Welchen Quarterback werden die San Francisco 49ers draften?

Die Schockwellen vom zweistufigen NFL-Draft-Dreiecksgeschäft zwischen den San Francisco 49ers, Miami Dolphins und Philadelphia Eagles sind noch nicht abgeebbt, da sorgt ein Scout-Insider für die nächsten.

Wird es Mac Jones?

Der in NFL-Kreisen nicht schlecht vernetzte Daniel Jeremiah (@movethesticks vom NFL Network) berichtete gestern im „The Athletic“ Podcast von Robert Mays davon wie ein Großteil seiner NFL-Quellen davon ausgehe, dass Kyle Shanahan am 29. April mit dem teuer erkauften Pick Mac Jones von Alabama draften wird.

Bäm.

Jones ist auf den meisten Boards der QB5. Dass Shanahan einen durchaus eigenen Geschmack für seine Quarterbacks hat, ist längst bekannt. Shanahan sieht seine Quarterbacks im Kern weniger als eigenständige Subjekte, sondern vielmehr als seinen verlängerten Arm auf dem Spielfeld – quasi wie ein Maddenspieler die Figuren auf der Konsole, die er mit seinem Joystick steuert.

Matt Schaub in Houston. Kirk Cousins in Washington. Matt Ryan in Atlanta: Alles Pocket-QBs, denen man vergleichsweise geringes Ego nachsagt, die aber innerhalb der Leitplanken von Shanahans Offenses ihr volles Potenzial ausschöpften.

In der NFL hält sich seit langem der Glaube, dass Shanahan schon vor neun Jahren beim letzten Draft-Trade mit drei 1st Roundern – dem RG3-Redskins/Rams-Trade – nicht den spektakulären, letztlich von Washington einberufenen Robert Griffin III, favorisierte, sondern den banalen Cousins (den Washington schließlich in Runde 4 gleich mit draftete).

Denn: Cousins macht genau das was sein Coach von ihm verlangt. Kein Playmaking auf der Jagd nach dem Goldenen Schuss. Einfach Spielzug für Spielzug das abarbeiten das Scheme ihm bietet – in 98% der Fälle, denkt sich Shanny, reicht das aus, denn mein Scheme ist einfach so gut.

Der Glaube, dass nun Jones – und nicht ein physisch talentierterer Playmaker wie Justin Fields oder Trey Lance das Ziel aller Träume sein soll – fußt genau darauf: Dass Shanahan einen QB mit schnellem Urteilsvermögen will, einen kontrollierbaren echten Ballverteiler am Feld.

Lance ist talentiert, aber nicht so geschliffen wie Jones. Fields‘ Probleme im blitzschnellen Lesen von Defenses hat sich über die letzten Wochen zur Krux entwickelt.  

Zu allem Überfluss schickt Shanahan nur einen rangniedrigen Scout zu Justin Fields‘ Pro Day nach Columbus, während er selbst mit den Big-Bossen nach Tuscaloosa fährt zur Aufwartung von Jones‘ Pro Day – alles schön verpackt mit den entsprechenden verbalen Takes:

Gestern sprang Jones dann gleich auch raus als Wettfavorit auf den #3 Overall Pick:

Ich halte das alles für Bullshit. Wo Feuer, da Rauch schön und gut – aber wir sind in der Draft SZN und dort wird gelogen, dass sich die Balken biegen.

Warum ich nicht an Mac Jones in San Francisco glaube

Dass Jones nach San Francisco geht, glaube ich ab dem Moment, in dem es passiert. Ballverteilen aus der Pocket ist und bleibt der wichtigste Skill eines NFL-Quarterbacks und vielleicht ist Jones darin grad jetzt sogar schon weiter als Lance oder Fields, doch wir haben in den letzten Jahren immer stärkeren Trend hin zu mobileren Quarterbacks gesehen, die ihre Mobilität nicht bloß als zusätzliche Dimension in ihrem Spiel nutzen, sondern auch als Zeitgewinn bis zur Perfektionierung ihres Pocket-Spiels.

