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NFL Power Ranking 2020 – Woche 17

Ende der Regular Season – wie jedes Jahr die Chance zurückzublicken auf die Saison. Also nachfolgend der obligatorische, bissl technokratische Abschlusseintrag zur Regular Season. Unten habe ich noch mein persönliches Playoff-Ranking mit angefügt. Nur, dass es mir schon am Samstag zum ersten Mal um die Ohren fliegen kann.

Close Games

Die abgelaufene Regular Season hatte 122 Spiele, die innerhalb von 7 Punkten endeten – das ist minimal weniger als die Hälfte der NFL-Spiele, aber ziemlich genau im Mittel der letzten 11 Jahre (das bei 121 Spielen liegt):

Jahr   7pts Games
2020   122
2019   123
2018   125
2017   111
2016   135
2015   131
2014   98 
2013   123
2012   120
2011   125
2010   121
Avg.   121

Close Game Records

Die Teams mit dem besten Record in One-Score Games 2020?

  • Chiefs gingen 8-0
  • Titans gingen 8-2
  • Steelers und Browns gingen jeweils 7-2
  • Seahawks gingen 7-3

Ein extremer Record in engen Spielen ist häufig ein Zeichen dafür, dass die finale Saisonbilanz der jeweiligen Mannschaft das wahre Leistungsvermögen leicht überschätzt.

Gerade die Chiefs waren in der abgelaufenen Regular Season aber ein Team, bei dem es immer wieder zu „backdoor“ covers kam – also dazu, dass die Gegner am Ende eines Spiels wieder den einen Touchdown aufholten um ein klar gewonnenes Spiel mit

Die Teams mit den extrem schlechten Records on one score games sind keine Überraschung:

  • Atlanta Falcons waren 1-8. Wir haben diese Saison alles über die erstaunliche Fähigkeit der Falcons zu Fuck-Ups gehört und gelesen.
  • Houston war 2-7
  • Jacksonville 1-5
  • Washington ging 2-5
  • Carolina war 3-6

Die Chargers haben nach der bizarren ersten Saisonhälfte übrigens letztlich noch eine ziemlich ausgeglichene Close-Game Bilanz hingelegt: 5-6 in engen Spielen. Hätte ich nicht für möglich gehalten.

Pythagorean

Man möchte es kaum glauben, aber das Team mit dem besten Pythagorean und auch mit dem besten Punktverhältnis waren die Baltimore Ravens (Pythagorean von 12.0, Punktverhältnis +165).

Saints (11.4 erwartete Siege nach Punktverhältnis), Buccs und Packers (jeweils 11.2 Siege) folgen dahinter – die Chiefs sind mit 10.7 Siegen sogar noch hinter den Bills (10.9 Siege). Es war einfach auf dem Point-Sheet nicht dominant genug von den Chiefs – aber sie haben auch nur 15 Spiele mit Patrick Mahomes gespielt.

Der Pythagorean ist ein besserer Predictor als der Win/Loss Record, weil er das Punktverhältnis einer Mannschaft in Relation setzt. Seine Schwächen: Er ist nicht Schedule-adjusted und er unterscheidet nicht wie eine Mannschaft zu Punkten gekommen ist (durch Offense, Defense oder Special Teams).

Ich mag ihn trotzdem, weil er ziemlich schnell einen guten Überblick über die Dominanz eines Teams gibt. Die Ravens würde ich trotzdem „nur“ als Top-5 Team, aber nicht als Top-Team der Liga bezeichnen. Sie demolieren klar unterlegene Teams ohne Gnade, aber ist ihnen ein Gegner physisch gewachsen, hat es diese Saison des Öfteren harzig ausgesehen.

Die Sieg/Loss Bilanzen von Chiefs und Browns sind jeweils um 3.3 Siege besser als die Pythagoreische Erwartung. Keine anderen Teams kommen da auch nur entfernt ran.

