Die College Football Playoffs 2016/17 im Rückspiegel

Rückschau auf die College Football Playoff Halbfinals 2016/17.


Sie haben uns ein bekanntes Resultat gebracht – ein Endspiel Alabama Crimson Tide vs Clemson Tigers, das erste Titel-Rematch der Endspielgeschichte im College Football, die nun auch schon runde 25 Jahre alt ist (vorher wurde der Landesmeister durch eine Abstimmung gewählt).

Wer dieses Blog schon länger als ein Jahr liest, weiß, dass ich mich über diese Finalpaarung diebisch freue. Schließlich ist es die Neuauflage des epischen Clashes zwischen Clemsons QB Deshaun Watson und der Alabama-Defense. Letztes Jahr musste Watson erst nach heroischem Kampf klein beigeben.

Viel wichtiger: Watson zeigte, dass Alabama schlagbar ist. Dass es eben doch keine komplett entrückte Übermannschaft ist. Auch wenn das am Silvestertag 2016 anders aussah.

Peach Bowl: Alabama 24, Washington 7

Zu behaupten, dass sich in diesem Halbfinale zwei Mannschaften auf gleichem Niveau gegenüberstanden, ist nach dem Verlauf dieser Partie schier unmöglich. Obwohl Alabama „nur“ mit 17 Punkten Vorsprung gewann und obwohl Alabama sieben davon „nur“ durch einen hirnrissigen Turnover scorte, fühlte sich die Partie in Grundzügen so an wie das LSU-Spiel: Washington hatte keine Chance.

Zero.

Dabei spielten die Jungs von Chris Petersen noch nichtmal unterirdisch schlecht: Der zweite Drive endete nach 8 Plays und 64 Yards zum TD, ein wunderschöner Catch von WR Pettis. Das war’s dann aber auch für die Offense: Restliche 68 Plays, 130 (in Worten: einhundertdreißig) Yards Raumgewinn. Das sind weniger als zwei Yards pro Spielzug.

Dass Washingtons Defense ihrerseits einen guten Job gegen Alabamas Passspiel um QB Hurts machte (Hurts nur 7/14 für 57yds im Passspiel) – wirkungslos, da die eigene Offense so gar kein Land mehr sah.

Alabama hatte zwei Trümpfe abseits von seiner phänomenalen Defense: Den Punter, der Washington immer und immer wieder ganz tief hinten reinnagelte, und RB Bo Scarborough, der aussieht wie ein Linebacker und läuft wie ein Runningback und für 180 Yards über die Defense pflügte. Scarborough gilt seit Jahren als Megatalent. Alabama versteckte ihn trotzdem das ganze Jahr über (Scarborough hat über die Saison nur die drittmeisten Yards im Alabama-Backfield) – bis zum Samstag. Und Baby, stampfte der Mann über die Defense. Eine Naturgewalt.

Für Alabama fühlte sich die Dominanz, mit der man die Peach Bowl bestritt, noch etwas mehr als business as usual an. Es war noch einmal ein fettes Statement.

Washington kann sich dagegen noch nichtmal viel vorwerfen lassen. Man war schlicht nicht gut genug, und abseits von dem einen katastrophalen Browning-Pass direkt in die Arme von Ryan Anderson zum Pick-Six war das ganz einfach weniger ein Beinbruch als gut investiertes Lehrgeld.

Fiesta Bowl: Clemson 31, Ohio State 0

Der erste Shutout von Ohio State seit über 20 Jahren. Und der erste Shutout für Head Coach Urban Meyer ever. Für Clemson ein ganz großer Sieg, sowohl in der Auswirkung (Chance zur Finalrevanche) als auch in der Art und Weise.

Wir müssen nicht lange drum herumreden. Ohio State verpasste in der Anfangsphase zwei 47yds-Fieldgoals nach exzellenten Feldpositionen, und danach war es um die Buckeyes geschehen, weil Clemson die Offensive Line nach Strich und Faden dominierte und die eigene Offense zwar nicht fehlerlos, aber dennoch sehr variantenreich spielte.

QB Watson zeichnete sich verantwortlich für zwei Turnovers: Eine Interception nach Hitch-Route, als WR Williams wegrutschte. Folge: Verschossenes Fieldgoal beim Gegner. Und eine Interception in einem langen 3rd Down bei tiefem Pass in die Endzone. Auch verschmerzbar. Gegen Ohio State. Gegen Alabama dürfen diese Böcke nicht passieren.

