NFL Power Ranking 2016 – Week 17

Jedes Jahr einer meiner liebsten Einträge – die Rückschau auf die Regular Season.

Spiele innerhalb eines Scores

Close Games – Wer die Saison verfolgt hat, kann es sich schon denken: 2016 war eine Saison der engen Spiele: 135 Stück wurden innerhalb von 7 Punkten entschieden, gar 146 innerhalb von 8 Punkten, also innerhalb von TD plus 2pts Conversion. Das sind 57% der Spiele innerhalb von 8 Punkten. So viele hatten wir in den letzten Jahren nie:

Jahr   8pts   7pts
2016   146    135
2015   140    131
2014   110    98 
2013   131    123
2012   131    120
2011   132    125
2010   131    121

Die Saison 2014 ragt in dieser Aufstellung immer mehr als ziemlich krasser Ausreißer heraus. 2014 war das Jahr der großen Startruppen – New England, Denver, Seattle, die sich in der Offseason zuvor ein Wettrüsten geleistet hatten. Aber vorher und nachher? Jeweils um die 50% Spiele innerhalb von 7 Punkten.

Bilanz in engen Spielen

Close Game Records – Was dieses Jahr weiters auffällt: Die sehr klare Verteilung von „glücklichen“ und „unglücklichen“ Mannschaften bei den 1-Score Games. Es gibt jedes Jahr Mannschaften, die eine überproportionale Ratio an engen Spielen gewinnen – aber an so viele wie 2016 kann ich mich nicht erinnern. Glaubst du nicht?

Hier: Oakland (8-1), Houston (8-2), Miami (8-2), Dallas (7-2), NY Giants (8-3), Detroit (8-5) und New England (4-1) haben alle eine große Anzahl an knappen Spielen gewonnen oder den überwiegenden Teil ihrer knappen Spiele gewonnen. Reiner Zufall, dass diese Mannschaften sich allesamt für die Playoffs qualifizierten?

Wie gut waren diese Teams letzte Saison in engen Spielen?

Oakland war 5-5, Houston 3-3, Miami war 3-3, Dallas 2-6, die Giants 3-8 und Detroit 4-4. Der Ausreißer ist New England (5-3). Die Patriots gewinnen seit Jahren „zu viele“ enge Spiele. Testament eines großen Coaches – denn abseits der Peyton-Colts hat keine andere Mannschaft ihre Erwartung in engen Spiele so klar geschlagen.

Die Teams, die 2016 in engen Spielen abgeschmiert sind: San Diego (1-8), Jacksonville (2-8), Philadelphia (1-6), Chicago (1-6), San Francisco (1-5), Cleveland (1-5), Cincinnati (1-5-1), Buffalo (2-6), Carolina (2-6) oder Arizona (2-5-1). Keine einzige dieser Mannschaften steht in den Playoffs.

Close Games sind nicht völlige 50/50 Angelegenheiten; bessere Mannschaften tendieren schon allein dazu, mehr knappe Spiele zu gewinnen, weil sie schlicht besser sind. Aber über lange Sicht sind Mannschaften mit krassen Sieg/Niederlagen Splits bei engen Spielen immer gute Regressionskandidaten für die kommende Saison.

Pythagoreische Erwartung

Pythagorean – Record in engen Spielen hängt immer auch mit dem Punktverhältnis der Mannschaften zusammen. Und beim Thema „Punktverhältnis“ ist der Pythagorean nie weit. Der Pythagorean hat sich in den letzten Jahren als recht guter Vorhersage-Indikator erwiesen – Mannschaften, deren Sieg/Niederlagenbilanz vom den Pythagorean deutlich über-/untertreffen, tendieren gerne dazu, im nächsten Jahr dem Phänomen „Regression zur Mitte“ zu unterliegen. Und Mannschaften mit extremen Close-Game Records haben naturgemäß extreme Pythagoreische Erwartungen.

Beispiel: Carolina ist von 2015 auf 2016 von 15-1 auf 6-10 abgestürzt – 9 Siege! In Sachen Pythagorean, also nach realer Leistung, sieht der Abfall schon etwas flacher aus: Von 12.4 Siegen auf 7.1 Siegen. Immer noch 5.3 Siege, aber nachdem Carolina letztes Jahr 6-1 in engen Spielen war, dieses Jahr hingegen 2-6, sind beide Records positiv oder negativ von relativen Kleinigkeiten beeinflusst. Carolina war letztes Jahr eher ein 12-4 Team, dieses Jahr eher ein 7-9 Team.

