Draft-Vorspeise aus der Gerüchteküche

Die Gerüchteküche brodelt wie jedes Jahr in den Tagen vor dem NFL Draft. Wenn die Gerüchte stimmen, werden die Tampa Bay Buccaneers an #1 einen der beiden Top-Franchise QBs im Draft ziehen: Jameis Winston oder Marcus Mariota. Die landläufige Meinung scheint zu sein, dass es auf Winston hinausläuft – eine krude Wahl.

Winston gilt als beste QB-Option im Draft, aber längst nicht als unfehlbares Talent à la Andrew Luck vor ein paar Jahren. In Tampa ist mit Lovie Smith ein Headcoach am Werk, dessen Vergangenheit mit jungen Quarterbacks an Erfolgsquote von wenigen Coaches unterboten wird. Und Tampa ist keine zwei Autostunden von Tallahassee entfernt – der Heimat der Florida State University, wo Winston allem Anschein nach den einen oder anderen Unsinn als Student getrieben hat.

Andererseits: Die Buccs werden Winston durchleuchtet haben dass er bereits ausgeblasst sein müsste, und sollten sie ihm hinreichend vertrauen, wird es auch ihn hinauslaufen. Die Reports, dass man allen Tendenzen zum Trotz doch Mariota ziehen könnte, halten sich trotzdem hartnäckig, weswegen eine Überraschung nicht ganz auszuschließen ist.


Als erste Wildcard gilt Tennessee an #2. Die Titans haben im Prinzip einen löchrigen Kader und könnten sowohl vom best player available Modus als auch von einem Trade profitieren. Kandidaten soll es viele geben, denn glaubt man den Auguren, so wollen gar einige Teams den Quarterback holen, den Tampa nicht gedraftet hat.

Eines der Gerüchte, das sich lange hielt, scheint sich nicht zu bewahrheiten: Tennessee = scharf auf Philip Rivers aus San Diego. Dieses Tauschgeschäft ist über die letzten Wochen immer unwahrscheinlicher geworden. Dass Tennessee mit Head Coach Whisenhunt einen Rookie-QB verpflichtet, gilt nicht wirklich als Option.

Wenn ein Team mit Tennessee einen Handel anstrebt, wird das den Draft-Prozess ordentlich durchschütteln – je nach dem mehr oder weniger, um welches Team es sich handeln wird. Oft genannt sind St Louis oder Cleveland als mögliche QB-Destinationen.


Mariota wird so oder so eine der interessantesten Gestalten dieser ersten Runde im Draft sein. Es gibt Leute wie Mike Mayock, die ihn höher einstufen als Winston, es gibt aber auch Leute, die ihn hinter einem Brett Hundley reihen (wie Matt Waldman).

Die Wetten stehen momentan ganz gut, dass er spätestens an #2 vom Tablett sein wird, aber was passiert, wenn nicht? Verzweifelt fallende Dominosteine in Form von Trades in die Top-5 hinein sind ebenso möglich wie ein Fall auf #6 (Jets) oder, schlimmer, ganz hinaus aus den Top-10.

Winston und Mariota werden übrigens beide nicht live in Chicago vor Ort sein, weil sie den Draft gemeinsam mit ihren Familien zuhause anschauen. Was einige als wohltuende Bescheidenheit bezeichnen, legen ihnen andere als Respektlosigkeit gegenüber der Liga und ihren Sponsoren aus. Zumindest klang am Montag ein Statement von Michael „Udo Lattek der NFL“ Irvin in der Richtung.


Jacksonville an #3 geht wie vor einem Jahr als komplette Unbekannte ins Rennen. Im Prinzip gilt für die Jaguars ähnliches wie für Tennessee: Man kann Hilfe auf vielen Positionen gebrauchen und sollte ein guter Ansprechpartner für mögliche Trades sein.

Letztes Jahr rührte sich das Front-Office kein Millimeter und draftete zum Erstaunen aller QB Blake Bortles. Heuer vermuten alle, dass man sich entweder DL Leonard Williams greift, sollte der noch verfügbar sein, oder einen Edge Rusher. Oft genannter Kandidat: Dante Fowler, der wenige Kilometer weiter an der University of Florida seine Studienzeit verbrachte.


Oakland an #4 soll scharf sein auf einen Wide Receiver. Lange Wochen hielt sich die Meinung, dass die Raiders es auf Kevin White von West Virginia abgesehen haben könnten. Mittlerweile glaubt der Mainstream, dass es auf Alabamas Amari Cooper hinauslaufen wird, weil besserer, reiferer Spieler, wohingegen White einige Jahre Entwicklungszeit brauchen soll. Oakland hat einen jungen QB Derek Carr, der eine okaye Rookie-Saison spielte, aber teilweise trotzdem horrende Effizienz-Stats einfuhr. Als Hauptschuldigen hat man den unterirdischen Receiving-Corp ausfindig gemacht.

