Kaepernick zwingt NFL in die Knie

Die NFL hat sich im Streitfall ob geheimer Absprachen zur absichtlichen Ausgrenzung der beiden Hymnen-Protestler QB Colin Kaepernick und Safety Eric Reid (der mittlerweile wieder einen Job hat) außergerichtlich mit den beiden Spieler geeinigt – ein Move, der als Schuldeingeständnis gewertet wird.

Durch die Stillschweigeklausel in dem Vertrag werden keine Details des Deals nach außen gelangen, doch Insider beziffern den Wert der Entschädigung in diesem Fall auf rund 60 – 80 Mio. Dollar!

Die Tatsache, dass eine mächtige Vereinbarung wie die NFL niemals ohne Not eine außergerichtliche Einigung einem Prozess vorziehen würde, wenn es keinen anderen Ausweg gäbe, zeigt, wie sehr die Liga hier in die Ecke getrieben wurde – was den außenstehenden Beobachter angesichts immer wiederkehrender Verpflichtungen von QB-Graupen wie Peterman, Sanchez, Bortles, Savage oder Johnson wenig wundert.

Erstaunlich an der Entwicklung ist, dass die NFL schon vor Ablauf der gesamten Untersuchungen die Hosen runterlassen und die außergerichtliche Einigung vorschlagen musste. Die Indizien müssen erdrückend gewesen sein, denn es galt im Vorfeld als sicher, dass Kaepernick/Reid nicht ohne große finanzielle Zugeständnisse einknicken würden:

https://mobile.twitter.com/CharlesRobinson/status/1096484279310340097

Die NFL entgeht damit gerade noch einem potenziellen PR-Desaster – Hintergrund der Geschichte: Kaepernick/Reid waren in San Francisco die ersten Spieler gewesen, die sich aus Protest gegen die ausufernde polizeiliche Gewalt in den USA gegen Schwarze zum Abspielen der Hymne niedergekniet hatten anstatt wie von den Offiziellen gefordert stramm zu Stars and Stripes zu stehen.

Das Thema hatte sich mit Einschalten von Donald Trump („wie gerne würdet ihr es sehen, wenn die Owner diese Hurensöhne dafür feuern würden?“) zu einem landesweiten Politikum entwickelt, das auf vielen Seiten der Patriotismus-Diskussion schwer verdauliche Scheinheiligkeit offenlegte. Kaepernick, der 2012/13 die 49ers in die Superbowl geführt hatte, hatte zwar deshalb in der NFL trotz ernsthafter QB-Not keinen Job mehr bekommen, doch mächtige Wirtschaftspartner wie Nike auf seine Seite bekommen.

Mit der Einigung sind Kaepernick/Reid zumindest finanziell für den Gehaltsausfall entschädigt. Ob der zum Aktivist gewordene Kaepernick nun überhaupt noch einmal Lust auf Football verspürt, bleibt indes abzuwarten.

23 Kommentare zu “Kaepernick zwingt NFL in die Knie

  1. „Ob der zum Aktivist gewordene Kaepernick nun überhaupt noch einmal Lust auf Football verspürt, bleibt indes abzuwarten.“

    Was meinst du damit? Er ist und bleibt doch QB?

  2. in nimmt doch eh keiner mehr,die weißen Sklavenbesitzer der Klubs werden wohl kaum einen nicht Patrioten als ersten QB verpflichten.
    ich finde kaepernick als Spieler toll mit dem Protest hätte er es sein lassen,ich mein das es Polizeibrutalität in den USA gibt das weis jeder. das hätte er auch anderes überbringen können so ist jetzt seine Football Karriere leider vorbei.

  3. „einen nicht Patrioten“.
    Das ist eben das Scheinheilige an der Diskussion. Er ist rein auf die Verfassung bezogen und das Selbstverständnis der USA im ursprünglichen Sinne im reinsten Sinne patriotisch. In dem Zusammenhang ist noch einmal wichtig, dass er eben nicht auf die USA an sich oder die Streitkräfte scheisst, sondern auf einen Teil der Menschen in verschiedenen Ebenen, die genau dieses Selbstverständnis und den Sinn der Verfassung aushöhlen und die Grundrechte mit Füßen treten – im wahrsten Sinne des Wortes.

  4. Das Symbolhaft noch als Ergänzung. Die Adoptiveltern/ Mutter, die anscheinend da vieles bei der Erziehung richtig gemacht haben, dermaßen anzugreifen- Holla die Waldfee.

