Wer gewinnt die Heisman-Trophy 2015?

Die Regular Season des College-Footballsaison 2015/16 ist fast rum. Heute Abend, nicht bei uns offiziell zu sehen, gibt es noch das Militärderby Army vs Navy aus Philadelphia, dann sind wir durch. Es war eine Saison ohne große Zwischenfälle und ohne große Stars. Es war eine Saison ohne große Kontroversen um die Post-Season Qualifikanten. Man könnte fast sagen, es war eine langweilige Saison.

Die große Enttäuschung war das Abschneiden von Ohio State, das ähnlich wie letztes Jahr FSU sein Potenzial nicht abrufen konnte und sich ohne zu glänzen durch die Saison lavierte um am Ende (im Gegensatz zu FSU 2014) sogar sportlich zu scheitern. In der Big Ten gewann mit Michigan State ein Team, das man auf dem Zettel haben konnte, aber auch Michigan State war nicht mehr das Kaliber vergangener Jahre.

Die SEC enttäuschte über weite Strecken. Die Bulldogge Georgia war nach zahlreichen Verletzungen ein niedliches Schoßhündchen und endete mit der Entlassung vom langjährigen Head Coach Mark Richt. LSU nicht weit von dieser Katastrophe entfernt. Florida offensiv eine Beleidigung. Ole Miss erneut nicht komplett genug. Arkansas, Texas A&M und Tennessee: Sleeper, die 2016 wieder als Sleeper in die Saison gehen werden. Alabama schlafwandelte sich zum Sieg.

Die Pac-12 gutklassig, aber ohne herausragendes Spitzenteam, und damit außerhalb der Playoffs. Die ACC mit Clemson und viel Leerlauf, und einem Geheimfavoriten Georgia Tech, der böse strandete. Der Independent Notre Dame mit guter Saison trotz tausend Verletzungen, aber am Ende zweimal zwei Punkte von den Playoffs entfernt.

Am überzeugendsten noch die Big 12 – trotz der unheimlichen Verletzungsserien bei den beiden Topfavoriten Baylor und TCU. Es spricht für die Tiefe der Big 12, dass mit Oklahoma ein dritter Gigant sein Potenzial abrufen konnte, als die beiden anderen strauchelten. So haben wir am Ende ganz ohne Chaos und ohne Diskussionen eine eindeutige Big Four für das Semifinale. Keine Diskussionen… erst jetzt fällt auf, wie spektakulär das Vorfeld zur Post-Season in anderen Jahren verlaufen ist.

Man kann den Verlauf der Saison auch am Rennen um die Heisman-Trophy ablesen.

Heisman Trophy 2015

In der Theorie ist die Heisman-Trophy für den besten Spieler der Saison bestimmt, der sich auch durch hervorragendes Benehmen ausgezeichnet hat. In der Praxis ist es schlicht der Quarterback mit den besten Statistiken, oder bei Fehlen eines QB, der Runningback mit den besten Stats.

2015 tendiert mangels eines total dominierenden QB in Richtung Runningback: Zwei der drei Finalisten sind RBs, und auch der Favorit ist ein RB.

  • QB Deshaun Watson (Clemson). Watson ist der Quarterback des einzigen ungeschlagenen Teams der FBS, aber Watson ist im Prinzip mehr als das. Watson spielte eine fantastische Saison, nachdem er letztes Jahr sein Potenzial noch bloß angedeutet hatte und immer wieder verletzt runter musste. Watson brachte 70% seiner Pässe an den Man, für 3.512yds, 30 TD und 11 INT, plus 887yds Scrambling aus 163 Versuchen mit 11 TD. All das, obwohl sein OffCoord in der Offseason das Team wechselte, seine komplette Offensive Line aus Frischlingen bestand und sein bester WR, Mike Williams, im ersten Spiel der Saison verletzt runter musste.
  • RB Christian McCaffrey (Stanford). Der weiße Runningback McCaffrey ist Sohn eines ehemaligen NFL-Profis. Für Stanford war er nahezu unbezahlbar: 1847yds Rushing (8 TD), 540yds Receiving (5 TD) und dazu der 9t-beste Kickreturner im Lande mit einem weiteren TD. Macht 184 Yards von der Line of Scrimmage pro Spiel. McCaffrey hatte auch am ehesten einen „Heisman-Moment“, als er die Partie gegen Notre Dame am letzten Wochenende quasi im Alleingang drehte.
  • RB Derrick Henry (Alabama). Henry führt die Liga mit 339 Carries für 1986yds und 23 TD an, was 5.9yds/Carry entspricht. Henry war der effizienteste und meistgenutzte Back der zweiten Saisonhälfte, und spätestens seit seinem Monsterspiel gegen LSU (38 Carries, 210yds, 3 TD) gilt er als Favorit im diesjährigen Voting. Alabamas Runningbacks sind allerdings seit jeher suspekte Kandidaten, da sie in extremem Ausmaß von der jahrein, jahraus besten Offensive Line im Lande profitieren. College-Monster wie Mark Ingram, Trent Richardson oder aktuell Eddie Lacy haben in der NFL bestenfalls gemischte Resultate eingefahren. Henrys Zahlen sind allerdings sogar im Vergleich zu seinen genannten Vorgängern exorbitant.

Bekannte Spieler wie RB Leonard Fournette (LSU), RB Dalvin Cook (FSU), QB Baker Mayfield (Oklahoma), RB Ezekiel Elliott (Ohio State) oder QB Trevone Boykin (TCU) haben es nicht in die Endauswahl geschafft.

Ich würde Watson wählen. Er ist mehr als der „Quarterback des besten Teams“. Ein McCaffrey lebt mir zu sehr von den Gratis-Yards bei den Kick Returns. Bei Henry sind meine Bauchschmerzen vom Schlage „Alabama-Runningback“. Vorurteil, yes. Aber in einem Vakuum würde ich einen Elliott, Cook und vor allem Fournette jedesmal über Henry nehmen. Stell einen der drei ins Alabama-Backfield, und wir drohen, Allzeitrekorde zu sprengen.

Aber es wird wohl Henry werden.

4 thoughts on “Wer gewinnt die Heisman-Trophy 2015?

  1. Bei den Buchmachern ist Henry so klar vorne, dass man sich fragt, warum man die beiden anderen dann überhaupt nominiert hat.

  2. War auch eher rhetorisch gemeint. Finde schade, dass das so ne klare Nummer ist. Die beiden anderen haben es ja von der Sache her nicht weniger verdient.

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