NFL Combine 2015 – Die Quarterbacks

Die Draft-Experten sind sich einig, dass die 2015er-Klasse auf Quarterback eine der übelsten der letzten Jahre ist, was die Tiefe angeht. Es gibt zwei Prospects, über die sich im Moment jeder den Mund fusselig redet, und sie dürften jedem Stammleser dieses Blog mittlerweile bekannt sein: Jameis Winston von FSU und Marcus Mariota von Oregon. Beide werden immer wieder als potenzielle 1st-Rounder gehypt.


Während sich bei Winston die Fragezeichen auf seine hohe Interception-Zahl und seinen exponierten Lebensstil drehen, geht es beim koscheren Mariota vor allem um sportliche Belange. Alle erinnern sich zurück an das letzte Jahr, als Teddy Bridgewater als klarer QB-Favorit ins Frühjahr ging und dann sukzessive durch die Boards fiel, weil zu klein, zu schmächtig, zwei ungenaue Würfe auf dem Pro-Day zu viel.

Der Fall Mariota ist ähnlich gelagert. Die Heckenschützen haben sich bei ihm schon in Stellung gebracht um seine NFL-Kompatibilität, seinen Wurfstil, seine potenzielle System-Abhängigkeit und seinen schüchternen Charakter auseinanderzunehmen. Nicht zuletzt der verrückte Draft-Prozess 2014 hat gezeigt, dass die NFL sehr eigene Gedankengänge einzuschlagen vermag, wenn es um die Bewertung von QB-Skills geht.

Mariota wird eine sehr gute Combine und einen exzellenten Pro-Day brauchen um in der Gunst der Scouts nicht zu fallen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Teams die Pro-Days extrem hoch bewerten – ungeachtet der Tatsache, dass sie wenig mit reellen Spielsituationen gemeinsam haben.

Bei Mariota wird auch die Abnahme der Körpermaße ein zu beachtender Punkt sein. Nicht nur, dass er kein NFL-Gardemaß stellt, er hat auch noch eher kleine Hände, die bei ihm zu vielen Fumbles am College geführt haben. Werden bei Mariota zu kleine Handflächen gemessen, könnte das seinen Aktien weiter schaden.


Mariotas Gegenstück ist Brett Hundley, der als Underclassman von UCLA kommt. Viele sehen ihn als drittbesten QB im Draft. Hundley sieht seiner Erscheinung nach aus wie ein typischer NFL-QB, groß, starker Wurfarm, beweglich.

Bei ihm sehen viele ein Problem, weil er so ungetestet in die NFL kommt. UCLA ist kein kleines Programm und er führte deren Offense zwei Jahre lang an, aber die Offense war doch eher simpel gestrickt mit enorm vielen quicken Pässen und viel one read Plays, die selten von Hundley verlangten, die Abwehr-Aufstellung zu interpretieren.

Hundleys tiefer Ball gilt als gut genug für die NFL, aber er wird sich viele Fragen gefallen lassen müssen, was seine Beständigkeit auf den Mitteldistanzen und sein Verständnis von Defenses angeht. Ähnlich gestrickte QB-Talente wie E.J. Manuel oder Colin Kaepernick gingen in den letzten Jahren früh im Draft, aber ich würde nicht drauf wetten, dass deren Entwicklung ein Goodie für Hundleys Draft-Aktien sein wird.

Ausgekotzt haben sich manche auch über Hundleys Absage bei der Senior-Bowl, für die er trotz seines Status als Junior nominiert war. Viele hätten ihn gerne in einem NFL-ähnlichen Umfeld gesehen, aber Hundley blieb der Veranstaltung ohne Begründung fern.


Er hätte ein Leichtes gehabt, sich in einem guten Licht zu präsentieren, denn die Senior-Bowl QB-Klasse von 2015 galt als unterirdisch. Ein Bryce Petty von Baylor zum Beispiel soll quasi überhaupt nichts gezeigt haben. Petty steckt damit schon in der Schublade des QBs, der die kurzen, schnellen Pässe ganz gut kann, aber darüber hinaus nicht viel drauf hat.

