Samstagsvorschauer: Großes Coaching-Duell in der Fiesta Bowl

Vorletzter Tag dieses Jahres und vorletzter Tag der Bowl-Season 2017/18. Heute gibt es einige Blickpunkte, für die man sich die Eier reiben kann. Wir sehen unter anderem zwei New Year’s Six Bowls, zudem eine wunderschöne Mid-Major Offense – und natürlich den Hauptpreis: Die beiden fulminantesten Offensivspieler im College Football – QB Lamar Jackson und RB Saquon Barkley.

Vorschau auf die großen Semifinals vom Neujahrstag habe ich schon gestern geschrieben. Verweisen möchte ich auch auf den Sportradio360-Podcast mit Christian Schimmel, Jan Weckwerth und Nicolas Martin zur Bowl-Season. Weil wir schon beim Thema sind: Christian Schimmel hat sich natürlich auch wieder heute meinen Fragen gestellt. Weiterlesen

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Die College Football Playoffs 2016/17 im Rückspiegel

Rückschau auf die College Football Playoff Halbfinals 2016/17. Weiterlesen

Fiesta Bowl 2016 Preview: #2 Clemson Tigers – #3 Ohio State Buckeyes

Das zweite Halbfinale im College Football Playoff wird heute in der Silvesternacht um 1h MEZ ausgespielt, live zu sehen bei DAZN und SPORT1 US: Die Fiesta Bowl mit #2 Clemson Tigers (12-1) vs #3 Ohio State Buckeyes (11-1). Gemeinhin gilt dieses Matchup als das bessere im Vergleich zur Peach Bowl, weil die beiden Mannschaften sportlich auf demselben Level verortet werden. Weiterlesen

Bowls statt Böller an Silvester 2014 | College Football Preview

Am heutigen Silvester-Tag debütiert das neue New Year’s Six Format des College-Football Playoffs, dessen Grundzüge ich in den letzten Monaten versuchte, etwas genauer zu beschreiben [1][2]. Drei der sechs großen Bowls werden heute ausgespielt, drei – darunter die beiden Halbfinals – morgen. ESPN fährt neue Übertragungsmethoden auf, SPORT1 US steigt in die Bowl-Berichterstattung ein. Eine ausführliche Vorschau. Weiterlesen

Fiesta Bowl 2014: #6 Baylor Bears – #15 Central Florida Knights

Fiesta Bowl 2014 (02h30 live im ESPN-Player und bei SPORT1 US) ist eine Ansetzung, die nicht nach überragenden Einschaltquoten aussieht, treffen hier doch nicht gerade zwei Schwergewichte des College Football aufeinander: Der Big-12 Champ Baylor Bears (11-1) gegen den Sieger der American Athletic Conference, Central Florida Knights (11-1). Zwei kleine Unis, relativ unbeschriebene Blätter auf nationaler Ebene, und zudem klingt die Ansetzung nach SRS nach einem Mismatch: Baylor ist mit 18 Punkten favorisiert. Trotzdem gibt es gute Gründe hinzuschauen, und es gibt zwei interessante Geschichten hinter den heutigen Kontrahenten.

Baylor, diese kleine Baptistenuniversität aus der texanischen Stadt Waco, hatte ihr Coming-Out vor zwei Jahren, als Robert Griffin III die Heisman-Trophy gewann und eine ästhetische Offense der Bears anführte. Nach Griffins Abgang in die NFL hatte man einen Einbruch befürchtet, der normalerweise bei so kleinen Universitäten geschieht, wenn die Schlüsselspieler das Programm verlassen. Aber Baylor (das vor zehn oder 20 Jahren mit 4 Saisonsiegen zufrieden gewesen wäre) wurde entgegen allen Erwartungen besser.

Der Hauptgrund dafür liegt in der fast nicht zu stoppenden Spread-Offense von Head Coach Art Briles, einem Guru, der vor Jahren den texanischen Highschool-Football revolutionierte und zum landesweit besten machte, und der später bei Houston und Baylor aus dem quasi-Nichts gewaltige Mannschaften baute. Briles lässt seine Offenses wie folgt spielen: Alle Ressourcen in die Offensive Line, denn sie muss halten. Dahinter ein Quarterback, der mobil und entscheidungsfreudig sein muss. Dazu ein Runningback dahinter und vier Wide Receiver möglichst nahe an die Seitenlinie um die Defense auseinander zu ziehen dass sie nicht mehr weiter auseinander zu ziehen ist. Das ist am College machbar, denn das College hat breitere Hashmarks als die NFL.

Resultat für Baylor dieses Jahr: Haufenweise Spiele mit 700yds Offense und 70 Punkten, dazu mehrere Abschüsse auch bekannter Teams wie Oklahoma oder Texas. Einzig an einem grauen Novemberabend in Oklahoma State verlor man, und auch da gab es viele Punkte, und zwar gegen Baylor. Das war lange Jahre das Stigma für Briles und seine Mannschaft: Sie können zwar scoren, aber ihre Gegner nicht immer vom Scoren stoppen. Die Defense als Hemmschuh. Letztes Jahr war man ähnlich effizient in der Offense, aber die Defense machte in der gesamten Regular Season nur sechs Sacks. Dieses Jahr war die Defense besser, aber sie ist auch nach adjustierten, angepassten Methodiken keine Top-25 Unit. Dank Super-Offense reicht es aber zu für Baylor bisher ungekannten Höhen: Ein Conference-Titel! Das gab es seit Ewigkeiten nicht mehr.

