College Football – National Championship 2019/20 in Frage und Antwort

Wenn wir das kommende Wochenende als verlängertes Wochenende begreifen, dann haben wir an Highlights nicht nur das NFL Divisional-Playoff vor der Brust, sondern auch das College Football National Championship Game: #1 LSU Tigers – #3 Clemson Tigers in der Nacht von Montag 13.01 auf Dienstag 14.01 (02h).

Beide qualifizierten sich in viel beachteten Semifinals für dieses Endspiel. Beide sind noch ungeschlagen und auf verschiedene Art und Weisen in dieses Endspiel gestürmt. Und so wird es vier Tage vor Kickoff Zeit, einen ersten Blick auf dieses faszinierende Finalduell zu werfen.

Ich habe mich dafür bei den bereits bekannten Experten Jan Weckwerth (@giannivanzetti / Triple Option Blog) und Christian Schimmel (@Chris5Sh / u.a. Der Draft) schlau gemacht: Wie ordnet man das Finale ein, wie sind die Coaches so drauf, welche Quarterbacks sehen wir, welche Duelle werden entscheidend – und welcher Tiger gewinnt?

Rückschau Halbfinale 

#1 LSU zerstörte Oklahoma noch brutaler als befürchtet: 63-28. Beste Performance eines QB ever oder Produkt einer indiskutablen Defense?

Jan Weckwerth: Man muss aufgrund des Recency Bias etwas vorsichtig sein, weil gefühlt momentan in jedem Jahr einmal entweder die beste Performance oder gleich der beste College Football-QB ever gekürt wird. Das erscheint bei der langen Historie von College Football etwas unwahrscheinlich.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht einmal, ob Burrow in diesem Spiel seine beste Saisonleistung ablieferte. Die Defense der Sooners war hemmungslos unterlegen und schwächte sich ja schon vor dem Spiel und auch im Spielverlauf enorm selbst. Wie Burrow die deutlich besseren Defenses von Alabama und Georgia auseinandergenommen hat, war vielleicht noch eindrucksvoller.

Unabhängig von der konkreten Einordnung spielt Burrow eine Saison für die Geschichtsbücher und solche Werte wie in der ersten Halbzeit des Peach Bowls werden wir vielleicht nicht so schnell wieder erleben – Gegner hin oder her.

Christian Schimmel: Wir wussten vor dem Spiel zwei Dinge. Die LSU Offense ist sehr stark und hat ihre Fähigkeiten auch schon gegen weit bessere Verteidigungen (Georgia, Auburn, Alabama) massiv gepunktet, insbesondere über den Pass. Zweitens, Oklahomas Defense ist zwar deutlich besser als die 2018er Version, aber immer noch maximal überdurchschnittlich bis gut. Es war zu vermuten, dass das aus Sicht der Sooners nicht gut ausgehen würde. Man addiere Verletzungen, Suspendierungen und ein ausgesprochen dummes, wie berechtigtes Targeting und eine LSU Offense mit einem Sahnetag und erhält das entsprechende Resultat.


#2 Im zweiten Semifinale sprang Clemson beim 29-23 über Ohio State sehr deutlich von der Schippe. Der entscheidende Mann war am Ende QB Trevor Lawrence. Wie nahe kommt seine Performance in dieser Partie an jene von Burrow im Parallelspiel hin?

Jan Weckwerth: Meiner Ansicht nach nicht ansatzweise nahe, wenngleich er natürlich gegen eine absolute Top Defense ran musste. In Clemsons Offense hakte es lange, und letztlich waren vor allem die Beine von Lawrence entscheidend. Vom Passspiel der Tigers war ich ein wenig enttäuscht, weniger von Lawrence selbst als von den doch recht einfallslosen Playcalls über lange Zeit. Im Grunde genommen vertraute man vor allem auf die eins-gegen-eins Fähigkeiten der WRs Tee Higgins und Justyn Ross an der Seitenlinie bei Iso-Routes, und da waren die Buckeyes CBs um Jeff Okudah meist voll auf der Höhe.

