NFL Power-Ranking 2018 – Woche 11

Power Ranking nach Woche 11.


Woche 11 war der Spieltag der knappen Entscheidungen: Sage und schreibe neun der 13 Spiele blieben innerhalb eines Fieldgoals, zwei weitere innerhalb eines Touchdowns. Wir erlebten nur zwei Blowouts – die siegreichen Mannschaften gehören jeweils zu den Mannschaften der Stunde:

  • New Orleans Saints – schossen den Titelverteidiger Philaelphia 48-7 ab. Und es hätte deutlicher sein können!
  • Indianapolis Colts – Pulverisierten die Tennessee Titans beim 38-10, das kurz nach der Pause entschieden war.

Die Colts sind jetzt schon die #14 des Power-Rankings. Die Saints klettern diese Woche sogar auf #2 des Power-Rankings hoch und sind nur noch knapp hinter den Los Angeles Rams angesiedelt, die am Montag für das „Spiel der Saison“ gegen die Kansas City Chiefs gesorgt haben. Manche sagen, es war das beste Regular-Season Spiel ever.

Der finale Score: 54-51 Sieg für die Rams. Über 1000 Yards an Offense – das klingt nach einem rekordträchtigen Footballspiel, und es war auch ein rekordverdächtiges Footballspiel. Es war vor allem ein unvergessliches Highlight.

Nicht bloß wegen der zahllosen Offense-Highlights. Es war vor allem ein Spiel, in dem es nicht einen „langweiligen“ Drive nach Schema F gab. Ständig passierte was: Entweder ein Big-Play wie Mahomes‘ 70 Yards durch die Luft fliegender Ball, oder ein Strip-Sack, eine Interception, ein Play-Action Pass im 4th Down oder ein ganz normaler Touchdown. Tyreek Hills großartiger Zirkus-Catch: In diesem Spiel nur eine Randnotiz. Der ganz normale Wahnsinn – eben die angekündigte NFL-Zukunft schon heute.

Rams gegen Chiefs war aber nicht das „offensivste“ Spiel des Jahres. Nach offensiven EPA/Play (Expected Point Added per Play) war es sogar nur das 45t-offensivste Spiel der Saison. Viele Raumstrafen durch Penalties (21 Strafen) und insgesamt sieben (!) Turnovers sorgten dafür, dass auch die Defenses was zu sagen hatten:

Doch das ist eben die Defense der Zukunft: 3&outs gehören nicht mehr zum Repertoire. Dafür vielmehr höllischer Pass-Rush, pfeif auf die Run-Defense, Turnover-Erzwingen um jeden Preis. Dabei können Big-Plays herausspringen – für Offense und für die Defense.

Entscheidungen wie Andy Reids Fieldgoal-Kick bei 4th&2 an der Goal-Line werden der Vergangenheit angehören; Coaches werden in der Zukunft noch stärker darauf achten müssen, dass sie jede Scoring-Chance zum Verdammen ausnutzen – oder sie werden untergehen.

Wie ich schon des Öfteren schrieb: Diese Entwicklung ist nicht allein der immer einseitigeren Regelauslegung der NFL geschuldet. Sie ist auch und vor allem Produkt des offeneren Geistes in den NFL-Trainerstuben. Früher dominierten graue (oder weiße) Haare und die Denke aus den Siebzigern.

Doch viele der neueren Coaches sind mit Excel und Advanced-NFL-Stats aufgewachsen, die eine Entwicklung wie die aktuelle schon seit langem fordern: Aggressiveres Play-Calling, Aufgabe des Laufspiels als Träger der Offense (Rams vs. Chiefs ist das Paradebeispiel), keine Scheu vor kritischen Journalistenfragen, die ein gescheiterten QB-Sneak im 4th&1 zum Untergang der Welt stilisieren.

Es war immer nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Coaches die Potenziale erkennen. Sie sind noch immer erst an der Oberfläche ausgeschöpft. Teams laufen noch immer zu viel im 1st und 2nd Down, sie sind noch immer zu konservativ im 4th Down – sie haben noch immer nicht alle Offense-Neuerungen aus dem College in ihre Play-Books eingebaut. Vor allem haben es noch nicht alle Teams gemacht.

Es ist also anzunehmen, dass Offense auf kurze Sicht ihre Dominanz noch weiter ausbauen wird. Defenses ziehen aktuell nach, indem sie Hopp-oder-Topp spielen: QB-fang-dich und volles Risiko zur INT. Geht es schief – Touchdown. Doch Touchdown ist uns egal, da unsere eigene Offense nachlegen wird. Wir müssen den Gegner nur einmal öfter stoppen als er uns.

