Samstagsvorschauer – College Football Championship Weekend 2019

Heute werden die letzten Conference-Champions im College Football ausgespielt. Eine Vorschau darauf – und nein, ich muss das Pac-12 Finalergebnis von letzter Nacht spoilern. Wer die Highlights ohne Vorwissen sehen will: Bitte, hier entlang nach Youtube.

Dezember-Nervosität hat eingesetzt, daher habe ich nicht viel Zeit. Lass uns also kurz durch die Matchups am heutigen Tag gehen. Wir haben folgende Endspiele in der Verlosung…

Power-Conferences

  • Big 12: #6 Oklahoma – #7 Baylor (Sa 18h)
  • SEC: #2 LSU – #4 Georgia (Sa 22h)
  • ACC: #3 Clemson – Virginia (Sa 01h30)
  • Big Ten: #1 Ohio State – #8 Wisconsin (Sa/So 02h)

Mid Majors

  • Sun Belt: Louisiana – #21 Appalachian State (Sa 18h)
  • MAC: Miami/Ohio – Central Michigan (Sa 18h)
  • C-USA: UAB – FAU (Sa 19h30)
  • The American: #17 Memphis – #20 Cincinnati (Sa 21h30)
  • MWC: #19 Boise State – Hawaii (Sa 22h)

Playoff-Implikationen habe ich schon am Mittwoch erklärt. Verglichen mit der von mir präsentierten Meinung scheint es in den USA weniger Konsens darüber zu geben, wie LSU bei einer Finalniederlage heute zu ranken sei. Durchaus einige auch von mir respektierte Experten sähen in so einem Fall ein 12-1 Oklahoma mit Conference-Titel über LSU.

Und damit zum angekündigten Spoiler PAC-12 FINALE: Oregon gewinnt also locker 37-15 gegen ein enttäuschendes Utah, das damit aus allen Playoffträumen gerissen ist. Wir müssen die Konstellationen für heute also dahingehend updaten, dass der Sieger aus Oklahoma vs. Baylor bei einer Niederlage von Georgia gegen LSU wohl im Playoff ist.

Das Bild ist damit relativ simpel:

#1 Ohio State ist drin mit Sieg und wohl auch mit Niederlage.
#2 LSU ist drin mit Sieg und wohl auch mit Niederlage.
#3 Clemson ist drin mit Sieg und wohl auch mit Niederlage
#4 Georgia ist mit Sieg drin, mit Niederlage draußen.
#5 Utah ist draußen.
#6 Oklahoma und #7 Baylor sind mit Sieg nur dann drin, wenn Georgia verliert.
Ab #8 Wisconsin gibt es wohl nur noch wenig Hoffnung auf Playoffs, selbst bei Sieg über Ohio State.

Lass uns also kurz auf die Power-5 Finals eingehen.

BIG 12: #6 Oklahoma Sooners (11-1) – #7 Baylor Bears (11-1)

Es ist eine Partie, die es schon vor ca. einem Monat gegeben hat. Damals setzte sich Oklahoma nach einem furiosen Comeback nach 28-3 Rückstand (ein offenbar gefährliches Zwischenergebnis…) noch knapp mit 34-31 durch – überlebenswichtig für die Sooners um heute überhaupt noch eine Playoff-Chance zu haben.

Für Baylor war es die einzige Niederlage der Saison, was angesichts der Achterbahn-Geschichte, die dieses Footballprogramm in den letzten Jahren durchlaufen hat, schon als Sensation durchgehen muss. Doch Head Coach Matt Rhule hat recht kurz nach den Skandalen, die Vorgänger Art Briles seinen Job gekostet hatten, offensichtlich innerhalb kürzester Zeit einen Weg gefunden, die Uni wieder attraktiv zu machen.

Rhule weckte in der letzten Offseason sogar schon Begehrlichkeiten aus der NFL. Ich gebe zu, ich konnte sie damals nur begrenzt nachvollziehen. Aber wenn man sich Rhule bei seinem Kurzreferat zum Thema Coaching & Culture gibt, dann muss man konstatieren: Coole Socke. Könnte ich mir leben.

Oklahoma kommt im Vergleich zu den letzten zwei Jahren in der landläufigen Meinung heuer eher mäßig gut weg, was überrascht, denn die Sooners haben nach SP+ mal wieder die #1 Offense im Lande. Zwar ist Lincoln Rileys Angriff mit QB Jalen Hurts um ein paar Optionen ärmer als noch letztes Jahr mit Kyler Murray, doch Hurts ist als Runner fantastisch und er hat einen sensationellen WR CeeDee Lamb – und zur Vervollständigung ein atemberaubend gutes Laufspiel.

Bei einer so potenten Offense reicht den Sooners eine relativ durchschnittliche Defense – #41 im Lande – um in diesem Big-12 Finale mit 6.5 Punkten favorisiert zu sein.

