Sonntagsvorschauer – Woche 8

Guten Morgen. Dank der Zeitumstellung von letzter Nacht und der Tatsache, dass die USA eine Woche später umstellen, kriegen wir alle Partien von heute eine Stunde früher als gewohnt:

  • Die Frühschicht beginnt um 18 Uhr.
  • Die Spätschicht beginnt um 21 Uhr.
  • Das Sunday Night Game wird um 1h20 angepfiffen.

Lass uns kurz auf die einzelnen Matchups vom Abend werfen.

Frühschicht ab 18 Uhr

Chicago Bears (3-3) – Los Angeles Chargers (2-5). Krisengipfel in Chicago. Zwei Teams, die knietief in der Scheiße stecken – Scheiße, die uns nicht völlig unvorbereitet treffen sollte:

  • Bei den Bears beginnt auch bei den letzten Truthern die Einsicht einzusetzen, dass es mit QB Trubisky nicht mehr lange geht. Unter dem Druck der desolaten Offense beginnt nun auch die Defense, zuzüglich zu aller natürlichen Regression zu kollabieren. Und am schlimmsten: Ohne richtige QB-Notlösung ist man kastriert, und der einfache Teil des Schedules ist nun vorbei.
  • Die Chargers sind sowieso Pechvögel, die alles Unglück der Welt anziehen. Zusätzlich zu allen Verletzungen fumbelte man letzte Woche den Sieg in allerletzter Minute an der 1-yds Line weg und ist jetzt mit 2-5 noch weiter weg von Playoff-Range als die Bears.

Atlanta Falcons (1-6) – Seattle Seahawks (5-2)
Buffalo Bills (5-1) – Philadelphia Eagles (3-4)

Zweimal Krise gegen Zweifel. Atlanta ist mit seiner desolaten Defense nicht mehr ernst zu nehmen und geht heute mit Backup-QB Matt Schaub an den Start, während bei den Seahawks nach zahlreichen knappen & glücklichen Siegen letzte Woche offen gelegt wurde was passiert, wenn QB Russell Wilson mal keinen überirdischen Tag erlebt.

Die Eagles sind mit 3-4 Start schön langsam in Panik-Modus, weil sie ihre Abwehrprobleme nicht gebacken bekommen – und ausgerechnet die so kritisierten Cover-1 Formationen von DefCoord Jim Schwartz scheinen nicht das Problem zu sein. Beim heutigen Gegner ist die Stimmung dank vieler Siege brillant, aber Achtung: Das 5-1 bei den Bills steht auf wackeligem Fundament. In meinem Power-Ranking sind sie an #25.

Ihre Defense lässt sich mit geduldigem Underneath-Passing durchaus knacken, und Bills-QB Josh Allen ist einer der ineffizientesten QBs der Saison. Spannenderweise ist Allen einer der präzisesten (!) Werfer auf Routen von 1-19 Yards downfield, gehört aber zu den katastrophalsten bei allen Pässen, die darüber hinaus gehen. Und just dort, auf den ganz tiefen Routen, sind die Eagles am verwundbarsten.

New Orleans Saints (6-1) – Arizona Cardinals (3-3-1). Die wohl attraktivste Ansetzung der Frühschicht. Kyler Murray und das Spread-Running der Cardinals gegen die starke Saints-Defense. Bisher hatten die Cards mit ihren unerfahrenen, eher unterklassigen Spielern große Probleme gegen solche athletischen und physischen Defenses.

Doch der wichtigste Faktor in dieser Partie ist natürlich Drew Brees. Einigen Berichten zur Folge soll er heute zurückkehren, aber Headcoach Payton drückte sich bis gestern derart um eine eindeutige Antwort in der Frage „Teddy oder Brees“, dass dann doch Restzweifel ob seiner Einsatzfähigkeit bestehen bleiben. Tendenziell kann man von einem Brees-Start ausgehen, und dann sind die Saints auch ohne den heute inaktiven RB Alvin Kamara haushoher Favorit.