Zur Pause hielt Clemson schon bei 17-0 Führung und 275 vs 90 Yards Offense. Clemson packte das ganze Arsenal im Angriff aus: Screens, Slants, Spielfeldmitte, tiefe Routen. Das öffnete Räume auch für RB Gallman, der sein bestes Saisonspiel machte. Mach dir nichts vor: Ohio States Defense ist nicht Alabama, aber sie ist nicht weit davon entfernt. Und Clemson spielte dieses Monster komplett an die Wand.

Ohio States Offense? Ein Fragezeichen. Die Buckeyes versuchten erst gar nie, großartig ins Laufen zu kommen. RB Weber in der ganzen ersten Halbzeit mit einem einzigen Carry. Nur 9 Versuche vor der Pause – zugegeben schwache Versuche, da kaum ein Lauf weiter als zwei Yards ging. Zu massiert stand die Clemson-Front. Aber auch das Passspiel war eine Katastrophe. QB Barrett mit 19/33 für 127 Yards. Das ist jedoch weniger Überraschung als der Gameplan, mit 33 Pässen vs nur 17 Läufe.

Schmerzlindernd für Ohio State: Die Buckeyes waren 2016 ein extrem junges Team, dem ein weiterhin rosige Zukunft bleibt. QB Barrett wird 2017 zurückkehren. Die gemachten Erfahrungen werden Ohio State nach vorne bringen. Der vermeintlich ärgte Big-Ten Rivale Michigan erlebt seinerseits großen Turnover – also dürfte eine Rückkehr ins Playoff 2017/18 keine Utopie sein.

Ausblick

Das erste Semifinale fühlte sich im Ausgang spätestens nach eineinhalb Vierteln unvermeidlich an. So können wir rückwirkend nur froh sein über das Ergebnis im zweiten Halbfinale. Denn Ohio State hätte mit seiner ausschließlich aus Kurzpässen und Läufe gegen eine Mauer bestehenden Offense gegen Alabama erst gar nicht antreten brauchen. Das Endspiel hätte in einer Region zwischen 14-0 und 24-0 geendet.

Clemson hat zumindest eine theoretische Chance. Watson hat wie eingangs erwähnt schon letztes Jahr gezeigt, dass er an einem guten Tag die Alabama-Defense auseinander nehmen kann. Und Clemson hat die Defense-Front und die Special Teams, um Alabamas Offense in die Bredouille zu bringen – eine Alabama-Offense, die ohne OffCoord Kiffin antreten wird, weil Kiffin die Schlüssel an Nachfolger Sarkisian übergibt!

Die Punkte, die skeptisch machen: Alabamas Defense ist dieses Jahr noch besser als letztes Jahr. Alabamas Runningback Scarborough ist noch besser als Derrick Henry. Und Watson war zumindest bis jetzt nicht in der Überform des Title-Games 2015/16.

Aber auf dem Papier hat Clemson eine Offense, die komplett genug ist um Alabama zumindest Sorgen zu machen. Das ist Grund genug um sich auf das Endspiel in der Nacht auf nächsten Dienstag in Tampa zu freuen.

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12 Kommentare zu “Die College Football Playoffs 2016/17 im Rückspiegel

  1. Mal ganz ohne Witz: Ich würde diese Alabama Defense einigen Verteidigungsreihen der NFL vorziehen. Klar, sie ist unheimlich jung und müsste sich erst an den Profisport gewöhnen, aber das Talent ist einfach absurd. Jonathan Allen, Tim Williams, Reuben Foster, Mincah Fitzpatrick und Marlon Humphreys haben allesamt das Potential, schon bald zu den besten ihrer Zunft in der NFL zu gehören und selbst die restlichen Spieler wie Anderson, Tomlinson, Hand, Jackson etc. werden wohl solide Starter in der NFL werden.

  2. der College Football verkommt total,nicht das ich was gegen so ein Top Spiel habe aber immer Alabama in den finals sehen wird langsam langweilig.

