NFC Championship Game 2014/15 Preview: Green Bay Packers @ Seattle Seahawks

Championship-Football!

Den Auftakt zum Championship Sunday machen die Green Bay Packers (13-4) und die Seattle Seahawks (13-4). Kickoff ist am Sonntag um 21.05Uhr mit den bekannten Knalltüten Joe Buck, Troy Aikman, Mike Pereira und Erin Andrews auf FOX. Ran.de steigt mit dem livestream schon um 20.30Uhr ein, verrät aber nicht, was da 35 Minuten lang passiert (10€ auf: „Praktikant liest tweets vor“) oder wer das kommentiert; ab 23.15Uhr dann auch in Sat.1. Seattle ist in Vegas 7,5-Punkte-Favorit. Das ist auf den ersten Blick etwas hoch; der zweite kommt hier.

Die beiden Mannschaften haben im September den Season Opener gespielt. Seattle hat klar gewonnen mit 36-16. Seattles Game Plan war um Percy Harvin herum gebaut und auf der anderen Seite hat GB’s Right Tackle Derek Sherrod seinen Angriff zur Implosion gebracht. Beide sind nicht mehr da. Das war Wochen bevor Aaron Rodgers den Dreh für 2014 raushatte und seinen Fans eine lautes R-E-L-A-X zurief. Und überhaupt ist das schon Monate her, in einer NFL-Saison sind das Lichtjahre, also kümmern wir uns nicht weiter drum.

Packers Offense vs Seahawks Defense

Das einzige, was man vielleicht mitnehmen kann, war Rodgers‘ Richard-Sherman-Phobie. Nicht ein einziges Mal hat er auf die rechte, die Shermanseite geworfen. So einseitig sollte es dieses Mal nicht sein. Mit wendigen, quicken WRs kann man den großen CB auf kurzen Routen durchaus mal schlagen. Mit Randal Cobb und Rookie Davante Adams hat Green Bay solche Leute. Wenn man ganz mutig ist, kann man auch den schnellen Jordy Nelson auf eine go route gegen Sherman in ein 1-vs-1 schicken und per playdesign den tiefen Safety Earl Thomas auf der anderen Seite des Feldes halten. Naja, vielleicht mal für Zwischendurch, für die meiste Zeit sollte sich Rodgers schon mehr auf die linke Seite konzentrieren.

Die linke Seite und die linke Wade

Cam Newton hat das letzte Woche vorgemacht. Gegen Tharod Simon außen (und manchmal Jeremy Lane im Slot) war Newton 16/21 für 169 Yards, zwei TDs und 11 First Downs. Überhaupt – als kurzer Einschub – sollte man auch nicht vergessen, daß Seattle seit Monaten gegen keinen richtig starken Passer gespielt hat. Shaun Hill, Ryan Lindley, Kaepernick zwei Mal, Mark Sanchez, Drew Stanton, Alex Smith sind die Namen, wenn man bis Mitte November zurückgeht. Die guten QBs: Rivers, die Mannings, Romo haben im Schnitt für 280 Yards geworfen. Zurück zur linken Seite, wo wahrscheinlich wieder Byron Maxwell spielen wird, der letzte Woche krank ausgefallen ist. Maxwell ist besser als sein Ersatz Simon, aber auch niemand, der einem Rodgers Angst macht.

Die Packers sollten das also auch machen, sich auf die linke Seite konzentrieren. Sie lieben ihre 3×1 sets (3 potentielle Paßempfänger auf der einen Seite, einer auf der anderen), und wenn sie dabei den X-Iso, also die „1“ in „3×1“, auf rechts zu Sherman stellen, stehen links zwei Wide Receiver und ein Tight End Byron Maxwell und Jeremy Lane gegenüber, die safety help haben und einen LB Bobby Wagner, der in anderthalb Sekunden jeden Punkt auf seiner Spielfeldhälfte erreichen kann, trotzde müßte Rodgers damit ein paar Male arbeiten können.

AR ärgert sich immer noch mit der verletzten Wade rum. Letzte Woche gegen Dallas hat er aber in der zweiten Hälfte gezeigt, daß er auch damit arbeiten kann. Nach einer ersten Hälfte, in der er sehr vorsichtig war und die Wade nicht belastete, schien er in der Halbzeitpause rausgefunden zu haben, was diese denn so tatsächlich alles aushalten kann. Und siehe da: 15 von 20 für 226 Yards und zwei Touchdowns in den folgenden beiden Vierteln. Der alte Rodgers.

