Last Exit before NFL Free Agency: Freischaufeln um jeden Preis

Das Treiben in der NFL in den letzten Momenten vor Beginn der Free Agency ist hektisch. Lass mich auf die Cap-Zaubereien der Saints schauen, auf die Patriots – und auf gehaltsverzichtende Star-Quarterbacks im Versuch, ihr Titelfenster noch einmal zu maximieren.

New Orleans Saints

Die New Orleans Saints haben es fast geschafft. Obwohl sie mit um die 70 Mio. Überschuss über der prognostizierten Salary-Cap in die Offseason gegangen waren und Safety Marcus Williams sogar noch die Franchise Tag überstülpten, sind sie mittlerweile auf fast 15 Mio. an das Minimalziel – Einklang mit der NFL-Gehaltsobergrenze zum Start des Ligajahres 2021 am Mittwoch – herangekommen.

Was in einigen Kreisen wieder die alte Leier von wegen „NFL-Cap ist ein Mythos“ hervorgerufen hat, hat in Wahrheit mal wieder einige Cap-Kunst erfordert. Im Saints-Fall ging es nicht ohne Trennungen vonstatten – aber das befürchtete Blutbad blieb aus. Eine Übersicht über die wichtigsten Moves:

  • Restrukturierung bei WR Michael Thomas: Umwandlung Fixgehalt in Signing-Bonus, 8.7 Mio Cap-Ersparnis für 2021
  • Restrukturierung bei OG Andrus Peat: Umwandlung Fixgehalt in Signing-Bonus, 6 Mio.
  • Restrukturierung bei S Malcolm Jenkins: Umwandlung Fixgehalt in Signing-Bonus, 3.6 Mio.
  • Entlassungen von LB Kwon Alexander (13.5 Mio. Ersparnis, null Dead-Cap), WR Emmanuel Sanders (4 Mio. Ersparnis) und CB Janoris Jenkins (7 Mio. Cap-Ersparnis, aber 7.2 Mio Dead-Cap)

Schon zuvor hatten die Saints von einem Gehaltsverzicht des QBs Drew Brees profitiert, und die Verträge von DL Cam Jordan, DT David Onyemata, LB Demario Davis und Kicker Will Lutz neu strukturiert sowie OG Nick Easton, Punter Thomas Morstead und die beiden TEs Jared Cook und Josh Hill gefeuert.

Jetzt fehlen im Prinzip noch Vertragsverlängerungen mit CB Marshon Lattimore und/oder OT Ryan Ramczyk und/oder Marcus Williams und/oder OT Terron Armstead. Lattimore und Ramczyk spielen unter der 5th-Year-Tag, Williams unter Franchise-Tag. Alle haben aktuell Cap-Zahl zwischen 10.2 und 11 Mio für 2021 und wären ohne „Dead Money“.

Armstead wäre im letzten Vertragsjahr – danach kommen „nur“ noch zwei Void-Years, in denen New Orleans über 5 Mio. Handgeld abschreibt. Bei Armstead ließen sich 10.2 Mio. Fixgehalt in einen Bonus umwandeln, aber wie viel will man noch Kohle in die Zukunft schieben?

Kurios aber: Wird man sich mit Armstead einig, so hätte ausgerechnet Taysom Hill die höchste Cap-Zahl in 2021 (16.16 Mio). Bei Hill gibt es mit nur mehr einem Jahr Laufzeit au0ßer Gehaltsverzicht keine Stellhebel, wenn man ohne Verlängerung auskommen will.

Die Saints haben es bis jetzt zu 19 Mio. Dead-Money gebracht – und mit den void years von Brees, Armstead und einigen weiteren Kollegen bereits jetzt saftige Dead-Money in der nächsten Saison angeschrieben (schon um die 17 Mio Stand jetzt).

Auch wenn der Mannschaftskern zusammenbleibt (und mit exorbitanten Dead-Caps auch zusammenbleiben muss, weil Trennungen sogar teurer wären), muss man konstatieren: Die Rechnung der Kreditkarte ist gekommen. Die Saints mussten sich von einigen „Tiefen-Spielern“ trennen, sind noch ein paar Restructures vom Glück entfernt – und brauchen dann noch Platz für eine valide QB-Lösung, brauchen noch ein paar Millionen Budget für die Rookieklasse und haben kein Geld für etwaige Einkäufe in Free Agency.

