nicht weiter ins Gewicht fiel, da man sofort Werbepause schaltete und danach ins Studio schaltete. Mittlerweile ist der Sound wieder da.

[02h53] Wenn das während der Halbzeitshow passiert wäre…

[02h50] Kein terroristischer Akt. Wir sind beruhigt.

[02h49] Stromausfall soll um ca. 3h MEZ behoben sein.

[02h45] Ist das Ines Sainz (die Ines Sainz), die da bei SAT.1 grad im Interview ist?

[02h43] Man kann nur hoffen, dass sich die 49ers an dem Stecker angesteckt haben, um Energie zu tanken.

Auf alle Fälle weiterhin Licht aus im Superdome. Im Superbowl.

[02h38] Hm, mein Drinking Game schlug 4 Shots für Stromausfall in der Halftime Show vor. Können wir das ändern auf „Lichtausfall während drittes Viertel“? Ich trink jedenfalls einen drauf.

[02h32] San Francisco 6, Baltimore 28/Q3 14:49. Paukenschlag. KR #12 Jacoby Jones returniert den Kickoff der zweiten Halbzeit 109yds (!) zum Touchdown. Untouched. Längster Superbowl-Spielzug ever. Längster NFL-Spielzug ever (zumindest tied). Sargnägel liegen plötzlich bereit.

Oder wir bekommen den legendärsten Superbowl ever.

Half Time Show

[02h25] Nach dem Revival der Lingerie Football League Half Time Show bleibt festzuhalten: Die weltbewegend beste Stimme hat Beyoncé Knowles nicht. Dafür muss man keine Ahnung von R&B haben.

(und, ja, ich bin gespannt auf die Reaktion der amerikanischen Prüderie-Kommission. Die tagt morgen. in allen großen Zeitungen)

[02h22] Ich oute mich mal als völlig inkompetent in Sachen MTV und R&B, insofern kann ich nicht viel zur Qualität der Halftimeshow um Beyoncé beisteuern. Auf alle Fälle sieht die Lichtershow beeindruckend aus. Aber die Ladys auf der riesigen Bühne sind so leicht bekleidet, dass wir von Nippelgate nicht meilenweit entfernt sind. Fest steht: Nächstes Jahr in New York holen sich die Mädels damit eine schwere Verkühlung ab.

Halbzeitanalyse

[01h59] Überraschendes Halbzeitergebnis, das uns entweder ein großes Upset oder ein großes Comeback servieren wird. Die 15pts-Führung der Ravens fühlt sich zu hoch an. Beide Offenses sind recht effizient im Passspiel (Flacco 9.4 NY/A, Kaepernick 9.9 NY/A), aber die San Francisco 49ers missachteten die erste Superbowl-Regel:

Gibt Acht auf den Ball.

Fumble James und eine so hoch fliegende Interceptions Kaepernicks – ein Ball, den ich nun wochenlang erwartet hatte –  und schwupps erweckt ein Team den Eindruck, es sei von der Rolle. Nope. Kaepernick ist nicht perfekt, aber die 49ers-Offense bleibt gefährlich.

Bedenklicher ist das, was San Francisco in der Abwehr zeigt: Der Pass-Rush ist mau und in der Secondary sind Tight Ends und Wide Receivers häufig abartig frei und können vergleichsweise einfache Catches fangen. QB Flacco zeigt auch gutes Gefühl für die Pocket, bewegt sich notfalls bis zum letzten Moment und wirft, wenn er mal unter Druck ist, keine hirnlosen Pässe.

Schließlich Baltimores Defense: Weitgehend sehr gute Vorstellung. Die Aggressivität ist da, und Corey Williams zeigt die Einstellung eines grobschlächtigen Abwehrtreters (bzw. Abwehrschlägers). Die Front-Seven scheint einige Snap-Counts zu kennen und insbesondere OLB #55 Suggs war häufig mit dem Snap schon im Backfield und machte das Timing kaputt bzw. verhinderte ein Weglaufen Kaepernicks, weil er nicht zu aggressiv auf den Mann ging, sondern das Containment hielt. Bis auf die Tight Ends wird auch recht gut gedeckt, auch wenn man nicht Herr der Spielfeldmitte ist (gell, Lewis?). Auf den Außenpositionen wird eng gedeckt.

Fazit: Ich sehe da ein weiterhin spannendes, überwiegend gut exekutiertes Spiel. Kann so weitergehen, aber San Francisco muss seine längeren Drives zu Touchdowns, nicht zu Field Goals verwerten.

Zweites Viertel

[01h59] San Francisco 6, Baltimore 21/Q2 0:00. Schöne Pässe Kaepernicks downfield für die TEs Davis und Walker, und es fällt auf, wie aggressiv die Ravens auch nach dem Catch auf den Ball gehen. Am Ende muss man mit einem Field Goal Vorlieb nehmen.

[01h49] San Francisco 3, Baltimore 21/Q2 1:45. Das ist ja fassungslos! QB Flacco tiefe Bombe für Smith, CB Culliver schlägt zu Boden. Nächstes Play, QB Flacco tiefer Ball für WR #12 Jacoby Jones, der Culliver auf und davon rennt. Culliver springt ins Leere. Jones fängt den Ball im Fallen, steht auf und läuft weiter. Culliver und S Goldson zeigen die Angriffigkeit von homophilen Mauerblümchen und Jones trabt zum 56yds-TD in die EndZone.

[01h45] San Francisco schnell gestoppt. Im dritten Down wirft Kaepernick einen weiteren gefährlichen Ball nach außen, WR Randy Moss beugt sich wie ein alter Mann nach unten, während unser Prügel-CB Williams dazwischenspritzt und fast eine weitere INT mit Pick-6 Potenzial fängt. Punt, 2:07 vor Halbzeit kriegt Flacco den Ball nahe der Spielfeldmitte.

[01h41] Two Cents:

  • CB Williams hätte IMHO sofort ausgeschlossen gehört.
  • Guter Aspekt beim FG-Trick: 49ers müssen immer noch an der eigenen 6 starten. Gibt keinen besseren Moment, so ein Ding anzusagen. Und das in der Superbowl.

