Die Akademische Viertelstunde: Southeastern Conference (SEC) im Sommer 2013

In den nächsten Tagen ist ein erster Ausblick auf die College Football Saison 2013/14 geplant, in dem wir kurz den Status quo einiger Conferences begutachten. Dabei soll im ersten Teil die Stabilität jeder Liga angeschaut werden. Der zweite Teil stammt von korsakoff, der Feuer und Flamme ist, seit es Hoffnung auf die College-Rechte in Italien und Österreich gibt. Er wird in gebotener Kürze einen ersten schnellen sportlichen Blick auf die Saison geben. Beginnen wir mit der Königin, der SEC.

Die SEC ist momentan die unbestrittene Nummer 1 im College Football. Sie hat die letzten sieben Landesmeisterschaften gewonnen, sie hat die besten Zuschauerzahlen, sie erzielt die besten Preise bei Fernsehverhandlungen. Der Commissioner Mike Slive wird verehrt für das Produkt, das in den letzten zehn Jahren aufgebaut wurde. Unis wie Alabama, Louisiana State, Florida, Auburn, Texas A&M, ja auch noch Tennessee, sind in den TV-Ratings ganz weit vorn, und die Fankultur hebt sich mit ihrer regionalen Identifikation (S!E!C! = Wir sind der Süden!) von allen anderen ab.

Die SEC ist mit 14 Teams im Moment die größte neben der ACC (und ab 2014 hat auch die Big „Ten“ 14 Mannschaften). Die jüngsten Additionen waren im Sommer 2012 Texas A&M und Missouri. Missouri ist noch eine graue Maus, aber Texas A&M war ein Volltreffer: Es erschließt für die Conference den Markt Texas, es war sportlich sofort auf 180, und es hat mit einem bald 100000 Zuschauer fassenden Stadion die Voraussetzungen, dauerhaft oben dabei zu bleiben.

Die größten Universitäten der SEC sind mittlerweile dem Rest der College-Welt soweit enteilt, dass an eine Wachablösung in absehbarer Zeit nicht zu denken ist. Auch wenn die Titelserie einmal unterbrochen wird, wird die Conference noch zumindest fünf, sechs Jahre an der Spitze bleiben.

Sehen wir‘s sportlich – der korsakoff-Take

Dachterrasse: Alabama
Zweiter Stock: LSU, Florida, Georgia, Texas A&M, South Carolina
Erdgeschoss: Ole Miss, Tennessee, Mizzou, Vanderbilt, Arkansas, Mississippi State
Kellerkinder: Auburn, Kentucky

BCS-Titelkandidaten: sämtliche Teams in Dachterrasse und Zweitem Stock.

Die zuletzt extrem kopflastige SEC dürfte diesmal einen breiter aufgestellten „Zweiten Stock“ bekommen, weil Florida, Georgia und Texas A&M im Aufstieg begriffen sind. Es ist nicht mehr bloß Alabama, LSU und dann der ganze Rest. Alabama bleibt der Favorit, schlicht, weil sie den gefinkelsten Trainerstab haben und jeden Recruiting-Wettkampf gewinnen, aber das Verfolgerfeld ist gut genug, um den Giganten auch mal zu stürzen.

Das Erdgeschoss bilden alles Teams mit Potenzial, die aber diverse Bremsfaktoren überwinden müssen (Umbruch, suboptimale Ressourcenvoraussetzungen). Tennessee zum Beispiel ist ein schlafender Gigant, der nur darauf wartet, geweckt zu werden, hat aber erstmal einen neuen Coach. Arkansas auch, konnte aber im Winter den begehrtesten Head Coach der stolzen Big Ten Conference abwerben, als eine nur mittelmäßig attraktive SEC-Uni! Die beiden Unis aus Mississippi kriegen alle paar Jahre ein gescheites Team auf die Beine. Vanderbilt ist mit dem gewaltigen Head Coach James Franklin aktuell ein unglaublicher overachiever, aber Vandy wird Franklin nicht ewig halten können und dann wieder nach unten purzeln.

Den Bodensatz dürften vorerst zwei andere bilden: Auburn ist eines der renommiertesten Programme, muss aber dieses Jahr einen Totalschaden reparieren. Kentucky kann sich mit neuem Head Coach am langjährigen Bodensatzkollegen Vanderbilt ein Vorbild nehmen; dieses Jahr wird das freilich noch nix.

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German Football Writers Team Challenge: Spiel GM

Einige werden es schon bemerkt haben, für die anderen hiermit die Ankündigung: Seit Mittwoch läuft die German Football Writers Team Challange (GFWTC). Dabei draften zehn deutsche Football-Blogger über 24 Runden aktuelle NFL-Spieler, bis sie ein komplettes Team beisammen haben (12 Offense, 12 Defense, 2 Wild-Cards) nach dem Vorbild des amerikanischen Pendants von Matt Waldman.

Die Idee ist von den Jungs von Hard Count gekommen, das Spiel in den deutschen Sprachraum zu verschiffen, und zehn haben sich gemeldet. Gedraftet wird im so genannten Snake Draft Modus (erste Runde wird gelost, danach alle Runde in jeweils gestürzter Reihenfolge), und eligible sind alle aktuellen (nicht zurückgetretenen) NFL-Profis mit Ausnahme der Rookies von 2013.

Es wurde von Andy Goldschmidt (Football is Sex, Baby) eine eigene Homepage angelegt, auf der man u.a. den Draft-Tracker verfolgen kann: GFWTC.de. Die Teilnehmer sind:

  • Flo Zielbauer
  • Benni Köpfle
  • Roman John/maschemist
  • Andy Goldschmidt/Footballissexbaby
  • Christian Schimmel/Koblenzer
  • Daniel
  • Ron
  • Johny Bergmann

Und das Sideline Reporter Blog ist auch mit zwei Leuten vertreten:

  • Alexander Herrmann/Herrmann
  • meine Wenigkeit.

Die GFWTC bietet uns auch die Chance, ein paar Konzepte in Sachen American Football auffm Platz zu erklären: Spielsysteme, Team-Building. Ich habe meine Team-Philosophie schon im Hirn festgeschrieben, meine Positional-Rankings dieser entsprechend schon zusammengestellt und auch ein Big-Board gemacht, das ich am Ende der Team-Building Challange dann auch Dallas-Cowboys-like veröffentlichen werde. Ich gedenke auch, in regelmäßigen Abständen meine Draftpicks zu kommentieren.

Die Draft-Strategie ist auch schon festgeschrieben, da es keine „need“-Strategie gibt. Jeder kann Oakland-Raiders-like vom Reißbrett wegdraften, und bei zehn Mannschaften kriegen wir auch zehn All-Pro-kompatible Mannschaften auf die Beine.

Also: Dranbleiben.

Big Show 107: Der Fall Aaron Hernandez

Big Show 107 ist raus, und ein Segment befasst sich diesmal mit der NFL (Part 5), besser: Mit dem Fall Aaron Hernandez. Ich war gemeinsam mit Andreas Renner/SKY und Heiko Oldörp/freier Journalist (DPA, ARD) eingeladen, um ein paar Worte über den Fall, die Entlassung und die Auswirkungen auf die Patriots zu diskutieren: NFL-Segment zum Fall Hernandez.


