Offensive Skill Positions, Combine 2015

Die Runningback-Klasse von 2015 gilt als beste seit vielen Jahren. Das eine ganz große „can’t miss“-Prospect fehlt, aber dafür gibt es viele exzellente Optionen auf dem zweiten Level – quasi „hochklassige Tiefe“, oder so.

Todd Gurley von Georgia galt lange Zeit als klare Nummer 1, bis er sich das Kreuzband riss. Schwere Verletzungen bei Runningbacks gelten ganz gern als Karriere-Killer. In fittem Zustand ist Gurley eine Wucht, kann Gegner genauso überpowern wie umlaufen und überlaufen. Gurley ist ein kompletter Spieler, kann auch fangen und Kicks returieren.

Wenn Gurley als Verletzungsrisiko gilt, könnte ihn Wisconsins Melvin Gordon überholen. Gordon machte über 2500 Yards diese Saison, aber bei Wisconsin weißt du nie genau, wieviel am Runningback und wieviel am System liegt. Gordon in lichten Momenten sieht wie ein Jamaal Charles für Arme aus: Ein Cut, und dann straight ab die Post durch die Spielfeldmitte. Wie gesagt: Wisconsin schickte bereits Hundertschaften dieser Spieler in die NFL. Gordon gilt als einer der besten von ihnen.

Ameer Abdullah von Nebraska gilt als Kampf-Gnom, ein dürres Männlein von Back, aber ein harter Knochen. Abdullah soll jedoch ein grottenschlechter Pass-Protector sein, was seinem Status als 3rd-Down Back nicht gut tun wird. Duke Johnson von Miami/FL könnte dagegen eine vergleichsweise billige Option für ein Zonen-Schema sein und ist vor allem optisch mit mit seinen entkoppelten Hüften eine Augenweide.

Tevin Coleman von Indiana gilt als Geheimtipp. Er kommt von einem kleinen College, machte aber zuletzt über 2000yds und wird als fangstark und sehr guter Blocker angepriesen – solche RB-Typen sucht die NFL im Jahr 2015 am ehesten.

Wie gut und wie tief die Klasse ist, sieht man daran, dass FSUs Karlos Williams möglicherweise nicht einmal gedraftet werden wird. Williams wurde dieses Jahr von einem Backup bei FSU überholt, aber dieser Backup war Dalvin Cook und wird in wenigen Jahren ein Superstar sein. Williams dagegen lebte sich mit Vergewaltigungsanschuldigungen ins Abseits. Rein sportlich betrachtet müsste er trotzdem ein Talent für die mittleren Runde sein – jedes Jahr, außer 2015.


Bei den Wide Receivers gilt es ein Auge auf den hünenhaften Dorial Green-Beckham zu werfen. Green-Beckham war vor wenigen Jahren der landesweit am meisten gehypten Wide Receiver im College-Recruiting, konnte die Vorschusslorbeeren bei Mizzou aber nicht wirklich erfüllen und manövrierte sich mit allerlei Drogen- und Frauengeschichten ins Abseits.

Green-Beckham wurde letztes Jahr von der Uni gefeuert und wechselte zu Oklahoma, wo diesen Herbst nicht spielte. Dafür wurde sein großer Bruder an der Uni eingeschleust um Green-Beckham die Hölle heiß zu machen und sein Leben in Ordnung zu bringen. Bei Oklahoma sagt man sich, die Aktionen haben gefruchtet. Beckham gilt als geläutert.

Weil es nur wenig Tape von ihm gibt, werden bei ihm die Workouts umso wichtiger. Im Prinzip war Beckham immer ein sehr schneller Spieler, der nie mit Physis an der Anspiellinie umgehen konnte. In der SEC konnte er das trotzdem halbwegs wettmachen und rein mit seiner Körpergröße und Sprungkraft ca. 50 Catches/Saison machen, aber in der NFL wird das allein nicht reichen. Green-Beckham hat nur zwei Jahre College-Erfahrung. Bei ihm besteht die reelle Gefahr einer harzigen Umstellung auf die Profiliga.

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12 Kommentare zu “Offensive Skill Positions, Combine 2015

  1. DGB soll anscheinend auf das „Masse-Problem“ reagiert haben und hat bei den offiziellen Messungen der Combine einiges an Gewicht drauf gelegt. Hat jetzt mit der selben Körpergröße wie Megatron auch ungefähr dessen Gewicht.

    Wie siehst du die RBs? Würdest du einen in Runde 1 draften?