Sollte für die Raiders an #4 aber noch Leonard Williams verfügbar sein, gilt es als quasi fix, dass GM Reggie McKenzie sich Williams greifen wird und damit zum dritten Mal en suite einen Verteidiger holt – nach CB Hayden und OLB Mack in den letzten beiden Jahren.


Washington an #5 hat unter der Woche die Vertragsoption bei QB Robert Griffin III gezogen, was nicht automatisch heißt, dass man Griffin mit Gewalt ins Feuer werfen wird: Die fifth year option, muss man wissen, ist nur dann ein Fixgehalt, wenn sich Spieler X verletzt. Griffin ist nicht der verletzungsunanfälligste Footballer unter der Sonne, und sollte er sich nicht bewähren, wird er eher schneller auf die Bank gesetzt werden um ja keinen erneuten Kreuzbandriss zu riskieren – in jenem Falle müsste Washington ihm 16 Mio. für das Jahr 2016 zahlen.

Die Redskins gelten dennoch nicht mehr als ernsthafte Anwärter auf einen der Quarterbacks. Vielmehr konzentriert man sich in Washington auf drei Positionen: Pass Rush, Offensive Line, Defensive Backfield. Alle gehen davon aus, dass GM Scot McCloughan sich dieser Positionen bedienen wird, sollte er nicht *pling* nach unten traden.


Eine spaltende Figur bleibt WR Dorial Green-Beckham, bei dem es heißt, einige General Manager wollten ihn mit hohen Draftpicks (also erste Hälfte der ersten Runde) ziehen, ehe das Veto aus den Besitzerfamilien kam, die sich keinen Problemfall wie Beckham anlachen wollen und sich dann drei Jahre mit der Presse herumzuschlagen.

Zwei der meistgehypten Pass Rusher sind durch Drogengeschichten in den letzten Tagen und Wochen etwas in Verruf gekommen: Randy Gregory und zuletzt auch Shane Ray. Bei Gregory ist der Fall etwas drastischer gelagert, da er bekifft zur Combine erschien und somit schon im Drogen-Programm der NFL gelistet ist (sprich: nicht mehr als unbestraft gilt). Ray scheint dagegen noch nicht offiziell NFL-vorbelastet zu sein. Ihm dürfte der Vorfall kaum schaden. Mehr Fragezeichen dürfte bei Ray eine anstehende Fuß-Operation aufwerfen.


Aktive Spieler, die noch immer als Trade-Objekte auf dem Markt gehandelt werden und somit den Fluss im Draft beeinflussen könnten: RB Adrian Peterson aus Minnesota und OLB Dion Jordan. Peterson kann es noch immer nicht verwinden, dass ihm das Front-Office der Vikings nach seiner Kinderquäler-Affäre nicht den Rücken gestärkt hat. Jordan (#4 Pick vor zwei Jahren) gilt in Miami als Bust und will offenbar unbedingt in einer 3-4 Defense spielen. Bei ihm könnte allerdings eine drohende einjährige Dopingsperre für 2015 noch dazwischen kommen.

Plus Rivers in San Diego, aber der ist wie geschrieben eher unwahrscheinlich.

8 Kommentare zu “Draft-Vorspeise aus der Gerüchteküche

  1. Pingback: Links zum NFL Draft 2015 - German Sea Hawkers

  2. Die Saints sind mittlerweile auch ein heißer Kanidat auf einen Trade an Nummer für Fowler oder Williams, da wahrscheinlich an Pos.13 kein „cleaner“ Top Defense Spieler mehr verfügbar sein wird. Würde auch zur bisher aggressiven offseason von Loomis passen.

    -Snoopy´s Football Blog- Xs and Os des American Football
    https://americanfootballsnoopy.wordpress.com/

  3. Man sollte die Eagles nicht vergessen. Es ist zwar nicht wahrscheinlich, dass Philly von #20 auf #2 hochkommt, aber es sind sich alle einig, dass Chip Kelly einen Anlauf auf Marcus Mariota machen wird. Die Frage ist, wie weit wird er gehen? Wer nach dieser Off Season bei den Iggles nicht mehr an das Unmögliche bei Chip Kelly glaubt, dem ist nicht zu helfen.

  4. Michael „Udo Lattek der NFL“ Irvin hat mir am besten gefallen 😀 !!!

    Natürlich stelle ich mir die Frage, was brauchen die Lions und auf wen sollen sie es laut „Experten“ abgesehen haben :)?

    Ich denke nach dem Off Season Abgängen eher an einen Spieler aus der Def oder nicht 🙂 ? Oder gar einen Center? Obwohl wir ja Swanson haben 🙂 !!!

  5. Gemach. Bevor der Trade nicht in trockenen Tüchern ist, glaube ich gar nix (also nicht bevor die Bucs gepickt haben). Es gibt ja auch Gerüchte, dass die Titans unbedingt Mariota haben wollen, weil der Franchise vor einem Verkauf steht und ein Franchise QB mehr Value im Business bringt.

    Für mich ist es wahrscheinlicher, dass Tennessee Mariota holt als dass es Cleveland oder Philli sind.

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