Aufnahmezeitpunkt war Mittwochabend (MESZ); Hernandez war da schon verhaftet und entlassen. Seither ist gegen Hernandez offensichtlich bereits Mordanklage erhoben worden. Laut verlinktem Artikel in der USA Today geht die Staatsanwaltschaft von folgendem aus:

  • Das Opfer Odin Lloyd (Lebensgefährte der Schwester von Hernandez’ Freundin) war mit Hernandez am 14.6. in Boston in einem Nachtclub und sprach dort mit Hernandez nicht genehmen Leuten.
  • Hernandez holte Lloyd gemeinsam mit zwei aus Connecticut geholten Leuten am 17.6. nachts ab und fuhr zum Tatort (wohl eine Industriezone). Dort wurde das Auto von einer Überwachungskamera eingefangen.
  • Lloyd wurde physisch angegangen und anschließend erschossen. Vom wem ließ die Staatsanwaltschaft offen. Die Schüsse sollen zwischen 3h23 und 3h27 morgens gefallen sein. Am Tatort wurden Autospuren gefunden, die mit Hernandez’ geliehenem Wagen zusammenstimmen. Im Auto wurden Patronenhülsen gefunden, die zu den Kugeln passten.
  • Auf Hernandez’ hauseigenem Videoüberwachungssystem spaziert Hernandez kurze Zeit später mit einer Waffe in der Hand durchs Haus. Die Waffe wurde offenbar noch nicht gefunden. Zwei Stunden Videoaufzeichnungen sollen fehlen.

Die Polizei konnte einen beträchtlichen Teil der Autofahrt anhand von Hernandez’ Handysignalen nachvollziehen. Hernandez’ Haus wurde später von der Polizei mehrfach durchsucht. Sein Handy wurde in zerstörtem Zustand übergeben. Das Videoüberwachungssystem soll zerstört worden sein. Angeblich engagierte Hernandez Tage später eine Reinigungsfirma, um seine Villa zu putzen. Die Patriots schmissen Hernandez ohne zu zögern raus, und ohne erstmal auch die Konsequenzen (Vertragsstrafen) zu beachten.

Die Mordanklage ist nur Teil der gesamten Anklage (siehe ganz unten): Die anderen fünf Anklagepunkte zielen auf unerlaubten Waffenbesitz.

Der Fall ist aus Football-Fansicht auch deswegen spektakulär, weil er nicht irgendeinen Spieler betraf, sondern einen Superstar, einen der besten Spieler in der Liga, einer, der für einen gewissen Grad an Philosophiewandel in den Trainerstäben (Tight Ends, vielseitige Spieler) mitverantwortlich war.


Ich gebe zu, das Thema zu diskutieren war für mich kein Zuckerschlecken. Ich bin Footballfan. Für mich war Hernandez stets in erster Linie ein Footballspieler. Man wusste beiläufig, dass er immer mal wieder seinem Umfeld Kopfschmerzen bereitete. Interessant war dies meistens erst dann, wenn er mal wieder kurz vor der Suspendierung stand bzw. wenn man wieder Urban Meyer (Hernandez‘ College-Coach in Florida) für seine Nachsicht verteufelte. Dann wurde diese Komponente als Teil des Spiels diskutiert. Dann war es auch bei uns auf dem Schirm.

Charakterliche Probleme oder gar Kriminalität sind bei US-Sportlern keine Seltenheit. Es ist – wie wir diskutierten – auch auffallend häufiger als z.B. im europäischen Spitzensport.

Ich weiß nicht, ob und inwiefern dies damit zusammenhängt, dass das soziale Gefälle in den Vereinigten Staaten eklatanter ist als selbst im südlichsten Zipfel Italiens. Ich kenne das Land zu wenig. Ich merkte, dass mitten im Herzen der Staaten Zustände wie in einem Entwicklungsland herrschen. Sind Auswüchse wie bei Aaron Hernandez da nur logische Folge?

Oder ist das Problem auch über die sozialen Unterschiede hinaus sport-spezifisch: Kümmern sich Universitäten und Profimannschaften im Sportsystem der Staaten zu wenig um ihre Angestellten? Die NFL ist beispielsweise eine kalte Maschinerie, die das hire and fire-Prinzip widerspiegelt wie keine andere Liga weltweit. Wo selbst der Spitzenfußball wie die wärmste Familienzusammenführung daneben ausschaut. Im Fußball scheint es zumindest ansatzweise personelle Betreuung von Klein-auf zu geben.

Oder ist der Fall Hernandez (wahlweise auch: der Fall Belcher) bloß ein Zufall? 0,005% der Amerikaner greifen zu den ganz drastischen Methoden, und diesmal war – *vielleicht* – halt ein Footballprofi involviert?

Richtige Worte und richtigen Ton dafür zu finden: Schwierig (gelinde gesagt).

CFL 2013 steht vor der Tür

Heute Nacht beginnt wie jedes Jahr am Wochenende vor dem Canada Day (1. Juli) die Saison 2013 der Canadian Football League (CFL), dem kanadischen Gegenstück zur National Football League. Die CFL ist eine sympathische Liga, die bei mir einen schönen Platz im Herzen genießt: Football im Hochsommer, diese kanadische Mentalität, diese alten Stadien. Alles ist ein bissl ruhiger, Dorfverein-mäßiger, und im Gegensatz zur entrückten NFL kann man in der CFL noch sowas wie Authentizität anhand von ranzigem Fett in der Stadion-Würstlbude riechen.

Canadian-Football hat ein paar Regelunterschiede im Vergleich zur NFL, von denen ich die wichtigsten schon früher erklärte, daher heute nur die wichtigsten noch einmal zur Wiederholung:

  • 12 Spieler pro Team statt elf.
  • Drei Downs statt vier.
  • 150 Yards-Feld statt 120 (110yds + jeweils 20yds Endzone).
  • Torpfosten an der GoalLine.
  • Zusätzliche Score-Möglichkeit: Single/Rogue (1 Punkt): Kick/Puntreturner wird in der EndZone getackelt.
  • Zeitmanagement: Nur 1 Timeout und nur 20sek zwischen Spielzugende und Snap.

Die CFL wäre in den 90er Jahren mit wilden Expansionsplänen runter in die Vereinigten Staaten mal fast pleite gegangen, ist aber mittlerweile nach dem Rückzug nach Kanada mit acht Franchises wieder konsolidiert:

EASTERN DIVISION        WESTERN DIVISION
Toronto Argonauts       B.C. Lions
Montreal Alouettes      Saskatchewan Roughriders
Hamilton Tiger-Cats     Edmonton Eskimos
Winnipeg Blue Bombers   Calgary Stampeders

Im nächsten Jahr wird mit den Ottawa REDHAWKS REDBLACKS (kein Witz: Die Medien sind angehalten, den Teamnamen in Maiuskeln zu schreiben!) ein neuntes Team dazustoßen und um die älteste Trophäe im Footballsport, den Grey Cup, spielen. Dieser wird dieses Jahr zum 101ten Male ausgespielt. Spielort ist Regina, die Heimat der Saskatchewan Roughriders, dem CFL-Pendant zu Green Bay: Einzige Franchise, die dem Volk gehört.