Seattles Überaggressivität

Seattles D ist weithein bekannt. Cover-3 mit Safety Kam Chancellor als lurk defender (einfach gesagt: er sucht sich einen Job selbst nach dem Snap und hat keine feste Position oder „Verantwortung“) ist die Basis, von der hier und da mal abgewichen wird. Sherman, Thomas, Bobby Wagner, Chancellor und Michael Bennett sind die großen Namen. Kennt man alles.

Was letzte Woche wieder aufgefallen ist, ist die unglaubliche Intensität der gesamten Verteidigung. Sie spielen unfaßbar aggressiv, explosiv und schneller als jede andere Einheit. Aber, und das ist hier eine Chance für GB, manchmal fällt ihnen das auch auf die Füße. Alle zwei Wochen springt zum Beispiel Earl Thomas mit 160km/h ins Nichts, worauf ein Kommentator vom Schlage Aikmen dann jedes Mal sagt: „that’s a mistake you never see from Earl Thomas„. Und das ist falsch. Das ist so wie früher „Wow, a big drop by Wes Welker, that never happens!“. Oh doch, it does. Regelmäßig. Das ist ein Risiko das man eingeht, und diese Risiken machen Seattles Defense nicht nur spielerisch so stark, sondern sie auch so dermaßen attraktiv für den Zuschauer. Allein: es sind auch Risiken.

Exemplarisch dafür war eines der Spiele gegen San Fran letzte Saison, als Frank Gore ein Loch in der Offensive Line gefunden hat, Thomas aber schon mit Vollgas auf ihn zugestürmt kam. Gore, sehenden Auges, hat seinen Arsch, wie ein Torrero sein Tuch, mit einer kurzen zackigen Bewegung die entscheidenen Centimeter zur Seite gezogen und BAM!: lag der Stier Thomas im Dreck und Torrero Gore ist gemütlich zur Königin im ersten Rang stolziert.

[Alle bisherigen Artikel zu den Playoffs.]

Mit Randall Cobb und Davante Adams haben die Packers zwei geradezu perfekte Spieler, die überaggressive Gegner ins Leere laufen lassen oder ihnen mit einem kurzen Zucken in der Hüfte die Knöchel brechen können wie Timmy Hardaway in seinen besten Tagen. Zugegeben: erstens in das einfacher gesagt als getan und zweitens birgt jeder Fehler die Gefahr mehrerer Rippenbrüche, wenn man sich zwischen Thomas und Kam Chancellor wiederfindet. Aber es ist eine Chance, und wenn dabei zwei Big Plays rauspringen, ist schon viel gewonnen.

Wie schafft man das am besten? Mit crossing routes durch die Zonen. Laß‘ Cobb und Adams querlaufen, auf ihrem Weg den Ball fangen und sich sich dann in einer Situation wiederfinden, in denen sowohl Cobb/Adams als auch Thomas oder ein anderer DBs full speed laufen. Oder auch mit Cobb auf Paßrouten aus dem Backfield heraus. So kann er den Ball in der Vorwärtsbewegung bekommen, was noch effektiver ist.

Green Bays Offensive Line & Laufspiel

Rodgers sollte für seine Pässe meistens auch Zeit bekommen, nicht soviel wie Andrew Luck dieser Tage, aber mehr als die meisten anderen Quarterbacks gegen Seattle. Green Bays OLine ist sehr stark in pass protection. Im Laufspiel reißen sie nicht besonders viel; aber oft genug geben sie RB Eddie Lacey diesen kleinen, kaum bemerkten Beginn einer Laufmasche, in die dieser dann mit voller Hand reingreift und acht Yards abreißt. Über die zweite Saisonhälfte hatte Green Bay nach DVOA das füftbeste Laufspiel der Liga. Die können also tatsächlich gut laufen, auch gegen Seattle.