Seine Pässe kommen mit wenig Geschwindigkeit aus der Pocket, und vor allem bei Slants und auf Seam-Routen für Tight Ends soll er massive Probleme gehabt haben. Solche QB-Typen klingen meistens nach 4ter-6ter Runde.


Eine Wildcard ist Shane Carden von East Carolina. Carden hatte hervorragende Stats in einer passfreudigen Offense bei den Pirates. Man hängt sich aber an seiner außergewöhnlichen Wurftechnik auf. So wie Carden den Ball hält, ist es nicht wirklich Vertrauen erweckend. Carden braucht lange um sich für seine Würfe zu entscheiden und nach dem Wurf segelt der Ball in einer Bogenlampe das Spielfeld hinunter. Seine Präzision auf tiefen Bällen gilt als sehr gut, aber sie kommen zu langsam. Defensive Backs in der NFL sind gnadenlos, wenn sie Reaktionszeit bekommen.


Bei Garrett Grayson (zuletzt Colorado State) herrscht die vorrangige Meinung: Guter Arm und gute Würfe ja, aber bitte mit mehr Konstanz! Grayson wirft schöne tiefe Bälle und sieht in lichten Momenten aus wie ein möglicher NFL-Starter, aber dann wiederum kommen die Bälle verdreht raus und fragt man sich, ob ein QB so hüftsteif wie Grayson tatsächlich NFL-Material sein kann.


Potenzielle Überraschung: Bryan Bennett von South-East Louisiana aus den unteren Ebenen des College-Football. Bennett wurde in der Senior-Bowl nachnominiert und fiel neben seinen Gardemaßen auch mit guter Technik auf. Bei solchen QBs, die gegen komplett inferiore Konkurrenz am College spielten, ist man natürlich immer skeptisch, aber zumindest Außenseiterchancen gesteht man Bennett zu, sollte er exzellente Übungseinheiten in diesem Frühjahr absolvieren.


Gefühlt könnte sich das QB-Rennen bis zum Draft in zweieinhalb Monaten so entwickeln, dass Winston früh in der ersten Runde geht, Mariota irgendwo zwischen 1te und 2te Runde. Bei Hundley ist sich keiner sicher. Je nach Entwicklung kann es späte 1te Runde werden, aber auch runtergehen in die 3te oder 4te Runde. Alle anderen gelten fürs erste maximal als Backups, sprich keiner wird vor der 3ten Runde gehen, wenn überhaupt.

3 Kommentare zu “NFL Combine 2015 – Die Quarterbacks

  1. Also ganz kapier ich nicht, wie man nach den Beispielen Bridgewater und Russell Wilson sich noch derartig an Maßen aufhängen kann bei QBs. Das sollte sich doch mittlerweile rumgesprochen haben, dass das kein großes Problem ist, wenn der Bursche sonst gut ist. Also wenn’s denn daran liegt wird Mariota mal wieder ein Steal – wobei ich mir persönlich nicht vorstellen kann, dass einer der beiden QBs weiter als auf die 6 fällt. Zu QB-needy sind da vorne die Teams, spätestens aber die Jets.

    Für mich hört sich die Kritik an Mariota ein wenig anders an als jene an Bridgewater. Bei letzterem hat ja keiner seine Leistungen am College-Field problematisch gesehen, sondern tatsächlich primär seine Physis. Bei Mariota finde ich klingt da mehr Kritik an seinen Leistungen selbst durch – und das kann ja, grade in einer insgesamt schwachen QB-Klasse, doch bedeuten, dass da einer gehyped wurde/wird, der in Wahrheit kein Top 5-QB ist.

  2. Pingback: Preview: NFL Scouting Combine 2015 - German Sea Hawkers

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