Die Jubiläumsausgabe gewannen im vergangenen November ausgerechnet die Toronto Argonauts in ihrer Heimatstadt. Für einen wirklichen Boom sorgte der überraschende Triumph damals nicht: Die Argos spielen im heimischen Rogers Center zumeist vor leeren Rängen, und sie konnten auch vor dieser Saison kaum Dauerkarten loswerden. Dazu vielleicht nochmal in einem eigenen Beitrag ein paar Worte von einem Lokalaugenschein.

Die großen Storylines betreffen diesmal nicht die Spieler (außer, dass die 40jährige QB-Legende Anthony Calvillo noch ein Jahr in Montreal dranhängt), sondern Stadien und Coaches. Die kleinen Hamilton Tiger-Cats bestreiten diese Saison aufgrund eines Stadionneubaus „auswärts“ im 50km entfernten Guelph, und man befürchtet für die eh schon finanzschwache Franchise eine harzige Saison. Dagegen kann Winnipeg seine neue Arena pünktlich beziehen, und sie bekam gute Kritiken. Bleibt nur abzuwarten, was die heimischen Blue Bombers auf die Reihe kriegen, nachdem die Preseason-Vorstellungen unterirdisch waren.

Bei den Coaches gab den einen spektakulären Wechsel von Montreal-Alouettes-Headcoach Marc Trestman zu den Chicago Bears – ein Move, der auch südlich der kanadischen Grenze viele aus den Socken haute. Ersetzt wird Trestman durch Dan Hawkins. Das ist auch kein Unbekannter: Hawkins ist der Visionär und Vater des Aufstiegs der Boise State Broncos. Er ging vor sieben, acht Jahren allerdings den Weg zur renommierteren University of Colorado, wo er entsetzlich scheiterte und einen einzigen Scherbenhaufen hinterließ, dessen Folgen noch immer nachwirken. Jetzt also die CFL – und Hawkins wurde schon eher skeptisch aufgenommen.

Topfavoriten sind die B.C. Lions aus Vancouver, deren GM Wally Buono als ausgefuchstes Genie gilt und die in Travis Lulay den besten Quarterback ligaweit haben.

ESPN America wird dieses Jahr nix mehr von der CFL übertragen, auch nicht den letzten Monat bis zu seinem Ableben – zumindest gibt der Sendeplan nix diesbezüglich her. Dafür wird es lt. Auskunft des Kundendiensts von TSN wieder die kompletten Spiele on-demand auf der TSN.com-Homepage geben.

Hard Count Podcast #6: Es geht um Statistiken

Der Hard Count Podcast, Ausgabe #6 wurde heute morgen aufgenommen und hat folgende Themen:

  • Auslosung der Draft-Reihenfolge in der GFWTC (German Football Writer Team Challange). Mehr dazu auf unserem Blog am Samstag.
  • Ein klein wenig Hernandez: Der war am Morgen eurpäischer Zeit noch nicht in Haft. Mehr dazu übrigens morgen in der Big Show.
  • Der große Statistikteil: Diskussion mit Andy Goldschmidt von Footballissexbaby zu Zahlen, Statistiken, eigenartige Blognamen und Moneyball.
  • Over/Under für die NFC West.

Also: Bevor die Nachfragen nach dem Hernandez-Ding kommen, das kommt morgen im Big-Show-Podcast. Kein schönes Thema, und auch kein einfaches.

Vom Niedergang der Oakland Raiders

Der ehemalige Spieleragent Joel Corry hat in einem Online-Eintrag detailliert aufgezeichnet, wie die Oakland Raiders in den letzten zehn Jahren niedergewirtschaftet werden. Es passiert immer mal wieder, dass Teams aus diversen Gründen ein Tal durchlaufen, dass einige Jahre dauert, und die Gründe sind so vielfältig, dass man stundenlang darüber schreiben könnte: Verletzungen, schlechtes Vertragsmanagement, Rücktritte, knappe Niederlagen, schlechtes Scouting, Eintauschen von hohen Draftpicks für Mittdreißiger usw.

In Oakland wurde in den letzten Jahren unter Al Davis alles auf einmal falsch gemacht: Gute Coaches wurden aufgrund von Meinungsverschiedenheiten gefeuert, College-Spieler nur aufgrund einer Eigenschaft gedraftet (Schnelligkeit), Multimillionendeals an alte Kämpen ausgezahlt, und im Draft kam ein Bust nach dem anderen, bis hin zum Vorzeige-Bust QB Jamarcus Russell, dessen Einberufung 2007 heute schon synonym für alles schlechte Potenzial in einem Draftpick steht.

GM Reggie McKenzie saniert den Laden seit eineinhalb Jahren, und er ist mittlerweile schon soweit, dass dieses Jahr zwar ca. 40% der Salary Cap für einen Geist draufgehen („dead money“), aber heute in einem Jahr kann Oakland mit der besten Ausgangslage und fast 70 Millionen Dollar Platz unter der Gehaltsobergrenze auf den Transfermarkt gehen; ich bezweifle zwar, dass McKenzie (der aus Green Bay kommt) haufenweise Multimillionen-Einkäufe machen wird, aber zumindest kannst du dir mit solchem Freiraum deine eigenen besten Spieler halten und gezielt einige gute Einkäufe für dein System machen.

Und: Der Mannschaftskader ist in diesem Jahr mau genug besetzt, dass es nicht ganz auszuschließen ist, dass Oakland 2014 erneut unter den ersten Drei pickt; einige der höchst gehandelten Granaten der letzten Jahre im NFL-Draft werden dann im Draft sein. Da musst du als GM fast „hoffen“, dass dein Team nicht für einige wenige Wochen heißläuft, auf 6-10 hochschnellt und dann außerhalb der Top-5 pickt…

…wenn da nicht diese andere Geschichte passiert wäre: Mark Davis, Als Sohnemann und currently Raiders-Owner, feuerte vor kurzem den PR-Frontmann Zac Gilbert aufgrund einiger unliebsamer Zeilen in einer Sports Illustrated-Story. Warum das einen Absatz wert ist? Nun, Gilbert war vor zwei Jahren der von McKenzie höchstpersönlich auserkorene Frontmann der „neuen“ Raiders-Kommunikationsabteilung. Bin ich komplett neben den Schuhen, wenn ich in diese Entlassung die alte Raiders-Ungeduld hineininterpretiere und einen ersten Warnschuss in Richtung McKenzie sehe? Wie ernst meint es Davis mit seinen Durchhalteparolen von wegen „wir müssen durch diesen Rebuilding-Prozess durch, egal wie bitter es wird“?


Lesenswert auf alle Fälle, um nachzuvollziehen, wie man eine Franchise nach Bilderbuch in die Scheiße managen kann: Agent’s take: Examining what went wrong with the Oakland Raiders.

Der weise Lombardi

Letzte Woche hatte ich dem großartigen Vince posthum zum 100ten gratuliert, aber wie es ausschaut, ist Vince ein Schulbube verglichen mit der Klugheit eines anderen Lombardi – Michael Lombardi nämlich. Über die „Weisheiten“ von Michael Lombardi dürfen wir bei Joe Fortenbach in der National Football Post lesen, der beim Gedanken an das, was er unter Michael lernen durfte, fast abspritzt: The Magic Number is 50.

