Wie viele Leute massieren einen NFL-Spieler?

Neue Wendung im Fall Watson: Gestern veröffentlichte die Verteidigung von Deshaun Watson eine Gegendarstellung von 18 namentlich genannten Frauen, die „Support“ in einer Art Gegendarstellungen zu den mittlerweile 19 (anonym) eingegangenen Zivilklagen aussprechen sollen.

Abgesehen davon, dass das ein ziemlich bizarrer Move von Watsons Anwälten ist, beschäftigt mich mehr und mehr ein damit verwandter Punkt: Die schiere Anzahl an verschiedenen von Watson gebuchten Masseusen.

Wir sind bei mittlerweile fast 40 angelangt. Zu den 19, die klagen, und den 18, die Watson supporten, gesellt sich noch mindestens eine weitere namentlich nicht genannte Person aus dem Sports-Illustrated-Artikel von Jenny Vrentas, die sich aus rechtlichen Bedenken nicht der Klage gegen Watson anschloss, aber dafür ausführlich schilderte, was sich in ihrer Massage-Session abgespielt haben soll.

Selbst wenn wir die klagenden Frauen ausschließen und annehmen, dass sie einen triftigen Grund dafür hätten kein zweites Mal zu einem Massagetermin zu erscheinen, so gibt es offenbar im Zeitraum von einem, vielleicht zwei, Jahren, immer noch roundabout weitere 20 Frauen, die auf unterschiedlichen Wegen (über Kontakte/Agenturen (?) oder direkt auf Social-Media) von Watson für private Massagetermine gebucht wurden.

Wie normal ist das, dass Profisportler in relativ kurzer Zeit so vielen verschiedenen Masseusen (wir wissen bei Watson bisher nur von weiblichen) behandeln lassen?

Gehen wir nach Dr. David Chao: Sehr unnormal. Chao, der lange Jahre Arzt in NFL-Teams war und weiter eine der besten Quellen für medizinische Fragen in den sozialen Medien ist, schreibt auf dem Blog „Outkick“ (H/T Stephan Starke):

Most professional teams have some in-house or in-facility massage therapists. During the pandemic when only official personnel access was allowed, most teams added one or more massage therapists as exceptions to tier one COVID testing to allow players regular access. In short, masseuses are considered a part of or an adjunct to the overall medical team. As such, it is not the medical norm to constantly rotate masseuses.

Und weiter:

My only comment is that medically, it is very strange for any professional athlete to have their deep tissue, Swedish, trigger point or sports massages performed by multiple different people on a rotating basis. 

The NFL players that I have interacted with have wanted consistency in the care and maintenance of their bodies. Whether surgeon, doctor, physical therapist, athletic trainer, strength coach, personal trainer, chiropractor, nutritionist or massage therapist, professional athletes demand consistency in what they need for their bodies to stay in top form.

In seinen langen Jahren in der NFL wäre es ein Novum gewesen, wenn Sportler eine solche Anzahl verschiedener Masseusen toleriert hätten:

I have never heard of a situation of rotating through 16 (or 24 or whatever number of massage therapists) in a year. To get the massage they want and trust, players often fly their masseuses to road games and put them up at the road team hotel to get their pregame ritual.

Mit diesen Informationen erscheinen die Gegendarstellungen in einem neuen Licht. Creepy.

16 Kommentare zu “Wie viele Leute massieren einen NFL-Spieler?

  1. Ich muss sagen ich bin ob dieser ganzen Entwicklung echt baff. In meinen Augen war Deshaun Watson irgendwie immer ein super Typ ohne moralisch fragwürdige Vergangenheit wie bei so einigen anderen Spielern. Sprich: charakterlich einwandfrei.

