Die furchtlose NFL-Vorschau 2017/18 | Die Titelaspiranten

Heute Nacht wird die NFL-Saison 2017/18 mit dem Spiel zweier Titelkandidaten, New England Patriots (Titelverteidiger) und Kansas City Chiefs, eröffnet. Beide Mannschaften sind auch im abschließenden Teil der großen, furchtlosen NFL-Vorschau 2017/18 zu finden. In diesem letzten Preview-Teil werden die acht Mannschaften unter die Lupe genommen, die die größte Chance auf den Gewinn der Lombardi-Trophy haben.

Denn während in der zweiten und dritten Stufe Mannschaften auflaufen, die oft wie einbeinige Krüppel wirken, jederzeit bereit umzukippen, haben die acht Mannschaften wie heute ein komplettes Arsenal zur Verfügung um den Titel zu holen.

Dies ist die fünfte Auflage der furchtlosen NFL-Vorschau. Die bisherigen Superbowl-Champs waren an #2 (Seattle 2013), #2 (New England 2014), #4 (Denver 2015) und #1 (New England 2016) klassiert. Die NFL ist seit dem Überraschungssieg der Giants 2011 und Baltimore Ravens 2012 in den letzten Jahren zu einer Liga geworden, in der sich die absolute Spitzenqualität auf einige wenige Mannschaften fokussiert. Auch heuer wieder sind die vordersten Plätze von einigen alten Bekannten belegt.

#8 Philadelphia Eagles

  • Playoff-Wahrscheinlichkeit: 34.2%
  • Superbowl-Wahrscheinlichkeit: 3.5%
  • Titel-Wahrscheinlichkeit: 1.0%

Das neue Gesicht sind die Philadelphia Eagles, die letzte Saison mit 7-9 Bilanz die Playoffs in der schwierigen NFC East verpassten, aber zu den Lieblingen der Advanced-Stats gehörten. Sie galten als eher unglückliches Team. In der Debütsaison von Head Coach Doug Pederson hatte man ein positives Punktverhältnis und 9.0 Pythagorean, verlor aber sechs der sieben Spiele, die innerhalb eines Scores Differenz endeten.

Eine Offseason später schaut die Mannschaft exzellent aufgestellt aus um im Divisionsrennen ein lautes Wörtchen mitzureden. So hat GM Howie Roseman notwendige Investitionen in Wide Receiver, Defensive Line und Secondary getätigt und flößt damit dem Kader an wesentlichen Stellen neue Tiefe ein.

Prunkstück der Mannschaft dürfte die Defense sein, die von DefCoord Jim Schwartz gemanagt wird. Es ist eine druckvolle 4-3 Unit, die letztes Jahr zwar 6.5 NY/A gegen den Pass aufgab und auch mit 5.8% Sack-Quote nur Durchschnitt war, aber: Die Eagles hatten mit 32% Pressure-Quote den drittbesten Wert der NFL, obwohl sie ein gigantisches Loch auf Cornerback durchschleifen mussten.

Die Löcher sollten nun etwas gestopft sein: In der Front Seven holte man den famosen DT Timmy Jernigan aus Baltimore, DE Chris Long aus New England und Rookie-DE Derek Barnett in der 1ten Runde des Drafts. Sie vertiefen eine Unit, die in DT Fletcher Cox und DT/DE Brandon Graham bereits zwei massive Pass Rusher aufstellte. Einzig der Abgang des starken 1-tech NT Bennie Logan nach Kansas City dürfte weh tun.

Noch wichtiger waren die Moves in der Secondary, wo im August in einem Trade CB Ronald Darby aus Baltimore geholt wurde. Darby gilt als exzellenter, junger Manndecker. Er ist nun der einzige erprobte Cornerback im Eagles-Kader. Aber ein erprobter Corner ist besser als keiner. 2016 hatten sie keinen. Hinter ihm werden CB Robinson, CB Mills und Rookie-CB Douglas spielen – sie alle sind keine Stars, aber unterstützt von einem tieferen Passrush und einem (potenziell) echten #1-CB wie Darby sollte sich der Schaden in Grenzen halten. Zumal das Safety-Pärchen McLeod/Jenkins als eines der besten in der Liga gilt.

Letztes Jahr hochgelobt, aber beim genaueren Blick hinter die Fassade doch etwas mau: Die Offense. Vor allem das Passspiel war mit 5.6 NY/A dann doch nicht so grandios wie es alle Medien weismachen wollten. Dennoch: Es war das Rookiejahr von QB Carson Wentz, der so gut wie keine vernünftigen Receiver hatte und hinter einer Offense Line spielte, die 10 Spiele lang auf den dopinggesperrten OT Lane Johnson verzichten musste.

Johnson ist nun wieder pronto – und die Offense Line der Eagles gilt mit ihm als eine der am besten besetzten in der NFL. Ein Tackle-Pärchen Peters/Johnson, dazu ein Center wie Kelce und zwei Guards wie Seumalo und Brandon Brooks (letztes Jahr nur 1 Sack aufgegeben) liest sich als Stammformation fantastisch.

Dazu wurden Wentz Waffen eingekauft: WR Alshon Jeffery kommt aus Chicago und ist die echte #1, die Wentz 2016 nicht hatte. Jeffery hatte nun zwei Jahre Verletzungsprobleme, gilt aber nun als ausgeheilt und ist ein Mann, der für 75-80 Catches bei 15yds/Catch zu haben ist. Sein Counterpart ist der Sprinter Torrey Smith, der nicht als guter Route-Runner gilt, aber eine Defense auseinanderziehen kann. Als #3 und #4 sind die jungen Mack Hollins und Nelson Agholor angedacht – das ist ein besser WR-Corp als früher, als du auf Green-Beckham oder Matthews vertrauen musstest. Plus: TE Ertz ist wieder zurück.

Im Laufspiel hat man sich den Bolzen RB Blount aus New England geholt um mehr „short yardage“ Power zu bekommen. Blount war noch überall außerhalb von Foxboro ein Bust – kann er bei den Eagles erstmals an seine Patriots-Form anschließen? Blount wird sich die Stammrolle mit Smallwood und dem Passfänger Sproles teilen.

