Sonntagsvorschauer 2015 | Woche 15

Football!

Drama schon um 19Uhr. Es wird weiter ausgesiebt; es werden gegen halb elf heute abend ein paar neue Mannschaften hinzukommen, die sich von den Playoffs verabschieden können.

19.00Uhr

Jaguars (5-8) @ Falcons (6-7)
Texans (6-7) @ Colts (6-7)
Panthers (13-0) @ Giants (6-7)

Die Jacksonville Jaguars (5-8) und Atlanta Falcons (6-7) zum Beispiel. Die Jags von Ex-Seahawks DC Gus Bradley sind auf dem aufsteigenden Ast. Drei der letzten fünf Partien gewonnen; die Allens, Robinson und Hurns, entwickeln sich zu richtig guten Wide Receivers (gemeinsam fast 2000 Yards und 20 TDs); und Blake Bortles könnte einigen pundits zufolge auf dem Weg sein, einer der besten Quarterbacks seiner Generation zu werden. Das hätte sich noch vor drei Monaten recht absurd angehört – wie auch der Umstand, daß die Jacksonville Jaguars am 20. Dezember noch mittenmang sind im Playoffrennen.

Die Atlanta Falcons dagegen können schon anfangen Sündenböcke zu suchen. Die Mannschaft des anderen Ex-Seahawk DC, Dan Quinn, hat die letzten sechs Spiele verloren. Die Offense macht einen kläglichen Eindruck; Matt Ryan spielt wie ein Schatten seiner selbst und OC Kyle Shanahan sind die Ideen ausgegangen, dem Angriff irgendwie Gefährlichkeit einzuimpfen. Eine schöne gut check opportunity für Jacksonville: ein must-win game zu Hause gegen eine Mannschaft ohne jedes Selbstbewußtsein.


Daß die Jags allerdings überhaupt noch im Rennen sind, verdanken sie der schwachen Konkurrenz in der eigenen Division. Houston und Indy, beide 6-7, spielen um die Pole Position in der AFC South (18.55Uhr auf Pro7 Maxx und ran.de). Bei den Colts ist HC Chuck Pagano unter Feuer und QB Andrew Luck immer noch verletzt. Bei den Texans ist QB Brian Hoyer verletzt; die Verteidigung um JJ Watt und mittlerweile auch Jadeveon Clowney hat die Saison gerettet: bei den vier Siegen im November hat man nur 29 Punkte zugelassen.

Da auch Indys Backup-QB Matt Hasselbeck angeschlagen ist, könnte es zum Duell T.J. Yates gegen Charlie Whitehurst kommen. Weil Whitehurst eine ungemein imposante Haarpracht besitzt und in zehn Jahren NFL gerade mal 350 Pässe geworfen hat, nennt man ihn Clipboard Jesus. Hasselbeck ist 40 Jahre alt. Yates hat in seinem NFL-Leben bisher sechs Touchdowns geworfen, aber dafür schon mehr Playoffspiele gewonnen als Andy Dalton (nämlichs eins). Wenn Watt/Clowney und der Rest der Defense von Romeo Crennel dem Colts-QB das Leben zur Hölle machen, dürfte das spannendste dieser Übertragung die Gegenüberstellung von Cliboard Jesus und ran.de’s Socialmediadings „Icke“ sein.

[Korsakoffs Power Ranking nach Woche 14]

Viel spannender dürfte dagegen der Ausflug der Carolina Panthers (13-0) in die Meadowlands sein. Dort brauchen die New York Giants (6-7) ganz dringend einen Sieg, um weiter um die Tabellenspitze der NFC East mitzuspielen (innerhalb der Division ist Big Blue nur 2-3; am letzten Spieltag kommen die Philadelphia Eagles zu Besuch).

Die Giants sind ein komisches Team. Fast alle Spiele bleiben bis zum Schluß knapp, aber zu viele dieser Spiele wurden in den letzten Minuten dumm verloren. Wären alle Spiele nach 58 Minuten abgepfiffen worden, hätten die Giants 11 gewonnen und nur zwei verloren; so sind sie aber 6-7. Die Verteidigung ist grundsolide, lebt aber mehr von ihrem hervorragenden Defensive Coordinator Steve Spagnuolo als vom individuellen Talent.