Die Jahre mit dem ganz prallen Roster sind damit erstmal vorbei. Aber immerhin ist der Kader ein weiteres Mal nicht so krass implodiert wie befürchtet. Saints-Cap-Kunst: Auf ein Neues 2022.

Tampa Bay Buccaneers

Die Saints haben ihr „all in“ schon (titellos) hinter sich. Die Buccs haben den Titel schon in der Tasche – und versuchen weiter ihr Fenster auszureizen, wo es geht. Ich habe vor ein paar Wochen in der Offseason-Preview die Frage der Fragen gestellt:

Tampa hat zahlreiche kritischen personelle Entscheidungen vor sich – und steht damit wie die Saints auch ein bisschen vor der Frage: „Fenster 2021 maximieren oder schon auf die mittelfristige Zukunft schauen?“

Wir können jetzt ziemlich sicher davon ausgehen, dass GM Jason Licht den Kader zusammenhalten will. Und dass Tom Brady das auch will. Brady unterschrieb gestern großmächtig eine Umschichtung seines Vertrags:

Keine Gehaltserhöhung, sondern klassische alte Umwandlung in Handgeld und Abschreibung in void years in der Zukunft – in eine Zeit, in ein 50-jähriger Brady zwar weiter 30 Touchdowns auflegen wird, aber der heutige Kern langsam ins Footballrentenalter kommt. Brady schaufelt 19 Mio. frei, indem das Handgeld auf drei Jahre teilweise in void years abgeschrieben wird.

Tampa hat bereits WR Chris Godwin „gefranchised“. LB Lavonte David bekam Vertragsverlängerung. Mit der Brady-Restructure kann man fast davon ausgehen, dass die Buccs auch bei EDGE Shaq Barrett eine Lösung finden werden. Antonio Brown und Gronk gelten glaube ich eh als Formsache. Jetzt hat man auch den entsprechenden Platz unter der Salary-Cap dafür.

New England Patriots

Auch Bradys Ex-Team sagt: Fuck auf Rebuild. Die Pats haben gestern QB Cameron Newton und Special-Teamer Matthew Slater Justin Bethel gehalten – zwei Moves, die nicht zwingend zu einem Umbruch-Team passen.

Newton bekommt zwar nur ein weiteres Jahr. Grundgehalt soll um die 5 Mio liegen – aber mit (kaum zu erreichenden) Leistungsprämien kann Newton auf 14 Mio upgraden. Echter Vertrauensbeweis ist das nicht, aber immerhin etwas Absicherung für hintenraus, wenn wirklich keine Optionen mehr da sein sollten.

Ein Newton mit Backup-Money im Kader hält die Option „aggressiver QB-Move im Draft“ natürlich sperrangelweit offen – zumindest dann, wenn Bill Belichick seine höchsten Picks nicht in einen Trade für einen Top-Receiver investiert.

Obwohl Cap-Space da wäre, bin ich mir nicht sicher ob Belichick zur großen Shopping-Tour ausziehen wird. Aber gezielt hier und dort ein paar zweite-Reihe Waffen wie TE Jonnu Smith oder Marvin Jones verpflichten und dann den 1st Rounder entweder in einen Allen-Robinson-Trade oder einen QB-Pick investieren? Ist Belichick durchaus zuzutrauen, und dann kannste 2021 vielleicht doch wieder schnell angreifen.

Defense hat mit Rückkehreren wie Hightower oder Chung sowie einem Jahr Erfahrung für die vielen Jungspunde aus dem Draft 2020 vielleicht noch ein Jahr im Tank. O-Line kann mit Einkäufen wie Trent Brown und Genesungen wie Isaiah Wynn einen Schritt nach vorn machen. Belichicks „End-Plan“ auf QB ist noch nicht ganz klar – aber seine Strategie des „sanften Rebuilds“ ist mit dem Halten von Newton jetzt ziemlich offensichtlich.

Kansas City Chiefs

Einen hab ich noch: Auch Chiefs-QB Patrick Mahomes hat schon zur ersten Restructure in seinem epischen Vertrag angesetzt und macht mit der Umwandlung seines Roster-Bonus in einen Signing-Bonus 17 Mio unter der Salary-Cap 2021 frei.