Vieles hängt aber an der Entwicklung von Wentz. Dessen Ansätze waren vielversprechend, auch wenn nicht überragende Stats dabei herauskamen. Wentz ist kein klassischer Checkdown-Spezialist im Sinne von Alex Smith oder dem „Rookie-Derek Carr“. Er hatte schlicht nur das Material um an der Anspiellinie zu operieren. Dafür, dass er von der FCS in die NFL kam, war Wentz durchaus eine positive Erscheinung.

Philadelphia ist natürlich keine sichere Bank. So schwer der Ausfall von OT Johnson wog – die Verletztenliste bei den Eagles war nicht lang: #4 nach AGL. Was passiert, wenn es den einen oder anderen Starter mehr erwischt? Ist die Tiefe schon gut genug um das zu kompensieren? Und ist die NFC East nicht doch zu eng um einen klaren Favoriten zu benennen?

Möglich. Aber von allen Teams in der NFC East scheinen mir die Eagles vor der anstehenden Saison jenes mit den wenigsten Fragezeichen zu sein.

#7 Atlanta Falcons

  • Playoff-Wahrscheinlichkeit: 59.1%
  • Superbowl-Wahrscheinlichkeit: 12.5%
  • Titel-Wahrscheinlichkeit: 5.2%

Die Atlanta Falcons sind einer der Lieblinge der Pundits vor dieser Saison – und wer diese Mannschaft gegen Ende der letzten Saison hat spielen sehen, der weiß warum: Grandiose Offense, die vielleicht schönste NFL-Offense der letzten zehn Jahre, gepaart mit einer geschwindigen, sehr aufregenden Defense, die in Kürze zu den besten der Liga gehören könnte. Das führte dazu, dass die Falcons bereits die Superbowl-Trophäe stemmten…

…in ihren Träumen. Doch bekanntlich gab es ein böses Erwachen. Sie vergeigten es noch und verloren einen 25-Punkte Vorsprung an die eiskalten Patriots.

Dieser Kollaps ist auch der Hauptgrund, wieso es an dieser Stelle Skepsis gegenüber den Falcons gibt. Die Skepsis ist mir nicht angeboren: In den letzten Jahren hatte ich Atlanta stets höher gerankt als die meisten Portale – schlicht, weil solche Teams mit großartiger Offense meist nur eine einigermaßen passable Defense brauchen für einen Ansturm auf die Lombardi Trophy.

Und die Mannschaft von Head Coach Dan Quinn hat im Vorfeld der Saison 2017/18 auch die meisten Ingredienzien beisammen um das Verpasste nachzuholen. Hätten die Birds, sagen wir, im Viertel- oder Halbfinale knapp verloren, sie würde als gigantischer Sleeper und Geheimfavorit jedes Pundits ins Rennen gehen, ähnlich den Seahawks vor der Saison 2013. Aber sie haben auf derart spektakuläre Weise die Super Bowl verloren, dass es schwerfällt, von einem Team under the radar zu sprechen.

Stell es dir so vor: Ich bin seit 15 Jahren durchaus Sympathisant der Patriots. Aber ich konnte nach Ende der Superbowl monatelang keinen Football mehr schauen. Der Einbruch der Falcons hat mein Herz zerrissen. Und ich habe noch nichtmal irgendeine besondere Zuneigung zu diesem Team. Wie muss es einem ewig Übersehenen wie QB Matt Ryan gehen, der endlich „die Chance“ hatte sie unsterblich zu machen und so kurz davor scheiterte? Wie muss es der Beletage um Owner Arthur Blank gehen, der zehn Jahre nach dem Fiasko Vick das Fiasko Brady erlebte?

Ohne es zu prognostizieren, aber es würde mich nicht aus den Socken hauen, wenn die Atlanta Falcons in der Ära Quinn nie mehr ein Playoffspiel gewinnen und wir uns in drei Jahren wundern, warum sie Quinn nicht noch in der Umkleidekabine in Houston gefeuert haben. Auf der anderen Seite lese ich bei Chase Stuart, dass es schon in der Vergangenheit immer wieder Teams gab, die in Erwartung des großen Moments krepiert sind – und die sich dann doch noch am Riemen reißen konnten. Bayern holte zwei Jahre nach Barcelona die Champions League. Milan zwei Jahre nach Istanbul. München im Jahr nach Chelsea.

Kann es tatsächlich sein, dass die Atlanta Falcons schlicht noch nicht „reif“ genug waren um den Scheiß 2017 durchzuziehen? Oder dass sie einfach endloses Pech hatten? Oder dass es schlicht Zufall war und sie mental bereits den Haken gesetzt und auf 2018 blicken?

Dan Quinn muss auf alle Fälle gleich viel Psychologie wie Footballtrainer sein. Und seine Offense muss den Abgang vom gehypten OffCoord Shanahan verkraften – Shanahan wird durch Steve Sarkisian ersetzt, der wechselhafte Jahre mit Alkoholproblemen, Entlassung bei USC und Wiederauferstehung in Alabama hinter sich hat.

Die Offense ist grosso modo beisammen geblieben – bis auf FB Patrick DiMarco, der nach Buffalo wechselte. QB Ryan wird kaum noch einmal 8.2 NY/A im Passspiel fabrizieren, aber den zu erwartenden Effizienzverlust sollte eine Defense auffangen, die sich im Lauf von 2016 rasant entwickelte und die nun neben mehr Kadertiefe drei wesentliche „Neulinge“ begrüßen kann:

  • DE Tarrick McKinley, 1st Rounder im Draft
  • DT Dontari Poe, einstiger All-Pro und erst 27, der in Kansas City entbehrlich wurde
  • CB Desmond Trufant, 2016 langzeitverletzter Manndecker, für einige ein Top-5 Manndecker in der NFL

Der Pass Rush bleibt zwar mit DE Vic Beasley (16 Sacks trotz wenig QB-Pressures) und Rookie McKinley ein Fragezeichen, aber dafür hat man in den DTs Upshaw und Grady Jarrett starke Inside-Rusher und in DT Poe einen 150kg-Bolzen, der dem flinken LB Deion Jones den Rücken freihält. Und in der Deckung kannst du mit Trufant eine Secondary verstärken, die letztes Jahr schon ohne ihren Top-Mann eine sensationelle zweite Saisonhälfte spielte. Dass CB Collins die halbe Saison gesperrt ausfällt, fällt angesichts der superben Entwicklung von CB Alford und seiner Gefolgschaft um CB Poole und Goodwin vielleicht noch nichtmal so stark ins Gewicht – auch weil FS Keanu Neal schnell und kräftig genug ist um jeden Tight End abzudecken.

