Die ersten Eier fliegen in Australien

Inmitten aller Previews für die College-Football Saison findet heute Nacht schon still, heimlich und leise deren Auftakt statt – und zwar im fernen Sydney: California Golden Bears gegen Hawaii Rainbow Warriors, ab 4h in der Nacht auf morgen live im ESPN Player.

stadium australia - wikipedia

Stadium Australia während der Sommerspiele 2000, vor dem Umbau – Bild: Wikipedia

Die Partie wird im ANZ Stadium ausgetragen, dem ehemaligen Stadium Australia, mit dem ich wunderschöne Erinnerungen verbinde – unbeschwerte Zeiten im Spätsommer 2000. Die Olympischen Sommerspiele von Sydney sind bis heute die ersten und einzigen, die ich in wirklich guter Erinnerung habe, obwohl ich als damals 12-jähriger Knirps durchaus nicht alles sehen durfte – zu morgendlicher Stunde war noch Schule angesagt.

Sydney ist für mich der krasse Gegenentwurf zur Gegenwart. Als das IOC im Juli klarmachte, wie es mit Whistleblowern umgeht, habe ich die Lust verloren – und obwohl ich Urlaub hatte, habe ich nicht eine einzige Minute Rio geschaut. Ein System, das das Wertvollste für seine interne Sanierung – Insiderinformation – nicht benutzt, sondern bestraft, ist bankrott, so mausetot, dass es sich nicht mehr lohnt, damit auch nur eine weitere Minute zu verbringen.

Football hat seinerseits durchaus ernst zu nehmende Dopingprobleme. Aber Football propagiert keine bessere, grünere, nachhaltige Welt. Football steht im Wesentlichen zu dem, was es ist: Gnadenloses Business. Selbst im College Football steht der Kommerz mittlerweile im Vordergrund – und das ist gut so. Amateursport ist Elitensport und zutiefst ausgrenzend. College Football ist kein Amateursport mehr – die Hülle wird früher oder später fallen.


Cal bestreitet diese Saison ohne den #1 Pick im NFL-Draft, QB Jared Goff. Damit wird es für die Mannschaft von Head Coach Sonny Dykes eine Übergangssaison. Dykes hat mittlerweile drei Jahre in Cal/Berkley hinter sich gebracht, und sich dabei von 1-11 auf 5-7 auf 8-5 gesteigert. Nicht schlecht, aber angesichts eines Top-QBs wie Goff fühlt es sich doch etwas wenig an.

Dykes verbrachte dann auch quasi den ganzen Spätherbst damit, sich bei anderen Universitäten für unbesetzte Cheftrainersessel zu bewerben – Mizzou, South Carolina oder Houston galten als seine Favoriten. Aber diese seine Favoriten nahmen oder behielten andere Kandidaten. Immerhin presst Dykes damit eine Gehaltserhöhung und mehr Budget für seinen Trainerstab heraus.

Dykes‘ schwierigste Aufgabe wird sein, endlich eine Lösung für die teilweise unterirdische Defense zu finden. Um die Offense macht man sich trotz Goffs Abgang weniger Sorgen: Diese passlastige Spread-Offense wird immer Punkte servieren. Sie kann bloß nicht konstant über 40 Stück davon pro Partie liefern.


Hawaii dagegen geht mit einem neuen Head Coach ins Rennen: Nick Rolovich ist der Mann. Rolovich weiß, worauf er sich einlässt: Er war ein Quarterback, dann Assistenzcoach, dann OffCoord in Hawaii. Er ist erst 36, hat aber bereits sechs Jahre Erfahrung als Coordinator auf dem Buckel. Rolovichs Ausgabe ist es, das chronisch klamme Programm von Hawaii auf Vordermann zu bringen.

Recruiting 3000 km von der Westküste entfernt und keine brauchbaren Facilities zum Trainieren – und trotzdem zu liefern, das ist eine der schwierigsten Aufgaben im College Football. Hawaii tritt mit einem der blutleersten Kader im College Football an. Hawaii muss Flugstunden ohne Ende absolvieren – nach Syndey kommt @Michigan, dann wartet in Bälde @Arizona. Wenn in dem Saisonstart auch nur irgendwas Zählbares herausspringt, kann Rolovich schon von einem gelungenen Saisonstart sprechen.

One thought on “Die ersten Eier fliegen in Australien

  1. Der verlinkte Artikel „College Football ist kein Amateursport mehr“ ist ja mittlerweile schon zwei Jahre alt.

    Gibt es da schon neue Entwicklungen?

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