Das Argument gegen den 1st-Round Pick der Minnesota Vikings

Dicke Draftklasse der Minnesota Vikings mit insgesamt 12 Picks, doch die meisten davon, nämlich sieben, kamen entweder in der 6ten oder 7ten Runde – also erst dann, wenn es im Prinzip nur noch ein reines Stochern im Dunkeln ist.

Das allein – also so viel Kraft in die 6te oder 7te Runde zu legen – ist eine merkwürdige Strategie, deren Sinn sich mir nicht ganz erschließt. Doch dieser Eintrag beschränkt sich eher auf den 1st Rounder von GM Rick Spielman.

Dieser Pick, die #18 der 1ten Runde, sah C Garret Bradburry nach Minnesota gehen. Es ist eine Wahl, der die Community in zwei Lager spaltet.

Die einen sagen: Ein Center – cool! Passt wie Arsch auf Eimer in die Zone-Blocking Offense, die Minnesota spielen will.

Die anderen hingegen sagen: Ein Center in der 1ten Runde – Verschwendung! Die wertvollste Position in der Offensive Line ist Tackle, die sollten stets als erste gezogen werden.

Kontern die einen: Du darfst einen Center niemals unterschätzen, wenn du eine Zone-Offense ins Laufen bringen willst.

Die anderen: Selbst die besten Center in der NFL verdienen weniger als ein durchschnittlicher Tackle. Schon allein mit Blick auf Positional-Value musst du schauen, die teuren Positionen zuerst zu draften um dort nicht auf Free-Agent Verpflichtungen angewiesen zu sein.

Darauf die einen: Aber Minnesota hat mit Reiff/O‘Neill schon zwei halbwegs brauchbare Tackles, während auf Center nur der desaströse Eflein war.

Und die anderen: Erstens ist RT O’Neill allein eine Sollbruchstelle und zweitens hätte man mit einem neuen Tackle Reiff nach innen auf Guard ziehen können und somit gleich zwei Positions-Upgrades verschaffen können.

Die einen: Aber nicht fürs Laufspiel…

Die anderen, Augen rollend: … Laufspiel…

Man kann das Argument weiterführen. Punkt ist: Minnesota befindet sich in einer kritischen Phase, weil man in QB Kirk Cousins einen zu durchschnittlichen Quarterback (letzte zwei Jahre: nach NY/A und EPA/Pass fast exakt NFL-Schnitt) zu teuer eingekauft hat – und jener Cousins hinter einer zu schwachen Offense Line die Offense nicht in Gang bekam.

Zu allem Überfluss wurde auch noch OffCoord DeFilippo mitten in der Saison gefeuert, weil der zu stark auf Passspiel gesetzt hatte – das nichtbeachtend, dass Minnesotas Laufspiel ein totales Desaster war! DeFilippos Nachfolger ist mit OffCoord Stefanski ein Ja-Sager, der Headcoach Mike Zimmer in seiner Linie („Pound the football to make Dan Dierdorf proud“) widerstandslos unterstützen wird.

Doch auf der anderen Seite gab Minnesota beiden seiner Superstar-Wideouts Diggs / Thielen fette Vertragverlängerungen. Die Indizienlage spricht dafür, dass solche exzellenten Wide Receiver wichtiger für den Erfolg der Offense sind als eine hochwertige Offensive Line. Sie sind vor allem deshalb so wichtig, weil sie monstermäßigen Wert im Passspiel haben – und Passspiel ist der Treiber der Offense, auch in Minnesota, das wie kaum eine andere Offense in den letzten Jahren Offensiv-Effizienz durch Laufspiel verlor:

  • 2016: +0.10 EPA/Pass, -0.22 EPA/Run = Delta: -0.32 EPA/Run Play
  • 2017: +0.14 EPA/Pass, -0.08 EPA/Run = Delta: -0.22 EPA/Run Play
  • 2018: -0.01 EPA/Pass, -0.14 EPA/Run = Delta: -0.13 EPA/Run Play

Dass die Offense Line ein Problem seit Jahren ist, sieht jeder. Doch mit dem Bradburry-Pick öffnet sich umso mehr die Frage, was die Vikings mit ihrer Offense eigentlich erreichen wollen: Wollen sie mehr laufen? In diesem Fall missachten sie alle analytischen Erkenntnisse – aber vor allem: Warum gab man dann beiden Top-Wide Receivern fette Verträge?

Minnesota kann sich gerade mit einem der ungünstigsten Quarterback-Verträge der NFL (ca. 28 Mio/Jahr für den mittelmäßigen Cousins) und zwei teuren WRs (plus der halben Defense, die vor Vertragsverlängerungen steht) kaum leisten, auch noch Offensive Tackles überteuert vom Markt einzukaufen. Schon allein deshalb wäre es sinnvoller gewesen, die wertvollere OL-Position zu draften (eben Tackle).

Oder – Fans werden stuff davon sein: Cornerback. Es ist nach Ausstellung zahlreicher fetter Gehaltsschecks fast ausgeschlossen, dass die Vikes CB Rhodes halten können. Warum also nicht erneut Cornerback draften, wenn klar ist, dass man in einem Jahr wohl den wichtigsten Deckungsspieler verlieren wird?

Das Gegenargument dazu wäre: GM Spielman hat den Kader in den letzten Jahren nahezu ideal zusammengebaut um auch ohne Star-QB einen ernsthaften Superbowl-Run anzustreben. Es wäre auch fast gutgegangen. Doch zu schlechte Offensive Line hat ihn immer gehindert, und nun hat er diese Schwachstelle endlich angegangen. Was soll daran zu kritisieren sein?

Allein mit Blick 2019 vielleicht gar nix. Aber der Kern dieser Vikings-Mannschaft ist prinzipiell zu schade um nicht über das Jahr 2019 hinaus zu denken. Und dabei wird immer klarer: Dieses Team ist in Kürze nicht mehr bezahlbar. Gerade in solchen Momenten sollte man Positional-Value umso höher werten. Grundsatz: Drafte eher teure Positionen hoch, damit sparst du am meisten Geld!

Ein Kommentar zu “Das Argument gegen den 1st-Round Pick der Minnesota Vikings

  1. Pingback: Hoffnungsschimmer für die Minnesota Vikings 2019 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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