    Ich glaube festzuhalten ist, selbst wenn er die Masseurinnen nicht sexuell belästigt haben sollte und das alles eine große Verschwörung gegen ihn ist, er scheint schon irgendwie ein bisschen seltsam zu sein oder einen gewissen Fetisch zu haben oder so. Denn Profisportler oder nicht, stellt euch vor 20 verschiedene Masseure in einem Jahr zu haben… Allein die soziale Interaktion, jedes Mal wieder aufs Neue zu erklären was jetzt gemacht werden soll oder was wo wehtut ist schon super anstrengend in meinen Augen 😀

  2. Das hatte ich mich ja in den Kommentaren bei der New England News die Tage auch schon gefragt.
    Ich finde es halt total seltsam das jemand der Zugriff auf die besten Spezialisten der Welt hat, Masseusen bei Instagram sucht. Und dann so viele.
    Das wäre für mich eigentlich eher sowas wie mein Friseur. Den Wechsel ich auch nicht jeden Monat sondern gehe seit Jahren zu ihm. Teils hab ich Termine sogar verschoben weil meiner krank oder im Urlaub war.

  3. Es gibt viele Sportler, die eigentlich grundsätzlich nur einen Masseur an ihre Muskeln lassen. Wo sie das notwendige Vertrauen haben, dass dieser optimal ihren Körper vor- und nachbereitet.

  4. Ich hab am Anfang schon an einen Aprilscherz gedacht 😉
    Das Verhalten von Watson ist tatsächlich merkwürdig, und wenn seine Anwälte schon jetzt nicht mehr anzubieten haben als solche wischiwaschi Statements, dann ist zappenduster und bald Ende Gelände.

    Mein Tipp: Das werden mehr als 6 Spiele Sperre, Ruf von Watson erstmal ramponiert wenn da nicht der große Bußgang kommt.

  5. @derMadiin, wir müssen uns eins immer vor Augen halten: Wir wissen nichts sehr viel von Spielern, Promis etc, bzw nur das was wir sehen wollen. Wir kennen sie nicht so gut, wie wir es gerne glauben.
    Berühmtes Beispiel Bill Cosby: Da wollte das auch keiner glauben.

  6. @Matze: Wenn wir ehrlich sind, dann wissen wir auch gar nicht viel vom eigenen Umfeld…

  7. „Abgesehen davon, dass das ein ziemlich bizarrer Move von Watsons Anwälten ist,“

    Ich finde, man darf schon kurz darüber sprechen, _was_ für ein bizarrer Move das ist: Diese 20 Personen behaupten, ich hätte mich an ihnen auf diese oder jene Art vergangen, also präsentiere ich diese anderen 20 Personen, die aussagen, ich hätte mich denen gegenüber völlig korrekt verhalten und das beweist also, dass die ersten 20 Personen lügen? Oder wie ist das zu verstehen?

    Heute regnet es nicht, also kann es gestern auch nicht geregnet haben?

    Ich bin kein Experte für das amerikanische Rechtsssystem. Aber ich kann mir weltweit kein Rechtssystem vorstellen, in dem man mit so einer Verteidigungsstrategie nicht noch schlechter fährt, nicht massiv unglaubwürdiger wirkt, als wenn man einfach die Klappe hält. Selbst im amerikanischen, das unser Aussageverweigerungsrecht als Beschuldigter so nicht kennt.

    Zurück zu Deinem Thema: Natürlich ist die Vorstellung absurd, dass _irgendein_ Leistungssportler (und schon gar nicht einer mit Zugriff auf solche Ressorcen) derart wahllos derart viele medizinische Masseure an seinen Körper lässt. Daraus kann man aus meiner Sicht nur einen Schluss ziehen: Seine Motivlage lag woanders als bei einer sportgerechten medizinischen Massage.

    Und hier beginnt das Vorrecht der Tüpen wie uns, die Stuss ins Internet schreiben. Man steckt nicht drinnen und dies betrifft den höchstpersönlichen Privatsphäre-Bereich, in dem sich Spekulationen verbieten und der Ermittlungsarbeit der Behörden und Gerichte vorbehalten sein sollten. Also spekulieren wir doch mal schamlos. Ich kann meine Fantasie noch so anstrengen, ich sehe eigentlich nur drei mögliche Motivlagen:

    a) Wie schon erwähnt, er hat da einfach einen Kink. Er lässt sich halt gerne von wechselnden attraktiven Personen anfassen. Keine sportgerechte medizinische Massage, einfach eine nette Wohlfühl-Massage. Das wäre vielleicht etwas skurril, aber erst einmal völlig legitim und von niemanden zu verurteilen. Diese Möglichkeit unterteilt sich in zwei Untermöglichkeiten, je nachdem, ob man den Vorwürfen Glauben schenkt oder nicht:

