NFL Draft 2015 – Die Defense im Schnelldurchlauf

Gestern Offense, heute Defense. Verschwenden wir keine Zeit im Vorlauf und kommen wir gleich zur Sache in diesem NFL-Draft 2015, dessen Stärken eher in der Abwehr liegen – vor allem in der Front-Seven.

Edge Rusher

Die Experten sind sich einig: Beste Position in diesem Draft, was Qualität in der Spitze und Breite angeht. Fünf, sechs, sogar sieben Pass Rusher sollen laut einigen Mock Drafts in der ersten Runde vom Tablett gehen – eine derartige Lawine hat es in den letzten Jahren nur sehr selten gegeben.

Nicht einig ist man sich darin, welcher Edge Rusher denn nun der beste des Jahrgangs ist. Oft genannt wird Dante Fowler jr. von Florida, wo Fowler als Art Schachfigur Snap für Snap dorthin geschoben wurde wo es für den Game Plan gerade am besten passte. Das hat den Vorteil der Vielseitigkeit, aber den Nachteil, dass er als nirgendwo richtig eingelernt gilt.

Randy Gregory von Nebraska hat am College ähnliches erlebt und mit seinen extrem langen Armen auch etwas produktiver gespielt, gilt aber nicht als wirkliche Option für eine 4-3 Defense. Viele sehen in Gregory den gefährlicheren Spieler im Vergleich zu Fowler und durchaus Top-3 Value. Größtes Problem an Gregory sind seine positiven Drogentests in der Vergangenheit, die ihn schon vor seinem ersten NFL-Spiel in das Reha-Programm der Liga aufnimmt. Sprich: Er hat keine Schonfrist, Sperren folgen sogleich.

Shane Ray von Mizzou gilt als brutal explosiver Spieler, der jedoch auf 3-4 Defense limitiert sein dürfte, weil zu klein für einen Defensive End. Bei Vic Beasley ist das umgekehrt, er wurde am College in Clemson in der 3-4 nur sporadisch eingesetzt. Beasley schleppt das Problem eines grottenschlechten Run-Defenders mit sich, soll aber als reiner Pass Rusher der produktivste der Top-Anwärter gewesen sein (u.a. 12 Sacks).

Der interessanteste Mann ist für viele Alvin Dupree von Kentucky, von allen Bud gerufen. Vom Körperbau her der spektakulärste Mann mit überragenden Testwerten, vom Spielstil her der beste Run-Defender unter den Genannten, aber am College in einer schlechten Mannschaft verbrannt und nie das ganze Potenzial wirklich ausnutzend. Es gilt als unwahrscheinlich, dass Dupree als erster Pass Rusher gezogen wird, aber als fast fix, dass er an #20 nicht mehr zu haben sein wird.

Dahinter beginnt das Feld der etwas eindimensionaleren Spieler. Der extrem ranke Eli Harold von Virginia soll zwar durchaus Power haben, aber sein Pass Rush kommt fast ausschließlich vom „Speed Rush“. Das muss kein Nachteil in der NFL sein, aber du hast halt nur eine Waffe.

Beim unaussprechlichen Owamagbe Odighizuwa von UCLA geht es vor allem um zu wenig Erfahrung und Verletzungen in der jüngeren Vergangenheit, bei Preston Smith von Mississippi State um das „Tweener-Problem“: Er hat keine richtige Position, für die er logischerweise gedraftet wird, aber er ist zu gut um nicht spätestens nach Runde 3 vom Tableau zu sein.

Nate Orchard (Utah), Danielle Hunter (LSU) oder Anthony Chickillo (Miami/FL) haben alle keine Nachweise erbracht, mehr als situativ einsetzbare Athleten zu sein. Aber wie man am Beispiel eines Willie Young einst in Detroit und heute in Chicago sieht, finden auch solche Spieler durchaus prominente Rollen in der National Football League.

Defensive Interior

Auch eine exzellent besetzte Gruppe und Heimat des besten Prospects des Jahrgangs überhaupt, glaubt man den Auguren: Tingeltangel-Leonard Williams von USC ist ein richtig massiv gebauter Hüne mit der Beweglichkeit einer jungen Katze. Bei genauerem Hinsehen offenbaren sich allerdingaus auch bei Williams berechtigte Fragen: Warum blieb er trotz allem Potenzial ein relativ unscheinbarer College-Spieler? Wird ihn sein vergleichsweise langsamer Antritt daran hindern, jemals in einem Atemzug mit einem Suh oder McCoy genannt zu werden? Dazu kommen etliche kleinere Verletzungen am College: Williams spielte selten beschwerdefrei durch.