Auch wenn sich die Zahlen von Lawrence im Passing am Ende ganz okay lesen, entstanden die Big Plays insbesondere aus massig Yards after Catch (zweimal Etienne, einmal Rodgers in den entscheidenden Drives der zweiten Halbzeit).

Ich hatte in meinem Preview die Zone Read Runs mit Lawrence als X-Factor des Spiels bezeichnet, das bewahrheitete sich dann sogar noch mehr als erwartet. Dennoch soll nicht unter den Tisch fallen, dass Lawrence erneut einige Pässe an den Mann brachte, zu denen nur ganz wenige QBs überhaupt (ob College oder NFL) in der Lage sind. Wer will, schaue sich nochmal die two-point Conversion auf Higgins am Ende des Spiels an. Wahnsinn.

Christian Schimmel: Bei Lawrence muss ich schon stark an Andrew Luck denken. Keiner verkörpert den reifen Anführer wie Lawrence das tut. Unbeeindruckt, fast ohne Fehler und das nach dem Rückstand. Es ist schwer zu vergleichen, aber die Entscheidungen, die er getroffen hat, die Toughness, das war schon besonders. Es ist schwer zu vergleichen. Burrow hat gemacht was er wollte, wie er wollte, wann er wollte. Eine Leistung für die Geschichtsbücher. Doch auch das was Trevor Lawrence gezeigt hat war famos. Zwei Quarterbacks auf ganz hohem Niveau.

Finalvorschau – Einordnung & Coaches

#3 Reden wir mal über historische Einordnung – sagen wir letzte 10-15 Jahre: Wo wäre ein 15-0 LSU Team in der Rangordnung der größten Teams einzureihen, wo ein 15-0 Clemson-Team?

Jan Weckwerth: Immer schwer zu sagen, weil da so viele verschiedene Faktoren reinspielen. Zunächst mal ist es weiterhin schon einmal keine leichte Aufgabe, ungeschlagen durch die Saison zu gehen. Von all den fantastischen National Champion-Teams der 2010er Jahre schafften das in der Tat nur drei: Auburn mit Newton, FSU mit Winston und Clemson letztes Jahr mit Bryant/Lawrence. Alabama behielt übrigens lediglich 2009 beim ersten Titel unter Nick Saban eine weiße Weste.

Aufgrund des Spielplans wäre ein 15-0 von LSU schon sehr hoch zu bewerten. Allerdings gab es zwei knappere Spiele, in denen man aufgrund defensiver Schwächen in einen Shootout musste (Texas, Alabama) und ein enges Spiel, in dem die Offense nicht so viele Punkte wie gewohnt aufs Board brachte (Auburn).

Clemson hatte einen zu leichten Spielplan in einer kaum konkurrenzfähigen ACC, um ganz oben eingeordnet zu werden. Da fand ich die 2013er Saison von FSU in einer ähnlichen mauen ACC eindrucksvoller, da sich die Seminoles im Gegensatz zu den Tigers (@UNC) keine einzige Schwäche erlaubten.

Vom Talentlevel würde ich übrigens die letzten beiden National Champions vielleicht sogar noch ein wenig höher einordnen, aber da wirds dann schnell sehr subjektiv.

Christian Schimmel: Eine Einordnung vor dem letzten Spiel fällt schwer. Bei LSU ist es für mich das außergewöhnlichste Team der letzten Jahre. Allein aufgrund dieser phänomenalen Offense. Sie gehören für mich auch in die Riege der ganz großen Teams, sofern sie das Finale gewinnen. Bei Texas, Florida, bei Alabama, Auburn, Georgia, Oklahoma und nun Clemson. Viel härter kann dein Spielplan anno 2019 kaum sein. Vor allem die Dominanz in vielen Spielen, besonders in SEC Championship Game und im Halbfinale hebt die Mannschaft heraus.

Clemson ist ein sehr gutes Team in einer Reihe sehr guter Clemson Riegen in den letzten Jahren. Da die 2019er Version jedoch die Dominanz erst recht spät ausgestrahlt hat, glaube ich nicht mal, dass es das beste Clemson-Team der letzten 5 Jahre ist, was nichts an der herausragenden Saison ändert.


