Samstagsvorschauer 2018 – Woche 5: Alle Augen auf die Big Ten Conference

Die wesentlichen Spitzenspiele kommen heute in der Nacht. 1h30 ist der Zeitpunkt zum Einschalten:

  • #9 Penn State Nittany Lions – #4 Ohio State Buckeyes (ESPN-Player)
  • #8 Notre Dame Fighting Irish – #7 Stanford Cardinal

Letzteres Spiel ist bei uns nur in der Grauzone zu sehen, und daher für mich von begrenztem Interesse. Morgen kann man bestimmt auf Youtube Zusammenfassungen anschauen, daher nur das eine als Vorgeschichte: Notre Dame kam mit drei wackeligen Offensiv-Vorstellungen in die Saison, ehe man letzte Woche den Stamm-QB wechselte und mit Ian Book eine fulminante 56-Punkte Vorstellung gegen Wake Forest ablieferte.

Stanford auf der anderen Seite wackelte in Oregon bedrohlich und konnte sich nur mit einer unwahrscheinlichen Latte an Fumbles aus der Scheiße ziehen. Warum man genau die Partie am Ende in der Overtime noch gewann, wusste man nicht so genau. Stanford lebt wie Notre Dame von knackiger Defense, hat in der Offense aber etwas mehr Variabilität und dank TE Kaden Smith und WR Arcega-Whiteside ein paar Big-Play Maker mehr – spielt heute aber auswärts.

Das wahre Spitzenspiel ist aber ein anderes: Penn State vs. Ohio State, der Kampf der letzten verbliebenen ungeschlagenen Big-Ten Mächte des Jahres. Die altehrwürdige Big Ten Conference, die gerade aus einem Paket an Jahren kommt, in denen sie verloren geglaubtes Selbstvertrauen zurückgewann, gerät in diesem Jahr ins Zweifeln, ob man den Anschluss an die ganz Großen halten kann: Michigan, Michigan State und Wisconsin kassierten als vermeintliche Weltklassemannschaften bereits überflüssige Pleiten und quälen sich in dieser frühen Saisonphase mehr durch die Saison als ihnen lieb ist.

Auch Penn State wackelte bereits bedrohlich, als man zum Saisonauftakt fast gegen den Favoritenschreck Appalachian State gefallen wäre (Sieg erst in der Overtime) – und Ohio State brauchte gegen TCU länger als gewünscht, um sich die lästigen Horned Frogs vom Leib zu schütteln. Doch abseits davon lieferten beide souveräne Vorstellungen mit Siegen in Größenordnung 63-10.

Penn State gegen Ohio State lieferte in den letzten Jahren spektakuläre Partien. Es ist das Duell zweier einst „guter“ Supermächte, die in den letzten Jahren mit unverzeihlichen, sich in ihrer Dimension aber noch einmal unterscheidender Skandalen (Sandusky war dann doch drei Nummern größer als Tressel oder Urban Meyer) geerdet wurden – die aber nach wie vor große Strahlkraft auf ihr jeweiliges Umfeld im US-Nordosten ausüben.

Es ist das Duell zweier namhafter Headcoaches: Ohio States Urban Meyer gilt bei allen aktuellen Anfeindungen als einer der beiden Top-Coaches im Lande (neben Nick Saban), während Penn States James Franklin ein am Boden liegendes Programm sanierte und innerhalb kürzester Zeit hinauf in luftige Höhen gecoacht hat.

Es ist auch das Duell zweier fulminanter Quarterbacks: Penn States Trace McSorley gilt seit Jahren als verlässlicher Konsorte, der eingebettet in idealem Spielsystem Zahlen liefert, den die „Linebacker-Uni“ Penn State bis vor kurzem nur vom Hörensagen kannte – und McSorley scheint sich auch nach dem Abgang des epischen RB-Talents Saquon Barkley (wurde im NFL-Draft an #2 gezogen) noch immer gut zurechtzufinden in der Offense der Nittany Lions.

McSorleys Gegenüber ist QB Dwayne Haskins, ein 1st-Year Starter, der mich vor zwei Wochen gegen TCU begeisterte und der NFL-Potenzial besitz: Ein grandioser Werfer mit der Traute, die Pässe in die Doppeldeckungen zu nehmen – das Format von Quarterback, das Ohio State seit vielen Jahren suchte.