Davon ab war es ein beeindruckendes Spiel von Patrick Mahomes. Die Chiefs sind ein echtes Monster: Gleich 5 Turnovers (3 INT, 2 Strip-Sacks), fast völliger Verzicht auf den angeschlagenen WR Watkins (nur ein Target) und 135 Yards Raumstrafe – und trotzdem scorten die Chiefs 51 Punkte und hatten die Rams in deren Stadion am Rand des Abgrunds. Mahomes spielte wie auf Drogen, eine berauschende Partie vom größten QB-Jungstar der NFL.

Die Rams waren nicht besser. Sie hatten das Quäntchen Glück auf ihrer Seite. Sie gewann überdies auch ohne einen allzu großen Tag von RB Todd Gurley, dessen MVP-Ambitionen richtigerweise damit auf Eis gelegt sind. Dafür gewannen sie dank ihres besten Individualisten: DT Aaron Donald – ausgerechnet ein Defensivspieler. Donald ist der klare Favorit auf den DPOY-Award mit 13.5 Sacks in einer Saison, in der er in 72% der Snaps gedoppelt wird!

Damit hat Donald in einer Liga, in der viele Offenses nach Belieben scoren können, für mein Empfinden sogar eine kleine Außenseiterchance auf den NFL-MVP. In Zeiten, in denen Offenses die Defense an die Wand spielen, machen solche famosen Einzelkönner wie Donald plötzlich den Unterschied, den früher die (damals wenigen) herausragenden Quarterbacks gemacht haben.

Weil der MVP aber historisch gesehen ein „offensiver“ Award war, wird vermutlich Drew Brees ihn dieses Jahr (endlich) abstauben: So fulminant Mahomes einmal mehr spielte – seine fünf Turnovers kosten Mahomes vermutlich den Anschluss:

Power Ranking

NFL Power Ranking 2018 - Woche 11

Und so liest sich das ganze: Die erste Sektion (WP | E16) beschreibt die Stärke der jeweiligen Mannschaft. WP entspricht der Siegchance der jeweiligen Franchise gegen eine standardisierte, durchschnittliche NFL-Franchise, E16 ist WP hochgerechnet auf 16 Spiele (WP*16 = E16). Die zweite Sektion (SOS | Rs) beschreibt die Stärke des Schedules und die Platzierung des Schedules. OFF ist die Platzierung der Offense, DEF die Platzierung der Defense.

Einige weiterführende Übersichten

Wahrscheinlichkeiten für Woche 12

In Woche 10 tippte das Power-Ranking 8 von 13 Siegern richtig. Es hätten auch 5 oder 11 sein können, wenn wenige Plays anders gelaufen wären. Über die Saison hat es nun eine 59-23 Bilanz, oder 72.0% richtige Tipps.

Für die Thanksgiving-Woche tippt es folgende Sieger:

Wahrscheinlichkeiten - Woche 12.PNG

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11 Kommentare zu “NFL Power-Ranking 2018 – Woche 11

  1. Wieso ist Seattle einen Platz gefallen und GB 2 gestiegen? Ich fand (abgesehen vom ersten viertel, da war GB so, wie man es erwarten würde bei den Spielern auf dem Platz) Seattle hat den Ball wesentlich besser bewegt…

  2. Bisher wurde auf diesem Blog die Turnover-Rate der Defense als volatil eingeschätzt und deshalb Defenses mit vielen Turnovers zu Regressions-Kandidaten erklärt. Meinst du/meint ihr, dass sich das in Zukunft ändern wird, wenn Defenses gezielt auf den Turnover spielen?

  3. @Deeo: Eine berechtigte Frage!

    Der Grund ist darin zu finden, dass Green Bay das deutlich bessere Passspiel hatte: 8.9 N/A vs. nur 6.0 NY/A der Seahawks. Der Effekt verstärkt sich, wenn wir nur diese beiden Mannschaften anschauen, weil er in der einen Offense und Defense verbessert, in der anderen beide verschlechtert.

    Laufspiel mag ein wesentlicher Grund für Seattles Erfolg gewesen sein. Doch Laufspiel ist auf lange Sicht in der NFL wenig wert. Und dieses Ranking ist „auf lange Sicht“ ausgelegt.

