Stick to Sports

Schwarz gegen weiß, schwarz und weiß, schwarz auf weiß.

Die Straßenschlachten in den USA halten an. Derweil melden sich zahlreiche Personen und Organisationen aus dem Sportumfeld mit unglaublich klugen Ratschlägen zur aktuellen „strukturellen-Rassismus-Debatte“ zu Wort.


Natürlich vorne dran: Die NFL. Ihr eilig von Anwälten zusammengeschustertes Statement liest sich gerade ob ihrer Haltung in den letzten Jahren wie blanker Hohn:

Wie schon vor ein paar Tagen geschrieben: Die NFL hat ihr wahres Gesicht bereits in den letzten Jahren gezeigt, und sie wird dadurch noch sehr lange Zeit mit einem Makel leben müssen. 

Immerhin: Leute wie Andy Dalton, Carson Wentz, Trevor Lawrence oder Joe Burrow haben in den letzten Tagen Support für die Protestbewegung gezeigt – weiße Quarterbacks sind die Gesichter, die die entscheidenden Schichten besser erreichen als ein marodierender Mob, der ganze Straßenzüge abfackelt.


Der ehemalige NFL-Punter Pat McAfee unterhält seit Jahren einen Youtube-Channel mit seiner „Pat McAfee Show“, die immer wieder aktuelle Themen auf sehr, sehr brauchbare Weise aufgreift.

Vor ein paar Tagen unterhielt sich McAfee mit dem ex-Linebacker A.J. Hawk über die Beziehung mit andersfarbigen Teamkollegen in der NFL, welchen Mehrwert es bringt und wie es seine Perspektive nicht geändert, aber erweitert hat.

Das Gespräch ist nur 12 Minuten lang, aber wirklich aufschlussreich:

 


Die Geschichte aus einer anderen Perspektive erzählt der hier häufiger zitierte Scout Matt Waldman, der in Cleveland in einer weißen Community aufgewachsen war ehe er eine schwarze Frau heiratete und in den Süden zog.

Es ist seine Alltagsbeschreibung über seinen Lernprozess mit der Realität der Schwarzen umzugehen, ihre Probleme und Komplexe zu verstehen, aber auch eine Abrechnung mit dem Teil der Gesellschaft, der nicht bereit ist sich für diese Gesellschaftsschicht zu öffnen.

Die Geschichte ist auch deswegen so bedrückend, weil sie ein Bild wie aus einer ganz anderen Welt malt – aber bei genauerem Hinsehen gibt es durchaus Parallelen auch zu unserer Realität. Zum Thread geht es entweder hier über den Thread-Reader oder einfach per Klick auf den Tweet:

 


Derweil hat ein ehemaliger hochrangiger NFL-Manager vor zwei Tagen in einer CNN-Kolumne zugegeben, was wir schon immer wussten: Die NFL hat sich gegen Colin Kaepernick verschworen – nicht aus sportlichen oder auch nur politischen Gründen, sondern vor allem aus wirtschaftlichen Überlegungen.

Kaepernicks leiser Protest war während des Präsidentschaftswahlkampfs 2016 von Donald Trump missbraucht und zweckentfremdet worden als allgemeine Ablehnung der US-Nation – für die NFL-Besitzer behaftet mit zu großen Bedenken ob negativer Reaktionen aus der US-Bevölkerung. Ich hatte über das Problem schon einmal kurz in meinem Review zum Buch „Big Game“ von Mark Leibovich geschrieben: Die NFL-Owner waren wie besessen von der Angst vor Trumps Tweets.

 

Friedlicher Protest wurde knallhart abserviert ohne dass sich auch nur ein Jota in der Gesellschaft änderte. Die USA ernten jetzt was sie gesät haben.


Für den Einzelnen gesprochen halte ich Matt Waldmans Rat für den mit weitem Abstand wichtigsten:

You may feel this isn’t going to change the country but this is how it starts. You can’t change things without relationships. You can’t have relationships without dialogue. And you can’t have dialogue without someone trusting you to listen.

It begins that simply.

16 Kommentare zu “Stick to Sports

  1. „You may feel this isn’t going to change the country but this is how it starts.“

    Die Frage ist in welche Richtung sich das Land verändert. Trump nutzt die Gelegenheit gerade gegen seine Feinde vorzugehen. Antifa soll zu Terroristen erklärt werden. Und auf seiner „Wunschliste“ werden noch paar mehr landen.

    Es würde mich bei ihm nicht wundern wenn er fordert das man hinter Facebook Einträgen hinterhergeht und ähnlich nach Erdogans Prinzip Leute die diese Proteste liken als Mithelfer brandmarken will. Oder festgenommene Personen auf den Protesten als solche anklagt.

