Samstagsvorschauer: Auftakt zur Bowl Season 2018/19

Guten Morgen. Heute beginnt die Bowl-Season 2018/19 im College Football und zudem wartet die NFL mit zwei Samstagsspielen unter dem Thema „Rookie-QBs“ auf. Die Vorschau wird heute von zwei Gast-Experten geschrieben.

Um 22h30 spielen die New York Jets (4-9) gegen die Houston Texans (9-4), zwei Teams mit spiegelverkehrtem Record. Für die Jets geht es in dieser späten Saisonphase vor allem darum, dem bislang matten Rookie-QB Darnold Spielzeit zu geben und dem auf der Abschussliste stehenden Headcoach Bowles einen passablen Abgang vorzubereiten. Houston dagegen ist nicht immer überzeugend, spielt aber noch um den AFC #2 Seed mit und hat sogar noch eine Außenseiterchance auf den Top-Seed.

Um 02h20: Denver Broncos (6-7) gegen Cleveland Browns (5-7-1), zwei Teams am untersten Ende des AFC-Wildcardrennens. Nur der Sieger darf noch leise von den Playoffs träumen. Für Browns-QB Mayfield ist die Partie zudem die Chance, sich gegen eine Top-Defense zu beweisen.

Bowl Season: Kickoff-Preview

Und damit zum wahren Aufhänger des Tages: College Football, Start der Bowl-Season. Die meisten Spiele sind im kostenpflichtigen ESPN-Player zu sehen. Ich habe mir wie schon im letzten Jahr diesmal wieder kompetente Experten für meine Fragen im Zuge dieser College-Football Postseason geholt.

Zum einen Christian Schimmel (@Chris5Sh), bekannt von Der-Draft.de, zum anderen Jan Weckwerth (@giannivanzetti), dem Autor hinter Triple-Option Blog – beide sind stimmlich von den wöchentlichen Daily-Nuggets bei Sportradio360 bekannt und als regelmäßige Gäste im Sofa-QB Podcast.

Spielchen geht wie immer: Ich stelle die Fragen, sie geben die Antworten. Viel Spaß.

#1 Beginnen wir mit der Meister-Frage: Das Heisman-Komitee beantwortete die Frage Tua Tagovailoa gegen Kyler Murray mit „Murray“. Die richtige Entscheidung? Wo würdest du Murray mit allen den Fragen ob seiner Baseball-Affinität im NFL-Draft 2019 ziehen?

Jan Weckwerth: Die Abwägung zwischen Tua und Murray ist extrem schwierig und notwendigerweise subjektiv. Ich habe auf meinem Blog ausführlich dargelegt, was für und gegen die beiden Kandidaten spricht. Ich selbst hätte knapp für Tua votiert, da er vom SEC Championship Game abgesehen eine QB-Leistung gezeigt hat, wie ich sie schlicht noch nicht erlebt habe.

Letztlich war die entscheidende Frage, wie stark man eben dieses Spiel gegen Georgia berücksichtigt (in dem er wohlgemerkt angeschlagen war). Die Entscheidung pro Murray finde ich übrigens dennoch richtig. Selten wären zwei Heisman-Sieger so gerechtfertigt gewesen.

In den letzten Tagen haben die Gerüchte um Murray und die NFL Draft wieder etwas zugenommen, da die Sooners wohl seinen Namen an das College Advisory Committee gesendet haben. Das CAC trifft eine grobe Einschätzung, wo der Spieler gedraftet werden könnte, und hilft damit Underclassmen bei der Entscheidung, ob sie sich zur Draft anmelden sollen oder nicht.

Dennoch halte ich Baseball weiterhin für die richtige, weil sicherere Entscheidung. Mit einer Größe von 5’10 und einem relativ zerbrechlich wirkenden Körper würde er es bei all seinem großen Talent in der NFL ziemlich schwer haben. Da passen dann eben auch nicht die Statur-Vergleiche mit Drew Brees oder Russell Wilson, die so gerne herangezogen werden. Ich müsste Murray noch einmal genauer evaluieren, doch würde ich ihn zum aktuellen Zeitpunkt nicht in der ersten Runde sehen.

#2 Bowl-Season ist im Prinzip „zwei Halbfinals, ein Finale und 37 Freundschaftsspiele“. Durch mehrere Absagen von Top-Draftprospects verlieren einige dieser Spiele zusätzlich an Wert. Was motiviert dich, dennoch diesem Treiben zuzuschauen?

Christian Schimmel: Ich glaube ein Teil der Antwort ist sehr simpel und so wie mir, wird es vielen gehen. Ich liebe den Sport und insbesondere College Football. Die Tradition und die Diversität der Programme die im College Football noch einmal deutlich mehr gelebt wird, als in der NFL.