#4 Lange Pause zwischen Semifinale und Finale: 16 Tage. Wem hilft das mehr?

Jan Weckwerth: LSU, aus einem ganz einfachen Grund: der Hamstring von RB Clyde Edwards-Helaire. CEH spielte zwar sporadisch im Halbfinale, wurde jedoch sofort geschont, als die Tigers klar in Führung waren und ihn nicht mehr benötigten. Jeder Tag mehr hilft für eine komplette Genesung. Burrow und Co. haben zwar gezeigt, dass das Passspiel auch ohne Laufspiel exzellent funktioniert, doch ist die Rolle von Edwards-Helaire als Receiver (gerade bei den erwartbaren Blitzes) nicht zu unterschätzen.

Christian Schimmel: Tendenziell eher Clemson. Die hatten noch mehr angeschlagene Spieler und deren Partie dürfte deutlich mehr Kraft gekostet haben. Insbesondere für die Receiver Higgins und Ross dürfte die Pause ein Segen gewesen sein. Auf Coaches-Seite glaube ich nicht an einen Vorteil, dafür sind beide zu gut.


#5 Das Endspiel findet im New Orleans Superdome statt – sehr nahe an der Heimat der LSU Tigers in Baton Rouge. Was glaubst du: Ist das eher Vorteil wegen der Fans oder sogar Nachteil wegen der überall lauernden Ablenkungen?

Jan Weckwerth: Ich denke eher ein Vorteil: kein Reisestress, bekannte Umgebung, Fan Support. Und Coach O wird den vielen möglichen Ablenkungen sicherlich rechtzeitig einen Riegel vorschieben.

Christian Schimmel: Ich glaube, dass das für LSU keine Rolle spielen wird. Orgeron hat bewiesen, dass er das Team das ganze Jahr bei Laune halten kann. Ich hatte nie den Eindruck, dass sie den Fokus verlieren. Insofern halte ich das für einen kleinen Vorteil. Dazu kommt, die LSU-Fans haben lange, sehr lange auf diesen Moment warten müssen. Die werden alles investieren um ihre Mannschaft nach vorne zutreiben. Klar: Auch für Clemson ist es etwas Besonderes, und dennoch haben die in Endspielen fast schon eine Routine.


#6 Zwei durchaus interessante Headcoaches treffen im Endspiel aufeinander – beide galten lange nicht als Creme de la Creme: Dabo Swinney (Clemson) und Ed Orgeron (LSU). Was können andere Coaches von diesen beiden lernen?

Jan Weckwerth: Swinney und Orgeron sind recht unterschiedliche Typen, aber haben doch ein paar Gemeinsamkeiten. Beide sind mittlerweile eher CEO-Head Coaches, die nicht so stark in das konkrete Tagesgeschäft (Schemes, Playcalling) eingreifen und ihre Coordinatoren überwachen, sondern eine Atmosphäre schaffen, die ein bestmögliches effizientes Arbeiten ermöglicht. Zudem kleben beide nicht an traditionellen Erwartungen und Annahmen, sondern sind gegenüber Innovationen durchaus aufgeschlossen. Am deutlichsten ist das sicherlich anhand der Transformation der LSU-Offense dieses Jahres zu illustrieren. Viele Coaches beharren da oftmals  stark auf ihren traditionellen Standpunkten – gerade wenn diese schon einmal Erfolg eingebracht haben. Coach O und sein OC Steve Ensminger erkannten allerdings, dass Änderungen nötig sind, will man endlich einmal am Thron von Alabama rütteln.

Ein anderer Punkt: Beide galten schon bei ihren vorherigen Stationen und/oder als Assistenztrainer als hervorragende Recruiter und waren jeweils unter anderen Head Coaches die Recruiting Coordinators. Von daher bringen sie aus verschiedenen Positionen langjährige Erfahrung in diesem Geschäft mit, in dem oftmals eigene Regeln herrschen (mal außen vorgelassen, welche das teilweise sind). Man darf nicht vergessen: Swinney war bei Clemson unter HC Tommy Bowden zunächst ein recht unbekannter WR Coach, der nach dessen Rücktritt mitten in der Saison zunächst zum Interims-Coach ernannt wurde und vor allem wegen seiner hervorragenden Fähigkeiten im Recruiting den HC-Job erhielt. Der Rest ist Geschichte.