Der QB ist Bryce Petty, ein Mann, der mittlerweile von NFL-Scouts unter die Lupe genommen wird, aber der nicht wie ein klassisches NFL-Prospect aussieht. Seine Stats: 220/356 für 3844yds, 30 TD, 2 (!) INT. Dazu 11 Scramble-TD. Der 1er-RB in einem tief besetzten Backfield ist Lache Seastrunk (1060yds in nur 141 Carries). Bei den Wide Receivers hat man WR Antwan Goodley (67 Catches, 1377yds, 13 TD), nachdem man schon in den letzten Jahren Leute wie Kendall Wright, Terrance Williams oder Josh Gordon (letzteren über Umwege) in die NFL gebracht hatte.

Central Florida ist ein relativ junges Programm auf FBS-Ebene: Man spielt erst seit 1996 dort oben in der obersten Stufe. Lange Jahre war man ein Mitläufer, aber ein erwünschter, ist man doch in Orlando/FL beheimatet, mitten in einer exzellenten Recruiting-Zone im starken Highschool-Footballland Florida. Erst Anfang der 2000er ging es aufwärts, als Head Coach George O’Leary übernahm; O’Leary ist ein grauhaariger alter Mann, der früher mal Georgia Tech nach oben gebracht hatte, und später für ein paar Tage Head Coach bei Notre Dame war; „für ein paar Tage“, weil er seine Vita aufgehübscht hatte und schon vor seinem ersten Spiel wieder gefeuert wurde. Er steht für die alten Werte: Disziplin, Härte, Defense.

O’Leary erwies sich für UCF aber nicht bloß als Trainer, sondern vor allem als Stratege. Er forcierte den Bau eines neuen Campus-Stadions, neuer Facilities und revolutionierte die Ansprüche an seine Student-Athletes: Die Mannschaft von UCF gehört zu denen mit den besten Noten im Lande, stellte mehrmals Rekorde an guten Noten auf.

Auf der anderen Seite steht bei O’Leary ein unschöner Vorfall eines während einer Trainingseinheit 2008 kollabierten und verstorbenen Spielers, den O’Leary überfordert und übelst beschimpft hatte; der zweite schwarze Fleck auf seiner Bio bei UCF: Ein Recruiting-Vergehen, weswegen UCF letzte Saison für die Bowl-Season gesperrt war. Ein zwielichtiger Mann also. Hat Gutes und Schlechtes bewirkt, aber er wurde bei UCF nie entlassen und hat sein Team heute vor seinem größten Spiel: In einer BCS-Bowl.

UCF ist klarer Außenseiter, aber es gibt einen Mann, den man sich anschauen sollte: QB Blake Bortles. Ich kannte Bortles bisher kaum, aber Bortles ist Junior, und man hörte in den letzten Tagen mehrfach von einer Anmeldung Bortles’ für den Draft 2014. Er soll ein 1st-Round Talent sein. Seine Statur: 1,93m, 104kg. Seine Stats: 239/351 (68%) für 3280yds für 22 TD und 7 INT. Er ist kein Scrambler, aber mobil wie Aaron Rodgers und lässt sich in der Pocket nicht leicht fällen.

Es ist wie gesagt eine Freak-Ansetzung für eine BCS-Bowl, aber man darf nicht vergessen, dass Baylor legitim als drittbeste Mannschaft des Jahres nach Florida State und Alabama angesehen werden kann. Die SRS-Werte und alle sonstigen Effizienz-Stats deuten bei Baylor auf einen gigantischen, immer noch unterschätzten Juggernaut hin. UCF sollte kein Problem sein, wenn die Mannschaft motiviert ist. Die Frage ist halt: Ist sie motiviert? Lähmt sie die Angst vor einem eventuellen Absprung des Headcoaches Briles in die NFL? Oder fährt Baylor zum wiederholten Male wie ein Wirbelsturm auf einen guten, aber doch überforderten Gegner drüber?

Fiesta Bowl 2012: #3 Oklahoma State Cowboys – #4 Stanford Cardinal

Erst Alabama, dann Boise State, dann Oregon, und jetzt Stanford: Die verschossenen Field Goals sind eines der Themen dieser Saison im College Football. Auch die absolut sehenswerte Fiesta Bowl 2012 wurde am Ende durch die Kicker entschieden.

Nicht unwesentlich zur Spannung trugen die beiden Defenses bei, die die Offenses eine zeitlang neutralisieren konnten: Stanford killte das Cowboys-Laufspiel und zwang QB Brandon Weeden zu vielen quicken Pässen, während Oklahoma State aggressive Abwehr spielte, aber anfällig gegen Play-Action und Big Plays war. Was man beiden Defenses nachsagen konnte: Sie verpassten nur sehr wenige Tackles gegen diesen Schwall an kräftigen und/oder wendigen Angriffsspieler auf beiden Seiten.