Jan Weckwerth und Christian Schimmel sehen sogar in Lance, nicht Jones, den idealen Quarterback für Shanahans Offense – und sie sind dabei längst nicht die einzigen. Widezone/Shanny-Offense und Mobilität/fetter Arm schließen sich nicht gegenseitig aus.

Ein Aaron Rodgers revitalisierte jüngst in haarklein dieser Offense seine Karriere und wurde zum NFL MVP. Hell: In der gleichen NFC West, in der Shanahan angeblich mit Jones an den Start gehen möchte, wirft Musterschüler Sean McVay Matthew Staffords Monsterarm entgegen, nachdem er sogar noch draufzahlte den letzten „Jones“, Jared Goff, zu verhökern. McVay lacht sich beim Gedanken daran, dass sein Ex-Chef nun mit dem hier kontert, kaputt.

Mark Bullock, der unter anderem während der Shanahan-Zeit die Washington Redskins coverte, erinnert daran wie Shanahan sehr wohl den Wert von Rushing-QBs zu schätzen weiß und wie er davon ausgehend eine gefährliche Option-Offense zu bauen vermag („build off it“):

(H/T Fabian Sommer)

Hier geht es zu einem großartigen Twitter-Thread von Bullock, der aufzeigt wie die Shanahan/McVay-Denker sich in den letzten Jahren vom Glauben an den reinen „Ideen-Umsetzer“ am Feld emanzipiert haben könnten.

Also dann?

Jones als Ziel von Shanahans Träume wäre ziemlich retro. Nicht ausgeschlossen, dass Shannys an Hybris grenzender Glaube an sich selbst noch immer für genug Verblendung sorgt, dass er zu einem Move für einen mittelmäßigen QB-Prospect inmitten des talentiertesten Jahrgangs seit Erfindung der Weißwurst führt.

Aber ich glaube nicht daran. Jones ist zwar keine Statue, aber kein idealer Fit für Rollouts. Jones ist kein Mann für Attacke auf allen Zonen des Spielfelds. Jones ist keine Bedrohung als Runner. Shanahans „System“ müsste einige Dimensionen wettmachen um ein Übergehen von Lance oder Fields zu rechtfertigen. Es müsste aus Jones in Rekordtempo hochklassige Ballverteilung herauskitzeln – a) um überhaupt Garoppolos „Top-15 Status“ zu erreichen, b) um den gezahlten Preis zu rechtfertigen, c) um länger in Superbowl-Contention zu bleiben, auch wenn der Kader es irgendwann nicht mehr so einfach hergibt.

Selbst Shanahan muss wissen, dass in letzter Konsequenz Talent Coaching schlägt. Dass eigentlich sogar gerade sein Scheme mit seinem relativ hohen „Floor“ dafür spricht, Upside/Potenzial im nächsten Quarterback-Prospect zu jagen.

Es stimmt, dass die 49ers nix zu gewinnen haben, wenn sich ihre vermeintliche Affinität für Jones als blankes Gerücht herausstellt. Aber Punkt ist auch: Sie haben dabei nix zu verlieren.

Kansas City West?

Die Situation in San Francisco ist für mich einfach zu ähnlich mit jener in Kansas City vor ein paar Jahren: Sehr gutes Team, sehr gutes Coaching, immer wieder knapp vor dem Durchbruch, aber „nur guter“ QB. Ein teurer Quarterback-Move als Ausbruch aus dieser Spirale. Attacke auf die Quarterback-Upside. „Einschulungsplan“ konsequenz verfolgt und damit das Team auf ein ganz neues Level gehievt. Juggernaut gebaut.

Ohne zu erwarten, dass einer der Prospects aus dem Draft 2021 auch nur entfernt Mahomes‘ Klasse erreichen wird: Ich würde einiges drauf wetten, dass nach dem Mega-Trade vm Freitag Lance oder Fields in San Francisco landen – und sehe dann mindestens eine 50/50 Chance, dass Garoppolo noch ein Jahr bei den Niners bleibt um Zeit und Absicherung für die Entwicklung des Sprösslings zu geben.

