Championship-Saturday Preview 2018

Championship-Samstag im College Football!

Heute werden die Conference-Gewinner im College Football ausgespielt – die Grundlage für die Entscheidung des Playoff-Komitees morgen: Wer wird in die Playoffs kommen? Noch einmal die Ausgangslage hier:

  • #3 Notre Dame ist heute spielfrei und mit 12-0 Bilanz so gut wie fix in den Playoffs.
  • #2 Clemson ist die zweitsicherste Tüte: 12-0 Bilanz und 25-Punkte Favoritenstatus im ACC-Finale gegen Pittsburgh.
  • #1 Alabama ist ebenso 12-0, aber „nur“ mit 13.5 Punkten im SEC-Finale gegen Georgia favorisiert.

Alabama ist wie Clemson mit einem Sieg drin – und hat sogar im Fall einer Niederlage eine relativ gute Chance, dank seiner Dominanz auch mit 12-1 Bilanz für die Playoffs eingeladen zu werden.

#4 Georgia (11-1) dagegen braucht den Upset heute gegen Alabama. Mit jeder Niederlage ist Georgia wohl eliminiert.

#5 Oklahoma (11-1) und #6 Ohio State (11-1) gehen als klare Favoriten in ihre jeweiligen Conference-Finals. Sollte Georgia das SEC-Finale verlieren und sie beide ihre jeweiligen Conference-Finals gewinnen, haben wir die große Debatte: Ohio State oder Oklahoma?

Das Armageddon-Szenario wären klare Conference-Gewinne von Oklahoma und Ohio State gepaart mit einem knappen Georgia-Sieg gegen Alabama. In dem Fall hätten wir morgen die Dreierkonstellation Alabama/Ohio State/Oklahoma. Ohne klare Richtlinien würde ich in dem Fall zu Alabama tendieren.

#5 Oklahoma Sooners – #14 Texas Longhorns

18h – Big 12 Finale (ESPN)

Die „Red-River Rivalry“ als Neuauflage im Conference-Finale! Im Oktober gab es das Spiel schon einmal – und damals setzte sich Texas trotz großartigem Oklahoma-Comeback in der Crunch-Time mit 48-45 durch ein Last-Second Fieldgoal durch. Es blieb die einzige Niederlage für Oklahoma in der gesamten Saison – Oklahoma gewann all seine anderen Spiele trotz seiner äußerst wackeligen Defense.

Zu gut ist die Sooners-Offense um den double-threat QB Kyler Murray, einem fulminanten Athleten, der 3700 Pass-Yards mit 37:7 TD/INT-Rate und obendrauf 850 Rush-Yards mit 11 TD auflegt. Murray, der ohne Alabamas QB Tagovailoa im Halbschlaf die Heisman-Trophy gewinnen würde, ist vor allem deswegen so beeindruckend, weil er aufgrund der schwachen Sooner-Defense mit dem Druck lebt: Ich muss in jedem Drive scoren. Und er scort in nahezu jedem Drive!

Für Texas (9-3) war die Saison 2018 ein Gewinn. Die Longhorns meldeten sich für einige Wochen zurück im Kreis der Erlauchten, auch wenn sie qualitativ noch nicht in der absoluten Elite angekommen sind.

Texas war im Oktober imstande, Oklahomas extrem geschwindige Offense um QB Murray und WR Hollywood Brown mit seinem 6-DB Dime-Package über weite Strecken der Partie in Schach zu halten und mit der eigenen Offense um den wuchtigen QB Sam Ehlinger ausreichend Plays zu machen um sich einen großen Vorsprung herauszuspielen.

Doch wird das ein weiteres Mal gelingen? Ehlinger ist an der Schulter verletzt und es ist mehr als fraglich ob er erneut rund 20 QB-Scrambles ins Getümmel wagen kann. Dazu schien Oklahoma beim letzten Mal im Schlussviertel das Gegengift gefunden zu haben: Hinter der physischen Offensive Line einfach die gegnerische Defensive-Interior zu umlaufen und mit dem brutalen Speed seiner Skill-Player Texas auszukontern.