Von den 4-3 DT / 3-4 Ends kommt bald nach Williams schon Oregons hünenhafter Liner Arik Armstead, der für seine gut 2m erstaunlich antrittsschnell ist und in der ersten Runde gehen könnte. Armstead hat mehrere Jahre gutes College-Tape, was man bei Malcolm Brown von den Texas Longhorns noch vergeblich sucht: Brown gilt als Spieler mit nur einem guten Jahr, was immer ein Risiko darstellt. Brown soll ein sicherer 1st-Rounder sein, aber athletisch ist er noch nicht wirklich klar einer Position zuzuordnen.

Dieses Problem hat Florida States Eddie Goldman nicht, den man als relativ klaren Mann für die 1-technique und 3-technique sieht. Bei Goldman warnen alle vor seiner Heiß/Kalt Einstellung, die schon seine Coaches am College zum Verzweifeln gebracht hat.

Weil Goldman ein so unverlässliches Prospect ist, sehen viele in Washingtons Danny Shelton die beste Option, was Nose Tackles angeht. Shelton ist noch der klassische Fettsack, kaum 1.90m groß, aber 155kg auf die Waage bringend. Shelton hat sich mit einer herausragenden Senior Bowl in den Fokus gespielt und gibt auch als Storyline einiges her.

Shelton ist im Vergleich zu Goldman aber eindimensionaler und mehr auf den klassischen Nose Tackle beschränkt, was seinem Wert schaden könnte. Ein famoser Nose Tackle ist noch immer eine der zentralen Positionen in einer 3-4 Defense, aber im Vergleich zu noch vor drei oder vier Jahren hat er etwas an Wert verloren. Lass den Mann aber nach Houston gehen, und die Texans haben die beste Defense in der NFL.

Es gibt noch einen zweiten klassischen Nose Tackle, über den sich viele s’Maul zerreißen: Jordan Phillips von Oklahoma, mit fast 2m bei auch gut 150kg kräftig und schwer genug um es in jedem Snap mit zwei Blockern aufzunehmen. Phillips kommt von einer schweren Verletzung und galt nie als Konditionswunder, soll auch mitten im Spiel ein Mann der tausend Gesichter sein – sprich nicht konstant genug um als verlässlicher Starter durchzugehen. Aber das Potenzial

Linebacker

Der Mann des Jahres auf Linebacker ist Shaq Thompson von den Washington Huskies. Thompson ging am College nicht bloß als Linebacker an den Start, sondern versuchte sich nebenher als Safety und Runningback und dürfte mit seiner Vielseitigkeit bereits die Aufmerksamkeit in New England auf sich gezogen haben.

Fraglich ist, ob Thompson so lange am Tablett bleiben wird, bis Bill Belichick nach zig Trade-Downs zum ersten Mal an der Reihe ist. Thompson geht athletisch als Idealvorstellung eines NFL-Profis durch, und vor allem die Aussicht, ihn auch in dritten Downs gegen Tight Ends am Feld zu lassen, macht ihn potenziell wertvoll. Aber: Er gilt als zu schleifender Rohdiamant, der ohne intelligenten Trainerstab am Feld verloren sein wird.

Deswegen werden viele Eric Kendricks von UCLA bevorzugen. Eric ist der jüngere Bruder von Mychal (spielt bei den Eagles). Er hat deutlich mehr Erfahrung als Thompson und gilt als intelligenterer Spieler, aber schlechte Testwerte in der Combine und ein langsamer Antritt schmälern seine Aussichten, sodass er kaum vor Runde 2 gedraftet werden wird.

Ein mutiges Front-Office könnte Paul Dawson von TCU bevorzugen: Dawson gilt als rein spielerisch als talentiertester Linebacker des Jahrgangs, schleppt aber den Rucksack des schlampigen Genies mit sich. Dawson galt als trainingsfaul und wurde deswegen am College mehrmals suspendiert.

Cornerbacks

Die Cornerback-Klasse soll durchaus überdurchschnittlich besetzt sein. Wir haben auch im Jahr 2015 einen spielerisch überzeugenden Favoriten, der einigen Ballast von wegen charakterlicher Probleme mit sich in die NFL bringt: Willkommen – Marcus Peters von Washington. Am College wurde Peters gefeuert, weil er sich mit seinen Coaches überwarf, Augenzeugenberichten sogar handgreiflich wurde – Todessünde in der NFL.

Peters soll mittlerweile von Headcoach Chris Petersen begnadigt worden sein. Dass Petersen einen so kompletten, aggressiven Manndecker wie Peters aus dem Kader warf, erstaunt jedoch in der Retrospektive noch immer, denn Petersen war auch bei Boise State nie bekannt dafür, Problemfälle zu schnell zu entsorgen. Peters‘ einziges Fragezeichen, was seine spielerischen Fähigkeiten angeht, ist sein Speed, der nicht ausreichen dürfte, um die schnellsten Wide Receiver im Alleingang zu decken.

