Atlanta Falcons in der Sezierstunde

Die Atlanta Falcons 2010 holten 13-3 Siege in der Regular Season, jene von 2011 holten 10-6 Siege. Beide Saisons endeten ähnlich: Mit einem Debakel in den Playoffs. Trotzdem gibt es aus Georgia einen Fortschritt zu vermelden. Schauen wir uns eine größere und damit aussagenkräftigere Datenmenge an: Die Spielzüge.

Offense                2010       2011
Yards per Play          5.0        5.6
Netto-Yards pro Pass    5.9        6.8
Yards pro Lauf          3.8        4.0
INT-Rate                1.6%       2.2%
Defense                2010       2011
Yards per Play          5.6        5.5
Netto-Yards pro Pass    6.1        6.4
Yards pro Lauf          4.6        4.2
INT-Rate                3.9%       3.4%

Die jeweils ersten drei Stats korrellieren historisch gesehen mit den jeweiligen Vorsaisonen. Die Turnover-Statistik jedoch hat historisch gesehen vor allem auf Seiten der Defense eine Korrelation von fast null, tendiert also dazu, sich „zufällig“ zu verhalten. Wir sehen: Bis auf die Pass-Defense haben sich die Falcons in allen Kategorien gegenüber 2010/11 verbessert. Zwei schnell aussm Ärmel geschüttelte Hauptgründe für die trotzdem schwächere Saisonbilanz:

  • Turnovers: Die erstaunliche INT-Rate von 1.6 pro 100 Pässen (Ligadurchschnitt ist 3.0%) konnte natürlich nicht aufrecht erhalten werden. Resultat: Statt 9 INTs waren es heuer 13. In der Defense war man heuer deutlich näher am Ligaschnitt dran. Resultat: Nur noch 19 anstelle von 22 INTs. Macht in Summe eine Differenz von sieben Turnovers – ein massiver Wert in einer Kategorie, die historisch stark zu schwanken tendiert.
  • Knappe Spiele: 2010 holte Atlanta teilweise bizarrste Siege (z.B. INT-Return der 49ers, die knapp abgewürgten Comebacks von Ravens und Buccs, das verschossene FG der Saints) und war 7-2 in Spielen mit einem Score Differenz. 2011 hatte man das Glück seltener auf seiner Seite, gewann nur mehr 5 von 8 knappen Spielen und sah sich beispielweise beim 4th down in der Overtime gegen New Orleans schwer im Pech.

Alles klar?

Das bedeutet freilich nicht, dass sich die Falcons nach dem erneuten Scheitern damit entschuldigen dürfen: Die eigenartig sterile Mannschaft löst nirgendwo Entzücken aus und braucht Impulse.

Eine Baustelle seit Jahren ist die Offensive Line, die keine Dominanz durchgedrückt bekommt. Die Tackles gelten als bestenfalls mittelmäßig, aber mit welchen Mitteln sollen sie ersetzt werden? Dahinter eröffnet sich ein weiterer Brennpunkt in RB Michael Turner, dessen unexplosive Spielweise immer weniger zur eingeschlagenen Richtung der Falcons-Offense passt. Ein quicker Back sollte dieser Mannschaft besser zu Gesicht stehen, um wenigstens verschiedenen Rhythmen einschalten zu können.

Abseits davon sind mit dem exzellenten jungen QB Matt Ryan und dem Ballfängertrio White/Jones/Gonzalez (sofern Gonzalez seinen Level halten kann) einige Bausteine da, wobei der Receiving-Corp nicht wie ein fertiges Paket aussieht. Deswegen schaut der immer noch schwer zu begreifende Jones-Deal im Draft 2011 immer noch eher schlecht aus, auch wenn sich Jones immer besser in den Angriff integriert zu haben scheint.

Um noch etwas Positives über den Angriff zu verzapfen: Der OffCoord Mike Mularkey verabschiedete sich nach Jacksonville. Mularkey hatte bei mir nach seiner Zeit in Pittsburgh einen exzellenten Ruf genossen; die immer steifer gewordenen Vorstellungen der Falcons in den letzten Monaten haben bei mir die Erkenntnis reifen lassen, dass Frischwind für die Falcon-Offense die übelste Sache der Welt nicht sein kann, selbst wenn der Neue – Dirk Koetter – eine Unbekannte darstellt.

Solide Grundlage, aber keinen Wow-Effekt gibt es aus der Defense zu vermelden. Mit DE John Abraham und dem situativ eingesetzten Kroy Biermann riskiert man, die beiden besten Pass Rusher zu verlieren. Abraham ist mit bald Mitte 30 nicht mehr der jüngste und war in der jüngeren Vergangenheit häufig entweder verletzt oder nicht mehr durchhaltevermögend genug. Dem DE Ray Edwards sagte man ein eher ernüchterndes erstes Jahr bei den Falcons nach und auch der ehemals hoch gedraftete DT Peria Jerry verliert so langsam seine Unterstützer.

Hinter der Defensive Line, die man insgesamt als nicht physisch genug betrachten könnte, sind mit den jungen Sean Witherspoon und Stephen Nicholas zwei aufstrebende Talente da. Sollte allerdings MLB Lofton abwandern, reißt sich eine Lücke auf, die nur noch vom drohenden Abgang des besten Cornerbacks Brent Grimes in den Schatten gestellt würde. Und selbst wenn Grimes bleibt, gibt es nur wenig aufregende Safetys und den zu unverlässigen CB Dunta Robinson.

Auch hier ein neuer Coordinator – und diesmal kein Unbekannter: Der stets elegant gekleidete Mike Nolan, ein verbrannter Name als Cheftrainer, aber mit sehr, sehr vorzeigbarer Vergangenheit als DefCoord. Nolan passt wie Arsch auf Eimer auf Atlantas Defensive: Wenig Spektakel, aber grundsolide exekutierte Basics, und alle Defenses Nolans tendierten zu rascher Vebesserung.

Trotzdem: Das Unangenehme an den Atlanta Falcons ist alles in allem der fehlende eine Anhaltspunkt, wo man denn nun auf die Schnelle ansetzen sollte, noch dazu ohne die vielen für Jones eingetauschten Draftpicks. Alle Mannschaftsteile sind gut besetzt, aber überall mangelt es an dem Mann, an dem man sich aufrichten kann.

Die Offensive Line, die den Anstürmen nur bedingt standhalten kann. Das träge Laufspiel. Das unvollständige Passspiel. Der solide Pass Rush. Die unspektakuläre Pass-Defense. Einerseits ist Atlanta so schlecht nicht aufgestellt, andererseits fehlen die Mittel (Draftpicks), um im Sprinttempo den Level von „gut“ auf „großartig“ zu heben. Und so muss man fürchten, dass im Herzen des bible belt das Fenster des Erfolgs ungenutzt verstreichen wird, weil man nicht alle notwendigen Bausteine zugleich an Ort und Stelle hat.

Carolina Panthers in der Sezierstunde

Die Saisonbilanz der Carolina Panthers liest sich mit „6-10“ schlechter als es die Mannschaft verdient hat. Nach Pythagoreischer Erwartung erbrachte man die Leistung eines Teams, das im Durchschnitt 7,4 Saisonsiege holt, und in den engen Spielen mit einem Score Differenz schaut die Bilanz nach argem Pech aus: 2-6. Vor allem die Offense lieferte erstaunliche Zahlen ab:

Kategorie    Stats       Rk
Y/PT          15.4       #13
Y/A            6.2       #4
Y/Pass         7.9       #6
Y/Lauf         5.4       #1

Das sind hervorragende Nachweise, insbesondere für einen Mannschaftsteil, der vor einem Jahr töter als tot war und mindestens fünf Meter unter der Erde begraben lag. Zeit, den Gang nach Canossa anzutreten und die Symbolfigur hinter dem Umschwung zu würdigen: QB Cameron Newton, der von OffCoord Rob Chudzinski ein wunderbares Quarterback-Scramble-dich-und-wirf-den-tiefen-Ball zugeschneidert bekam, lieferte neben sensationellen 7.8yds/Passversuch und 4051yds noch 706yds durch Scrambles und insgesamt 35 Offensivtouchdowns, bei nur 17 INT und 5 Fumbles.

Unerwartete Zahlen für den angeblichen Egomanen Newton, nichtmal die 3.3% Interception-Quote ist hoch genug, um einen ernsthaften Ansatzpunkt für Kritik zu finden. Weil Newtons Pass-Präzision vor allem bei den Intermediates zu leiden scheint, bleibt jedoch abzuwarten, ob sich diese sehr vertikal angelegte Offense wird langfristig halten können, auch wenn ich gewillt bin, Newton fürs Erste Narrenfreiheit zu gewähren.

Weil es an der Offensive Line in der Form des Herbstes und an den Running Backs Williams/Stewart wenig auszusetzen gibt (wenigstens einer der Guards Hangartner/Schwartz wird gehalten werden), dürfte sich der strengste Blick in der Offense auf die Ballfängertruppe richten. Dort ist der „Ü30“ Steve Smith nicht bloß „integraler Bestandteil“, sondern „die Wide Receivers“. Sollten die Panthers mittel- und langfristig zu denken imstande sein, wird in dieser Offseason Frischblut kommen müssen.

War die Offense entgegen aller Erwartungen deutlich über dem NFL-Durchschnitt anzusiedeln, so darf man die Panther-Defense ohne Umschweife als große Enttäuschung klassifizieren. Diese Unit verhinderte den durchaus möglichen Playoffeinzug im abgelaufenen Herbst. Von den wendigen, quicken Defenses, die Ron Rivera bislang unter seinen Fittichen hatte, war nicht allzu viel zu sehen. Auch die Stats sind selbst mit den vielen Verletzten im Hinterkopf furchterregend:

Kategorie    Stats       Rk
Y/PT          14.1       #27
Y/A            6.2       #29
Y/Pass         8.4       #32
Y/Lauf         4.6       #24

Die große Schwachstelle der Panthers ist die Mitte der Defensive Line: Die Wahrscheinlichkeit dürfte groß sein, dass mit dem Draftpick #8 ein Defensive Tackle der Güteklasse Devon Still gezogen wird, denn die Panthers wurden über die Rookies McClain/Keo überlaufen, ohne zeitgleich Druck zustande zu bekommen (nur 31 Sacks). Auch DE Charlie Johnson dürfte nach seinem millionenschweren Vertrag ab sofort kritischer begutachtet werden.

Natürlich dürfte es bei 8.4yds/Pass auch im Backfield nicht allzu rosig aussehen. Carolina hatte mit allen möglichen verschiedenen Typen von Receivern so seine Probleme (vs Top-WR #27, vs RB #27, vs Slot #22, vs TE #32). Die Sache mit den Tight Ends dürfte sich rasch durch die bloße Rückkehr von Beason, Davis und Anderson verbessern. Aber die Secondary wird gezwungenermaßen einen Playmaker brauchen.

Trotzdem waren die Gesamteindrücke zu gut, um die Mannschaft auch nur annähernd in den Senkel zu stellen wie noch vor einem Jahr. Wenn Newton nicht in ein allzu tiefes Sophomore-Loch fällt und die problematischen Mitteldistanzwürfe sich nicht als bedrohlich erweisen, kann man Carolina durchaus mit den Detroit Lions der letzten Jahre vergleichen: Junges Team mit einigen vielversprechenden Bestandteilen und an guten Tagen in der Lage, Topteams in Bedrängnis zu bringen.