Ich gebe zu: Die meisten meiner Bedenken bezüglich der Falcons sind psychologischer Natur. Ich würde es Blank, GM Thomas Dimitroff, Quinn, Ryan und vor allem dem göttlichen WR Julio Jones wirklich vergönnen. Die Falcons sind mein sentimentaler Favorit für die anstehende Footballsaison. Allein – ich tue mir schwer.

Ich habe Super Bowl 51 nicht vergessen. Wie sollen es die, die mitten rein getroffen wurden, jemals vergessen? Mit einem Triumph in #52? Klar, aber bis dahin musst du die Geister vertreiben.

#6 Kansas City Chiefs

  • Playoff-Wahrscheinlichkeit: 56.3%
  • Superbowl-Wahrscheinlichkeit: 7.7%
  • Titel-Wahrscheinlichkeit: 4.1%

Die Kansas City Chiefs sind in der Ära unter Head Coach Andy Reid und QB Alex Smith ein Team Marke „jup, gut. Aber nicht gut genug um den Titel zu holen“. Sie fühlen sich nicht wie ein Titel-Contender an, da kannst du im Arrowhead Stadium noch so oft den #2 Seed (wie 2016) holen – mit einer derart banalen Pass-Offense und einer guten, aber nicht auffällig dominierenden Defense haben die Chiefs schlicht zu wenige optische Alleinstellungsmerkmale um im Titelrennen als echter Contender wahrgenommen zu werden.

Aber sehen wir die Sache mal ein wenig anders: Kansas City war in den letzten beiden Jahren #6 und #4 im Power-Ranking. Die Chiefs hatten 11.2 und 10.1 Pythagorean. Sie holten 11-5 und 12-4 Siege. Sie waren mit 10-6 auch kein völlig außerordentlich zufälliges Team in engen Spielen.

Kurzum: Das ist eine rundum starke Mannschaft. Und sie geht 2017 recht unverändert ins neue Jahr. Man darf mich nicht zu den Fans der Mahomes-Einberufung zählen, da ich das Chiefs-Fenster jetzt als offen ansehe und lieber volle Ressourcen ins Heute gesteckt hätte, aber die Chiefs entschieden anders – und müssen nun mit einem Kader antreten, der überwiegend gleich aussieht wie 2016.

Die Offense ist wie angedeutet keine Augenweide. Andy Reid baut auf Fehlerminimierung und designt seine Offense vor allem über Tight Ends und Runningback-Checkdowns. TE Kelce und TE Demetrius Harris sind die Schlüsselfiguren, nicht die Receiver, wo man in WR Maclin keinen Unbekannten aus freien Stücken ziehen ließ. Spannend wird sein, ob Reid in Zukunft stärker auf den Wunderzwerg WR Tyreek Hill, den aktuell besten Return-Mann, bauen wird. Im Laufspiel holte man sich nach der Verletzung des wichtigen RB Spencer Ware in C.J. Spiller einen bekannten Ersatzmann, der sich mit Rookie Kareem Hunt abwechseln wird.

Die Chiefs-Offense ist personell nicht die aufregendste, aber ich habe ausreichend Vertrauen ins Coaching und in die Offense Line, dass ich 6.5 NY/A im Passspiel und 42% Success-Rate im Laufspiel als wiederholbar ansehe. Und Fehler wird Checkdown-Spezialist Smith (25% der Anspiele hinter die Line of Scrimmage) auch diesmal wenige begehen, so viel haben wir in den letzten Jahren gelernt.

Die Defense baut neben dem starken Pass-Rush Trio um DE Houston, DE Ford und DE Hali vor allem auf ihre Playmaker in der Secondary: 18 Interceptions im letzten Jahr – die 3.0% INT-Quote waren der 4t-beste Wert der Liga. Mit 6.3 NY/A war man effizienter als der Durchschnitt gegen den Pass, aber ein alles überragender Wert is datt net.

Normalerweise liest du an dieser Stelle „…aber Interceptions sind volatil“. Bei den Chiefs? Sind sie Programm. Diese Mannschaft ist in der Ära Andy Reid recht verlässlich, was Turnover-Differenz angeht:

  • 2013: +18
  • 2014: -3
  • 2015: +14
  • 2016: +16

Natürlich sticht 2014 heraus. In diesem Jahr konnten sich die Chiefs das eine Mal nicht auf Turnovers verlassen – und verpassten prompt mit 9-7 die Playoffs. Dennoch: All die anderen Jahre holte die Combo von DefCoord Bob Sutton ausreichend Turnovers um gepaart mit der minimalistischen Offense exzellente Feldpositionen zu erkämpfen.

Wenn man Spieler wie CB Marcus Peters zuschaut, könnte man tatsächlich auf die Idee kommen, dass sie es vor allem auf Interceptions anlegen (oder anlegen sollen). Peters ist ein guter, aber nicht überragender Manndecker. Er hat aber häufig schnell das Auge für den Ball und opfert hie und da die beste Coverage um sich den Ball per Interception zu krallen. Den Chiefs geht diese Spielweise auf, weil sie vorne guten Passrush haben, hinten Leute wie Peters rumlaufen und in der Spielfeldmitte zwei famose Safetys wie Eric Berry und Ron Parker patroullieren.

In der Defense Line hat man in DT Poe einen großen Namen ziehen lassen. Aber mit dem aus Philly eingekauften NT Bennie Logan sowie dem aufkommenden DT Chris Jones hat man die wesentlichen Ersatzleute bereits im Kader.

Die Chiefs sind eine der Mannschaften, die in der Ära Reid nicht nur Offense, sondern vor allem auch defense culture besitzen: Sie wissen, was sie brauchen. Sie wissen, wen sie ziehen lassen können. Sie wissen, wofür sie stehen – und sie stehen zu sich! Insofern ist von einem Abfall der Effizienz erst dann auszugehen, wenn der Verletzungsteufel ganz brutal zuschlägt oder alle drei Top-Passrusher nicht mehr zu ihrer Form finden.

Kansas City hat den 8t-schwersten Schedule der Liga – also keinen Spaziergang in die Post Season. Dennoch sind sie für FPI mit 56.3% Playoff-Chance der größte Favorit in der AFC West. Sie sind kompletter besetzt als Chargers, Broncos und Raiders – und sie haben den erprobtesten Coaching-Staff. Das alles sind Gründe, weswegen Kansas City trotz eines unspektakulären Quarterbacks zu den größten Titelhoffnungen von 2017 zu zählen sind.