Dagegen haben die Falcons mit ihrer 4-12 Bilanz den Pythagorean eines 7-8-1 Teams. Mehr als diese 3.5 Siege underperformance hat man schon länger nicht gesehen – aber welche Wunder bei den epischen Wegen die Atlanta immer wieder zu seinen Niederlagen gefunden hat.

Zufallsreport 2020

Eine meiner Lieblingsstatistiken Jahr für Jahr.

In einer völlig zufällig verteilten Footballliga (Gauss-Verteilung) wären die Sieg/Niederlagen Records der 32 Mannschaften mit einer Varianz von 0.125^2 verteilt (8-8 entspricht einer 0.500 Bilanz, 12-4 einer 0.750 Bilanz). Die 32 Records der NFL-Saison 2019 sind mit einer Varianz von 0.213^2 verteilt. Die Varianz ist natürlich höher als in einer völlig zufällig verteilten Liga, da nicht allein der pure Zufall über den Ausgang der Liga entscheidet.

Wir haben also keine Würfelliga, leben aber in einer Liga, in der mehr als die Hälfte der Spiele innerhalb eines einzigen Ballbesitzes entschieden wird. Der Anteil des Zufalls ist naturgemäß hoch. Wir können errechnen, wie hoch:

VAR (Zufallsliga) / VAR (reale NFL) = 0.125^2 / 0.1^2^2 = 0.345 = 35%

In der abgelaufenen Saison können wir also 35% der Siegbilanzen der NFL-Mannschaften mit dem Zufall erklären. 35% ist für NFL-Verhältnisse ein ziemlich niedriger Wert. Wir hatten schon Spielzeiten mit fast 50% Einfluss des Zufalls – etwas über 40% ist die Regel. Dass wir gerade in der Corona-Saison, die alle als extrem unvorhersehbar angepriesen haben, eine recht gleichmäßig verteilte Saison bekommen haben, ist eine Überraschung.

Gehen wir noch den einen Schritt weiter: Bis wann halten sich Zufall und Können die Waage, ab wann übernimmt dann das Können das Kommando? Die Rechnung ist simpel:

VAR (Zufall-vs-Können) = VAR (reale NFL) – VAR (Zufallsliga) = 0.172^2

Am Punkt r=0.50 halten sich Zufall und Können die Waage. Dieser Punkt wurde in der laufenden Saison zwischen dem achten und neunten Spieltag erreicht: WURZEL(0.5*0.5/8.5) = 0.172.

In Short: Die Saison 2020 war weniger vom Zufall geprägt als die Spielzeiten in Vergangenheit. Trotz Corona, trotz Verlust von Heimvorteil. Da hatte man ehrlicherweise etwas anderes erwartet.

Saison-Prognose im Rückspiegel

Wie jedes Jahr auch heuer der Rückblick auf meine Saison-Prognosen im September. Es gibt kein Sich-selbst-Belügen. In der Furchtlosen Vorschau habe ich schwarz auf weiß geschrieben, was ich von wem erwarte.

Und hier sind die Resultate:

  • Die Topfavoriten holten 9.4 Siege im Schnitt
  • Die Kronprinzen holten 9.8 Siege im Schnitt
  • Die Mittelklasse holte 6.9 Siege im Schnitt
  • Die Bodensatz-Truppen holten 5.9 Siege im Schnitt

Verwenden wir den durchschnittlichen Wert im Power-Ranking, so haben die vier Kategorien wie folgt performt:

  • Titelfavoriten: 0.59
  • Kronprinzen 0.58
  • Mittelklasse: 0.45
  • Bodensatz: 0.37

Meine Titelfavoriten aus der Preseason haben im Medium trotz zweier kompletter Busts in Dallas und Philadelphia minimal besser performt als die Teams an #9 bis #16. Die Mittelklasse fällt trotz Bills und Rams schon deutlich ab.


So. Mehr geht grad nicht.

Hier das finale Power-Ranking – die Chiefs haben die Packers knapp überholt, aber ich glaube dass das Ranking die Chiefs leicht unterschätzt. Ich habe mich entschieden, Woche 17 doch nicht auszunehmen, also bitte take it with a grain of salt.