Ich gebe zu, diese „nur“ 6.5 Punkte haben mich überrascht. Doch Baylor ist in SP+ immerhin schon das 14t-beste Team des Landes. Die Bears spielen eine gemessen an Big-12 Verhältnissen hervorragende Defense und leben in der Offense vom hervorragenden QB-Alleinunterhalter Charlie Brewer.

Im „Hinspiel“ hatte Oklahoma eine Halbzeit lang Probleme, Brewer als Runner kaltzustellen. Doch diese Aufgabe einmal umgesetzt, war die Partie im Prinzip eine Einbahnstraße. Ich erwarte also auch diesmal einen recht deutlichen Oklahoma-Sieg.

SEC: #2 LSU Tigers – #4 Georgia Bulldogs

Die mutmaßlich knappste Kiste am heutigen Abend. LSU spielt getriggert von einer unglaublichen Offense eine furiose Saison, Georgia ist relativ still zu einem 11-1 Record gecruist und hat heute den Chance, sich aus eigener Kraft für die Playoffs zu qualifizieren. LSU ist dabei favorisiert, aber not by much. Sehen wir uns das Kräfteverhältnis nach SP+ an:

  • LSU: #3 Overall, #2 Offense, #22 Defense
  • Georgia: #5 Overall, #29 Offense, #1 Defense

Special Teams ist bei beiden Mannschaften in den Top-10. Wir sehen: LSU-Offense gegen Georgia-Defense ist ein Duell Stärke gegen Stärke, Georgia-Offense gegen LSU-Defense eher ein Duell Schwäche gegen Schwäche. Beides ist überraschend.

Bei LSU ist längst der Durchbruch von QB Joe Burrow längst dokumentiert. Nicht bloß ist Burrow der Topfavorit auf den Gewinn der Heisman-Trophy – er ist auch seit locker einem Monat der Favorit auf den #1 Draftpick im kommenden April.

Burrow glänzt mit hervorragendem Spielverständnis, fantastisch präzise platzierten Pässen und dem Mut & Selbstverständnis eines echten Top-QBs. Faszinierend, wenn man ihn mit letzter Saison vergleicht, wo er lange Zeit die Autorität eines Mauerblümchens versprühte.

Burrow ist am gefährlichsten dann, wenn er tief geht – sein WR-Trio aus J’Marr Chase, Justin Jefferson und Terrace Marshall ist brandgefährlich unterstützend. Georgias Mehltau-Defense versprüht nicht die ganz große Furcht durch brutale Physis oder aggressiven Pass-Rush, ist aber exzellent darin, Big-Plays zu verhindern und hat dank seiner beiden Star-Safetys Reed / LeCounte auch entsprechende Flexibilität um nicht nur bend but don’t break Defense zu spielen, sondern hie und da auch die eine oder andere Pass-Route direkter zu attackieren.

Und sie hat die Flexibilität um mit diesen beiden Safetys auch hervorragende Run-Defense zu spielen ohne die Front Seven Box mit ständig neun Mann zuzustellen. Das ist ein wichtiger Trumpf, denn LSU hat in Clyde Edwards-Helaire ein Kraftpaket von Runningback, das die meisten Hänflinge in den bisher gespielten College-Defenses nicht 1-vs-1 tackeln konnten.

Wenn wir uns die bisherigen Defense-Strategien gegen LSU anschauen, muss man konstatieren, dass Auburn am besten gewesen zu sein scheint. Auburn war imstande, das Laufspiel mit relativ wenig Mann in der Defensive Line abzuwürgen und konnte damit 6-7 DBs auf das Feld schicken um hinten den Pass zu unterbinden. Damit machte LSU „nur“ 23 Punkte. Georgia hat ein etwas anderes Defense-Personal (weil keinen Derrick Brown auf DT), aber mit dem Safety-Pärchen ähnliche Vielseitigkeit.

Die andere Seite des Matchups ist zwar ähnlich hochklassig besetzt, was die Namen angeht, aber weniger stark am Stats-Sheet. Vor allem die LSU-Defense ist heuer eine glatte Enttäuschung: Mit DefCoord Dave Aranda sowie NFL-Prospects á la FS Delpit, CB Fulton oder dem individuell hervorragenden Freshman-CB Stingley hat man großartige Talente. Dafür kassierte man zu häufig 30, 40 oder mehr Punkte.

Georgia auf der anderen Seite kann nur eins: Laufen. QB Jake Fromm hat sich von seinem Game-Manager Status nie weiterentwickelt und zeigt auch nie mehr die Eier, enge Coverages anzuwerfen. Das lädt Druck auf das Running. Die Offense Line ist hervorragend, aber RB Swift ist heute angeschlagen. Wenn die Schmerztabletten bei Swift über die vollen drei Stunden plus eventuell Overtime reichen, kann Georgias Offense vermutlich eher lange gegenhalten. Doch Fromm wird den einen oder anderen kritischen Pass anbringen müssen, sonst ist die Partie wahrscheinlich gegessen.