Detroit Lions (2-3-1) – New York Giants (2-5). Lions nach drei Pleiten en suite gegen hochklassige Gegner nun wieder mit einem Graupen-Gegner. Weder leistet die Giants-Defense viel Gegenwehr, noch strahlt Giants-Rookie QB Daniel Jones aktuell irgendwelche Gefahr aus. Zusatz-Plus: Lions-RB Kerryon Johnson fällt mit Verletzung aus – weniger Zwang, den völlig ineffizienten Run etablieren zu müssen…

…Lions-Passspiel: 0.23 EPA/Pass (#7 in der NFL)
…Lions-Laufspiel: -0.21 EPA/Run (#27 in der NFL)

Tennessee Titans (3-4) – Tampa Bay Buccaneers (2-4). Vor vier Jahren gab es diese Partie zum letzten Mal. Damals trafen in Woche 1 die beiden Top-Picks des Drafts 2015 aufeinander:

#1 Jameis Winston / Buccs
#2 Marcus Mariota / Ducks Titans

Mariota eröffnete seine NFL-Karriere mit einer makellosen 4-TD, null INT Performance, während Winston schon im ersten Spiel seiner Karriere das Gunslingertum zeigte, das ihn seither definiert. Über Jahre schien Mariota den besseren Ruf auf (und auch abseits) des Feldes zu haben, aber ich habe seit Jahren darauf hingewiesen, dass Winston der deutlich effizientere QB mit mehr Upside ist.

Jetzt sitzt Mariota auf der Bank, abgelöst von einem weiteren Top-10 QB Bust: Ryan Tannehill. Unter ihm soll die leblose Titans-Pass Offense einen Schub bekommen – doch gegen die Buccs-Secondary könnteste auch einen third stringer aufstellen und er sollte 300 Yards und 2 TD auflegen.

Winston dagegen entpuppt sich auch immer stärker als „nicht die Rundum-Sorglos Lösung“. Er deutet immer wieder Potenzial an, aber nicht genug um seine zu häufig eingestreuten Idiotien zu kompensieren. Ich gebe zu: Von Winston hatte ich mir für diese Saison mehr erwartet. Doch die ganze Buccs-Passing Offense ist merkwürdig an den Talenten einiger Playmaker vorbeidesignt (hallo, TE O.J. Howard!).

Los Angeles Rams (4-3) – Cincinnati Bengals (0-7). Sean McVay gegen seinen ehemaligen QB-Coach Zac Taylor. Soll man das Straucheln von Jared Goff ohne Taylor (aber nach wie vor mit McVay) interpretieren als „McVay ohne Taylor nix wert“? Aber warum sind die Bengals dann hoffnungslos 0-7?

Jacksonville Jaguars (3-4) – New York Jets (1-6)
Indianapolis Colts (4-2) – Denver Broncos (2-5).

Und die vier spielen auch noch. In Denver hat der Schlussverkauf begonnen: WR Sanders ist schon weg, CB Chris Harris könnte noch folgen. Bei den Jets wird nach dem debakulösen Auftritt am Montag gegen New England schon das Hausreinemachen zum Ende der Saison vorbereitet. Bei den Jaguars könnte man mit einer weitere okayen Performance von QB Gardner Minshew gegen eine suspekte Jets-Defense mehr und mehr verlockt sein, dann doch den teuren QB Nick Foles zu verkaufen.

Und Indianapolis? Spielt auch noch mit. Die Colts stauben gerade total viel Lob ab, Stichwort „jammern nicht und machen immer weiter und werden jetzt mit 4-2 Bilanz dafür belohnt“. So wirklich überzeugend ist das ja alles noch nicht, aber QB Jacoby Brissett schießt wenige Bolzen, was in der NFL 2019 reicht um mit 0.24 EPA/Pass die #4 Passing-Offense der NFL anzuführen.

Spätschicht

21h05: San Francisco 49ers (6-0) – Carolina Panthers (4-2). 49ers gegen Panthers ist ein verkapptes Spitzenspiel zwischen zwei recht kompletten Mannschaften, die beide ein Fragezeichen auf QB durchschleifen.

Bei den Niners ist es Jimmy Garroppolo, der bis jetzt nicht viel gezeigt hat… oder nicht viel zeigen musste? Bei Carolina ist es Kyle Allen, der Jungspund, den alle so loben, aber der auch nicht viel mehr als ein Game-Manager ist. Es mehren sich die Stimmen, dass man Allen nach seiner 4-0 Siegesserie jetzt unmöglich auswechseln könne… Das alte QBWINZ Argument.

Quarterbacks sind wichtig, aber Football ist dann doch Team-Sport. Sonst wären diese beiden Teams nicht 6-0 bzw. 4-2.