[01h37] Baltimore wird zum Field Goal gezwungen… denkste. 4th down und der ehemalige Special-Teams-Coordinator John Harbaugh sagt einen geilen, geilen FG-Fake an, K Tucker macht drei Kreuzchen und läuft los, und läuft, und… wird 1yd vor der gelben Linie aus dem Spielfeld gedrängt. Gescheitert, aber coole Ansage!

[01h34] Es wäre, wenn San Francisco gewinnen sollte, übrigens jetzt schon das größte Superbowl-Comeback ever (in den 80ern mal ein 0-10 von den Redskins aufgeholt steht immer noch als Comeback-Rekord für Superbowls).

[01h28] Interception Ed Reed. Da ist der Fehler Kaepernick, ein meterweit überworfener Ball für Moss, und FS #20 Reed fällt der Ball mutterseelenallein in den Schoß. Danach entladen sich die feindseligen Vibes zwischen den Teams nicht bloß in Nickligkeiten, sondern in einer zünftigen Massenschlägerei. (Ausschlussfoul-würdiges Einprügeln von Ravens-CB #29 Williams, für das Ndamukong Suh ein Jahr aus dem Verkehr gezogen würde)

[01h22] San Francisco 3, Baltimore 14/Q2 7:10. Blitzsauberer Drive der Ravens, die nicht den tödlichen tiefen Pass suchen, sondern geduldig über die Mitte (RB Pierce) laufen, respektive warten, bis die TEs #84 Dickson und #88 Pitta offen sind – und sie sind jedes Mal offen und können halbwegs einfache Catches machen. 10 Plays, 75 Yards, Touchdown für Pitta und dicker werdendes Brett für San Francisco.

[01h15] Die Funken sprühen weiter: Auch für Gelegenheitszuschauer ist zu sehen, wie perfekt Kaepernick die „read-option“ aus der Pistol-Aufstellung praktiziert, sei es für RB Gore und RB James. Allein: James fumbelt beim Versuch, ein broken play zu retten, das Ei weg und Baltimore bekommt in der eigenen Platzhälfte das Ei.

Erstes Viertel

[01h04] Das erste Viertel geht mit höchster Intensität zu Ende. QB Flacco macht unter kollabierender Pocket den Eli, und feuert furchtlose tiefe Bälle: WR Boldin klaubt einen 30yds-Wundercatch runter, WR Smith auf dem Weg in die Endzone leicht von CB Culliver gehalten, aber es gibt keine Flagge. Im dritten Down passiert schließlich der Sack und die Ravens werden aus Fieldgoal-Reichweite getrieben. Es folgt wohl ein Punt.

Und: Ed Reed musste in die Umkleidekabine.

[00h54] San Francisco 3, Baltimore 7/Q1 3:58. Die Ravens kriegen mit nur drei Mann ausreichend Druck hin, weil sie ohne Reaktionszeit zum Snap durchbrechen. Sonst ein Drive, der zeigt: San Francisco ist im Spiel, wenn auch alles nur über die Mitte geht.

Pässe für WR Crabtree (gegen den ins Leere greifenden Ray Lewis) und TE Davis (zwischen den Zonen) sind erfolgreich, und auch das Laufspiel über die tänzelnden Kaepernick/Gore schaut nicht übel aus, sofern die Ravens den Snap-Count nicht 100%ig erwischen.

TE Davis kniet allerdings gerade mit Grimassen an der Seitenlinie und hält sich den Arm.

[00h41] San Francisco 0, Baltimore 7/Q1 10:36. Simple Spielzüge, die die Ravens zeigen – aber es ist effektiv (6 Plays, 51 Yards). Ein langer Raumgewinn für WR Torrey Smith, der sich zwischen die Zonen von CB Brown und S Whitner schwindelt, und ein paar Plays später ein Lupfer über die Mitte, für TE Boldin zwischen LB #53 Bowman und S Whitner. Boldin mit dem TD, Außenseiter führt.

[00h35] Erste Angriffsserie, 49ers beginnen mit einem False Start. Danach zeigt sich eine sehr aggressive Front-Seven der Ravens mit OLB #55 Suggs zweimal haarscharf am Offside. Im dritten Down nehmen die 49ers die „sichere“ Option des kurzen Laufspiels und müssen punten.

Pre-Game

[00h30] Münzwurf: Baltimore gewinnt unter Seven Nation Army-Schlachtrufen seiner Fans und deferred. Kaepernick kommt also gleich aufs Feld, nachdem er noch jedem Mitspieler einen Schulterklopfer gegeben hat.

[00h24] Handgestoppte 2:42min. Keys begleitete sich selbst am Piano.

[00h15] Wichtigste Wette der Woche: Wie lange wird Alicia Keys gleich für die US-Nationalhymne brauchen? Over/under ist bei sagenhaften 2:15min angesetzt! Der Grund könnte sein, dass Alicia Keys ankündigte, eine „my way“-Performance hinlegen zu wollen. Keys sang noch nie die Hymne in der Öffentlichkeit. 2:15 lässt sich nicht einfach nur mit einem langgezogenen home of the brave erreichen.

[00h05] Liveblogging auch bei dogfood von Allesaussersport.

[00h00] Die Mehrzahl der Experten sieht San Francisco vorn, aber nahezu alle erwarten ein extrem knappes Spiel – und widersprechen mir damit.

[22h50] Der letzte Dreck unter der Fingernägeln ist analysiert. Fehlt nur noch das Spiel. Die letzte dreiviertel Stunde vor Kickoff wird optisch wie stimmlich genüsslich, und hoffentlich auch die Mitternachtsmahlzeit.

Groove to the Super Bowl 2013

[23h45] Lange genug gegroovt. Die Frühstückstische für morgen sind auch alle gedeckt. Was folgt, ist der Umzug ins Wohnzimmer. Ich werde gleich das Liveblogging zum Spiel eröffnen.

