All-32: New York Jets 2020 Preview

Hätteste nicht gewusst, oder? Die New York Jets gewannen 2019 insgesamt 7 Spiele! Bei der miesen Stimmung um diese Franchise hätte auch ich eher auf ein 3-13 getippt.

Freilich: Es war ein sehr wackeliges 7-9. Die Jets gewannen fünf der sechs One-Score Games, waren zur Saisonmitte komplett unter ferner Liefen und hatten am Ende den Pythagorean eines 5-10-1 Teams.

  • Bilanz 2019: 7-9
  • Pythagorean: 5.6 Siege (#25)
  • Close Games: 5-1
  • Offense EPA/Play: -0.15 (#32)
  • Defense EPA/Play: -0.02 (#14)
  • Turnovers: -4
  • Adjusted Games Lost: #32

Entsprechend negativ ist der Public dem massiv umstrittenen Head Coach Adam Gase gegenüber auch eingestellt. Gase scheint bei den Jets-Ownern über besseres Standing zu verfügen als in der Außendarstellung, aber 1) GM Joe Douglas ist abseits des selben Beraters nicht an Gase gebunden und b) schwebt da immer noch das Damoklesschwert des weiteren Stillstandes über den Jets.

Und deshalb könnte 2020 schon die Abschiedstour für Gase sein. Aber auch für eine andere wichtige Figur…

Offense

…und zwar QB Sam Darnold. Der hat das Talent des #3 Overall Pick bis jetzt maximal in Spurenelementen angedeutet. Meistens war Darnold wechselhaft und machte bis jetzt nicht den Eindruck eines angehenden Franchise-QBs. Der Kollege Fabian Sommer hat darüber ausführlicher geschrieben.

Freilich haben die Jets ihm auch nicht unbedingt geholfen:

  1. Kaum Waffen: Weil man so viele Draftpicks in den Trade steckte um ihn zu bekommen und ohne diese Picks hintenrum wieder hereinzuholen, hatte Darnold in den letzten zwei Saisons mit die schwächsten Receiving-Waffen in der NFL. WR Jamison Crowder und RB Leveon Bell waren die einzigen nennenswerten Free-Agents 2019; 2020 gab es auch nur verhaltene Investitionen.
  2. Miese Offense Line: Die Jets-OL war zwar #16 nach PBWR, aber in den PFF-Passblock Metriken zwischen #28 und #30 klassiert.
  3. Coaching: Erst der an Offense desinteressierte Todd Bowles, dann Gase, der längst als Fake entlarvt ist und bei den Jets auch schon mehr gegen die Sägespäne an seinem Stuhl als an der Entwicklung der eigenen Offense arbeitet.

Und dann hatte Darnold Gesundheitsprobleme. Letztes Jahr bekanntlich Pfeifferisches Drüsenfieber – eine bittere, sehr langwierige Krankheit. Darnold musste deswegen wochenlang durch den indisponierten Luke Falk ersetzt werden, ehe er ausgerechnet gegen eine Pats-Defense on fire zurückehrte – und an die Wand gespielt wurde. Dieses „I’m seeing ghosts“ Spiel prägt jetzt das Bild von Darnolds NFL-Karriere, ob fair oder nicht.

Was in dem Spiel schief gelaufen ist und warum es nicht allein auf Darnold zurückzuführen ist, hat übrigens J.T. O’Sullivan in diesem sehr aufschlussreichen Video ausführlich erklärt:

Hoffnungsschimmer?

  • Darnold war #15 nach PFF Clean-Grade und nur gegen Pressure wirklich unterirdisch (freilich sah er hinter der Wackel-Line viel pressure).
  • In Sachen Accuracy-Charting und CPOE war er leicht überdurchschnittlich.

Aber dann kommt wieder das, was alles nicht zusammengeht:

  • Darnold hält relativ lange den Ball: Nur 45% der Pässen kamen in weniger als 2.5 Sekunden raus; kein QB hatte eine so niedrige Quote.
  • Darnold ging so oft wie kein anderer QB auf den zweiten Read in seiner Progression (18% der Fälle).