21h25: New England Patriots (7-0) – Cleveland Browns (2-4). Das höchstens nominelle Spitzenspiel. Die Patriots walzen derzeit mit ihrer Defense alles Gegnerische nieder – jetzt kommt eine der bis dato enttäuschendsten Passing-Offenses der Saison: QB Baker Mayfield und seine „Armada“. Wird Belichick hier den nächsten QB-Grünschnabel zerlegen?

Wo letzte Woche Sam Darnold für sein Eingeständnis, Geister in der Patriots-Defense zu sehen, wie die splitterfasernackte Sau durchs Dorf getrieben wurde, muss man selbst als Mayfield-Truther zugeben: Mayfield geht es gleich. Er gibt es nur nicht zu. Und er hat gegen diese fassungslosen Pats noch gar nicht gespielt.

Auf der anderen Seite: Eine derart talentierte Aneinanderreihung von Offensiv-Talenten wie die Browns-Offense mit Mayfield, WRs Landry/Beckham, TE Njoku und RB Chubb hat New England heuer noch nicht gesehen. Es mag sein, dass das Gesamtkonstrukt in Cleveland in den ersten Wochen überhaupt nicht funktioniert hat – doch man hatte nun zwei Wochen Zeit um die ärgsten Probleme zu fixen.

Ich gebe zu, ich hoffe darauf, dass die Browns-Offense zu sich findet und dass sie etwas eingehender testen kann, ob die unheimliche Dominanz der Pats-Secondary gegen tiefes Passspiel vor allem ihrer eigenen Qualität oder den bislang suspekten Offenses zuzuschreiben ist. Denn schafft sie es nicht, droht der nächste Blowout – selbst ohne Patriots-WR Josh Gordon, der in Kürze entlassen wird.


21h25: Houston Texans (4-3) – Oakland Raiders (3-3). Eine Partie, die bei genauem Hinsehen nach einer recht offensivgewaltigen Geschichte klingt, denn beide Teams haben suspekte Defenses mit völlig instabilen Secondaries – und beide haben starke, in Lauf und pass starke Offenses. Nach EPA/Play sehen wir folgendes:

  • HOU Offense: 0.25 EPA/Pass (#3), 0.07 EPA/Run (#2)
  • OAK Offense: 0.19 EPA/Pass (#12), 0.02 EPA/Run (#7)

Über die Adjustments der Texans-Offense in den letzten Wochen hatte ich bereits geschrieben: Mehr kurzes Passspiel und dank LT Tunsil auch bessere Blindside-Protection, QB Watson hält weit weniger lang den Ball, was der Pass-Protection zusätzlich hilft. Ein paar unstrukturierte Gedanken und Fakten dazu:

  • Watson hat heuer nur noch 2.76 Sekunden time to throw im Schnitt. Das ist im Liga-Mittelfeld. Letzes Jahr hatte er mehr als 3 Sekunden.
  • Die O-Line ist im Pass-Blocking von PFF als #6 Unit des Jahres gegradet. Letztes Jahr lief sie dort als #19 raus. Nach ESPNs Pass-Blocking Win-Rate ist sie die #7. Letztes Jahr war sie dort die #16.
  • Das ergibt in Kombination 0.24 EPA/Dropback im Passspiel, #5 der NFL. Im Laufspiel ist man mit 0.06 EPA/Run sogar die #2, obwohl die Coaches in Houston weiterhin eines der lauflastigsten Teams in 1st Downs sind.

Spannend ist auch die so oft verspottete Raiders-Offense, die trotz des fumble-anfälligen QB Derek Carr eine der effizientesten Offensivmaschinen nach EPA/Dropback ist: 0.19 EPA/Pass, #12 der NFL. TE Waller gilt als einer der herausragenden Faktoren, die vor der Saison noch kein Schwein kannte.

Nachtschicht ab 1h20

Kansas City Chiefs (5-2) – Green Bay Packers (6-1). Was hätte Mahomes vs. Aaron Rodgers sein können, riskiert mit dem Chiefs-Backup QB Matt Moore eine recht einseitige Partie zu werden, denn a) die Chiefs haben keine wirklich stabile Defense und b) Rodgers hatte letzte Woche nach langen Jahren erstmals wieder eine Partie, in der seine Offense aus allen Rohren feuerte.