Ein Stern mit Namen Kaepernick

[22h41] Neben Ray Lewis und dem Bruderduell lässt sich die größte Stoyline um diesen Superbowl um den Quarterback der San Francisco 49ers stricken: Colin Kaepernick. Kaepernick hat eine filmreife Vita hinter sich, als Mischlingskind zweier Teenager geboren und zur Adoption frei gegeben, von einem Ehepaar aufgenommen, dessen zwei jüngste Kinder wegen eines Gendefekts gestorben waren, mit denen nach Kalifornien umgezogen, als superber „Multisport“-Athlet nur ein einziges Div-IA/FBS-Stipendium angeboten bekommen. Kaepernick, der sich einst auch bei Boise State (erfolglos) beworben hatte, wurde im Nevada Wolfpack von Head Coach Chris Ault zu einer Legende im College Football, der Mann, der die Pistol-Offense revolutionierte.

Das beste Footballspiel des Colin Kaepernick im College erlebte ich mit wildesten Zahnschmerzen in den Morgenstunden des „Black Friday“ 2010, als Kaepernicks Wolfpack gemeinsam mit RB Vai Taua das wohl beste Team der Saison 2010/11, Boise State, in der zweiten Halbzeit in seine Einzelteile zerlegte und nach Brotzmans schon legendären Fehlkicks noch gewann. Es war die erste große Sternstunde des Colin Kaepernick.

Trotzdem: Nie hätte ich gedacht, dass der Mann sich in der NFL so schnell durchsetzen kann. Nie hätte ich überhaupt gedacht, dass er in der zweiten Runde gedraftet werden würde. Und dann, nach eineinhalb Jahren Reifeprozess so schnell einzuschlagen… bisher ungesehen. Kaepernick personifiziert so vieles, was man bisher nicht mit Quarterbacks assoziiert hatte, dass man ihm nur Erfolg wünschen kann, Stichwort Vorurteile einreißen.

[22h33] Die Bierpreise bei der Superbowl sind kaum mehr zu verantworten. Laut Paolo Bandini/Guardian mittlerweile bei $12 für eine Flasche, die mir nicht nach mehr als 0,50l ausschaut. Das Oktoberfest erstarrt in Ehrfurcht.

[22h20] Gerade aus dem Livestream der Sofa-QBs aufgeschnappt: Jim Harbaughs Sohn Jay coacht im Trainerstab der Ravens. Mit seinem Onkel. Gegen seinen Vater.

Radio an: Sofa-QBs aus München

[21h31] Sendung ist an.

[21h25] In wenigen Minuten soll es losgehen: Die Sofa-Quarterbacks werden live aus der Münchner TonHalle von der Superbowl-Party der Munich Cowboys & ESPN America auftreten. Andreas Renner/SKY wird moderieren, und ebenso dabei sein sollen u.a. Nicolas Martin/GFL-TV und Manfred Groitl/fantasy-football.de.

Live zu hören ist das Ganze hier: GFL-Radio.de.

Oder als MP3-Stream hier.

[20h53] Completely useless fact: Obama ist Linkshänder.

[20h43] Unsere Leser kennen die Clips ja mittlerweile [s. 15h00], aber trotzdem:

[20h38] Zirka eine Stunde noch bis zum Livestream der Sofa-QBs aus München. Über @sportradio360 und Facebook können noch Fragen geschickt werden.

Predictions für Superbowl XLVII

[20h31] Herrmann hat die taktische Seite schon im Detail erklärt [1] [2]. Herrmann tippt auf die 49ers:

Ich sehe die 49ers klar im Vorteil. Es gibt zu viele match-ups, die sie ausnutzen können. Das Laufspiel sollte rollen wie eh und je und zwischendurch kann mit Kaepernicks Raketenarm und Moss/Crabtree/Davis Baltimores Base-D auch tief attackiert werden. Es gibt aber einen wichtigen Punkt, der gerne übersehen wird: Kaepernick hat erst neun NFL-Starts und damit kaum Erfahrung. Die Ravens sollte die Hölle aus ihm blitzen, versuchen ihn zu dummen Entscheidungen zu zwingen und hoffen, daß er nicht ganz trocken im Super Bowl mit Pässen macht, was er gegen Green Bay mit Läufen gemacht hat

Seminole sieht es kurz und knackig anders:

Ich laufe gewiss nie Gefahr, zu tief in die Analyse-Pipette zu gucken. San Francisco ist besser, aber was heißt das schon? Die Ravens sind im Formhoch und sie haben die Abgebrühtheit, den jungen Colin Kaepernick in die Falle tappen zu lassen. Die Ravens werden beißen, sie werden kratzen. Sie werden gewinnen. Und zwar mit vier Punkten.

Ich will mich auch nicht um eine Mini-Vorschau drum herum drücken. Das ganze Jahr schon schreibe ich von der mittelmäßigen Qualität der Ravens und wie gut die 49ers schon unter Alex Smith waren und wie viel besser sie mit Colin Kaepernick sind. Das Power-Ranking, das fast 70% seiner Tipps richtig hinkriegt (und in den Playoffs bisher 7:3 ist), sieht dann auch heute einen Vorteil von 65:35 pro San Francisco 49ers (also fast 2:1).

Die San Francisco 49ers hatte ich im Sommer nichtmal als Playoffteam gesetzt gehabt. Um das nochmal zu begründen: 2011 war San Francisco ein Ausreißer gewesen, der gegen einen schwachen Schedule mit schwacher Offense (inexistentes Passspiel, schlechte Offense Line, unterdurchschnittliches Laufspiel), viel Turnoverglück und einem guten Record in engen Spielen eine 13-3 Saison hingelegt hatte. Das Team roch, nein, es schrie nach „Regression zur Mitte“.

Und die kam: Statt +28 nur noch +9 bei den Turnovers, statt 6-2 in engen Spielen nur mehr 2-1-1, statt 13-3 Siege nur mehr 11-4-1.  Was aber auch geschah: Die Mannschaft war um Welten besser. Eine plötzlich überragende Offensive Line. Ein vor allem in den ersten Wochen sensationelles Laufspiel. Ein effizienter QB Alex Smith. Die 49ers waren schon seit Anfang Oktober stets an #1 oder #2 im Power-Ranking gereiht. Sie hielten in der Folge einem außergewöhnlich schweren Schedule stand.