Ein Mann, der allerdings resistent gegen Tackling war: WR Justin Blackmon, der Mann des Tages in Glendale. Blackmon war überall zu finden, draußen in Seitenlinien-Nähe, drinnen im Slot, in der mittleren Zone, und Blackmon brachte Okie State nach dem holprigen Start überhaupt erst ins Rollen, war ab zweitem Viertel daueranspielbar und machte einen auf inspirativ im Huddle. Finale Stats des Mannes mit der #81: 8 Catches, 186yds, 3 Touchdowns. Und dieses verwertete 4th down gegen Spielende, wo jeder wusste, wer nun angespielt werden würde, und keiner was dagegen machen konnte. Weeden weiß, wo er sich bedanken muss. Ich bin nun auf zwei Dinge gespannt:

  • Wie wird Oklahoma States Spread-Offense ohne Blackmon aussehen? Der Mann war über Jahre eine echte Präsenz als #1-Mann außerhalb der „Hash Marks“, eine zusätzliche Dimension für diese Kurzpass-Offense Gundys, die primär in der Spielfeldmitte operierte.
  • Wie wird sich Blackmon in der NFL schlagen? Der Mann ist schnell, aber kein Weltklassesprinter. Der Mann ist fangstark, aber nicht allzu groß gewachsen (1,85m). Und hoch einberufene Wide Receiver aus der Big 12 haben zuletzt zu oft eher enttäuscht, wenn sie die engen NFL-Deckungen spürten.

Auf der anderen Seite enttäuschte auch QB Andrew Luck nicht. Ich mag diese Coolness in der Pocket selbst bei durchbrechenden Blitzes: Der Mann ist so was wie der Dida des College Football: Man werfe ihm entgegen, was man wolle, aber Luck wirkt stets gleichbleibend unbeeindruckt. Der Freshman versemmelt den zweiten Kick in der letzten Spielsekunde zum Sieg? Der Freshman verschießt das dritte Field Goal in der Overtime? Wurscht, Luck verzieht keine Miene und baut sofort den nächstnahen Mitspieler mit einem Schulterklopfer auf.

Das alles gesagt, war es der Typus Footballspiel, auf den ich stehe: Gute Stadionatmosphäre, intensives Spiel mit nur wenigen gröberen Fehlern auf beiden Seiten in Offense und Defense und ein knisternd spannender Kampf zweier fast gleichwertiger Mannschaften bis zur letzten Sekunde – und entschieden durch die Special Teams in den letzten Augenblicken. Ein Spiel, in dem man keinem die Niederlage vergönnt, auch wenn man Stanfords Trainerstab vielleicht vorwerfen könnte, den kleinen Tick zu mutlos in den letzten Minuten gewesen zu sein.

Stanford und Oklahoma State sind für meinen Geschmack beide einen Tick unter den beiden BCS-Finalisten LSU und Alabama einzuordnen, bilden aber gemeinsam mit Oregon und Boise State die #3 bis #6 – in fast beliebiger Reihenfolge – dieses CollegeFootball-Herbstes.


[12h34] Kleine Info voraus: Ich werde heute Nacht vielleicht hier drin noch das Live-Blogging machen. Später kommt auch die Vorschau für die Rose Bowl, wo ich es ident handhaben werde. Fiesta Bowl 2012 wird um 02h30 MEZ in Glendale/AZ angepfiffen und live bei ESPN America übertragen.

Für viele ist #3 Oklahoma State vs. #4 Stanford die Ansetzung der diesjährigen Bowl Season schlechthin: Zwei gut geölte, wunderbar ausbalancierte Angriffsmaschinen mit knackigen, nicht zu unterschätzenden Defenses, dazu zwei Spieler, die im kommenden NFL-Draft den Auguren zu folgen in den Top-3 vom Tablett gehen könnten. Trotzdem sind beide auch sowas wie „enttäuschte Hoffnungen“.

Oklahoma State genießt bei mir den Ruf der „Gunners“: Klasse Coach, klasse Mannschaft, aber nicht die Eier, ohne Ausrutscher durchzukommen. Heuer passierte es Mitte November gegen den Underdog Iowa State. Der unterschätzte Chefcoach Mike Gundy („Come after me. I’m a man. I’m FORTY!“) hat sich eine interessante Punktemaschine gebastelt: Der 28jährige QB Brandon Weeden (4328yds, 34 TD, 12 INT), der aussieht wie ein schottischer Säufer, den Ball auf haufenweise Wide Receivers verteilt und zwischendurch an den überraschend starken RB Joseph Randle (1193yds, 23 TD) übergibt.

Schlüsselfigur ist trotzdem der 1,85m-Mann WR Justin Blackmon (113 Catches, 1336yds, 15 TD), dessen Präsenz an den Seitenlinien für diese Kurzpassform der„Spread-Offense“ essenziell ist und der Räume für den #2-Mann Josh Cooper öffnet. Insgesamt 15 Spieler mit Catches, neun davon mit TD-Catches. Knackpunkt für Stanfords physische, aber namenlose Defense: Mit der Front Seven genügend Terror veranstalten, um das Laufspiel abzuwürgen. Immer wenn Weeden sich einen Wolf werfen muss, droht INT-Gefahr.

