Date am Donnerstag – Es wird nicht schön, aber es gibt trotzdem genug Stoff um einzuschalten

Heute Nacht beginnt Woche 7 der NFL-Saison 2018 mit dem Thursday Night Game Arizona Cardinals (1-5) vs. Denver Broncos (2-4). Die bisherigen Primetime-Spiele der NFL-Saison waren überwiegend großartig. Angesichts des Matchups ist eine Fortsetzung des ästhetisch ansprechenden Footballs mitten in der Nacht eher unwahrscheinlich. Trotzdem gibt das Matchup einiges her.

Denver Broncos unterm Mikroskop

Denver und Arizona sind beide nicht happy mit dem bisherigen Saisonverlauf. Die Broncos hatten sich viel mehr ausgerechnet als einen 2-4 Start mit zuletzt vier Niederlagen en suite. Als einziges Positives kann man dabei herauskitzeln, dass man mit Baltimore, Kansas City und den Rams drei Top-5 Teams bespielen musste, wobei man gegen letztere zwei die Partien jeweils knapp halten konnte und teilweise nur unglücklich verlor.

Auf der anderen Seite verpassten es die Broncos, Gurkentruppen wie Raiders oder Jets zu dominieren – ja vielmehr: Im Jets-Spiel waren es die Broncos, die an die Wand gespielt wurden!

Broncos-Headcoach Vance Joseph steht damit gewaltig unter Druck: Schon letztes Jahr beendete er die Saison nur mit 5-11 Bilanz. Damals rettete er sich vor der Kritik, in dem er irgendwann zu Saisonmitte den indisponierten OffCoord Mike McCoy feuerte. (Der coacht heute übrigens auf der Gegenseite schon wieder um seinen Job.)

Joseph hat zwar erkannt, dass in der NFL das Passspiel zum Erfolg führt, was schonmal positiv ist. Doch in Denver-Landen wird ihm diese Aussage in diesen Tagen zum Strick gedreht – gerade auch, weil er am Sonntag gegen die Rams eine 43:17 Pass/Run Ratio mit nur 4 Carries für RB Philip Lindsay zuließ. Dass die Broncos dabei das ganze Spiel über einem Rückstand nachlaufen nachwerfen mussten? Vergessen die Auguren.

Zumal Denvers Pass/Run Ratio dieses Jahr gar nicht so außergewöhnlich ist: 62% Pass-Quote in der ersten Halbzeit ist nur die 11t-passlastige Offense, auch wenn man angesichts einer 48% Run-Success Rate (vs. nur 42% Pass-SR) für etwas mehr Laufspiel argumentieren könnte.

Denver in 1st-und-10? 52% Pass-Quote, genau NFL-Schnitt 2018. Passspiel (51% Success-Rate) und Laufspiel (49% Success-Rate) halten sich dabei nach Erfolgsquote die Waage.

Denver in 2nd-und-10? 50% Pass-Quote, zu niedrig gemessen an dem, was die NFL verlangt. Zu niedrig auch gemessen an den Erfolgsquoten: 25% für den Pass, 13% für den Lauf. Man könnte auch feststellen, dass man etwas am Play-Design verändern sollte, wenn man nur in rund 20% der 2nd&10 Situationen einen Erfolg einfährt (NFL-Schnitt: 33%).

Denver in 2nd/3rd&short? 42% Pass, ebenso genau NFL-Schnitt. Es ist die einzige Situation, in der man eindeutig für mehr Laufspiel argumentieren muss: 30% Pass-Success Rate, gar 90% Run Success Rate.

Das Problem liegt also weniger in der Run/Pass Verteilung als vielmehr im Design der einzelnen Spielzüge. Die Broncos verzichten in diesem Jahr bislang fast komplett auf die patentieren QB Case-Keenum-Playaction-Bootlegs, mit denen Keenum selbst als Quarterback in der gruseligen Jeff-Fisher Offense Erfolg hatte und dank denen er letztes Jahr in Minnesota zu einem veritablen NFL-Starter wurde. In Denver? Fast nie gesehen.

Auch im Laufspiel gibt es eine eindeutige Schwachstelle: Entlang der linken Seite Offense Line laufen die Broncos in eine Wand und haben enttäuschende Effizienz-Zahlen:

Denver Broncos Running Game 2018.png

Im Prinzip wären also zwei wesentliche Ansätze zur Verbesserung der Effizienz gegeben: Laufspiel über Left Tackle und Left Guard aus dem Playbook streichen und mehr Playaction-Bootlegs für Keenum einbauen. Joseph wäre selbst als an Offense desinteressierter Coach gut beraten, sich dieser zwei Optimierungspotenziale anzunehmen. Andernfalls laufen den Broncos nicht bloß die Fans davon – er riskiert vor allem sonst seinen Job. Zumal die Defense noch nicht wirklich ihren Ruf als eine der besseren bestätigen konnte.