Alles andere klingt für mich nach Wahnsinn – und zwar nicht nach inspiriertem Wahnsinn.

13 Kommentare zu “Welchen Quarterback werden die San Francisco 49ers draften?

  1. Mac Jones von Alabama bei den New England Patriots.
    SOLLTE er noch auf dem Board sein, weshalb nicht? Mein Bauchgefühl spielt seit längerem mit diesem Gedanken. Würde dieser Typ QB doch zum System Belichick passen, oder übersehe ich da was?

  2. Toller Beitrag (wie immer), danke dafür.
    Als Niners-Fan und langjähriger „stummer“ mitlesender Fan diese Blogs freue mich sehr, dass SF gerade etwas mehr Rolle spielt. Auch wenn ich den Move irgendwie noch nicht so ganz einschätzen kann, um ehrlich zu sein.
    Als ich über NFL Network die Breaking News zum Trade erhalten habe, war ich ehrlicherweise ein wenig geschockt. Liegt vielleicht auch daran, dass die Niners in der Vergangenheit ja eher zurückhaltend waren was überraschende, teure Moves in Free Agency und Draft angeht. Meist lief es dann auf solide (und ja auch gute) Defense-Picks raus. Auch wenn die letzten Jahre schon mal mit frühen 1st Round Picks gute QBs machbar gewesen wären…

    Mein erster Gedanke war: „klar, jetzt wirds ein QB“, auch wenn ich den Move dahingehend weiterhin nicht verstand. Lawrence (Jaguars) und Wilson (Jets) sollten beide an 3 weg sein. Und Trey Lance (auch mein Favorit) wäre wohl auch später noch zu haben gewesen. Und wenn (falls) es jetzt Mac Jones werden sollte, wäre der Move absoluter Wahnsinn meiner Meinung nach. Denn den hätte man an 12 in jedem Fall noch bekommen müssen. AUSSER: SF wusste irgendwoher, dass Mac Jones noch bei einem Team (Patriots?) auf dem Zettel steht und bereit wäre hoch zu traden. Dann musste man (aus Sicht von Shanny) natürlich einen Deal mit den scheinbar trade-willigen Fins eingehen. Das würde dann aber wieder eher auf Mac Jones hindeuten. Oh Mann, diese Offseason macht mich fertig. So schön und interessant ich das auch finde… 🙂

    Mein Gefühl sagt mir, dass da noch irgendwas überraschendes kommt. Wäre es denkbar, dass die Niners den Spot an 3 nur genommen haben, um ihn für was ganz anderes (weiterer Trade?) einzusetzen? Oder ist das völlig abwegig?

    @korsakoff/all: wie siehst Du oder wie seht Ihr das? War der Move nicht viel zu teuer, „nur“ einen drittbesten QB zu holen, egal ob für Lance oder Jones? Und ich frage das, trotz der Tatsache, dass ich ein „Fan“ von Lance bin und ihn mir durchaus wünschen würde…

  3. „Denn den hätte man an 12 in jedem Fall noch bekommen müssen. AUSSER: SF wusste irgendwoher, dass Mac Jones noch bei einem Team (Patriots?) auf dem Zettel steht und bereit wäre hoch zu traden.“

    Ich denke mal es ist eher unwahrscheinlich das KEIN Team hochgetradet wäre um einen zu bekommen.
    Und ob der QB an 12 noch dagewesen wäre, wage ich zu bezweifeln.
    Panthers und Broncos könnten einen brauchen. Falcons könnten einen nehmen. Patriots könnten hochtraden weil sie einen brauchen.
    Selbst die Giants könnte ich als potentielles Team sehen das sich einen nimmt falls doch noch aus welchen Gründen auch immer einer von den Kandidaten runterutscht.
    Ach da könnten so viele Teams in Frage kommen.
    Vielleicht nicht die ausdrücklich damit geplant hatten – weil sie nicht damit gerechnet haben ihn überhaupt noch zu bekommen – aber einen dann doch nehmen allein weil sie plötzlich die Möglichkeit dazu haben.