Auf der anderen Seite die Cardinal-Offense: QB Andrew Luck (3170yds, 35 TD, 9 INT) kriegt die Presse und die Lorbeeren, aber es wird zu wenig über die Spieler gesprochen, die Stanford „groß“ machen: Die Offensive Line um den OT Jonathan Martin, die Tight Ends um die TD-Maschine Coby Fleener (10 TD) und die an drei Händen nicht abzählbaren Running Backs. Kräftiger „Power Football“ ist Stanfords Basis, Luck das Sahnehäubchen.

Ein Faktor sind die Turnovers: Die Cowboy-Defense ist mit 42 Stück Balljäger Nummer 1 im College Football, während Stanfords Offense nur 15x den Ball abgeben musste, Luck nur 9 INTs warf. Oklahoma State verfügt über eine gute Defense, die dank Turnovers als „sehr gut“ klassifiziert werden kann.

Beide sollten motiviert sein: Oklahoma State um zu zeigen, dass sie in das Finale gehört hätten. Stanford, um zum Ende der Ära Luck noch einmal Eindruck zu schinden. Alles in allem riecht es jedoch nach einem sehr ausgeglichenen Matchup mit optischen Vorteilen für Oklahoma State.

Wiederholung bei ESPN America: Morgen, 3.1. um 18h30.

Rose Bowl und Fiesta Bowl 2011: Jetzt wird gemolken. Aber keine Milch

Das Vorspiel ist um. Jetzt gehen die ganze großen Bowls los – die BCS Bowls. Dort, wo in einer Bowl so viel Geld für die Big Cows abgeschöpft wird, wie in allen anderen Bowls zusammen nicht (naja, fast zumindest). Beginnend gleich mit der Mutter aller Bowls, dem Rose Bowl Game in Pasadena. Wer mehr zu den Big Five wissen möchte – hier gibt es eine Übersicht über die BCS-Bowls.

Am Neujahrstag also Rose Bowl und Fiesta Bowl. Und zweimal in der David-gegen-Goliath-Version. Die Rose Bowl aufgrund des Standings der beiden Mannschaften, die Fiesta Bowl aufgrund des eklatanten sportlichen Unterschieds.

Rose Bowl Game

Sa., 1.1.2011 um 23h live bei ESPN America und am 5.1. um 11h30 als Tape

#3 TCU Horned Frogs – #5 Wisconsin Badgers

Die TCU Horned Frogs sind eines von drei ungeschlagenen Teams in der Football Bowl Subdivision. Für das BCS Finale hat es wie erwartet trotzdem nicht gereicht, da Oregon und Auburn als BCS-Teams einen schwereren Spielplan und mehr Reputation genießen. Trotzdem ist die Rose-Bowl-Teilnahme ein schöner Trostpreis für die Texas Christian University, handelt es sich doch um die älteste, prestigeträchtigste Bowl von allen.

Die Veranstalter dagegen werden kotzen. Wir haben es da mit extrem konservativen Leuten zu tun, denen nichts über Tradition geht. Die Rose Bowl ist traditionell das Spiel der Champs aus der Big Ten Conference und der Pac-10 Conference. Weil Oregon als Pac-10 Champ im BCS Finale spielt und TCU als Mid Major die Kriterien für eine automatische Einladung erfüllte, war die Rose Bowl vertraglich dazu gezwungen, anstatt der Stanford Cardinal (Pac-10 #2) die kleinen Horned Frogs zu nehmen.

TCU hat man heuer nur sehr selten begutachten können. Die Horned Frogs von Head Coach Gary Patterson zeichnet eine extrem schnelle Defense aus, die ganz selten mehr als 10 Punkte zulässt und sowohl gegen Pass (125yds/Spiel) und Lauf (89yds/Spiel) extrem gut aufgestellt ist, obwohl da kaum bekanntere Gesichter herumlaufen. Das hat seine Gründe: Die TCU in Fort Worth nahe Dallas hat in ihrer Umgebung mit den ganzen großen Unis um die Talente zu kämpfen: Texas, Texas Tech, Oklahoma. Da bleibt meist „nur“ die zweite Garnitur für die Horned Frogs übrig.

Es ist daher umso höher einzustufen, was Gary Patterson mit der TCU seit Jahren veranstaltet. Vor einem Jahr spielten sie zum ersten Mal in einer BCS Bowl – und durften „nur“ gegen die Boise State Broncos ran (10-17 Niederlage). Heuer folgt endlich die Auseinandersetzung mit einem großen Namen. Dieses Mal sind die Frogs ungeschlagen und sie haben schon explosivere Offenses abgewürgt. SMU oder Utah machten keinen Stich.

Die Offense ist ebenso gut aufgestellt, mit Senior-QB Andy Dalton, dessen Zahlen sich sehen lassen können: 2638yds, 26 TDs, 6 INTs. Dazu gesellt sich ein hartes Laufspiel um die RBs Tucker und Wesley.