#5 Carolina Panthers

  • Playoff-Wahrscheinlichkeit: 47.9%
  • Superbowl-Wahrscheinlichkeit: 6.7%
  • Titel-Wahrscheinlichkeit: 2.5%

„Unspektakulär“ und „Quarterback“ sind definitiv keine Vokabeln, die im Zusammenhang mit dem nächsten Team im selben Satz verwendet werden. Diese Carolina Panthers sinnen nach der Enttäuschung von 2016 auf Revanche: Ein Jahr nach der Superbowl-Qualifikation war man als Mitfavorit gestartet bei 6-10 Siegen gelandet und hatte die Playoffs verpasst. Dabei war man noch nichtmal ein in alle Extreme unglückliches Team: 7.1 Pythagorean und 2-6 Bilanz in engen Spielen klar – aber das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Panthers sich deutlich mehr ausgerechnet hatten.

Bei den Panthers lief von Anfang an die Offense schief. Sie kam nie in Gang. In der Defense musste man schnell auf LB Luke Kuechly verzichten, der mit Gehirnerschütterung ausfiel. Und im Defensive Backfield plagte man sich wochenlang mit unerfahrenem Personal.

Jetzt geht man mit neuem DefCoord in die Saison, nachdem Sean McDermott nach Buffalo wechselte. Solange aber Head Coach Ron Rivera in Charlotte das Sagen hat, dürfte sich an der grundsätzlichen Ausrichtung der Abwehr nicht viel verändern: Viel Druck über innen, Front Seven alles abwürgen lassen und hoffen, dass dahinter das Backfield nicht einbricht. Diese Taktik führte 2015 zu großen Höhenflügen, war 2016 aber mit 6.5 NY/A gegen den Pass eher mau – eine Verletzung von Schlüsselspieler Kuechly, und schon wackelte das Gebilde.

Kuechly ist gewiss ein Risiko – und vielleicht ist der Mann nur mehr eine Gehirnerschütterung vom Karriereende entfernt. Das hohe Ranking der Panthers setzt auf ihn in fittem Zustand. Ist Kuechly da, kann er im ewigen Thomas Davis und in Shaq Thompson von zwei Linebacker-Kumpanen umgeben werden, die hinter der monströsen Defensive Line alles wegräumen.

Dort vorne hausen DT Kawann Short, DT Star Lotulelei, der junge DT Vernon Butler und DT Love. Als Quartett ist das vermutlich mit das beste an inside Passrush, was die NFL zu bieten hat. Von den Flanken kommt nicht so viel – dort baut man auf Tiefe, nicht auf Spitze: DE Addison, DE Johnson und der Heimkehrer, DE Julius Peppers. Sie kriegen keinen Top-Rush zustande, sollten aber vom stabilen Gebilde DT/LB profitieren.

Schlüssel ist die Entwicklung der Secondary: Im Jahr 1 nach Superstar Josh Norman wackelte Carolina einige Wochen lang bedrohlich. Aber CB James Bradberry soll sich im Lauf des Jahres zu einem Topmann entwickelt haben, dazu wurde CB Munnerlyn aus Minnesota heimgeholt. Halten die Corner dagegen, hat die Panther-Defense wieder das Potenzial für Top-5.

Das wäre eine gute Basis für die Offense, die ebenso abschmierte: QB Cameron Newton, Liga-MVP 2015, spielte das schwächste Profijahr seiner Karriere, aber er hatte hinter einer desolaten Offense Line auch wenig Unterstützung. Nun kaufte man sich sehr teuer LT Matt Kalil ein. Kalil ist kein Star, aber er dürfte besser sein als Vorgänger Oher. Auf rechts muss man RT Mike Remmers gehen lassen – er soll durch Rookie Taylor Moton ersetzt werden. Carolina kann auch hoffen, dass die Line nicht erneut 30 Starts verpasst wie 2016. Schon allein dadurch dürfte es besser werden.

Wie viel besser die Line ist, bleibt ein Fragezeichen. Als sicher gilt, dass Carolina seine Skill-Player Optionen ausbauen will: RB Christian McCaffrey in der 1ten Runde, RB/WR Curtis Samuel in der zweiten Runde – beide sind sie „Zirkus-Optionen“, neue Schachfiguren für OffCoord Mike Shula, der bislang eine laufspiellastige Offense mit tiefen Passrouten spielen ließ. McCaffrey und Samuel bieten das Potenzial, die Offense zu diversifizieren.

Die restliche Offense bleibt recht gleich: RB Stewart wird noch immer die meiste Last tragen, WR Benjamin und TE Olsen sind die Hünen im Passspiel. Dazu McCaffrey und Samuel für kürzere Routen. Gefährlich wird es allein dann, wenn Shula keinen Plan findet, die beiden Jungspunde einzubinden.

Potenziell sind die Panthers damit besser aufgestellt als letztes Jahr. Unwahrscheinlich, dass Newton noch einmal 3.4% INT-Quote und nur 52% Completion-Rate fabriziert. Wahrscheinlich hingegen, dass Carolinas Defense wieder zurück zur Norm der alten Jahre findet. Selbst wenn Newton nicht mehr die Höhenflüge von 2015 wiederholen kann, so dürfte das Gesamtpaket der Panthers doch wieder ein sehr stabiles sein – dass GM Gettleman im Sommer gefeuert wurde, wird sich weniger auf 2017 als mehr auf 2018 und darüber hinaus bemerkbar machen.

#4 Pittsburgh Steelers

  • Playoff-Wahrscheinlichkeit: 75.9%
  • Superbowl-Wahrscheinlichkeit: 15.4%
  • Titel-Wahrscheinlichkeit: 8.5%

Wo wir bislang bei allen Mannschaften über Teams sprachen, die zumindest in einem sportlichen oder sport-psychologischen (du weißt, wer gemeint ist) Bereich ein ernsthaftes Fragezeichen hatten, so sind die letzten Vier die Mannschaften, die in Spitze und Breite die komplettesten Pakete stellen. Sie alle brauchen keine weltbewegende Einführung mehr.