  3. @JoffreyG:
    Nein. In der Alabama-D werden nicht alle Spieler in der NFL spielen, geschweige denn starten. In jeder NFL-Defense spielen nur Spieler, die mindestens annähernd so gut sind, dass sie das können. Alabamas D ist lächerlich gut, aber der Unterschied zwischen FBS und NFL ist einfach größer, als man annehmen mag. Das gilt auch für Alabama und Cleveland.

  4. der College Football verkommt total,nicht das ich was gegen so ein Top Spiel habe aber immer Alabama in den finals sehen wird langsam langweilig.

    Immer heißt in dem Fall in zwei von drei Fällen…

    Was im Übrigen auch im neuen Playoff-Modus noch leichter wird. Bama hat zwar in den letzten drei Jahren die SEC gewonnen, aber solche Fluke-Spiele wie in Auburn 2013 würden Bama heutzutage nicht mehr die Playoffs kosten.

    Wir befinden uns in einer Alabama-Dynastie. Folgerichtig spielt Bama fast immer um den Titel mit und setzt sich dabei als eines der besten Teams auch oft durch. Aber Langeweile kann ich nciht erkennen, Wenn ich mich erinnere, welchen Fight Clemson letzte Saison geliefert hat, wie sensationell Ohio State das Jahr davor Bama im Halbfinale rauswarf oder wie – siehe oben – Auburn der Tide vor drei Jahren den Weg zur Meisterschaft versaut hat. College Football ist in den letzten Jahren nie unspannend gewesen, egal ob jetzt eine Mannschaft ein paar Titel mehr holt.

  5. Ich würde nicht unbedingt sagen, dass die Playoffs es für Alabama „einfacher“ machen, da Alabama nun 15 Spiele zu stolpern hat anstelle von bislang 14. Oder anders: Wenn Alabama in die Playoffs rutscht, muss es nun zweimal gewinnen statt bislang nur einmal.

    Ich würde aber zustimmen, dass die Alabama-Dominanz dem College Football ein ganz spezielles Skript gibt, das zur Unterhaltung beiträgt.

    Zum einen ist es das Coach-Ringelreihen in der SEC. Zum anderen sind die Alabama-Pleiten so speziell, dass sie zu den denkwürdigsten Spielen der letzten Jahre gehören: LSU, Johnny Manziel, Auburn, Ohio State, Ole Miss. Auch Clemson hat bewiesen, dass man Alabama auf Augenhöhe begegnen kann.

  6. RE: Alabama-Defense

    Es gibt übrigens auch genügend Beispiele von extrem dominanten Alabama-Verteidigern, die in der NFL Busts waren: Courtney Upshaw, Dee Milliner, Mount Cody.

    Kirkpatrick, Barron, McClain und Kareem Jackson haben Jahre gebraucht um es in der NFL zu schaffen oder sind erst in ihrem zweiten Team zu regulären Startern geworden.

    Landon Collins war als Rookie vor einem Jahr völlig neben den Schuhen und galt schon als Bust. Hightower war auch nicht am ersten Tag ein Superstar. Robinson in Detroit hat heuer als Rookie z.B. auch nur 40% der Snaps gespielt.

  7. @korsakoff: Hat Watson in der NFL eine Chance in der 1. Runde gedraftet zu werden? ich meine, einige Scouts sind skeptisch aber wer Alabama im Allein gang aufmischen kann, muss doch eine Chance haben auf eine NFL Karriere als Starter?

  8. @Rice Up: „Wer Alabama aufmischen kann…“ Frag nach bei Johnny Manziel 🙂

    Im Ernst: Ich kenne die anderen Quarterback-Optionen zu wenig.

    Watson ist auf alle Fälle ein sehr überlegter Spieler. Er ist erzogen worden, in erster Linie zu werfen und erst in letzter Instanz zu scrambeln. Ohne Pass Rush kann er auch tiefe Bälle wunderschön in den Lauf seiner Receiver legen.

    Aber mit Pass Rush hat er die gleichen Probleme wie die meisten anderen Quarterbacks. Einige INTs dieses Jahr waren haarsträubend. Er hat nicht den rattenscharfen Arm, bei dem die Scouts reihenweise abspritzen.
    Und bei den Zillionen Run/Pass Options kommen die Bälle oft merkwürdig deplatziert raus… ich weiß aber nicht, ob das bei anderen QBs auch der Fall ist. RG3, Wilson oder Kaepernick waren in dieser Hinsicht in ihrer Blütezeit zumindest eine ganze Klasse besser und haben die Bälle nach angetäuschter Ballübergabe millimetergenau rausgefeuert.

