Ist es schon an der Zeit, bei Justin Fields panisch zu werden?

Tampa Bay Buccaneers – Chicago Bears am Sonntag war “tough watch”. Das lag nicht daran, dass der Altersunterschied zwischen den beiden Quarterbacks der größte aller Zeiten war.

Es war vielleicht auch der größte Qualitätsunterschied ever.

Ich übertreibe. Ein bisschen.

Ich war immer Justin-Fields-Fan. Ich hätte Fields im Draft als QB2 gedraftet, weil er der präziseste unter allen QBs war, weil er der mobilste unter allen war und weil ich die Bedenken wegen seiner Tendenz zum Ballhalten für übertrieben hielt.

Nach wenigen Einsätzen von Fields als QB muss man konstatieren: Die Alarmglocken dürfen langsam zu schrillen beginnen.

In fünf Einsätzen als Starting-QB hat Fields eine tolle Performance gegen die kaum ernst zu nehmende Lions-Defense geleistet, zwei unscheinbare bis mittelmäßige Performances gegen Raiders und Packers – und zwei absolut desaströse gegen Cleveland und am Sonntag gegen Tampa Bay.

Cleveland – das war der 9-Sack-Spiel.

Am Sonntag war der 3-INT-und-4-Sack-Spiel.

Die Statistiken für Fields in der bisherigen Saison lesen sich leider entsprechend grausig: 22 Sacks, 2 TD bei 6 INT, 4.2 NY/A. Das ist unterhalb von „Tebow Zone“.

Fields ist nach EPA/Play der mit Abstand schwächste Quarterback der Saison – hinter Leuten wie Jared Goff, Zach Wilson oder Davis Mills:

Quelle: rbsdm.com

Und: Fields ist bei PFF der am niedrigsten geratete QB und hat mit einer Quote von nur 65% fangbaren Pässen als einziger QB unter 70%.

Wir sind noch seeeeeehr früh in Fields‘ Rookiesaison, aber wir können schon jetzt nicht mehr daran vorbeischauen, dass eine von Fields‘ am lautesten diskutierten Schwächen – eben schwache Pocket-Awareness mit der Tendenz, den Ball zu lange zu halten – in der NFL bis jetzt auf die brutalste Weise offen gelegt wird.

Diese auf Twitter vom stets lesenswerten Ben Baldwin veröffentlichte Grafik zeigt schonungslos auf, in welchen Sphären sich Fields bewegt:

Pass-Blocking vs. Sack-Rate – Ben Baldwin

Auf der x-Achse haben wir das PFF-Rating in Pass-Blocking. Auf der y-Achse die Sack-Rate. Fields‘ Bears haben ziemlich genau mittelmäßige O-Line in Pass-Protection, aber Fields sprengt trotzdem alle Dimensionen, was Sack-Rate angeht.

Fields kassiert bis jetzt in 12.7% seiner Dropbacks einen Sack. Das ist eine absurd hohe Zahl. Kein anderer QB kommt auch nur auf 10%.

Fields hat 66 Pressures kassiert – viel, aber eine 38% Pressure-Rate ist nicht fern aller Konventionen. Ein Drittel davon – 22 – enden in Sacks. Eine so hohe Pressure-to-Sack Rate von 33.3% ist in der NFL praktisch unerhört. Unter allen QB-Spielzeiten mit mindestens 100 Dropbacks pro Saison und einer Pressure-to-Sack Rate von über 30% finden wir erlauchte Namen wie Dwayne Haskins, Josh Rosen, Marcus Mariota, Cody Kessler, Blaine Gabbert, Alex Smith, Andy Dalton oder Michael Vick – und den notorisch Sack-anfälligen Ryan Tannehill.

Das ist keine gute Gesellschaft – und alarmierend, selbst wenn wir die schwache Infrastruktur und das suboptimale Coaching der Bears berücksichtigen.

Wie kritisch sind die Indizien?

Ich höre in diesen Tagen viele Entschuldigungen für Fields und viele Gründe, weswegen diesen jungen QB abzuschreiben noch viel zu früh ist – und an beiden Punkten ist einiges dran. Aber Fields war in den meisten Spielen nicht bloß „schwach“. Er war „schlechtester NFL-Starting-QB“ Material. Der Weg von dort unten nach ganz oben ist ein sehr weiter. Und „ganz oben“ ist keine vermessene Hoffnung, wenn man für einen QB zwei 1st Rounder investiert.

Also:

#1 Fields ist nach einer Handvoll Spielen in Regionen gerankt, in denen du deinen QB niemals gerankt sehen willst.

#2 Fields ist noch sehr jung, und es ist wahrscheinlich noch zu früh um richtig qualifizierte, belastbare Prognosen über seine Zukunft zu machen.

#3 Aber die Pre-Draft-Stimmen, die vor einer zu hohen Einberufung von Fields wegen seiner deutlichen Schwächen im Processing warnten, haben bis jetzt viel Futter und damit Aufwind bekommen.

Ehrlich: Ich hoffe für die Bears-Fans, dass Fields nicht das „Josh-Rosen-Schicksal“ ereilt und sie damit ihren „zweiten Trubisky“ innerhalb von wenigen Jahren erleben. Aber ich kann nicht an den Indizien vorbeischauen und muss leider rasch wachsende Skepsis gegenüber Fields gestehen.