Die größten Underperformer 2016 nach Pythagorean: Buffalo (1.5 Siege), Chicago (1.7 Siege), Cleveland (2.3 Siege), San Diego (2.7 Siege), San Francisco (1.9 Siege), Philadelphia (2.0 Siege), New Orleans (1.3 Siege), Jacksonville (2.8 Siege), Cincinnati (1.8 Siege), Carolina (1.1 Siege).

Die größten Overperformer: Dallas (2.0 Siege), Detroit (1.3 Siege), Oakland (3.2 Siege!!), Pittsburgh (1.1 Siege), Tampa Bay (1.4 Siege), NY Giants (2.2 Siege), New England (1.2 Siege), Miami (2.5 Siege), Kansas City (1.9 Siege), Houston (2.5 Siege).

Auffällig: Kein einziges Playoffteam hat seinen Pythagorean unterboten. Es sind also mal wieder nicht gezwungenermaßen die „besten“ Teams in der Post Season, sondern die mit einem guten Mix aus „gut und glücklich“.

Wie zufällig war die NFL 2016?

Zufallsreport 2016 – Meine Lieblingsstatistik. In einer völlig zufällig verteilten Footballliga (Gauss-Verteilung) wären die Sieg/Niederlagen Records der 32 Mannschaften mit einer Varianz von 0.125^2 verteilt (8-8 entspricht einer 0.500 Bilanz, 12-4 einer 0.750 Bilanz). Die Records der NFL-Saison 2016 sind mit einer Varianz von 0.197^2 verteilt. Die Varianz ist natürlich höher als in einer völlig zufällig verteilten Liga, da nicht allein der pure Zufall über den Ausgang der Liga entscheidet.

Wir haben also keine Würfelliga, leben aber in einer Liga, in der mehr als die Hälfte der Spiele innerhalb eines einzigen Ballbesitzes entschieden wird. Der Anteil des Zufalls ist naturgemäß hoch. Wir können errechnen, wie hoch:

VAR (Zufallsliga) / VAR (reale NFL) = 0.125^2 / 0.197^2 = 0.403 = 40.3%

Das liest sich so: 40% der Siegbilanzen der 2016er Saison können vom Zufall erklärt werden. 60% von der Leistung. 40% ist weniger Zufall als in den letzten Jahren, wo es meist zwischen 42-44% lag. Nur 2014 lagen wir mit 39.7% unter dem heurigen Wert.

Gehen wir noch einen Schritt weiter: Bis wann halten sich Zufall und Können die Waage, ab wann übernimmt dann das Können das Kommando? Die Rechnung ist simpel:

VAR (Zufall-vs-Können) = VAR (reale NFL) – VAR (Zufallsliga) = 0.151^2

Am Punkt r=0.50 halten sich Zufall und Können die Waage. Dieser Punkt ist erreicht nach zirka 11 Spielen: WURZEL(0.5*0.5/11) = 0.151. In anderen Worten: Erst ab dem 11ten Spieltag übernimmt in der NFL 2015 das Können wirklich die Überhand über den Zufall. Auch das war in dieser Saison früher als in anderen Jahren. Letztes Jahr hatten wir z.B. erst den 13ten Spieltag.

Wir haben also in dieser Saison extrem viele knappe Spiele erlebt, aber gleichzeitig weniger Bilanzen, die vom Zufall erklärt werden können.


Ich habe in dieser Saison viele Klagen ob der vermeintlich üblen Qualität der Spiele gehört. Das mag stimmen. Ich habe letztes Jahr an dieser Stelle ausführlich darüber geschrieben, ob der NFL-Trend gen Ausgeglichenheit ein Trend zum Mittelmaß und Verwässerung der Qualität führt. In den Preseason-Polls zu meinen wichtigsten Erwartungen an die anstehende Saison schrieb ich:

Am meisten gespannt bin ich auf… die Qualität der Spiele in der Regular Season. Machen wir uns nix vor: 2015 war eine gruselige Saison, was vor allem an sehr üblen Offensive Lines lag. Die ersten Wochen brachten Flaggenfestivals ohne Ende und Spiele mit so viel Air-Time für die Refs, dass Football zeitweise zur Nebensache mutierte. Football wird immer schneller. Das Regelwerk wird immer komplizierter. Inwieweit wird das Spiel in dieser Saison aber wieder flüssiger?

Tatsächlich fand ich die laufende Saison wesentlich angenehmer als 2015. Das mag dran liegen, dass ich weniger Spiele schauen und mir im Re-Live nur noch die Rosinen herauspicken konnte. Das mag auch daran liegen, dass 2016 nicht mehr ganz so gruselig war.

