NFL Sonntagsvorschauer 2021 – Week 11

Mini-Preview zum morgigen 10ten Spieltag.

Spielplan vom Sonntag

  • Buffalo Bills – Indianapolis Colts (19h)
  • Chicago Bears – Baltimore Ravens (19h)
  • Cleveland Browns – Detroit Lions (19h)
  • Tennessee Titans – Houston Texans (19h)
  • Minnesota Vikings- Green Bay Packers (19h)
  • New York Jets – Miami Dolphins (19h)
  • Philadelphia Eagles – New Orleans Saints (19h)
  • Carolina Panthers – Washington (19h)
  • Jacksonville Jaguars – San Francisco 49ers (19h)
  • Las Vegas Raiders – Cincinnati Bengals (22h05)
  • Kansas City Chiefs – Dallas Cowboys (22h25)
  • Seattle Seahawks – Arizona Cardinals (22h25)
  • Los Angeles Chargers – Pittsburgh Steelers (02h20)

Bills – Colts ist das Duell der beiden intelligenten Coaching-Staffs. Bei den Colts habe ich schon vor zehn Tagen aufgezeigt, was Frank Reich alles richtig macht, damit die Offense trotz aller Limitierungen performt. Bei den Bills haben die Coaches um OffCoord Brian Daboll auch alle Hände voll zu tun um dem strauchelnden Gebilde Leben einzuhauchen.

Buffalo war letztes Jahr ziemliche Spread-Offense mit viel 11- und 10-Personnel. Damit wurde die Offense in den ersten Wochen quasi ausgeschaltet – und so hat Daboll erst QB Josh Allen als Power-Runner in Szene gesetzt und dann immer mehr 12-Personnel mit zwei Tight Ends oder 21-Personnel mit Fullback in der Aufstellung eingebaut, um mehr Base-Personnel in der Defense zu provozieren. Richtig zünden tut das alles noch nicht – außer es geht wie letzte Woche gegen die horrenden Jets.


Bei Chicago – Baltimore stehen logisch die beiden mobilen QBs im Fokus. Justin Fields hat bei seinem ersten Reinschnuppern in die NFL teilweise total verloren gegen diverse Pressure-Packages ausgesehen – und wenn Baltimores Defense auch in so verwundbarem Zustand wie momentan etwas kann, dann ist es, Druck zu kreieren. Allerdings könnte Fields bei gutem Gameplan auch die Man-Coverage der Ravens auskontern – laufstarke QBs können es immer mal wieder gut ausnutzen, dass gegnerische Cornerbacks ihre Augen auf den Gegenspieler statt auf den QB (wie in Zone Defense) gerichtet haben.

Lamar Jackson ist auf Wiedergutmachungstour nach der anämischen Performance vor zehn Tagen in Miami.


Wiedergutmachung“ ist auch für die Browns ein gutes Stichwort – eine Woche nach dem Debakel in New England. Detroit pflegt diese Saison, für solche Fälle ein idealer Aufbaugegner zu sein.


Aus Tennessee – Houston werden wir wohl nicht viel ziehen können. Tennessee ist 8-2 und im „Driving Seat“ auf den #1 Spot im AFC-Playoff-Ranking. Das ist durchaus bemerkenswert, wenn man anschaut wie viele Ausfälle die Titans schon gehabt haben.

Gerade die Stamm-Offense ist arg gerupft. Erst war es A.J. Brown mit Depressionen, dann Julio Jones mit ständigen Zipperlein, dann fiel Derrick Henry für den Rest der Regular Season aus. Auch in der O-Line muss Tennessee ständig rotieren – aber irgendwie halten die Jungs um QB Ryan Tannehill den Laden am Laufen ohne guten Football zu spielen. Und natürlich ist auch die Defense mitverantwortlich für die gute Bilanz – sie kreiert vorne mit wenigen Mitteln viele Pressures und hält hinten besser als gedacht dagegen.

Tennessee hat neben der bis jetzt besten Bilanz den einfachsten Rest-Spielplan. Playoffs sind quasi garantiert – aber ich tue mir noch immer schwer damit, diese Mannschaft als legitimen Superbowl-Contender wahrzunehmen. Dass Mike Vrabel um seinen Schniedel bangen muss, glaube ich erst, wenn ich es sehe.


Bei Vikings – Packers dominieren die Quarterbacks, die ihre eigene Recherche gemacht haben, das Geschehen. Prinzipiell kennen sich die Teams in- und auswendig. Minnesota tendiert heuer dazu, jedes Spiel irgendwie knapp zu bestreiten, aber gegen die Packers gab’s in den letzten Jahren mehrfach deutliche Ergebnisse in beiden Richtungen.

Die Vikes-Offense ist immer dann potent, wenn sie Play-Action über Cousins und das Receiver-Duo Thielen/Jefferson gebacken bekommt. Green Bays Offense ist total labil. Heute sollte s aber zumindest wenig Pressure geben. Die Packers haben einen weiteren Trumpf in ihrer immer besser werdenden Defense. Aber auch die ist immer mal wieder von Dalvin Cook überrannt worden. Insofern: Für mich alles möglich in dem Spiel.


