Gut, aber nicht gut genug: Jets-Draft 2021

Die New York Jets sind es im NFL Draft 2021 eigentlich ganz gut angegangen. Eigentlich. Denn es gibt das eine dicke Minus.

Wenn wir die gedrafteten Jets-Prospects anschauen…

RdPickPos.NameCollegePublicBoard
12QB Zach WilsonBYU 6
114OGAlijah Vera-TuckerUSC 16
234WR Elijah MooreOle Miss 34
4107RB Michael CarterNorth Carolina 68
5146Jamien SherwoodAuburn 194
5154CB Michael Carter IIDuke N/A
5175CB Jason PinnockPittsburgh 292
6186Hamsah NasirildeenFlorida State 94
6200CB Brandin EcholsKentucky 273
6207DI Jonathan MarshallArkansas 288

…dann sehen wir folgende Themen:

  • Offense und Hilfe für den jungen QB-Prospect Zach Wilson in den ersten vier Runden
  • Depth-Picks für die Defense in den letzten Runden
  • Guter Value gemessen am Big Board in den ersten vier Runden

Ohne Wissen um Draft-Day-Trades könnte man den Jets ein gutes Zeugnis ausstellen. Aber ich berücksichtige Trades, und der Jets-Uptrade von #23 auf #14 um den Offensive Liner Alijah Vera-Tucker (Kosename AVT) zu draften, war einer der schlimmsten Moves am ganzen Draftwochenende.

Wenn nicht gar der übelste.

Der höllische Trade

Es war ein Trade der Marke „Käufer zahlt den Jimmy-Johnson-Preis“, Verkäufer kriegt den „modern Chart Preis“:

Die Jets verkauften die #23 und zwei 3rd Rounder (#66 und #86) um sich die neun Spots nach oben zu hieven (und bekamen den Picks #143 von den Vikings zurück). Es war einer der klassischen „ich hole mir meinen Guy koste es was es wolle“-Trades. Das ist keine weise Art zu handeln.

Film-Guys haben ihr Urteil natürlich längst gesprochen: Guter Move, denn AVT ist ein genialer Prospect, und junge Quarterbacks brauchen Protection, also was willst du mehr?

Und sie mögen in einem Vakuum recht haben. Doch die Opportunitätskosten sind einfach monströs.

Nimmt man PFFs WAR-Metrik als Grundlage, dann haben die Jets im Schnitt 0.27 WAR verschenkt und verlieren den Trade in 62% der Fälle.

Nach Ethan Douglas‘ Methode haben die Jets fast 14% Draft-Value verloren.

Schauen wir mit der Brille der Cap-Bewertungsmethode drauf, so haben die Jets fast 7 Mio. an Wert verbrannt. AVT müsste demnach der zweitbeste Guard der NFL werden um diesen Trade zu rechtfertigen.

Das sind hohe Erwartungen.

Sonst war die Devise in Ordnung

Von diesem Horror-Trade abgesehen war der Jets-Draft wie schon zuvor die Free Agency durchaus in Ordnung. Die Jets haben das Experiment mit QB Sam Darnold beendet und das Feld bereitet für den neuen Franchise-QB Zach Wilson.

Wilson war jetzt nicht mein favorisierter QB in diesem Draft, doch immerhin kommt er in jenes Wide-Zone-System, in dem er schon am College gut aussah. Wilson ist ein QB mit einem spektakulären Highlight-Tape. Seine Analytics-Projection ist eine ziemlich gute.

Aber Wilson ist auch ein etwas verblüffender QB, weil er die wichtigste Zone der Wide-Zone-Systems, die Spielfeldmitte, mied wie der Teufel das Weihwasser. Wilson brillierte in Play-Action und Deep-Ball-Game, genoss aber den Luxus von sehr sauberen Pockets, und sein Arm ist nicht ganz so gut wie gedacht.