Die Pittsburgh Steelers gewannen in zwei der letzten drei Jahre die AFC North und sind auch in dieser Saison wieder klar favorisiert. Sie stellen die mutmaßlich explosivste Offense der NFL mit ihrem „Goldenen Trio“ bestehend aus QB Ben Roethlisberger, RB Le’Veon Bell und WR Antonio Brown.

Roethlisberger ist einer der rattenschärfsten Quarterbacks, die es in der gegenwärtigen NFL gibt – ein Mann, der zwar hie und da einen Fehlpass zu viel wirft (3% INT-Quote über die letzten beiden Jahre) und mit mittlerweile 35 Lenzen selbst unter Schmerzmitteln nicht mehr jedes Spiel bestreiten kann – aber Ben ist 2017 gleichermaßen Ästhet wie Künstler. Die Steelers-Offense brachte letztes Jahr unter seiner Führung – obwohl nicht immer in Bestbesetzung – wieder 7.0 NY/A an den Mann.

RB Bell ist der beste und kompletteste Runningback der Liga, WR Brown der kompletteste und flinkste Receiver in der Liga. Die Drei Ausrufezeichen können diesmal auch auf Entlastung durch die geschwindigen WR Martavius Bryant, WR Eli Rogers und WR Heyward Bey zählen. Es gibt nur ein Szenario, in dem die Steelers nicht wieder zu den Top-5 Offenses zählen: Ben, Bell oder Brown verpassen einen Großteil der Saison.

Was die Steelers aber von Prädikat „aufregend“ zu „Titelkandidat“ hievt, ist die Entwicklung der Defense, die unter DefCoord Keith Butler immer besser wird: 6.2 NY/A gegen den Pass 2016 waren der beste Wert seit langem. Butler kann auf eine massive Defense Line um DE Heyward, DT Tuitt und NT Hargrove bauen, die erstmal alles wegräumt. An den Flanken hat sich OLB Bud Dupree gut entwickelt, und in der Secondary holte man sich kurz vor Saisonstart in CB Joe Haden einen Cornerback, der in der Lage ist, Manndeckung zu spielen. Damit stehen Butler mehrere Türen offen als in Vergangenheit.

Fragezeichen gibt es auf Linebacker, wo nach Timmons‘ Abgang nur noch Ryan Shazier als Verteidiger von Format spielt, und auf Safety, wo sich neben dem Jungspund Sean Davis noch niemand aufgedrängt hat.

Aber: Das alles ist schon viel besser, kompletter als in den letzten Jahren. Der Kader ist gereift. 2017 ist vielleicht der Zenit für die Pittsburgh Steelers– das Jahr, in dem für die Jungs von Mike Tomlin alles zusammenkommt, ehe Roethlisbergers Knochen in 2018 und darüber hinaus endgültig in sich zusammenfallen.

#3 Green Bay Packers

  • Playoff-Wahrscheinlichkeit: 73.9%
  • Superbowl-Wahrscheinlichkeit: 19.6%
  • Titel-Wahrscheinlichkeit: 9.8%

Leser dieses Blogs wissen, wieso die Green Bay Packers immer unter den drei größten Titelfavoriten der NFL gelistet sind. Der Grund ist nicht Head Coach Mike McCarthy, obwohl der 2016 ohne nennenswerten Bolzen durchkam.

Der Grund ist Aaron Rodgers, der beste Quarterback, den ich je gesehen habe.

Rodgers beendete in der zweiten Saisonhälfte des letzten Jahres seine einjährige Formkrise und legte bis zum Aus in Atlanta eine seiner typisch gewordenen Serien von einem anderen Stern hin, dass dir die Spucke wegbleibt. Erschreckend für den Rest der Liga, dass sich die Zahlen zu Rodgers‘ Gesamt-Saison auf „nur“ 6.5 NY/A im Passspiel lesen. 2017 wird noch effizienter werden – jetzt, wo sich das Personal in der Packers-Offense gefunden hat.

WR Jordy Nelson ist wieder fit und fungiert als Hauptanspielstation in einer Offense, die hinter Nelson in WR Adams, WR Cobb und der Schachfigur Ty Montgomery eine Latte an vielfältigen Anspielstationen bietet. Vor allem Cobb ist als #2 hinter Nelson ein bedeutend wertvollerer Mann als er es in Nelsons Abwesenheit in der Rolle als #1 war. Und wer dem verkauften TE Jared Cook nachtrauert: Cooks Nachfolger ist TE Martellus Bennett, der sowohl als besserer Fänger als auch als besserer Vorblocker im Vergleich zu Cook gilt.

Das einzige Sorgenkind in Green Bays Offense ist die Offense Line. Sie gehört nach landläufiger Meinung zu den besseren in der NFL – aber sie verliert in C Tretter und OG Lang zwei Starter.

Wenn deine Offense von Aaron Rodgers angeführt wird, brauchst du nicht die beste Defense in der NFL, um vorne mitzuspielen. Aber du brauchst eine gute Defense um im Titelrennen vorne dran zu bleiben. Die hatte Green Bay zuletzt nicht. DefCoord Dom Capers musste zu oft um eine unzuverlässige Secondary herumdoktern, wo junge CBs wie Randall oder Rollins in Serie verbrannt wurden.

Nun wurden in CB Kevin King und FS Josh Jones zwei neue Defensive Backs gedraftet, die Randall und Collins ergänzen.  Man hofft zudem, dass LB Matthews nach einem formschwachen Jahr 2016 wieder zu alter Stärke findet, und dass DE Nick Perry seinen Aufwärtstrend anhält. Es sollen nicht noch einmal 7.1 NY/A gegen den Pass werden.

Und das Gute: Es ist unwahrscheinlich, dass es noch einmal so schlecht wird. Natürliche Regression wird helfen. Aber auch ein stabileres Korsett von vorne (DT Daniels und DT Clark haben eine starke Entwicklung gemacht) bis hinten (mehr Tiefe durch neue Rookies) wird helfen.

Green Bay gewann zuletzt die NFC North trotz -0.6 NY/A Pass-Differenzial. In Offense wie in Defense ist positive Leistungskurve wahrscheinlich. Also gehören die Packers zur Elite der NFL. Warum aber sind sie nicht die #1 der NFC?

