NFL 2016, Woche 7: Sonntagsvorschauer

Ende Oktober, Woche 7, grauer Ligaalltag. Ein Blick auf den Schedule: meh. Es ist noch zu früh, als daß die wenig aufregenden Spiele direkte Auswirkungen auf die Playoffs haben. Aber viele der heutigen Ws and Ls werden in fünf, sechs Wochen wichtige Ziffern sein in Division- und Conference-Records. Ein kurzer Blick durchs verregnete Grau auf der Suche nach ein bißchen Farbe.

Frühsport! 15.30Uhr

Giants (3-3) @ Rams (3-3) (Pro7Maxx/ran.de, DAZN)

Die Rams sind wie erwartet auf 7-9-Kurs. Der Laufangriff ist eine Zumutung und grenzt für Todd Gurley schon fast an Körperverletzung. Seine Offensive Line liefert ihn regelmäßig an die gegnerische Front-7 aus, als wollten sie ihn bestrafen. Gurley macht nur 2,9Y/A, weil er bei der Hälfte der Snaps schon im Backfield Feindkontakt hat. Schockierenderweise hat Case Keenum, der No-Name, an dem Nr.1 Overall Pick Jared Goff nicht vorbeikommt, letzte Woche in Detroit 20 Pässe in Folge an den Mann gebracht. Das wird heute nicht passieren, dafür ist New Yorks Defense zu gut. Big Blue ist sehr solide, ohne spektakulär zu sein. Was bisher noch fehlt, sind Turnovers und mehr Wumms von Olivier Vernon. Auf der anderen Seite fehlen den Rams mit DL Michael Brockers und CB Trumaine Johnson zwei ihrer besten Verteidiger. Aaron Donald rockt zwar wie eh und je, er ist aber auch der einzige Vertreter dieser nominell so starken Defensive Line, der nicht verletzt aussetzen muß oder nach überstandener Verletzung angeschlagen zurück auf’s Feld muß wie die DL Quinn und Hayes.

Bei den Giants stand lange Odell Beckham im Rampenlicht. Aber nachdem er sich mit dem Kickernetz an der Seitenleinie nicht nur ausgesöhnt, sondern sogar einen Heiratsantrag gemacht hat, mußte im Big Apple schnell eine neue Story her, die man mit an die Themse nehmen kann. Es wurde jetzt öffentlich, daß das Management den Josh-Brown-Fall (häusliche Gewalt) wohl doch nicht mit gebotener Sorgfalt und Sensibilität gelöst hatte. Mit nach London durfte Brown jetzt nicht.

Auf dem Feld sieht es potentiell sehr gut aus, die tatsächliche Leistung liegt aber konstant unter dem Potential. Problematisch ist dabei vor allem Eli Manning in den letzten Wochen, zu oft wirft er an seinen Receivers vorbei. Diese sind dabei häufiger offen als man denkt, das scheme scheint also zu funktionieren. Eine Mannschaft, die ohne ihren besten Cornerback antritt, ist nun die beste Möglichkeit, endlich mal das Potential auszuspielen.

Frühschicht 19.00 Uhr

Vikings (5-0) @ Eagles (3-2) (Pro7Maxx/ran.de)
Redskins (4-2) @ Lions (3-3)

Dies sollte eigentlich das Topspiel um 19.00Uhr sein. Nach zwei Niederlagen in Folge gegen mittelmäßige NFC-Konkurrenz (DET, WAS) muß man nun aber schon größere Sorgen um den Wentzwagon haben. LT Peters sieht man sein Alter immer mehr an, die drei Interior Linemen Brooks, Kelce und Barbre sind allesamt angeschlagen und fraglich für heute; und rechts spielt nach der Suspendierung von Lane Johnson ein Rookie. Das sieht aus wie ein gefundenes Fressen für die gewaltige Defensive Line der Vikings. Da es andersrum genauso aussieht – suspekte Offensive Line gegen aggressive Druckmacher – können wir hier ein harziges Low Scoring Game erwarten.