  5. politischen Protest ist gut aber nicht auf einer sportlicher ebene wie der NFL,man sieht auch bei der FIFA die ja auch Spielern verbietet wenn sie auf Trikots bei Weltmeisterschaften eine Botschaft zeigen.
    kaepernick hätte es einfach außerhalb der NFL sein Protest zeigen sollen. außerdem war er ja es der den Vertrag bei den 49ers aufgelöst hatte die wollten ihn ja weiter haben.

  6. Ich versteh den ganzen Bullshit nicht, von wegen Politik hat im Sport nichts verloren. Zum einen IST internationaler Spitzensport Politik. Zum anderen: auf Misstände soll man da hinweisen, wo es Reichweite bringt. Und genau das hat Kaepernick gemacht. Ich hab großen Respekt davor, wenn sich Sportler so deutlich positionieren, auch wenn es für Sie unliebsame Konsequenzen nach sich ziehen kann. Und dass die Verbände so panische Angst vor politischen oder gesellschaftlichen Statements der Sportler haben, die nicht vom Verband selbst choreographiert werden, dass Sie sie verbieten, zeigt nur, wie richtig diese Sportler handeln.

  7. Sehe das genauso wie Rantanplan. Es geht ja nicht um irgendwelche Pillepalle, sondern um eklatante Missstände und mithin um Menschenleben. Zumal die NFL die Spiele durch das Hymnengedöns ja selbst bis zu einem gewissen Grad „politisiert“.

  8. So wie es jetzt gelaufen ist, schätze ich Kaps Football-karriere als beendet ein. Er hat mindestens 60mio auf dem Konto und für die meisten NFL-Teams bleibt er so radioaktiv wie er es bisher war. Leider. Aber so läuft es halt. Typen wie Suh, Raiola, Hunt, Talib etc haben alle lukrative Jobs.

    @nico: Falsch. Die 49ers wollten ihn feuern. „If Kaepernick had not opted out of his contract, the 49ers would have released him.“ Ist kein Geheimnis. Dieses Zitat kommt zB von der NBC-website.
    Kap hat nicht gesagt „Ich bin zu gut für diesen Multimilllionenvertrag“, auch wenn es in Foren oft so dargestellt wird. Ich nehme an, es war so: Das 49ers Management hat ihn vorgewarnt, „Wir entlassen Dich, wenn Du nicht selbst aussteigst.“ Und da es nicht nach wertvollem FA klingt, wenn jemand fliegt, hat er selbst den Vertrag aufgelöst.

  9. Na ja was solls wenns stimmt das er 60 mil $ verdiente dann muss man sich um im keine sorgen machen. Wäre trotzdem nice gewesen wenn er noch bei einem team untergekommen wäre, hätte devenitiv noch eine superbowl chance gehabt.

  10. Es ist schade, dass so ein gute QB wie Kaep nicht mehr in der LIga spielen darf/wird/kann. Leider wird seine Leistung in zwei, drei Jahren vergessen sein, auch weil meine geliebten 49ers und auf dieser Position gerade recht gut besetzt sind und auch immer wieder starke Spieler entwickelt werden. Dennoch war und IST es wichtig, dass es solche Typen gibt. Ich trage sein Trikot weiter mit Stolz und will kein anderes mehr haben. Und ich hoffe, dass die Liga irgendwann mal erkennt, was sie da anrichtet: Verbrecher, Gewalttäter und Frauenschänder bekommen Jobs, einer der die Hymne nicht ‚ehrt‘ wird geächtet. Das Ansichten in dem Land und der Liga sind schon mächtig bescheuert. Und der ‚Trumpel‘ macht den Rest. Parallelen zum europäischen Sport sind durchaus vorhanden, der mündige Sportler ist nicht erwünscht.

  11. Schönen Dank für die deutschsprachige Zusammenfassung.

    Ich würde vielleicht noch ergänzen, wie viel Geld die NFL vom US-Militär für die „patriotische“ Begleitung der Spiele erhält. „Don’t mix“ und so.

  12. Nico, da sind wir absolut einer Meinung: ich würde ihn auch supergern wieder spielen sehen. Aber wer weiss… es gibt ein Gerücht auf Bleacher Report, dass die Panthers im Falle einer längeren Reha von Newton Kap in Betracht ziehen „könnten“. Das wäre wirklich ein Kracher.