Es war nicht der einzige Move der Chiefs um von negativem Cap-Space auf rund 15 Mio Freiraum durchzubrechen. Denn ich habs schon gestern kurz angeschnitten: Die Chiefs haben am Donnerstag beide Starting-Offensive-Tackles der letzten Saison gefeuert: LT Eric Fisher und RT Mitchell Schwartz. Völlig überraschend war das nicht – aber auch nicht unbedingt erwartet. Die beiden Moves sparten in Summe rund 18 Mio Cap-Space.

Bei Schwartz drohte schon länger Karriereende. Bei Fisher war’s wohl die Kombination aus Achillessehnenverletzung und hoher Cap-Zahl. Beide Männer haben sich schon offiziell hingestellt und ihre Rauswürfe verteidigt.

Fisher dankte der Organisation, die ihn 2013 zum #1 Pick machte und auch in sportlich schwierigen Zeiten zu ihm hielt, ausdrücklich. Schwartz maulte auf Twitter Fans an, die seinen Rauswurf finanziell mit dem Mahomes-Deal aus dem letzten Jahr in Verbindung brachten:

Nur ein weiteres Zeichen dafür wie missverstanden der Mahomes-Vertrag ist.

GM Brett Veach hat jetzt zwar finanziellen Handlungsspielraum um das „Fenster“ der Chiefs weiter auszuschlachten. Seine Aufgabe wird jetzt aber mit klaren Needs auf Receiver und nunmehr beiden Offensive-Tackle-Positionen nicht einfacher.

O-Line war ein großes Problem in der Superbowl, aber nicht so groß wie Wide Receiver. Fisher/Schwartz waren, wenn fit, ein grundsolides Tackle-Duo. Jetzt ist nur noch OT Lucas Niang da, der letztjährigen 3rd Rounder, der nach seinem Opt-Out aber eine komplette Wildcard ist.

Veach hat in seiner GM-Vita zwei wirklich herausragende Moves geleistet. Er hat jahrelang so laut von Mahomes als College-Prospect geschwärmt, dass sein Team das Herz in die Hand nahm um Mahomes zu bekommen. Und er hat Mahomes mit einem außergewöhnlichen Vertrag für Ewigkeiten bezahlbar an das Team gebunden.

Das sind die zwei fettestmöglichen Moves, die ein GM in der gegenwärtigen NFL machen kann. Dafür gebührt ihm aller Credit der Welt.

Aber das Gesamtbild abseits der Personalie Mahomes ist bei Veach nur mit zwei zugedrückten Augen akzeptabel: Exorbitante Investitionen in die D-Line oder 1st-Round-Runningback-Picks sind nicht unbedingt Zeugnisse eines vernünftig operierenden GMs.

Ist die Entlassung der teuren Tackles jetzt ein Zeichen dafür, dass K.C. den gestern beschriebenen Move „bissl schwächer, aber dafür viel billiger“ in der O-Line durchziehen will? Oder kommen jetzt die ganz fetten Moves?

Ich weiß nicht wieviel Vertrauen ich in Veach stecken möchte, dass er diese Offseason die richtigen Moves (auch in finanzieller Hinsicht) macht um die Chiefs in Contention zu halten.

Und jetzt noch?

Heute und morgen wird das fröhliche Wechselspielchen noch weitergehen – und wenn der Eindruck nicht täuscht, dann werden viele der frisch entlassenen Spieler mit Nachdruck versuchen, bis Sonntag oder spätestens Montag bei neuen Teams unterzukommen um nicht im nachfolgenden „Tampering-Wahnsinn“ zwischen Montag und dem Free-Agency-Start am Mittwoch unterzugehen und am Ende mit leeren Händen dazustehen.

Ein Update vom Cheat-Sheet der Free Agents gibt es bei Mike Clay:

3 Kommentare zu “Last Exit before NFL Free Agency: Freischaufeln um jeden Preis

  1. Mit Mahomes werden die Chiefs wohl immer irgendwie in Contention bleiben. Weiß natürlich was du meinst und zu sehr darauf ausruhen sollte man sich darauf dennoch nicht.

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