Was sicher fehl am Platz ist: Die Performance von Fields abzuwälzen und alles auf die Coaches zu schieben. Denn wenn wir eins über die letzten Jahre gelernt haben, dann, dass Quarterbacks als zentrale Figuren inhärent viel größeren Anteil an dem auf dem Platz Gezeigten haben als wir wahrhaben wollen. Auch Rookies auf ihren ersten Eingewöhnungsversuchen.

14 Kommentare zu “Ist es schon an der Zeit, bei Justin Fields panisch zu werden?

  1. Ich frage mich so langsam, ob die Bills in der QB Evaluation Glück hatten oder etwas gesehen haben (egal ob im Scouting oder per Analytics) das ihnen verraten hat, dass Allens Präzision ein lösbares Problem ist und er ansonten alles hat um ein NFL QB zu werden.
    Allen sah in seiner Rookie Saison auch nicht gut aus, aber aus anderen Gründen als Fields – mit dem letzten Absatz im Kopf wäre es jetzt spannend zu wissen, was für einen Rookie eher rote Flaggen sind und wo vermutlich einfach Training und Zeit gebraucht wird.

  2. Wenn es wie bei Fields anscheinend an der Psyche klemmt, wird das fast immer ein Problem bleiben. Und die verkorksten Spiele sowie die damit verbundenen schmerzhaften Erfahrungen sind dabei bestimmt nicht hilfreich …

  3. Natürlich ist Fields Problem zuallererst er selbst, aber der Coachingstaff erweckt nicht den Eindruck er sei hilfreich dabei Fields Probleme lösen oder auch nur kaschieren zu können.

  4. @Der Insulaner: Mich würde echt interessieren, ob man Fields mit speziellem Fokus auf Sack-Rate diese Flausel austreiben kann.

    Ich meine: Die Grafik schreit dich an! Coach und QB müssen beim Blick darauf doch wissen, dass *hier* der Knackpunkt liegt, an dem zu arbeiten ist.

    Ich frage mich oft echt, ob das Problem wirklich psychisch ist, oder ob es schlicht nicht bekannt ist.

  5. Falls jemand die Spiele gesehen hat, hier eine entscheidende Frage: Wenn Fields trotz passabler O-line den Ball zu lange hält, hat er kene Dump-off Optionen? RB? TE? Shallow cross?
    Nicht vorhanden? Nicht offen? Nicht bedient?

    Fairerweise muss man auch anmerken: Rams, Packers, Browns, Buccs sind kein Fallobst. Die Bears haben einen beinharten Schedule. Da ist außer Giants und Lions kein Aufbaugegner dabei. (Steelers vielleicht, aber mit Rookie-QB gegen den Rush? Hmmm…)

  6. Last fields in Ruhe der Junge spielt seine erste season, und die Bears sind trotzdem noch auf Playoff Kurs. Ich denke er wird noch einschlagen wie eine Bombe😀😀😀😀

  7. Auf YT gibt es „Every throw by Justin Fields in … game“. Gegen Bengals und Browns sieht er gar nicht so schlecht aus.
    1. Oft hat er keinen Dump. Wenn doch, ist der Dump hauteng gedeckt.
    2. Die WR sind häufig einfach nicht frei. Kaum Separation. Fields wirft oft gezwungenermaßen in funzelige Fensterchen.
    3. Das soll eine mittelgute O-line sein? Wenn ein freier Defender nach anderthalb Sekunden links vorn durchkommt, Fields den Sack durch schnelle Drehung und Sprint nach rechts entgeht, ist das doch erstmal gut gemacht. Wenn dann von hinten rechts der nächste Defender kommt und ihn nach insgesamt drei Sekunden sacked, dann mag das in Fields Statistiken schlecht aussehen, aber die OL hat da durchaus ihren Anteil.
    4. Wenn der schnelle kurze Pass offen ist, nimmt Fields ihn offensichtlich ungern. Für die längeren Pässe dagegen wirft er manchmal einfach einen Tick zu spät und das Fenster ist zu bzw. die Seitenlinie erreicht.

    Letzteres muss er ändern: Bisschen bescheidener, Timing, WR-chemistry.

    Ansonsten würde ich sagen: WR müssen mal ein bisschen Routerunning üben, OC muss kürzere routes, rub-routes und crosses anbieten, die OL muss effektiver blocken.

    @Jogi: Keine Ahnung, ob das Ironie war, aber ich denke, wenn man Fields gut coached, wird der NFL-tauglich…

  8. @Dizzy war nicht ironisch hallte viel von Justin Fields aber er spielt seine erste season da kann wohl kaum Wunder erwarten

  9. @Jogi
    Naja, wir haben aber auch andere QBs die gerade in ihrer ersten Saison spielen und nicht so mies sind 🤷🏽‍♂️.

  10. @Dizzy: Klar sind OL + WR nicht gut, aber es ist auch nicht so, dass die OL die größte Katastrophe seit Erfindung der Hawaiipizza wäre.

    Pressure to Sack Stats sind tendenziell stabil. Fields war am College mit 26% schon mies. Aber 33% ist unerhört. Das *muss* besser gehen, egal wie schlimm die Rahmenbedingungen sein mögen.

    Leider müsste sich Fields *extrem* verändern damit wir eine Verbesserung auf ein passables Level kriegen. Da ist die größte Hoffnung im Moment tatsächlich die Mini Sample-Size.

  11. Dann klammere ich mich geistig an Ryan Tannehill und Josh Allen, was Veränderungspotenzial angeht. 😉
    Wenn Fields doch bloß einen guten Veteran QB hätte um zu lernen…

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