Carolina hat die bye week schon sicher, spielt nur noch um den Heimvorteil bis zum Super Bowl. OC Mike Shula hat hier eine wunderbar kreative, laufzentrierte Offense designed, die auf die Stärken Cam Newtons zugeschnitten ist: viele read option Spielzüge, knallharte Bälle zu den erfahrenen Veteranen TE Olsen und WR Cochery, und immer mal wieder der tiefe Ball („shot plays“) zu Ted Ginn. Olsen angeschlagen, Newton leicht angeschlagen; die Giants müssen gewinnen, spielen zu Hause und haben einen sehr kreativen DC – upset alert.

Chiefs (8-5) @ Ravens (4-9)
Titans (3-10) @ Patriots (11-2)
Bears (5-8) @ Vikings (8-5)
Bills (6-7) @ Redskins (6-7)


Die Redskins haben die geteilte Tabellenführung in der NFC East inne, weil sie eine durchschnittliche, aber recht disziplinierte Mannschaft sind, die keine dummen Fehler macht (außer sowas manchmal). Die Bills sind nur 6-7, weil sie als überdurchschnittliche Mannschaft überdurchschnittlich viele Dummheiten machen. Man ist in Sachen Strafen auf Rekordkurs. Rechnerisch ist die Wildcard noch drin, aber die Steelers, Jets und Chiefs (alle 8-5) sind nicht dumm genug, diese noch den Bills zu überlassen.

Die Chiefs dürften den Ravens überlegen sein, aber wie Baltimore trotz drei Dutzend Verletzter alle Spiele knapp gehalten ist ungemein beeindruckend und spicht einmal mehr für die Klasse von HC Harbaugh und GM Newsome.

Bill Belichick, Tom Brady auf Rachefeldzug, zu Hause gegen eine schlechte Mannschaft mit Rookie-QB – das könnte ganz, ganz böse werden für die Titans.

Die Vikings haben zwar noch zwei Spiele Vorsprung auf die Wild-Card-Verfolger der NFC East (WAS, NYG, PHI), ATL (6-7) und sogar noch Rams und Bucs (6-8), aber so wie derzeit spielen und weil wichtige Leistungsträger angeschlagen sind (Safety Smith und LB Barr out; DL Joseph und Griffen questionable), müssen sie sich noch erheblich strecken. Die Bears sind ein unangenehmer Gegner. HC John Fox hat aus dem Trümmerhaufen 2014 eine respektable Einheit gemacht, die dem Divisionskonkurrenten an diesem Sonntag ebenbürtig erscheint.

22.05/22.25Uhr

Broncos (10-3) @ Steelers (8-5)
Packers (9-4) @ Raiders (6-7)

Das Topspiel hier: Denver (10-3) in Pittsburgh (8-5) (22.25Uhr auf Pro7 Maxx und ran.de). Die Steelers sind der Favorit. Die Steelers-D unter DC Keith Butler ist so komplex, daß die eigenen Spieler manchmal nicht wissen, wer welche Aufgaben hat. Die Komplexität dürfte aber auch Brock Osweiler vor große Probleme stellen. Denvers Angriff hat seit 23 Serien keinen Touchdown mehr gemacht. Letzte Woche hat Oaklands Khalil Mack die Offense fast im Alleingang zermartert (fünf Sacks). Dieses Duell ist prädestiniert für einige Big Plays: entweder Big Plays weil Pittsburghs Verteidiger sich selbst verwirren oder INTs weil sie Osweiler verwirren.

Auf der anderen Seite dagegen gibt es das Duell der derzeit wohl explosivsten Offense gegen die vielleicht beste Defense der Liga. Klassischer Fall der alten Footballweisheit: das Spiel wird entschieden von Turnovers, Penalties, Special Teams. Denver spielt noch gegen Cincinnati und San Diego – man könnte sogar noch die Playoffs verpassen, wenn PIT/KC/NYJ (alle 8-5) so weiterspielen wie in den letzten Wochen.