Der Reifeprozess wird kommen, das Pech wird sich irgendwann ausgleichen. Wir könnten hier über einen schlafenden Riesen sprechen.

Die NFL-Combine hat uns wieder – heuer auch auf Deutsch!

Ab heute bis zum nächsten Dienstag, 28.2. ist wieder NFL-Combine in Indianapolis. Auf NFL.com wird wie in den letzten Jahren live im NFL Network mitgestreamtfor free. „NFL Network“, das bedeutet auch, dass wir wieder tagelang Mike Mayocks Analysen zu hören bekommen. Mayock ist bekannt als kompletter Draftfreak, der innerhalb von 0,3sek auf die Frage die bevorzugte Unterhosenmarke des fünfundzwanzigbesten Defensive Backs benennen kann.

NFL-Combine – whoodat?

Die Kernelemente der NFL-Combine hatte ich bereits vor einem Jahr erklärt: Ausgewählte Athleten, die in den Draft gehen, werden in vier Tagen an Ort und Stelle im Beisein von zahlreichen Experten, Teamoffiziellen und Scouts auf Herz, Nieren und Hirn getestet. Das Schema F ist +/- folgendes:

  • Tag 1: Anreise, Vorbereitung zum Medizincheck, Kennenlernen
  • Tag 2: Abnahme der Körpermaße, Medizincheck, Medien-Session, Wonderlic-Test, Vorstellungsgespräche
  • Tag 3: Treffen mit der NFLPA, Wonderlic, Vorstellungsgespräche
  • Tag 4: Workouts, Abreise

Plus ein Drogentest, bei dem immer mal wieder ein Bauernopfer durchfällt. Die Workouts gliedern sich in haufenweise positionsspezifische und allgemeine Übungen auf. Die allgemeinen Tests sind der Sprinttest („40 Time“), der Agilitätstest („Cone Drill“), der Hochsprung aus dem Stand („Vertical Jump“), der Weitsprung aus dem Stand („Broad Jump“) und der Test für die Kraftlackel („Bench press reps“).

Die einzelnen Tests haben dabei je nach Ermessen der Scouts für die unterschiedlichen Positionen unterschiedliche Gewichtung – meistens viel zu viel Gewichtung, wofür vor Jahren der Terminus des „Workout Warriors“ kreiert wurde: Athleten, deren hoher Draftstatus in einem großartigen Combine begründet wurde, die dann aber in der NFL erstmal Probleme hatten (die beiden Vernons fallen da als erstes ein: Vernon Davis und Vernon Gholston).

Ich habe natürlich auch heuer wieder den bizarren Intelligenztest „Wonderlic“ simuliert – diesmal in einer weniger trivialen und etwas „offizieller“ wirkenden Version – und im Vergleich zu den 45 Punkten im letzten Jahr ein eher enttäuschendes Ergebnis eingefahren – glaubt man der Simulation (verhältnisgerecht runterskaliert auf 15 Fragen in 3:36 Minuten), reicht es aber grad noch, um trotz zu überhaspelter Arbeit (1:04 min zu schnell geantwortet) dem NFL-MVP Aaron Rodgers die ausgestreckte Zunge entgegenzustrecken:

NFL Combine, Wonderlic Test Results

Per Klick zum Sofort-Test in Kurzfassung!

Wer Lust hat, den Test als Kurzfassung ebenso zu simulieren, sei eingeladen, per Klick auf das Bild loszuledern und sein Ergebnis in den Kommentaren zu posten.


Ein Deutscher! Ein Deutscher!

DT Markus Kuhn

Markus Kuhn - Bild: Jack Reeves/Familie Kuhn

Es wäre vermutlich an mir vorbeigegangen, aber via eMail machte mich sein Vater darauf aufmerksam: Mit DT Markus Kuhn von NC State ist diese Woche erstmals auch ein deutscher Spieler bei der Combine mit von der Partie (Vollmer war einst dazu nicht eingeladen).

Kuhn hat einen interessanten Weg zum Football hinter sich: Wurde als 15jähriger in Florida im Urlaub auf die Sportart Football aufmerksam, ging dann zum Heimatverein Weinheim, erstellte über die Jahre Videoclips und tourte dann in Sachen „Recruiting“ mit DVD in der Hand die US-Ostküste entlang von Norden nach Süden, beginnend mit den kleineren Colleges und als sie alle Interesse zeigten schließlich hin zu den BCS-Teams aus der ACC, wobei er bei North Carolina State hängen blieb – ist das Wolfpack bei uns wirklich so selten zu sehen, dass ein deutscher Defensive Tackle über Jahre an mir vorbeigegangen war, noch dazu einer von Draft-Kaliber?

Vermutlich nein. Aber in dem Jahr, als ich College Football am intensivsten verfolgte, 2009/10, war Kuhn inactive. Der Mann ist heute mit 25 Lenzen relativ alt für einen NFL-Rookie, dürfte aber gleichzeitig leichte Vorteile in Sachen „Körperbau“ besitzen. Und hat mit der Feder im Haar auch ein erkennbares Markenzeichen.


Sonst so

Kuhn wird erst am Wochenende dran sein, dann, wenn die Defensive Front Seven anreist. Den groben Zeitplan als PDF-Datei gibt es hier, wobei auf der oben verlinkten, offiziellen Stream-Seite rechtzeitig die einzelnen Gruppen genau eingetaktet aufscheinen dürften.

Die Liste mit allen teilnehmenden Athleten ist auf der offiziellen Scout-Seite zu finden.

Einige der bekannteren Draft-Anwärter habe ich bereits im Jänner auf diesem Blog vorgestellt:

Eine Frage wird dann hoffentlich auch noch in dieser Woche aufgelöst: Wie groß ist WR Justin Blackmon nun tatsächlich? Die gelisteten 1,85m von der Uni werden es eher nicht sein.

Houston Texans in der Sezierstunde

Die Sezierstunden 2012 möchten den Schwall an Footballmannschaften nicht bis in die Pipette analysieren, sondern kurz und knackig Stand der Dinge und die Schlüsselprobleme aufdecken, mit denen sich die einzelnen Teams nach einer interessanten Saison 2011/12 beschäftigen müssen. Dass wir am Ende nicht mit Obduktionsbericht nach Hause gehen, dafür bürgt schon die erste betrachtete Mannschaft, die Houston Texans, Lieblinge von Microsoft Excel und allen Freunden der Frage, was wäre gewesen, wenn?

Nach Jahren mit starker Offense, schlechter Defense und Game-Management zum Fremdschämen rief HeadCoach Gary Kubiak heuer nur einmal gegen Oakland die Geister der Vergangenheit, als eine bizarre Partie per in die EndZone „geschaubeltem“ Pass noch verloren wurde. Abseits davon war die Klopapierrolle (zum Abwischen von Speichel) ständiger Begleiter von Texans-Spielen.

So fassungslos war der kometenhafte Aufstieg der Defense, die nach einem Komplettkollaps 2010/11 schon im ersten Jahr der heiklen Umstellung auf 3-4 unter dem neuen DefCoord Wade Phillips einen großartigen Aufschwung erlebte:

Kategorie          2010   2011
Y/P                8.2    6.2
Completion Rate    64%    51.9%

Diese Zahlen lassen sich auch mit eher lauwarmem Pass-Schedule nicht kleinreden, vor allem mit dem Hintergrund der Umstellungsprobleme auf diese Art von Defense andernorts. Die sehr straighte Philosophie beeindruckte vor allem, weil nichts überaus Kompliziertes aufgeboten, dafür humorlos mit der physischen Gewalt vieler ehemals hoher Draftpicks dominiert wurde. Der Blick auf das Alter der einzelnen Starter verrät sogar noch Entwicklungspotenzial.

DE   Watt         22
NT   Cody         28
DE   Smith        30
OLB  Williams     26
ILB  Cushing      24
ILB  Ryans        27
OLB  Barwin       25
CB   Jackson      23
CB   Joseph       27
S    Manning      29
S    Quin         25

Eine wichtige Stellschraube wird der auslaufende Vertrag von DE/OLB Mario Williams sein, der in den wenigen Wochen bis zu seiner schweren Verletzung brillante Ansätze in seiner neuen Rolle zeigte. Williams ist im besten Alter und würde bei Abgang als herber sportlicher Verlust empfunden werden, obwohl die Nachrücker sehr gelobt wurden.

Nachbesserung bedarf es abseits davon vermutlich nur auf der als kritisch empfundenen Position des Nose Tackles, wo der nicht massiv genug gebaute Shaun Cody als größte Schwachstelle ausgemacht wird, sowie im Defensive Backfield, wo man dem jungen Safety Glover Quin nicht voll zu vertrauen scheint. Trotz Quins Flauseln kann man der Secondary großes Potenzial nachsagen: Der im vergangenen Sommer eingekaufte CB Jonathan Joseph gilt als hochklassig, dazu gesellen sich um CB Kareem Jackson und Konsorten eine Reihe an jungen Deckungsspielern, die sich zuletzt prächtig entwickelten und den Routinier Allen entbehrlich machen könnten. Gepaart mit einer druckvollen Front Seven eine wohl gut aufgestellte Unit.

Dabei war das Prunkstück der Texans seit Jahren der andere Mannschaftsteil, wo rund um die Combo QB Matt Schaub/WR Andre Johnson die Eier bis zum Gebrechen durch die Lüfte flogen. Seit zwei Jahren ist die Spielweise etwas balancierter, was vornehmlich an der gewachsenen Offensive Line und den beiden famosen Running Backs Arian Foster und Ben Tate liegt.

Foster ist ein restricted free agent (RFA), wird also mit einem billigen Preisschildchen eher einfach für ein weiteres Jahr zu halten sein. Weil der Texans-Kader aber kein Aldi-Gefühl aufkommen lassen will, muss man sich schon fragen, wie lange man sich Foster darüber hinaus leisten wird können. Stark empfohlen sei den Texans auch, C Chris Myers, den Ankermann der Line, einen neuen Vertrag zu geben.

So sind die beiden größten Fragezeichen in dieser Offseason jene beiden Komponenten, die jahrelang den Kern der Texans bildeten: Quarterback und Wide Receiver. Schaub ist einer der meist-übersehenen Spielmacher, weil er a) für einen jahrelangen Verlierer spielte und b) ästhetisch nicht das feinste tiefe Spiel aufziehen kann, aber der Mann muss zu meinen Favoriten gehören, weil ungemein effizient und imstande, mit limitierter Ressource Großes zu veranstalten. Bleibt jedoch die Frage, wie gut die komplizierte Fußverletzung verheilen wird.

Die Backups sind indes nicht wirklich allererste Sahne: QB Leinart ist mit seinen langsamen Bogenlampen keine Alternative, QB Yates trotz furchtloser Spielweise und besseren Anlagen als Grünschnabel ein potenzielles Risiko.

Nehmen wir an, dass die Texans weiter an Schaub glauben, so sind mit hoher Wahrscheinlichkeit die Wide Receiver im Fokus dieser Offseason. Abseits des phänomenalen, aber alternden Johnson und Walter könnte Blutauffrischung zum Imperativ werden, gerade auch mit dem Blick auf die mittelfristige Zukunft.

Von Wichtigkeit könnte darüber hinaus nach Blick auf die Spezialisten auch sein, den selbst für Punter-Verhältnisse steinalten Turk (43 Jahre) zu ersetzen, wie auch K Rackers Free Agent ist.