Neu ist, dass ich nun die Offense- und Defense Platzierung in der Haupt-Tabelle auch an den Schedule angepasst habe. Dass die Packers-Defense z.B. trotz allem noch an #12 rangiert, überrascht mich ehrlich gesagt schon ein bisschen.

12 der 14 Playoff-Teams sind an #1 bis #12 gerankt (fett in der Tabelle). Nur Washington und Chicago fallen etwas ab.

Mein Playoff-Ranking

Müsste ich die Teams für die Playoffs ranken, hätte ich übrigens eine leicht andere Reihenfolge:

AFC: #1 Chiefs, #2a und #2b Bills und Ravens, #4 Titans, #5 Colts, #6 Steelers, #7 Browns. Bei den Chiefs glaube ich noch immer recht stark an einen Durchbruch zu den Playoffs. Bei den Ravens warne ich seit Anfang Oktober, dass sie zu sich finden. Die Titans haben offensiv gutes Potenzial, sind aber a bissl Matchup-abhängig und haben eine abstruse Defense. Die Browns sind mit Covid ziemlich kaputt – ich hoffe außerdem, dass sie keinen emotionalen Letdown nach dem sehr emotionalen Playoff-Einzug letzte Woche haben.

NFC: #1 Packers, #2 Saints, #3 Buccs, #4 Seahawks, #5 Rams, #6 und #7 Washington Bears. Das Saints-Feld wirkt “schlanker” als das NFC-Feld. Die Buccs sind in den letzten Wochen immer gefährlicher geworden, aber ich kann sie nicht über die Saints stellen, gegen die sie zweimal deutlich verloren haben. Bei den Saints bleibt allerdings die Frage ob Brees noch vier Spiele durchhält. Die Seahawks haben eine problematische Entwicklung ihrer Passing-Offense. Rams, Washington und Bears kann man offensiv Stand jetzt nicht wirklich ernst nehmen.

Graphics

Hier noch die Galerie mit den Advanced-Stats und n’paar Bildchen.

6 Kommentare zu “NFL Power Ranking 2020 – Woche 17

  1. Die Entwicklung unter Corona ist ganz spannend.
    Im Fußball ist es auffällig, dass in vielen europäischen Ligen durchaus unerwartete Teams vorne mitspielen; anders allerdings in der Bundesliga Inder sich gerade in der letzten Saison in der bubble die Guten Teams durchgesetzt haben. Ich weiß nicht, wie der Heimvorteil in deinem System bewertet wird bzw. ob der als Zufall gilt.
    Das ganze kann natürlich auch einfach eine zufällige Abweichung sein…

    Bei Carolina kommen noch zwei 8Punkte Niederlagen hinzu…. Bei all den Positiven Ansätzen bin ich dann doch sehr skeptisch was meine Panthers angeht – würde mich über eine Sezierstunde freuen 😅

    Die Falcons dürften mit der Regtessionserwartung doch ein ganz attraktiver Coachingposten sein

  2. Heimvorteil gibt es in dem Power-Ranking nicht, weil eh jedes Team 50% Heimspiele hatte.

    Nächstes Jahr, wenn sie das mit den 17 Spielen wirklich machen, könnte es was anderes sein. Aber Heimvorteil hatte schon die letzten zwei Jahre praktisch keine Auswirkung mehr auf die Ergebnisse.

    RE Carolina: Ich denke das wichtigste ist es, Joe Brady zum Bleiben zu überreden. Dann, eine Lösung auf QB zu finden. Offense war in der zweiten Saisonhalbzeit nur mehr #26 nach EPA/Play, Bridgewater ist bestimmt keine längerfristige Lösung, aber Brady hat die Offense schön designt.

    Defense wird fast sicher Entwicklung kommen, das war doch eine der jüngsten Units in der NFL, viele Rookies in Stammrollen. Das ist üblicherweise ein Rezept für schwache Zahlen.

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