Texas ist trotz des „Hinspiel-Siegs“ heute recht klarer Außenseiter. Größter Trumpf ist Headcoach Tom Herman, der es besonders gut zu verstehen scheint, Oklahoma zu ärgern: 2016 als Chefcoach von Houston, und die letzten beiden Jahre mit jeweils knappen Spielen als Texas-Cheftrainer. Wenn er es heute tatsächlich schafft, den Favoriten Oklahoma ein zweites Mal innerhalb einer Saison zu stürzen, hat Herman in Austin mindestens drei Schüsse ins Nichts gut.

#1 Alabama Crimson Tide – #4 Georgia Bulldogs

22h – SEC Finale (CBS)

Das Spiel des Tages – vielleicht des Jahres. Oder zumindest „der Saison“. Denn Alabama gegen Georgia ist die Neuauflage des sensationell guten National-Championship Games vom Jänner, als Nick Saban in einem epischen Move zur Pause seinen Starting-QB wechselte und ihn der eingewechselte Freshman Tua Tagovailoa mit einem legendären Comeback und dem epischen Sieg-TD in der Overtime belohnte.

Tagovailoa ist seither Stamm-QB – und Alabamas Offense mutierte zur Scoring-Maschine, die bislang alles niederwalzte, was sich ihr in den Weg stellt. Man muss sich das nur einmal vorstellen: Trotz respektabler Gegner wie LSU, Mississippi State oder Auburn ist Alabamas knappster Saisonsieg 22 Punkte. Zweiundzwanzig. Tagovailoa hat in der ganzen Saison drei Pässe im Schlussviertel geworfen.

Drei!

Und der Backup ist mit Jalen Hurts kein unbeschriebenes Blatt. Kurz: Alabama ist ein Monster, das seit Monaten unaufhaltsam gen sechstem Titel in der Saban-Ära (nach 2009, 2011, 2012, 2015 und 2017) steuert – diesmal mit dem Zusatz, tatsächlich das Label „beste Mannschaft aller Zeiten“ anzugreifen.

Wie kann Georgia diesem Monster beikommen?

Zum einen: Georgia ist der Alabama-Maschine nicht unähnlich gebaut. Das liegt natürlich vor allem daran, dass Headcoach Kirby Smart (coacht in seinem dritten Jahr dort) ein langjähriger Saban-Assistent war. Saban ist Smarts Vorbild: Extrem physisch, Fokus auf Geschwindigkeit, knackige Defense und brutal schnelle Skill-Player in der Offense.

Georgia hat zwar keinen Tagovailoa, aber in QB Jake Fromm einen mehr als adäquaten Quarterback und mit dem RB-Duo Holyfield/Swift ein extremes Laufspiel: Swift wie Holyfield sind extrem quick, wendig und antrittsschnell. Sie sind nicht einfach zu kontrollieren – wenn Georgia sein Inside-Zone Running aufbaut, muss die gegnerische Defense es erstmal stoppen.

Ein guter Tag von diesem „Trio infernale“ wird nicht allein reichen. Georgia braucht zusätzlich seine erstklassige Passing-Defense um CB Deondre Baker und das fulminante Safety-Pärchen Reed/LeCounte. Sie müssen „hinten“ imstande sein, Alabamas Receiving-Corp in Schach zu halten, ohne dass die Bulldogs die „Box“ zu sehr entblößen müssen – denn Tagovailoa hin oder her: Alabamas Laufspiel ist gut genug um 90% der College-Mannschaften im Alleingang zu zerlegen.

Es ist also eine Herkules-Aufgabe für Georgia. Doch Georgia ist nach ESPNs FPI die drittbeste Mannschaft des Jahres. Es gibt nicht viele bessere Chancen auf eine Niederlage des Todessterns Alabama.

