Vorschau Super Bowl LI: Atlantas Offense vs New Englands Defense

 

Ohne lange Vorrede gleich rein: Super Bowl LI, Atlantas Offense gegen New Englands Defense.

Atlanta hat einen „historisch“ guten Angriff. In einem Drittel ihrer Spiele machen sie mehr als 40 Punkte, im Schnitt lassen sie sich 33,5 Punkte pro Spiels aufs Scoreboard schreiben. Matt Ryan spielt auf MVP-Level und hat sich in unserer Lieblings-QB-Statistik ANY/A mal eben zwischen Peyton Manning, Aaron Rodgers, Dan Marino und Tom Brady einsortiert. Die Falcons haben einen einzigartigen Wide Receiver in Julio Jones, zwei sehr vielseitige explosive Running Backs in Tevin Coleman und Devonta Freeman, einen langen Slot-Jungen mit großen Händen, Momo Sanu und einen kurzen Speed-Jungen Tyler Gabriel. Die Offensive Line wurde mit Neuzugang Alex Mack auf Center auf ein ganz neues Level gehoben und Kyle Shanahan, der in seiner 13. NFL-Saison von Pundits und Fans zum Wunderkind befördert wurde, hat dieser Offense ein taktisch wie ästhetisch fassungslos faszinierend vielseitiges Gerüst gebastelt.

Damit wurde in den letzten zwei Wochen das Internet vollgeschrieben. Die besten waren von: Bill Barnwell, Cian Fahey, Robert Mays, Aaron Schatz, Podcast mit Andy Benoit und jeder Podcast mit Greg Cosell, zum Beispiel bei The Ringer, bei dem auch Aaron Schatz dabei war.

Wir konzentrieren uns hier auf eine mögliche Antwort der Patriots. Im Sinne der Komplexitätsreduktion versuchen wir das Mal folgendermaßen: ein strategisches Ziel und fünf taktische Mittel dieses zu erreichen.

Strategisches Ziel: Big Plays verhindern (hier freihändig definiert als Pässe mit 16+ Yards Raumgewinn, Läufe mit 7+ Yards Raumgewinn). Die Idee dahinter: make’em earn it, gib ihnen mehr Möglichkeiten zu Fehlern und stoppe sie in der Redzone. Als weniger wichtig erachtet werden hier First Downs, Länge der Drives und Time of Possession..

Taktische Mittel: fünf.

Taktisches Mittel 1 wird ihnen heute präsentiert von Captain Obvious: Julio Jones wird gedoppelt. Entweder von oben her mit einem Safety, oder auch von unten her mit Linebackers/Slot Cornerbacks, welche in die kurzen Routen springen, vor allem, wenn Jones nicht an der Außenlinie spielt. Ganz besonders wichtig könnte das in der Redzone werden. So gut die Falcons Offense between the 20s auch ist, dahinter ist sie nur mittelmäßig. Atlanta scheint darunter zu leiden, den Gegner nicht vertikal in die Länge ziehen zu können.

Taktisches Mittel 2: zwei tiefe Safeties

Between the 20s lassen wir uns hier nämlich auch in die Länge ziehen und würden mit zwei tiefen Safeties spielen. Es ist so viel Explosivität im Paßspiel – Jones, Gabriel, Sanu, Coleman können alle gefährlich tief gehen -, daß man hier wirklich auf Nummer sicher gehen muß. Atlanta hatte diese Saison die meisten Big Plays der Liga. Mit diesen Big Plays machen sie die Punkte, die sie in der Redzone nicht machen.

Die beiden Safeties hier sind dazu exzellent geeignet. Duron Harmon und DPOY-Kandidat Devin McCourty können durch ihre Athletik und ihre sehr gute taktische Ausbildung mehr Raum abdecken als jedes andere Safety-Duo der NFL. Auch gegen das großartige Play-Action-Spiel der Falcons sollte das helfen.

Die tiefen Safeties laden natürlich zum Laufen ein, aber damit sollte New England ok sein. Die DTs Branch und Brown sind bockstark in der Mitte und Hightower räumt für gewöhnlich sehr sicher ab, was durchkommt. Knackpunkt hier: die dünnen Jungs neben Hightower, entweder VanNoy oder Roberts.


Taktisches Mittel 3: Zonenverteidigung, vor allem wegen der Running Backs.

Vor den beiden tiefen Safeties würden wir vorwiegend Zonenverteidigung spielen. Aus einem ganz simplen Grund: die Running Backs Colemand und Freeman im Paßspiel. Shanahan setzt die beiden sehr extensiv als Paßempfänger ein: aus dem Backfield heraus, aus dem Slot oder sogar outside the numbers. Die Patriots kennen das ganz gut, denn sie machen es mit White/Lewis genauso. Und sie wissen auch ganz genau, wie erfolgreich das gegen man coverage ist, wenn so ein kleiner Wieselflink gegen einen dicken Linebacker spielt.