Mit solchen Zahlendrehereien kommst du durch keinen Anfängerkurs heil durch. Michael Lombardi war im letzten Jahrzehnt General Manager einer der schlimmsten Franchises der NFL, den Oakland Raiders. Die 2-14 Bilanzen dort kannst aufgrund der verkrusteten Strukturen noch irgendwie entschuldigen. Michael Lombardi ging ins TV, wo er zu einem von mir verhasstesten Pundit wurde. Ich hoffte aber, dass Teams wie Green Bay seinen Weisheiten zuhören würden. Not gonna happen. Michael Lombardi ist seit diesem Winter General Manager bei den Cleveland Browns.

Gratulation, Cleveland Browns.

(Ja, mir gehen Jungs wie Lombardi und Fortenbach auf den Sack, weil Leute wie sie mit ihren „Analysen“ und „Weisheiten“die Statistik bescheißen. Lombardi und Fortenbach finden zufällig irgendwo einen Fakt und verkaufen das Ding als nugget of information. Als ein Stück Information, das Football-Strategie erklären soll. Und der Durchschnittsamerikaner am TV glaubt den Scheiß. Ich sage, was Lombardis Erkenntnis offenlegt: Seine einzigartige Ignoranz. Unglaublich, dass man nach einer langen Lernzeit unter Belichick noch immer kein Jota begriffen hat. Lombardi hat zufällig eine Verbindung zwischen einer wirren Zahlenkombination und einer „Playoffgarantie“ gefunden, unhinterfragt übernommen und in die Welt hinausposaunt. 80% des US-Pundits sind Hohlköpfe, aber Lombardi ist einer der fünf schlimmsten. Oder wie es Chase Stuart so cool formulierte: Die Jungs, die Ende viertes Viertel abknien, gewinnen 98% der Spiele.)

US-Sport in Italien 2013: Murdoch kauft die offenen ESPNA-Rechte (Update)

Update, 18.6. 19h00: In der heutigen Gazzetta dello Sport (18.6.) sind die Formulierungen vom Autor Marco Iaria etwas andere, und sie lassen darauf schließen, dass der Kauf der ESPNA-Rechte noch nicht soweit durch ist, dass er offiziell gemacht werden kann. Damit unterscheidet sich die Formulierung von jener von Sonntag, die eindeutig darauf schließen ließ, dass der Deal fix ist. Iaria lässt auf seinem Twitter-Account aber weiterhin keinen Zweifel aufkommen, dass Murdoch in Kürze die ESPNA-Rechte halten wird. Siehe auch unten meinen Kommentar.


Ich habe erst gestern den Bericht in der Gazzetta dello Sport vom Sonntag, 16.6. in die Hand gedrückt bekommen, in dem berichtet wird (Seite 17), dass der australische Tycoon Rupert Murdoch für Italien die Fußballrechte für die spanische erste Liga, die französische Ligue 1, die englische Premier League sowie den FA Cup geholt hat, und – nun kommt’s – vor allem auch die noch offenen Rechte von ESPN America.

Wörtlich ist die Rede von „Baseball MLB, Hockey NHL, NASCAR, NCAA-Basketball und weitere“. Es sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch NFL und College-Football inkludiert. Die Rechte wurden allerdings nicht von SKY Italia gekauft, sondern von einem Sender FOX Sports, der im August on air gehen soll. Beide Sender gehören zur News Corporation von Murdoch.

Über die Gründe, warum ein neuer Brand eingeführt wird, wird noch spekuliert (Erweiterung der Erreichbarkeit?). Gestern kam auch noch eine Pressemitteilung der italienischen Nachrichtenagentur ANSA raus, nach der der neue Kanal (die neuen Kanäle?) FOX Sports wohl im Paket von Sky enthalten sein wird. Offiziell kommuniziert wird das spätestens Anfang Juli.

Mit ziemlicher Sicherheit wird es wohl zwei 24/7-Kanäle von FOX Sports geben müssen, wenn am Sonntagabend Fußball und NFL beide live ausgestrahlt werden sollen (19h und 22h-Spiele würden sich mit französischem und spanischem Fußball überschneiden). Auch hier bewegen wir uns noch auf spekulativem Gebiet.

Für die mittelfristige Zukunft ist abzuwarten, ob Murdoch wirklich zwei verschiedene Brands in SKY und FOX aufrecht erhalten will.

Die italienischsprachigen NFL-Rechte in Italien gehören Italia 2 (analog jenen von SPORT1+ in Deutschland), das zum Berlusconi-Reich gehört. Die englischsprachigen Rechte sowie College-Football scheinen mit dem Murdoch-Move auch gesichert. Was mit den Rechten an den Spitzenspielen in Pac-12 und Big 12 Conference (die in den Staaten FOX gehören), ist noch nicht klar – in genanntem Paket der ESPNA-Überbleibsel sind diese nicht enthalten. Kommuniziert wurde auch, dass „Nachrichtenmagazine und Talkshows“ gekauft wurden, wobei ich dem Wortlaut nicht genau entnehmen kann ob es sich dabei um Fußball, US-Sport oder beides handelt.

Alex Gibbs und die Denke eines Coaches

Mitte vergangener Woche bin ich mehr zufällig bei einer Youtube-Recherche auf ein Video gestoßen, in dem Alex Gibbs, der bekannteste Kopf hinter dem „Zonenblocking“, einer Schar von Nachwuchstrainern erklärt, wie das Dingens mit der Zone Block Offense funktionieren sollte.

Das alles ist lehrreich, aber es gibt in dem Video eine Aussage von Gibbs, die auf etwas Allgemeineres hindeutet und sinngemäß lautet: Wichtig sind die Reads der Running Backs. Manchmal lesen sie das Play falsch, aber es kommt ein Big Play bei raus. Das will ich nicht. Ich will, dass meine Backs die Plays und Reads richtig ausführen, so wie wir es trainiert haben.

Das ist ein fantastischer Kommentar, der die Denke von Coaches untermauert. Trainer glauben, dass die Erfolgswahrscheinlichkeit im Football am höchsten ist, wenn sie die Kreativität der Protagonisten auf dem Feld (ugs. Spieler) möglichst eindämmenu und ihnen klare Vorgaben geben. Die Spieler sollen allein ausführendes Organ sein – aber sie müssen korrekt ausführen.

Wenn mal „aus Versehen“ ein Big Play trotz falscher Exekution rausspringt – geschenkt (ich glaube nicht, dass der Coach nein sagen würde). Aber Coaches wollen um jeden Preis verhindern, dass Running Backs wie Shady McCoy oder Chris Johnson nur noch die highlightträchtigen Big Plays suchen. Denn diese sind schlecht für die Erfolgswahrscheinlichkeit. Trainer glauben, dass du beständig sein musst, richtige Ausführung Play für Play, dann kommen die langen Läufe ganz von allein.

Diese Interpretation spiegelt sich auch in der Welt der Statistiken wider: Heerscharen von Mathleten haben aufgezeigt, dass die konstanten 4yds-Läufe ein probateres Mittel sind als boom or bust. Die von Andy Goldschmidt diskutierte Success-Rate im Laufspiel (auch angeschnitten: hier) korreliert viel besser mit dem Erfolg des Passspiels und mit Sieg und Niederlage als andere Lauf-Statistiken – und genau da können wir auch draus folgern, was Coaches im Laufspiel zu optimieren versuchen: Success-Rate. Sie versuchen, einen Spielzug so zu designen, einen Spieler so zu lehren, dass sie nach diesem einen Down das Gefühl haben, jetzt sind wir besser dran als vorher. Die Big-Runs werden kommen, zwischendurch, sie sind eingeplant, aber der Zeitpunkt ist völlig zufällig und unkontrollierbar.