Colts (2-4) @ Titans (3-3)
Bills (4-2) @ Dolphins (2-4)
Browns (0-6) @ Bengals (2-4)
Raiders (4-2) @ Jaguars (2-3)
Ravens (3-3) @ Jets (1-5)
Saints (2-3) @ Chiefs (3-2)

Sektion: nur für Fans. Fast alle Mannschaften laufen bisher eher quälend ihren eigenen Ansprüchen hinterher. Überzeugend in den letzten Wochen waren ausgerechnet die Bills mit dem erfolgreichsten Laufspiel der Liga und ihrer komplexen Rex-Ryan-Defense. Neben den Bills haben von diesen 12 Teams nur Raiders und Chiefs positive Records. Die Chiefs sind dabei auf dem Weg, in typischer Andy-Reid-Manier grundsolide und ohne große Dummheiten zu 10 Siegen zu cruisen. Die Raiders sind das Gegenteil von solide und brauchen entweder heroische Einzelleistungen von QB Carr und WR Crabtree oder viele erzwungene Ballverluste. Beides ist nicht planbar und im Verbund mit der immer noch löchrigen Verteidigungen sollten sich in Oakland immer größere Sorgenfalten zeigen. Der Jack-Del-Rio-Bowl in Jacksonville zieht seinen Reiz daraus, daß die Jags mit ihrer heimlich-guten Verteidigung mit einem Sieg heute am Donnerstag gegen die Titans um die AFC-South-Krone kämpfen könnten.

Spätschicht 22.05Uhr / 22.25Uhr

Patriots (5-1) @ Steelers (4-2) (Pro7Maxx/ran.de)
Chargers (2-4) @ Falcons (4-2)
Buccaneers (2-3) @ 49ers (1-5)

Pats @ Steelers sollte das Spitzenspiel der Woche 7 werden. Da nun aber QB Roethlisberger verletzt fehlt und Belichicks-D sich damit voll und ganz auf Le’veon Bell konzentrieren kann, droht hier keine große Gefahr. Zumal auch die soften Zonenverteidigungen von Pittsburgh hinter laschem Pass Rush genau die Zutaten sind, aus denen Brady sich einen 400-Yards-Cocktail mixt.

Parallel spielen zwei der heißtesten Quarterbacks dieser Saison. Wie Philip Rivers es schafft, sich in diesem Umfeld mit den jährlich wiederkehrenden Verletzungen seiner wichtigsten Mitspieler und der miesen Managementleistung immer wieder zu motivieren und locker auf Top-5-Niveau zu spielen, grenzt schon an ein Wunder. Eine Schande ist es, daß seine Karriere aus diesen Gründen so an uns vorbeiläuft. Sehr interessant in Atlanta ist die Old-School-Offense um Matt Ryan, die korsakoffs Effizienztabelle anführen: zwei Drittel der Snaps spielt Kyle Shanahans Mannschaft mit zwei oder weniger WRs.

Sunday Night Football

Seahawks (4-1) @ Cardinals (3-3) (DAZN)

Das echte Topspiel des Spieltages endlich mal bei Sunday Night Football mit Al Michaels und Cris Colinsworth. Die Defense der Cardinals groovt sich immer weiter in ihre bekannte komplexe Aggressivität rein und trägt die Mannschaft. Nervosität verbreitet aber weiterhin der Angriff. Carson Palmer steht weiterhin leicht neben sich, Larry Fitzgerald wird nicht jünger, die drei dicken Jungs in der Interior Line sind ein deutliches Downgrade gegenüber letzter Saison und WR Michael Floyd steht mysteriöserweise öfter an der Seitenlinie, wobei er doch eigentlich der Nr.1-Wideout sein sollte. Rausgerissen wurde es in den letzten beiden Wochen immer von der Augenweide David Johnson. Der junge Running Back hat nach sechs Spielen schon 830 Yards auf dem Tacho.

Besondere Aufmerksamkeit verlangt hier die Paßverteidigung der Seahhawks. Letzte Woche gegen Atlanta gab es derart grobe Abstimmungsschwierigkeiten, daß Richard Sherman noch während des Spiels offen Mitspieler und Coaches anging. DC Kris Richard hat wohl neue komplexe Spielzüge eingebaut, die für die eigene Secondary zu komplex waren. Nun ist Bruce Arians ein Playdesigner, der nichts lieber macht als tief im Defensive Backfield mit ungewöhnlichen Route Combinations Verwirrung zu stiften. Zum Glück haben wir heute Michaels und Colinsworth, die sowas schon während des Spiels erklären können.

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Ein Kommentar zu “NFL 2016, Woche 7: Sonntagsvorschauer

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