Die Packers haben ein recht vielseitiges Laufspiel, zumindest von den Formationen her. Durch Rodgers‘ aktuelle Bewegungslegasthenie steht er nicht under center, weil er sich dabei zuviele Schritte machen müßte, um in eine passing position oder zum Running Back zur Ballübergabe zu kommen. Aber auch so können sie zumindest aus der Shotgun laufen, mit einem RB; mit der pistol formation auftreten, wahlweise mit einem RB oder mit RB plus FB John Kuhn (oder auch Randall Cobb um ihn in match ups mit LBs zu bekommen); oder auch ihre alte diamonds formation auspacken: dabei stehen Rodgers und Lacey hinter ihm in der pistol, während Rodgers rechts und links flankiert wird vom Fullback, Tight Ends oder Cobb (nimmt man den Center dazu, sieht es aus wie die Fußballraute). Mike McCarthy wird schon einige gute Ideen haben, auch Seattles Defense hat Schwächen – nur müssen diese dann auch perfekt umgesetzt werden auf dem Feld. Sehr schönes match up jedenfalls, GB-O vs SEA-D.

Seahawks Offense vs Packers Defense

Seattles Defense sollte am Sonntag nicht das größte Problem für Green Bay sein. Ihre eigene Defense sorgt für die mehr Sorgenfalten. Seattles Angriff ist um das Laufspiel herum gebaut; zum diesen Laufspiel gehören viele read-option plays; diese funktionieren am besten mit einem schnellen und beweglichen Quarterback. Sounds familiar, Packers Fans? Colin Kaepernick und Frank Gore sind heute noch oft gesehene Gäste in den Albträumen der Cheeseheads. 490 Yards am Boden hat GB in den beiden Playoffniederlagen der Saisons 2012 und ’13 gegen SF zugelassen

Green Bays Run-D

Die Packers haben dabei drei Schwachstellen, die Seattle (in Woche 1) und San Fran in den letzten beiden Jahren ausgenutzt haben. Eins ist ganz plump die mangelnde individuelle Klasse in Green Bays Front-7; ein zweites die mangelnde Disziplin bei den read-options; ein drittes Dom Capers‘ fast schon sture Abneigung der Base Defense gegenüber.

Green Bays Defensive Coordinator spielt nur äußerst ungern in seiner 3-4DE. Selbst wenn bei 1st&10 nur zwei WRs auf dem Feld stehen, schickt er seine 2-4-nickel Formation auf den Platz. Auch in Woche 1 gegen die Hawks war das so. Das wird er heute wohl ändern, aber dann kommt das zweite Problem zum tragen: wer soll in der Linie spielen? DE Mike Daniels ist richtig gut; daneben spielt FA-Verpflichtung Letroy Guion als Nose Tackle nur, weil B.J. Raji verletzt ist – und so sieht das auch aus, da kann Max Unger getrost leicht angeschlagen in das Spiel gehen. Dem 1st-rd pick des Jahres 2013, Datone Jones, gab man nur 350 Snaps; und die beiden anderen DLiner im Kader, Josh Boyd und Mike Pennel sind, ähm, wer sind diese Leute?

In der Base-D spielt LB Clay Matthews außen, nicht in der Mitte wie in nickel. Auf der anderen Seite steht Julius Peppers, der morgen seinen 35. Geburtstag feiert. In der Mitte steht Sam Barrington, 7th-rd pick 2013, neben A.J. Hawk, der nur noch im Kader ist, weil sonst noch mehr Barringtons spielen müßten.

Keine Ahnung, was Capers sich für morgen ausdenkt, aber er sollte die letzten sieben Nächte nichts anderes gemacht haben, als darüber nachzudenken. Oh, außer natürlich seinen LBs und Nickelbacks zu erklären, daß man als edge oder contain player bei der read option nicht blind in die Mitte stürzt! Als contain player ist dein Job, dem QB, behält er den Ball, den Weg nach außen abzuschneiden und ihn die Mitte zu lenken, wo es crowded ist und sich jemand finden sollte, der den Tackle machen kann; und nicht selbst in die Mitte zu stürzen und einem Kapernick oder Wilson außen zwei Hektar freie Pleene zum Spielen zu geben.

Seattles Paßspiel

Mit Disziplin und individueller Stärke kann man Seattles Laufspiel in den Griff bekommen, Carolina hat es letzte Woche wieder gezeigt: 28rush, 100yds. Und obwohl das Laufspiel nie richtig in die Gänge kam, haben sie nur 22 Pässe geworfen. Alles ist um das Laufspiel herum gebaut, das Paßspiel ist – trotz des starken Laufspiels – nur so mittel.