Die Wisconsin Badgers sind der Big Ten Champ mit dem besten BCS-Ranking (#5). Bei den Badgers war Coach Bret Bielema nach ein paar durchwachsenen Jahren nicht ganz unumstritten, aber diese Saison hat die Kritiker vorerst verstummen lassen. Trotz vieler Verletzungsprobleme – phasenweise spielte man ohne Top-RB, Top-WR und Top-TE – wurden die ganz Großen niedergemäht: Ohio State, Iowa und Michigan wurden etwa in Grund und Boden gespielt, obwohl der BigTen-Auftakt mit einer Niederlage bei Michigan State gar nicht gut begonnen hatte.

Die Badgers haben schon mehrfach in der Rose Bowl gespielt, aber zuletzt seit Jahren nicht mehr. Zu groß war die interne Konkurrenz um Ohio State oder USC. Die letzte Rose-Bowl-Generation bestand noch aus QB Brooks Bollinger und RB Ron Dayne Ende der 90er.

Die Saison ist für beide schon jetzt ein Erfolg. Ich finde dieses Matchup ein extrem attraktives. Im Gegensatz zum Vorjahr werden heuer keine non-BCS-Teams frech gegeneinander gematcht, um die Fassade nicht zu gefährden: Bei einem Sieg von TCU über die BCS-Mannschaft könnte ein weiterer Stein aus der BCS-Mauer brechen und die non-AQ-Conferences weiteren Aufwind erfahren. Boise State, Utah, Hawaii, TCU: Die Zahl der BCS Buster ist stetig gewachsen. Und TCU hat nur noch dieses und nächstes Jahr zu Chancen zum Spoilern – danach wechseln sie selbst in die Big East – eine BCS Conference…

Fiesta Bowl

Sa./So., 1.1.2011 um 02h30 live bei ESPN America und am 2.1. um 13h als Tape

#7 Oklahoma Sooners – Connecticut Huskers

Es schaut alles nach einem kolossalen Mismatch aus. Die großen Oklahoma Sooners gegen die Connecticut Huskers, die als Champ der schwachen Big East nicht einmal in den Top-25 gerankt sind, aber dank starkem November mit Siegen über Pitt und West Virginia noch die Sensation geschafft haben.

Es wird derzeit ganz gewaltig die Geschichte um CB Jasper Howard gehypt, der vor einem Jahr auf dem heimischen Campus bei einer Siegesfeier niedergestochen wurde und in den Armen von WR Kashif Moore schließlich starb. Howard gilt noch immer als so was wie die Inspiration für die Huskies nach ihrem ganz schwachen Start in die heurige Saison.

Sportlich gesehen hat Connecticut in der Fiesta Bowl nichts zu suchen und es stößt Ärger auf, wenn man bedenkt, dass Michigan State oder Boise State keine Einladungen erhalten haben. Aber es ist immerhin der vorläufige Höhepunkt eines kontinuierlichen Aufstiegs von einem Div.-I-AA Team der 90er zu einem BCS-Bowl-Team. Die Beigeisterung an der UConn ist so gewaltig, dass ganze 4000 von 17.500 verfügbaren Tickets über den Ladentisch gegangen sind. Die Huskies werden angeführt von RB Jordan Todman (1574yds, 14TDs).

Gegner Oklahoma ist eines der ganz großen Schwergewicht, wenn nicht das erfolgreichste Footballprogramm überhaupt. Bowl #44, bei 25 Siegen und seit der Inthronisierung von Head Coach Bob Stoops jedes Jahr bowl-eligible. Unter Stoops haben sich die Sooners aber auch ein FC-Arsenal-Image angelacht: Bombenstark, attraktiv spielend, aber ohne den Killerinstinkt für den ganz großen Triumph. Selbst mt RB Adrian Peterson oder QB Sam Bradford wurden „nur“ gigantische Stats produziert, aber keine Titelgewinne.

Heuer ist man mit Sophomore-QB Landry Jones angetreten. Jones ist ebenso wurfgewaltig wie hüftsteif: 4289yds und 35TDs via Luftweg, aber nicht ein einziger Laufversuch. Wichtigste Anspielstation ist WR Ryan Broyles, der gnadenlos 9 Catches pro Spiel macht – im Schnitt. Resultat: 1452yds, 13TDs. Dazu gesellt sich die Allzweckwaffe RB DeMarco Murray, der überall effizient eingesetzt wird und nur schwer zu verteidigen ist. Die Defense fand ich dagegen eher wenig überzeugend, aber gegen Nebraska spielte sie eine sensationelle zweite Halbzeit. Herausragender Spieler ist OLB Jeremy Beal, der mit Sicherheit in den ersten Runden gedraftet werden wird.

Wenn ich mich an die letzten BCS Bowl-Auftritte der Sooners zurückerinnere… Die unglaubliche Niederlage gegen Boise State vor vier Jahren. Überraschende Niederlage gegen West Virginia vor drei Jahren. BCS Finale gegen Florida – ein eher maues Spiel, und wieder verloren.

Wenn die Sooners diesmal nicht die Niederlagenserie in den großen Bowls durchbrechen, glaube ich nicht mehr an das Gute im Menschen. Sieg mit mindestens drei Touchdowns und wieder aufkeimende Diskussionen über den Status der Big East.