#2 Clemson Tigers – Pittsburgh Panthers

02h – ACC Finale (ESPN)

Die #2 im FPI sind die Clemson Tigers, das Team, das Alabama dreimal in den letzten drei Playoffs gesehen hat und vor zwei Jahren im Endspiel vom Thron stoßen konnte. In jener Saison 2016 verlor Clemson genau ein Spiel – gegen Pitt.

Allerdings hat jene Pitt-Mannschaft von damals nicht mehr viel mit dem Pitt von heute gemeinsam. Vor allem spielt die Offense nicht mehr mit der Variabilität von einst. Der riesige Knackpunkt für die Truppe von Pat Narduzzi: QB Kenny Pickett kassiert fast einen Sack pro 10 Drop-Backs, und heute sieht er die Clemson-Defense Line voller künftiger NFL-Profis.

Als Pitts beste Chance gilt es heute, die Box mit acht Mann zuzustellen und darauf zu hoffen, Clemsons Laufspiel über den starken RB Etienne zu stoppen – und damit den Freshman-QB Trevor Lawrence unter Druck zu setzen, Plays mit seinem Arm zu machen. Lawrence erwies sich bislang als mehr als der Sache gewachsen – doch Lawrence ist jung, hat eine derartige Bühne noch nicht gesehen und könnte unbedachte Fehler begehen.

Doch wahrscheinlich ist ein Pitt-Sieg nicht. Die Wettbüros sehen Clemson mit 27.5 Punkten vorn.

#6 Ohio State Buckeyes – #21 Northwestern Wildcats

02h – Big Ten Finale (FOX)

Das Endspiel der Big Ten Conference. Beide Teams waren ein bisschen Freakerscheinungen in der abgelaufenen Saison. Ohio State lief viele Wochen unter dem Radar mit, immer im Schatten des deutlich dominanter auftretenden Erzrivalen Michigan, ehe die Buckeyes letzte Woche im „The Game“ Derby gegen Michigan sensationell hoch 62-39 durchsetzten und sich somit das Ticket für das Conference-Finale sicherten.

In diesem Finale gelten sie nun als haushohe Favoriten – für die Wettbüros mit 14 Punkten. Zu schwach war die Parallel-Division (Western Division) das ganze Jahr über. Nicht, dass Northwestern ein Gurkentrupp als Gegner wäre – die Wildcats sind immerhin die #42 im ESPN FPI. Doch in einer normal starken Power-5 Conference würde man einen Finalgegner von höherer Qualität erwarten.

Für Northwestern sieht man eine große Chance: Ohio States diese Saison verblüffende Schwäche gegen Spread-Offenses. Und auch wenn die Jungs von Pat Fitzgerald nicht reine Spread-Offense spielen, so baut Northwestern doch immer wieder Elemente ein, mit denen er die gegnerische Defense in Länge und Breite auseinanderziehen kann.

Doch wahrscheinlicher ist, dass es andersherum laufen wird: Urban Meyers Spread-Option Offense wird Northwestern (das gerne aus 4-3 Defense heraus operiert) nur allzu schnell in seine Einzelteile zerlegen und viele Punkte vorlegen.

Es wäre eine Sensation, wenn Northwestern hier lange mitgehen kann. Ich gehe von einem klaren Erfolg der Buckeyes aus – zumindest sollten sie mit Kickoff noch eine realistische Chance auf die Playoffs haben. Schon einmal – vor vier Jahren – nutzt Ohio State seine Chance, als letztes Team Eindruck schinden zu können, zu einem 59-0 Kantersieg im Big-Ten Finale, das die Voter am Ende davon überzeugte, Meyers Team gegen alle Wetten in die Playoffs zu hieven.

Die Mid-Majors

Die weiteren Partien konzentrieren sich auf kleinere Preise. Das Finale der „The American“ lautet #8 UCF (12-0) gegen Memphis (21h30, ESPN). UCF ist dabei trotz der zweiten Perfect-Regular Season en suite eine Wundertüte, muss es doch auf seinen QB McKenzie Milton verzichten, der sich letzte Woche horrend verletzte. Gewinnt UCF ohne seinen QB das Conference-Finale, haben die Knights eine Neujahrs-Bowl in der Tasche.