Die Texans sind erschreckend gut aufgestellt. Jahrelang hat man diese Mannschaft Kubiak-bedingt nicht für voll nehmen können; in der abgelaufenen Saison waren sie trotz mehrerer Schlüsselverletzungen allerdings sehr nahe an der Superbowl dran. Sofern die Offseason nicht mit irgendwelchen Selbstbeweihräucherungen verdaddelt wird, dürfte diese Franchise für die nächsten ein bis zwei Jahre ein brandheißer Titelkandidat werden, bevor das Phänomen „Salary Cap“ mit Eiseskälte zuschlägt.

Als den VIPs der Weißwein abfror

Die New England Patriots haben auf ihrer Facebook-Seite Bilder vom Abriss des alten Foxboro Stadiums reingestellt, der heute vor zehn Jahren begonnen wurde. Das Foxboro Stadium war Anfang der 70er innerhalb kürzester Zeit fast ohne Budget erbaut worden und hatte damals den Verbleib der Patriots in Massachussetts gerettet, obwohl es eigenartigerweise näher an Providence, der Hauptstadt von Rhode Island, denn Boston selbst liegt. Foxboro Stadium wurde erst zur Saison 2002/03 durch das einen Steinwurf nebenan entfernte Gillette Stadium ersetzt. Bis dahin war es eines der meistverhassten Stadien in der NFL gewesen, wo Leute sich im Winter auf kalten Metallstangen den Arsch abfroren und selbst VIPs sich wie am nächstbesten Dorfplatz fühlten – und da ist die als chaotisch beschriebene Parkplatzsituation noch nicht mal ein Thema.

Ich habe Foxboro Stadium nicht mehr miterlebt. Ich kenne es von einer alten Aufzeichnung des großartigen WM-Spiels von 1994, Nigeria – Argentinien (meine Fresse, was war Oliseh damals für ein Spieler!), und aus zigfach wiederholter, berühmtester Footballszene im letzten NFL-Spiel im Foxboro Stadium: Tuck Rule.

Wir lesen (1) – Take Your Eyes Off The Ball (Pat Kirwan)

[Um die Offseason etwas kürzer zu machen, werden hier in den kommenden Wochen in loser Folge Bücher vorgestellt, die sich um das Ei drehen. Nr. 1: Pat Kirwan with David Seigerman: Take your eyes off the ball: how to watch football by knowing where to look. Triumph Books: Chicago 2010. Zum Beispiel hier.]

Pat Kirwan ist heute bekannt als Kolumnist für NFL.com und mit seiner Radioshow “Movin´ the Chains” bei Sirius Radio. Er war Trainer im High-School- und College-Bereich (u.a. Offensive Coordinator bei Hofstra) und später als Coach, Scout und im Management bei verschiedenen NFL Teams (Cardinals, Jets, Buccaneers). Sympathischerweise hat dieses Buch ein ganz klares Ziel, ein ganz bestimmtes Anliegen. (Anstatt einfach ungeordnet alles Wissen und witzige Anektoden runterzuleiern, die “Ex-NFL-soundso” in seiner langen und echt voll einzigartigen Karriere gemacht hat, wie das leider oft bei Büchern früherer Sportler und Trainer ist.)

Wie der Untertitel selbsterklärend besagt: “how to watch Football by knowing where to look”; Kirwan beschreibt das Ziel des Buches in der Einleitung ausführlicher:

For too long, watching Football has been sort of like visiting an unfamiliar city. When you first find yourself in the middle of Paris or Rome or even New York, you recognize a couple of familiar sights, but it´s easy to feel in over your head as your senes get overwhelmed by the swirl of activity and energy. It´s not until you start learning the language and recognizing certain neighbourhood landmarks that you feel acclimated and comfortable. And the the fun can really begin.

Und damit der Fun dann auch sogleich beginnen kann, macht Kirwan etwas recht trockenes. Das gesamte erste Kapitel dreht sich nur darum, welche verfügbaren Informationen alle beachtet werden sollten, die helfen können zu antizipieren, was als nächstes passieren wird. Dazu schlägt er vor, mittels eines Charts mitzuschreiben, wer überhaupt auf dem Feld ist (Personnel) und was diese Aufstellung dann macht (Paß/Lauf). Man baue sich also eine Tabelle und führe diese als Strichliste: in der linken Spalte “Personnel”, in der zweiten “Run” und in der dritten “Pass”. Personnel kann man kurz mit zwei Ziffern angeben, die sich danach richten, wie viele Running Backs im Spiel sind (erste Ziffer) und wie viele Tight Ends im Spiel sind (zweite Ziffer). 11 Personnel sind also 1RB, 1TE, 3WR und 01 sind 1TE und 4WR usw.

Wenn man das mal macht, bekommt man tatsächlich ein viel besseres Gespür “for the flow of the game”. Einige offensichtliche Dinge kann man schnell verifizieren (zum Beispiel spielt die Colts-Offense unter Peyton Maninng fast ausschließlich mit zwei Aufstellungen, 70% “11″ und 30% “12″), einige je nach Erfahrung mehr oder weniger bekannte Dinge werden schnell deutlich (zum Beispiel, daß die Patriots viel öfter als man denkt aus “11″ laufen) und daß dieser Chart bei Teams wie New Orleans total sinnlos ist, weil sie im Laufe eines Spiels alle nur erdenklichen Formationen spielen und aus dene heraus ohne klare Tendenz sowohl laufen als auch passen. Daneben geht er auch auf alle anderen Informationen ein, die auch der Zuschauer hat und die es zu bedenken gilt: Zeit, Score, Down&Distance.

Anschließend daran beschreibt Kirwan, wie im Laufe einer Offseason das Playbook zusammengestellt wird und was dabei alles eine Rolle spielt (Rookies, neue Free Agents, neue Coaches, der Quarterback). Die ersten Ideen für das Playbook werden dann während der Offseason in OTAs installiert, ausprobiert und je nach Erfolg wieder verworfen und Neues dazu genommen. Schließlich wird das fertige Ding im Juni gedruckt und während des Training Camps jedem Spieler wieder und wieder eingehämmert.

Aus diesem Playbook wird dann in der Saison je nach Gegner ein passender Gameplan destilliert, der unter der Woche zwischen den Spielen installiert wird. Die typische NFL-Trainings-Woche wird vorgestellt und erläutert, was Coaches und Spieler an welchem Tag der Woche jeweils machen. Kein Tag gleicht dem anderen.

Jetzt weiß man, wie der Gameplan entsteht, auf was Coaches und Scouts alles achten, auf was man selbst alles achten kann und was die Spieler tatsächlich zwischen den Spielen trainieren. Darauf aufbauend dreht sich der längste Teil des Buches um die Spieler. Jede Position wird ausführlich erläutert im Sinne von: was sind die Aufgaben eines QB oder eines LT; wie sollte er prototypisch gebaut sein; welche Unterschiede gibt es je nach “Philosophie” (z.B. Linemen in 3-4 vs. Linemen in 4-3-D) und wie sich die Rolle der Position im Laufe der Jahre entwickelt hat.

Das gerät manchmal etwas trocken. Zeitweise hat man das Gefühl, wie in der Schule ein Lehrbuch zu lesen, in dem erklärt wird, wie Photosynthese funktioniert oder warum es zum Ersten Weltkrieg kam. Ein besserer Ghostwriter hatte das sicher ansprechender formulieren können. Aufgelockert wird das Ganze immerhin durch Kästen, in denen Kirwan knapp Fragen beantwortet wie “What´s the biggest adjustment college receivers face when they get to the NFL?”. Auch die Fragen sind wie das ganze Buch teils wirklich simpel und für Anfänger; teils ziemlich “sophisticated”, wie die Fragen zur “Sprache” der Quarterbacks und Playcalling.

Nachdem die Positionen alle durch sind, gibt es auch noch Kapitel zum Coaching, zur Organisation des Managements und zum Draft-Prozeß. Dabei merkt man deutlich, daß Kirwan sehr viel Erfahrung hat und weiß wovon er redet. Auch der selbsternannte “Experte” unter den Lesern kann hier noch was lernen. Insgesamt bekommt man mit dem Buch sehr viele Informationen auf gerade mal 200 Seiten, wodurch es mehr als Nachschlagewerk geeignet ist.

Falls man nicht gerade selbst schon mal in einem NFL-Staff garbeitet hat, ist Kirwans Buch trotz seiner Schwächen eine lohnende Investition. Am besten geeignet ist es wohl für Fans, die erst seit einem oder zwei Jahren Football-Spiele schauen und mehr wissen wollen. Besser verstehen wollen, was sie sehen und auch verstehen wollen, was die Mannschaften da überhaupt gerade machen und warum sie das machen. Für schmale 12,50€ gehört die Mischung aus Nachschlagewerk und Lehrbuch aber auch in jeden “Experten-Haushalt”, um schnell nochmal nachzuschauen, woran man denn jetzt pre-snap erkennt, ob der Cornerback Zone- oder Man-Coverage spielt oder um in der Combine-Vorbereitung sich nochmal schnell zu vergewissern, daß man auch die Formel für die “Explosion Number” bei Pass Rushers nicht durcheinander gebracht hat.

Kauft´s, lest´s, werdet´s schlauer.

NFL 2011/12 in der Sezierstunde

Die Sezierstunden haben uns wieder! In den nächsten Wochen wird es wieder Team für Team in der NFL-Rückblende geben, garniert mit mehr von dem, was ich als mein liebstes Hobby betrachte: Zahlen und Statistiken, aus denen wieder Versuche für Ableitungen gemacht werden.

Hier ganz oben sei ein Abkürzungsverzeichnis reingestellt, das die wichtigsten und häufigsten verwendeten Abkürzungen in den folgenden Sezierstunde-Einträgen kurz anschneidet. Weiter unten folgt die Serie an Prognosen, die ich im Zuge der Vorschauserie im Sommer gegeben hatte. Ernsthaft einen Record habe ich nur für Lions (Tipp war: 11-5 mit Stafford) und Buccaneers (Tipp war: 5-11) getippt, weil es Spox so wollte – beide Tipps waren nahe dran; hier auf dem Blog hatte ich mich dem eher entzogen, weil Bilanzen tippen bei 133 Spielen mit einem Score Differenz (51.9%) einer Lotterie gleicht.

Abkürzungen

Y/A      Yards pro Spielzug
Y/PT     Yards pro erzieltem Punkt
Y/Pass   Netto-Yards pro Passspielzug
Y/Lauf   Yards pro Laufspielzug
Y/Drive  Yards pro Drive

„Netto-Yards“, weil ich folgende Formel verwende: (Reine Passyards – Raumverlust durch Sacks) / (Passversuche + Nummer Sacks). Für mich ist das die aussagekräftigste Statistik, was das Passspiel angeht. Es gibt adjustierte Formeln, die Plus- oder Minuspunkte für Touchdowns und Interceptions geben, aber da diese Formeln auf willkürlichen Parametern basieren, lehne ich diese vorerst ab (z.B. Pro-Football-References ANY/A „Adjusted Net Yards per Attempt“).

Review vom Saisonpreview

Ich werde nicht explizit auf jeden einzelnen Text verlinken. Dafür an der Stelle der Verweis auf die Seite, auf der man alle 25 Vorschautexte finden kann. Hier sei nur jeweils das Fazit aus dem Sommer aufgelistet.

AFC East

Bills

Ich hoffe, wir sehen heuer wenigstens ein-zweimal diese sympathische Mannschaft spielen. Ich möchte den Wusler Fitzpatrick und vor allem das offenbar verkannte Genie Kyle Williams spielen sehen. Playoffs darf ich qua prinzipieller Skepsis nicht erwarten.