Umso mutiger fand ich den QB-Wechsel. Die Intention dahinter war stets klar: Noch mehr Explosivität. Aber eben auch mehr Risiko. Risiko, das Teams der Qualität der 49ers von 2012 üblicherweise nicht eingehen müssen. Harbaugh tat es, und er wurde belohnt. Kaepernick spielte zwar anfangs wechselhaft, aber der Angriff war noch potenter, unausrechenbarer.

Und noch etwas half: Verletzungsglück. Praktisch null Wechsel in der Offensive Line und bis auf die Zipperlein bei DE Justin Smith so gut wie keine Ausfälle in der Defense.

Die Ravens mauserten sich mit waidwunder Verteidigung, einer gewohnt unkonstanten Offense, teilweise sensationeller Special Teams und vielen unwahrscheinlich knappen Siegen (4th und 29, Baby!) durch und waren auch in den Playoffs nicht die Killer früherer Tage. Aber sie hingen wie Parasiten drin, sie warteten und schlagen dann zu, wenn es der Gegner erlaubte. Erst in der zweiten Halbzeit in New England war das eine über Beharrungsvermögen hinaus überzeugende Ravens-Vorstellung. Insgesamt war die Ravens-Truppe in den drei Playoffspielen ein „playoff-würdiges“ Kaliber, ein Team, das nach monatelanger Formkrise zeigte: Wir gehören hierher.

Jetzt also Superbowl 47.

Ich habe es während des Sofa-Quarterback Podcasts schon angedeutet: Ich erwarte kein überaus enges Spiel. Der Spread von nur 4.5 Punkten pro San Francisco (Opening Line) überrascht mich, denn ich halte die 49ers für weit klarer favorisiert. San Francisco ist fast durch die Bank qualitativ besser besetzt und auch mehrere Schlüsselmatchups dürften gut auf die Stärken und Schwächen der 49ers zugeschnitten sein. Wenn Kaepernick nicht plötzlich einfällt, dass er nun unter dem Lichte der Superbowl nervös werden sollte und seine Mannschaft mit einer Latte an Fumbles und Interceptions in die Scheiße reitet, sehe ich (erneut) wenig Chancen für die Ravens, dieses Spiel, diesen Titel zu gewinnen.

Wie im CL-Finale favorisiertes, überlegenes Rot gegen überaltertes, mittelarmes Blau/Lila. Damals gewann Blau. Diesmal gewinnt Rot.

San Francisco mit 10.

Rückblende 2002: Superbowl XXXVI

[18h39] New Orleans war Heimat von bisher sieben Superbowls (sechs davon im Superdome). Die bisher letzte fand vor elf Jahren dort statt: Als erstes Endspiel nach 9/11 von außergewöhnlichem Flair umweht. Beobachter erzählen noch heute von einem sehr bizarren Ambiente: Hardcore-Sicherheitseinrichtungen rund ums Stadion und alle Events, eine hektargroße US-Flagge vor dem Kickoff, so viele Tränen zur US-Hymne, dass der Mississippi zum Bergbach verblassen würde, eine noch heute als episch beschriebene Halftime-Show von U2, und überhaupt U-S-A überall. Da war es nur passend, dass mit dem lieblichen Underdog New England Patriots auch ein entsprechender Nobody in den Landesfarben blau-weiß-rot qualifiziert war, und als erste Superbowlmannschaft ever geschlossen als Team ins Stadion einlief – etwas, das sich seither als Standard etablierte.

Superbowl XXXVI war auch mein erstes Footballspiel. Beiläufig im Sportteil nach einem Skitag gelesen, dass da eine Geschichte David vs. Goliath anstand. Beim Überfliegen blieb ich stecken. Da gab es einen Namenskollegen, Tom Brady. Noch viel besser: Der andere Quarterback hieß Kurt Warner. Kurt Warner. Ein Name wie ein Donnerhall. Ein Amerikaner konnte „Kurt“ heißen! Kurt war wohl der Hauptgrund, weswegen ich mir die Partie gab. Nicht live. Ich war zu jung und musste nächsten Tach zur Schule. Also zeichnete ich die Übertragung des ORF auf.

Superbowl 36 war ein kleines Schlüsselerlebnis für mich, fesselnde Kommentierung, enges, umkämpftes Spiel. Punch, Gegenpunch, entschieden in der Schlusssekunde, mit gutem Ausgang für den krassen Außenseiter. Mein erstes Footballspiel. Und wie es so ist mit dem ersten Mal: Man vergisst es nicht.

Superbowl 36 gilt immer noch als legendär und eine der spannendsten der Superbowl-Geschichte, die Geburtsstunde der großen Patriots-Dynastie des letzten Jahrzehnts, aber sie kam im Laufe der Jahre auch in Verruf, da sich Belichick wohl im Vorfeld umstrittener Methoden (Stichwort: Spy Gate) bedient hatte. Es war gleichzeitig das vielleicht letzte Zucken der Greatest Show on Turf der Rams, die eine der markantesten Offenses mit etlichen Superstars spielten, aber Warner nur eineinhalb Jahre später wie eine heiße Semmel fallen ließen und in der Folge jahrelang in ein tiefes sportliches Loch fielen, aus dem sie jetzt noch nicht vollends wieder raus sind.

Ich sehe mir diese Superbowl 36 quasi als Einstimmung gerade im Archiv des NFL-Gamepass an, und es hätte Potenzial, mehrere Blogeinträge an Analyse zu füllen. Die U2-Halbzeitshow ist leider rausgeschnitten, aber ansonsten kommt die Atmosphäre gut rüber. In wenigen Minuten wird der legendäre Cokommentator John Madden einen seiner berühmtesten Sätze sagen:

And now with no timeouts I think that the Patriots with this field position you have to just run the clock out, you have to play for overtime now. I don’t think they wanna force anything here, you don’t want to do anything stupid because you have no timeouts and you are backed up.