Alex Gibbs‘ Statement lässt sich meiner Meinung nach genau so intrepretieren wie eben beschrieben. Die Statistiken lassen genau die gleichen Schlüsse zu. Coaches und Advanced-Stats sind nicht so unterschiedlich, wie wir glauben. Coaches sind natürlich intuitiver, weil es am Spielfeldrand keine Computer gibt, aber das ändert am Kern nix: Die Coaches wissen ihre Ressource, das Down, und dessen Möglichkeiten und Potenziale, sehr gut einzuschätzen.

Vor dem Confed-Cup 2013

Das ganz große Highlight folgt mit der WM erst im nächsten Jahr, aber der Confederations-Cup ist schon ein erstes „Vorglühen“, eine Standortbestimmung zwölf Monate vor dem Spektakel. Ich mag den Confed-Cup, weil man zum ersten Mal die neuen WM-Stadien besichtigen kann, weil die Atmosphäre etwas entspannter, weniger aufgebauscht als bei der WM ist und trotzdem Turnierluft versprüht, und weil es Mannschaften gibt, die du danach nie wieder zu Gesicht bekommst. Tahiti, zum Beispiel. Ohne nachgeschaut zu haben, fühlt sich das an wie eine Ferieninsel in der Südsee, Trommelwirbel und Blumenkranz im polynesischen Haar… und Ozeanienmeister! Wir werden über Tahiti lernen und nachdem die Jungs punkt- und torlos in der Vorrunde nach Hause geflogen sind, ein neues Kapitel im Ordner Landeskunde abgelegt haben.

Die letzten Confed-Cups pflegten auch, spielerisch besser zu sein als der große Bruder WM. Die Teams spielten befreiter auf, ein Ausscheiden fiel schließlich nicht so schwer ins Gewicht. Vor allem die Brasilianer zündeten zuletzt ganz andere Feuerwerke als im jeweiligen Jahr darauf, als sie sich von Perreira und Dunga geknebelt in die Hosen schissen. Wie wird es diesmal sein, zuhause, mit dem beispiellosen Druck, in einem Jahr den WM-Pokal stemmen zu müssen?

Die Stimmung im brasilianischen Lager schien in den letzten Jahren ziemlich schlecht zu sein. Viele Trainerwechsel, ziellose Suche nach einem neuen Spielsystem, einer neuen Identität. Der Terminus des „Samba-Fußballs“, obwohl von Kommentatoren wie Bartels immer und immer wieder strapaziert, ist längst veraltet. Samba, das Kleinwichsen zwanzig Meter vorm Strafraum mit plötzlichem vertikalem Spiel aus dem Fußgelenk raus, praktizieren heute nur mehr Teams wie Bayern oder Barcelona. Von den Brasilianern kennt man es allein von den Uralt-Tapes aus den 60ern und 80ern.

Brasilien installierte Ende 2012 mit Luis Felipe Scolari zum was-weiß-ich-wievielten-Male in den letzten Jahren einen neuen Cheftrainer, und Scolari scheint noch nicht so recht zu wissen, wohin die Reise mit seinem Spielermaterial gehen wird. Altstars wie Kaka oder Ronaldinho, aber auch bekannte Namen wie Ramires oder Pato, stehen nicht im Aufgebot des Confed-Cups, dafür eine Liste an Spielern aus der heimischen Liga plus dem einen oder anderen Mann aus Europas Top-Ligen (Dani Alves, Dante, Luis Gustavo, Thiago Silva).

Der Superstar ist diesmal der neue Barca-Wunderknabe Neymar, 21-jährig, und mit so vielen Vorschusslorbeeren bedacht, dass er riskiert, daran zu zerbrechen. Viele Europäer, mich eingeschlossen, werden Neymar zum ersten Mal wirklich live spielen sehen.

Die Brasilianer müssen nicht zaubern, aber sie haben was gutzumachen: Ich habe ihnen diese abstruse WM 2010 noch nicht verziehen, als Dunga seine eigene Mannschaft in seinem Sicherheitswahn komplett knebelte, dass ihnen die Luft ausging. Als großer Innovator und Fußball-Philosoph gilt Scolari zwar auch nicht, aber seine Hauptaufgabe wird eh sein, aus diesem Spielerkern zumindest halbwegs sowas wie eine Mannschaft zu formen, auf der sich in den nächsten 12 Monaten ein Anwärter auf den WM-Pokal formen lässt. Vielleicht kriegen wir in den nächsten zwei Wochen Erstansätze zu sehen.

Die Lage im Land

Es ist kein Geheimnis, dass viele Stadionbauten hinter dem Zeitplan zurückhängen. Zwei wichtige Spielstätten für den Confed-Cup, das WM-Stadion in der Hauptstadt Brasilia und das Maracana von Rio, wurden erst im letzten Monat fertig gestellt, und vor kurzem sorgte ein zeitweiliges Verbot für Spiele im Maracana (BRA-ENG) für helle Aufregung. Die Blamage wurde abgewehrt; das Spiel konnte stattfinden, aber die Episode fügt sich in ein Gesamtbild, das glücklicher sein könnte.

Maracana von innen

Maracana von innen

Immerhin: Im neuen Look macht das Maracana ziemlichen Eindruck als ein schönes Fußballstadion. Die alte Rundung mit dem zwei Kilometer entfernten Spielfeld ließ einen Außenstehenden ja oft fragen, was an dieser Stätte so kultig sein soll. Maracana 2014 – ein würdiger Tempel für die Spiele, fast 80.000 gehen rein.

Ein großes Problem – und das in dem Fußball-Kernland schlechthin! – sind die „weißen Elefanten“ in Brasilia und Manaus – Stadien, die nach der WM 2014 keinen Weiterverwendungszweck haben. Positiv immerhin: Der Kartenvorverkauf für den Confed-Cup soll glänzend verlaufen sein, die Begeisterung ist da, es wird ein Zuschauerrekord für Confed-Cups erwartet. [Qu: Economist].

Am letzten Wochenende habe ich mich zudem ein bissl dem Thema „Schwellenland Brasilien“ gewidmet und dem Impact, den die kommenden Großereignisse wie WM und Olympia 2016 in Rio haben. Grundstimmung, die durch die Dokus transportiert wurde: Ja, es bewegt sich was, und wenn der Staat die rechtsfreien Zonen in den Slums unter Kontrolle kriegt, sind sofortige Besserungen spürbar, aber es geht die Angst um, dass es nach dem Ende von Olympia, wenn sich die Welt wieder anderen Dingen widmet und wegschaut, Rückfälle in alte Zeiten gibt.