Und so gibt es auf beiden Seiten dieses Matchups viel Spannendes zu sehen:

Wenn Ohio State den Ball hat – Die Offense beginnt bei Haskins, der im Gegensatz zu seinen Vorgängern wie JT Barrett oder Terrelle Pryor kein mobiler Quarterback ist. Haskins geht selten mit dem Ball über die Line of Scrimmage – er ist vielmehr der Typ „Pocket-Passer“, der fast 75% der Bälle an den Mann bringt für bislang 16 TD bei nur 1 INT. Ohne ihn hätte Ohio State gegen TCU verloren. Er ist kein typischer Urban-Meyer QB – sondern mehr: Mit ihm kann Meyer ein komplettes Passspiel mit allen Wrinkeln aufziehen.

Die notwendigen Pass-Catcher sind WR Parris Campbell, WR K.J. Hill oder Terry McLaurin, die alle über 15yds/Catch machen. Doch sie sind nicht die einzigen Waffen, denn das gefährliche Passspiel wird komplementiert von einem fast nicht zu schlagenden Laufspiel. Dort ist RB Mike Weber der bekannteste Mann: Weber ist ein typischer North/South Runner, der dich eher über- als umläuft. Webers Gegenstück ist RB J.K. Dobbins, ein glitschiger Mann, so leichtfüßig, dass er fast nicht zu greifen ist. Dobbins leidet unter Homophobie: Er tänzelt um den Gegner lieber herum – ein missed tackle als höchste Lebensaufgabe. Doch im Resultat sind beide gleich: 5.8 Yards/Carry.

Penn States Defense war jahrzehntelang der Treiber hinter dem Aufstieg der Nittany Lions zur College-Football Macht. Doch sie ist unter Franklin nicht bloß nur noch die zweite Geige in Happy-Valley – sie wird heute alle Hände voll zu tun haben, um nicht unter die Räder zu kommen. Immerhin: Mit dem LB-Trio Parsons/Luketa und Brooks hat man drei sichere Tackler, doch sie alle sind Grünschnäbel und damit leichte Beute für Meyer zur Verarsche. Doch Franklin bleibt nicht viel übrig: Vier Wochen lang wechselte er seine Abwehr durch im Ziel, endlich eine verlässliche Unit zu bauen. So wirklich dran glauben mag er selbst noch nicht.

Wenn Penn State den Ball hat – Das lädt natürlich Druck auf die Penn-State Offense. Diese fängt anders als beim Gegner nicht wirklich beim Quarterback an, sondern in der monströsen Offensive Line um OT Ryan Bates.

Diese wird heute ein famoses Spiel brauchen, denn Ohio State tritt mit einer NFL-tauglichen Defensive Line an – und das, obwohl mit Nick Bosa der beste Defensive End sogar ausfällt! Angehende Superstars wie DT Dre’Mont Jones oder LB Baron Browning sind die Buckeyes, die die klaffenden, frei geblockten Lücken schließen müssen, durch die Penn States Runningbacks um Miles Sanders (bislang 7 Yards/Carry) schießen.

Doch Penn State kann nicht nur laufen: QB McSorley ist in seiner letzten Saison und ist es gewohnt, bei Nacht vor 100.000 gegen hochklassige Gegner zu spielen. Er hat einen fulminanten Receiving-Corp um Leute wie K.J. Hamler, Tommy Stevens oder Juwan Johnson, die gegen eine relativ unerfahrene Buckeyes-Secondary überlegen sein sollten.

Die Frage ist natürlich immer: Wie überlegen? Auf dem Papier sollte Ohio State noch einmal eine Hausnummer größer sein als Penn State. Doch nicht nur haben die Nittany Lions den Heimvorteil und die mutmaßlich besseren Special Teams. Sie haben auch und vor allem Ruhe, während der Gegner seit Wochen damit beschäftigt ist, mediale Störfeuer um Urban Meyers unappetitliches Verhalten herum auszutreten.

Das Rahmenprogramm

18h – #1 Alabama vs. ULL: Pflichtübung für Alabama.

18h – #3 Clemson vs. Syracuse. Theoretisch eine Pflichtübung für Clemson. Doch Syracuse gehört zu den wenigen Teams, die Clemson in den letzten 3 Jahren einmal besiegen konnte.