Christian Schimmel: Swinney ist ein Teambuilder und Motivator, der es sehr gut verstanden hat, seine Koordinatoren einzubinden. Die Offense ist dabei gut auf Stärken und Schwächen der jeweiligen Mannschaft abgestimmt, auch wenn sich an der Spread Grundidee nichts ändert. Swinney und sein Staff haben zudem Talent entwickelt und viele Spieler zu hohen Draftpicks verholfen. Das ist insbesondere für diejenigen wichtig, die ans College gehen (müssen), weil das der Weg in die NFL ist. Dazu ist der Clemson-Coach sehr gut im Anpassen während des Spiels. Abschließend ist Swinney ein sehr guter Wagenburgbauer aka „keiner nimmt uns ernst“ und „keiner will uns in den Playoffs“.

Orgeron ist der Beweis, dass man auch als HC mit Erfahrung wandlungs- und anpassungsfähig sein kann. Ich hätte es ihm vor zwei Jahren nicht zugetraut. Er hat sehr moderne Einflüsse in der Offense zugelassen und mit dem glücklichen Transfer von Joe Burrow ein herausragendes Ergebnis erzielt. Bei Orgeron habe ich das Gefühl, dass er seine Spieler immer Wissen lässt, woran sie sind. Dazu ist er jemand, der sich speziell diese Saison nie zu sehr vom Erfolg blenden ließ und seine Mannschaft war immer ab der ersten Minute absolut bereit.

Quarterbacks

#7 Welcher ist der besser Quarterback: Joe Burrow oder Trevor Lawrence?

Jan Weckwerth: In welcher Hinsicht?

Betrachtet man diese Saison innerhalb des jeweiligen Systems, dann sicherlich Burrow, der daher absolut verdient die Heisman-Trophy mit nach Hause nehmen durfte. Er hat eine unfassbare Saison gespielt, in der nicht ein einziges schlechtes oder auch nur mittelmäßiges Spiel drin war. Das kommt extrem selten vor.

Als Prospect fällt meine Wahl jedoch eindeutig auf Lawrence. Wenn du dir einen NFL QB im Labor zusammenbasteln könntest, würde in etwa Lawrence dabei rauskommen: Größe, Kraft, Armstärke, Athletik alles mehr oder weniger ideal. Für mich der beste all-around Prospect seit Andrew Luck. „Lose for Lawrence“ oder „Tank for Trevor“ wird wesentlich bedeutsamer werden als alle anderen ähnlichen Slogans der letzten Jahre seit „Suck for Luck“.

Das allein bedeutet natürlich wie immer nicht, dass Lawrence zwangsläufig eine bessere Karriere als Burrow hinlegen wird…

Christian Schimmel: Kommt immer auf die Perspektive an. Lawrence hat schon im zweiten Jahr bewiesen, dass er es kann. Burrow hat eine außergewöhnliche Saison gespielt, die vor der Spielzeit kaum jemand vorhergesehen hatte. Beide sind besondere Spielmacher auf ihre Weise und das permanente Vergleichen mit anderen Spielern ändert daran nichts. Der Stil ist unterschiedlich, wer für sich was als „besser“ definiert ist bis zu einem gewissen Grad auch eine Geschmacksfrage, derer ich mich enthalte.

LSU-Offense vs. Clemson-Defense

#8 LSU-Offense gegen Clemson-Defense: Ich setze das Over/Under von Burrow-Air Yards Completions über 20 Yards auf 5 an. Over oder Under?

