Detroit Lions in der Sezierstunde

Überblick 2013

Record         7-9
Enge Spiele    4-6
Pythagorean    8.5    13
Power Ranking  0.569  10
Pass-Offense   6.8    7
Pass-Defense   6.5    20
Turnovers      -12

Management

Salary Cap 2014.

Die abgelaufene Saison war für viele der letzte Beweis, dass es die Detroit Lions einfach nicht packen und man die Franchise im Prinzip einstampfen könnte, weil es sowieso nie gehen wird. Was bei den Lions 2013 hinten raus kam, war viel Brüllen um Nichts, aber die Mannschaft steht weiterhin „kurz davor“ und vermittelt somit noch immer Hoffnung auf den Durchbruch. Zwar wurde keine Radikalkur gewagt, denn GM Martin Mayhew darf auch weiterhin seine Managementkünste ausleben, aber es würde zumindest eine Therapie versucht.

Die Ära von Jim Schwartz ist vorbei. Ich habe schon darüber geschrieben, warum ich Jim Schwartz trotz allem noch ein klein wenig nachtrauere, und ich habe auch schon den neuen König der Löwen, den stets etwas desinteressiert dreinschauenden Jim Caldwell unter die Lupe genommen. Caldwell ist eine auf den ersten Blick bizarre Wahl als neuer Headcoach, aber es gibt durchaus auch Greifbares bei ihm, an dem man seine Zukunftshoffnungen festmachen kann.

Das Offensichtlichste ist Caldwells Besetzung des Trainerstabs, die besser ausfiel als befürchtet. Die Offense wurde an OffCoord Joe Lombardi übergeben mit dem Auftrag, QB Matthew Stafford geradezubiegen. Stafford ist ein monstermäßiges Talent mit dem vielleicht besten Wurfarm der NFL, aber eben auch ein Mario Basler an verschwendetem Potenzial. Bei Stafford ist noch nix zu spät: Der Junge ist ein 88er, gerade 26 geworden. Für QB-Verhältnisse ist das kein Alter, aber man muss ihm Flauseln austreiben, die immer wieder auftraten: Zu überhastetes Werfen, zu viel Selbstbewusstsein bei versuchten Würfen in Dreifachdeckungen, zu viele technische Unsauberkeiten.

Caldwell und Lombardi kommen aus der QB-Schule. Sie gelten als QB-Gurus, die keine Geringeren als Peyton Manning und Drew Brees zu maximalen Höhen geführt haben. Es gibt genügend Beispiele, wo QBs mit Mitte 20 nach Korrektur von einer oder zwei Details noch die Kurve gekratzt haben.

Die Offensivprobleme liegen nicht allein an Stafford; es ist auch diese eklatante Abhängigkeit von WR-Granate Calvin Johnson, der nicht weniger als jedes vierte Anspiel Staffords sah, für sensationelle 37% Anspiele downfield (also über 15yds von der Anspiellinie). Johnson machte seine Yards. An ihm liegt es nicht, dass diese Offense stets einen frustrierenden Eindruck des nicht ausgeschöpften Potenzials hinterlässt.

Caldwell und Lombardi haben in erster Linie die Aufgabe, diese Offense schematisch so zu verbessern, dass nicht mehr bloß reine Naturgewalt (Staffords Arm, Johnsons Fangkunst) den Gegner schlagen. Dafür wird mehr verlangt als ein feiner Quarterback. Die Saints, aus deren Schule Lombardi stammt, zum Beispiel ließen eine Unzahl an verschiedenen Formationen auflaufen, und sie konnten um einen Kader bauen, der viele verschiedene Skill-Sets vereinte: Drei Running Backs und fünf WR/TE mit jeweils individuell verschiedenen Spezialitäten. Das fehlt in Detroit – noch.