    @Fred: Nicht minder berechtigte Idee. Natürlich werde ich das Thema anschauen, doch eine gute halbe Saison ist relativ wenig um daraus längerfristige Schlüsse zu ziehen.
    Vielleicht stellen wir im Winter nach der Saison einen sichtbaren Effekt fest. Vielleicht auch erst 2021.

  4. Mal ein paar lose Gedanken/Fragen:
    Wird das vermehrte Passspiel zu einer Abkehr von der 4-3 und 3-4 Defense führen?
    Am College gibt es wohl auch 3-3 als Gegenmittel gegen Spread-Offense.

    Wird eine Umstellung der Defense auf mehr Pass nicht zu einem erfolgreichen Laufspiel führen, da die Verteidigung dafür nicht mehr ausgelegt ist?

    Ich denke das die geänderte Offense dazu führen wird, das man auch mehr nach Superstars auf der Defense suchen wird, die Big-Plays produzieren können um eine Chance haben das Spiel zu entscheiden.

    Frage zum hier und jetzt:
    Wie sinnvoll ist das von Kommentatoren oft genutzte „Sie müssen ihr Laufspiel etablieren“?
    Wenn das Laufspiel nur für 0-1 yds gut ist, sehe ich darin keinen Sinn, da dann die Defense, besonders bei einer Highscoring-Offense sagen kann ist uns egal, damit schlagt ihr uns so oder so nicht,
    Wenn aber nun das Laufspiel mind. 4 yds bringt macht es schon mehr Sinn.

  5. Base Defense wir 4-3 oder 3-4 sind schon länger nicht mehr wirklich die base Defense – viel mehr wird immer wieder mehr mit Nickel/dime gearbeitet. Selbst in Carolina wo mit Thompsen und Davis zwei halbe safetys auf lb spielen…
    Auch das sicherlich etwas was vermehrt an Bedeutung gewinnen wird.
    3-3 oder auch 4-4 (dann in der Auslegung als 4-2-5) sind im College gerade beliebt – das liegt aber auch daran, dass am College mehr System gespielt wird – da gibt es also noch eine echte base Defense, die mit allem zurecht kommen muss, während in der Nfl deutlich mehr auf die jeweilige Situation reagiert wird.

    Der Kommentar ist absolut blödsinnig- würde hier auch schon öfter mal kommentiert 😅
    Eher andersherum wird ein Schuh draus. Auf der Website Football Outsiders gibt es glaube ich ein FAQ das das ganz gut erklärt

  6. 1) Base-Defense: Nickel-Defense mit 5 DB ist bereits seit Jahren die wahre Base-Defense mit über 60% Snaps.

    2) Wie Nick Saban mal sagte: Irgendwann wird die Single-Wing Offense das Comeback erleben, weil niemand mehr weiß, wie man sie verteidigt.
    Laufspiel wird aber so schnell kein Comeback erleben, da die NFL noch nichtmal das ganze Potenzial des Passspiels ausgeschöpft hat:
    0.08 EPA/Play im Passspiel
    0.00 EPA/Play im Laufspiel
    Hier ist noch einiges Potenzial.

    3) Die Entwicklung ist absehbar, ja. Sie wird dazu führen, dass Passrusher wie die „Quarterbacks der Defense“ bezahlt werden. Offensiv-Positionen werden dagegen vermutlich mittelfristig leicht an Wert verlieren, weil jeder Offense kann.

    4) Ich habe oft darüber geschrieben, dass es nicht establish the run , sondern establish the lead heißen sollte. Laufspiel etablieren ist aus dem Jargon der 1980er. Es hilft niemandem außer dem Gegner.

  7. zu Single Wing fällt mir die Story ein: als Sean Payton 1 Jahr suspendiert war (wg BountyGate) hat er die Highschool von seinem Sohn gecoacht und gegen eine Single Wing Offense total auf die Fresse bekommen.
    Er war ratlos und hat dann als sie die im conference(?) Finale nochmal getroffen haben hat er erstmal bei Bill Parcells angerufen und gefragt was man da eigentlich machen kann. (auch verloren, aber nur knapp)

  8. @korsakoff
    Danke.
    @alexanderbrink
    Ich erinnere mich dunkel daran das es hier öfter Thema war

    Dann hatte ich das mit der Defense falsch im Kopf, ging wohl auf Aussagen zurück das gewisse Coordinator eher 3-4 oder 4-3 spielen lassen und man dafür verschiedenes Personal braucht.

  9. Pingback: NFL Power-Ranking 2018/19 – Woche 13: Das MVP-Argument für Aaron Donald | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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