Doch: Verlieren sie, gilt es als ausgemacht, dass das Playoff-Komitee den Gewinner der Mountain West Conference, also entweder #22 Boise State (10-2) oder #25 Fresno State (10-2) einladen wird. Dabei gelten die Boise State Broncos als favorisiert im Endspiel, haben sie doch Heimrecht. Wer Lust drauf hat, das Endspiel ab 1h45 auf dem Blue-Turf von Boise anzuschauen: Es ist Schlechtwetter mit Chance auf Schnee angesagt!

Das könnte allemal spektakulärer sein, als mit anzuschauen, wie Clemson und Ohio State ihre Power-5 Finalgegner in Grund und Boden spielen. Allemal sind diese vier Mid-Majors eher besser denn die Truppen, die Clemson/Ohio State in ihren Finals sehen:

UCF: #23 im FPI
Boise: #26 im FPI
Fresno State: #24 im FPI
Memphis: #45 im FPI

Da kannste wohl alle über Northwestern (#41 im FPI) und Pitt (sogar nur #49) nehmen. Und dennoch wird das Komitee einen Finalsieg über Northwestern/Pitt immer höher einstufen als einen Dorftrupp wie Fresno geschlagen zu haben.

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7 Kommentare zu “Championship-Saturday Preview 2018

  1. Als konsumierender I-Net Nutzer freut mich die angesetzten College Paarungen.
    Für Georgia spricht das Heimrecht im Atlanta Stadion.
    Ob es allerdings gegen QB Tagovailoa und seine Offense reicht nach 60 Minuten Abnutzungskampf?

    Zum Halbfinal Alabamas wäre mein Wunschgegner die Ohio State Buckeyes, einfach weil unbequemer zu spielen anstelle der Oklahoma Sooners.

    Dank den vielen Hinweisen über die Jahre von @korsakoff ob dem Headcoach Tom Herman beachtete ich diese Saison die Texans Longhorn oftmals vor dem Bildschirm. Großartige Arbeit was er auch aus diesem Potential heraus geholt hat, mein Respekt. Vielleicht gelingt es nochmals im heimischen Feld den Sooners ein Bein zu stellen.

    Memphis bekommt heute die Chance eine kleine Haupt- Schlagzeilen zu liefern, wenn sie das bisherig ungeschlagene Team der University of Central Florida besiegen, was so abwegig nicht ist nach der 30:31 Niederlage vor Wochen. Allerdings sollten sie schon auch in der 2. Hälfte punkten.

    Clemson und Ohio lass ich mal sausen, glaube kaum, dass ich so lange durchhalte und wach bleiben kann.

  2. Hat Ohio State nun überhaupt noch eine Chance auf die Playoffs, nachdem Oklahoma mit 12 gegen Texas gewonnen hat?

  3. Danke, so langsam verstehe ich, wie die Voter ticken.
    Hätte ich nun auch so gesehen, auch wenn einige prominente Writer nach wie vor auch Alabama bei einer Niederlage vor Oklahoma vorn sehen.

  4. oh, alabama ist auch drin falls sie verlieren. oklahoma muss hoffen, das bama gewinnt.
    nur falls bama jetzt völlig einbricht und mit 3 td’s verliert gäbe es ne chance

  5. @jogibähr: Kareem Hunt wurde nicht entlassen, weil er eine Frau geschlagen hat. Er wurde entlassen, weil es ein Video davon gibt. Als NFL-spieler kannst Du alle möglichen Verbrechen begehen, solange …
    a) … die Öffentlichkeit keine unbestreitbaren Beweise bekommt.
    b) … Du während der Hymne stehst.

    @Colo: „Allerdings sollten sie schon auch in der 2. Hälfte punkten.“ Nach dem ersten Spiel wissen sie jetzt ja, dass sie in der zweiten Halbzeit zumindest eine Safety oder FG brauchen… 😀

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