War diese Rodgers-Explosion die Fortsetzung eines Trends, der schon in den 1-2 Wochen zuvor begann? Geht das gegen die namenlose Chiefs-Secondary so weiter? Wenn diese beiden Fragen mit „ja“ beantwortet werden, steht außer Frage, dass Green Bay hier seinen siebten Sieg feiern wird, denn Moore wird bei allem Respekt und bei allem Andy-Reid Scheming nicht viel entgegensetzen.

9 Kommentare zu “Sonntagsvorschauer – Woche 8

  1. Bei den Saints konnte man unter der Woche sehen wie groß der Einfluss von Brees ist. Er sagte wörtlich: „Ich sage Payton wenn ich so weit bin und er wird mir vertrauen“. Brees wählt seine Worte immer genau, also kann man davon ausgehen, dass es stimmt.
    Ich finde, dass allerdings bedenklich, da gerade ein manischer Typ wie Brees um jeden Preis wieder aufs Feld will – es nüchtern betrachtet aber langfristig besser wäre in max. als Backup für Teddy im Spiel gegen die Cardinals zu bringen. Was wenn er sich beim Fallen (Sack) mit der verletzten Hand abstützt? 2 Wochen (nächste Woche bye) sollte er sich unbedingt noch schonen.

    Bei der Entwicklung der Saints Defense ist es wirklich erstaunlich wie extrem diszipliniert alle (außerhalb der Garbage-Time) agieren. Sie bringen meist nur 3-4 Blitzer, haben eigentlich durch Verletzungen unterdurchschnittliche Linebacker insbesondere im Coverage und trotzdem klappt die Mischung aus Man und Zone Coverage meist sehr gut. Bei mobilen QBs gehen die Ends in oft gar nicht auf Sacks sondern nur auf Containment. Davenport covert ab und an mal nen FB oder TE und hat ganz nebenbei noch die 4 meisten QB Pressures der Liga.
    Sie wirken alle fast immer sehr geduldig und finden meist die richtigen Lösungen. Denis Allen macht diese Jahr echt einen famosen Job.

  2. NFL 18:00 Sonntag gehört zu den besten Spieltagen aus Europa Sicht 🙂
    Leider heute keine richtig hochklassigen Matchups in der ersten Schicht. Bills – Eagles ist noch das beste und aus Offense Sicht vielleicht Saints v. Cards. Vielleicht wirklich mal ein Fall für den RZ Channel…

  3. Die Bills schlagen das Power Ranking jetzt seit 2,5 Jahren. Worauf würdest du das zurückführen? Eher Glück oder exzellentes Coaching?

    Ich persönlich finde es ziemlich beeindruckend was Sean McDermott in Buffalo abliefert. Er hat bislang eigentlich jedes Jahr die Erwartungen schlagen können, krigt aber halt in Amerika in den Medien gefühlt keiner mit.

  4. @Dansk51: Ja, das ist mir auch aufgefallen. Ich finde den Coaching-Job von McDermott tatsächlich nicht so schlecht, gemessen am verfügbaren Talent.

    Mein Problem mit den Bills ist in der Tat, dass sie die eine fette Draftklasse mit den vielen Picks (2018) im Prinzip in Teilen dafür verschwendet haben, den falschen Quarterback zu draften.

    Man hat wohl gehofft, dass Josh Allen das Potenziel der Bills hebt, weil sein „Ceiling“ als so hoch beschrieben wurde. In der Tat deckelt Allen aber wie von fast allen erwartet das Potenzial, weil er in der NFL eben doch plötzlich begonnen hat zu lernen, wie man eine Defense liest.

    Da nutzt dann auch der ganze hervorragende Coaching-Job nix, wenn es der Quarterback nicht auf die Reihe bekommt.

  5. würde teddy starten statt brees bei so einem lauf wäre der Rhythmus einfach wichtig so weiter zu machen.

  6. Teddy hatte in den 5 Spielen (ohne das Rams-Spiel) insgesamt 6.6 NY/A und 0.18 EPA/Pass.

    Das sind sehr gute, überdurchschnittliche Werte.

    Aber Brees war in den letzten Jahren stets besser. Letztes Jahr weit über 7.0 NY/A und fast 0.30 EPA/Pass.

  7. brees startet na ja dann hoffe ich für ihn das die Verletzung ausgeheilt ist,hätte brees erst nach der by week gegen die falcons starten lassen.

  8. Pingback: NFL 2019 – Week 8: Spätschicht live | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  9. Pingback: Establish the Review: NFL 2019/20, Woche 8 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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