Der einfachste Weg, sich mit dem Streben nach Gleichheit abzufinden, ist, sich an engen Spielen und dem hohen Anteil des Zufalls zu erfreuen. Kleinigkeiten entscheiden – und am Ende setzen sich doch überwiegend immer wieder ähnliche Mannschaften wie New England, Seattle oder Green Bay durch. Wer diesen Trend zum Mittelmaß akzeptiert hat, kann die Schönheit der engen Spiele zu schätzen lernen. Er wird auch Grotten-Offenses wie Houston oder Los Angeles dafür schlucken.

Power Ranking 2016 nach der Regular Season

Morgen folgt eine Aufstellung der Playoff-Mannschaften. Für heute die gewohnten Übersichten – zwei Auffälligkeiten: Buffalo stürzt nach einer katastrophalen Offense-Performance gegen New York von #8 auf #20. Und noch überraschender: Cleveland verlässt am letzten Spieltag zum ersten Mal den letzten Platz und überholt die Los Angeles Rams – allerdings denkt das Ranking, dass die Browns ihre ordentliche Leistung gegen Pittsburghs Mannschafts-Stamm erspielt hat, nicht gegen die Backup-Truppe.

NFL Power Ranking 2016, Week 17.png

Und so liest sich das ganze: Die erste Sektion (WP | E16) beschreibt die Stärke der jeweiligen Mannschaft. WP entspricht der Siegchance der jeweiligen Franchise gegen eine standardisierte, durchschnittliche NFL-Franchise, E16 ist WP hochgerechnet auf 16 Spiele (WP*16 = E16). Die zweite Sektion (SOS | Rs) beschreibt die Stärke des Schedules und die Platzierung des Schedules. OFF ist die Platzierung der Offense, DEF die Platzierung der Defense. LW ist die Platzierung der entsprechenden Mannschaften in der letzten Woche. Bereits für die Playoffs qualifizierte Teams sind fettgedruckt.

Nachfolgend noch die weiteren Effizienz-Tabellen. Eine detailliertere Einführung „wie lese ich diese ganzen Tabellen“ hab ich vor einigen Woche gegeben.

Wahrscheinlichkeiten

Woche 17 war eine gute Woche für das Power-Ranking: 12-4 richtige Siegertipps und 12-3-1 korrekte Tipps gegen den Spread von Las Vegas. Damit schließt das Power Ranking die Regular Season mit sehr guter Bilanz von 89-47 Siegen ab, 65.4% richtige Tipps. Gegen den war es fast noch besser: 79-53 korrekte Tipps, oder 59.8%. Damit bewegen wir uns oberhalb der 57%-Grenze, ab der bei Sportwetten Geld zu verdienen ist.

Die Tipps für die erste Playoffrunde kann ich auch schon raushauen:

wahrscheinlichkeiten-wildcard-weekend

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7 Kommentare zu “NFL Power Ranking 2016 – Week 17

  1. 59,8%? Das könnte für den geneigten Leser zum Problem werden, da Korsakoff künftig beschäftigt ist mit Sportwetten sein Geld zu verdienen… 😀 Cleveland nur auf dem vorletzten Rang? Nice! Gegen die Steelers haben sie wirklich alles versucht, aber wer weder tacklen noch den Ball festhalten kann, verdient den Sieg halt nicht. Dafür aber Rang 31.

  2. Pingback: NFL 2016, Wildcard-Playoffs: der Samstag | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  3. „Der einfachste Weg, sich mit dem Streben nach Gleichheit abzufinden, ist, sich an engen Spielen und dem hohen Anteil des Zufalls zu erfreuen. Kleinigkeiten entscheiden – und am Ende setzen sich doch überwiegend immer wieder ähnliche Mannschaften wie New England, Seattle oder Green Bay durch. Wer diesen Trend zum Mittelmaß akzeptiert hat, kann die Schönheit der engen Spiele zu schätzen lernen. Er wird auch Grotten-Offenses wie Houston oder Los Angeles dafür schlucken.“

    Nein. Einfach nein. Wenn Spiele eher durch Unvermögen statt durch Können entschieden werden, dann brauche ich auch keinen Spitzensport mehr anzuschauen. Man kann sich das natürlich auch mit der Schönheit des Zufalls schön saufen. Zufall hat durchaus seinen Reiz aber nicht wenn das Können in den Hintergrund tritt. Für mich war das bisher eine schwache Saison. Schlimmer noch als letztes Jahr. Die heutigen Playoffansetzungen sind gruselig. Die ständigen Unterbrechungen des Spiels und das elendige in die Länge ziehen der Übertragungen tun ihr Übriges. Da wird mir woanders mehr geboten.

  4. Pingback: NFL 2016, Wildcard-Playoffs: der Sonntag | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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