Der Grund liegt im Schedule. Zwar wird die Saison am Sonntag mit einem Heimspiel gegen den vermeintlich schwersten Konkurrenten im Fernduell um ein hohes Seeding, Seattle, eröffnet. Aber danach hat man einen deutlichen Nachteil im Schedule gegenüber den Seahawks. Green Bay spielt den 15t-schwersten Schedule. Das ist nicht unlösbar. Aber die Seahawks haben hat den 3t-einfachsten. Und somit einen Spaziergang in die Playoffs.

#2 Seattle Seahawks

  • Playoff-Wahrscheinlichkeit: 83.5%
  • Superbowl-Wahrscheinlichkeit: 22.8%
  • Titel-Wahrscheinlichkeit: 9.6%

Der NFC-Favorit 2017/18 kommt daher aus Seattle, wo die Seahawks nach einem eher uninspirierenden Vorjahr nun wieder groß angreifen wollen. „Uninspirierend“ liest sich im Seahawks-Slang noch immer wie 10-5-1, Divisionssieg und Qualifikation für das Viertelfinale, aber weil die Offense nur die #15 und die Defense nur #10 nach Power-Ranking war, konnte man sich zwischendurch dabei ertappen, das Ende der Blütezeit dieser Mannschaft herbeizudenken.

Jetzt steht man allerdings vor einem erneuten Großangriff. Hauptverantwortlich sind dafür Investitionen in die Offensive Line sowie eine Defense, die so stark zu werden verspricht wie seit Jahren nicht mehr.

Die Defense ist nicht mehr so fantastisch tief besetzt wie in den Wunderjahren 2012 und 2013, aber die legion of boom ist mit den drei Eckpfeilern FS Earl Thomas, SS Kam Chancellor sowie CB Richard Sherman nach wie vor unverändert besetzt – und der unverzichtbare Thomas (fast 400 verpasste Snaps 2016) geht diesmal fit in die Saison.

Neben der großartigen Secondary haben die Seahawks Ressourcen in die zuletzt etwas verwaiste Defensive Line gesteckt: DT Malik McDowell in der 2ten Runde des Drafts, plus DT Sheldon Richardson via Trade wenige Tage vor Beginn der neuen Saison von den Jets. Die beiden ergänzen die Tiefe neben DT Reed und dürften das flexible Passrush-Trio um Michael Bennett, Cliff Avril und Frank Clark verstärken – und schon letztes Jahr war Seattle mit 7.2% Sack-Quote die #2 der Liga.

Es ist wahrscheinlich, dass die Seahawks damit die (für ihre Verhältnisse) banalen 6.2 NY/A gegen den Pass (besser als NFL-Durchschnitt, aber deutlich schlechter als Seahawks-Durchschnitt) vom letzten Jahr toppen werden und wieder als eine der furchteinflößendsten Defenses der NFL auftreten werden.

In der Offense hat man endgültig den Schritt vollzogen, um QB Russell Wilson allein zu bauen. Wilson ist nicht mehr die kuschelige Wühlmaus alter Tage. Er ist zu einem echten Pocket-QB gereift, der hinter einer schwachen Offense Line imstande ist, fast 7 NY/A an den Mann zu bringen. Wilson kassierte zwar über 40 Sacks, aber: Seattle kaufte zumindest Protection ein.

Picks in Runde 1 und 3 im Vorjahr, und in Runde 2 dieses Jahr, plus Einkauf von LT Luke Joeckel aus Jacksonville sollten helfen, Wilson zumindest einigermaßen passabel zu unterstützen. Nicht vergessen: Wilson war zuletzt auch mit desaströsem Blocking erfolgreich. Seine besten Anspielstationen sind TE Graham und WR Baldwin, aber WR Kearse wurde kurz vor der Saison an die Jets abgegeben.

Die Seahawks waren in der Ära von Pete Carroll stilbildend. Mittlerweile versucht die halbe Liga, ihre Cover-3 Defense mit den hünenhaften Cornerbacks zu kopieren – aber nach wie vor ist niemand besser als das Original. Mit der Transformation zu einer QB-lastigen Offense sowie der Vertiefung einer zuletzt etwas dünnen Defense sind die Seahawks mit ihrem billigen Schedule und ihren vielen Individualkönnern der sicherste Tipp in der NFC, dem uneingeschränkten Titelverteidiger und Titelfavoriten aus der AFC Paroli bieten zu können.

#1 New England Patriots

  • Playoff-Wahrscheinlichkeit: 96.2%
  • Superbowl-Wahrscheinlichkeit: 50.7%
  • Titel-Wahrscheinlichkeit: 32.7%

Wir sprechen natürlich von den New England Patriotsolle Kamellen, ein langweiliger Abschluss der furchtlosen NFL-Vorschau. Aber es wäre ein künstlicher Versuch von Originalität, nicht auf die größte Dynastie unserer Zeit als erneuten Gewinner der Vince Lombardi Trophy zu setzen.

Die Patriots kommen von ihrem vielleicht markantesten Triumph in der Ära von Head Coach Bill Belichick und QB Tom Brady. Ihre Auferstehung aus einem 25 Punkte tiefen Loch in der Super Bowl gegen Atlanta war das zweitgrößte Comeback nach Lazarus – und es war ein gestreckter Mittelfinger in die Richtung all jener, die glaubten, die Patriots wären durch zweifelhafte Strafen (Deflategate), schwere Verletzungen (Gronkowski) oder überragende Emporkömmlinge (Atlanta Falcons) zu bremsen.

Sie sind nicht zu bremsen. Sie sind die Besten.

Und Dolce Vita zum Teufel haben die Patriots es im Anschluss geschafft, eine Mannschaft, die an #1 im Power Ranking abschloss, die 14-2 Siege holte, die mit 12.8 Siegen den besten Pythagorean der Liga und mit +9.3 Punkten das beste Simple Ranking Rating der NFL besaß – und die den Titel holte! – noch weiter zu komplettieren.

Da wäre der Einkauf von CB Stephon Gilmore, einem physischen #1-Manndecker, als Upgrade über den verlorenen CB Logan Ryan. Da wäre das Halten von CB Malcolm Butler, Held von Superbowl 49 und All-Pro 2016, für einen Spottpreis unter der Transition-Tag. Da wäre die Verpflichtung von WR Brandin Cooks, einem deep threat, für nicht mehr als einen späten 1st Rounder aus New Orleans, oder des fangstarken TE Dwayne Allen für einen 3rd Rounder aus Indianapolis. Selten war Bill Belichick so aktiv und so gegenwartsbezogen in seiner Zeit als Alleinherrscher in Foxboro.