    aa) Das lief alles genauso harmlos ab und die Klägerinnen haben sich das alles bloß ausgedacht. Oder wie man in solchen Kreisen wohl formuliert: „Das sind alles falsche Schlangen, die einmal mit einem berühmten Mann zusammen trafen und jetzt Geld aus ihm herauspressen wollen.“ Selbst wenn man das so sieht – und wer weiß, vielleicht ist es ja so? – dann hat er sich trotzdem maximal bescheuert angestellt. Denn für solche Angebote gibt es überall, wo er sich aufzuhalten pflegt, professionelle, diskrete Spas und ähnliche Ängebote, auf die er mit seinen Mitteln und Kontakten problemlos Zugriff hat. Wenn dies seine Motivlage war und er sich trotzdem irgendwelche Mädchen auf Instagram sucht, dann ist er – obwohl in dieser Variante Opfer – schon auch selber schuld.

    bb) Es war so, aber sein Kink lief halt hier und da etwas aus dem Ruder und er hat „Grenzen überschritten“. Passiert den Besten. Hört man immer wieder. Eben noch eine nette Wohlfühlmassage und „Hups!“, da hat der Kunde plötzlich seinen erregierten Schwengel in der Hand. Naja, ist ja bloß irgendein Massage-Girl, was solls, ne? Jungs halt. Da passiert das schon mal.

    In diesem Fall wäre er nicht nur ein Verbrecher, sondern erst recht unfassbar bekloppt. Weil es halt auch dafür entsprechende professionelle, diskrete Angebote gibt, auf die er sehr einfachen Zugang hat. Digga, es gibt jede Menge professionelle Sexworker mit klasse Szenarien-Skillz, die das gegen Entgelt freiwillig machen. Was soll das?

    b) Ich kann das nicht beurteilen, aber an mir flog schon mehrfach vorbei, dass sich in den USA Prostitution vielfach unter dem Deckmantel angeblicher Massagesalons verstecken soll. Stimmt das, dann könnte es also sein, dass er einfach auf diesem Weg eine örtliche Prostituerte gesucht hat und dann bei Verdacht jeweils „geguckt hat“, ob er „an der richtigen Adresse ist“.

    Auch dies wäre nicht nur ein Verbrechen sondern zusätzlich unfassbar hirnrissig. Wie verblödet muss man sein, um in seiner Position auf diese Art und Weise Prostitution zu suchen?

    c) Er ist schlichtweg ein Triebtäter, dessen Muster, nach Opfern zu suchen, dies war. Kann man nicht ausschließen (sollte man aber auch nicht von ausgehen), kommt tatsächlich überall in der Gesellschaft vor. Und in diesem Fall wäre er endgültig so ziemlich der dümmst mögliche Verbrecher: Was hat er denn erwartet, ob das ihm irgendwann auf die Füße fällt? Bei seiner Prominenz?

    Der Verweis darauf, dass es auch diesbezüglich für ihn erreichbare, professionelle Angebote gibt, die solche Bedürfnisse diskret und legal befriedigen, verbietet sich schon fast, weil solche Leute zu solchen Gedanken oft nicht mehr in der Lage sind. Wahr bleibt es trotzdem.

    Fazit: Das sind jetzt vier Szenarien. Vielleicht greift meine Fantasie zu kurz, dann möge man bitte gerne weitere ergänzen. Ich habe nur diese eine, deshalb muss ich davon ausgehen, dass dies alle möglichen Szenarien sind.

    In einer dieser vier Szenarien kommt er nicht als Täter, sondern als Opfer davon. Das ist keine Aussage, dieses eine Szenario könnte trotzdem zutreffen (und zwar genau deswegen, weil es gestern geregnet haben kann, obwohl heute die Sonne scheint… aber lassen wir das).

    Aber aus allen vier Szenarien kann ich übereinstimmend nur eine Schlussfolgerung ziehen: Er ist komplett durchverblödet.