  2. Ich habe mich noch viel zu wenig in die Draft-Materie eingearbeitet für eine Beurteilung. Es ist sicher die beste RB-Klasse seit Jahren und mit Colts, Browns oder Cardinals gibt es gegen Mitte/Ende der ersten Runde Teams mit klaren RB-Needs. Frage ist halt, ob eine tiefe Klasse nicht auch dafür spricht, länger zu warten, weil gute Runningbacks auch später bekömmlich sind.

  3. Ich bin mir da so unsicher. Wenn ich mir anschaue, welche Teams ein effizientes Laufspiel haben, aber auf RB irgendwelche JAGs starten lassen, dann bezweifle ich den Wert der Position immer mehr. Die 5 % (schätzungsweise), die so viel besser sind als der Rest (Charles, AP, Bell, Lynch) lassen sich ja unmöglich prognostizieren.

  4. Vorherrschende Meinung ist mittlerweile sowieso, dass die Offensive Line der wichtigste Bestandteil von gutem Laufspiel ist (und zusätzlich nicht ganz unwichtig im Passspiel, um es neutral zu formulieren).

    In der Offense Line gilt jedoch Guard als ähnlich austauschbare Position wie Runningback, weswegen die absolut talentiertesten Backs durchaus eine Chance bekommen könnten, in der ersten Runde zu gehen.

  5. Pingback: Preview: NFL Scouting Combine 2015 - German Sea Hawkers

  6. Das Problem bei RBs ist halt, dass sie ein Team heutzutage nicht mehr alleine in die Playoffs, geschweige denn in die SB, bringen koennen. Frueher ging das mal, aber heutzutage geht ohne QB nichts. Der RB ist austauschbar wenn das Spiel drumherum funktioniert – vor allem wenn der QB gut ist – und reisst das Ruder nicht herum, wenn der QB es nicht bringt. Siehe zB KC mit Charles & Smith.

    Insofern ist es halt sehr fragwuerdig RBs in der 1. oder sogar 2. Runde zu draften, auch angesichts dessen, dass viele der aktuell guten RBs weiter hinten kamen oder ueberhaupt nicht gedraftet wurden. Die Frage stellt sich letztlich dann halt auch immer, was man sonst bekommen koennte an der jeweiligen Draft Position.

  7. @Philipp

    AD hat erst vor zwei Jahren die Vikes „alleine“ in die Playoffs gebracht.
    Was meinst du mit Charles&Smith? Waren voriges Jahr in den Playoffs(nachdem sie im Jahr davor noch den #1 Overall Pick hatten) und waren eig klar besser gegen die Colts. Heuer hatten sie halt einige dumme Niederlagen gegen schwache Teams(Titans, Raiders, etc…) dabei.

    Gurley hätte ich ohne seine Verlezung in der ersten Runde geholt, Gordon ist ein Kanditat am Ende der ersten Runde… Bin aber wirklich schon gespannt wann der erste RB gepickt werden wird.

  8. AD hat erst vor zwei Jahren die Vikes “alleine” in die Playoffs gebracht.

    Die Gänsefüßchen stehen nicht ohne Grund an dieser Stelle, nehme ich an.

  9. @brady12

    AP war in den letzten sagen wir mal 10 – 12 Jahren eine absolute Ausnahmeerscheinung als Spieler auf seiner Position. Und selbst er hat es eben genau einmal geschafft sein Team in die Playoffs zu bringen (auch wenn er’s ja letztes Jahr keineswegs alleine gemacht hat). Und dort ging dann nichts. Dreh die Situation um und nimm an du hast den besten QB einer Dekade – und schwupps ist dein Team jedes Jahr in den Playoffs. Folglicherweise macht es auch mehr Sinn wenn dein QB nicht dieser eine ist, aber du der Meinung bist du hast einen guten ihn durch gute Protection (LTs gehen regelmäßiger in großer Zahl in der ersten Runde weg) oder Waffen (WRs, TEs) zu stärken.

    Mit Charles & Smith meine ich genau die Situation der Chiefs, wo ein absolut hochklassiger RB mit einem mittelmäßigen QB das Team trotz gutklassiger Defense nirgendwo hinbringt. Mag schon sein, dass der Sieg letztes Jahr in den Playoffs verschenkt war – aber man hat dabei eben im Prinzip gegen Andrew Luck verloren, der mehr oder weniger alleine das Ding durchzieht. Ohne Running Game. Siehe oben bzgl. „Spieß umdrehen“…

    RBs können schon wertvoll sein wenn die Gesamtsituation passt. Aber sie reißen halt keine Franchise herum. Um in der Regel ist man in der 1. Runde danach auf der Suche. Man braucht sich ja nur die jüngere Geschichte ansehen:

    2010 – 3 RBs in der 1. Runde (C. J. Spiller, Ryan Matthews, Jahvid Best)
    2011 – 1 RB eben dort (Mark Ingram)
    2012 – 3 RBs (Trent Richardson, Doug Martin, David Wilson)
    2013 & 2014 gar keine mehr.