Die Geschichte danach ist mir schon bekannt: Brady nimmt das Ei an der eigenen 17 mit 1:21 Minuten verbleibend auf, Spielstand 17-17, orchestriert ein Kurzpassgewichse über RB J.R. “blitz-Blocker” Redmond und WR Troy Brown, und Vinatieri kickt mit auslaufender (well, die letzten 2 Sekunden wurden den Rams gestohlen) das entscheidende Field Goal.

Retrospektiv muss man festhalten: Brady wurde MVP, aber ein waschechter MVP sieht anders aus. Brady warf zu 95% kurze Pässe, ließ die Receiver für die Yards arbeiten, machte nicht mehr als die sprichwörtliche Fehlervermeidung. Wenn schon aus dieser Mannschaft ein MVP, dann entweder in der Offense Troy Brown (6 Catches für 89yds ist aber keine MVP-verdächtige Stat-Line), oder, viel besser, ein Mann aus dem Defensive Backfield.

S #34 Tebucky Jones fällt raus, weil fürchterlich dilettantisch beim Ausgleichs-TD der Rams (und sein Fumble-TD wurde zurückgepfiffen). Der bekannte S #36 Lawyer Milloy fiel auch nicht auf. Bleiben CB #38 Otis Smith oder CB #24 Ty Law (Law returnierte eine INT zum TD) als richtige Kandidaten: Das WR-Duo Holt/Bruce mehr oder weniger komplett neutralisiert, Rams-Offense für weit über drei Viertel auf 3 Punkte gehalten.

Vielleicht werde ich mir das Spiel mal etwas genauer vornehmen. Heute ist nicht der Tag dafür.

NFL-Crush & Six Nations

[18h06] Auf Walter Reiterers neuester NFL-Seite „NFL-Crush“ gibt es eine Video-Preview: Crush-TV Volume 1, Superbowl Preview (Reiterer, Marko Markovic). Hatte Walter Reiterer Angst, dass es zu blendend wird, oder warum braucht man im Studio Sonnenbrillen? Ist aber auf alle Fälle gelungen.

[17h58] Die Italiener werden heute bei der Superbowl bestens gelaunt sein. Rugby-Italien gewinnt sein Auftaktspiel in den Six Nations 2013 gegen die Franzosen sensationell 23-18 trotz Unterzahl in den letzten Minuten. Man hielt den letzten Angriffen der Franzosen stand. Die Stimmung im italienischen TV und im Stadion ist überschwänglich. Soll erst der zweite Pflichtspielsieg ever über Frankreich gewesen sein.

[16h58] Jetzt wird auch an prominenterer Stelle gegroovt.

Sideline Reporter Drinking Game 2013

[16h52] Dieses Jahr also keine Uni-Klausur am Montag. Ergo kehrt das Drinking Game zu Sideline Reporter zurück. Die erforderlichen Zutaten sind:

  • Bier (Pils)
  • Weißbier
  • Schnaps in Form von Shots (Wahl des Getränks bleibt frei; Klarer ist erlaubt)

Nur in begründeten Ausnahmefällen sind Ausnahmen erlaubt (z.B. wer kein Weißbier lagernd hat darf sich am Pils probieren). Die Regeln, je nachdem auf welchem Kanal Sie die Partie gucken, sind folgende:

Ein Schluck Pils

  • Jedes Mal, wenn ein Kommentator „Superbowl 47“ (in Worten: Superbowl siebenundvierzig) sagt
  • Jedes Mal, wenn ein Kommentator „Momentum“ sagt
  • Jedes Mal, wenn ein Kommentator „Harbaugh“ sagt
  • Jedes Mal, wenn ein Kommentator „HarBowl“ sagt
  • Jedes Mal, wenn Phil Simms „talked about“ sagt

Ein Schluck Weißbier

  • Jedes Mal, wenn ein Kommentator sagt, die 49ers haben noch keinen Superbowl verloren
  • Jedes Mal, wenn der Kameraschwenk auf Harbaughs Dad geht
  • Jedes Mal, wenn „Joe Flacco“ und „Elite“ im selben Atemzug genannt werden
  • Jedes Mal, wenn „Ray Lewis“ und „Hall of Fame“ im selben Atemzug genannt werden
  • Jedes Mal, wenn Joe Theisman „really nice play“ sagt

Ein Shot

  • Für Münzwurf HEADS
  • Für Münzwurf TAILS
  • Für jede Nennung des Rücktritts von Ray Lewis
  • Für jede Nennung der Motivationskünste von Ray Lewis
  • Für jeden Turnover
  • Für jeden Punt
  • Für jede Einblendung von Alex Smith am Seitenrand
  • Pro Overtime (für die erste einen, für die zweite zwei, usw.)
  • Jedes Mal, wenn Kaepernick bei der „read-option“ den Ball selbst behält
  • Für jeden Sack für oder gegen einen Spieler mit Nachnamen Smith
  • Für jedes verkickte Field Goal
  • Wenn die 49ers gewinnen.
  • Wenn ein QB MVP wird

Zwei Shots

  • Wenn die Hymne über 100 Sekunden dauert
  • Jedes Mal, wenn die Kamera auf die Bourbon Street gerichtet ist
  • Jedes Mal, wenn Jim Caldwell im Bild ist
  • Für jedes geglückte Field Goal von David Akers.
  • Wenn die Ravens gewinnen.
  • Wenn kein QB MVP wird

Drei Shots

  • Für jede unterlaubte Challenge (vulgo „für jeden Schwartz“)
  • Für jeden Harbaugh beim Siegerinterview

Vier Shots

  • Für jeden Textfehler in der Hymne von Alicia Keys
  • Für jeden Stromausfall in der Halftime Show

Pils auf Ex

  • Jedes Mal, wenn Sie grad vom Kotzen aus dem Klo kommen

Weißbier auf Ex

  • Wenn Colin Kaepernick vor dem letzten Drive für Alex Smith gebencht wird

Prost.