Jets

Wir haben einen weiteren potenziellen Superbowl-Kandidaten, aber einen mit fetten Fragezeichen – und man sollte die AFC-Konkurrenz nicht unterschätzen. Die Offseason lief nach dem entgangenen Asomugha-Deal nicht wie gewünscht und die Jets versuchten erst gar nicht, dies zu bestreiten. Ich sehe Playoffnähe, aber keine Playoff-„Garantie“. Sollten die Dolphins aus unerfindlichen Gründen akzeptables Quarterback-Spiel zu Tage zaubern, erleben wir eine ultraenge AFC East.

Dolphins

Wenn das Passspiel der Dolphins turnoverarm in die Gänge kommen sollte, sprechen wir von einem Playoff-Kandidaten, selbst in engen AFC East. Bei diesem Schedule […] und mit einer weiterhin so uninspirativen Offense ist ein weiteres, dunkelgraues 7-9 hingegen ebenso nicht weit weg. Ob man sich dann um einen der Top-QBs aus dem Draft 2012 bemühen würde?

Am Ende fiel die Wahl auf das Wildcard-Team aus der AFC East auf Miami und gegen die Jets – beides Tipps für die Grütze.

Patriots

Wie eingangs erwähnt: Das ist die Vorschau auf meinen persönlichen Superbowl-Favoriten. Die Hauptschwäche, das offene Scheunentor in der Secondary, scheint durch wiedergenesene Leute (Backfield) und Neueinkäufe in mehreren Bereichen (Front Seven, Backfield) zumindest in Ansätzen behandelt worden zu sein. Und ansonsten gilt selbiges wie jedes Jahr: Ich weigere mich, gegen die Combo Belichick/Brady zu setzen.

Man war einen Catch von der Erfüllung entfernt.

AFC North

Ravens

Man halte mich für unverbesserlich, aber die Ravens bleiben mein AFC-North-Favorit Nummer 1. Das Superbowl-Rennen in der AFC ist fassungslos eng, aber durchaus nicht ausgeschlossen, dass die Ravens – die schließlich schon des Öfteren ihre Auswärtsstärke bewiesen haben – auch mit einem niedrigen Seed in die Superbowl durchmarschieren.

Es fehlte ein einziger Kick (und die Overtime).

Browns

Wenigstens der Schedule meint es gut mit den Browns: Viele Heimspiele gegen mittelmäßige Konkurrenz zu Beginn und viermal die NFC West und die ebenso nicht berauschende und physis-allergische AFC South im Kader. Die Bilanz könnte am Saisonende die wahre Leistungsstärke (-schwäche?) verschleiern – aber mir gefällt bekanntlich immer, wenn eine Franchise mit einer klaren Idee auch mal ein paar happige Jahre des Aufbaus in Kauf nimmt.

Upps.

Steelers

Der Schedule sieht bis auf wenige Kracher recht einfach aus und hat vermutlich zu wenige Stolperfallen eingebaut, als dass Pittsburgh selbst mit einem zweiten Platz hinter Baltimore nicht wenigstens eine Wildcard ergattern kann. Der ernsthaften Prüfung wird man im Jänner gestellt sein, und ich kann mir nicht vorstellen, dass man noch einmal zwei Spiele in Serie gewinnt, in denen man jeweils eine Halbzeit lang nach Strich und Faden dominiert wurde und in der anderen Halbzeit von kollabierenden und nicht vorbereiteten Gegnern profitierte.

Die Bengals hatte ich wegen Überbeschäftigung nicht behandelt. Ich betone allerdings, dass ich Cincinnati als potenzielles AFC-Schlusslicht betrachtet hatte.

AFC South

Texans

Gespannt darf man vor allem darauf sein, wie Kubiak diesen permanenten Durchbruch-Kandidaten wieder um die Playoffs bringen möchte. Aber irgendwie erinnert mich das ganze ein bissl an die Saints, die auch stets eine gute Offense hatten und denen vor zwei Jahren eine halbwegs brauchbare Saison mit ihrer Defense glückte…

Colts

Für mich sind die Houston Texans trotz Gary Kubiak diesmal Divisionsfavorit, und mir dünkt, dass es mit diesem Schedule schwer wird, eine Wildcard zu stibitzen. Andererseits fällt es mir schwer, an Playoffs ohne Colts zu denken. Das hab ich schließlich noch nie erlebt.

Der Colts-Eintrag war am 19.8. geschrieben, als noch nicht absehbar war, dass Manning für die ganze Saison ausfallen würde. Aber auch mit Manning wären die Playoffs schwer geworden. Jacksonville blieb ohne Vorschautext, wie auch Tennessee. Den Titans hatte ich in etwa .500 zugetraut, den Jaguars etwas weniger.

AFC West

Chargers

Solange nur Rivers fit bleibt, wird die Offense punkten und dass die Defense nicht um eine oder zwei herausragende Figuren gebaut ist, sondern tatsächlich als Unit aufgeigen kann, kann nur ein gutes Zeichen sein. San Diego = heißer Superbowl-Favorit.

War zum zweiten Mal in Serie nichts, und wieder fehlte am Ende ein Sieg zum Divisionstitel. Und wieder hätte es 3-4 locker „gewinnbare“ Spielsituationen gegeben.

Broncos

Die AFC West ist eine interessante Division mit einem klaren Favoriten (San Diego) und einem IMHO völlig offenen Rennen um den zweiten Platz, eine mögliche Wildcard. Die Broncos müssen vermutlich aber sehr verletzungsfrei bleiben, um diese zu ergattern.

Ich hatte nicht mit einem ernsthaften Einsatz Tebows gerechnet, aber als Mannschaft die Broncos etwas besser eingeschätzt als sie letztendlich waren.

Chiefs

Ich sehe a) keine Playoffs für die Chiefs in diesem Jahr und habe sogar leise, ganz leise Befürchtungen, dass es b) sogar potenziell einen Absturz auf den letzten Divisionsplatz geben könnte.

Die Raiders hatte ich nicht mehr geschafft, weil mich nach Woche 1 oder zwei eine üble Grippe erwischt hatte, die mich tagelang lahm gelegt hatte.


NFC East

Eagles

Ich sehe bedenklich viele Komponenten, die gegen die Philadelphia Eagles als Superbowl-Champ sprechen. Um noch ein bissl weiter zu gehen: Ich habe sogar in der NFC East eine andere Mannschaft auf der Rechnung. Eine vermutlich blitzfreudige…

Cowboys

Es ist un-analytisch und es ist gegen den common sense, aber irgendetwas gibt mir das Gefühl, dass wir hier über den NFC East-Champion 2011/12 sprechen. Obwohl ich Sorgen um die Line habe, obwohl mir die geringe Tiefe völlig bewusst ist, obwohl mehrerenorts Fragezeichen dicker als 0,75pts sind: Dallas sollte die Division gewinnen.

Redskins

Im Prinzip ist ein Schedule mit der NFC West dankbar, um sich im eventuellen Wildcard-Rennen Vorteile zu verschaffen. Dass die Redskins in dieses Rennen aber überhaupt einschreiten können, dafür muss die Defense dringend an das Giants-Spiel anknüpfen und darauf aufbauen.

Den Text hatte ich nach dem ersten Spiel – einem souveränen Heimsieg gegen New York – verfasst.

Giants

Die NFC ist als Conference ausgeglichen genug, dass man sich mit sechs, sieben Niederlagen womöglich für die Playoffs qualifizieren kann. Die Giants müffeln danach, als ob sie in etwa in diesen Sphären verharren würden.

Hehe. (Nein, ich hätte niemals auf die Giants als Titelgewinner der NFL getippt. Selbst dann nicht, wenn man mir das erneute Formhoch zum besten Zeitpunkt garantiert hätte)

NFC North

Packers

Der Kader wurde gegenüber 2010 kaum verändert und nur mit wenigen Spielern und Rookies ergänzt. Eine „logische“ Strategie, aber es passiert selten, dass solche Mannschaften nicht einen leichten Abwärtstrend erleben, zumal als Titelverteidiger. Green Bay ist für mich nicht der Titelfavorit #1, dürfte aber trotz der starken NFC North wieder im Playoffrennen mitmischen können – und wenn Rodgers und seine Crew wieder einen solchen Lauf kriegen…

Das Problem war dann weniger im Kopf zu verorten, sondern in der absurd schwachen Defense.

Lions

Dieser Sommer ist etwas anders. Dieser Sommer gibt erstmals in meiner Vita als glühender und vor allem mit Liebe leidender Anhänger der Detroit Lions Grund, auf bald kommende Erfolge zu hoffen. Weil es sich aber immer noch um die Lions handelt, bin ich noch hin- und hergerissen zwischen gerechtfertigtem Optimismus und der prinzipiellen Skepsis gegenüber dieser Franchise.

Bears

Auch nicht viel besser. Wenn deine Offense in überdurchschnittlichem Maße von einer starken Offensive Line abhängig ist (und sie in realiter zu den 3, 4 schwächsten gehören dürfte), wenn deine Defense über so geringe Kadertiefe verfügt, wenn dein Quarterback so brutal in die Pfanne gehauen wurde, dass die 50 potenziellen Sacks und Hits dein kleinstes Problem darstellen, dann hast du ein Problem. Und dann sind die vielen glücklichen Zufälle des vergangenen Herbstes noch nicht erwähnt. Wird keine gute Saison und ich befürchte das Ende von Lovie Smiths Ära.

Die Vikes mussten ebenso dem hohen Fieber weichen. Den Vikes hatte ich eine gute Saison zugetraut, in etwa auf Augenhöhe mit den Bears.

NFC South

Saints

Eigentlich haben die Saints alles beisammen und die Offseason strotzte nur so vor „logischen“ Entscheidungen. Dieser Schedule ist auch nicht der allerschwierigste. […] Man kann also von den Playoffs durchaus ausgehen, selbst mit einer oder zwei Verletzungen. WENN, natürlich, WENN diese nicht Drew Brees betreffen. Das wäre in der Tat verheerend.

Die Saints waren mein NFC-Superbowltipp.

Panthers

Carolina ist eine Wundertüte. Ich mag die Franchise, ich hoffe, dass sie sich mit dem Würfelspiel „Cam Newton“ nicht eine potenziell starke Mannschaft abgeschossen haben – allein, ich bin skeptisch. Ich halte vom Newton-Pick nach wie vor wenig und bin der Überzeugung, dass mit einem soliden, blassen Verwalter in dieser Saison die Playoffs drin gewesen wären. So haben wir boom or bust. Und ich wäre versucht, auf die nächsten vier Jahre auf bust zu setzen.

Es schaut sechs Monate später eher nach „Boom“ aus.

Falcons

Atlanta besitzt im Prinzip alle Zutaten eines Superbowl-Champs, aber die schwere Division und die ausgeglichene NFC machen das Unterfangen nicht einfach. Andererseits hat die NFC in zehn Jahren zehn verschiedene Champs herausgebracht – nach dem Gesetz der Serie wäre diesmal also einer aus diesem Sextett dran: Detroit, Minnesota, San Francisco, Dallas, Washington und: Atlanta.