Jan Weckwerth: Puh, schwierig. Die meisten 20+ Air Yard Throws gehen eher zu den outside WRs oder bei verlängerten Plays durch Burrows Movement in und außerhalb der Pocket. Könnte mir schon vorstellen, dass er einige tiefe Bälle anbringt (wobei Ja’Marr Chase mit dem langen CB A.J. Terrell einen unangenehmen Gegenspieler haben dürfte). Ich tippe dennoch mal auf under, da ich eher vermute, dass Burrow im 10-20 Air Yards Bereich eine Menge Plays machen wird – eventuell verstärkt mit den inneren Receivern. Aber das ist letztlich ein Münzwurf und hängt ganz stark von der Strategie von Clemsons DC Brent Venables ab.

Christian Schimmel: Under. Isaiah Simmons kann zwar nicht überall sein, aber ich rechne damit, dass der blitzfreudige Venables ausnahmsweise eher Bend don‘t Break Defense spielen wird, um sich dann in der Redzone auf sein Tam zu verlassen. Clemson wird die drei Punkte gerne abgeben. Burrow wird 2-3 lange Completions haben, mehr sollten es aus Clemsons Sicht nicht sein.


#9 LSU-Offense gegen Clemson-Defense: Ich hatte den Eindruck, dass Ohio State die Schwächen im Clemson-Passrush offenlegen konnte, aber in der Redzone mehr aus Eigenfehlern denn aus Defense-Stärke nicht entsprechendes Kapital draus schlagen konnte. Was muss Clemson gegen Burrow besser machen um nicht wieder von Fehlern der Offense abzuhängen? *Kann man gegen Burrow überhaupt etwas besser machen?*

Jan Weckwerth: Den von dir beschriebenen Eindruck teile ich zumindest partiell. Ich fand die Strategie des ansonsten herausragenden DC Venables ebenfalls nicht ganz einleuchtend. Ich vermute, dass er gegen LSU in Coverage eine ganze Ecke aggressiver agieren wird als gegen Ohio State, ansonsten wird die Defense von Burrow und seinen RPOs komplett auseinandergenommen.

Obwohl Burrow unter Druck so gut agiert wie kein anderer QB, wirds ohne Druck eben auch nicht klappen. Von daher muss Venables seine kreativen Blitzes einfließen lassen, ohne dabei zu viele Spieler aus der Coverage abzuziehen. Er verfügt über ein Arsenal an verwirrenden Zone Blitzes, die er auf Burrow ansetzen muss – unter der Gefahr, dass er sich ein paar Big Plays fängt. Allerdings immer noch besser als der langsame Tod durch stetige Drives ohne größere Probleme.

Spannend wird zudem zu beobachten sein, wo Venables seinen Unterschiedsspieler Isaiah Simmons positionieren wird, der ja quasi jede Position der Defense spielen kann. Ich würde ihn nicht unbedingt primär als Nickel-DB einsetzen, sondern weiter nach innen ziehen und mit ihm als Overhang-Defender die RPO-Slants und andere In-Routes verteidigen. Aufgrund seiner Spielintelligenz, schnellen Reaktionen und seines short-area bursts könnte er dort am meisten Einfluss auf die Playcall-Auswahl von LSU haben.

Christian Schimmel: Die meisten Teams haben schon sehr viel probiert. Ich glaube es geht darum Burrow aus der Komfortzone zu holen. Coverages disguisen, Zone Blitz, permanent Druck Pre Snap zeigen und dann auch mal nur drei schicken. Das können alles Mittel sein das Big Play zu verhindern und wäre vermutlich mein erster Wunsch als LSU DC.

Clemson-Offense vs. LSU-Defense 

#10 Clemson-Offense gegen LSU-Defense: WRs Higgins/Ross gegen CBs Fulton/Stingley – welches Team hat hier die Matchup-Vorteile?

Jan Weckwerth: Kommt drauf an. Wenn Clemson Higgins und Ross wieder nur als contested catch / Matchup-Waffen ohne schematische Unterstützung einsetzt, dann sehe ich die Vorteile bei Fulton und Stingley, die beide hervorragende Man CBs sind und darüber hinaus einige Physis mitbringen. Ich würde an Clemsons Stelle mehr mit Routenkombinationen arbeiten und gerade Justyn Ross (den schnelleren der beiden) öfter mal in den Slot gegen Kary Vincent oder einen der Safeties stellen.

