All-32: Green Bay Packers 2020 Preview

Hach, die Packers

Letztes Jahr 13-3 Siege und NFC-Finale, und trotzdem stänkert alle Welt gegen Matt LaFleur und seine Mannschaft. Die Gründe dafür sind vielfältig und beginnen beim Pythagorean, der ein 10-6 Team gesehen hat. Was gut ist. Aber klar unterhalb von Elite.

  • Bilanz 2019: 13-3
  • Pythagorean: 9.8 Siege (#9)
  • Close Games: 6-1
  • Offense EPA/Play: +0.06 (#7)
  • Defense EPA/Play: -0.03 (#11)
  • Turnovers: +12
  • Adjusted Games Lost: #14

Dass die sportliche Leitung um Headcoach LaFleur und GM Brian Gutekunst im Anschluss an die Saison erkannt hat, dass man eben mehr als „den einen Schritt“ entfernt vom Titel-Run war, dass man sich eher glücklich schätzen konnte, überhaupt so weit gekommen zu sein, ist eigentlich positiv.

Doch der Gedanke an die erdachte Lösung stellt dir sämtliche Nackenhaare auf: Die Packers haben ihre Ressourcen in der Offseason in Laufspiel investiert. Uns steht eine „Run-First-Zukunft“ bevor, mit einem QB Aaron Rodgers, der nur noch als Beiwerk geduldet wird.

(Es folgt eine Jordan-Love-freie Preview)

Offense

Ich habe kein Vertrauen zur Packers-Offense 2020. Es deutet einfach alles auf einen lauflastigeren Approach hin:

  1. LaFleur kommt aus einem System, das theoretisch an run to set up play-action glaubt, und er hat in seinem einen Jahr als OffCoord in Tennessee einen extrem lauflastigen Gameplan spielen lassen; 2019 in Green Bay war er eher passlastig in Early-Downs. Aber weniger passlastig als Vorgänger McCarthy.
  2. Die personellen Moves: Man hat einen 2nd Rounder in einen Runningback-Brecher (A.J. Dillon) und einen 3rd Rounder in einen H-Back (Josiah Deguara) investiert und Wide Receiver so gut wie ignoriert.
  3. Folge: QB Rodgers wird systematisch „zurückgebaut“. Mehr Early-Down Rushing um aus dem vielen Laufspiel heraus ein paar Shots mehr zu ergattern. Viele schlechte Run-Plays sollen weniger, dafür effizientere Passspielzüge „vorbereiten“.

Problem dabei: Wenn ich in 60% der Plays 0.10 EPA mache und in 40% 0.00, dann bin ich besser dran als wenn ich in 50% der Plays 0.15 EPA mache und in 50% -0.05.

  • 60% x 0.10 + 40% x 0.00 = 0.06
  • 50% x 0.15 + 50% x -0.05 = 0.05

Das mag ein zu einfaches Rechenbeispiel sein, aber hier nochmal als Reminder: Lauflastiger Approach ist fast immer schlecht (außer man hat Lamar Jackson oder Cam Newton). Und LaFleur ist kein McVay im Game-Design. Und schon gar kein Shanahan. Er ist noch nichtmal ein matter Abglanz vom einen, und Lichtjahre vom anderen entfernt.

Rodgers selbst hat natürlich auch abgebaut. Anfangs waren es nur Leute wie Scott Kacsmar oder Ben Baldwin, die permanent auf die statistisch nur mehr durchschnittlichen Ergebnisse der Rodgers-Offense hinwiesen. Sie haben dafür Hohn und Spott („Spreadsheet-Analysten“) geerntet. Punkt ist aber: Sie hatten recht. Und haben mehr verstanden als alle anderen.

Rodgers‘ Rate an fetten Würfen geht seit Jahren zurück. Sein CPOE war zuletzt #27 von 39 QBs. Seine EPA/Play sind nur mehr im Mittelfeld der NFL. Er ist ein Sicherheits-QB geworden, nimmt Sacks und Würfe ins Nichts um keine gefährlichen, „abfangbaren“ Pässe mehr zu riskieren.

Als glühender Bewunderer der Rodgers-Blütezeit tue ich mir selbst auch immer noch schwer mit dem Gedanken, dass der Zauber verblasst sein soll. Aber seien wir mal ehrlich: Außer dem „angepisst“-Argument kann ich nicht viele Gründe für eine Rückkehr in alte Zeiten anbieten.

Receiving-Corps ist eher mies. Davante Adams ist fantastisch, aber dahinter: St. Brown, Lazard, Valdes-Scantling. Auf Tight End ist 2019-Rookie Sternberger die große Hoffnung – aber es ist eben „Hoffnung“. 1 Star und 3x mau ist in der gegenwärtigen NFL schlechter als kein Star und 3x okay.

Und immer wieder die bange Frage, ob sie die Receiver überhaupt nutzen wollen.

Laufspiel war zuletzt sogar exzellent. RB Aaron Jones war effizient, weil die O-Line stark ist (#5 Adjusted Line-Yards und #1 Pass-Block-Win-Rate) und man in vielen günstigen Situationen gelaufen war. Mit RB-Bruiser Dillon, einem verkappten Linebacker, und H-Back Deguara droht härtere Kost.