Es fehlt übelst an einem zweiten und dritten Wide Receiver in Detroit. Burleson musste aus Vertragsgründen entlassen werden und wird fast sicher nicht wiederkehren. Der junge Ryan Broyles gilt als Talent, aber beendete jeder seiner drei letzten Saisons mit schweren Verletzungen und könnte bald aufgebraucht sein. Und ein Kris Durham… nein. Durham ist als Staffords Raumpensau eine Stimmungskanone für die Eintracht in der Mannschaft, aber für das Spielsystem nicht mehr als ein vierter oder fünfter Mann für die Snaps zwischendurch. Wenn überhaupt.

Bei den Tight Ends konnte sich der junge Joseph Fauria als RedZone-Waffe und Kunsttänzer aufdrängen, aber Fauria ist (zumindest noch) weder ein kompletter Spieler im Sinne des Blockens noch ein kompletter Fänger im Sinne des Fangens. Der vertragslose Brendon Pettigrew (1st-Round Pick 2009) treibt die Fans mit seiner teilweise laschen Art zu spielen (viele Drops und Fumbles) gern mal in den Wahnsinn, wäre aber als Vorblocker eine Hausnummer – die Salary Cap ist mit 133 Mille höher als erwartet: Pettigrew könnte also unter Umständen in Detroit verbleiben und eine wertvolle Ergänzung bleiben.

Bleibt das Problem „zweiter Wide Receiver“. Detroit könnte mit seinen hohen Draftpicks einen teuren Rookie holen. Man könnte aber auch auf den Transfermarkt schauen, der mit Leuten wie Emmanuel Sanders oder Hakeem Nicks durchaus klingende, noch relativ junge Namen hergeben dürfte. Die Frage ist aber auch hier der finanzielle Spielraum, der dank Mayhews schlechtem Management der letzten Jahre recht eingeschränkt ist.

Spielraum zur Vertragsumstrukturierung gäbe es bei dem Gesicht der Lions, DT Ndamukong Suh, dem Mann, der sich sportlich zu einem echten Allstar-Kaliber entwickelt hat, der aber nicht aus den Schlagzeilen kommt, sei es wegen rohem Spiel oder Intrigen im Kader. Suh zählt 22 Millionen von der Salary-Cap ab, ein unerhörter Wert, aber eine Neustrukturierung des Vertrags würde locker 10 Millionen bringen – für 2014. Für die Jahre darüber hinaus, da reden wir nochmal drüber. Allerdings dürfte es mit dem neuen Vertrag noch etwas dauern, denn Suh hat noch keinen Krawattlträger als Repräsentanten, und vielleicht wird er nie einen (mit Krawatte) haben, denn gerüchteweise soll es der Rapper Jay-Z werden, der schon in anderen Franchises Angst und Schrecken verbreitet hat.

Sportlich besteht die Hoffnung, dass der neue DefCoord Teryl Austin ein guter Griff war. Austin ist der Hauptgrund, weswegen ich Caldwell mittlerweile positiv sehe, denn Austin darf man guten Gewissens für einen aufstrebenden Defensiv-Geist sehen. Austins Expertise ist das Defensive Backfield, rein zufällig die große Sollbruchstelle der Lions.

Dort musste S Delmas bereits aus Vertragsgründen entlassen werden und dürfte kaum wiederkehren. Delmas‘ Abgang reißt ein Loch in den Kader, das dringend mit einem hoch gedrafteten Rookie wie Clinton-Dix oder einem bekannten Free-Agent gestopft werden muss. Probleme anderer Natur gibt es auf Cornerback: Houston gilt dort als solide genug um seine Starter-Ambitionen zu behalten, vom jungen Darius Slay erwartet man nach seinem schwachen Rookie-Jahr erste Verbesserungen, aber dahinter gibt es wenig Greifbares. Cornerback ist neben Wide Receiver das größte Loch im Lions-Kader. Hier wird 100%ig personell nachgebessert.