Immerhin aber wurde begonnen. In Rio blühen erste Favelas auf und bringen die Kreativität von Einwohnern und Städteplanern an die Oberfläche. Aber es gibt noch viele hunderttausend Menschen, die in Dutzenden weiterhin von der Drogenmafia kontrollierten Gebieten in unwürdigen Bedingungen hausen. In Sao Paolo wird fieberhaft an der Umsetzung eines neuen Verkehrskonzepts gearbeitet, um diesen Moloch vor dem Infarkt zu retten. Ansonsten das typische Phänomen in Schwellenländern: Die Leute strömen in die Städte in der Hoffnung auf besseres Leben, aber diese hoffnungslos überlaufenen Orte haben noch mit Basisproblemen wie Infrastrukturplanung und Kriminalitätsbekämpfung zu beißen (und da beißt sich dann die Katze in den Schwanz).

Das Gute ist, dass Staat, Regionen und Städte durch die Großereignisse gezwungen sind, Hand anzulegen. Und wenn im Jahre, sagen wir, 2016, sieben, acht Jahre fieberhaft an sozialen Verbesserungen gearbeitet worden sein wird (manchmal auch mit brachialer Gewalt), ist es fast „unvermeidlich“, dass langfristige Verbesserungen herauskommen.

Spielorte und Gruppen

Gespielt wird beim Confed-Cup in sechs Städten: Rio, Brasilia, Fortaleza, Belo Horizonte, Recife und Salvador. Nicht gespielt wird zum Beispiel in Sao Paolo, wo gerade erst nach langem Hickhack mit dem Bau einer neuen Arena (Corinthians-Stadion) begonnen wurde und keiner Garantien abgeben möchte, dass hier nächstes Jahr WM gespielt wird.

Die beiden Gruppen sind so verteilt:

GRUPPE A       GRUPPE B
-----------------------
Brasilien      Spanien
Japan          Uruguay
Mexiko         Tahiti
Italien        Nigeria

Eröffnungsspiel ist morgen Brasilien-Japan. Das Halbfinale wird über Kreuz gespielt, das Endspiel findet am 30.6. in Rio statt.

Tahiti

Zum Schluss noch zum kuriosesten Teilnehmer, dem Ozenienmeister Neuseeland Tahiti. Es ist sinnlos, über Spieler oder Trainer zu schreiben: Kein Name jemals gehört. Die meisten Spieler sind vereinslos oder spielen in Amateurvereinen, arbeiten untertags als Regaljungs oder Touristenführer. Als Aufwandsentschädigung für die Confed-Cup-Teilnahme gibt es Mindestlohn für die drei Wochen. In der Vorbereitung wurde u.a. 0:7 gegen die U20-Auswahl von Chile (!) verloren. Mittlerweile weiß ich, dass Tahiti zu Französisch-Polynesien gehört, und dort Teil der Inseln über dem Winde ist. Die Inseln über dem Winde waren in der Vergangenheit immer wieder im Brennpunkt von Auseinandersetzungen, wenn es um Atomtests des französischen Staates ging. Tahiti ist ähnlich wie das „nahe“ Bora-Bora ein hochpreisiges Touristenzentrum und bekannt für Perlenhandel. Sämtliche weiße Sandstrände sind nur gefaked; der natürliche Strand in der Südsee ist schwarz. Kältester Montat ist der August mit frösteligen 28.2°C oberer Durchschnittstemperatur.

Womit wir bestens gerüstet ins Turnier gingen. Ich weiß, wem ich die Daumen drücken werde.

Der Meistercoach: Vince Lombardi

Vince Lombardi Trophy, Super Bowl

Vince Lombardi Trophy – ©Wikipedia

Jeder Footballfan kennt die Vince Lombardi Trophy, jene 55 Zentimeter hohe Silbertrophäe, die jedes Jahr im größten, spektakulärsten Wettbewerb des American Football, der Super Bowl, dem Sieger (NFL-Slang: World Champion) überreicht wird. Die Trophäe ist, wer hätte es geahnt, nach Vince Lombardi benannt, dem ehemaligen Trainer der Green Bay Packers, die die ersten beiden Ausgaben der Super Bowl, die damals noch nicht Super Bowl hieß und vor gelichteten Rängen ausgespielt wurde, gewann.

Vince Lombardi war nicht die längste Zeit NFL-Coach. Seine Legende schrieb er in nur neun Jahren in Green Bay, wo er eine am Boden liegende Mannschaft über Nacht zum alljährlichen Titelanwärter transformierte und fünf Meisterschaften gewann. Lombardi, der eine Franchise übernommen hatte, die kurz vor dem finanziellen Ruin gestanden hatte, schaffte das Kunststück, nicht eine einzige losing season einzufahren. Etliche seiner Spieler wanderten in die Hall of Fame. In der Post Season war er zwischendurch neun Spiele lang unbesiegt – ein Rekord, der hielt, bis ihn Belichick und die Patriots vor wenigen Jahren um ein Spiel überboten.

Dabei hatte Vince Lombardi viele Jahre lang Angst gehabt, niemals für einen Cheftrainerjob infrage zu kommen, und es brauchte zusätzlich zu seinen Glanzleistungen als Assistent bei den Giants (zwei Titel, bahnbrechende Neuerungen in den Blockschemen) noch etliche Bewerbungs- und Empfehlungsschreiben von Weggefährten, um ihn schließlich 1959 in die Beletage nach Green Bay zu bringen. Denn Lombardis Familie, man glaubt es bei diesem Namen ja kaum, war italienischer Abstammung, und damit von Anfang an sozialer Außenseiter. Dass die Großeltern und Eltern erfolgreiche mittelständische Unternehmer waren, schürte nur noch mehr Misstrauen gegen diese Sonderlinge.

Lombardi musste beißen, ackern, um sich Respekt und Anerkennung zu verschaffen. Er war ein Workaholic, Football-verrückt, dass seine Familie darunter litt. Lombardi war ein Choleriker zu einem Grad, dass seine Frau und seine Kinder noch Jahre nach seinem Tod öffentlich mit einem Mix aus Bewunderung und Abschaum über die Schreiduelle zwischen Vince und Frau Marie sprachen. Er war sicher kein einfacher Mensch im privaten Umgang, aber getrieben von einem unheimlichen inneren Willen. Selbst Schicksalsschläge wie ein Frühtod beim Erstgeborenen und eine danach immer wieder in den Suff abfallende Ehefrau konnten Lombardi nicht stoppen. Immer wieder abgeschmetterte Bewerbungen auf den Head Coach-Posten? 20 Jahre lang wiederkehrend, aber er ließ sich nie entmutigen.

Auf dem Trainingsplatz verlangte Lombardi totale Hingabe. Wer nicht spurte, war unten durch. Fehler seiner Spieler nahm Lombardi persönlich. Lombardi wusste, wie man ein Team eint, klare Führungsstrukturen aufbaut – so gut, dass sich noch später seine Kinder damit in Seminaren als Gastredner verdingen konnten. Der Erfolg interessierte ihn, aber er achtete auch den Menschen dahinter. Bei einem seiner Spieler erkannte Lombardi, was Eltern, Lehrern und Doktoren entgangen war: Taubheit. Dank Lombardis Eingreifen konnte der Junge später ein beschwerdefreies Leben führen.