Bowl Season 2010/11: Das System mit den Schüsseln im Schnelldurchlauf

Die Zeit um den Jahreswechsel naht. Assoziationsspielchen: Jahreswechsel? Bowl Season! Aus gegebenem Anlass krame ich einen sechs Wochen alten Artikel von einem Spox-Projekt hervor: Die Bowl Season. Als kleine Einleitung. Zu den Paarungen wird es nach und nach Previews geben.

Warnung: Sie begeben sich auf Territorium, wo Kraut & Rüben wachsen.

College Football ist nicht bloß Grillparty und Dixie zum Spiel: Größere Universitäten machen mit Football Umsätze wie Bundesliga-Mittelklassevereine. Am Saisonende wird – obwohl lange nicht primäres Anliegen der Unis – ein Meister ermittelt. Bei 120 Teams in der höchsten Stufe („NCAA Division I-A“ oder „FBS“) und nur jeweils 12 oder 13 Saisonspielen ist das Prozedere dabei so obskur, da sind die US-Präsidentschaftswahlen dagegen ein Zuckerschlecken: Statt Playoffs gibt es Abstimmungen und zwischen Weihnachten und Anfang Jänner eine ganze Latte sog. Bowls.

Geh warten’s… Schüsseln?

Erwähnte 120 Unis sind auf elf Gruppen („Conferences“) aufgeteilt, plus einige unabhängige Unis. Jede Uni stellt ihren eigenen Spielplan individuell zusammen. Kriterien sind Gruppengegner, alte Rivalitäten und Verträge mit TV-Stationen.

Der fehlende Quervergleich wird durch wöchentliche Abstimmungen unter Trainern, Journalisten und Experten umgangen. Daher geht es für die Unis nicht nur darum, möglichst jedes Spiel bloß zu gewinnen, sondern möglichst überzeugend zu siegen und am liebsten auch noch gegen starke Gegner, um die Experten zu beeindrucken. Anfang Dezember wird die endgültige Rangliste der BCS („Bowl Championship Series“) verkündet und die Unis werden nach vertraglich festgelegten Abmachungen auf die Saisonabschlussspiele („Bowls“) aufgeteilt.

Teilnahmeberechtigt sind Teams mit min. 50% Siegen (also mindestens eine 6-6 Bilanz). Bowls sind für die Unis wichtige Einnahmequellen, und für die Athleten die (offiziell) einzige Chance, neben einem Stipendium eine zweite Belohnung für ihre Football-Aktivitäten zu erhalten.

Es gibt rund 30 Bowls, die meisten klimatisch bedingt im US-Süden. Einige sind unbedeutende Trostpreise, andere haben große Namen und große Tradition. Und dann gibt es da noch die vier BCS-Bowls – Rose Bowl, Fiesta Bowl, Sugar Bowl & Orange Bowl – die in den ersten Jännertagen ausgespielt werden und reichlich Geldscheine ausgeben.

Das letzte Bowl-Spiel ist das BCS National Championship Game, wo die beiden Erstplatzierten der BCS-Rangliste aufeinander treffen, um den College-Meister auszuspielen. Erst seit der Saison 2006 gibt es dieses Endspiel als eigenständiges Match, vorher haben die Amis den Landesmeister – man mag es kaum glauben – per Abstimmung ernannt!

Das System ist sehr umstritten. Große Unis werden gerne bevorzugt – sie bringen einfach mehr Zuschauer und damit mehr $$$. Immer wieder fühlen sich Unis massiv benachteiligt. Playoffs werden in der Dauerschleife angeregt, aber die Uni-Präsidenten sind immer noch glücklich mit dem Belohnungs-System „Bowls“ und brauchen offenbar keinen unumstrittenen Meister.

So. Lust auf eine kleine Spritztour durch die vier wichtigsten, die sog. „BCS Bowls“, und das Endspiel im College Football?

Rose Bowl Game

Austragungsort: Rose Bowl in Pasadena, Kalifornien
Ausgespielt seit: 1902
Conferences: Big Ten vs. Pac-10

 Rose Bowl Front

©Flickr

Die Mutter aller Bowls oder wie die Amis sagen – The Granddaddy of Them All – ist das Rose Bowl Game. 1902 erstmals ausgespielt und seit 1916 jährlich, ist das Match reichlich umrankt von Geschichte und Geschichten.

Die Rose Bowl wird traditionell am 1. Jänner ausgespielt und nur im Falle eines Sonntags auf den Tag danach verlegt. Vor dem Spiel findet ein fünfeinhalb Meilen langer Neujahrsumzug statt, bei dem rosenbeschmückte Wagen durch Pasadena (Vorort von Los Angeles) gefahren werden.

Seit 1924 findet das Match in der Rose Bowl statt – das Stadion dürfte Fußballfans noch vom unseligen Fußball-WM-Finale 1994 bekannt sein. Die Ränge des riesigen Stadion sind schüsselförmig in die Hügel von Pasadena gelegt, daher der Beiname Bowl. Das Spiel hatte sich bis dahin „Tournament East-West Football Game“ geschimpft, und nun dank neuer Arena den aktuellen Namen Rose Bowl Game übernommen.