Speziell für die kleineren Mannschaften aus der Non Power 5 ist es eine Belohnung, einmal im Jahr im Rampenlicht zu stehen und sich mit dem eigenen Team gegen einen guten Gegner außerhalb der eigenen Conference zu beweisen. Für viele Seniors ist es zudem das letzte Spiel ihrer Football Karriere.

Es liegt, trotz der dauerhaften Entwertung der Bowls also schon eine gewisse Bedeutung in ihnen. Für mich ist es die Gelegenheit, Mannschaften zu sehen, die ich über das Jahr nicht, oder kaum verfolgen konnte. Es ist ein bunter Mix von vielen Teams, der für mich mittlerweile auch einfach zur Zeit um Weihnachten und Sylvester schlicht dazu gehört.

#3 Es geht heute mit kleinen Mannschaften los. Lass uns mal auf die heutigen fünf Bowls schauen:

19h30: Autonation Cure | Tulane – ULL
20h00
: New Mexico | North Texas – Utah State
21h30
: Las Vegas | Arizona State – Fresno State
23h30
: Camellia | Georgia Southern – Eastern Michigan
03h
00: New Orleans | Middle Tennessee – Appalachian State

In welcher Reihenfolge würdest du die Attraktivität der Paarungen ranken?

Jan Weckwerth: Die attraktivste Partie ist für mich trotz des Abgangs von Aggies HC Matt Wells der New Mexico Bowl. North Texas und Utah State haben zwei der besseren Mid-Major Offenses mit spektakulären QBs (UNTs Mason Fine und USUs Jordan Love). Auch die aggressive 3-3-5 Defense von UNT (um den hervorragenden OLB E.J. Ejiya) sowie die von einem starken LB-Corps lebende 3-4 Aggies Defense sind nicht zu verachten. Fraglich nur, wie motiviert sich Utah State mit einem reduzierten Coaching Staff präsentieren wird.

Nummer 2: Der Las Vegas Bowl. Fresno State gewann die qualitativ hochwertige Mountain West Conference, Arizona State gelang mit ihrem neuen HC Herm Edwards ein überraschend gutes erstes Jahr. Auf dieses Spiel werde ich unten noch genauer eingehen.

Beim Adler-Duell zwischen Georgia Southern und Eastern Michigan bin ich als Fan der Mid-American Conference etwas biased. Viele würden das Spiel wohl weiter hinten ranken. Georgia Southern läuft eine recht kreative Triple Option Offense um QB Shai Werts. Eastern Michigan, jahrzehntelang eines der schlechtesten FBS-Teams überhaupt, spielt unter Erfolgscoach Chris Creighton bereits seinen zweiten Bowl innerhalb von drei Jahren. Auf deren Passrusher Maxx Crosby kann man mal ein Auge werfen.

Der New Orleans Bowl schreckt aufgrund des späten Kickoffs etwas ab. Mit Sun Belt-Champion Appalachian State und Conference USA-Finalist Middle Tennessee ist die Paarung allerdings nicht unattraktiv.

Der Autonation Cure Bowl reizt mich am wenigsten. Louisiana war zwar im Finale der Sun Belt, letztlich sind beide Teams aber als eher unterdurchschnittlich einzuschätzen. Weitere Abschreckung: Der New Mexico Bowl beginnt bereits eine halbe Stunde später.

#4 Die New Mexico Bowl sieht zwei Teams mit starker Saison (Utah State und North Texas), doch beide ereilte der „Fluch des Gewinnens“. Utah State verliert Headcoach Matt Wells. Was bedeutet Wells‘ Anstellung für Texas Tech?

Christian Schimmel: Es bedeutet vor allem erstmal eine Abkehr der radikalen Pass-lastigen Air Raid Offense von Kliff Kingsbury. Wells hat in seiner Coaching Zeit verschiedenste Offensivsysteme kennen gelernt und ist schematisch vielleicht etwas weniger der Dogmatiker als sein Vorgänger. Seine Utah State Teams neigten in der Offense immer etwas mehr zum Lauf, in den letzten Jahren ist die Verteilung zwischen Pass und Lauf jedoch fast pari.

Für mich verliert Texas Tech einen Teil seines Markenkerns, seiner Identität, die ja auch durch Mike Leach geprägt worden ist. Ja, Texas Tech hat Vorteile bedingt durch die vielen starken Highschool Spieler in der Region, und doch könnte die Konkurrenz mit Texas, Oklahoma, TCU, Texas AM sowie vielen namhaften SEC Programmen größer kaum sein.

Wells hat bei seinen Stationen bewiesen, dass er sich anpassen kann. Das dies notwendig ist, musste selbst ein Gary Patterson einsehen. Wells ist ein guter Coach und doch verliert TTU für mich ein Stück seines bisherigen Markenkerns.