Scheinwerfer auf die Cardinals

Der Gegner Arizona ist mit niedrigeren Erwartungen in die Saison gegangen, doch auch dort ist die Stimmung schlecht. Der Saisonstart war mit 1-5 Bilanz und mehreren Debakeln verwachst, sodass man schneller als befürchtet den QB-Wechsel von Sam Bradford auf Rookie Josh Rosen vornehmen musste – was interessanterweise im Team fast für eine Revolte gesorgt haben soll.

Rosen hat zwar in seinen wenigen Einsätzen bereits Fuß gefasst, doch hinter einer desaströsen Offense Line sind ihm zum Teil die Hände gebunden. Dazu gesellt sich höchst fragwürdiges Play-Calling von Mike McCoy, der wie vor einem Jahr in Denver auch heute vor dem Jobverlust steht.

Die Kritik an McCoy macht sich an zwei Punkten fest:

  • 1) Es gibt kaum „Rhythmus-Passing“ mit 3-Step Drops für QB Rosen, der als prototypischer Rhythmus-Passer gilt. Rosen muss zu oft zu lange warten, bis sich die Routen entwickelt haben. Dazu ist das Passspiel über die Mitte richtig schwach: Obwohl es unter Rosen besser läuft als vorher unter Bradford, komplettiert Rosen immer noch nur 1/4 tiefen Pässen und 6/18 kurzen Pässen zur schlechtesten Passing-Offense über die Spielfeldmitte.
  • 2) Bullshit-Einsatzgebiet für RB David Johnson: Johnson, vor zwei Jahren als Allzweckwaffe in Lauf und Pass ein Offense-MVP Kandidat, wird von McCoy fast immer straight über die Spielfeldmitte geschickt: 59% von Johnsons 92 Carries gehen direkt über den Center – mit verheerender Success-Rate: Nur jeder 4te Run Johnsons über die Mitte bringt einen Erfolg. Anspiele für Johnson im Passspiel? Nur deren 27 in 6 Spielen.

Reden wir die Partie schön

So wird die heutige Partie weniger ein Augenschmaus für den Zuschauer als vielmehr eine richtungsweisende Zurschaustellung zweier Krisentrupps.

In Denver ist Apathie eingekehrt, Team-Boss Elway scheut nicht vor fetten Moves zurück und Joseph eignet sich in der öffentlichen Meinung als ideales Bauernopfer. Wie mutig ist die Prediction, dass Joseph bereits um seinen Job coacht?

In Arizona ist die Situation derjenigen von Denver des letzten Jahres nicht unähnlich: Team mit vermeintlich intelligentem GM, neuem, defensivorientiertem Trainerstab, schwarzem Rookie-Headcoach, einem schwer in der Kritik stehenden OffCoord Mike McCoy und mit unterwältigender Zwischenbilanz.

Cards-Coach Steve Wilks hat es insofern einfacher, weil er in Rosen einen Rookie-QB mit großem Potenzial anbieten kann. Aber auch er wird vermutlich bald unter Druck stehen und das Gefühl haben, Zeichen setzen zu müssen um eine ganz verheerende Bilanz zu vermeiden.

Insofern haben beide Mannschaften einen Ansporn, es heute Nacht allen zu zeigen. Es sollte also eine lebhafte Partie werden.

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6 Kommentare zu “Date am Donnerstag – Es wird nicht schön, aber es gibt trotzdem genug Stoff um einzuschalten

  1. Das ist echt mal Schönreden auf Eliteniveau, Respekt 😅
    Wer dafür wachbleibt oder aufsteht isst auch kleine Kinder.

  2. wollte mal wissen,die NFL kann ja so weit ich weis sunday night games durch Attraktivere spiele ersetzen. bei monday night games geht das nicht aber geht das mit den thursday night games?

  3. Das was du zu unserer Offense schreibst trifft es perfekt. Generell haben wir vielleicht nicht das beste Team, aber VJ Musgrave usw stechen nicht wirklich durch Kreativität hervor. Ich seh meine Broncos vielleicht zu positiv aber ich hab nicht das Gefühl das VJ öfter als 1 mal im Jahr alles aus dem Team raus holt. Unser Coaching ist seit VJ da ist mMn das größte Problem neben der QB Baustelle. Allein das unser 2nd Rounder vom letztem Jahr DLiner Walker das ganze Jahr IA ist, obwohl wir keinen interior Rush haben, ist einfach unfassbar…

  4. Was geht denn bei Arizona ab? Sie müssen zwei Timeouts im ersten Viertel verbrennen, weil die Offense sich nicht aufgestellt bekommt? Das erste bereits im zweiten Spielzug (der seit Tagen festehen sollte)?
    Und dann liegen sie uneinholbar hinten und schauen zu, wie ihr potentieller Franchise-QB ein ums andere Mal ungespitzt in den Boden gerammt wird? Das ist eine sehr merkwürdige Form von „Rookie Erfahrungen sammeln lassen“. Concussion und QB-Paranoia in 3…2…1…

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