    Nun kann es natürlich sein, dass wenn man sich eben diese Namen anschaut wir aktuell grade eine Situation erleben, dass auf Grund der grandiosen Misserfolge der Jahre davor die Leute grade Angst haben RBs früh zu draften. In dem Fall könnte es sich wieder ändern, grade angesichts des Erfolges von Leuten wie Le’Veon Bell. Ich persönlich bezweifle es aber, einfach weil zu viele von den oben genannten vor dem Draft als absolut sichere Dinger galten (grade Richardson und Ingram) und dann nachher einfach überhaupt nichts zu Stande brachten. Angesichts dessen was man für absolut solide RBs noch als FAs bzw. undraftet bekommt ist der Wert einfach nicht da einen RB so früh zu draften.

  10. @Korsakoff

    Natürlich… Aber er war der wichtigste Mann und mit z.B. Gerhart hätte man es sicher nicht in die PO´s geschafft. 😉

    @Philipp

    Also erstmal haben die Vikes mit AD in 7 Jahren 3 mal die Playoffs erreicht und einmal als man es nicht schaffte verletzte sich Peterson schwer während der Saison, also kann man sagen 3 aus 6.
    2009 hätte man auch ganz leicht in den SB kommen können, wenn man nicht einen unglaublich dummen Penalty gemacht hätte und Favre dann keinen Pick wirft.

    Was bedeutet da nirgendwo hin? Wie gesagt, Reid und Smith kamen zu einem Team, das den First Overall Pick hatte, so schlecht waren die beiden Jahre also sicher nicht… Smith ist ein sehr guter QB, aber halt nicht Elite und ohne Elite-QB ist es in der AFC fast unmöglich in den SB zu kommen.

    Die Ausnahme bestätigt die Regel…(und einen hervorragenden Coach/GM) 😉

    Ich verstehe ja deinen letzten Absatz, aber das gleiche kann man doch z.B. auch über WR sagen und WR werden in den letzten Jahren trotzdem sehr häufig früh gedraftet. Die WR der Pats z.B. sind ein Undrafted-FA(Amendola), ein QB aus der 7.ten Runde(Minitron) und ein 3-RundenPick, der, nach seinem Rookie-Vertrag, bei einem Team ohne WR nicht mehr gebraucht wurde(JoJo LaFell).
    Der WR mit den meisten Receptions, Yds und zweitmeisten TD´s heuer war 6-Runden Pick. Unter den Top 10 bei Receptions sind „nur“ 3 Erst-Runden Picks.

    Ich bin da vllt etwas altmodisch, aber für mich haben RB´s immernoch einen hohen Wert.

  11. Also erstmal haben die Vikes mit AD in 7 Jahren 3 mal die Playoffs erreicht und einmal als man es nicht schaffte verletzte sich Peterson schwer während der Saison, also kann man sagen 3 aus 6.
    2009 hätte man auch ganz leicht in den SB kommen können, wenn man nicht einen unglaublich dummen Penalty gemacht hätte und Favre dann keinen Pick wirft.

    Naaaaaja. Kann man auch anders sehen: Minnesota war trotz des vermeintlich besten Runningbacks der letzten 10 Jahre nur ein einziges Mal nennenswerter Titelkandidat – im einzigen Jahr, in dem man einen überdurchschnittlichen QB in Favre hatte.

    Die schwere Verletzung passierte damals erst in Woche 13, als die Vikes (mit Peterson) bei 2-9 standen. Also 3 aus 7, oder 2 aus 6, wenn wir das Jahr mit dem massiven QB-Vorteil rausrechnen 😉

    Die gescheiten Teams wissen schon, welche Position sie hoch und welche sie niedrig priorisieren sollten. Ähnliches dürfte im Übrigen auch für die WR / DT Positionen gelten, die für gewöhnlich recht tief in den Drafts besetzt sind. Die wertvollsten Picks sollten in der Regel für die wertvollsten Positionen verwendet werden.

  12. Stimmt natürlich, hatte ganz vergessen dass Peterson sich erst am Ende der Saison verletzte, dann kam ja die unglaublich schnelle „Wunderheilung“.
    3 aus 7 lasse ich gelten. 😉

    Ja, so ist es.

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