    Wie immer kommt es im Scouting aber weniger drauf an, Alabama zu putzen, sondern ob ein Prospect eine NFL-Defense schlagen kann (um hier mal eine Brücke zur obigen kurzen Diskussion zu schlagen).

    Sprich: Kann der QB die Progressions durchgehen? Hat er den Arm für alle Standard-NFL Würfe? Wie bewegt er sich in einer unruhigen Pocket? Traut er sich, die schwierigen Pässe in gute Deckung zu werfen? Körpermaß wird wichtig (Watson z.B. ist etwas klein), ebenso Beinarbeit.

    Ich bin selbst gespannt, wo Watson landen wird. Er ist auf alle Fälle eine Stufe ober Tadj Boyd, der auch lange als 1st Rounder galt, bis man im Detailstudium gesehen hat, dass er seine Receiver mit knapp unpräzisen Pässen fast gekillt hätte.

  9. @Joffreyg Der durchschnittliche NFL Starter mit 28 ist Lichtjahre von seinerselbst mit 22 entfernt. Keine noch so talentierte CFB Mannschaft hat all ihr Talent schon abgerufen, wie es jede NFL Mannschaft eben schon gerade jetzt tut. Der Vergleich hinkt einfach wegen der unterschiedlichen Entwicklungsstadien der Spieler und dem von Stufe zu Stufe härteren Aussieben(HS-CFB-NFL).

  10. „Es gibt übrigens auch genügend Beispiele von extrem dominanten Alabama-Verteidigern, die in der NFL Busts waren: Courtney Upshaw, Dee Milliner, Mount Cody.

    Kirkpatrick, Barron, McClain und Kareem Jackson haben Jahre gebraucht um es in der NFL zu schaffen oder sind erst in ihrem zweiten Team zu regulären Startern geworden.

    Landon Collins war als Rookie vor einem Jahr völlig neben den Schuhen und galt schon als Bust. Hightower war auch nicht am ersten Tag ein Superstar. Robinson in Detroit hat heuer als Rookie z.B. auch nur 40% der Snaps gespielt.“

    Das stimmt ja alles, aber das könnte man auch auf die Umstellung des Systems/Coaches etc. zurückführen.
    Ich würde es jedenfalls gerne sehen, wenn die gesamte Bama D heuer mit Saban gegen z.B. die Browns O antreten würde. Klar hätten die Success, aber ich denke auch die D wäre nicht chancenlos auf Stops.

    @Blaugelb

    Das es nicht alle in die NFL schaffen werden halte ich für eine gewagte Aussage.
    Wenn man sich z.B. die D von 2012 anschaut haben es mit Stinson, Pagan, Square, Dial, Williams, Mosley, Johnson, Ragland, Sunseri, Lester, Collins, Miliner, Clinton Dix 13 Spieler geschafft. Die LB de Priest und Dickson waren zumindest im Camp dabei.
    Die D heuer ist wohl besser, also dürfte so ziemlich jeder eine Chance in einem NFL-Kader bekommen. 😉

  11. Wie bereits geschrieben, der Unterschied ist viel größer als man meinen möchte.
    College Football ist immer Systemfootball. Es gibt eine Philosophie, der sich alles Unterordnet. In der Nfl ist das nicht so- hier gibt es zig Philosophien, Zig Konzepte die beherrscht werden müssen, auf jeden Shift, jede route wird anders reagiert.
    Alabama ist zwar pro Style – indem die coverages z. B. Immer routenabhängig sind. Aber immer noch ist man weit von der Komplexität eines nfl playbooks entfernt.

  12. Ja, genau das meinte ich ja damit, dass einige der Spieler vllt auch Busts waren, weil sie ihm neuen NFL-Scheme nicht zurecht kamen.
    In Saban’s System sind sie perfekt eingespielt und wissen genau was sie am Feld machen sollen. Deswegen wäre es, für mich zumindest, mal interessant, die gesamte D mit Saban gegen eine O wie z.B. der Browns zu sehen.

    Aber schauen wir erstmal was sie gegen Deshaun machen, da hatten sie ja letztes Jahr auch ihre Probleme.

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