Flotte Füße ist nicht etwas, das bei Trae Waynes (Michigan State) Kopfzerbrechen bereitet. Vielmehr fusseln sich bei Waynes alle um den angeblich nicht existenten Saft in seinen Armen. Waynes wird ein interessanter Mann im Draft, denn es könnte durchaus sein, dass er als erster Cornerback vom Brett geht.

Als Art Wildcard gilt Ronald Darby von den Florida State Seminoles. Darby machte schon in der fallen gelassenen Anklage gegen Teamkollege Jameis Winston als Kronzeuge mit schmalen Lippen Schlagzeilen, ist als Spieler vor allem bekannt für seine Sprinterqualitäten. Darby hat am College nicht oft gespielt, aber dafür sämtliche Top-WR kaltgestellt, die gegen ihn antreten mussten. Es ist nicht davon auszugehen, dass Darby vor Peters und Waynes geht, aber erste Runde könnte drin sein.

Darbys anderer Teamkollege mit suspekter Vergangenheit, P.J. Williams (der Mann mit den Alkoholfahrten), gilt als verkappter Richard Sherman, wird aber wegen zu vieler persönlicher Probleme kaum vor den mittleren Runden gehen.

Auf Cornerback gibt es traditionell hinter den Top-Prospects eine ganze Latte an Spielern, bei denen sich die Scouts nicht einig sind, in welcher Reihe sie denn nun gerankt werden sollten – das rührt auch daher, dass du zwischen Outside-CB, Slot-CB, dem Einser, dem Zweier, dem Press-Man oder dem Ball-Hawk unterscheiden musst, und verschiedene Teams bewerten diese Kriterien unterschiedlich.

Der smarte Slot-CB dürfte Kevin Johnson (Wake Forest) sein. Der Super-Athlet ohne die ganz großen Referenzen wird Byron Jones (UConn) sein. Der risikofreudige Gambler ist Jalen Collins (LSU), bei dem zu beachten ist, dass er von seinen Coaches vor nicht allzu langer Zeit auf die Bank verbannt wurde. Ein Mann mit 10 Interceptions in der letzten Saison ist Senquez Golson von Ole Miss, der aber als zu schwach in der Manndeckung gilt um ernsthaft in den ersten Runden gedraftet zu werden.

Safetys

Bei den Safetys ist man sich einig: Schwacher Jahrgang. Der erste gedraftete Safety dürfte Landon Collins aus der Talentschmiede Alabama sein, wobei: Die „Talentschmiede“ schickte in den letzten Jahren durchaus auch einige Busts in die Liga. An Collins mag man seine Vielseitigkeit, aber er ist zu langsam und hat zu buttrige Finger um als wirklich ganz hoher Pick durchzugehen.

Viel Buzz bekam lange Zeit Gerod Holliman von Louisville, bis er sich mit schlechten athletischen Tests etwas nach unten spielte. Einige Scouts würden mittlerweile sogar seinen Teamkollegen am College, James Sample, vorziehen, wobei sich Sample nie gegen Holliman durchsetzen konnte und kaum Erfahrung nachweisen kann.

Als Dark-Horse im Safety-Rennen scheint sich Damarious Randall von den Arizona State Sun Devils etabliert zu haben. Randall soll durchaus nicht zu vernachlässigende Schwächen im Tackling und in der Einschätzung von Winkeln haben, aber er überzeugte in der Senior Bowl und begeisterte seine Coaches auch mit seinem Willen, vollen Einsatz in den Special Teams zu geben.

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5 Kommentare zu “NFL Draft 2015 – Die Defense im Schnelldurchlauf

  1. Pingback: Links zum NFL Draft 2015 - German Sea Hawkers

  2. Nur eine kleine Erinnerung wie verrückt der Draft ist, soll kein Angriff sein, Zitate von dieser Seite:
    „Der solide, aber langweilige J.J. Watt geht nach Houston. Houston hat eine nette Ansammlung an hochkarätigen Namen in Offense und Defense. Mit Phillips einen guten Defensive Coordinator neu bekommen. Watt sollte in die neue 3-4 Defense passen. Houston hat zumindest den logischen Pick gemacht.“
    „J.J. Watt von Wisconsin hat eine eindrucksvolle Rose Bowl gespielt und genießt den Bonus, ein weißer Defensive End zu sein. Die GMs wissen, was sie an Watt haben. Dafür soll das Entwicklungspotenzial beschränkt sein.“
    😀

  3. Darauf bin ich vor kurzem auch gestoßen 😉

    Auf das „Entwicklungspotenzial“ ist man bei Watt aber auch eher zufällig drauf gekommen, als man mehr oder weniger auf Drängen des Spielers Spielzüge eingebaut hat, die Watt aus der 3-4 DE Position im 1-vs-1 gegen seine Offensive Tackles ansetzten.

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