#5 Die Las Vegas Bowl sieht Fresno State gegen Arizona State – und damit auch das Duell zwischen zwei interessanten Trainerfiguren: Fresno States Jeff Tedford, u.a. der QB-Coach von Aaron Rodgers und Kyle Boller am College, gegen Herm Edwards, Dampfplauderer und Kultfigur ehemals von den New York Jets. Was macht Tedford bei Fresno aus – und wofür steht Arizona States Football unter Edwards? Kann man sich eine attraktive Offensiv-Paarung ausmalen?

Jan Weckwerth: Jeff Tedford ist weiterhin einer der kreativeren Offense-Coaches im College Football. Er versteht es, Pro-Style mit Spread-Konzepten und sogar Elementen aus der CFL zu verbinden und daraus immer wieder neue Plays zu designen. Mit Marcus McMaryion hat er zudem endlich wieder einen QB, der seine Vorstellungen sehr effizient umsetzen kann.

Herm Edwards hat bei Arizona State vor allem einen Kulturwandel eingeläutet. Sein Coaching-Stil orientiert sich eher an der NFL und ist daher deutlich weniger strikt und disziplinierend als der seines Vorgängers Todd Graham.

Ich bin mir allerdings nicht wirklich sicher, ob das Spiel ein Offensivfeuerwerk werden wird. Arizona State muss auf seinen Star-WR N’Keal Harry verzichten, der sich lieber schon auf die Draft vorbereitet. Ich hätte ihn gerne gegen die starke Secondary der Bulldogs gesehen. So wird noch mehr von RB Eno Benjamin abhängen, der ein interessantes Matchup gegen MLB Jeff Allison (dem MWC Defensive Player of the Year) hat.

Fresno State hat zwar kein besonders prominentes Laufspiel, aber eine hervorragende QB-WR-Kombo aus McMaryion und KeeSean Johnson. Johnson ist nicht nur ein Kandidat fürs All-Name Team, sondern auch ein unterschätzter WR-Prospect, den sich Draft-Interessierte näher betrachten sollten.

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6 Kommentare zu “Samstagsvorschauer: Auftakt zur Bowl Season 2018/19

  1. Wie verhält sich das eigentlich mit den NFL-Samstags-spielen? Ich dachte immer, Samstag ist College, Sonntag NFL. Aber es scheint ja Ausnahmen zu geben. Angesichts eines Riesenmarktes in anderen Teilen der Welt dürfte die NFL schon darüber beraten haben, wie man das Angebot international verträglicher machen kann. 2 Uhr morgens in der Nacht auf Montag scheint mir nicht optimal, wenn man Europäer vor den Bildschirm bekommen will. Stellt sich die Frage: Wird es künftig mehr Samstagsspiele der NFL geben oder gibt es da einen limitierenden Faktor?
    (außer, dass da traditionell Collegefootball gespielt wird)

  2. 3 Spieltage vor dem ende gab es schon lange Samstag spiele,
    außerdem sind es ja unwichtige bowl games bis zum College Halbfinale spielen kurz vom ende des Jahres. Und das die Amis auf uns Europäer mit den Spielzeiten Rücksicht nehmen würden ist ja wohl ein Witz der amerikanische Markt ist für die TV Sender immer noch der wichtigste und nicht ein Kontinent der tausende Kilometer entfernt ist.

  3. Hallo Cam, das ist genau der springende Punkt: Die Samstagsspiele bedienen doch BEIDE Märkte: Den amerikanischen und den europäischen. Da bräuchte die NFL keine Rücksicht nehmen, sondern könnte zu den Gewinnen in den USA noch die europäischen mitnehmen. Entsprechend frage ich mich, warum die NFL nicht mehr Spiele samstags ansetzt. Von mir aus auch nur während der Bowlgames.

  4. Der limitierende Faktor ist da, wie du in deinem ersten Kommentar schon erwähnst, der College Football, die Sender, die der NFL viel Geld für die Sonntagsspiele zahlen, sind die gleichen, die den NCAA Ligen viel Geld für die Samstagsspiele zahlen, es gibt also vonseiten der Rechtekäufer gar keine Motivation, samstags die NFL zu zeigen, sofern die NCAA-Saison noch läuft, man würde sich ja nur selbst kannibalisieren. Gerade in Anbetracht des Stellenwerts des Collegesports in den Staaten ist es aus meiner Sicht auch höchst unwahrscheinlich dass sich daran in näherer Zeit etwas ändert.

  5. SPOILER

    Browns mit Stop der DEN OFF gleich im ersten Drive und selbst mit TD nach kurzem feld ( ca. 50 Yards) nach Pass von Baker. – Weiter so im Sinn aller Cleveland fans

  6. Ich dachte schon die Browns verlieren nachdem durch ein TO des HC ein Offside/Neutral Infraction Penalty irrelevant wurde. Mit der Strafe hätte es ein First Down gegeben und es wäre vorbei gewesen.
    Aber zum Glück scheinen die Browns nicht mehr die alten so zu sein, die hätte verloren auf eine sehr brownsche Weise.

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