Freilich ist auch nicht auszuschließen, dass Austin nach einem großen Passrush-Talent schnappt, wenn es an zehnter Draftposition verfügbar ist. Hier muss man abwarten. Austins aggressives Abwehr-Schema kann nicht genügend gute Spieler für die Front-Seven vertragen, und dass eine dominante Front-Seven eine durchschnittliche Secondary durchschleppen kann, sieht man andernorts in Carolina oder San Francisco.

Erstmal dürften noch die Eigenbauprodukte anstehen: DE Young sollte aus Gründen der Kadertiefe gehalten werden. DE Jason Jones und DE Idonije wären im Gegenzug Entlassungskandidaten, wenn auch sportlich beide über viele Zweifel erhaben sind.

Es gibt viele mögliche Stellschrauben, aber nur begrenzten Handlungsspielraum. Priorisieren würde ich den Handlungsbedarf in etwa so:

  1. Zweiter Wide Receiver
  2. Cornerback
  3. Safety
  4. Passrusher
  5. Tight End

Noch ist nicht abzusehen, auf welchem Weg das Front-Office die Löcher zu stopfen versucht. Sicher ist nur: Die Chancen stehen gut, dass zumindest die eklatantesten Schwachstellen angegangen werden können. Man hat nicht viel Cap-Space, aber genug um zumindest zwei größere Moves plus Draftpicks zu machen.

Die mittelfristige Zukunft der Lions sehe ich weiterhin mit einem eher lachenden Auge. Die 7-9 Bilanz von 2013/14 war einmal mehr „underperformed“. Man hatte -12 Turnovers, ein wahnsinniger Wert, der gen Mitte wandern dürfte. Man verlor sechs knappe Spiele (von insgesamt zehn). Man ist in einer Division, in der zumindest Bears und Vikings zu fassen sein dürften. Man setzt im Coaching künftig auf größere Liebe für das Detail. Das dürfte der größte Pluspunkt für 2014 sein. Ich kann es nicht erwarten zu sehen, wie sich das in einem halben Jahr auf dem Spielfeld umsetzen lässt.

14 Kommentare zu “Detroit Lions in der Sezierstunde

  1. Wie immer toll geschrieben von dir 🙂 !!!

    Welche bekannten WR gibt es dieses Jahr im Draft die für uns auf Position 10 in Frage kommen würden 🙂 ?!
    Welcher von diesen Rookies würde uns deiner Meinung nach am meisten weiterhelfen können 🙂 ?

    Grüße

  2. Welche bekannten WR gibt es dieses Jahr im Draft

    Nach landläufiger Meinung ist Sammy Watkins von Clemson der turmhoch beste Mann der Draftklasse und sollte als erster Receiver vom Tableau gehen. Frage ist, ob er an #10 überhaupt noch zu haben sein wird.
    Weitere potenzielle 1st-Rounder sollen Mike Evans oder Marquise Lee sein.

    Die Klasse gilt aber als recht tief, weswegen es fast eine „Verschwendung“ sein könnte, schon in der ersten Runde WR zu holen, wenn die Talente breiter gestreut sind – mit der einzigen Ausnahme Watkins. Aber ich denke, die neuen Coaches haben eine gute Vorstellung davon, welche Art von Offense sie spielen wollen, und sie werden sich die entsprechenden Spielertypen in Free-Agency und/oder Draft sorgfältig aussuchen.

    Andere Möglichkeit ist Tight End.

  3. Ich habe gesehen, dass demnächst ein Film mit dem schönen Namen „Draft Day“ ins Kino kommt. Zumindest in den USA. Hat da schon jemand was genaueres gehört?

  4. Re: Draft Day
    Das NFL Network hatte im Superbowl-Vorspann eine Sequenz mit den Hauptprotagonisten zu dem Film.
    Kevin Kostner. Jennifer Garner. Denis Leary.
    NFL-Leute wie Jon Gruden, Mike Mayock, Deion Sanders, Rich Eisen, Mel Kiper und Chris Berman sollen auch dabei sein um dem Draft einen authentischeren Rahmen zu geben.