Buccaneers

Ich liebte die Buccs 2010/11 und ich liebte Freeman (rein platonisch natürlich), aber ich bin geneigt, den blitzartigen Aufstieg als Zufallsprodukt abzutun. Riecht nach einer losing season. Tampa kann aber zuversichtlich in die Zukunft schauen – es gab in den letzten Jahren andere Mannschaften, die man lange Zeit als „jung“ bezeichnete und die dann den Durchbruch schafften (Green Bay, anyone?).

NFC West

Cardinals

Die NFC West halte ich für durchaus sehr offen und womöglich reichen acht oder neun Siege für einen Playoffeinzug. Da ich Kolb für ein massives Upgrade gegenüber den Quarterbacks von 2010 halte, wenn auch nicht für den optimalen Mann für diese Art von Offense, sehe ich nicht, warum Arizona meilenweit von einer Playoff-Teilnahme entfernt sein sollte. Gegen Saisonende spielt man häufig zuhause und hat in einem möglichen Regular-Season-Finale ein Heimspiel gegen Seattle.

Rams

Die Rams gefallen konzeptionell, sollten in Offense und Defense stark gecoacht werden und stets recht aggressiv zu Werke gehen – at least, das erwarte ich, wenn McDaniels und Spagnuolo die Spielvorbereitung übernehmen. […]Ich halte die NFC West für offen genug, dass St Louis die Playoffs packt, WENN sie sich nicht von einem möglichen 1-6 Start (oder so) allzu früh entmutigen lassen. Die Richtung dürfte stimmen.

Geworden ist es dann eine ganz andere Mannschaft… San Francisco und Seattle wurden in den Previews ignoriert. Bei beiden hatte ich keine Ahnung, was wir erwarten konnten – die 49ers verblüfften mich mit der Einberufung von QB Kaepernick, Seattles Personalpolitik war (und ist) mir abgrundtief suspekt.


Alles Weitere folgt scheibchenweise in den nächsten Wochen. Diesmal mit allen 32 Teams – versprochen.

Würfel, Münzwurf oder Schwarzer Schwan?

[Disclaimer: Auch ich hab es nicht geschafft, auf korsakoffs Antwort einen knappen Kommentar zu verfassen. Darum auch meine Antwort auf den letzten Artikel und die Kommentare in langer Artikelform. Die ersten drei Artikel der Diskussion: 1) Der ausgewürfelte Superbowlsieger; 2) Auch die Footballgötter würfeln nicht und 3) Der Zufall hat Methode. Quellen für alle Statistiken: PFR]

Der Walsh-Schock verliert alles schockhafte, wenn man den Fehler gefunden hat. Er liegt in der Definition “knappes Spiel” oder “Clutch”-Performance: Spiel, das mit gleich/weniger 3 Punkten entschieden wurde. Definiert man es so, sind zwei der größten Clutch-Performances aller Zeiten gar keine: Super Bowl XXIII, mit Montanas legendärem Comeback-Drive und das 2006er AFC Championship Game, die wohl beste Leistung Peyton Mannings aller Zeiten.

Bei dieser Definition hat man außerdem Spiele dabei, die nur durch eine Aufholjagd am Ende knapp waren, bei denen also die Mannschaften vorher viel schlechter gespielt haben und 10 oder mehr Punkte zurücklag und dann nochmal auf 3 herangekommen sind. Und es fehlen alle Spiele, die knapp waren, schließlich aber durch einen TD entscheiden wurden, final margin demnach größer 3 war. Gerade Montana und Walsh hatten einigen Spiele, in denen sie im im vierten Viertel zurücklagen, dann aber nicht nur mit einem FG oder weniger Vorsprung gewannen, sondern mit einem, zwei oder gar drei TDs. (Legendär zum Beispiel ein Spiel gegen die Rams 1983, in dem die 49ers acht Minuten vor Schluß mit 11 zurücklagen, aber mit 10 gewannen.) Die allergrößten Clutch-Performances fallen ironischerweise raus, weil sie gewissermaßen zu clutch waren. Die meisten von Montanas 29 Comeback-Siegen und/oder Game-Winning-Drives im Dress der 49ers tauchen in der “knappe-Spiele”-Statistik gar nicht auf.

Passiv/Aktiv und Zufall

“Kein Ereignis ist vorherbestimmt.” So trivial, wie richtig. Bei der Formulierung “ein Ergebnis tritt mit einer bestimmte Wahrscheinlichkeit ein” kann ich aber nicht mitgehen, denn es ist fälschlicherweise im Passiv. Ein TD oder eine Blown Coverage treten nicht irgendwie ein, sondern werden von guten beziehungsweisen schlechten Spielern aktiv versursacht. Eine 12-men-in-the-huddle-Penalty passiert nichtzufällig und ist unglücklich, sondern ist schlechtes Coaching/Organisation.

Wo korsakoff dagegen völlig recht hat, ist, daß es immer einen gewissen Zufall innerhalb der Spielzüge gibt, am prominentesten bei eroberten Fumbles und Interceptions. Ein eroberter Fumble kann durchaus ein Spiel zweier etwa gleich guter Mannschaften (stark mit-)entscheiden (jedoch werden auch dann nicht alle anderen Plays egal). Nicht umsonst besagt eine der ältesten Footballweisheiten der Welt, daß Spiele gleich guter Mannschaften von drei Dingen entscheiden werden: 1)Turnovers; 2)Penalties; 3)Special Teams.

Nicht ganz verstanden habe ich das mit der Varianz. Je mehr Spielzüge ich habe – beim Football in der Regel mehr als 60 – desto mehr tendiert die Verteilung zum wahrscheinlichen Ergebnis oder zur statistisch erwartbaren Verteilung. Wenn also eine bessere Mannschaft 60 oder 70 Mal auf eine schlechtere trifft, desto wahrscheinlicher wird es doch, daß die besere gewinnt. Oder anders: je öfter Hakeem Nicks und Eli Manning auf diese Patriots-Secondary treffen, desto wahrscheinlicher wird es, daß sich das “Bessersein” auch in Punkten ausdrückt.(Wie beim Münzwurf, je öfter man wirft, desto näher kommt das Ergbenis an eine 50/50-Verteilung.) Aber es stimmt auch: die absolute Sicherheit dafür gibt es nicht.

Das war im Grunde auch im letzten Artikel mein Hauptanliegen: Zufall spielt eine geringere Rolle als man oftmals glaubt. Trotzdem spielt er manchmal eine Rolle. In den letzten Playoffs glücklicherweise kaum.

Recency Bias und Wahrscheinlichkeit

Man kann nicht einfach über den Recency Bias hinweggehen und dann behaupten, die Zeit (also wahrscheinlich der Zeitpunkt) spielt eine riesengroße Rolle. Genau dagegen richtet sich ja meine Argumentation. Der Drop von Welker ist nicht wichtiger oder entscheidender für den Spielausgang als der Nicht-TD von Brady/Gronkowski oder die disziplinierten Tackles der G-Men bei jedem Spielzug. Wirft Brady den TD oder/und vergeigt ein Safety einen Tackle gegen Hernandez, ist der Welker-Drop genauso egal (“geringer wertig”) für den Spielausgang wie der Mittelfinger von M.I.A. in der Halbzeitpause, auch wenn er kurz vor Schluß stattfand. (Nebenbei: Welker hat seit 2007 nur 11 Bälle gefangen, die mehr als 20 Yards in der Luft waren. Und in dieser Saison hatte er schon mal einen Drop, der fast identisch mit dem im SB war.)

Wahrscheinlichkeiten sind immer eine gute Methode, um sich einen Überblick oder eine grobe Orientierung zu verschaffen. Zum Beispiel: Team bekommt mit zwei Minuten auf der Uhr mit drei Punkten Rückstand an der eigenen 20-Yard-Linie den Ball. Nach Brian Burkes Win Probability Graph beträgt sie Siegchance 13%. Wenn ich das aber richtig verstanden habe, werden diese Wahrscheinlichkeiten bei Burkes Charts aus der Geschichte gespielter Spiele ermittelt. Das heißt, die Comeback-Versuch von Ryan Leaf, JaMarcus Russel, Tim Couch und allen anderen nicht-elitären/clutch-QBs, die jemals ein NFL-Spielfeld betreten haben, ziehen den Schnitt grandios nach unten. Wenn ein Manning oder ein Brees in so einer Situation das Spiel doch noch gewinnen, ist das kein Zufall oder ein Freak-Unfall, sondern einfach große Klasse. Es gibt leider keine Wahrscheinlichkeit genau für Manning oder Brees in dieser ganz bestimmten Situation.

[Seit 1970 gab es 25 QBs, die mehr als 150 Spiele als Starter begonnen haben, also schon alle eine gewisse Klasse haben. Aber die Zahlen bei Comebacks und Game Winning Drives (CB&GWDs) unterscheiden sich erheblich:

- Peyton Manning: 47 CB&GWDs in 208 Spielen
- John Elway: 50 in 234

- Drew Bledsoe 31 in 194
- McNair 24 in 161

- Mark Brunell 24 in 194
- Chris Chandler 16 in 180
- Kenny Anderson 15 in 192

Eli dagegen 25 in 121.]

Der schwarze Schwan

Zum Hail-Mary-Versuch auf Gronkowski. Natürlich kann es passieren, daß der Ball so komisch von Helmen und Hände abprallt, daß er bei Gronkowski landet. Dann, und nur dann, hätten wir in meinen Augen einen unverdienten Super-Bowl-Sieger durch eine große Portion Zufall gehabt. Einen unglaublichen Zufall mit riesigen Auswirkungen. Aber bloß, weil ein erfolgreicher Hail-Mary-Paß zum Super-Bowl-Gewinn noch nicht vorgekommen ist, heißt es ja nicht, daß es nicht möglich ist. Es ist sozusagen ein Taleb´scher Schwarzer Schwan.

Ganz grundsätzlich (und vielleicht ein wenig irrational) verweigere ich mich dem Gedanken, daß der Zufall so unglaublich viel beim Football bestimmt. Weil es dann ja sinnlos wäre, sich darüber Gedanken zu machen oder Spielzüge zu analysieren oder Spieler zu vergleichen oder Systeme und Gameplans auseinander zu nehmen. Wenn alles das kleiner als der Zufall ist, kann ich genauso gut Roulette oder Münzwürfen zugucken.

Der Zufall hat Methode

Disclaimer: Dieser Eintrag war ursprünglich als Antwort-Kommentar für Herrmanns Artikel „Auch die Footballgötter würfeln nicht“ gedacht. Es war im Abteil recht laut. Ich konnte meine Gedanken nicht ausreichend kurz und knackig formulieren. Also habe ich daraus einen separaten Blogeintrag gestrickt, der als Anwort auf verlinkten Artikel zu verstehen ist.

Herrmann geht in seiner Argumentation weit über meine ursprüngliche These, die Giants seien ein „ausgewürfelter Champion“, hinaus. Ich hatte beschrieben, warum die Schlussphasen der letzten NFL-Partien dieser Saison mit ihren Freak-Ereignissen durchaus dazu taugen, einen Spielausgang als „zufällig“ zu bezeichnen. Das Phänomen von recency bias gibt es dabei nicht. Die erhöhte Wertigkeit einer Schlussphase in Bezug auf den Ausgang einer engen Partie ist statistisch erwiesen, und sie ist eben nicht mit anderen Phasen des Spiels gleichzusetzen. Da grüßt ganz verlegen der unscheinbare, aber nicht unerhebliche (schamlose Untertreibung) Faktor „Zeit“.

