Establish the Review #12 – Denver ohne QB, Detroit ohne Coach

Der Abschluss von NFL Woche 12 ist um einen weiteren Tag auf morgen verschoben worden: Pittsburgh – Baltimore findet also erst am Mittwochabend (21h40 mitteleuropäischer Zeit, wenn ich das richtig sehe) statt. Das zieht weitere Änderungen im Spielplan nach sich.

Pittsburgh – Washington ist auf Montag, 23h MEZ geschoben worden.

San Francisco – Buffalo findet in Arizona statt, weil die 49ers wegen lokaler Einschränkungen nicht mehr in Santa Clara auflaufen dürfen. Kickoff Nacht von Montag auf Dienstag 02h15. Ich weiß schon gar nicht mehr, ob das immer schon das Monday Night Game war.

Baltimore – Dallas, das ursprünglich für übermorgen geplante Thursday Night Game, soll jetzt „Tuesday Night Game“ am nächsten Dienstag, 08.12. um 2h05 nachts werden.

Ob dieser neue Plan hält? Keine Garantie dafür. Abwarten und Tee trinken. Die NFL hat in den letzten Tagen gezeigt, dass sie gewillt ist, den Wettbewerb auch verzerrt durchzupressen um eine Verlängerung der Regular Season zu verhindern.

Pro Bowl ist schon abgesagt worden, und eventuell wird die NFL noch die spielfreie Woche vor der Superbowl als Pufferzone verwenden, aber viel mehr Spielraum ist nicht da. Dass eine NFL-Saison 2020/21 immer ein paar zusätzliche Probleme in Punkto „Fairness“ haben würde, war eh vor der Saison klar – aber das wird bei jedem neuen Fall immer schnell vergessen.

Denver Broncos – Football ohne Quarterback

Denver musste am Sonntag bekanntlich ohne Quarterback auflaufen – ein ziemliches Novum in der modernen NFL. Das fanden einige ganz witzig. Andere haben stundenlang auf Twitter darüber lamentiert.

Ich fand es durchaus mal interessant zu sehen wie sich eine Offense dann so macht. Kendall Hinton war erst am Samstag davon in Kenntnis gesetzt worden, dass er zu seinem Glück kommen würde. Die Story ist ziemlich einzigartig und gibt es hier bei The Athletic:

  • Die drei Denver-QBs Lock, Bortles und Rypien hatten sich ohne Masken zum gemeinsamen Tape-Studium verabredet und einer der drei war dann positiv getestet worden.
  • Denver wollte mit Plan A die Partie verschieben, aber die NFL verschiebt nur aus medizinischen Gründen, nicht aus jenen der Wettbewerbsgleichheit.
  • Plan B war die Reaktivierung eines Coaches (!), der vor 10 Jahren mal am College mal QB gespielt hatte. Das wurde von der NFL schnell abgewürgt.
  • Also fand man in den Tiefen des Practice Squads Kendall Hinton, einen ungedrafteten Rookie-Receiver, der vor Jahren ein paar Spiele als Quarterback am College abgeliefert hatte.

Hinton musste innerhalb weniger Stunden hochgeschoben werden in den Kader. Die Broncos trimmten in einer Nacht- und Nebelaktion das Playbook runter auf 20-30 Plays, die einigermaßen funktionieren sollten – und die wurden dann in einem Walk-Through eingeübt. Nicht einmal in einer richtigen Trainingseinheit!

Hintons Debüt und mutmaßlich auch einziger NFL-Start verlief sportlich natürlich wie erwartet: 1 Completion in 9 Versuchen, 13 Yards, dazu zwei Sacks und eine Interception. Passing-Offense war so gut wie kein Faktor und Denver verlor haushoch 3-31 gegen eine von Taysom Hill nicht wesentlich besser ge-quarterbackte Saints-Mannschaft. Die einzigen Punkte kamen aus einem 58-Yards-Fieldgoal nach einer Interception der Broncos-Defense, als die Denver-Offense im Folgegang nur 1 Yard zurücklegte.

Denvers Social-Media Accounts reagierten im Nachgang IMHO mit ziemlich gutem Maß und Ziel auf diese Partie:

Von Spielern wie Gegnern gab es eindeutig positive Rückmeldungen für die „Eier“, die Hinton bewiesen habe, innerhalb so kurzer Zeit ein völlig bizarres NFL-Debüt abzuliefern. Hinton war nachher auch ziemlich gelöst und erzählte freimütig von seinem wilden Wochenende:

Ich wäre jetzt gern in Denvers Kader. Die Mannschaft wusste vor Beginn des Spiels, dass sie praktisch keine Chance haben würde, aber dann war da trotzdem ein junger Bursche, der ins eiskalte Wasser geworden wurde, ohne Chance auf Erfolg, und irgendwie spielten diese Jungs dann doch harten Football ohne sich selbst aufzugeben. Für den Mannschaftsgeist muss so eine Partie doch eine spannende Gelegenheit gewesen sein!