    Der Plot klingt, naja: Ein GM der Cleveland Browns versucht nach 15 Jahren Misserfolg mit aller Macht, das Schicksal zu wenden, und kauft sich den ersten Pick. Am Drafttag kommt für diesen GM dann so ziemlich alles zusammen, was aus Beruf, Hobby und Privatleben so zusammenkommen kann. So zumindest hab ich das vom Superbowl-Abend in Erinnerung.

    Der Trailer ist bei Youtube.

  5. Wahnsinn, freu mich. Der film wurde mit Genehmigung von der nfl gedreht. Nicht wie bei an jedem verdammten sonntag in dem es nur fantasie namen der teams gibt!

  6. #DraftDay
    Der Trailer lässt befürchten, dass es eine abgelutschte Hollywood, Underdog vs den Rest der Welt Geschichte wird. 😦
    Und NFL eben nur als Hintergrund(visuell, Stadien & Spielszenen), Marketing etc „missbraucht“ wird. Ala Lovestory vor dem Hintergrund WW2 oder Vietnam oder so..
    Wenn die Intensität der Draft für das Management gut eingefangen wird, aber evtl trotzdem sehr unterhaltsam. Kann mir vorstellen, dass es lange, intensive Streit-Dialoge mit hitzigen Gemütern gibt.

    #Lions
    In Detroit ist ja wie jedes Jahr das kommende Jahr DAS Jahr ..
    Schön wäre Nicks als FA holen, Draft früh Secondary und/oder Passrusher. Dann Value-Picks, Tiefe, ein, zwei Jahre vorausdenken. Man hat mit Stafford und Johnson ja noch locker 6 Jahre Fenster. auch die D ist relativ jung..
    Wichtige Frage scheint mir: kann man Stafford ein komplexeres System geben? Kann er etwas anderes als „Brute-Force“, „Air-Raid“ spielen? Und ist das mit Johnson und ggf einer echten No2 überhaupt notwendig und sinnvoll?
    Was ist hier der Weg zum Erfolg, Spezialisierung oder Diversifikation?

    Naja, Lions werden wohl wieder eines der zu beobachtenden Teams sein ’14. Und auch bei Madden sicher wieder gehäuft zum Einsatz kommen 😉

  7. @moep, du bist ja ein richtiger pesimist. Wenn es in einem film um football geht kann er doch garnicht so schlecht sein.

  8. Habe gerade gelesen, es soll eine Komödie sein.. damit fällt das was ich vorher schrieb eh flach.
    Schade eigentlich. Eine dramatisierte Version des ‚War-Room‘ am Drafttag mit gut geschriebenen Dialogen wäre sicher interessant 🙂

  9. Lions-Owner Ford ist gestorben. Quelle: PFT.

    Ford war einer der passivsten Owner der NFL. Vielen war er zu passiv, quasi der anti-Snyder. Die Franchise wird nun wohl vom Sohn Bill Ford übernommen, der vor wenigen Jahren den Umbruch einleitete und u.a. die Ära Matt Millen beendete.

  10. TE Pettigrew verlängert für vier Jahre/16 Mio (8 Mio Handgeld)

    Der Skill-Position Corp dürfte damit fast komplett sein:
    RB Bush / RB Bell als Allzweckwaffen aus dem Backfield
    RB LeShoure (sofern er gehalten wird) als Typ „Arbeitstier“

    WR Johnson als #1
    WR Tate als komplementäre #2
    WR Broyles + ein weiterer für den Slot

    TE Pettigrew als Standard-TE
    TE Fauria für die RedZone

  11. Hälst du es mit der Golden Tate Verpflichtung noch für notwendig einen WR an #10 zu draften ?

  12. Rashean Mathis hat einen neuen Vertrag erhalten. Das Loch auf Cornerback wird dadurch etwas kleiner.

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