Defense

Die Defense war 2019 unter DefCoord Mike Pettine deutlich verbessert. Sie ist eine sehr Sub-Package-lastige Defense mit über 50% Dime (also 6 Defensive Backs am Feld). Pettine kann sich das leisten, weil so viele Ressourcen in die Secondary investiert wurden und man individuell sehr guten Pass-Rush (#5 Pass-Rush Win-Rate) eingekauft hat.

Hinten ist man ganz geil aufgestellt:

  • CB Jaire Alexander lässt immer mal wieder Elite-Talent aufblitzen, ist aber noch nicht so konstant wie erträumt. Dahinter Leute wie CB Kevin King, CB Chandon Sullivan oder Josh Jackson (wenn der noch die Kurve kratzt)
  • Auf Safety Adrian Amos, Darnell Savage oder Raven Greene.

Vielleicht 10-12 Teams sind da noch besser und tiefer besetzt. Auf Linebacker hat man den zu langsamen Blake Martinez durch Christian Kirksey ersetzt. Im pass-Rush gibt es High-End Potenzial mit Star-DT Kenny Clark sowie dem Edge-Pärchen Preston und Za’Darius Smith – und dahinter sogar noch in EDGE Rashan Gary den #12 Pick des Drafts 2019.

Aber es gibt auch ein bisschen Gefahr: Zadarius war #8 nach Pass-Rush Win-Rate, Preston Smith #10. Für beide war es ein ziemlicher Ausreißer nach oben. Gerade Za’Darius spielte 2019 zum ersten Mal in prominenter Rolle viele Snaps. Kann er seinen Level halten, kommt die Defense wieder ohne zu viele Blitzes durch. Wenn nicht, muss Pettine neue Sachen erdenken.

Ausblick

Die Packers haben sich mit ihrem Bizarro-Draft in eine Ecke manövriert, die den nahen Abgang von Aaron Rodgers bedeutet. Rodgers versucht in Interviews auch gar nicht mehr, seine Situation schönzureden:

Doch für den gemeinen Zuschauer ist es auch eine mega-interessante Situation. Ist Rodgers angefressen und antwortet noch einmal mit einer goldenen Saison? Hat er resigniert? Würde man das überhaupt bemerken, wenn der IMHO krass überschätzte LaFleur in einen Lauf-Trott verfällt?

Das Vorbild 49ers ist nur dann ein gutes Vorbild, wenn man in der Lage ist, Shanahan-like zu adjustend und auch in der Breite gute Receiver aufzieht.

Und in der Defense: Hat man überhaupt genug gemacht um ein erneutes Debakel wie die 200+ Yards Rushing gegen San Francisco zu verhindern?

Call me skeptical. Divisionssieg bleibt trotzdem möglich, weil die Vikings einen Umbruch eingeleitet haben, die Bears auf der Stelle treten und Detroit eben Detroit ist. Aber wenn die Packers wirklich wieder die NFC North gewinnen, sind sie wahrscheinlich der schwächste NFC-Playoffteilnehmer.


Siehe übrigens auch meine Saints-Preview beim Lead-Blogger

4 Kommentare zu “All-32: Green Bay Packers 2020 Preview

  1. Alles gesagt.
    Eine Bizarro-Offseason in Titletown – man hat einen Bolzen nach dem anderen gedreht.
    Als Cheesehead ist jetzt fremdschämen angesagt, alle anderen reiben sich genüsslich die Hände.

    Vlt kann das FO noch was retten wenn man sich jetzt Mo Sanu krallt 😉

  2. „ Doch für den gemeinen Zuschauer ist es auch eine mega-interessante Situation. Ist Rodgers angefressen und antwortet noch einmal mit einer goldenen Saison? Hat er resigniert?“

    Bezüglich einer goldenen Saison bin ich da sehr skeptisch: selbst ein Rodgers zu seiner Glanzzeit hat Ziele benötigt und gehabt (Nelson etc.). Jetzt hat er nur noch Adams und der kann als ausrechenbares Ziel leicht gedeckt werden. Und danach kommt halt gar nichts mehr…
    Ich würde es ihm nicht übel nehmen, wenn er resigniert und empfinde es schon als Erfolg, dass er nicht sofort ins Front Office lief und sofort einen Trade gefordert hat.

  3. Das war aber letzte Season genau das selbe. Alles hat sich mehr oder weniger auf Adams fokussiert da den anderen nichts zugetraut wurde. Selbst als Adams lange mit Turf Toe raus war haben sie Spiele gewonnen. Dann war Adams zurück und Seattle konnte sich eigentlich voll auf ihn einstellen. Trotzdem hat er sie mehr oder weniger was das passing angeht im Alleingang erledigt. Sind wir gespannt. Ich gehe aber leider trotzdem dammit D’accord dass die Tage von ARod gezählt sind. Leider…. The Show musst go on und das wurde in GBay erkannt. Ob sie dann mit dem Plan, der scheinbar im Hintergrund gereift ist, zu Laufen was das Zeug hält einen Blumentopf gewinnen ist aber noch fraglich. Als Fan hoffe ich es 😀

  4. Pingback: Furchtlose NFL-Vorschau 2020/21: Die Kronprinzen | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.