  13. Die Patriots sind wohl auch im Gespräch… was natürlìch dem „Trump Team“ Image nicht nur einen kleinen Kratzer verpassen dürfte, sollte es so weit kommen^^

  14. Die Patriots sollen ja scheinbar auch Kontakt haben… Das würde dem „Trump Team“ Image natürlich mehr als nur einen kleinen Kratzer verpassen…

  15. Das Traurigste an der ganzen Sache ist, dass ausgerechnet ein kompletter Geier und Unsympath wie Kaepernick nun glorifiziert wird.
    Die eigentliche – und sehr wichtige/sinnvolle – Debatte um die soziale Ungerechtigkeit in den USA hat sich zum Großteil zu einer Debatte um Kaepernick gewandelt. Jemanden, bei dem man nach genauer Betrachtung schon sehr skeptisch sein muss, wie wichtig ihm die eigentliche Debatte wirklich ist und ob er nicht doch eigentlich nur auf die eigene Profilierung aus ist.

  16. Die eigentliche – und sehr wichtige/sinnvolle – Debatte um die soziale Ungerechtigkeit in den USA hat sich zum Großteil zu einer Debatte um Kaepernick gewandelt.

    Woran am wenigsten Kaepernick schuld ist, sondern Trump und die Owner, die Kaeps anfängliches Ziel zweckentfremdet / missbraucht für ihre Agenda haben. Recht geschieht ihnen, wenn nun die Retourkutsche kommt.

    Der Rest deines Kommentars spricht für sich. Antipathie so klar zum Ausdruck gebracht, dass man nicht mehr viel Sachliches dazu schreiben muss.

  17. Egal, wie man über die eine oder andere Seite denkt: Der Deal ist ein Win-Win für beide. Kaepernick hätte sich schwer getan, eine Collusion vor einem Gericht zu beweisen, während die NFL sich für einen bezahlbaren Preis (60M ist ein Klacks im Vergleich zu den möglichen Schäden in einem offenen Gerichtsstreit) aus der Situation herauskaufen kann ohne dass schmutzige Details (die es zweifelsohne unter dem privaten Schriftverkehr gegeben haben muss) ans Tageslicht kommt.

    Kaepernick erhält vernünftige Entschädigung, die NFL hat das Thema damit ohne weiteres mediales Fiasko begraben.

    Was man über die beiden Parteien und zum Thema Sports & Politics denkt, steht natürlich auf einem anderen Blatt Papier…

  18. Ich empfinde es als scheußlich Kaep hier irgendwas vorzuwerfen. Selbst wenn er die Kampagne ab einem bestimmten Punkt für eine Inszenierung genutzt haben sollte, war er es immer noch der ins Risiko gegangen ist und den Munde aufgemacht hat. Wenn Sportler und Idole nicht den Mund aufmachen dürfen oder sollen, dann frage ich mich ernsthaft wer in unserer Gesellschaft denn die Strahlkraft hätte einen Stein ins rollen zu bringen? Die Aussage Sport ist keine Politik kann nur von Menschen stammen, die den status quo tolerieren und nicht wollen, dass ihr Produkt für Kontroversen sorgt. Umso mehr würde ich mir beispielsweise in Deutschland noch klarere Abgrenzung von Sportlern gegenüber einer AFD wünschen. Es darf ruhig tiefgreifender gehen als die quartalsweise Abgrenzung des DFB gegen Rassismus in Form von T-Shirts beim Einlaufen vor einem Bundesligaspiel.

  19. Ich mache keinen Hehl daraus, dass mir Kaepernick unsympathisch ist. Dennoch unterstütze ich die Debatte um soziale Ungerechtigkeit voll und ganz. Zwei Positionen, die sich nicht ausschließen.
    Wer gerne wissen will, wieso mir Kaepernick zuwider ist, kann sich gerne tiefergehend über ihn und seine Person informieren. Vielleicht kommt man dann zum selben Schluss, vielleicht auch nicht.

  20. ich gebe zu das ich ihn vor seinem Protest besser fand als danach, ich würde nicht sagen das er mir seit den Protesten unsympathisch ist,aber seit dem er kein Football spielt ist er mehr zu einem politischem Werkzeug geworden als zu einem tollen Sportler.

  21. Helft mir mal auf die Sprünge: Was ist an Kaepernick so schlimm? Also, der Person…

    Ich bevorzuge generell, wenn Sportler das Rampenlicht nutzen. Ich würde das auch tun, wenn es für eine Meinung ist, die ich nicht teile. Bei vielen geht das Recht auf Meinungsfreiheit nämlich auch nur solange i.O. solange es sie mit der eigenen übereinstimmt.

  22. Keine Reaktion mehr?

    Dann ist es wohl bei Kaepernick nicht so schlimm und ich kann JoffreyGs Kommentare nicht mehr für voll nehmen.

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