Name da, Stadion fertig – zur Berühmtheit fehlte nur noch ein Mythos. 1929 war es auch schon soweit, als Roy Riegels von der Uni California/Berkeley den Ball irrtümlich in die falsche Richtung trug, was zu zwei Punkten für Gegner Georgia führte. Georgia siegte am Ende 8-7, und sowohl Riegels als auch die Rose Bowl waren schlagartig bekannt.

Traditionell spielen in der Rose Bowl die Sieger der beiden Conferences Big 10 und Pac-10 gegeneinander. Eine Ausnahme wird nur dann gemacht, sollte eine Mannschaft an #1 oder #2 des BCS-Rankings stehen: Für die geht es dann in das Endspiel.

Auch anderweitig war die Rose Bowl lange eine konservative Veranstaltung: Erst seit 1998 ziert ein Sponsor das Logo der Veranstaltung – gut eine Dekade nach den ersten Bowls.

Die letzte denkwürdige Rose Bowl erlebten wir am 1. Jänner 2006: Die University of Texas entthronte die University of Southern California in einem sehenswerten Krimi mit 41-38.

Aktueller Titelträger ist die Uni von Ohio State.

Am 1.1.2011 spielen die Wisconsin Badgers als BigTen-Champ gegen die TCU Horned Frogs, die als Mid Major durch ihre ungeschlagene Saison eine Einladung in die Rose Bowl bekamen. Der Pac-10 Champ Oregon spielt im BCS Finale.

Orange Bowl

Austragungsort: Sun Life Stadium in Miami, Florida
Ausgespielt seit: 1935
Conferences: ACC vs. At-large

 Orange Bowl Pregame

©Flickr

Oder besser: Discover Orange Bowl. Die Kommerzialisierung macht auch vor dem Amateursport nicht Halt und so läuft die Orange Bowl seit zwei Jahrzehnten unter dem Namen eines potenten Geldgebers.

Inspiration für die Orange Bowl war der Erfolg der Rose Bowl. Die Touristiker in Miami wollten ihre Region in Zeiten der Großen Depression Anfang der 30er aufpeppen, u.a. mit Hilfe eines Football-Spiels nach Vorbild von Pasadena. „Orange“ war eine Idee eines Radioreporters und der Zusatz „Bowl“ dank Rose Bowl marketingtechnisch prägnant. Ab 1. Jänner 1935 war die Idee Wirklichkeit – Bühne frei für die erste Orange Bowl!

Ab 1938 wechselte man in die Miami Orange Bowl. Die Namensgebung der Arena ist nicht kreativ, aber einprägsam. Ende der 90er war dieses alte Stadion den Machern dann zu marode und sie wechselten in das neue Footballstadion der Miami Dolphins, heute „Sun Life Stadium“. Bitte mit Vorsicht zu genießen: Dieses Stadion wechselt permanent seinen Namen, öfters als die Volkspark/AOL/HSH Nordbank/Imtech Arena in Hamburg.

In der Orange Bowl spielt auf jeden Fall der Sieger der AAC (Atlantic Coast Conference), die zweite Uni wird von der Veranstaltern ausgewählt.

Aktueller Titelträger ist die University of Iowa.

Am 3.1.2011 spielen die Virginia Tech Hokies als ACC-Champ gegen die Stanford Cardinal.

Sugar Bowl

Austragungsort: Louisiana Superdome in New Orleans, Louisiana
Ausgespielt seit: 1935
Conferences: SEC vs. at-large

Louisiana Superdome in New Orleans

©Wikipedia

Wie die Orange Bowl wird auch die Sugar Bowl in Louisiana seit 1. Jänner 1935 ausgespielt. Interessant ist die Sugar Bowl vor allem, weil hier der Meister der sportlich besten Gruppe SEC (Southeastern Conference) spielt. „Leider“ ist der Meister der SEC seit Jahren stets eine der beiden besten Mannschaften des Landes und spielt somit anstatt in der Sugar Bowl im nationalen Endspiel.

„Sugar“ Bowl bezieht sich auf den Zuckerrohr-Anbau in der Region um New Orleans. Nach Vorbild von Pasadena und den Ideen in Miami waren die Leute im Sumpfstaat schnell und realisierten ebenso zum Neujahrstag Anno 35 ihr erstes Bowl-Spiel, ausgetragen im Tulane Stadium.

Eine politische Note bekam die Sugar Bowl 1956, als mit Bobby Grier erstmals ein Afro-Amerikaner ran durfte. Gegner war Georgia Tech, und der Gouverneur von Georgia galt als eingefleischter Rassist. Am Ende durfte Grier spielen, doch ein (ungewollter) Schiedsrichterfehler ausgerechnet gegen Grier entschied das Spiel zu Ungunsten von Griers Uni Pittsburgh.

1975 erfolgte der Umzug in den Superdome, europaweit bekannt geworden durch Hurrikan Katrina im Spätsommer 2005. Nach Katrina gab es keine besonders ansehnlichen Sugar Bowls mehr – zu überlegen war meistens selbst die zweitbeste Equipe aus der SEC.

Aktueller Titelträger ist die University of Florida.

Am 4.1.2011 spielen mit den Arkansas Razorbacks und den Ohio State Buckeyes zwei at-large Teams gegeneinander.