Vince Lombardi - Archivbild

Vince Lombardi – Archivbild

Lombardi war, vielleicht gebrandmarkt durch die am eigenen Leibe erfahrene Ausgrenzung, ein Fan von Außenseitern. Lombardi war einer der Pioniere in der Integration von schwarzen Spielern (offizielle Sprache: „es gibt nicht Schwarze und Weiße, sondern nur Packers-Grüne“). Seine Mannschaften bezogen ausschließlich Gasthäuser, die alle seine Spieler gleich behandelten. Er hasste die Rassentrennungsgesetze der Jim Crow („Jim, die Krähe“) und machte daraus auch öffentlich keinen Hehl. Er drohte jenen, die Mischehen zwischen Schwarzen und Weißen kritisch sahen. Er golfte in weißen Clubs mit indianischen Caddys. Und Lombardi war einer der ersten Coaches, ja Führungsfiguren, Amerikas, der Schwule nicht bloß akzeptierte, sondern förderte. In den frühen 60ern! Er lud als schwul bekannte Prospects ins Trainingslager und hoffte insgeheim, dass die Jungs sich den Roster-Platz verdienen würden.

Lombardi ging nach Ende seiner Packers-Zeit nach Washington, krempelte dort so ziemlich alle bestehenden Strukturen um und legte den Grundstein für die kommenden erfolgreichen Jahre der Redskins, die Anfang der 70er zweimal die Super Bowl erreichten. Das erlebte Lombardi aber nicht mehr mit, denn nach dem ersten Jahr bei den Redskins wurde ihm Krebs diagnostiziert, gegen den selbst die Kämpfernatur Vince Lombardi keine Chance hatte. Am 3. September 1970 verstarb Vince Lombardi verfolgt von großem öffentlichem Interesse nach nur dreimonatigem Kampf.

Heute wäre sein 100ter Geburtstag gewesen.

The Countdown, T-minus 95: California Golden Bears

Paul Myerberg ist in seinem College Football Countdown bei der #95 angelangt, und es sind die California Golden Bears aus der Pac-12 Conference. Dieses Ranking mag niedrig erscheinen für eines der traditionsreichsten Sportprogramme von einer der besten staatlichen Universitäten des Landes, aber es gibt gute Gründe dafür: Cal ist in massivem Umbruch.

Im letzten Herbst soff die Mannschaft, von der man eigentlich einiges erwartet hatte, gnadenlos ab und kassierte eine 3-9 Bilanz. Der alte Coach wurde abgesägt und mit Sonny Dykes von Louisiana Tech wurde einer der am heißesten gehandelten Leute auf dem Trainermarkt geholt.

Dykes steht voll in der Tradition der „Air Raid“-Offense und gehörte im letzten Jahrzehnt zu den innovativsten Trainerköpfen im Footballgeschäft. Seine Philosophie besteht aus Spread-Offense und extrem guter Balance zwischen Lauf- und Passspiel. Dykes ist der beste Freund eines Quarterbacks, aber es gibt für den kommenden Herbst einen Knackpunkt: Die Installation der Offense brauchte bei Dykes in den letzten Jahren meistens mehr als eine Spielzeit, weswegen man in diesem Jahr viele growing pains befürchtet.

Das Spielermaterial ist allerdings relativ unerfahren: In der Offense kehren nur vier Starter zurück, darunter zwei Offense Liner und fast keine Skill-Player. Dykes pflegt, großgewachsene, massive Blocker ins System zu bauen; das Material dafür ist im Kader, aber es sind fast nur Jungs im ersten und zweiten Jahr.

Der Quarterback könnte mit Jared Goff ein kompletter Grünschnabel frisch aus der Highschool werden, bei den Running Backs gibt es nur den Weltklassesprinter Brendan Bigelow, den wir letztes Jahr einmal live bei ESPN America bewundern durften:

4 Carries, 160yds, Baby. Und dieser grandiose erste Touchdown. Hinter Bigelow wird es leider bedenklich dünn im Depth-Chart und es sind ausschließlich Freshmen oder Verletzungsfragezeichen, und keine Power-Backs, die in der Dykes-schen Version der Air Raid-Offense eine so zentrale Rolle spielen.

Alle sind sich sicher, dass Dykes es schaffen wird, spätestens in zwei Jahren eine ausgefeilte Offense zu orchestrieren; die Frage ist nur, was schon in diesem Herbst drin ist, mit so vielen unerfahrenen Spielern und einem neuen Spielsystem. Man mische eine Umstellung in der Defense von 3-4 auf 4-3 mit rein und sehe zu, wie die Mannschaft in einer 4-8 Saison den Kinderschuhen entwächst.

Hard Count Podcast, Ausgabe 3: Glücksspielfantastien

Flo Zielbauer und Benni Köpfle haben die dritte Ausgabe des Hardcount-Podcasts herausgegeben: HCP #3 – Jede Menge Glücksspiel. Themen sind in dieser Ausgabe unter anderem Gronkowski, das versehentlich öffentlich gewordene Draft-Board der Dallas Cowboys, Steve Smiths Rücktritt und die London-Träumereien der NFL. Kern-Thema ist diesmal Fantasy Football, jenes Thema, auf das auch ich immer wieder via eMail angesprochen werde und abweisend antworte.

Ein wichtiger Punkt, den Flo dabei anspricht, ist die Haltung der NFL zum Thema Glücksspiel, die bei Fantasy-Football und Sportwetten zwei Aggregatzustände kennt. Eine zweite wesentliche Meinung: „Du guckst nicht mehr Miami Dolphins, sondern du guckst Mike Wallace“ und Highlights werden wichtiger als das Spiel. Ich bin zwar überzeugt, dass die Hardcore-Fanszene, die sich für Football und Taktiken interessiert, mit Social Media und Web 2.0 eher wächst als schrumpft, aber der andere Punkt ist einer, den ich voll unterschreiben würde: Fantasy-Football verblendet den Blick aufs Wesentliche: Das Spiel. Spieler X wird daran gemessen, was er für das eigene Fantasy-Football Team leistet oder nicht leistet. Spieler X schafft sensationelle 52% Erfolgsquote? Aber er bringt nur 5 Fantasy-Punkte! Also ist er ein Idiot!

Genau zu diesem Thema hat einst Chuck Klostermann, einer der fünf besten Sportschreiber auf diesem Planeten und Fantasy-Spieler der ersten Stunde, einen herausragenden Blogeintrag bei Grantland geschrieben: The Chris Johnson Problem – Fantasy Football is destroying our perceptions of NFL athletes. Dieser Artikel ist genauso lesepflichtig, wie man sich die Hardcount-Diskussion zum Fantasy-Football anhören sollte.

Gesackt: Deacon Jones

Es gibt Pro Bowler, All-Pros und Hall of Famer, und es gibt Allzeitlegenden. Deacon Jones, Defensive End in den 60er und frühen 70er Jahren, war alles, und vor allem letzteres. Deacon Jones hieß eigentlich „David D. Jones“, aber damit tauchst du in der Masse der siebzigtausend David Jones unter. Also gab sich der gottesfürchtige David den Übernamen „Deacon“ (zu dt. Diakon), unter dem er nicht nur landesweiten Ruhm in den Vereinigten Staaten erlangte, sondern auch als eine der prägenden Gestalten in die NFL-Annalen einging.