Das Glück mit den Eiern

Herrmann thematisiert den Fluss des Spiels und damit auch die Kombination der Spielzüge und ergo die Komplexität des Spiels. Er thematisiert „Glück im Football“. „Glück“ ist etwas so Triviales, dass es schwer begreifbar ist. Es bedarf keiner Fumbles oder Hail Marys, es braucht nicht mal ein Klavier, das Coughlin auf den Kopf fällt.

Wenn ich auf der Straße einen Dahergelaufenen freundlich anlächle, bin ich nicht sicher, ob er nicht gleich explodieren wird oder mir auf die Füße kotzt. Ich rechne nicht damit, aber ich kann mir nicht 100%ig gewiss sein, weil nichts in Stein gemeißelt ist. Wenn Vinatieri zum 20yds Field Goal antritt, ist es kein „sicheres“ Field Goal. Es ist aber ein sehr wahrscheinliches Field Goal, wohl wahrscheinlicher als wenn Brotzman oder Ndamukong Suh zum Kick antreten.

Wir notieren: Kein Ereignis ist vorbestimmt. Ein Ereignis tritt mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit ein; sei es auf der Straße, im Footballstadion oder in der Badewanne.


Man kann der Behauptung, Football sei komplex, nur zustimmen. Wir haben, sofern nicht die Patriots einen Fumble erobern wollen, augenmaßgeschätzte 120 Spielzüge á 22 Männer auf dem Feld. 22 Männer, die 120 Mal exzessiv vorbereitete Aufgaben erfüllen sollen und womöglich eine Kettenreaktion auslösen, wenn sich auch nur einer falsch verhält. Das bedeutet: Wir haben eine kaum abzählbare Möglichkeit an verschiedenen Kombinationen.

Je mehr Kombinationen, desto mehr Komplexität.

Höhere Anzahl an Kombinationen bedeutet, dass Varianz und ergo Standardabweichung zu einem höheren Wert tendieren und wir somit im Spiel ein höheres Maß an „Zufall“ haben.

Mehr Zufall = mehr Glück.

Mehr Glück = mehr Zufall.

Und wir brauchen dafür weder Klaviertasten, noch Fumbles, noch Verzweiflungspässe.

Jeder GamePlan ist auf minutiös errechneten Wahrscheinlichkeiten („der Backuprunningback mit der #27 tendiert im zweiten Viertel in einer Two-Back-Aufstellung mit 62.7%iger Wahrscheinlichkeit dazu, zwischen dem Left Guard und dem Center durchzulaufen“) aufgebaut. Jeder einzelne PlayCall ist mit einer Portion Glück behaftet: Bringt mir der Gegner auch das, was er im Videostudio erwarten ließ, oder das, was er mir gerade mit seiner Nickel-Aufstellung andeutet? Ich kann mir dessen nur zu einem gewissen Prozentsatz sicher sein. Ich muss eine größere oder kleinere Portion Glück haben.

Jede Planbarkeit wird auf Grundlage von Wahrscheinlichkeiten erstellt. Ist es Harbaughs Fehler, Williams nach zwei Fumbles erneut aufzustellen? Vielleicht. Denn vielleicht ist Williams dadurch mental verunsichert worden. Auf der anderen Seite: Ist es Bradys Fehler, gleich nach einem einfachen Drop erneut auf Hernandez zu werfen? Jener Fehler hätte Hernandez genauso mental belasten können!


Der ungläubige Thomas

Wochenlang wurde mir fehlende Wertschätzung für die Größe der Green Bay Packers vorgeworfen. Dabei waren die Packers von 2010/11 aus mathematischer Sicht ein fast identisches – zugegeben einen kleinen Tick schwächeres – Team als jenes, das heuer zu 15-1 Siegen marschierte. Die Krux: Die Packers waren 2010/11, selbst wenn wir alles Verletzungspech mal vor die Tür sperren, ein „unglückliches“ Team, denn ihre ähnlichen Zahlen waren anders verteilt.

Die Packers von 2010/11 wurden als „durchschnittliches“ Team mit Playoff-Lauf angesehen. Jene von 2011/12 als „grandios und unschlagbar“ mit eintägigem Aussetzer in der Post Season. Die Differenz zwischen beiden Teams war die Verteilung der statistischen Werte, und ich nenne als Beispiel die berüchtigten knappen Spiele. Von jenen verloren die Packers in ihrer Meistersaison gleich sechs (Hallo! Sie verloren insgesamt nur sechs Spiele!), heuer nur ein einziges.

Wer glaubt, ein knapp verlorenes Spiel sei ein Zeichen von fehlender Qualität, dem sei folgende Statistik ans Herz geworfen – es sind die Bilanzen in den Dreipunkte-Spielen einiger der größten Coaches aller Zeiten (Quelle: interne Datenbank; ich habe die Daten vor wenigen Wochen aus einer vertrauenswürdigen Quelle erhalten):

Bill Walsh        15-22
Vince Lombardi    14-14
Chuck Noll        13-24
Bill Belichick    28-30
Mike Shanahan     34-32
Curly Lambeau   35.5-39.5
Buddy Ryan      16.5-19.5

Und da isses wieder: Knappe Niederlagen sind kein Zeichen einer schwachen Mannschaft. Sie bringen nur für eine Nacht nichts Zählbares. Oder: Mannings viele Comebacks machen die Giants nicht besser als sie sind. Aber sie machen sie wertvoller.

Wir hatten eben zwei Packer-Mannschaften. Die eine gilt als „okay“, die andere als „episch“. Und weil Menschen nicht wahrhaben wollen, was nicht auf den ersten Blick greifbar ist, verkennen sie, dass im Prinzip beide Teams nichts von beidem waren, sondern einzig „sehr gut“.

Es ist das Thema der „Sichtbarkeit“, das allerdings weniger mit missed tackles zu tun hat, sondern mit dem Unwissen oder Unglauben der Menschen an jene Faktoren, die ich oben beschrieben hatte: Nix ist fix, aber alles zu einem gewissen Grad wahrscheinlich.


Wer will, für den sei auf das phänomenale Buch vom hoch geschätzten Nassim Nicholas Taleb – Fooled by Randomness: The Hidden Role of Chance in Life and in the Markets – verwiesen. Vielleicht werde ich es irgendwann auf dieser Seite vorstellen. Dieses Buch beschreibt auf simple wie geniale Weise eben vorgestelltes Konzept von Wahrscheinlichkeiten in der Wirtschaft – und ergo von der Notwendigkeit des Glücks.

Football ist by wahr nicht einfach. Die Spielzüge für sich sind alle miteinander verknüpft. Jedoch hat jeder Spielzug ein Binnenleben, das größtenteils unabhängig vom restlichen Spielgeschehen abläuft. Manchmal reicht ein Ereignis von der Größe eines Münzwurfs, um eine auf Augenhöhe geführte Partie zu entscheiden – was im Sinne des Thrills einer sportlichen Veranstaltung auch notwendig ist.

Daher brachte ich heute Nachmittag auch Gronkowski und die Hail Mary ins Spiel, um mit einem möglichst banalen Beispiel zu illustrieren, was vielen Menschen nicht bewusst ist. Was nützen Manning alle seine großartigen Würfe, wenn Gronkowski jener Verzweiflungspass doppelt abgefälscht in den Schoß fällt? Was nützt den Giants dann der insgesamt bessere Kader? Was nützen Eli Mannings waffenscheinpflichtige Pässe?

3595 Sekunden Super Bowl waren haarklein zu 100% genau gleich gespielt. Aber wir haben wegen dieses einen Plays einen 100%ig anderen Sieger.

Auch die Footballgötter würfeln nicht

Wenn man einen Kausalmechanismus aufdecken will, gibt es in der Wissenschaft die bekannte Methode, eine Variable (X) zu ändern um so zu überprüfen, ob diese Variable einen Einfluß auf das Ergebnis (Y) hat. Ändert sich mit veränderter Variable das Ergebnis, ist verifiziert, daß X zu mehr (oder weniger) Y führt. Allerdings mit der Einschränkung: ceteris paribus – bei sonst gleich bleibenden Bedingungen. Diese Einschränkung ist sehr wichtig, denn gerade bei komplexen Vorgängen oder Operationen kommt es oft vor, daß X gleich größer/kleiner Y nur dann stimmt, wenn X nicht von anderen Variablen beeinflußt wird oder gar erst in Verbindung mit anderen Variablen seine Wirkung entfaltet. Nur gibt es kaum Lebensbereiche die derart nicht-interdependent und statisch statt hochgradig interdependent und dynamisch sind. Nicht Politik, nicht Wirtschaft, nicht Gesundheit und auch nicht Football.

[Beispiel: ein höherer Steuersatz auf Tabak führt zu höheren Tabaksteuereinnahmen. Klingt logisch. Stimmt aber oft nicht. Besser gesagt: stimmt nur unter der Bedingung ceteris paribus (wenn also alle anderen Variablen gleich bleiben, zum Beispiel der Absatz). Weil aber nicht nur im Football, sondern auch in der realen Welt alle möglichen Variablen alle anderen möglichen Variablen beeinflussen, führt meistens ein höherer Steuersatz zu geringeren Einnahmen, weil der Absatz zurückgeht und überhaupt weniger Tabak versteuert wird.]

Lange Rede, kurzer Sinn: worauf ich hinauswill, ist die – in meiner Sicht – irrige Annahme, daß ein Footballspiel auf jeden Fall anders ausgeht, wenn ein Play anders läuft. Diese Diskussion kommt immer wieder auf, war aber in den vergangenen Playoffs besonders häufig zu hören. Wenn Kyle Williams den Punt nicht fumblet dann…; wenn Pittsburgh nicht diesen einen Tebow-Paß so blöd verteidigt, dann…; wenn Billy Cundiff den Kickt nicht daneben haut oder wenn Lee Evans den Catch nicht vergeigt, dann…; wenn Wes Welker den Paß fängt, dann…

Ich halte die Annahmen, ein Spielzug entscheidet ein Spiel und Glück spielt eine sehr große Rolle für “unterkomplex”. Die Glücks-/Zufalls-Argumentation wurde nicht nur hier von korsakoff, sondern auch auch von anderen Footballkennern wie Gregg Easterbrook vertreten. Mr. Secretary, I am not convinced. Ich möchte widersprechen.  Sechs Dinge, die in dieser simplizierten, auf Zufälle konzentrierten Sichtweise zu kurz kommen, sind

  • 1) die Dynamik (jeder Spielzug beeinflußt alle folgenden und ändert die Spielsituation; es gibt keine Ceteris-Paribus-Situationen im Football);
  • 2) die Komplexität (ein Spielzug kann nicht den Spielausgang bestimmen, aber den Gameplan ändern);
  • 3) Geringschätzung der anderen Spielzüge (in Verbindung mit 1) und 2) sind bestimmte Spielzüge in früheren Teilen des Spiels teilweise wichtiger für den Spielausgang als spätere, die sehr ins Auge fallen)
  • 4) Recency Bias (man hält, Dinge, die jüngerer Vergangenheit stattfanden für wichtiger, als Dinge, die länger zurückliegen)
  • 5) Sichtbarkeit (Dinge, die man sieht oder offensichtlich sind, hält man für bedeutender als Dinge, die man nicht sieht)
  • 6) Planbarkeit (manche Dinge, die zufällig erscheinen, hätten verhindert werden können und sind also gar nicht zufällig)

Beispiele aus diesen Playoffs, die oft diskutiert wurden, unter dem Gesichtspunkt meiner Behauptungen:

1) Das ist selbsterklärend, wird aber gerne ignoriert. Nehmen wir den Welker-Drop. Vielleicht wirft Brady nach dem Welker-Catch eine Interception oder die Patriots machen nur ein Field Goal und Manning trotzdem einen Game Winning Drive. Man weiß ja nicht, was passiert wäre. Dafür, daß Eli nach Catch und FG beispielsweise den Game Winner mit 2 Minuten auf der Uhr macht, stehen deutlich besser als 50/50. Drop hin oder her, das Spiel ist in jedem Fall noch offen.