Jürgen Kalwa bei DRadio Wissen

[16h03] Der in New York lebende Journalist „King“ Jürgen Kalwa gilt als ausgewiesener Experte auf dem Gebiet des US-Sports. Kalwa hat in einem sechsminütigen Segment bei DRadio Wissen über die Superbowl und das Problem der Gehirnerschütterungen referiert. Mit dabei auch O-Töne der deutschen NFL-Hoffnungen Kuhn/Werner, die bedenklich wenig Empathie für ihre Hirnkästen aufbringen.

DRadio Wissen: Verstecktes Trauma.

Die Gesichter des Superbowls 2013

[15h43] Superbowl-Vorschau for people who don’t know football (2013 edition):

Flacco

Then again, despite his physical gifts, Joe has never appeared to be elite. His high school team never had a winning record. His college team, the Delaware Blue Hens, didn’t even make him a captain (and quarterbacks are almost always captains). In the practices for the 2008 Senior Bowl, he showed all the talent in the world, but in his NFL career he has the tendency to completely disappear. With the exception of week 14 against the Redskins, Joe’s road record in 2012 was like seven incontinent toddlers in a bounce house.

Ray Lewis

After his acquittal, he immediately helped lead his team to the Super Bowl in 2001, so being a suspect in a yet-unsolved (and still unsolved) murder didn’t slow him down much. Ray has also since found Jesus in a serious way, fathered six kids with four different women, starred in some surreal Right Guard commercials, played video games on TV with Paul Rudd, and been a famously emotive linebacker for the same team his entire career.

Justin Smith

He’s known in the NFL as “Cowboy,” and not because he likes country music or calls every pair of shoes “shitkickers” or says things like “Cowboy Up!” when he’s in the cereal aisle. He grew up on a 1400-acre cattle farm in rural Missouri, spent his entire life doing the hard work of raising Hereford truebred cattle, and when he wasn’t lifting hay bales, he was in the gym, lifting weights. It’s where he met his wife, then a varsity long-distance runner, in college.

Und weiter mit Kaepernick, dem Maler Vernon Davis und Brendon Ayandeb…. Ady… Ayandadejo („The Activist“). Kann man sich schon mal zu Gemüte führen.

Super Bowl Ads: Früher und heute

[15h00] (Achtung, die Superbowl-Ads von heute Nacht werden gespoilert!)

Die Superbowl-Werbeclips in den Staaten sind legendär kostspielig. CBS wird heute Nacht wohl zum ersten Mal die Schallmauer von $4 Mio. pro 30sek Werbezeit knacken. Viele der Clips aufgrund ihrer Originalität in die Popkultur ein. Ein paar sehr gute Momente gibt es nachfolgend im eingebetteten Video zu sehen.

Einer meiner ganz großen Favoriten ist bei allem Pathos-Gehabe immer noch der Budweiser-Tribut an 9/11:

Budweiser wird heute nach Forbes-Informationen folgenden Clip zeigen:

Überhaupt: Bei Youtube ist schon eine Videostrecke für die heutigen Superbowl-Werbungen geschaltet: Superbowl Commercials 2013.

Im NFL-Gamepass soll auf alle Fälle die CBS-übertragung laufen. Ich nehme an, mit Werbung.

Louisiana Superdome

Der abgedeckte Superdome wurde zum Symbol für New Orleans und Katrina

Der abgedeckte Superdome wurde zum Symbol für New Orleans und Katrina

[14h37] So sehr Football Freiluftsport ist und mir die Hallenatmosphäre widerstrebt, so sehr mag ich den „Mercedes-Benz“ Louisina Superdome als einzige NFL-Halle. Er ist eine architektonische Meisterleistung. Mitte der 70er Jahre in einem spektkulären Projekt auf Stelzen in die Sümpfe des Mississippi-Deltas gebaut, hatte er jahrzehntelang die weltweit größte Kuppel und das Stadion mit dem besten Namen weltweit.

Über die Landesgrenzen hinaus berühmt geworden ist die Halle durch den Hurrikan Katrina anno 2005, als sie als Unterkunft für tausende Obdachlose fungierte. Die halb abgedeckte weiße Kuppel des Superdomes wurde zum Symbol der Stadt und ihrem Katastrophenmanagement.

Im Sport ist die Halle seit fast 40 Jahren Heimat der New Orleans Saints und des Sugar Bowls um die Neujahrstage, und war auch mehrmals Austragungsorts für Super Bowls, meistens wie es der Zufall wollte, als die Patriots sich dafür qualifizierten. Der Bau gilt für heutige Verhältnisse nicht mehr als state of the art, dürfte aber aufgrund der Symbolik fürs Erste unangetastet bleiben.

Dixie zum Begräbnis

[13h28] Als Musikant war New Orleans für mich stets für seine Begräbniskultur und deren Verlinkung hinein in die Musikszene bekannt. Man muss sich das so vorstellen: Die Stadt liegt im Mississippi-Delta, teilweise unterhalb des Meeresspiegels in sumpfähnlichen Gebieten. Aufgrund der schieren Feuchtigkeit in den Böden können die Toten nicht in Friedhöfen begraben werden, da durch den Verwesungsprozess Seuchen drohen würden. Man schuf also im Lauf der Jahrhunderte sogenannte „Totenstädte“, Mausoleen zur Bestattung der Toten. Passend zu diesen eher unüblichen Orten der letzten Ruhe entstanden ganz eigene Begräbnis-Rituale.

Langsame, mollige Choräle auf dem Weg in die Totenstadt, aber nach der Verabschiedung der Gestorbenen geht es mit der „Second Line“ (z.B. Schaulustige) rund: Weltlicher Dixie, Tänze, s’Leben geht weiter. Bekannt dürfte diese sogenannte „Jazz-Beerdigung“ vielen Fans von James Bond aus dem Filmklassiker „Leben und sterben lassen“ sein:

Der gespielte Choral ist in diesem Falle Just A Closer Walk with Thee, das weltliche Stück danach der Second Line March (auch: Joe Avery’s Piece).