Für Außenstehende war es auf jeden Fall eine Chance, NFL-Football ohne die wichtigste Position zu sehen. Quarterback ist ganz einfach im vielleicht ganzen Welt-Mannschaftssport die brutalste Position, die es gibt. Hinton erzählte hinterher, dass vor allem die Geschwindigkeit, mit der alles ablaufe, überwältigend für ihn gewesen sei. Man kann darüber diskutieren, ob ihm der Trainerstab mit einem aDOT von 15.8 Yards einen Gefallen getan hat oder ob man nicht besser ein paar schnelle Screens und Slants eingebaut hätte um ihm den Einstieg zu erleichtern.

Aber prinzipiell hat selbst ein Athlet mit etwas Erfahrung auf dieser Position, wenn auch am College, so gut wie keine Chance in der NFL auf Quarterback zu funktionieren. Für alle, die bei Incompletions auf offene Receiver laut aufjohlen wie einfach der letzte Pass doch gewesen sei, war es ein Lehrstück.

Detroit entlässt Matt Patricia

Die Entlassung war überfällig – auch jene von GM Bob Quinn. Dieses Duo hat Detroit aus dem guten ins schlechte Mittelmaß der NFL geführt und dabei den Kader teurer und älter gemacht. Es war keine gute Zeit in Detroit mit diesem Duo – aber was ich nicht ganz nachvollziehen kann, sind die Rufe, die Jim Caldwell zurück wollen.

Caldwell war natürlich in drei Jahren in Detroit dreimal 9-7 mit zwei Playoffteilnahmen, was eine respektable Leistung war. Aber gerade 2017 war es mehr Schein als Substanz – und das Ziel ist nicht irgendwo am unteren Ende der Playoffs zu kratzen, sondern ein Superbowl-Kaliber zu bauen.

Patricia war im Nachhinein der eindeutig falsche Coach dafür – aber das heißt nicht, dass der Wechsel weg von Caldwell ein total falscher Move war. Der Versuch zu upgraden kann immer schief gehen. Trotzdem war er damals notwendig.

Jetzt sind die Lions irgendwo im Mittelfeld der „Attraktivitäts-Liste“. Der Kader gibt einiges her, aber lässt einen radikalen Umbau so schnell wohl nicht zu: QB Matthew Stafford ist ein guter, aber kein ganz Großer, und er ist teuer und 32 Jahre alt. WR Golladay ist Free Agent und will wohl um die 20 Millionen. Dazu ist die Defense wild zusammengekauft und nicht billig.

Stafford zu verkaufen an einen Contender ohne mittelfristige QB-Lösung wie z.B. Indianapolis wäre ein Move. Aber Detroit hat wohl keinen der absoluten Top-Picks um im nächsten Draft wieder auf QB zu gehen. Nach 2-3 Jahren Umbau in Detroit wäre Stafford mit 35 schon ziemlich alt für den „nächsten Zyklus“. Alles eher schwierig.

Die Texans haben in Deshaun Watson schon das QB-Juwel, aber wenige Assets im Draft und 1-2 Jahre kaum Handhabe um den Kader drum herum zu gestalten. Die Jets haben keinen QB, aber haufenweise hohe Draftpicks in den nächsten zwei Drafts – und einen Trevor Lawrence vor der Brust. Die Jaguars sind abgespeckte Jets.

4 Kommentare zu “Establish the Review #12 – Denver ohne QB, Detroit ohne Coach

  1. Eigentlich müssten die QUoten für „Perfect season“ der Steelers jetzt massiv runter gehen. Schon nach jetzigem Plan für Football-Verhältnisse sehr strammer TErminplan (Spiele laut nfl.com 2./7./14./22./27./3.1.) inkl 2 Spiele nach nur 5 Tagen. Ich hatte die NFL so verstanden, dass nach jedem Spiel erstmal 2-3 Tage nur auskuriert wird :-/ . Und es kann ja noch schlimmer werden…

  2. Zu Hinton ist noch die zweifelhafte Coaching Entscheidung zu nennen.
    Das Spiel starten ohne Hinton, 4-5 erfolgreiche Plays inkl. First Down, um dann Hinton zu bringen bei 3rd Down und einem Pass Play.

  3. @Hinton:
    JT O’Sullivan hat dazu eine absolut sehenswerte Analyse und Einschätzung dazu auf YouTube gebracht.
    Auch er kritisiert doch ziemlich stark das Coaching.

    Hier der Link:

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