Aber immerhin haben die Jets aus der missratenen Darnold-Epoche gelernt und Wilson in dieser Offseason aggressiv Hilfe zur Seite gestellt. Einmal sind da natürlich die neuen Coaches aus Shanahans San-Francisco-Offense.

Dann wären da die neuen Receiver: WR Corey Davis, der für gutes Geld aus Tennessee geholt wurde, und Elijah Moore, der hoch gehandelte Slot-Receiver, der zu Beginn der zweiten Runde gezogen wurde. Die beiden sind die neuen Flankenmänner von Denzel Mims, letztes Jahr mit viel Trara in der zweiten Runde gedraftet, aber als Rookie in einer von Beginn an kollabierenden Jets-Offense auf verlorenem Posten.

Als Receiver-Trio liest sich Mims / Davis / Moore, eventuell mit einem Jamison Crowder in der Hinterhand (Crowder ist so teuer, dass er noch gecuttet werden könnte), recht attraktiv. Auf Tight End hat man nicht viel gemacht. Dafür ging der 4th Rounder in Michael Carter für einen fangstarken Runningback weg. Gemessen an den verfügbaren Optionen war das ein vertretbarer Move.

Bleibt die Baustelle Offensive Line. Mit Vera-Tucker hat man immerhin eine der drei offenen Posten mit einem höherklassigen Talent besetzt. Left Tackle (Mekhi Becton), Left Guard (AVT) und Center (Connor McGovern) sind damit erstmal im ersten Anzug gefixt. Right Guard und Right Tackle bleiben allerdings noch Schwachstellen.

Doch eines der Credos im Team-Building lautet: Du kannst nicht alles in einer einzigen Offseason retten. Unter dieser Prämisse sind die Jets erstmal schon einen ganzen Schritt weiter als vor einem Jahr.

Ich mochte auch die generelle Herangehensweise: Viel Offense zu Beginn um dem jungen QB eine gute Infrastruktur zum NFL-Start hinzustellen. Viele Defense-„Darts“ am Ende des Drafts um zu schauen ob man die seit Jahren dahinsiechende Abwehr vielleicht doch mit eher billigen Mitteln reparieren kann. Gelingt es: Jackpot. Gelingt es nicht: Auch egal. Jets-Fokus kann nicht 2021 sein, sondern 2022 und darüber hinaus. Und bis dahin hat man lieber zuerst die Offense ins Werfen gebracht.

Also warum nur Note C?

Die Opportunitätskosten, Baby. Ich kann einem Draftprozess mit so einem bitteren Trade wie jenem für AVT keine höhere Bewertung geben. Es waren einfach zu viele ähnlich gut geratete O-Liner am Board, als dass die Jets das Abzugshändchen durchdrücken und all das Draftkapital verpulvern konnten um „ihren Guy“ zu kriegen. Die Geschichte zeigt, dass das keine gute Idee ist – und vor allem nicht für einen interior O-Liner!

Stell dir einfach vor, was die Jets mit dem späteren 1st Rounder und den beiden 3rd Roundern noch alles hätten veranstalten können. Die Vikings haben mit einem der beiden Picks z.B. einen weiteren Offensive Guard gedraftet. Die Jets hätten weitere Ressourcen in den Receiving-Corps oder die Secondary stecken können.

Ich mochte die Idee, Jamal Adams letzten Sommer für zwei 1st Rounder zu verkaufen anstatt ihm einen teuren Langzeitvertrag zu geben. Aber das heißt nicht, dass man mit diesen frisch gewonnenen Picks umgehen sollten als seien sie eh nur ein „Bonus“ gewesen. Gerade die Jets, die auf vielen Schlüsselstellen noch immer gefährlich dünn besetzt sind, hätten gut daran getan, mit dem Franchise-QB on board noch mehr aufzubolstern als sie es eh schon gemacht haben – eben überall, wo es nur geht.

Denn: Gut ist in nicht gut genug.

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