Green Bay (9-4) hat drei Spiele Vorsprung, ist also wahrscheinlich durch. Allerdings sucht der Angriff gerade seine Identität. HC McCarthy hat in einem Verzweiflungsmove wieder das Playcalling übernommen. Letzte Woche gegen Dallas ist war auf einmal das Laufspiel das Zentrum der Offense. Der Paßangriff ist völlig verunsichert: die WRs können sich nicht freilaufen; das play design hilft ihnen auch nicht; sogar QB Rodgers sieht manchmal hilflos aus. Ende Dezember ist ein denkbar schlechter Zeitpunkt, eine neue Identität zu suchen. Über die Raiders haben Bill Barnwell und Chase Stuart geschrieben.

Browns (3-10) @ Seahawks (8-5)
Dolphins (5-8) @ Chargers (3-10)
Bengals (10-3) @ 49ers (4-9)


Ihre Identität gefunden haben völlig überraschend die Seahawks. Was OC Bevell und QB Wilson da zur Zeit abziehen ist ganz großer Sport. Wilson spielt teilweise wie Tom Brady: schnelle, sichere Würfe aus der Pocket. Viele three- und five step drops; schnelle, gute Entscheidungen; Bevell macht ihm das Leben leicht. Das sieht sehr, sehr rund aus in Seattle. Zum Angriffskonzept dann mehr in den Playoff Previews.

In Cleveland ist alles wie immer: am Trainer wird rumgesägt, der Quarterback ist ein Trottel [1, 2, 3], das Team hat sich aufgegeben und niemand hängt sich mehr rein. [Jenny Vrentas über die Factory of Sadness.]

Bei den Bengals ist Andy Dalton verletzt. Es geht zwar nur gegen die Niners, aber man weiß nicht, was man an A.J. McCarron hat. Letzte Woche hat er einige gute Plays gemacht, und einige schlechte (vor allem die beiden INTs waren klassische rookie mistakes: den wartenden „flat“-Verteidiger an der Seitenlinie nicht gesehen; den Ball hoch in die Mitte werfen.) Greg Cosell hat sich McCarron genauer angeschaut.

McCarron hat zwei National Championships mit Alabama gewonnen – und wäre der erste Alabama-QB der ein NFL-Spiel gewinnt seit 1987. Wenn McCarron keinen großen Quatsch macht, werden die Bengals auch nicht gegen Blaine Gabbert verlieren.

Sunday Night Game

Die Philadelphia Eagles (6-7) spielen derzeit Wilde Sau, weil man eh nichts mehr zu verlieren hat. Nach den drei Niederlagen in Serie gegen den Ligabodensatz aus Miami, Tampa und Detroit hat Sam Bradford sogar angefangen, tiefe Bälle zu werfen (wenn auch nicht unbedingt sehr erfolgreich).

Was die Eagles in den letzten beiden Jahren immer am Leben gehalten hat, sind Return-Touchdowns. Letzte Jahr haben Special Teams und Defense 11 Touchdowns gemacht, diese Saison bereits sechs. So kann man auch mal im Foxborough gewinnen, aber ein game plan ist das natürlich nicht.

Irgendwo müssen aber einige Touchdowns herkommen, denn Bruce Arians und Carson Palmer feuern aus allen Rohren. Kein Angriff macht mehr First Downs, Yards und Yards pro Versuch als die Cardinals. Die Hauptwaffe gegen den tiefen Ball sollte DL Fletcher Cox sein, der an Geno Atkins in his prime erinnert.

Die Cardinals (11-2) spielen noch um den Heimvorteil bis zum Super Bowl. Mit Green Bay und Seattle hat man an den letzten beiden Spieltagen unangenehme Gäste in der Wüste, daher sollte dieses Spiel gewonnen werden. Die Eagles spielen noch gegen die Divisionsrivalen aus Washington und New York, könnten also eine Niederlage verschmerzen.

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