    Man wird mir also nicht vorwerfen können, wenn ich für mich erst einmal festhalte: Watson ist ein Idiot. Und zwar nicht irgendein Wald- und Wiesen-Idiot wie ich und Du. Sondern jemand, der derart verblödet und verblendet und schlicht unprofessionell ist, dass er für sich und sein Umfeld eine Gefahr darstellt.

    Und so jemanden würde ich nicht in meinem Team haben wollen.

    Vielleicht ist er darüber hinaus auch ein Verbrecher. Oder zumindest jemand, der Frauen gegenüber ungefragt übergriffig wird. Dies bleibt aufzuklären – der Verdacht bleibt erst einmal bestehen.

  8. Vielleicht hat es ihm ja nicht „gereicht“ nur einen stinknormalen Escortservice anzufragen?

  9. Ach das ist doch alles Schwachsinn, ohne Beweise und damit meine ich eine Videoaufnahme kann jeder alles behaupten.
    Ich bin auf der Seite von Watson, der Wetter man Kachelmann würde auch von einer Frau verarscht die Wahrheit kommt immer ans Licht

  10. Bei Kachelmann war es eine Frau, bei Watson reden wir von 20 Frauen und mehr. Da fällt mir „Im Zweifel für den Angeklagten“ schwer. Weil ich müsste 20+ mal im Zweifel für Watson sein.

  11. Ich glaube, ich habe hier noch nie einen derart langen Kommentar gelesen. Aber lesenswert.
    Ich würde Sternburgs Schlussfolgerung „so jemanden würde ich nicht in meinem Team haben wollen“ noch ergänzen um: Das sehen etliche NFL-teams komplett anders. (Hello Tyreek Hill! Hello Adrian Peterson!)

  12. @dizzy: Richtg, der NFL sind solche Überlegungen traditionell fremd.

    @Johannes: Find ich super. Ab jetzt werden bei der Verfolgung von Straftaten ausschließlich Videoaufnahmen des Tathergangs als Beweismittel zugelassen. Du hast gerade das Problem der Überlastung der Justiz mit einem Federstrich gelöst. Geniat!

    Oder gilt das nur, wenn Frauen Männer beschuldigen?

  13. Naja ich denke, sie sehen es nicht anders, es ist ihnen nur einfach scheißegal. Hauptsache er performt. Was alles Andere angeht: nix gesehen, nix gehört 🤷‍♂️

    Ich bin aber auch ziemlich erschrocken darüber, wie sehr man sich als Fan oder auch nur als interessierter Beobachter in berühmten Sportlern oder anderen öffentlichen Personen täuschen kann. Er machte ja nun in wirklich allem, was er tat, einen sympathischen, sehr vernünftigen und durchaus intelligenten Eindruck.
    Deshalb muss ich mich sternburgs Fazit („Watson ist ein Idiot“) leider anschließen…

  14. Soll jetzt nicht heißen, dass ich ihn für mich als schuldig abgestempelt habe… Aber ob er’s jetzt getan hat oder nicht, hirnverbrannt war’s allemal

  15. Mittlerweile gibt es wieder neue Infos.

    „Deshaun Watson did have sexual interactions with some masseuses, but those encounters were all consensual, his attorney Rusty Hardin said Friday

    As Hardin explained, the 25-year-old Watson reached out for legitimate massage therapy, and on occasion, engaged in sexual activity with these masseuses

    Hardin did not put a number on the frequency of the sexual encounters, but did estimate his client gets between 120 and 150 professional massages a year “

    Ich verstehe die Verteidigung immer noch nicht. Erst kommt er an „Ja er hatte viele Masseusen…aber einige wurden nicht von ihm belästigt“ und nun ist er bei „Ja er hatte an die 120-150 „Massagen“ von denen einige auch in Verbindung mit Sex waren, aber alles war einvernehmlich“.

    Ich mein…Hallo? Von einem der nichts davon wüsste gab es aber mehr und mehr Details das er anscheinend doch recht viel darüber weiß.
    War er erst bei ca 20 Masseusen. Dann bei 50. Und nun hat er 150 Massagen pro Jahr bei denen er teils rumgevögelt hat. Aber hey, er hat 100% nie jemanden betatscht. Weil…das eine ja irgendwie das andere ausschließt.

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