Also: Georgia kann keinen Shootout mitgehen. Georgia kann im Optimalfall superstark laufen und ein paar 3rd-Downs per Pass verwerten. Und Georgia kann mit seiner Defense LSU zumindest zu geduldiger Offense zwingen um mal zu schauen ob dann was geht. Es muss also einiges zusammenkommen, wenn Georgia den Upset schaffen will – aber es ist durchaus möglich und auch ohne unrealistische Erwartungen schüren zu wollen möglich.

ACC: #3 Clemson Tigers – Virginia Cavaliers

Die Ausgangslage vor dieser Partie ist klar: Clemson ist mit 28 Punkten favorisiert. Viel mehr geht nicht. Die Cavs sind eine nette Geschichte, doch sie sind nur das letzte Team in der Reihe an ACC-Coastal Mannschaften, die sich von einem total überlegenen Gegner im ACC-Conference Finale abschlachten lassen müssen.

Clemson hatte zu Saisonbeginn ein paar Probleme, vor allem in der Offense. Doch diese scheinen nun aus dem Weg geräumt: In nur zwei Spielen dieses Jahr gewann man mit weniger als 31 Punkten Differenz (24-10 Dominanz gegen Texas A&M, 21-20 Schrecksekunde gegen UNC), nur dreimal scorte man weniger als 40 Punkte.

Ja, der Schedule war einfach und ja, die Playoff-Konkurrenz hatte wesentlich mehr Prüfungen zu bestehen. Doch ein Markenzeichen von Topteams ist es, inferiore Konkurrenz in Serie zu zerstören, und Clemson hat das gemacht.

QB Trevor Lawrence spielt wieder mit altbekannter Souveränität und ist für PFF der ACC-Spieler des Jahres, und er hat in den beiden Big-Play WRs Ross und Higgins auch zwei großartige Waffen. Auch die Defense ist in fast allen Facetten unter den besten des Landes (#3 nach SP+). Clemson hatte heuer horrende Special-Teams, doch ich denke nicht einmal diese können hier einen klaren Favoritensieg verhindern.

BIG TEN: #1 Ohio State Buckeyes – #8 Wisconsin

Auch diese Partie gab es heuer schon einmal: Im Oktober röstete Ohio State die Badgers mit 38-7. Die Partie war so deutlich wie der Endstand andeutet und weckte Erinnerungen an die berühmte Cardale-Jones Partie 2014 (Ohio State gewann damals das Big-Ten Finale 59-0 gegen Wisconsin, wurde auf Basis dieses Ergebnisses ins Playoff gedrückt und holte anschließend souverän die Landesmeisterschaft).

Was soll man zu dieser Partie sagen, außer dass Ohio State haushoher Favorit gegen das #8 Team im Lande ist?

Vielleicht, dass Wisconsin theoretisch in der Lage sein könnte, mit seiner wuchtigen Offensive Line und RB Jonathan Taylor lange Drives zu spielen, den Spielstand eine Weile lang knapp zu halten und zumindest nicht ganz abgeschlachtet zu werden?

Das ist aber auch alles. Denn dass Wisconsins Vanilla-Defense die Mega-Offense der Buckeyes auf irgendeine Weise eindämmen kann, klingt ausgeschlossen.

Coaches

Benjamin Allbright hat auf Twitter vor einer halben Stunde die News verbreitet, dass Memphis-Coach Mike Norvell der neue Cheftrainer der Florida State Seminoles wird. Mal schauen, wie sich das auf Memphis auswirkt, das ja heute auch in einem Mid-Major Championship-Game spielt.

2 Kommentare zu “Samstagsvorschauer – College Football Championship Weekend 2019

  1. Baylor hat leider verloren…
    LSU schlägt Georgia deutlich
    Burrows der bestimmende Spieler am Feld gegen Georgia, vor allem seine Ball Security ist smart. Er wirft den Ball auch mal weg oder nimmt den Sack wenn nichts da ist anstatt wie Fromm den Ball irgendwohin zu werfen. Scrambeln tut er auch immer mit den Augen downfield. Wegen mir könnte der auch gerne während seiner NFL Karriere in Louisiana bleiben. Aber das wird es wohl nicht spielen.
    Der Speed der LSU Offense würde wohl auch manches NFL Team vor Probleme stellen.

  2. Es war in der Tat eine beeindruckende Vorstellung von LSU und insbesondere die Abgeklärtheit von QB Burrows.
    Mit den Oklahoma Sooner komme ich nicht so recht klar nach diesem Game. Optisch bestimmten sie das Spiel, dennoch mussten sie in die Verlängerung. Mit simplen Würfen konnte sie Baylor ausknocken, was doch Fragen aufwirft, wie sie gegen den Playoff Gegner bestehen wollen, egal auf wen sie treffen.

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