Die WRs könnte man durchaus angstfrei in Man Coverage nehmen (wenn man Jones doppelt). Als Alternativen zur Zonenverteidigung gäbe es noch die sehr ungewöhnliche Variante, McCourty oder S/LB Pat Chung als Manndecker auf die RBs anzusetzen. Man wird gleich zu Beginn des Spiels sehen, wie Belly/Patricia das verteidigen wollen, denn Shanahan ist genauso gespannt auf diese Antwort wie ich und wird das gleich zu Beginn checken mit entsprechenden Spielzügen und Aufstellungen.

Taktisches Mittel 4: 5-2 Front der Pats

Im Laufspiel muß das erste Ziel sein, die outside zone runs von Atlanta nicht outside gehen zu lassen, sondern die Running Backs zurück in die Mitte zu zwingen. Dafür könnten sie auf ein bewährtes Mittel zurückgreifen. Es war für New England 2013/14 eine der beliebtesten Aufstellungen der Front-7: 5-2, also fünf Mann an der LOS, zwei Linebackers in der Mitte dahinter. Zwei Edge Players weit außen, außerhalb der Offensive Tackles beziehungsweise Tight Ends, heute dürfte das eine Rotation aus Rob Ninkovich, Jabaal Sheard, Chris Long spielen. In der Mitte spielen zwei dicke Tackles, heute sind das die starken Laufverteidiger Alan Branch und Malcolm Brown. Und als fünften hat man noch einen Defensive End wie Trey Flowers neben einem der Edge Players (Long kann das auch spielen).

Will man unbedingt in der bevorzugten Aufstellung bleiben, Big Nickel (mit Pat Chung als drittem Linebacker), kann auch durchaus ein Chung oder ein Logan Ryan den Edge Player geben. Die Edge Players sind hier die entscheidenden Typen mit einer einzigen klaren Aufgabe: du läßt den Running unter gar keinen Umständen zwischen deinen Körper und Seitenlinie. Das ist Dein Job, nichts anderes. Don’t try to be the hero, just Do Your Job! Die Typen in der Mitte sind deine Freunde, die machen den Tackle. Wenn Branch/Brown/Hightwer heute in einigen Replays von Laufspielzügen erwähnt werden, haben die Edge Players alles richtig gemacht.

Taktisches Mittel 5: No YAC. Tackling, Tackling, Tackling

Die tiefe Position der Safeties und die weite Position der Edge Players in Kombination mit viel Zonenverteidigung bedeutet: da ist jede Menge Platz für Atlantas Wide Receivers, also between the 20s, in der Redzone wird es dann schon wieder enger. Da muß jeder Tackle sitzen, um das Big Play zu verhindern. Passenderweise ist die diesjährige Secondary der Pats die beste in Sachen Tackling, die ich seit langem gesehen habe: McCourty, Harmon, Chung, Malcolm Butler, auch Eric Rowe und vor allem Logan Ryan. Hut ab.

Die entscheidende Statistik dafür hat als erster ausgerechnet Tony Khan auf seinem InstaFace gepostst: Die Pats-D ist die Nr.1 nach erlaubten Yards after Catch (YAC) mit 4,1 YAC. Die beste Offense? Die Pats natürlich; aber Nr. 2: mit 6,2 YAC die Atlanta Falcons.


Um das ganze hier abzuschließen und uns nicht in Details zu verlieren und vor allem weil Belichick ja sowieso immer was anderes macht, als man erwartet: zu beobachten werden sein noch die Verletzeungen von Center Mack und WR Jones.

Die Patriots selbst werden viele Punkte machen. Wenn die Patriots in den letzten Jahren Playoffspiele verloren haben, dann wegen der schwachen Offense. Das war 2013 & 2015 gegen Denver so, 2012 und 2009 gegen Baltimore, 2011 & 2007 gegen die Giants und 2010 gegen die Jets. Einen Shootout haben sie zuletzt im absolut fassungslosen AFC Championship Game 2006 verloren – gegen Peyton Manning. Wenn diese Offense der Falcons wirklich so historisch ist, dann müßte sie heute schon auf dieses Level kommen. Der Spread von –3 für New England fühlt sich zu wenig an. Ich sehe die Pats hier eher mit einem Touchdown vorne.

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8 Kommentare zu “Vorschau Super Bowl LI: Atlantas Offense vs New Englands Defense

  1. Hab den pats Pass Rush nicht so stark in Erinnerung. Könnte ein Mittel sein, Ryan extrem unter Druck zu setzen, haben sich aber sicher schon andere gedacht und ich hab davon diese Saison noch nicht viel gesehen. Denke die Pats werden sich viel in Coverage Fallen lassen und nur versuchen über die Mitte ins Buckfield zu kommen um Ryan zu attackieren, bzw den Run direkt dort zu stoppen.

  2. Pingback: Superbowl-Warmup 2017 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  3. @Blub: Es gibt durchaus Meinungen, die Atlantas Offense Line für recht unausgetestet halten und erwarten, dass Ryan mehr Druck sieht als ihm lieb ist.

  4. Kann schon sein, aber das hat ja nen Grund. Atlanta hat den schwersten defensive schedule seit Jahren gespielt, das wäre bestimmt mal aufgefallen wenn Druck da helfen würde.
    Und New England hat in der zweiten Saisonhälfte allenfalls Coverage sacks gemacht.

  5. Pingback: Die furchtlose NFL-Vorschau 2017/18 | Die Kellerkinder | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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