    Praktischerweise könnte er sich selbst damit Gründe liefern diese Personen von Wahlen auszuschließen, denn Terroristen und deren Mitverschwörer dürfen ja gefälligst nicht wählen. Wen würde es hauptsächlich treffen? Leute die so oder so gegen Trump sind.

    Ach sowas würde nie passieren? Was in den letzten beinahe 4 Jahren abging hatte etliche Situationen von „würde doch nie passieren“…am Ende haben die Republikaner ihm den Freischein gegeben alles zu tun was auch immer er will.

    Er selbst hetzt währenddessen, wie auch schon bei Covid, die Bevölkerung – vor allem in Staaten mit demokratischem Gouverneur – weiter auf und bietet damit genau die Bilder die seine Wählerschaft sehen will.
    Die inkompetenten Demokraten die nichts alleine gebacken bekommen und immer die Hilfe vom großen Führer Trump brauchen.
    Das mag für uns von außen betrachtet lächerlich aussehen, in Amerika gibt es aber noch genug unentschiedene Wähler die dadurch tatsächlich angesprochen werden. Und man muss daran denken, in Amerika braucht Trump keine Mehrheit der Bevölkerung auf seiner Seite.

    Hinsichtlich wie sich das Land entwickeln wird…man darf nie außer acht lassen wie sehr er sämtliche Sicherheitsnetze in Amerika bereits nach nicht mal 4 Jahren durchschnitten hat.
    Mit weiteren 4 Jahren ist es durchaus realistisch das die Republikaner als alleinige Partei übrig bleiben. Also nicht wirklich aber halt als Einzige die Chance hat Wahlen noch zu gewinnen.
    Klar wird es noch Wahlen geben, die ähnlich sinnvoll sein werden wie in Russland oder anderen Ländern wo es Scheinwahlen gibt. Da man einfach eine Mehrheit der Gegenwähler und Kandidaten der Opposition von ihrem Recht abschneidet.

    Schon jetzt baut er seit Monaten seine Verteidigung auf die Wahlen zum Betrug zu erklären. Und dazu wird es 100% kommen sollte er verlieren.
    Mal sind es Briefwahlen, mal die bösen Demokraten die Wähler hin und her fahren. Mal die Wahlbüros wo er nun 100k an republikanischen Wahlprüfern positionieren will…die natürlich nur auf echte Fehler prüfen werden und niemals nicht Wähler schikanieren werden.
    Das div. Wahlbüros in gerade ärmeren und Gebieten mit Minderheiten urplötzlich vor der Wahl verschwinden, ist eh schon seit Jahren Taktik.
    Wenn die Leute über eine Stunde zur nächsten Wahlstelle fahren müssen und dort dann weitere 5 Stunden warten müssen weil es wegen den wenigen Stellen komplett überfüllt ist…dann wählen sie schon mal gar nicht.

  2. @Gorash zum Thema empfehle ich das Bich „How Democracy’s die“ – manchmal etwas dröge und etwas von den Trump Entwicklungen geprägt dennoch spannend.

  3. Sean Payton hat sich schon damals zu Kaepernick sehr deutlich positiv geäussert, ebenso wie er kein Probleme mit Niederknien oder gar Sitzen während der Hymne hatte. Ich denke, der gute Drew hat schon bemerkt, dass Sean nicht ganz so begeistert ist, wenn Schwarze auf der Straße von Weissen umgebracht werden.

  4. @Dizzy mag sein, hab ich damals nicht so deutlich wahrgenommen. Seine jetzige Äußerung ist auf jeden Fall ungewöhnlich deutlich. Das freut mich auf alle Fälle.

    Das Problem mit der Polizeigewalt gibt es leider nicht nur in den USA. Sowohl in Österreich als auch in Deutschland gibt es zum keine unabhängigen Ermittlungsbehörden zu Fällen von Amtsmissbrauch. Wie das in Italien ist, weiß ich nicht (Korsakoff?)

    Zwei interessante und bedrückende Hörstücke dazu:
    Der Fall Oury Jalloh, hier in 5 Folgen minutiös, aufgearbeitet und sehr sehr gut hörbar (auch in der App von ARD Audio am Handy) umgesetzt.
    https://www.ardaudiothek.de/tiefenblick-oury-jalloh/oury-jalloh-1-5-die-leiche-ist-schuld-erschreckende-recherchen-zum-fall/75480352

    sowie von Marie von Kuck aus dem Jahr 2018 – Täter in Uniform – Polizeigewalt in Deutschland
    https://www.swr.de/swr2/doku-und-feature/taeter-in-uniform-swr2-feature-2020-06-03-100.html

    Natürlich bedeutet dies nicht, dass alle PolizistInnen so sind. Aber irgendwie scheint der Beruf Personen anzuziehen denen jegliche Empathie fehlt.