Über Jets – Dolphins hab ich total keine Lust zu schreiben. „Not gegen Elend“ trifft’s am besten.

Eagles – Saints ist nicht ungeil. Mir gefällt das, was die Iggles mit Jalen Hurts machen, aber ist es stabil genug um 60 Minuten gegen die Saints-Defense gegenzuhalten? Auf der anderen Seite bleibt bei den Saints Trevor Siemian der QB1. To hell mit dem von Sean Payton so lange so gepushten Taysom Hill. Ganz blind sind wir dann eben doch alle auch nicht.

Bei Panthers – Washington kommt man nicht um das Wiedersehen von Cam Newton und Ron Rivera umhin. Newton hat letzte Woche mit einem Kurzeinsatz in Arizona sein Comeback als Panther gefeiert und dabei gleich mal 2 TD gescort. Gegen die extrem enttäuschende Washington-Defense, die seit letztem Sonntag auch EDGE Chase Young mit Kreuzbandriss vorgeben muss, wird Newton wohl als Starter auflaufen.


Jags – Niners ist eigentlich eine Pflichtaufgabe für San Francisco. Aber das Team von Kyle Shanahan war heuer zu lange zu wechselhaft um es wirklich für voll zu nehmen. Am Montag hat man mit dominantem Play-Action Game überraschend die Rams geschlagen – aber nicht viel mehr aus Eigenleistung als wie sich QB Matt Stafford mit idiotischen Würfen selbst geschlagen hat.

Laufspiel war weiter großteils unproduktiv, und die Defense konnte nicht anders als mitten in der Wurfbahn stehend reihenweise Interceptions abzufangen. Immerhin: Jags-Rookie QB Trevor Lawrence ist mit seinem aggressiven Stil auch immer mal wieder für einen Pick zu haben.


Ich merke beim Schreiben: Die Frühschicht gefällt mir auf den zweiten Blick besser als auf den ersten. Ab 22h geht es auch namhaft weiter.

Raiders – Bengals ist das AFC-Mittelklasseduell, bei dem schon eine Wildcard auf dem Spiel stehen könnte. Las Vegas ist brutal gebeutelt von Off-Field Geschichten und hat in den letzten Wochen auch sportlich abgebaut. Am Sonntag ist man mit vorhersehbarem Defense-Gameplan gegen Patrick Mahomes baden gegangen. Heute wird es drauf ankommen, ob EDGE Maxx Crosby genug schnellen Druck gegen Joe Burrow hinkriegt um das brandgefährliche Passing-Game auf Ja’Marr Chase zu verhindern.


Nominelles Topspiel des Tages ist ab 22h25 logisch Chiefs – Cowboys. Kansas City hat letzte Woche gegen die sture Single-High Defense der Raiders wie erwartet zurück in die Spur gefunden – und heute wartet ein konzeptionell ähnlich gestrickter, wenn auch nicht ganz so eindimensionaler Gegner: Dallas.

Dort ist Dan Quinn DefCoord, und der kommt wie Raiders-DefCoord Gus Bradley aus dem Seattle-Tree von Pete Carroll. Quinn variiert a bissl mehr als Bradley, und er hat vorne noch etwas mehr Zunder im Passrush (der eigentlich als Linebacker gedraftete Rookie Micah Parsons z.B. erstaunt als Edge-Rusher) und hinten CB Trevon Diggs, der fast in jedem Spiel eine Interception fängt.

Aber im Kern ist die Dallas-Defense wie jene von Las Vegas so strukturiert wie es sich Mahomes wünscht. Wird Quinn mehr Adjustments machen als Bradley? Oder wird auch er Mahomes und Co. ins offene Messer laufen?

Ich habe die Abgesänge auf die Chiefs-Offense gleich übertrieben gefunden wie die Deklarierungen, dass sie mit dem Raiders-Spiel wieder „zurück“ ist. Insofern erwarte ich einen guten, aber keinen extrem explosiven Chiefs-Angriff und bin gespannt, wie weit Quinn von seinem gewohnten Modus Operandi abweichen wird.

Die Version der Cowboys 2021 ist in etwa die, die Kansas City eigentlich sein wollte: Super Offense, die konzeptionell auf alles eine Antwort findet, unterstützt von einer ausreichend guten Defense, die Dak Prescott und Co. nicht jede Woche in einen Shootout zwingt.

Offensiv spielt Dallas schon einen feinen Ball. Eigentlich hätte es ja eine ziemlich reine 11-Personnel-Offense um das WR-Trio Amari Cooper, Ceedee Lamb und Michael Gallup werden sollen, aber als Gallup wochenlang verletzt draußen war, stellte OffCoord Kellen Moore einfach um auf verstärkte 2-TE Offense, und sowohl Blake Jarwin als auch Dalton Schultz machten einen ordentlichen Sprung.