2) Der Safety von Brady im Super Bowl. Mit dem Safety lagen die Giants nur zwei Punkte hinten, ihn reichte also also ein FG am Ende um das Spiel zu gewinnen. Hätte es den Safety nicht gegeben, wäre der Rückstand vier Punkte gewesen, damit hätten sie auf jeden Fall einen TD gebraucht. Dagegen kann man ganz anders verteidigen, das ändert die gesamte Komplexität des Spiels.

3) Die Interception von Brady im Super Bowl. Gronkowski war offen, er hatte LB Chase Blackburn überlaufen, Brady muß nur irgendwie über die Beiden in Richtung Endzone werfen und es ist ein Touchdown – NE führt mit 9, bei erfolgreicher 2-Pt-Conversion sogar mit 10 Punkten. Das ist ein Paß, den muß Brady machen. Den muß er einfach machen. Eli hat später einen der besten Würfe aller Zeiten gemacht. Das ist der Unterschied: Manning bringt wichtige Pässe an den Mann. Brady nicht. Manning besser. New York gewinnt. Kein Zufall, kein Freak-Ereignis, sondern starke Leistung vs. schwache Leistung. Starke Leistung gewinnt.

4) Tim Tebows Paß zu Demariyus Thomas in der Verlängerung gegen Pittsburgh. Das war ein Ergebnis von Pittsburghs Gameplan und Tebows Leistung. Die Steelers hatten den nachvollziehbaren Gameplan, das Laufspiel zu eliminieren und Denver zu zwingen, auf Tebows Arm zu vertrauen. Jeder, wirklich jeder, hat vor dem Spiel das für den ganz sicheren Schlüssel zu Pittsburghs Sieg gesehen. Auch völlig zu recht in meinen Augen. Aber Tebow hat gezeigt, daß er gegen 1-v-1-Coverage Bälle an den Mann bringen kann. Das hatte ihm keiner zugetraut. Er hat im ersten TD-Drive Pässe geworfen, die habe ich von Brady in den gesamten Playoffs nicht gesehen. Damit hat er Denver im Spiel gehalten. Mit denen hat er Denver überhaupt erst in die Overtime gebracht. Und die hätte er immer wieder gemacht. Tebows Pässe hätten Pittsburgh schlagen müssen, sie haben es getan. Starke Leistung und kein Zufall. (Seltsam, scheint wohl niemand seine beeindruckende Sugar-Bowl-Performance gegen Cincinnati oder auch andere College- und NFL-Spiele gesehen zu haben. Ja klar, tiefe Bälle in Ein-Mann-Deckung sind nicht die schwierigsten, aber solche Situationen sind das Ergebnis seiner Fähigkeiten als Runner. Und diese Bälle dann zu verwerten, ist bei Tebow in den Augen der Auguren ein Freak-Unfall, im Falle Cam Newtons die beste Rookie-Saison aller Zeiten. Aber das ist ein anderes Thema…)

5) Der Drop von Wes Welker. Zugegeben: wenn Welker den Ball fängt, steigen die Chancen, daß New England gewinnt. Aber, siehe 1): ausgemacht ist das nicht, vielleicht wirft Brady nach dem Catch eine Interception oder die Patriots machen nur ein Field Goal und Manning trotzdem einen Game Winning Drive. Jedenfalls, viel wichtiger ist der Umstand, daß es bei diesem Spielzug die einzige Blown Coverage der Giants gab. Das heißt, die Secondary war so unglaublich diszipliniert, daß bei keinem anderen Spielzug die Coverage versagt hat. Das ist entscheidend, wird aber kaum mehr beachtet, weil man es nicht richtig sehen kann. Und es gab keinen Missed Tackles. Missed Tackles sind auch so eine Sache: man sieht sie, wenn sie passieren. Aber es gibt nicht viel Respekt, wenn sie nicht passieren. Welker, Gronkowski und Hernandez haben mehr Broken/Missed Tackles verursacht, als je ein Trio zuvor in der NFL Geschichte. Im Super Bowl gab es nicht einen Broken/Missed Tackle. Das ist entscheidend. Das hat das Spiel gewonnen.

6) Der Fumble von Kylie Williams in der Verlängerung des NFC Championship Games. Williams hatte in diesem Spiel schon zwei Bälle gefumblet. Einen vorherigen Punt konnte er nicht fangen und er hat im ersten Viertel bei einem Reverse gefumblet. Gerade der Fumble beim Reverse wurde nach dem Spiel gar nicht mehr erwähnt. Der dritte Fumble ist kein Zufall. Wer schon zweimal den Ball verloren hat, sollte ihn nicht nochmal bekommen. Fehler Coaching Staff. (Daneben wär das Spiel nur anders ausgegangen, wenn San Fran nochmals gepunktet hatte, mit dieser Offense nur schwer vorstellbar. Die Giants hätte mit oder ohne Fumble gewonnen)

Nicht um mich falsch zu verstehen: ich bin als Erster aufgesprungen und habe am lautesten geschrieen, als Billy Cundiff daneben geschossen hat. Und als Williams den Punt gefumblet hat. Und als Welker den Ball nicht gefangen hat. Aber diese Spielzüge haben nicht das Spiel entschieden. Sie waren nur ein Teil des großen Ganzen. Mit ein wenig Abstand und bei tiefer gehender Analyse hat in jedem Playoffspiel die bessere Mannschaft gewonnen. Der Zufall hat in meinen Augen nur in einem Spiel eine gewichtige Rolle gespielt: daß Baltimore gegen TJ. Yates gespielt hat und nicht gegen Matt Schaub. Aber am Ende wären die Texans auch schlechter gewesen als New York und New England. Selten war eine Mannschaft so deutlich die kompletteste und beste wie in dieser Saison die New York Giants. Sie haben sich die Lombardi Trophy eindruckvoll erspielt, nicht zufällig erwürfelt.

Football ist nicht einfach, sondern kompliziert; Football ist nicht simpel, sondern komplex. Every single play matters. Darum ist Football der großartigste Sport der Welt.

Der Vergleich: Rookie-Headcoaches gegen die Arrivierten

Ein paar Tage vor der Superbowl XLVI bekam ich eine eMail von Blogleser „Alexander“. Auszug:

[Ich] bin überrascht, wieviel neues Blut als HC in die NFL gespült wird und wieviel erfahrene Headcoaches unberücksichtigt bleiben.

50 % Rookie HC bei den Neubesetzungen

Mich verblüfft dieser Trend zu “Jungspunden”. Meint jeder man hat gleiche Situation wie in San Francisco ?`

Während draussen einige namhafte Coaches noch sind, die nicht gewählt oder nicht stark genug gelockt wurden.

Hat ein Marty Schottenheimer wirklich in TB vorgesprochen (dann hat er wohl doch noch nicht abgeschlossen mit dem Trainerberuf in der NFL) ?

Gruden will wohl lieber noch TV machen, aber bei Cowher war ich mir da nicht so sicher ?

Oder warten einige noch lieber bis eine vielleicht attraktive Stelle (San Diego?) frei wird.

Andere Namen. Brian Billick, Mangini. Gibts noch Mora Senior?

Also nehmen wir mal wegen Desinteresse Dungy, Gruden und Cowher raus, so bleiben doch noch einige Namen.

Cleveland hat es letzte Saison bitter bezahlt, dass man einen Rookie HC hatte.

Das wurde nun mit OFF Coord Childress zum Teil korrigiert.

Mich würde eine Quote interessieren wieviele Rookie HC erfolgreiche Jahre hatten und wieviele wieder wegen Problemen gefeuert wurden.

Ich würde als Owner mit Kusshand nochmal einen Marty Schottenhemier nehmen ( ich glaube über 200 NFL Siege) .

Oder auch ein Risiko mit Mangini, wobei ich befürchte, dass Mangini wegen Vidiogate als verbrannt gilt.

Ich finde, Mangini hat keinen so schlechten Job gemacht. in NY zuletzt mit 9-7 und mit einem kranken Favre gefeuert.

In Cle hat er nach Holmgrens Antritt keine richtige Chance erhalten.


Schaler Blick auf die Wechsel im heurigen Jänner 2012:

  • Indianapolis: Chuck Pagano (DefCoord BAL) für Caldwell
  • Jacksonville: Mike Mularkey (OffCoord ATL) für Del Rio
  • Kansas City: interne Lösung mit Romeo Crennel (zuvor DefCoord)
  • Miami: Joe Philbin (OffCoord GB) für Sparano
  • Oakland: Dennis Allen (DefCoord DEN) für Jackson.
  • St Louis: Jeff Fisher für Spagnuolo
  • Tampa Bay: Greg Schiano (HC Rutgers) für Morris

Wir haben vier Rookie-Head Coaches ohne Cheftrainererfahrung in der NFL (Schiano am College), und drei Neuverpflichtungen „arrivierter“ Cheftrainer (Mularkey, Crennel, Fisher).


Ich hatte in den letzten Jahren auch den Eindruck, dass unerfahrene HeadCoaches ein spezielles Risiko darstellten. Daher finde ich die Anregung höchst interessant – ich habe mich mal zu einer Analyse hinreißen lassen. Die Testmenge ist so gesetzt, weil ich meine vor Jahren erstellte und gefütterte eigene Access-Datenbank mit der Saison 1999 begonnen hatte.

Rookie-Coaches seit 1999

Seit 1999 wurden folgende 59 „Rookie“-Cheftrainer in der NFL eingestellt (als „Rookies“ gelten auch Leute wie Les Frazier, die von Interims- zu Cheftrainern befördert worden waren, sofern nicht mit vorheriger HC-Erfahrung) . Angeführt sind neben der Sieg/Niederlagen-Bilanz auch die Sieg-Quote (%) und die Dauer des Aufenthalts (yrs).

Wir haben vier Superbowl-Sieger unter den Rookie-Coaches, plus sechs, deren größter Erfolg ein Conference-Titel war. Nicht zu vergessen: 2005/06 gewann mit Cowher ein weiterer Rookie den/die/das Superbowl. Durchschnittliche Bilanz der Rookie-HeadCoaches: Siegquote von 48.3% und Verweildauer von 3.7 Saisons (ergo: 59 Spiele/ohne Playoffs).

Rookie-Headcoaches seit 1999

Rookie-Headcoaches seit 1999

Die Arrivierten seit 1999

Wir haben im selben Zeitraum 30 Trainerverpflichtungen von Männern, die zuvor bereits andernorts Erfahrungen als HeadCoach gesammelt hatten (Leute wie Schottenheimer oder Turner wurden mehrmals eingestellt). Die Bilanz hier: Vier Superbowl-Champs und ein Superbowl-Verlierer. Durchschnittliche Sieg-Quote von 51.0% und durchschnittliche Verweildauer von 3.8 Saisons (61 Spiele).