Mit diesen beiden Eigenheiten lädt ein QB natürlich besonderen Druck auf die Schultern der Offense Line – ganz schlecht, wenn diese Line eh schon personelle Probleme hat! An dieser Stelle wäre IMHO auch Coaching gefragt einzugreifen. Man kann Plays so strukturieren, dass ein QB auch gegen seine Natur die Pässe erfolgreich schneller entsorgt.

Aber Coaching ist so ein Fall bei „2nd & 10 Run“ Gase.

Jetzt haben die Jets zahlreiche Moves gemacht: LT Mekhi Becton (#11 Pick im Draft), C McGovern, RG Van Roten, RT Fant machen gleich vier neue O-Line Starter. Dazu draftete man WR Denzel Mims in Runde 2 und tauschte den einen deep threat Robby Anderson durch einen anderen (Breshad Perriman) aus.

Ob das alles wirklich so viel besser als 2019 ist? Becton ist ein bekannt riskantes Prospect, weil er kaum Pass-Blocking am College gesehen hat, Mims war ein Highlight-Reels par excellence, doch sein Tape kennt Längen, und Perriman hat genau eine gute halbe Saison als NFL-Starter.

Call me sceptical. Der ganze Mix bei den Jets klingt irgendwie nicht nach Leistungsexplosion im Angriff…

Defense

…und wohl auch nicht in der (doch um einiges besseren) Defense. Doch die musste Superstar-Safety Jamal Adams verkaufen. Die Situation war letztlich nicht zu retten. Adams‘ Verkauf reißt ein riesiges Loch in eine eigentlich passable Unit.

Die Jets waren 2019 die #3 gegen den Run nach EPA/play, und trotz miserablem Pass-Rush immerhin die #15 gegen den Pass. Wichtigster Grund dafür war eben Adams, der nicht bloß die Coverage zusammenhielt, sondern auch als exzellenter Blitzer fungierte.

DefCoord Gregg Williams spielte sehr speziell: Hohe Blitz-Raten (#4 der Liga), viele versteckte Blitzes. So war die Defense trotz extrem vieler Verletzungen effizient.

Adams hinterläst ein unbekanntes Backfield: Pierre Desir und Poole auf Cornerback, auf Safety ein Mann wie Rookie Ashtyn Davis. LB Moseley setzt wegen Corona-Gefahr die Saison aus.

„Vorne“ hängt ohne Edge-Rusher von Format sehr viel davon ab, ob DT Quinnen Williams nach seinem schwachen Rookiejahr den entscheidenden Sprung nach vorne macht. Aber Quinnen ist Defensive Tackle – die unwichtigste Position in der Defense. Viel Optimismus kann ich da nicht verkaufen.

Ausblick

Die Jets sind neben dem Feld spannend, weil Gase zu schwer unter Beschuss steht. Sie sind auf dem Feld spannend, weil wir alle wissen wollen wie es mit Darnold weitergeht. Möglicherweise ist Darnold der wichtigste Spieler in der AFC East: Schafft er trotz allem Pessismus den Durchbruch, kann es für die Jets in einer schwachen Division schnell mal ganz nach oben gehen.

Aber so wirklich glaube ich nicht dran. Die Jets sind irgendwie Himmelfahrtskommando am Himmelfahrtstag.

Die plausibelste Erwartung ist Stagnation, ein Trainerwechsel im Winter, und dann muss der mit in den nächsten zwei Jahren jeweils mit gleich zwei 1st Roundern ausgestattete GM Douglas darüber nachdenken, ob er nicht doch schneller als üblich einen Quarterback-Wechsel einfädelt.

Ein Kommentar zu “All-32: New York Jets 2020 Preview

  1. Tja, bei Mims deutet sich eine schwerere Oberschenkel-Verletzung an.

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