Weil auch die O-Line mit der einzigen Ausnahme des Denver-Spiels (als Backup-LT Steele einfach total übermannt war) fantastisch spielte und sogar Zeke Elliott das Fumbeln abstellte und so spritzig wirkt wie seit Jahren nicht mehr, stellt Dallas die punktgewaltigste Offense der ersten Saisonhälfte (32 Punkte/Spiel).

Beim Ringer hat Steven Ruiz ein paar Einblicke in die Welt der Cowboys-Offense gegeben, die gepolt ist wie sie nur ein Boise-State-Mann wie Moore polen kann: Systemlos. Ruiz hat herausgearbeitet, was die Cowboys-Offense besonders macht:

  • Sie spielt alles ein bisschen und ist überall gut
  • Zillionen Pre-Snap Motions um die Defense vor permanente kommunikative Herausforderungen zu stellen
  • Aufstellungen, die Verteidiger aus Zonen ziehen, die später mit Routenkombination attackiert werden
  • Das Grundprinzip: „Nehmen was die Defense und bietet“

Gerade letzteres Prinzip ist die „Underdog-Strategie“, die schon Boise über Jahre erfolgreich praktiziert hat. Sie verlangt Geduld, viel mentale Arbeit vom QB und einen präzisen Wurfarm, ist aber schwierig zu verteidigen, weil kaum zu greifen und permanent wandelbar. Letzte Woche hat Moore dann auch noch schematische Anpassungen an der Blindside gemacht um LT Terrance Steele zu helfen und ein Fiasko wie gegen Denver zu verhindern. Dass ein einziger weak link die Offense heute noch einmal blockiert, ist nicht zu erwarten.

Aber: WR Cooper fällt wohl wegen Corona aus – nicht nur heute, sondern wegen Ungeimpften-Status wohl auch am Donnerstag zu Thanksgiving.

Kansas Citys Defense hat derweil das Schlimmste wohl überstanden. Zu Saisonbeginn noch ein Sieb von Abwehr, aber in den letzten Wochen ist die Unit immer stabiler geworden. NB: „Stabil“ ist dabei nicht gleichzusetzen mit „gut“. Aber wenn die Mahomes-Offense wieder auf ihrem erwartbaren Level performt, reicht es für diese Defense wie bei Dallas gegen die meisten Gegner, dass sie ganz einfach nicht ständig abkackt.

Kansas City ist 6-4. Dallas ist 7-2. Interessanterweise sind die Chiefs zuhause mit 2.5 Punkten favorisiert – die Wettmärkte haben also noch immer einen Heidenrespekt vor Mahomes. Gefühlt hat Dallas hier eine sehr gute Chance, ein insgesamt hochklassiges Spiel zu gewinnen.


Bei Seattle – Arizona treffen in Russell Wilson und Kyler Murray zwei ähnlich gepolte QBs aufeinander. Beide sind klein und mobil. Beide werfen nicht gern in die Mitte. Beide sind anfällig für Sacks. Murray ist nach zwei Wochen Pause wohl wieder fit – aber wie viel Esprit er ausstrahlt, müssen wir abwarten. Wilson sah letzte Woche so aus wie ein QB, dessen Daumen erst vor einem Monat gebrochen ist. Hat die eine zusätzliche Woche Heilung geholfen?

Kann ein gutes Spiel werden. Kann aber auch krass enttäuschen.


Sunday Night Game Steelers @ Chargers. Bei Pittsburgh könnte QB Roethlisberger eventuell nach Covid-Infektion zurückkehren – was wichtig wäre, denn bei allem Leistungsabbau bei Big Ben ist er eine ganz andere Nummer als der nicht NFL-taugliche Mason Rudoolph. Mit Rudolph auf QB reichte es letzte Woche noch nichtmal zu einem Sieg über Detroit. Backup Haskins ist spätestens seit diesem Tweet hier nicht mehr vermittelbar:

Und in der Defense fehlt jetzt auch noch EDGE T.J. Watt. Die Chargers erleben auch grad ihren „Joe Lombardi Blues“, der sich in solchen Pass-Charts aus der Hölle offenbart:

Wenn Rudolph starten sollte, werden alle unterirdische Bolts-Rushing-Defense und alle hirntoten Gameplans von Lombardi nicht ausreichen für einen Steelers-Win. Mit Roethlisberger gibt es zumindest die Chance auf einen schmutzigen Sieg.

3 Kommentare zu “NFL Sonntagsvorschauer 2021 – Week 11

  1. Jenseits des aktuellen Spieltags: bin schon beeindruckt, wie sich Jakob Johnson in NE etabliert hat. 1/3 der offensiven Snaps und 1/2 der Special Teams Snaps sind für nen Deutschen schon richtig gut 🙂 .

  2. Sunday Night Game Steelers @ Chargers.
    Wer bis zum Schlussviertel durchgehalten hat, dem wurde ein selten verrücktes Viertel an spannendem Entertainment geboten.
    Nebenbei – bei Twitter werden jetzt die New England Patriots als SB Teilnehmer gehandelt, nachdem die direkten AFC Konkurrenten gestrauchelt sind.

  3. Pingback: NFL Wildcard-Weekend 2021/22: Der Sonntagsvorschauer | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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