Date am Donnerstag, Woche 3: Houston Texans – Carolina Panthers

Auftakt zu Woche 3 mit einem überraschend reizenden NFL-Donnerstagsspiel heute ab 2h20: Houston Texans (1-1) vs. Carolina Panthers (2-0). Ist „Spitzenspiel“ die richtige Vokabel?

Natürlich nein. Aber beide Teams sind besser in die Saison gekommen als erwartet. Carolina würgte die Jets und Saints komplett ab und gewann trotz eher durchwachsener Offense-Vorstellungen beide Spiele locker.

Houston räumte in Woche 1 die Jaguars beim Debüt von Trevor Lawrence aus dem Weg und konnte im zweiten Spiel erstaunlich lange mit den Browns mithalten. Alle Geister von wegen 0-17 Saison und schlechtestes Team aller Zeiten sind damit schonmal aus dem Weg geräumt.

Ein kurzer Überblick zu den beiden Mannschaften, wie ich sie in den ersten zwei Wochen NFL erlebt habe.

Panthers-Offense

Eine okaye Performance. QB Sam Darnold ist im Scheme von OffCoord Joe Brady wie erwartet „nicht-katastrophal“ unterwegs. Er rankt in den Top-15 nach PFF Passing-Grade und in den Top-15 nach EPA/Play.

Freilich sind allzu große Lobeshymnen auf Darnold arg verfrüht. Das Scheme kreiert mit relativ wenigen Blockern am Feld zahlreiche Iso-Routes und damit offene Würfe (obwohl Darnold gegen die Saints auch immerhin 20% in enge Fenster warf). Und Darnold hat auch schon zwei oder drei seiner TMHirniwürfe platziert – einen davon beim Gegner.

Darnolds Receiver sind doch um einiges besser als in New York. Vieles ist natürlich Kurzpassgedaddel, u.a. auf den famosen RB McCaffrey, der in den ersten beiden Spielen fast ein Dutzend 1st Downs gefangen hat, obwohl sein aDOT nur 0.7 Yards beträgt. McCaffrey machte bei 14 Receptions insgesamt sagenhafte 142 Yards nach Catch. Das macht einem QB das Leben erstmal einfach – allerdings kannst du auf Dauer keine Offense mit 21% kurzen Targets für einen Runningback spielen.

Die O-Line ist bis jetzt ziemlich wackelig, aber das Revolving-Door an der linken Flanke ist noch gar nicht richtig zum Tragen gekommen.

Interessant ist auch die Aufteilung der Receiver: D.J. Moore kriegt die mit Abstand meisten Targets, aber Robby Anderson spielt bis jetzt eine Freak-Rolle: Nur 8 Targets, aber die im Schnitt 23 Yards downfield. Auch der Rookie Terrace Marshall ist schon involviert mit 9 Targets.

Panthers-Defense

Ein heimlicher „Early-Season“ Star. Die Panthers rangieren adjusted an die Gegner als #2 Defense nach EPA/Play:

Sie sind damit fast sicher überschätzt, aber was schon auffiel: Diese vielen jungen Top-Athleten kreieren einen Haufen positiver Plays:

  • EDGE Brian Burns und DT Morgan Fox haben jeweils 8 Pressures
  • EDGE Haason Reddick hat 7 Pressures, DT DaQuon Jones deren 6
  • Der quasi positionslose Jeremy Chinn hat 5 Pressures und 2 Defensive Stops, und agiert in einer Hybrid-Rolle mit mehr Box-Snaps als Free-Safety-Snaps

Diese Jungspunde fliegen förmlich über das Feld und schaffen Unordnung. Der Schritt nach vorn für diese Unit ist real. Aber wie gut sie wirklich sind, werden wir erst wissen, wenn die ersten Top-QBs kommen.

Texans-Offense

„Top-QB“ ist das, womit die Houston Texans heute antreten, bestimmt nicht: Davis Mills. Der Rookie von Stanford gibt heute sein Debüt als Starter, weil der Pechvogel der Liga, Tyrod Taylor, sich mal wieder in Woche 2 verletzte und draußen ist.