Und zusätzlich kehrt TE Rob Gronkowski von season ending injury zurück!

Nicht alles lief perfekt für die Patriots, denn Edel-Jongleur und WR Julian Edelman verabschiedete sich mit Kreuzbandriss auf die IR, ebenso wie Rookie-DE Derek Rivers. Der teuer geholte DE Ealy erwies sich als Flop und wurde schon wieder gefeuert.

Dafür holte man für Spottpreis WR Dorsett als Returnspezialist aus Indianapolis und verstärke das Laufspiel um die hyper-effizienten RBs Gillislee und Burkhead aus Buffalo und Cincinnati.

Mit OffCoord Josh McDaniels und DefCoord Matt Patricia bleibt der Trainerstab trotz heftiger Avancen von Seiten der Konkurrenz ein weiteres Jahr unverändert. Der legendäre OL-Coach Scarnecchia verlängerte um ein weiteres Jahr. Und Brady, der Epische, zeigte mit 39 keine Anzeichen von Einbruch á la Favre oder Manning. Voll integriert in die Kurzpass-Offense und mit einem Elefantengedächtnis ausgestattet ist kaum davon auszugehen, dass Brady mit nun 40 Frühlingen auf dem Buckel so völlig in sich zusammenfällt.

So sind die Patriots 2017 ein Team, dessen einziger nennenswerter Schwachpunkt im Pass Rush liegt – ein Bereich, der in einer Defense von Belichick niemals den Stellenwert von grundsolider Coverage im Defensive Backfield bekommt.

Niemand kann die NFL so in ihren Grundfesten erschüttern wie die unvergleichlichen Patriots von 2007, aber zehn Jahre später hat Belichick den wohl besten Kader seither unter seinen Fittichen. Die Patriots erreichen in der Hälfte der Szenarien die Super Bowl und gewinnen in einem Drittel der Schleife den Ring. Sie müssten dann schon die zweite Hand hinhalten: Es wäre der sechste.

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15 Kommentare zu “Die furchtlose NFL-Vorschau 2017/18 | Die Titelaspiranten

  1. Super Artikel; da sind einige grandiose Stellen drinnen („größtes Comeback seit Lazarus“) 😀

  2. Alle 4 Artikel mal wieder grandios zu lesen, Danke dafür!

    Kurzer Punkt zu den Patriots: Ealy wurde mMn nicht „teuer geholt“, es waren gerade mal 8 Spots im Draft die man abgeben musste. Eher der typische „low risk, high reward-Move“, der aber nicht aufging.

  3. Danke für die tollen Vorschau-Artikel. Jetzt bin ich heiß (und bestens informiert) für den Saison-Start heute Nacht !!!

  4. Zum Glück ist Sport, Sport und die NFL erst Recht die NFL.

    Historisch gesehen ist es äußerst fragwürdig für ein Superbowlteam, auch in der folgenden Saison wieder im Superbowl vertreten zu sein. In den letzten 10 Jahren gelang das nur den Seahawks, 2014 gewonnen und 2015 verloren. Die letzte Titelverteidigung gelang den Patriots, 2004 und 2005. Die Wahrscheinlichkeiten sprechen also eher gegen die Patriots, als für die Patriots.

    Die beschriebene Aktivität von Belichik, ist für mich ein Beweis das alle Zeichen auf einen letzten Versuch hindeuten. Es wurde in all den Jahren nicht annähernd soviel getradet wie diese Offseason. Belichick ist 65 Jahre alt und seit 42 Jahren in der NFL tätig. Das geht nicht endlos weiter und ich bezweifle stark das er einen Patriots Neu, Auf oder Umbau noch aktiv mitgestalten würde.

    Brady ist 40 Jahre alt. Und natürlich glaubt er selbst das er nicht schlechter als letzte Saison ist. Das glaubt jeder Sportler. Und trotzdem ist er 40. Das Alter schlägt erbarmungslos zu. Ich habe es bei all den großen QBs erlebt. Montana war fraglos der beste QB zu seiner Zeit, und wurde nach KC abgeschoben damit Young spielen konnte. Favre war eine Legende und untrennbar mit den Packers verbunden. Und denn noch musste er gehen um Rodgers Platz zu machen und bei den Vikings weiter spielen zu können. Manning wurde bei den Colts geschasst, zu Gunsten eines erst zu draftenden Luck, und war im letzten Jahr bei den Broncos nur noch ein Schatten seiner selbst. Sie alle waren vorher Legenden, bei denen sich niemand vorstellen konnte, dass sie woanders einfach nur noch mitspielen. Und doch ist es passiert……

    Und ich denke das ist genau das Szenario das uns nach dieser Saison droht. Beide, Belichik und Brady, werden das wissen. Brady spielt diese Saison für 1 mio $ und Garoppolo für 0,9 mio $. Das ist ein Joke und so nicht mehr zu wiederholen. 2018 wird Garoppolo Free Agent und Dank seines Rufs und Patriots Backgrounds einen richtig fetten Vertrag unterschreiben wollen. Brady würde 2018 und 2019 jeweils 14 mio $ verdienen. Die Patriots werden sich entscheiden müssen, zwischen einem 26 jährigen und einem 41 jährigen QB. Ich denke wir alle wissen oder ahnen wie das ausgeht.

    Egal wo man im Netz liest, alle Patriots Previews gehen immer vom optimalen Verlauf aus. Gronk ist wieder gesund und spielt wie früher. Cooks ist der beste WR seit Randy Moss. Die Defense ist so stark wie nie und die AFC East so schwach wie selten. Und Brady, ja Brady spielt genau so wie immer.

    Im letzten Spiel was ich von Brady gesehen habe, war er für knapp 3 Viertel durchschnittlich. Das wurde natürlich vom 25 Punkte Comeback überstrahlt. Mit Blount, Edelman und Bennett fehlen 28 von 51 letzte Saison erzielten TDs. Egal wie gut sich die Patriots aufgestellt sehen, es gibt in dieser NFL keinen Freifahrtschein Richtung Superbowl.

    Allen Patriots Fans kann ich nur empfehlen diese Saison zu genießen, es wird die letzte sein. Ab 2018 seit ihr wieder ein Team unter vielen 😉

  5. @Hans Hartz

    Danke für deinen Kommentar. Ich würde prinzipiell allen deinen Ausführungen zustimmen. Es ist auch richtig: Die Wahrscheinlichkeit spricht gegen die Patriots. 33% Titel-Wahrscheinlichkeit heißt auch: Doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Patriots nicht den Titel holen.