Zwischenstation New Orleans

[12h01] Ein Freund tourt gerade mit seiner Künftigen durch die Welt. Eine der Stationen war im Spätsommer New Orleans. Sein Fazit: Die Stadt ist immer noch heruntergekommen, halb verfallen, vor allem die Altstadt („French Quarter“); superbes Essen, aber nachts eher exklusives Volk auf den Straßen: Besoffene, Nutten und viele Junggesellenabschiede. Die Stripclubs („Barely Legal Hustler Club“) in der Bourbon Street sind wohl nicht zu übersehen… von den früher so üblichen Ausritten einiger Superbowl-Spieler in den Tagen vor dem Großen Spiel war diese Woche aber wenig zu hören.

Zu einem jüngeren Gewerbe: Der Fotographie. Impressionen aus New Orleans, original und ©Alexander Lechner.

Auf dem Weg nach New Orleans: Autobahn in gewohnter US-Qualität - ©Alexander Lechner

Auf dem Weg nach New Orleans: Autobahn in gewohnter US-Qualität – ©Alexander Lechner

Ze Sümpfe vor den Toren von New Orleans - ©Alexander Lechner

Ze Sümpfe vor den Toren von New Orleans – ©Alexander Lechner

Central Business District und unser Superdome im Sichtfeld - ©Alexander Lechner

Central Business District und unser Superdome im Sichtfeld – ©Alexander Lechner

Die Warnung voraus - ©Alexander Lechner

Die Warnung voraus – ©Alexander Lechner

French Quarter - ©Alexander Lechner

French Quarter – ©Alexander Lechner

Auch am berühmten Napoleon House in der Chartres Street sind die Spätfolgen von Katrina unübersehbar - ©Alexander Lechner

Auch am berühmten Napoleon House in der Chartres Street sind die Spätfolgen von Katrina unübersehbar – ©Alexander Lechner

Jackson Square an der Chartres Strees unweit des Mississippi - ©Alexander Lechner

Jackson Square an der Chartres Strees unweit des Mississippi – ©Alexander Lechner

Der Reiter - ©Alexander Lechner

Der Reiter – ©Alexander Lechner

Eine Straße von Bourbon entfernt - Hotel Chateau LeMoyne - ©Alexander Lechner

Eine Straße von Bourbon entfernt – Hotel Chateau LeMoyne – ©Alexander Lechner

Und schließlich: Lecker Futter - ©Alexander Lechner

Und schließlich: Lecker Futter – ©Alexander Lechner

Bissl mehr zu sehen gibt es im Original-Blogeintrag der Reisenden.  Geschrieben Wort auf Blatt „Grand Tour 2012“ wird dann im Eigenverlag erscheinen – maybe.

Katrina

[08h55] Bei diesem Superbowl 2013 kann man nicht am Hurrikan Katrina aus dem Sommer 2005 vorbeischauen. Die Bilder von mehreren komplett überfluteten Stadtteilen waren ebenso beeindruckend wie bedrückend und der Gedanke, dass ein Ort mit mehr als 400.000 Einwohnern quasi über Nacht zur Geisterstadt mutieren kann, ist immer noch gespenstisch.

Katrina war mehr als eine Naturkatastrophe. Katrina legte auch offen, wie unterdimensioniert die Schutzwalle für New Orleans waren (man bedenke, dass die Stadt zum Teil meterweit unter Meeresspiegel bzw. unter Spiegel des nahen Lake Pontchatrain liegt) und wie ineffektiv Teilprojekte ohne ein ausgefeiltes Gesamtsystem (wieder: es gab kein ganzheitliches Schutzwallsystem) sein können. Und Katrina war schließlich auch die Gelegenheit zu einem Diskurs über Rassen und soziale Klassen, nachdem New Orleans wie so viele amerikanische Städte massive Probleme mit Suburbanisierung hat, die während der Evakuation vor aller Welt zu Tage traten.

In jeder Katastrophe steckt die Möglichkeit, ohne tagtägliche politische Grabenkämpfe an einer besseren Zukunft zu arbeiten. Katrina bot in New Orleans auch neue Möglichkeiten. Die technischen und logistischen Herausforderungen, die der Wiederaufbau eines Dammsystems stellte (aber auch bot), habe ich erst im Rahmen meines Studiums abzuschätzen gelernt. Anbei ein anschauliches Video, wie das in New Orleans von Statten ging und noch immer geht:

Diverse andere Probleme bleiben. Die Stadt sinkt im Sumpf des Mississippi-Deltas weiter leicht ab und weil viele, Obdachlose, aber auch „normale“ Familien, nicht mehr nach New Orleans zurückkehrten, liegen weite Teile brach. Gleich mehrere Stadtviertel sind immer noch trostlos und verfallen.

Die Superbowl XLVII wird heute im symbolträchtigen Superdome ausgespielt, der für mehrere hundert Millionen Dollar saniert wurde, und sie wird allein an diesem Wochenende eine geschätzte halbe Milliarde Umsatz in der Stadt generieren.

MVP-Wahlen 2013

[08h17] Neben der Hall of Fame wurden heute Nacht auch die NFL-Awards 2012/13 bekannt gegeben:

  • NFL MVP: RB Adrian Peterson/Vikings. Dass ich es für Unsinn halte, einen Running Back zum MVP zu wählen, muss ich nicht mehr wiederholen. Aber der größte Eckpunkt einer 10-6 Mannschaft scheint wichtiger zu sein als noch viel eckigere Eckpunkte von 13-3 oder 12-4 Teams. Das Wildcard-Playoffspiel war Beweis genug.
  • Offensivspielers des Jahres: Peterson. Gab dieses Jahr eine Serie an möglichen Kandidaten, aber Peterson mit seinem fast-Rekord kann man an dieser Stelle verteidigen.
  • Defensivspieler des Jahres: DE J.J. Watt/Texans. Stand nie zur Diskussion.
  • Offensivrookie des Jahres: RG3. RG3 > Luck > Wilson: Den Sieger würde ich dieses Jahr unterschreiben.
  • Defensivrookie des Jahres: LB Luke Kuechly/Panthers.
  • Comeback des Jahres: QB Peyton Manning/Broncos. Der andere Kandidat wäre Peterson gewesen. Scheint so was wie ein Ausgleich für die MVP-Ungerechtigkeit zu sein.
  • Coach des Jahres: Bruce Arians/Colts. War klar, dass Arians den Pokal kriegen würde, aber ich stimme trotzdem nicht zu. Eine Mannschaft mit Grotten-Record mittelmäßig zu machen ist eine kleinere Errungenschaft als ein mittelmäßiges Team zu einem Killer zu machen. Insofern wären Jim Harbaugh oder Carroll bessere Wahlen gewesen.