  4. Mac Jones ist ja in Jacksonville aufgewachsen. Vielleicht picken ihn ja auch die Jaguars anstelle von Lawrence :D. Das würde den Draft schön durcheinander wirbeln.

  5. RE: Jones/Patriots

    Ich sehe da ehrlich gesagt momentan wenig Verbindung, außer vielleicht, dass Belichick haufenweise Tight Ends für die Kontrolle der Spielfeldmitte gekauft hat und Jones in Alabama genau diese Mitte bedient hat.

    Aber sonst fände ich einen mobileren QB in der Patriots-Offense wesentlich spannender.

  6. @Brownie / 49ers Trade Value

    Gemessen an traditionellen Trade Value Charts ist es natürlich teuer.

    Aber San Francisco wird Quarterback draften und hat einen ziemlich klaren Need auf der Position, weil Garoppolo zu verletzungsanfällig ist um mit ihm noch lange als Starter zu planen.

    Und Quarterback ist ganz einfach das 3-4fache von anderen wichtigen Positionen wie WR oder OT wert. An PFF WAR gemessen gewinnt San Francisco dank der Möglichkeit QB zu draften den Trade haushoch für sich.

    Wenn wir davon ausgehen, dass Miami mit Tua im Roster eh keinen QB braucht, dann sind übrigens auch die Dolphins Gewinner dieses Trades:

    Freilich, wenn SF jetzt Christian Barmore draftet, sieht die Geschichte ein kleines bisschen anders aus…

  7. Aus Sicht der 49ers:
    Es sind 4 spannende QBs im Draft, plus Mac Jones. Jaguars und Jets nehmen da zwei von, Broncos und Panthers sind heiße Kandidaten für die anderen beiden. Dazu sind die Falcons und die Eagles vllt versucht einen QB zu nehmen wenn der Draft für sie passend läuft, einfach weil ihnen die Gelegenheit in den Schoß fällt. Macht schon 6 Konkurrenten um 4+1 Spieler vor dir in der Reihenfolge, und Miami ist bereit das Fenster auch für Teams hinter dir zu öffnen. (Das trifft evtl auch auf die Falcons zu…)

    Da muss am Drafttag schon vieles gut für dich laufen um einen QB zu kriegen… Insofern: Wenn die 49ers in diesem Draft einen QB wollen, dann geht das fast nur mit diesem Trade.

  8. Jap, ich gehe auch davon aus, das 5 QBs in den Top Ten vom Board gehen werden, von daher hatte SF keine Wahl als hoch zu traden. Glaube auch nicht, das SF an 3 jetzt noch was anderes machen wird als einen QB zu picken.

    Ist das ganze Drumrum, nur einen rangniedrigen Scout zu den ProDays von Fields zu schicken & selber zu Jones zu fliegen von Shanny & SF nicht evtl. nur eine Nebelkerze?
    Wie „gesichert“ ist es denn überhaupt das die Jets tatsächlich Wilson picken?

    Hehe, das wäre es ja noch, wenn die Jags statt No-Brainer Lawrence, Jones als ihren Hometown-Guy picken 😉

  9. Kann mir nicht vorstellen, dass die Falcons keinen QB draften. Lawrence, Wilson, Fields und Lance werden nach den ersten vier Picks weg sein….

  10. Pingback: NFL erweitert Spielplan, Justin Fields erweitert Hype | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  11. Shanahan wird einen Teufel tun und sich mit Jones den nächsten limitierten QB zu holen, selbst wenn er besser als Jimmy G ist. Er möchte Flexibilität und keinen Quarterback, dessen Profile in der NFL so langsam aber sicher dem Ende zugeht. Ich glaube nichts was zu SF und Jones sagt. Es wird 100% Lance oder Fields, da die Jets vermutlich Wilson nehmen. Jones an 3 zu picken wäre einfach nur dämlich. Fünfbester QB der Klasse. Können Denver oder Panthers später gerne nehmen.

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