Mit Taylor spielten die Texans in den ersten beiden Wochen überraschend produktive Offense – Pistol-lastig, wenige Turnovers, solide tiefe Bomben für WR Brandin Cooks und Co. Jetzt zwickt bei Tuuuuuuurod die Leiste.

Mills ist ein durchaus interessanter Prospect. Bei PFF wurde seine Einberufung verrissen, weil sie einen verschwendeten 3rd Rounder dargestellt haben soll. Ich bin nicht der Meinung. Wir haben in den letzten Jahren immer wieder gelernt, wie wenig wir effektiv über QB-Prospects wissen und ich bin selbst mit meinen (manchmal harten) Urteilen oft auf die Fresse geflogen.

Mills hat einen starken Arm, ein gutes Accuracy-Charting auf allen Levels des Feldes, galt am College auch als QB mit einem recht guten Gefühl für das Spiel. Er ist zwar immobil wie eine Scheibe Toastbrot, ist für Würfe „off platform“ nicht zu gebrauchen und hatte eine zu hohe Anzahl an Turnover-würdigen Würfen, aber Matt Waldman rankte ihn in seinem QB-Charting als QB5.

Waldman schrieb über Mills im RSP:

A good way to describe Mills is that he’s a “clean” prospect. He lacks glaring faults that often slow a quarterback’s development timeline. On a team with good offensive minds and a helpful veteran quarterback, Mills could successfully acclimate to the speed and complexity of the NFL game.

[…]

He lacks exciting gifts, but he has few significant flaws. If he can acclimate to the additional complexities of reading the leverage of defenders he didn’t read as successfully in isolated looks at Stanford, Mills could become a legitimately productive NFL starter.

Klar klingt das mehr nach Developmental-QB denn nach einem Mann, der schon in Woche 3 seiner NFL-Rookiesaison starten sollte, aber vielleicht hat Houston da ja einen guten Griff gemacht. Schematisch hat OffCoord Tim Kelly jedenfalls gezeigt, dass er sich an verschiedenes Spielermaterial anpassen kann. Und die Texans haben einigermaßen gute O-Line um Mills vor den aggressiven Panthern zu schützen.

Texans-Defense

Das ist die Unit mit den meisten Fragezeichen von allen. Gegen Jacksonville war sie nicht gefordert, und gegen Cleveland wurde sie überlaufen. Gegen Carolinas starke Receiver droht das Defensive Backfield zu kollabieren – und vorne gibt es keine vernünftigen Passrusher um Carolinas bislang nicht richtig getestete Schwachstellen linksseits von RT Taylor Moton bloßzustellen.

In Summe

Carolina ist mit 9 Punkten favorisiert. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen – ein von Sam Darnold geführtes Team ist auswärts Favorit mit 9. Das Misstrauen der Wettmärkte in Mills als QB scheint sehr hoch zu sein. Aber es ist natürlich auch das erste Auswärtsspiel für den fern des Heimstadions notorisch unsicheren Darnold.

In den ersten beiden Wochen war die Texans ein resolutes Team, das unerschrocken auftrat und sich von seinem offensichtlichen Talent-Nachteil nicht beeindrucken ließ. Aber wie viel davon lag an der Ruhe, die Taylor ausstrahlte? Wie sieht das aus, wenn ein unerprobter Rookie hier seinen allerersten Start macht?

Auf der anderen Seite ist Carolina prädestiniert dafür, nach diesem Spiel als überjazztes 3-0 Team einen Buzz zu erzeugen, der in den nächsten Wochen gegen bessere Gegner wieder normalisiert werden wird. Also typisches NFL-Getöse zum Saisonstart.

Ein Kommentar zu “Date am Donnerstag, Woche 3: Houston Texans – Carolina Panthers

  1. Das schöne an deinen Ausblicken auf den Spieltag ist, dass sie mir als Leser immer einen guten Einblick geben wie es bei den Teams denen ich nicht so folge gerade läuft. Sehr schön dass immer eine kleine Standortbestimmung für die Teams dabei ist und es darüber hinaus geht nur auf das bevorstehende Match zu gucken.

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