Die unsrigen Wahlen gab es schon vor einem Monat.

Hall of Fame Class 2013

[07h15] Die Hall-of-Fame-Class im Football ist dieses Jahr sieben Mann stark und damit sieben Mann stärker als jene im Baseball. Kurz die Gewählten, denen dann im Sommer in Canton/OH eine Büste aufgestellt wird:

  • Bill Parcells, Headcoach. Parcells war so was wie ein Obermufti, der von Franchise zu Franchise zog, aus Trümmern eine akzeptable Mannschaft bastelte, aber dann stets vor Vertragsende keine Lust mehr hatte und den Brocken hinwarf. In den 80ern holte er mit den Giants zwei Superbowls, ging dann nach New England, schnitzte dort aus dem schlechtesten Team der Liga innerhalb von drei Jahren einen Superbowl-Teilnehmer, ging zu den Jets, formte aus dem schlechtesten Team der Liga innerhalb von zwei Jahren einen AFC-Finalisten, schmiss alles hin, ging zu den kränkelnden Cowboys, führte diese in die Playoffs zurück, hörte auf, ging als Sanierer und GM nach Miami, machte aus dem schlechtesten Team der Liga innerhalb eines Jahres den vermutlich einzigen Divisionssieger in der AFC East dieses Jahrzehnt, der nicht New England hieß. Parcells’ bekanntestes Statement („you are what your record indicates“) zeigt bedenklich viel Ignoranz für die vielen Zufälle in der NFL. Auf der anderen Seite ist sein Trainer-Baum riesig, u.a. mit dem Lieblingsschüler Belichick.
  • Larry Allen, Guard. Von Allen zu „stärkster Mann unter der Sonne“ war der Sprung nie der größte. Allen ist in gleich zwei Teams des Jahrzehnts (90er und 2000er Jahre).
  • Jonathan Ogden, Left Tackle. Galt als bester Offense Tackle seiner Zeit (1996 bei den Ravens gedraftet, 2000/01 Superbowl-Champ). Man fragte sich bei der Qualität der Quarterbacks in Baltimore bloß, wen beschützte der Mann eigentlich?
  • Cris Carter, Wide Receiver. Wie viele Jahre war die Rage in den Medien nun groß, dass Carter mal wieder am Cut gescheitert war? Zehn Jahre? Fünfzehn? Carter ist einer der drei oder vier Leute mit den moisten Catches in der Geschichte, und es wurde überfällig, ihn in die Hall of Fame zu wählen, da in wenigen Jahren eine Flut an Receivern und Tight Ends mit großartigen Stats anklopfen wird.
  • Warren Sapp, Großmaul. Sapp war knapp vor meiner Zeit ein dominanter Defensive Tackle bei den Buccs, und mehr: Er war neben Derrick Brooks das Gesicht der Buccs. Das klingt erstmal nach wenig, aber die Buccs galten in den zwei Jahrzehnten vor Sapp und Brooks als eines der schlechtesten Teams der US-Sporthistorie. 2002/03 gewannen sie den Superbowl. Danach verdingte sich Sapp zum Karriereausklang bei den Raiders und mutierte in den letzten Jahren bis zu seinem finanziellen Ruin zum Studio-Pundit.
  • Curley Culp, Defensive Tackle und Dave Robinson, Linebacker sind die beiden „Senior Inductees“. Spielten, als das Farbfernsehen zu laufen begann.

Am finalen Cut gescheitert sind u.a. WR Andre Reed (Bills), RB Jerome Bettis („The Bus“, Colts/Steelers), DE Michael Strahan („Die Zahnlücke“, Giants) und DE Charley Haley („ein Ring für jeden Finger“, 49ers/Cowboys). Auch der Wandervogel DB Aeneas Williams und WR Tim „mein Coach ist ein Arschloch“ Brown sind nicht dabei. Zwei namhafte Owner – beide mit Verbindungen zu den heutigen Superbowl-Teilnehmern – sind auch durchgefallen, und man vermutet, dass bei beiden die „Skandale“ eine große Rolle gespielt haben: Art Modell (Browns/Ravens, der wie oft diskutiert die Browns aus Cleveland abzog) posthum, und Eddie DeBartolo (49ers, war in einen Schmiergeldskandal verwickelt).

Am Morgen vor der langen Nacht

[07h00] Diese Saison ging an die Grenzen. Ich sah dank Gamepass so viele Spiele wie noch nie, aber die condensed-Option raubte mir auch den Thrill der Nacht, die Seele des Spiels. Es war notwendig. Ich hatte wenig Zeit. Job und Vereinsleben fraßen mich auf. Qualität und Tiefe der Artikel auf diesem Blog litten. Ganze Themenbereiche musste ich komplett undiskutiert lassen. Eine Flut an eMail-Anfragen ignorieren. Manchmal antwortete ich wenigstens vertröstend. Häufig nicht. Das tut mir leid. Aber wenn die Seite wächst, wächst die Arbeit. Wenn sie über den Kopf wächst, muss einer dran glauben. In diesem Fall das Blog. Am heutigen Superbowl-Sunday steht bis auf ein paar Stunden auf der Skipiste aber nix zwischen uns und der Superbowl. Siebzehneinhalb Stunden bis zum Kickoff, Baby.