18h – #25 Texas Tech vs. #12 West Virginia. Das Schlagwort des Tages lautet: Air Raid Offense. Keine Uni steht deutlicher für diesen Begriff als Texas Tech. Und kaum ein Coach steht deutlicher dafür als West-Virginia Headcoach Dana Holgorsen, der einst so famos erklärte, wie man diese super-effiziente Pass-Offense in nur wenigen Tagen installieren kann.

Texas Tech wie WVU sind keine National-Title Anwärter. Aber beide sind Anwärter auf den Titel der spektakulärsten Offense des Jahres. 100 Punkte durchaus möglich.

21h30 – #2 Georgia vs. Tennessee. Das Headcoach-Duell zweier ehemaliger Saban-Assistenten: Kirby Smart gegen Jeremy Pruitt. Pruitt war einst auch DefCoord in Georgia und hat die Vols in diesem Jahr übernommen. Nicht alle sind überzeugt, dass er mit seinem ungezügelten Temperament die richtige Besetzung für den Job ist. Viele deuten auf den smarteren (pun intended) Kirby, der mit seinem ausgewogenen Mix aus Energiebündel und Besonnenheit dabei ist, einen Juggernaut zu bauen.

21h30 – #6 Oklahoma vs. Baylor. Oklahoma sprang letzte Woche von der Schippe, war aber in der Offense bislang überzeugend. Bei Baylor mehren sich die Anzeichen, dass Headcoach Matt Rhule der „real deal“ ist: Baylor ist 3-1 und zeigt streckenweise phänomenalen Football.

24h – #23 Mississippi State vs. Florida. Florida-Headcoach Dan Mullen gegen sein ex-Team. Das sinnt nicht bloß nach Rache an seinem abtrünnigen Coach, sondern nach der Abreibung von letzter Woche auch nach Wiedergutmachung für eine indiskutable Leistung.

1h – #22 Duke vs. Virginia Tech. Virginia Tech flog nach der sensationellen Pleite von letztem Samstag gegen Old Dominion aus den Top-25.

1h30 – #17 Kentucky vs. South Carolina. Kentucky ist gerankt! Das hat es gefühlt seit den Zeiten des unglaublich fetten Headcoaches Mark Mangino nicht mehr gegeben. (Edit: Kentucky war zwar zu Zeiten als Mark Mangino noch Headcoach war, zum letzten Mal gerankt (2007) – aber Mangino war Headcoach in Kansas, nicht Kentucky. Dank an Kommentator BlauGelb)

2h30 – #11 Washington vs. #20 BYU. Leider nur bei FOX und somit erst morgen in der Zusammenfassung auf Youtube.

3h – #5 LSU vs. Ole Miss. Für LSU ein Trap-Game: Ole Miss hat zwar keine überzeugende Defense, aber durchaus offensiv Potenzial um den Tigers Nadelstiche zu verpassen.

4h30 – #24 Cal vs. #19 Oregon. Zwei offensive ansehnliche Mannschaften. Oregon spielte letzte Woche drei Viertel lang gegen Stanford groß auf ehe man im Schlussviertel implodierte. Doch sie bleiben heute Favorit, allen voran dank des großartigen QBs Justin Herbert.

3 Kommentare zu “Samstagsvorschauer 2018 – Woche 5: Alle Augen auf die Big Ten Conference

  1. West Virginia ist an #12 gerankt, das sollte man bei dem Spiel gegen Texas Tech nicht unbedingt vergessen, macht die Angelegenheit sicher interessanter.

    Und Mark Mangino hat nie eine Coachingposition bei Kentucky inne gehabt, er war Head Coach an einer anderen Basketballuni: Kansas. Als Kentucky das letzte Mal in den Rankings war (2007), war Rich Brooks dort der Cheftrainer.

    Ansonsten aber sehr schöne Vorschau auf Ohio State at Penn State.

  2. Dankesehr. Und bei Kentucky und Kansas kann man schon mal durcheinander kommen. Beide blau. Beide fangen mit „K“ an. Beide sind gewöhnlich nicht gut im Football. Beide sind die Basketballaushängeschilder ihrer Conference.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.