    Bradys Alter: Korrekt. Titelverteidigung: Korrekt. Belichicks Langzeitperspektive: Wahrscheinlich viel Wahres dran.

    Und doch bleibt festzuhalten, dass auf dem Papier (und nichts anderes betreiben wir hier) New England am besten aufgestellt ist. Die Patriots sind kein Einjahres-Wunder, wie sechs Semifinalpartien in Serie beweisen, darunter drei Superbowls und zwei Titel beweisen. Und sie haben ein bereits sehr gutes Team zur anstehenden Saison theoretisch eher verstärkt den geschwächt.

    Dass sich das Fenster der Patriots über 2018, 2019 hinaus schließen kann – korrekt. Aber wir betreiben hier keine Langzeitstudie. Wir blicken auf 2017. Und ich sehe keinen Grund, wieso ich diesmal dem Common Sense widersprechen sollte. Denn dass in einer engen Liga wie der NFL am Ende auch der Zufall mitenscheidet, ist klar. Aber den Zufall kann man nicht prognostizieren.

  6. Wäre mehr als realistisch, dass das Fenster für die Pats auch mal zu geht. Ist eh schon ewig offen. Aber dass Belichick für die heurige Saison die Zukunft sonderlich geopfert hat sehe ich nicht. Ab dem nächstjährigen Draft hat man schon wieder die ganz „normale“ Munition was Draftpicks betrifft.

    Man kann es durchaus so sehen, dass er Cooks mit seinem aktuellen First Rounder „gedraftet“ hat, halt nur für 2 Jahre billig, aber da ein First Rounder auch nur so grob 50 % Chance hat einzuschlagen und Belichick noch nie gut darin war WRs zu draften, gibt man kreativ interpretiert hier nicht wirklich was auf. Weh tut halt immer noch der 1st Rounder, der letztes Jahr gefehlt hat, aber da ist nichts zu machen.

    Und mal abgesehen von Brady sind die Pats eine recht junge Truppe, wär nicht so, dass da jetzt der Kern in der nächsten Offseason wegfällt.

  7. Es wäre sowieso mal interessant, die Patriots mal etwas länger mit Garroppolo zu sehen, nicht nur das eine Spiel im letzten Jahr. Ich weiß, es ist quasi Gotteslästerung, aber es gibt durchaus ein paar Experten (wie Scott Kacsmar) die in Brady nur einen sehr guten System QB sehen. (Nicht, dass ich der Meinung wäre, aber zb ein Rodgers ist auffälliger als Brady, der immer konstant beste Bedingungen um sich hat)

    Bin kein Pats Fan, aber ich hoffe, dass Belichik noch ein paar Jahre nach Brady weitermacht, nicht weil ich seine Statue angekratzt sehen möchte sondern, weil ich sehen möchte wie es ohne Brady weitergeht.

    Stimme Phillip zu, die Pats sind ein eher junges Team, auch Gronk ist noch nicht über den Zenit wenn auch verletzungsanfällig.
    Würde übrigens auch gern die Patriots mit McDaniels oder Patricia am Ruder gerne sehen… ich kann mich eigentlich nicht entscheiden 😉

    Ich sehe die Bedenken von Hans Hartz, aber ich sehe auch die Ausführungen von Korsakoff und den vielen Pats Gläubigen. In Summe ist es sicherlich angebracht, New England als größten Favorit zu sehen… und es steht ja auch es WÄRE der 6. Ring, nicht es WIRD.

  8. @hans: kleine Ergänzung zu einem klasse Kommentar. Ja, die genannten QBs wurden getradet, aber es war in allen Fällen deutlich vor ihrem sportlichen Abgang, was die Vereine definitiv bereut haben.
    a) Montana ging zu den Chiefs und hat die 49ers in den Playoffs eliminiert.
    b) Favre ist getradet worden und hat mit den Vikings nur gegen die späteren Champs Saints verloren.
    c) Peyton hat nach seinem Trade zu Denver noch mehrere fantastische Saisons gespielt und seinen SB Ring.

    Falls Brandy getradet wird, wird auch er die Patriots bei jeder Begegnung demütigen… 🙂
    dl

  9. @FloJo: Ich sehe „Systemquarterback“ nicht unbedingt negativ. Ich würde zB auch zustimmen, dass Brady einer ist – tatsächlich hat er noch nie bewiesen, dass er in einem anderen System auch Erfolg haben kann und ohne BB wäre er glaube ich auch nicht der heiße GOAT-Anwärter, der er für viele ist.

    Und Brady ist keineswegs ein kompletter QB im Sinne von Alleskönner. Er hat klar Schwächen beim tiefen Ball. Er ist nicht besonders mobil. Die Interceptions die er wirft, sind oft unnötig bzw. schlechte Enscheidungen von ihm. Ich denke auch, dass vom reinen Skill her Rodgers besser ist. Aber Football ist kein Einzelsport. Die Mannschaft und damit auch das System müssen passen.

    Insofern: kein System ohne einen für das System perfekten QB – und genau so einer ist Brady für das System NE. Ein Systemquarterback im besten Sinne halt.

  10. Für alle, die es noch nicht gesehen haben: „Do your Job II“ ist inzwischen zu sehen und wirklich sehr zu empfehlen.
    Man bekommt eine Ahnung wie Belichick arbeitet…

    Es ist schon enorm zu sehen, wie die Ära inzwischen aussieht- in einer Liga, die so stark auf Parität ausgelegt ist über einen solchen Zeitraum fast immer an der Spitze zu stehen ist einfach beeindruckend.

  11. Ach und Belichick stört sich selten daran, dass nicht alles nach Plan läuft oder Spieler verletzt ausfallen – dann wird umgemodelt- Receiver spielen Cb, Kurzpassspiel ersetzt laufspiel oder ein völliger nonagenarian Spieler wird zum dominierendem matchwinner => hogan..
    Und das alles mit enormen Erfolg.

    Ich weiß nicht, was er anders macht als andere Coaches, aber dass er es tut steht wohl außer Frage…

  12. Pingback: Sonntagsvorschauer – NFL Saison 2017, Woche 1 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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