Die erfahrenen Head Coaches

Die erfahrenen Head Coaches

Der Vergleich

Vergleich Rookies zu Arrivierte

Linien = Winning % (Skala links), Balken = Anzahl Einstellungen (Skala rechts)

Im folgenden Graphen sind die Sieg-Quoten der HeadCoaches pro Jahrgang verglichen. Im Hintergrund die Balken mit der jeweiligen Anzahl der Trainerwechsel in jenem Jahr. Es gilt: GRÜN = Grünling/Rookie, BLAU = Arrivierter.

Ein Trend lässt sich nur in Sachen Anzahl der Neuverpflichtungen herauslesen: In den vergangenen 6-7 Jahren wurden tendenziell überpropotional viele Head Coaches ohne Erfahrung eingestellt, wobei zwei Jahrgänge einzig und allein aus Rookies bestanden. Insgesamt ist das Verhältnis seit 2005 sagenhafte 35:11 pro Rookies. Die Erfolgsquoten der beiden Gruppen lassen nicht wirklich einen stabilen Trend erkennen.

Aus den oberen Tabellen kann man herauslesen, dass die beiden Gruppen tendenziell fast gleich lange im Amt bleiben (3.8 zu 3.7 Jahre), die Arrivierten aber ca. 3% mehr Spiele gewinnen. Ich bin mir ob der Bedeutung dieser 3% nicht sicher, ob sie ausreichend signifikant sind. Da ich nicht herauslesen kann, wie viele direkte Duelle zwischen Rookies und Arrivierten es gegeben hat, lässt sich nicht herauslesen, welche Quote die Arrivierten in den direkten Duellen einfahren. Fakt ist aber: Eine Siegquote von 51% bedeutet, dass die Arrivierten mit den 3553 Spielen der Rookies ca. 100 Siege mehr eingefahren hätten.

Beim Betrachten des Datenpools fällt auch auf, dass beide Gruppen gespickt sind mit ähnlichen Trainerkarrieren. Es gibt die Martz’schen oder Gruden’schen Coaches auf beiden Seiten (Leute, die Topteams übernehmen durften und diese mit zunehmder Vertragslaufzeit zu immer schlechteren Ergebnissen coachten), beide haben ihre Turnaround-Meister (quasi die Belichicks und Paytons), beide haben ihre Graupen (Mornhinweg, LeBeau), beide ihre Einjahreswunder (Jauron, Wannstedt).

Prozentuell ist der Anteil der Superbowl-Sieger bei den Arrivierten höher. Auf der anderen Seite kann man dem entgegensetzen, dass ein Herr Gruden einen fast fertigen „Champion in the making“ von seinem Vorgänger Dungy – einem Rookie – übernommen hatte. Dass ein Payton oder Billick langjährige Loser innerhalb kurzer Zeit zu Titelgewinnen führten. Wenn heuer zwei Arrivierte im Superbowl standen, dann waren es in den letzten drei Jahren ausschließlich Rookies gewesen.

Auf der anderen Seite korreliert die Vertragslaufzeit über wahllose Fünfjahresräume seit 1999 bei den Arrivierten stärker mit der Sieg-Quote als jene der Rookies, was dafür spricht, dass Rookies häufiger aus Gründen gefeuert werden, die mit Dingen abseits des Feldes zu tun haben.

Schlussfolgerung

Meiner Meinung nach sind die Vorbehalte gegen den Typus des Rookie-Head Coaches übertrieben. Jene Vorbehalte, die sich vermutlich durch die vielen spektakulär gefloppten Rookies der vergangenen Jahre verstärkt hatten. Cam Cameron. Nolan. McDaniels. Spagnuolo. Petrino. Kiffin. Es gibt aber auch die leuchtenden Beispiele Payton, Smith, McCarthy und vielleicht beide Harbaughs. Die Arrivierten haben auch ihre großen Flops: Erickson. Shell. Mora jr.

Sofern er bereits ein paar Jahre Erfahrung als Coordinator gemacht haben sollte, favorisiere ich persönlich tendenziell sogar die Neueinstellung eines Rookies. Die junge Generation scheint mir einen Tick offener für mehr Pragmatismus zu sein; sie scheint tendenziell stärker auf den Erfolgsfaktor „Passspiel“ zu setzen; und schlussendlich ist die Erwartungshaltung bei einem Rookie meistens vage genug, dass es spannender ist, einem Schwartz zuzuschauen als einer weiteren Ära Schottenheimer.

Fahrplan zur NFL-Offseason

Ich werde für alles – sofern wichtig genug – rechtzeitig genauer drauf eingehen. Für’s erste nur mit subtiler Warnung vor dem Reizwort “heuer” der Verweis auf meinen Eintrag bei Spox.com zum NFL-Fahrplan in der Offseason. Offseason ist eine tolle Zeit, weil wir viel zum Analysieren haben und nebenbei immer ein Spannungsmoment passiert, wie viele Draftpicks Belichick tauschen wird oder wie viele Scheine Snyder vom Balkon runterhält.

Whitney Houston ist tot

Gerade habe ich es in den Nachrichten gehört: Sängerin Whitney Houston ist heute Nacht 48jährig in Los Angeles verstorben. Whitney Houston war die Dame, die in den vergangenen Jahren nur noch Negativschlagzeilen produzierte, aber die Stimme dieser Frau war fantastisch. Was das mit Football zu tun hat?

Vor Superbowl XXV (Giants vs. Bills) in Tampa, zu Zeiten des Golfkrieges, war Whitney Houston die Sängerin der US-Nationalhymne. Man vergleiche diese Performance mit dem heutzutage so Gebotenen und man bekomme – lassen wir den Faktor „Bush sr.“ mal vor der Tür – feuchte Augen.

R.I.P.

Manning Face integrated

Sehr gut möglich, dass die Liaison Manning/Colts in einem Monat zu Ende sein wird – womit auch das von Bill Simmons kreierte “Manning Face” seinen Standort wechseln dürfte. Wohin? Das sei mal dahingestellt, aber ein amerikanischer Grafik-Blogger hat sich schonmal an die Arbeit gemacht und das Manning Face in die NFL-Logos integriert.

Der ausgewürfelte Superbowlsieger

Alles in allem ein Spiel, das so oder so hätte ausgehen können. Der Sieger war ein zufälliger – so wie man es hatte befürchten müssen.

Diese meine spontanen Gedanken am Ende des Liveblogs zu Superbowl XLVI waren Anlass zu einiger Irritation und fordern mich zu einer Klarstellung heraus. Nein, dieser Satz bedeutet nicht, dass die New York Giants ein unverdienter Titelträger 2011/12 sind. Und nein, dieser Satz bedeutet auch nicht, dass die New York Giants reine Kinder des Glücks waren. Trotzdem sind sie ein eher zufälliger Superbowl-Sieger 2011/12.

Einer der faszinierenden Aspekte an der Sportart American Football ist, dass man sich im Rückspiegel häufig an einzelnen Situationen gegen Spielende aufhängen kann – und das mit Recht!

Denn wenn sich zwei Teams über vier Viertel und 60 Spielminuten auf fast exakt gleicher Augenhöhe begegnen, entscheiden oft Kleinigkeiten, Zufälle, glückliche Fügungen. Man kann dies sehr gut an den GWP-Charts („Game Winning Probability“/Sieg-Wahrscheinlichkeit) vom hoch geschätzten Brian Burke von Advanced NFL Stats ablesen: Eine Vierpunkteführung in der „Crunch Time“ ist mehr wert als eine Vierpunkteführung im ersten Viertel. Sie ist auch mehr wert als eine Zehnpunkteführung im ersten Viertel.

Und so ist ein geglücktes 3rd down und 11 an der gegnerischen 44yds Line 3:59 Minuten vor Spielende bei Zweipunkteführung im Sinne der Sieg-Wahrscheinlichkeit auch wertvoller als ein gelungenes 3rd down und 11 an der gegnerischen 44yds und zwei Punkten Vorsprung im – sagen wir – zweiten Viertel, respektive ein Scheitern im Schlussviertel verheerender als ein Scheitern irgendwo am Anfang der Partie.

Die Konzentration auf die Schlüsselmomente gegen Spielende ist also ebenso intuitiv wie mathematisch erwiesen und geht damit über den üblichen ESPN-Hype hinaus. Das bedeutet nicht, dass alles Vorherige unrelevant war, denn alles Vorherige bereitete das Feld für die Crunch Time und ist oft ebenso mit Zufällen besät wie der entscheidende Moment himself.

Anders gesagt: Die Gesamtleistung eines Mannings wird durch die Comeback-Drives im Schlussviertel nicht unbedingt sehr viel besser. Sie wird jedoch wertvoller. Das ist – um ganz kurz abzuschweifen – auch das interessante beim simultanen Betrachten von Pro Football Focus, das versucht, jeden Spielzug unabhängig der Situation gleich zu gewichten und damit der blanken Leistung Beachtung schenkt, und Advanced NFL Stats, das aufgrund der Einbeziehung des Kontexts dazu neigt, die Crunch Time – sofern eine Partie darauf hinausläuft – deutlich höher zu bewerten, weil es den Einfluss eines Spielers auf den Spielausgang misst.


Superbowl XLVI war so ein enges, hart umkämpftes Spiel zweier sehr, sehr guter Footballmannschaften, das spätestens im dritten Viertel erkennbar auf einen Furz als Entscheidungsfinder („Tie-Breaker“ ist angesichts des Spielstandes nicht ganz korrekt, gefühlt aber zutreffend) hinauslaufen musste.

Stark reduziert ist die Analyse des Superbowls ebenso populistisch wie tiefschürfend: Die Giants haben den einen Fehler der Patriots (Welkers Drop) genutzt, die Patriots den großen Fehler der Giants (Bradshaws Touchdown) nicht.

Hätte Welker den Catch gemacht, die Patriots hätten das Spiel so gut wie eingetütet gehabt (mit Drop 74%, ohne Drop wären es 98% gewesen!). Wer findet, kann einen anderen Moment herausheben. Was die Sache mit Welker aber einen Tick brisanter macht: Dieser neben Belichicks Anti-Management völlig spiel(mit)entscheidende Augenblick war ein „unforced error“. Der Giants-Beitrag zum Welker-Drop geht nicht über einen in der Wurfbahn stehenden Abwehrspieler hinaus: Welker war meterweit ungedeckt und man kann angesichts der Klasse der Protagonisten erwarten, dass sowohl Brady den Wurf platziert, als auch Fangwunder Welker das Ei zu pflücken vermag – trotz dieses einen Männleins.

Beides geschah in jenem Moment nicht. Für beides konnten die Giants herzlich wenig. Deswegen fällt der Giants-Sieg aus Giants-Sicht trotz der sehr guten Mannschaftsleistung zu einer großen Portion in die Kategorie des Zufalls, der glücklichen Fügung, was aufgrund der schieren Ausgeglichenheit der Mannschaften nicht mit „verdient“ oder „unverdient“ gleichzusetzen ist.

Hell, alle drei der abschließenden NFL-Partien dieser Saison wurden durch „unforced errors“ wenn nicht entschieden, dann doch extrem stark beeinflusst. Das verkickte Field Goal der Ravens. Das entnervte Knie des Kyle Williams. Der Drop des Wes Welker. Eine einzige Situation, die anders ausgeht, und wir haben, obwohl die Leistung haargenau gleich gut war, keinen Superbowl-Champ Giants.

Wir waren gar nicht so weit von einem 2-0 Endspielsieg der Baltimore Ravens über San Francisco entfernt wie wir glauben, und jeder der beiden wäre a) ein verdienter und b) ein zufälliger Ringträger gewesen.