Nach net yards/attempt liegt man im Mittelfeld der Liga, und dieser Wert wird sogar noch hochgezogen durch Russel Wilsons Houdini-Plays, wenn er sich in seiner unnachahmlichen Art aus einer Drucksituation befreit, wild hin- und herscramblet wie eine Wühlmaus und dann nach acht Sekunden einen freien Receiver findet – und nach acht Sekunden ist immer jemand frei. Das sind aber broken plays, die stehen nicht im Playbook. Was aber im Playbook von Offensive Coordinator Darrel Bevell steht, ist ein heilloses Durcheinander von verschiedenen Konzepten. Und funktioniert nicht besonders gut.

Ich weiß immer noch nicht genau, was Bevell mit seinem Paßspiel eigentlich machen will. Darrell Bevell und seine Paßspielzüge sind vielleicht so, wie der aufgeregte 17jährige mit dem BH-Verschluß. Das souveräne Laufspiel mit all seinem Selbstvertrauen und Hartnäckigkeit hat ihn weit gebracht und er steht kurz vor der Endzone. Dann gehen ihm aber zu viele aufregende Sachen durch den Kopf und er vertrottelt sich irgendwie. Er hat soviel gelesen und gehört von erfahrenen Typen, wie das im Paßspiel am besten funktioniert: mit den Slants, der West Coast Offense und dem todsicheren Konzept Four Verticals. Aber er versucht dann alles zusammen und gleichzeitig und durcheinander und ach…. Zum Glück schafft es der Charmslinger Russel Wilson oft genug, sich mit einer seltenen Mischung aus Coolness und Eloquenz aus der unglücklichen Situation zu befreien und den Touchdown zu machen. Wenn Wilson es auch gegen Green Bay regelmäßig schafft, sich galant aus Sackgassen wie diesem sprachlichen Bild zu befreien, wird er wie immer seine zwei Houdini-Entfesselungskünstler-Touchdowns zu Doug Baldwin und Jermaine Kearse werfen.

Als großes Glück für beide, Bevell und Wilson, hat sich in den letzten Wochen TE Luke Willson entpuppt. Für ihn schafft es Bevell seit Ende November jede Woche ein, zwei Big Plays einzubauen, indem er mit seinem playdesign die Aufmerksamkeit auf andere Leute zieht. Als Unglück dagegen gilt die Verletzung des Rookies Paul Richardson. Der speedster sollte die Rolle von Percy Harvin übernehmen, im Dezember ist er denn von Wilson auch 22 Mal angespielt worden bevor er sich letzte Woche gegen Carolina das Knie verletzte.

Beating Las Vegas

In den letzten acht Spielen hat Seattle nur drei Mal mehr als 20 Punkte gemacht. Sie sind kein high scoring team, wobei die wenigen Punkte zum Teil auch daher kommen, daß sie Führungen „nach Hause laufen“. Insgesamt hat Green Bay eine mittelmäßige Verteidigung, wobei die Run-D ein schlechtes match-up für sie ist. Disziplin bei den read options, sichere Tackles, Big Plays verhindern. Das sind alles Fundamentals, das ist kein Hexenwerk. So ein „sauberes“ Spiel ohne Aussetzer könnte schon genug sein, um Seattles Angriff bei 21 +/- 3 Punkten zu halten.

In diese Region kann Rodgers seinen Packers-Angriff auch bringen. Daher scheinen die 7,5 Punkte, die Vegas den Hawks gibt, zu viel. Nicht nur hier in der Vorschau; auch korsakoffs power ranking stutzt den Spread auf 2,7 Punkte zusammen. Klingt fair.

Lesenswertes zum Spiel anderswo:

6 Kommentare zu “NFC Championship Game 2014/15 Preview: Green Bay Packers @ Seattle Seahawks

  1. Im RAN.de Stream kommentiert Jörg Opuchlik von 21:05 Uhr bis ca. 23:15 Uhr das NFC Spiel, danach übernimmt leider das unsägliche Duo (Buschi/Stecker).

  2. vor Maxwell muss man vllt „keine Angst haben“, aber wenn mein Gedächtnis nicht täuscht, hat er im ersten Spiel ne interception gegen Rodgers gehabt.
    danke für die sehr schöne und ausführliche Zusammenfassung

  3. Pingback: Preview: Postseason 2014 (Conference Championship) – Packers @ Seahawks - German Sea Hawkers

  4. Pingback: NFC Championship 2014/15: Seattle Seahawks – Green Bay Packers live | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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