  5. Ad Drew Brees…

  6. Es ist traurig und unverständlich, dass Brees das Knien während der Nationalhymne gleichsetzt mit mangelndem Respekt vor Amerika und seine Begründung ist Bulls****

    Es nährt den Verdacht, dass er sich in seinen zwei Jahrzehnten NFL mit keinem seiner schwarzen Teamkollegen wirklich auseinandergesetzt hat, ihren Beweggründen, Geschichten und Ängsten ernsthaft zugehört hat. Geschweige denn mit einem von Ihnen befreundet war, sonst hätte er sich diese Geisteshaltung aus meiner Sicht nicht bewahren können.

  7. Zum Thema polizisten: meiner Meinung nach ist es der berufliche Alltag. Die meisten von uns müssen nicht jeden Tag besoffene beruhigen, bei häuslicher Gewalt dazwischen gehen etc. . Da geht Empathie verloren.
    Extrem beispiel: Krieg verroht extrem. Der Massenmord an den Juden im zweiten Weltkrieg wäre meiner Meinung nach nicht möglich gewesen, wenn nicht parallel Millionen Soldaten gestorben wären in deutschen angriffskriegen. Das verrohte extrem die ganze Bevölkerung.
    Letztes thema: Empathie geht bei us Polizisten whrschl besonders schnell verloren, da sie täglich Angst haben vor den vielen schusswaffen in privathand.

  8. Ich weiß nicht. Das Vorgehen der Polizei bei vielen der aktuellen Proteste deutet eher auf eine „Aggressor-Theorie“ hin als Selbstschutz.

  9. @Ahmser
    Der Holocaust und das Sterben der Soldaten im zweiten Weltkrieg sind zwei paar Schuhe. SInd da eher Hand in Hand gegangen, siehe Gewinnung vom Lebensraum im Osten durch den Angriffskrieg gegen die UdSSR
    Genocide wie der Holocaust einer war, sind meistens von einer Dehumaisierung der Opfer begleitet bzw ist vorausgehend. Einer sehr guter Freund forscht zum Beispiel an der Uni an der Motivation der Täter und wie sie sich während eines Genocids verändert, ist nur eine Theorie mit Hilfe des Völkermords in Kambodscha, da war nur im Nachbarland der Vietnamkrieg. Ruanda ist auch ein Beispiel dafür, da gab es zwar auch im Nachbarland Kongo den Bürgerkrieg, aber dann in Ruanda Tutsi gegen Hutu, die teilweise vor den Ereignissen Nachbarn waren.

  10. Verrohung spielt Sicherlich eine Rolle und wir sind da wohl abhängiger von den Umständen als wir immer denken wollen, was unsere Entscheidungen angeht.
    Grundsätzlich sollte sich die Debatte aber Meinung nach weniger um Polizeigewalt als um den systematischen Rassismus drehen.
    Das Gewalt von Polizisten ein diskussionswürdiges Thema ist klar, hier sollte aber im Vordergrund stehen, warum Schwarze anders als weiße behandelt werden – und da sind wir eben wieder ganz tief drinnen in Wertvorstellungen, Vorurteilen etc.

  11. Nachdem ich gestern in der Timeline über ein Statement vom Bürgermeister aus Pittsburgh gestoßen bin, wundert mich vieles nicht mehr. Da hat er einen 8 Punkteplan vorgestellt, mit so simplen Sachen, wie das man die Leute warnen soll bevor man mit der Waffe schießt, man möge vorher deeskalieren und weitere Dinge, die doch eigentlich selbstverständlich sein sollten. Ich denke (und das schon seit Jahren) das die US Polizei einfach unfähig ist. Schlechte Auswahl (viele Polizisten neigen wohl zu häuslischer Gewalt) und Ausbildung.

    Da kommt einfach ein Haufen Faktoren zusammen, Dehumanisierung von Demonstranten wird vermutlich auch reinspielen. Dann gibt es als Salz oben drauf FOX News und ein Präsident der durchgeknallt ist.

  12. Alle Sicherungen sind jedenfalls nicht bei allen richtig angeschlossen. Mehr als 250 Videos mit Polizeigewalt allein in den letzten Tagen sind schon online gegangen – wo die Polizei doch weiß, dass gefilmt wird:

    Hier gegen einen älteren, weißen Mann:

    Hier gegen eine junge Frau:

    Es gibt auch Videos, in denen Kameraleuten von offiziellen TV-Stationen in den Magen geschlagen wird.

  13. Spät aber doch nun auch Godell mit einem geschliffenen Text… We were wrong for nor listening…

    Aber es fehlt das: We are sorry Colin Kaepernick… 🙄

  14. Pingback: Trade-Deadline, Demokratie-Deadline | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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