Die Quarterbacks vor der Combine 2019

Dem Vernehmen nach gibt es im Draft 2019 keinen „can’t miss prospect“ auf Quarterback, dafür ist das Feld spannend, weil es so offen ist. Grob umrissen sehen es die Auguren momentan in etwa so:

  • Tier 1: Dwayne Haskins, Kyler Murray
  • Tier 2: Drew Lock
  • Tier 3: Brett Rypien, Will Grier, Daniel Jones
  • Tier 4: Jarrett Stidham, Tyree Jackson, Ryan Finley, Gardner Minshew, Easton Stick, Jordan Ta’amu, Clayton Thorson
  • Keine Chance: Trace McSorley, Jake Browning, Nick Fitzgerald

Keiner der QBs soll echtes „1st Overall Pick“ Kaliber sein. Haskins (Ohio State) gilt noch als sicherste Tüte. Er sieht aus wie ein echter NFL-QB, er hat die schwierigen Würfe alle drauf, ist technisch sauber. Aber sein Tape weist bei dann doch etwas viele Probleme gegen Passrush auf, als dass man an einen echten All-Pro Kandidaten glauben mag.


Der Mann mit dem größten Potenzial ist der Heisman-Trophy Gewinner Kyler Murray. Murray entschied sich vor ein paar Wochen endgültig dazu, seine Ambitionen auf eine Baseball-Karriere aufzugeben und beim Football zu bleiben. Murray ist ein fantastischer Scrambler und ein spektakulärer Werfer. Die Fragezeichen bei ihm konzentrieren sich auf seine Statur: Mit (angenommenen) 1,77m ist er etwas derb klein für die NFL.

Nun ist der NFL-Draft voll von fatalen Fehlentscheidungen, weil Quarterbacks vor allem deswegen hoch gedraftet wurden, weil sie wie einer aussahen (Blake Bortles, Josh Allen, Brock Osweiler, Paxton Lynch und Co.) obwohl sie nicht wie einer spielten, während es in den Beispielen Brees oder Wilson durchaus exzellente QB-Zwerge gibt. Vieles an der Diskussion um Murray scheint sich also am Thema „Vorurteile“ bezüglich der Körpermaße zu verhangeln…

außer, dass selbst der von mir ultimativ respektierte @AllbrightNFL in Murrays sehr schmalem Körperbau einen potenziellen Karriere-Killer sieht. Allbright argumentiert so: Die Größe wäre nicht das – no pun intended – größte Problem, aber Murray ist auch noch so schmal, dass er als 80kg-Wicht in der NFL spätestens beim dritten Hit unter die Räder kommt.

Für Murray ist die Combine neben den Abmessungen der Körpermaße vor allem bei den Vorstellungsgesprächen wichtig, nachdem er vor ein paar Wochen noch völlig überfordert und hilflos wirkte, als man ihn nach seinen NFL/Baseball-Ambitionen befragte.

Bei beiden wird die Combine für Zuschauer eher mäßig interessant sein. Die Interviews sind hinter verschlossenen Türen und Haskins kann keine Würfe gegen QB-Pressure simulieren. Aber interessant: Haskins und Murray sind beide schwarz. Wie bereit ist die NFL für zwei schwarze Top-Prospects auf QB?


Lock gilt als dritter möglicher 1st-Rounder. Er hat seinen fetten Wurfarm und galt im Sommer als Top-Pick Kandidat, nachdem er 2017 über 40 Touchdowns für Mizzou geworfen hatte. Doch seine 2018-er Saison erwies sich insbesondere im September und Oktober als harzig, ehe er in den letzten Wochen wieder zu sich zu finden schien. Lock gilt nicht als präzisester Werfer unter der Sonne und seine Fußarbeit soll schlampig sein.

Lange Zeit galt Daniel Jones als die #4 im Bunde, doch in den letzten Wochen soll sich der völlig blasse Jones von Brett Rypien (Boise State) überholen lassen haben. Rypien gilt als 4-year Starter mit viel College-Erfahrung, einem sehr umfangreichen Verständnis für Pre-Snap Reads und fehlerarme Post-Snap Execution als Geheimtipp für ein Team, das in 2-3 Jahren seinen Stamm-QB billig ersetzen möchte. Jones ist mehr „meh“, soll aber in einem System wie Jon Grudens West-Coast Offense brauchbar sein.

Den noch vor einigen Wochen als möglichen Top-Pick gehandelten Grier bezeichnet @AllbrightNFL als „Case Keenum 2.0“. Grier ist eher klein gewachsen, verfügt aber über ein Selbstvertrauen, dass du an so einer breiten Schulter kaum vorbeisehen kannst.

Minshew ist ein QB, der nur dink&dunk kann, nur tief geht, wenn der Receiver meterweit offen ist, aber auf Intermediate-Distanzen jeden Ball ungestümt rausfeuert. Ta’amu von Ole Miss ist eine Gazelle mit Beinen, dass du mit einer Hand den Umfang messen kannst. College-Granden wie McSorley oder Browning sollen kaum Chancen auf einen NFL-Roster Spot haben.

5 Kommentare zu “Die Quarterbacks vor der Combine 2019

  1. Ta’amu von Ole Miss ist eine Gazelle mit Beinen, dass du mit einer Hand den Umfang messen kannst. College-Granden wie……?????

  2. Brett Rypien mit bekanntem NFL Namen. Ich habe es daher „gewikipediad“, er ist der Neffe von QB Mark Rypien, welcher den Superbowl XXVI mit den Redskins und auch den SB MVP gewann. Mark Rypien (Kanadier) war auch der erste Nichtamerikaner der den SB MVP gewann. Über Mark Rypien liest man:
    Rypien was best known for his phenomenal accuracy as a deep passer.

    Na dann gucken wir mal, ob der Neffe auch diese „Footballgene“ hat.
    Dies nur so als Randnotiz. Ich habe seinen Onkel in den 90ern am TV (AFN) noch spielen sehen. Er kam dann auch kurz zu meinen Browns.

  3. @Alexander: Danke für die Info. Wikipedia wäre sonst auch mein nächster Klick gewesen. 🙂

    Was Kyler Murray angeht: Joe Montana wog zu seiner aktiven Zeit auch „nur“ 93 kg. Bei 1,88m. Also auch ein lustiger BMI. Hat trotzdem QB spielen können gegen Reggie White und Lawrence Taylor.

    Das Interview ist allerdings schockierend. Wenn man keine Infos rausgeben will, muss man sich vorher eine Strategie überlegen. Wenn Kylers Strategieverständnis in der Spielvorbereitung die gleiche ist, dann gute Nacht.

  4. Pingback: Wide Receiver und Tight Ends in der Combine 2019 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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