Christian Schimmel: Schon auf Seiten der Receiver, sofern beide wieder völlig fit sein sollten. Es sind besondere Athleten und gleichwohl auch die Cornerbacks der Tigers stark sind, denke ich, dass dort etwas für Clemson geht. Das haben schon andere Mannschaften gegen LSU gezeigt.


#11 Clemson-Offense gegen LSU-Defense: Was stoppst du an LSU-Stelle priorisiert: Clemsons RPO/Laufspiel über Etienne und Lawrence, oder Passspiel auf die Star-Receiver?

Jan Weckwerth: Ich vermute DC Dave Aranda wird bei der Erstellung des Gameplans primär auf Laufspiel/RPO schauen. Nicht weil das zwangsläufig der wichtigere Part ist, sondern weil man auf outside CB eh hervorragend aufgestellt ist und in anderen Bereichen der Defense größere Probleme hatte – unter anderem übrigens mit mobilen QBs. Ganz wichtig werden Disziplin und Tackling sein, gerade gegen Etienne bei Outside Zone Stretch Plays. Hier wird es insbesondere auf die beiden Safeties Delpit und Stevens ankommen.

X-Faktoren und Siegertipp

#12 In solchen knappen Spielen kommt es oft auf Kleinigkeiten an: Turnovers, Special Teams, X-Faktoren. Welche könnten heute solche X-Faktoren sein?

Jan Weckwerth: Vorm Halbfinale hatte ich auf meinem Blog Runs von Lawrence genannt, aber das kann man nun beim besten Willen nicht mehr als X-Factor bezeichnen. Dennoch ist dieses Element nicht zu unterschätzen, weil DC Aranda nun einen größeren Teil der Vorbereitung darauf verwenden muss. Ansonsten erwarte ich in der Clemson Offense keine wirklich überraschenden X-Factors, eventuell könnte man Slot WR Amari Rodgers etwas mehr einbinden, wenns außen nicht so läuft.

LSU sollte seine gewohnte Offense ohne zu viele Spielereien aufs Feld bringen, allein deswegen, weil sie bisher gegen jedes Team den Ball bewegen konnte. Falls es mit den Pässen auf die outside WRs unerwartete Probleme geben sollte, könnte TE Thaddeus Moss (Sohn von Randy Moss) eine größere Rolle einnehmen, der sein Talent gerade in den letzten Wochen mehr als andeutete.

Christian Schimmel: Redzone, Redzone, Redzone. Beide werden in dem Spiel punkten müssen und zwar eher sieben als drei. Dazu spielen Strafen bzw. knappe Calls der Schiedsrichter und möglich Verletzungen immer eine mitentscheidende Rolle.


#13 Fix ist nur: Ein Tiger gewinnt das Endspiel. Aber welcher?

Jan Weckwerth: LSU. Die südwestlicheren Tiger sind einfach mal fällig. Clemsons Defense hat insbesondere vorne nicht mehr ganz die Klasse der vergangenen Jahre, und Burrow und Co. haben sich in einen derartigen Rausch gespielt, dass ich es den Tigern aus Clemson einfach nicht zutraue, diese Truppe konstant vor Probleme zu stellen. Clemsons Chancen bestehen meiner Ansicht nach in einem Shootout, und da gibt für mich die (nicht unbedingt statistisch ablesbare, aber qualitativ erkennbar) bessere Coverage von LSU am Ende den Ausschlag.

Christian Schimmel: Da ich mich in der Ausgabe der Sofa Quarterbacks auf Clemson festgelegt habe, bleibe ich auch hier dabei. 44:41 Clemson.

4 Kommentare zu “College Football – National Championship 2019/20 in Frage und Antwort

  1. Mal wieder sehr unterhaltsam und interessant; das Interview-Format mit Jan und Christian gefällt mir immer besser. Gerne noch mehr davon!

  2. Pingback: College Football National Championship Game 2019/20 Preview: LSU Tigers – Clemson Tigers | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  3. Pingback: Mailbag zum Saisonabschluss – Triple Option

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