Deacon Jones, Tradename „Secretary of Defense“, galt in den 60er Jahren bei den Los Angeles Rams als herausragender Passrusher, als erster Spieler der Neuzeit, der die gegnerischen Offensive Liner gleichermaßen überpowern wie überlaufen konnte. Die 4-3 Defense war erst wenige Jahre zuvor erfunden worden, und Jones gab ihr als erster ein Gesicht als Prototyp für kommende Generationen. Jones galt als fanatischer Passrusher, getrieben davon, Quarterbacks in den Boden zu rammen, zu sacken, und doch gibt es den langen Listen der Ligarekorde keinerlei Hinweis auf Deacon Jones.

Der Grund ist ebenso einfach wie erstaunlich: Zu jener Zeit gab es keine Sacks, oder zumindest wurden sie nicht als solche statistisch erfasst. Deacon Jones gilt heute als der Mann, dem man die Erfindung des Terminus „Sack“ („sacking the quarterbacks“) zuschreibt, eine Statistik, die erst über ein Jahrzehnt nach seinem Karriereende, 1982, offiziell von der NFL eingeführt wurde. Man geht heute davon aus, dass Jones in seiner Karriere inoffiziell zwischen 170 und 190 Sacks einfuhr, was für seine nur 14 Profijahre (bei nur jeweils 14 Saisonspielen) eine alles überstrahlende Zahl ist (der offizielle Rekordler Bruce Smith fuhr in 16 Jahren in einer viel passfreundlicheren Ära exakt 200 ein).

Deacon Jones war Teil, nein‚ Hauptbestandteil, der berühmtesten Defensive Line der NFL: Die „Fearsome Foursome“, die vier Gefürchteten, die in den 60er Jahren bei den Los Angeles Rams die Offensive Lines aufmischten. Titel gewannen sie keine, aber wenn du Charakterköpfe und sportliche Höchstleistung mischst, und einen völlig neuen, markanten Spielstil („head slap“) entwickelst, wirst du trotzdem zur Legende, zumal Jones und Konsorten nicht weit entfernt von Hollywood aufspielten und immer mal wieder einen Abstecher in die Filmstudios wagten.

Jones war aber nicht bloß Footballer, Filmstar und Ikone: Bevor er durch seinen brachialen Stil zum Superstar wurde, hatte er in seiner Jugendzeit als schwarzer Südstaatler mit etlichen Ressentiments zu kämpfen gehabt. Weil er sich als Kämpfer für die Menschenrechte Schwarzer betätigte, flog Jones von der Uni von South Carolina State. Er hatte das Glück, das viele nicht hatten und wurde von einem ebenso geschassten Assistenzcoach mit nach Mississippi genommen, ans Mississippi Vocational College, ein College, das heute Mississippi Valley State heißt und erstaunlicherweise in den 80ern mit Jerry Rice einen weiteren epochalen NFL-Star herausbrachte.

Jones musste mit seinen schwarzen Mannschaftskollegen auf Auswärtsfahrten in extra angemieteten Turnhallen schlafen, da die Motels im Bible-Belt keine Schwarzen akzeptierten. Das prägte Jones. Im NFL-Draft fiel der Schwarze durch in die 14te Runde, aber ein Vorurteil ist kein endgültiges Urteil, und der Rest ist Geschichte.

Am Montag verstarb Deacon Jones 74jährig. Der Tod war ein natürlicher. Sein Geist lebt heute weiter, in unzähligen Defensive Ends, die ihr Leben der Jagd nach Quarterbacks und einer möglichst hohen Anzahl an Sacks verschrieben haben.

Tschö: Michael Owen

Das Ende der Fußballsaison ist jedes Jahr auch das Ende einiger Spielerkarrieren. Einer, der diesmal nach Saisonende in der englischen Premier League zurücktrat, war Stoke Citys Stürmer Michael Owen. Nun ist allein die Kombination aus „Stoke City“ und „Michael Owen“ für mich immer noch so fremd wie Beckham und PSG, aber dass Michael Owen in den letzten Jahren seiner Karriere sportlich etwas abgewirtschaftet hat, ist ja nix Neues.

Owen war einer der ersten Spieler, die ich von klein auf verfolgen konnte, da sein aufgehender Stern ziemlich gut mit dem Beginn meiner Zeit als fanatischer Sportkonsument zusammentraf. Und Owen war einer der Jungs, deren Stern schon am Verglühen war, wo andere Spielerkarrieren überhaupt erst ins Rollen kommen (mit Mitte 20). Owens Karrierelinie verläuft in etwa so wie aktuell jene von Wayne Rooney, auch wenn die beiden abseits davon aber mal gar nix miteinander gemein haben.

Michael Owen war bei der Fußball-WM 1998 das ganz große Ding, als 18jähriger Wunderknabe zum ersten Mal auf der großen Bühne, und wie: Das Achtelfinalspiel gegen Argentinien war eines der Spiele, die man nicht vergisst, und die in keiner Aufzählung der Karrierehighlights fehlen dürfen. Owen erwies sich nicht bloß als abgewichster Fallkünstler, als er in der zehnten Spielminute mit einer filmreifen Flugshow den Ausgleich durch einen Shearer-Elfer vorbereitete, sondern erzielte wenige Minuten später einen der herausragenden Treffer des WM-Geschichte:

Das war Owen zu jener Zeit: Erfrischend dynamisch, unbekümmert, kaum zu bändigen. England verlor jenes Achtelfinale gegen Argentinien, weil die Gauchos Owens Wundertor durch einen sehenswerten und gar nicht so einfach auszuführenden Freistoßtrick egalisierten und anschließend im Elfmeterschießen gewannen (einer der wenigen Engländer, die staubtrocken verwandelten: Michael Owen), aber es gab am Turnierende keinen Zweifel, wer zu den großen Stars gezählt hatte: Owen himself.

Im Dress des FC Liverpool war Michael Owen Europas Fußballer des Jahres (2001), nachdem Liverpool in einem weiteren epischen Match den UEFA-Pokal gegen Alaves gewonnen hatte. Aber schon mit 22, 23 Jahren ging es abwärts. 2002 bei der Fernost-WM war er einer der wenigen hellen Punkte in einer eigenartig sterilen englischen Mannschaft, aber es war ein mattes „Hell“: Der Owen der früheren Tage war das nicht mehr.

Owen ging in der Folge nach Madrid, und Liverpool gewann ausgerechnet im ersten Jahr nach seinem Abgang zum fünften Mal die Champions League. In Madrid wurde Owen nie glücklich, und spätestens nach dem Kreuzbandriss bei der WM 2006 gegen Schweden verloren sich unsere Wege. Es ging sogar so tief runter, dass Owen zum role player in Manchester degenerierte, beim großen Erzrivalen des FC Liverpool.

Owen fand vor wenigen Wochen unweit seines heimischen Landguts eine Ente mit zerrupftem Flügel. Er nahm sie mit zu sich nach Hause und pflegte das arme Ding gesund. Entließ sie in die Wildnis zurück. Fuhr ins Trainingslager. Zur Rückkehr empfingen ihn keine Trompeten und Fanfaren, sondern quakendes junges Geflügel: Die Ente hatte ihren Nachwuchs auf Michaels Hof ausgebrütet. Eine schöne Geschichte zum Ausklang einer merkwürdigen Karriere für einen fast vergessenen englischen Hoffnungsträger, der die geschürten Erwartungen letztlich nie ganz erfüllen konnte. Eine Ikone der 2000er war Michael Owen dennoch.