Fiesta Bowl

Austragungsort: University of Phoenix Stadium in Glendale, Arizona
Ausgespielt seit: 1971
Conferences: Big 12 vs. At-large

University of Phoenix Stadium, Glendale

Die jüngste der großen Bowls ist die Fiesta Bowl, die in Glendale, Arizona ausgespielt wird. 1971 ins Leben gerufen, um neben der Rose Bowl ein zweites Bowl-Spiel im US-Westen zu etablieren, entwickelte sich die Fiesta Bowl schnell zu einem sportlich höchst attraktiven Event. Dank fehlender vertraglicher Bindungen konnten die Veranstalter ihre Teams selbst wählen – und sie machten ihre Sache gut. 1986 beispielsweise spielten die beiden besten Mannschaften des Landes in der Fiesta Bowl gegeneinander.

Die Veranstalter waren zuletzt oft mutig und innovativ in ihrer Team-Wahl. 2005 wurde erstmals eine der Unis aus einer kleinen Conference (Utah) eingeladen.

Das Spiel der Spiele fand aber am 1. Jänner 2007 statt, als die Underdogs von der Boise State University den turmhohen Favoriten Oklahoma dank einer zuvor ungesehenen Latte an Trickspielzügen in der Schlussphase mit 43-42 in der Verlängerung putzten. Dieses Spiel gilt als eines besten Footballspiele aller Zeiten und genießt bereits legendären Status – in meiner persönlichen Hitliste gehört es irgendwo in die Kategorie zwischen Barcelona 99 und Interlagos 2008.

Dieses Video mit den Höhepunkten aus Underdog-Sicht (Oh Baby! Oh Wow! Oooooooh Mamma!) ist immer wieder sehenswert – Fünf Minuten zurücklehnen und anschauen!

 

Der Running Back mit der #41 Ian Johnson sprintete nach seinem Siegeslauf direkt zu seiner Freundin, einer Cheerleaderin seiner Uni, und machte ihr vor laufender Kamera einen Heiratsantrag. Sie sagte ja.

Auch aktuell sind die Boise State Broncos Inhaber des Fiesta-Bowl-Titels. Am 1.1.2011 spielen Big12-Champ Oklahoma Sooners und der Sieger der Big East, die Connecticut Huskies, gegeinander.

Genug der Sentimentalitäten, und kommen wir zum Ende.

BCS National Championship Game

Austragungsort: Austragungsort rotiert zwischen Miami, New Orleans, Glendale und Pasadena
Ausgespielt seit: 1999, seit 2007 als eigenständiges Match
Mannschaften: #1 vs. #2 der BCS-Rangliste

Das Chaos bei der Abstimmung, wer denn nun die College-Meisterschaft für sich beanspruchen durfte, war stets schnuckelig, sorgte aber mit der Zeit für immer mehr Kritik. Die sechs größten Conferences schlossen sich deswegen Ende der 90er zur BCS („Bowl Championship Series“) zusammen. Ziel: Eine Rangliste erstellen zu können, die neben den Trainer- und Experten-Abstimmungen auch harte Fakten – u.a. Stärke der Gegner – mit einfließen lässt.

Anfangs der 2000er lief das Endspiel unter dem Deckmantel einer der vier vorhin vorgestellten Bowls ab. Seit 2007 ist das BCS National Championship Game aber eine eigenständige Veranstaltung – die letzte, saisonabschließende Bowl, die im Stadion einer der vier großen Bowls rund eine Woche nach der letzten großen Bowl ausgetragen wird. Aufeinander treffen die #1 und #2 der pseudoobjektiven BCS-Computer-Rangliste.

Es hat seit der Einführung immer wieder heftigste Streitigkeiten gegeben – und nicht nur einmal führte sich das Spiel selbst ad absurdum. Im Jänner 2004 z.B. durfte Oklahoma daran teilnehmen, obwohl es nicht einmal seine Conference gewonnen hatte. Das augenscheinlich beste Team des Jahres, USC, das alle „menschlichen“ Abstimmungen gewonnen hatte, wurde durch die Computer-Rangliste dagegen aussortiert.

In den letzten Jahren wurde die BCS-Rangliste immer wieder modifiziert und verfeinert – trotzdem glänzt sie immer noch durch völlige Intransparenz und klare Benachteiligung kleinerer Unis.

Solange die Big Player aber die Fassade aufrecht erhalten können, wird die Coaches Trophy dem Endspielsieger überreicht. Sie ist nicht die einzige Meister-Trophäe, da die einzelnen Ranglisten weiterhin ihre Sieger separat küren, aber es ist der „offiziellste“ aller Pokale.

Aktueller Champion ist die University of Alabama.

Am 10. Jänner 2011 treffen die Auburn Tigers und die Oregon Ducks in einem Duell zweier offensivstarker Mannschaften aufeinander. Ausgespielt wird der College-Meister der Saison 2010.

Damit wären die fünf BCS-Bowls kurz vorgestellt. Ab morgen gibt es möglichst viele Matchups der laufenden Bowl Season hier bei Sideline Reporter. Hier geht es zur Übersicht der Bowl Season 2010/11.