Michigan Wolverines | 2016/17 Vorschau

Bei den Michigan Wolverines ist es wie mit allen Großmächten im College Football: Sie können jahrelang dahinsiechen, aber wehe, es gibt einmal eine gute Saison, und schon ist der HYPE TRAIN (in Großbuchstaben!) zurück. Michigan hatte diese gute Saison übrigens rein zufällig letztes Jahr: Man schrieb eine 10-3 Bilanz mit Option auf mehr an.

Man macht dieses Comeback vor allem an einer Person fest: Head Coach Jim Harbaugh, den Meister aller Aufschwünge. Harbaughs Trainerbilanz ist in der Tat beeindruckend:

  • Stanford übernahm er als 1-11 Team, vier Jahre später übergab er ein 12-1 Team.
  • San Francisco übernahm er als 6-10 Team, zwei Jahre später stand er in der Super Bowl, absolvierte drei NFC-Finals en suite. Nach seinem Abgang folgte der Absturz.
  • Michigan übernahm er als Gurkentrupp, führte es zu 10-3 Siegen im ersten Jahr.

Harbaugh ist natürlich erst ein Jahr in Michigan. Aber es gibt im Prinzip niemanden, der nicht an eine Fortsetzung der Erfolgsgeschichte Harbaugh glaubt. Harbaughs Methoden sind im Detail nicht wirklich greifbar, aber als sicher gilt, dass er ein exzellenter Motivator für eine desorientierte Truppe ist. Er gilt als teilweise cholerisch und detailverliebt, mit einem hervorragenden Blick für die kleinen Dinge, die es zu verbessern gilt.

Das Problem an Harbaugh war bislang stets: Nach wenigen Jahren verliert er entweder die Lust, oder hat sein Umfeld mit seinem 24/7 rastlosen Lifestyle, der alles und jeden hinterfragt und keinen Stein unangegriffen lässt, vergrault. Michigan hat das Glück, dass Harbaugh dort bislang gerade mal eineinhalb Jahre am Arbeiten ist – also vorerst noch keine Gefahr des Burnouts (entweder seinerseits oder von Seiten seiner Mitstreiter).


Michigans Verkaufsschlager 2015 war die wirklich exzellente Defense, die gerade in der ersten Saisonhälfte für Furore sorgte, als sie fast einen ganzen Monat ohne Gegenpunkt blieb (u.a. 3 Shutouts en suite). Erst eine Freak-Pleite gegen Michigan State beendete die Playoff-Träume, und erst ein klares 13-42 gegen Ohio State am letzten Spieltag konnte die immensen Erwartungen erden.

Harbaugh muss heuer seinen erfolgreichen DefCoord P.J. Durkin (neuer Headcoach von Maryland) ersetzen – aber der Ersatz kann sich sehen lassen: Es ist Don Brown, der zuletzt die Monsterdefense von Boston College aufgebaut hat. Als Browns Erfolgsrezept gilt seine brutal druckvolle Front-Seven, doch gerade dort könnte Michigan Probleme bekommen: Schon letztes Jahr brach die Verteidigung nach den ersten Verletzungen etwas ein – und die Tiefe gilt dieses Jahr nicht als besser: 2 DL und 3 LB müssen ersetzt werden. Zudem ist der Ankerman DT Glasgow ein relativ verletzungsanfälliger Mann.


Etwaige Probleme in der Defense versucht man sich mit dem Glauben an ein besseres Laufspiel in der Offense schönzureden. Dort brachte Michigan fast gar nichts zustande, kaum längere Läufe, keine 4.5yds/Carry. Mit verbesserter Offense Line und mehr Erfahrung auf Runningback soll das Laufspiel dieses Jahr wenigstens eine ernst zu nehmende Entlastung zum Passspiel stellen.

Im Passspiel wird man einen neuen Quarterback aufstellen, nachdem Jake Rudock seine College-Karriere beendet. Wer es sein wird, steht noch in den Sternen: QB O’Korn kommt von Houston, QB Morris wurde letztes Jahr zum third stringer demontiert, hinter Wilton Speight, dessen Kurzeinsätze eher so naja waren. Nicht völlig auszuschließen, aber unwahrscheinlich, dass Harbaugh schon heuer auf den mit Pauken und Trompeten geholten Freshman Brandon Peters setzt.

Welcher QB auch immer: Er wird ein breit aufgestelltes Arsenal bedienen können. Harbaugh hat auf allen seiner Trainerstationen eine physische, sehr groß gewachsene Offense auf das Feld gestellt, die neben den Mitteldistanzrouten auch die Spielfeldmitte mit hünenhaften Tight Ends bedient. Die Michigan-Version ist hier der fast 2m große TE Jake Butt, schon letztes Jahr mit über 50 catches einer der Stars.


Neuer DefCoord, neuer QB, ausgedünnte Front Seven, Fragezeichen im Laufspiel: Eigentlich hat Michigan durchaus viele Fragezeichen. Eigentlich. Denn Michigan hat auch den Wunderheiler Harbaugh an der Seitenlinie und eine Big Ten Conference als Gegner, in der die beiden vermeintlich schwersten Konkurrenten – Ohio State und Michigan State – ihrerseits einen gewaltigen Umbruch durchmachen. Michigans Spielplan außerhalb dieser beiden Gegner ist nur lauwarm – allerdings muss man sowohl gegen OSU als auch zu MSU auswärts antreten.

G’mahnte Wiesn sieht anders aus, aber die Favoritenstellung für Michigan 2016 in der Big Ten Conference ist zumindest nachvollziehbar.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s